Konjunktur-Aussichten düstern sich ein – Industrie im ersten Quartal noch moderat betroffen

Der Umsatz der größeren Industriebetriebe in Schleswig-Holstein ist im ersten Quartal dieses Jahres im Vorjahresvergleich um gut zwei Prozent auf 7,9 Milliarden Euro gesunken. Der Rückgang resultiere besonders aus einem Minus beim Auslandsabsatz um fünf Prozent, berichtet heute das Statistikamt Nord. Bei Geschäften außerhalb der Eurozone sanken die Umsätze sogar um acht Prozent. Die Corona-Krise hatte sich erst im Laufe des März deutlich auf die Wirtschaft ausgewirkt.

Nach den Worten von Wirtschaftsminister Bernd Buchholz sei es zumindest ein hoffnungsvolles Zeichen, dass Schleswig-Holstein im März im Verarbeitenden Gewerbe verhältnismäßig wenig betroffen war. «Blickt man beispielsweise nach Hamburg, Baden-Württemberg, Bayern oder Hessen, dann sieht man dort Einbrüche ganz anderer Dimension», so der Minister. Dabei komme dem Echten Norden zweifellos die gut aufgestellte Branche der Medizintechnik und der pharmazeutischen Produktion zugute.

Die Geschäfte mit inländischen Handelspartnern blieben laut Statistikamt in den ersten drei Monaten dieses Jahres auf dem Niveau des Vorjahres. In einigen Industriezweigen gab es im ersten Quartal noch deutliche Zuwächse, in anderen schon klare Einbußen. Die Statistik erfasst 552 Industriebetriebe mit jeweils mindestens 50 Beschäftigten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass etwas mehr Betriebe einbezogen wurden als vor einem Jahr.

Zur Situation der Wirtschaft in Schleswig-Holstein sagte Buchholz weiter (Audio starten – „im Browser anhören“)

Dr. Bernd Buchholz · Buchholz zur Konjunkturlage

Unterdessen meldet das Kieler Institut für Weltwirtschaft, dass sich die deutsche Wirtschaft absehbar erst im Laufe des kommenden Jahres von den Folgen der Corona-Krise erholen werde. Der Aufholprozess vollziehe sich deutlich langsamer als der Einbruch, heißt es in der jüngtsen IfW-Konjunkturprognose. Im kommenden Jahr sei mit einem Wachstum um 7,2 Prozent zu rechnen. Für das laufende Jahr prognostiziert das Institut einen Einbruch des deutschen Bruttoinlandsprodukts um 7,1 Prozent.

Nach Ansicht der Experten wird die Wirtschaft erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 wieder Vorkrisenniveau erreichen. «Damit sind die Folgen der Krise aber längst noch nicht wettgemacht, da die wirtschaftliche Aktivität dann immer noch merklich unter dem Niveau liegen wird, das sich ohne den Effekt der Corona-Pandemie ergeben hätte», sagte der IfW-Konjunkturforscher Stefan Kooths. «Insgesamt dürfte die Krise Deutschland dann rund 300 Milliarden Euro an Wertschöpfung gekostet haben.»

Für das laufende zweite Quartal rechnet das Institut mit einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres um 11,3 Prozent. «Das markiert den größten Quartalsrückgang seit Bestehen der Bundesrepublik», sagte Kooths. Ab dem dritten Quartal seien wieder Zuwächse zu erwarten. Laut der Konjunkturprognose wird die Zahl der Arbeitslosen in der Spitze auf drei Millionen steigen, die Arbeitslosenquote im Jahresschnitt auf 6,1 Prozent.

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