Leinen los für die Investitions-Offensive in die Häfen an Nord- und Ostsee

Schleswig-Holsteins größten Häfen steht bis 2030 ein Modernisierungsschub bevor. Das Land will aus dem Sondervermögen des Bundes 140 Millionen Euro in die Erneuerung der Kaianlagen in Brunsbüttel, Kiel, Lübeck und Büsum investieren. Doch auch die kleineren Häfen – etwa auf den Inseln und Halligen – hat Verkehrsminister Madsen bei seiner Hafenstrategie im Blick.

Skandikai Lübeck

Mit einer Gesamt-Investition von rund 140 Millionen Euro – allein aus Mitteln des kreditfinanzierten Sondervermögens des Bundes – will die Landesregierung in den kommenden Jahren die Häfen in Brunsbüttel, Kiel, Lübeck, Büsum und Hörnum modernisieren und zukunftsfähig machen. «Unsere Häfen an Nord- und Ostsee sind Dreh- und Angelpunkt für den internationalen Handel, die maritime Wirtschaft, die Offshore-Windenergie, den Import von regenerativ erzeugten Energieträgern und LNG oder die Fischerei», sagte Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen der Deutschen-Presse-Agentur. Jeder investierte Hafen-Euro zahle auf den Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein und damit auf sichere Jobs und stabile Wertschöpfungsketten ein. «Sanierte Kaianlagen und eine moderne Infrastruktur sorgen dafür, dass der maritime Aufschwung nicht an verrosteten Spundwänden scheitern wird», so der CDU-Politiker.

Elbehafen Brunsbüttel

Die größten Investition im laufenden Jahr stehen laut Madsen in den Häfen von Brunsbüttel und Kiel an. Während die Logistikflächen im Kieler Ostuferhafen auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände bis 2028 für 45 Millionen Euro um 6,5 Hektar erweitert werden sollen, plant die Brunsbüttel Ports GmbH im Elbehafen für rund 50 Millionen Euro die Sanierung und den Ausbau ihres Tiefwasser-Kais.

«Damit schaffen wir die nötige Infrastruktur für die Abfertigung von Schiffen, die Ladungen der Industriebetriebe der Region im- und exporieren», so Madsen. Das Kieler Vorhaben werde mit rund 27 Millionen Euro aus dem Sondervermögen gefördert, das Brunsbüttel-Projekt mit absehbar 25 Millionen Euro. Für den Lübecker Hafen sind neun Millionen Euro für die Errichtung drei weiterer Landstromanlagen reserviert. «Außerdem wollen wir aus weiteren Fördermitteln von Bund und Land am Lübecker Skandinavienkai den Aufbau eines Güterbahnhofs ermöglichen», so Madsen. Kommende Woche will der Minister im Landtag seine Hafenstrategie für die kommenden Jahre präsentieren.

Hafen von Büsum

 Ab 2027 will die Landesregierung auch den Ausbau des landeseigenen Hafens in Büsum (Kreis Dithmarschen) anpacken. Dafür sei lauit Madsen mit 59 Millionen Euro der größte Block aus dem 140-Millionen-Hafenpaket reserviert. Geplant ist neben dem Ausbau des neuen Hafenbeckens IV für 40 Millionen Euro vor allem die Sanierung der Ostmole im Vorhafen außerhalb des Büsumer Sperrwerks. «Auf diese Weise können in Büsum künftig auch deutlich größere Schiffe abgefertigt werden.»

«Mit all diesen Investitionen sichern wir vor allem das Wachstum und die Zukunftsfähigkeit unserer Häfen ab, aber davon wird auch das gesamte Umfeld an Nord-und Ostseeküste profitieren», sagte Madsen. Insbesondere in Brunsbüttel sei der Chemchoast-Park auf einen starken Hafen angewiesen, aber auch das Holcim-Zementwerk in Lägerdorf bei Itzehoe brauche den Hafen auf seinem Weg zu einer CO2-neutralen Produktion. «Mit dem Elbehafen, der das Zeug zu einem international bedeutenden CO2-Hub hat, fördern wir erstmals einen privaten Hafen», so der Minister.

Marode: Der Hafen in Hörnum auf Sylt

Auch mit Blick auf die Inseln und Halligen an der Nordseeküste verweist Madsen auf einen gewaltigen Investitionsbedarf: So sei für den maroden Hafen in Hörnum auf Sylt eine Summe von 20 Millionen Euro aus dem Sondervermögen reserviert. «Voraussetzung dafür ist aber weiterhin ein tragfähiges Konzept der Gemeinde Hörnum, die den Hafen vom Bund übernehmen will», sagt Madsen. Aktuell laufen zudem die Planungen für neue Fähranleger auf Pellworm und der Hallig Hooge. Für die Kosten von absehbar 65 Millionen Euro werde das Land allerdings nicht auf das Sondervermögen zurückgreifen, sondern die Projekte aus Mitteln von Bund und Land im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe «Förderung der Regionalen Wirtschaftsstruktur» (GRW) finanzieren.

Hallig Hooge

Madsen erinnerte daran, dass sich in den schleswig-holsteinischen Häfen angesichts der seit Jahrzehnten chronischen Unterfinanzierung durch den Bund mittlerweile ein Sanierungsstau von zwei Milliarden Euro aufgestaut habe. «Seit 2005 erhalten wir vom Bund jährlich gerade einmal zwei Millionen Euro für unsere Häfen. So gesehen sind die 140 Millionen Euro aus dem Sondervermögen ein wichtiger Schritt, aber es ändert nichts an unserer Forderung, die jährlichen Anteile des Bundes zu verzehnfachen – auch um der neuen Sicherheitslage in Nord- und Ostsee gerecht zu werden», sagte Madsen.

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