Buchholz bei Wasserstoff-Konferenz: „Wir haben das Zeug, Vorreiter in Europa zu werden“

Buchholz bei der Podiumsdiskussion in Husum / Fotos: Konitzki

Beim Aufbau einer klimafreundlichen Wasserstoff-Wirtschaft sehen sich die drei norddeutschen Bundesländer zusammen mit Hamburg und Bremen klar in einer europaweiten Vorreiterrolle: «Nachdem wir uns bereits 2019 auf eine gemeinsame Wasserstoff-Strategie verständigt haben, sind im Norden inzwischen zahlreiche Projekte am Start, die das enorme industrielle Potenzial dieser Branche heben werden», sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz heute zur Eröffnung der mittlerweile 4. Fachkonferenz „Watt 2.0“ im Vorfeld der Traditionsmesse „Husum Wind“.

Der aus reinem Windstrom in so genannten Elektrolyseuren gewonnene Wasserstoff spiele bei der Weiterentwicklung und Vollendung der Energiewende eine zentrale Rolle: «Er ist klimaneutral, speicherbar und kann mit Kohlenstoff aus Erneuerbaren Energien Basis für zahlreiche klimaneutrale Kraftstoffe sein», so Buchholz. Damit sei er nicht nur ein Schlüssel zur Einhaltung der Energie- und Klimaziele, sondern auch ein Königsweg beim Ausstieg aus Kohle und Gas in der Wirtschaft und im Verkehrssektor. Und Schleswig-Holstein habe zusammen mit seinen norddeutschen Nachbarn alles, was diese Technologie marktfähig machen könne: «Wir haben unendlich viel Wind und damit das Erzeugerpotenzial, wir haben unter anderem in Heide, Geesthacht oder auf Helgoland die Anwendungsstandorte – und verfügen über eine leistungsstarke Forschungslandschaft auf diesem Feld», so Buchholz.  

Auch Umweltminister Jan Philipp Albrecht sowie Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann oder Mecklenburgs Wirtschaftsminister Christian Pegel machten deutlich, dass der Norden dank seiner Lage neben anderen Erneuerbaren Energien für die Wasserstoffwirtschaft prädestiniert sei: «Der Wasserstoff, den wir aus unseren On- und Offshore-Windenergieanlagen gewinnen können, kann eines Tages beispielsweise für klimafreundliche Treibstoffe für Flugzeuge oder den Schwerlastverkehr verwendet werden. Oder er wird in Gasnetze eingespeist, um fossiles Erdgas zu ersetzen und die entstehende Abwärme wird genutzt», sagte Albrecht.

Buchholz und Albrecht sagten bei der Konferenz weiter – Video starten

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion, an der auch Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Voigt und Niedersachsens Wirtschafts-Staatssekretär Berend Lindner teilnahmen, erinnerten die Politiker auch an den schwierigen Kampf gegen die EEG-Umlage, durch die die Gewinnung von Wasserstoff aus Strom und Wasser (Elektrolyse) bislang unwirtschaftlich ist. So sehe eine Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) künftig zwei Ausnahmen für die Wasserstoffproduktion mittels Elektrolyse vor.

Als große Stärke des Nordens bezeichnete Buchholz neben den hohen Erzeugungskapazitäten für On- und Offshore-Windstrom unterirdische Formationen zur Speicherung von Wasserstoff  – etwa in Salzkavernen. Hinzu kämen gut ausgestattete Seehäfen, die künftig eine wesentliche Rolle bei Import und Verteilung von Wasserstoff und synthetischen Energieträgern spielen können.

Mit Blick auf den Verkehrssektor und die heutige feierliche Eröffnung der vierten Wasserstoff-Tankstelle in Schleswig-Holstein durch das Energieunternehmen GP JOULE GmbH in Husum sagte Buchholz: «In Bezug auf alternative Antriebe wird häufig ein scheinbares Dilemma aufgemacht: Ohne Tankstellen-Infrastruktur keine Wasserstoff-Autos und umgekehrt. Dabei haben wir hier kein Henne-Ei-Problem: Das Telefon wurde auch nicht erst erfunden, als es flächendeckende Telefonanschlüsse gab. Das E-Auto wurde nicht erst verkauft, als überall E-Ladesäulen standen», so der Minister.  Und genauso wenig könne man das ganze Land mit Wasserstoff-Tankstellen zupflastern, bevor man genau wisse, ob Wasserstoff-Autos massentauglich seien. Buchholz: «Dass wir Tankstellen brauchen ist klar. Aber wir brauchen auch mutige Unternehmen, die ihre Wasserstoff-Autos auf den Markt bringen und die Technologie testen. Denn eine Technologie wird sich erst dann richtig durchsetzen, wenn sie alltagstauglich ist. Deswegen: Seien Sie weiter mutig und gehen Sie voran.»

Unterdessen bündelt das Land Schleswig-Holstein seine Forschung zum Thema Wasserstoff: Am1. Oktober nimmt das Landes-Kompetenzzentrum Wasserstoffforschung (HY.SH) seine Arbeit auf – unter dem Dach der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH (EKSH). «Schleswig-Holstein setzt damit ein weiteres deutliches Signal als Energiewendeland Nr. 1 und unterstreicht sichtbar seinen Platz in der europäischen Forschungsszene», sagte  Wissenschafts-Staatssekretär Oliver Grundei. Das HY.SH binde die Fachkompetenzen der Hochschulen und Forschungsinstitute des Landes zusammen. Es soll unter anderem die forschenden Einrichtungen des Landes bei der Projektakquise und dem Finden von Projektpartnern unterstützen. Die Leitung des neuen Kompetenzzentrums HY.-SH übernimmt Prof. Michael Berger, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für die Transformation des Energiesystems an der Fachhochschule Westküste in Heide/Holstein.

EKSH, die Hochschulen und der Energieforschungsverbund des Landes, das Kompetenzzentrum Erneuerbare Energien und Klimaschutz Schleswig-Holstein (EEK.SH) haben in Zusammenarbeit mit den Fachministerien das Konzept für das neue Kompetenzzentrum HY.SH erarbeitet. Zu den Zielen des neuen Kompetenzzentrums gehören:

  • die forschenden Einrichtungen des Landes bei der Projektakquise, dem Finden von Projektpartnern und mit Fördermitteln zu unterstützen sowie ihnen den Zugang zu nationalen und internationalen Netzwerken und den dort verfügbaren Informationen zu erleichtern,
  • alle wesentlichen Fachentscheidungen und -positionen zum Thema Wasserstoff und zur Energiewende im Land schnell und zuverlässig zu unterfüttern und die Interessen des Landes und seiner Wissenschaftsgemeinde in den relevanten Fachgremien und Organisationen wahrzunehmen sowie
  • bei den Energiewendethemen zu einer integrierten Umwelt-, Wirtschafts-, Bildungs- und Wissenschaftspolitik sowie zu gemeinsamen Strategien und Maßnahmen zu gelangen.

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