Lübeck verschiebt – Eckernförde startet glatt und optimistisch ins Tourismus-Modellprojekt

Eckernfördes Bürgermeister Jörg Sibbel (rechts) und Touristik-Chef Borgmann erläutern Buchholz am Strand des Binnenhafens ihr Modellkonzept

Während der Kreis Ostholstein sein Tourismus-Modellprojekt in der Lübecker Bucht mit bangen Blicken auf steigende Corona-Zahlen vorerst auf Eis legt, wagten die Verantwortlichen des Projekts in Eckernförde heute eine erste vorsichtige Start-Bilanz. Wirtschafts- und Tourismusminister Bernd Buchholz machte sich – drei Tage nach dem Start des Modellvorhabens – bei frischem Wind und strahlender Sonne selbst ein Bild. Und stellte nach einem fast dreistündigen Rundgang zufrieden fest: Mit der Auswahl von Eckernförde lagen seine Tourismusexperten richtig: „Mit 2.500 Übernachtungsbetten, 150 geöffneten gastronomischen Betrieben und 9 Testzentren vor Ort ist das Projekt ebenso überschaubar wie gut steuerbar“, so der Minister, der von Bürgermeister Jörg Sibbel und dem Geschäftsführer der Eckernförder Touristik & Marketing GmbH (ETMG), Stefan Borgmann, begleitet wurde.

Buchholz im Gespräch mit Redakteuren des sh:z und der KN

Im abschließenden „open-air“-Gespräch in der Fußgängerzone mit Journalisten von «Eckernförder Zeitung», «Kieler Nachrichten» und «Welt» zeigte sich der Minister zuversichtlich, dass das Eckernförder Projekt auch bei steigenden Tagestouristenzahlen vier oder sogar sechs Wochen erfolgreich durchsteht. Laut Borgmann sind gut zwei Drittel der Betten in der Ostseestadt belegt. Von allen bisher durchgeführten Corona- Tests war nur ein positives Ergebnis dabei. „Und das auch nur, weil der Mann bereits krank war und schon vermutet hatte, sich infiziert zu haben“, so Touristik-Chef Borgmann. Die Testbereitschaft sei zudem sehr hoch, die Eckernförder und ihre Gäste überaus diszipliniert und auch die Gastronomen achten nach den Worten von Holger Jensen, der ein Zelt-Cafe an der Hafenspitze betreibt, auf die Einhaltung sämtlicher Regeln.

Buchholz dankte allen Beteiligten für den enormen Aufwand. „Ich bin sicher, dass die Aussicht auf eine allmähliche Öffnung vor allem die entschädigen wird, die früh mit eingestiegen sind“, so Buchholz. Die wissenschaftliche Begleitung erfolge in Personalunion über das Kreisgesundheitsamt in Rendsburg und den Mediziner Prof. Dr. Stephan Ott.

Emma Michaeli vom Testmobil Dr. Krause erläutert dem Minister die Arbeit für das Modellprojekt.

Eine Station des Rundgangs war unter anderem die Mobile Teststation des Krause-Labors. Als Sibbel, Borgmann und Buchholz in dem Zentrum auf dem Parkplatz neben der Stadthalle eintrafen, wurde gerade der 400. Test ausgewertet.

Die Modellregion Innere Lübecker Bucht gab gestern unterdessen bekannt, dass sie ihren für Montag geplanten Neustart des Tourismus auf unbestimmte Zeit verschiebt. Als Grund nannten die Initiatoren und der Kreis Ostholstein das dynamische Corona- Infektionsgeschehen. Die so genannte Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag Dienstagabend bei 76,8. Voraussetzung für Modellprojekte sind Werte stabil unter 100. Zum Projekt Lübecker Bucht gehören die Gemeinden Timmendorfer Strand, Scharbeutz und Sierksdorf sowie die Stadt Neustadt.

Buchholz äußerte für die Entscheidung des Kreises großes Verständnis – Audio starten – Pfeil klicken

Über Beginn oder Abbruch eines Projektes entscheidet der jeweilige Kreis nach der Bewertung des Gesundheitsamtes. „Wir sind bereit für eine vorsichtige Öffnung, sobald die Situation es zulässt“, sagte André Rosinski, Vorstand der Tourismus-Agentur Lübecker Bucht. «Die Infrastruktur zum umfangreichen Testen der Urlauber ist organisiert und kann binnen kürzester Zeit aktiviert werden.» Nach den Worten von Ostholsteins Landrat Reinhard Sager wäre es „derzeit wegen der kontinuierlichen Inzidenzsteigerung und der zunehmend aufwendigeren Nachverfolgung von Kontaktpersonen nicht vertretbar, das Modellprojekt Innere Lübecker Bucht zu starten“. Die touristischen Akteure an der Ostseeküste haben unser größtes Verständnis für deren extrem schwierige Lage, so Sager und Buchholz.

Mit Blick auf die weiterhin auch in den Modellregionen ausgesetzte Bäderregelung sagte Buchholz in Eckernförde: „Ich kann mir derzeit nicht vorstellen, sie für einzelne Modellregionen in Kraft zu setzen und so einen Flickenteppich zu produzieren.“ Die Bäderregelung werde zunächst bis zum 2. Mai landesweit ausgesetzt. „Und ich gehe davon aus, dass sie auch darüber hinaus bis Mitte Mai ausgesetzt bleiben wird“, so Buchholz.

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