Vier Jahre nach dem Start der «Tourismusstrategie 2030» haben Land und Branche heute in Neumünster Zwischenbilanz gezogen. Bei der Gästezufriedenheit ist der Echte Norden beispielsweise top – doch es gibt auch Nachholbedarf, etwa bei der Ausdehnung der Saison auf die Herbst- und Wintermonate oder bei der Digitalisierung.

In den letzten zwei Jahren gab es nach Angaben der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (TA.SH) in einzelnen Ferienorten – vor allem an der Ostsee – steigende Übernachtungszahlen, auch im Oktober, November und Dezember. Aber: Laut TA.SH-Geschäftsführer Stefan Borgmann eben nicht im landesweiten Durchschnitt. Es sei «ein nur super-langsam zu bewegendes Schiff», die Saison in der dunklen Jahreszeit auszuweiten. Dazu brauche es die grundsätzliche Bereitschaft von Kunden. Es brauche konkrete Reiseanlässe. Und es brauche Betriebe, die auch dann öffnen wollen, sagte Borgmann vor rund 200 Vertreterinnen und Vertretern der Branche in den Holstenhallen von Neumünster.

Und Katja Lauritzen, Geschäftsführerin vom Ostsee Holstein Tourismus (OHT) stellt fest: «Auch wenn der Tourismus bei uns in der Region bei neuen Events in der Nebensaison vorangeht, ist eine schwere Arbeit.» Nicht zuletzt das Wetter lasse sich nicht ignorieren.
Öffnungszeiten der Gastronomie im Winter
«Wenn wir die Saison ausweiten möchten, muss sich in den Wintermonaten auch die Gastronomie besser aufstellen», appelliert auch Tourismus-Staatssekretärin Julia Carstens. Ihrer Ansicht nach sprechen sich Lokale nicht genug ab, damit auch in Randmonaten zumindest einige Betriebe geöffnet haben.
Insgesamt aber zeigt die Halbzeit-Bilanz der Tourismusstrategie aus Sicht von Carstens, «dass wir ganz gut vorangekommen sind und die erste Halbzeit für uns gut gelaufen ist». Es gehe schließlich nicht nur um Quantität, sondern auch um Qualität.
Carstens sagte bei der Pressekonferenz in Neumünster außerdem:
Note 1,6 bei der Gästezufriedenheit in SH
Für eine gute erste Halbzeit in der Umsetzung der Tourismus-Strategie gibt es mehrere Indikatoren: Bei der Gästezufriedenheit liege Schleswig-Holstein mit der Schulnote 1,6 weit vorn. Die Tourismusakzeptanz durch die Einheimischen sei erstmals seit Jahren in Umfragen wieder leicht gestiegen. Eine erste Befragung zur Mitarbeiterzufriedenheit im Tourismus habe zudem ergeben, dass mehr als 70 Prozent dort gerne oder sehr gerne ihr Geld verdienen.
Von insgesamt 38 Leitprojekten, die die Tourismusstrategie angestoßen hat, sind laut Umsetzungs-Managerin Britta Franke zwei Drittel bereits ganz oder in Teilen verwirklicht. Dazu zählt etwa die komplette Neuausstattung des Ochsenwegs als touristischer Fernradroute, Initiativen zur Mitarbeitergewinnung oder eine touristische Landesdatenbank.

Egal ob Hotels, Veranstalter oder Tourismusorganisationen: Sie können Informationen aus der Datenbank mit wenigen Klicks kostenlos in ihre eigenen Websites und Apps einbinden – seien es etwa Events, Sehenswürdigkeiten oder Naturerlebnisse. Alls Einzelheiten zu den 38 Leitprojekten und ihrer Umsetzung finden sich HIER
Zentrales Instrument der Tourismusstrategie ist ein landesweites System aus neun Kennzahlen, für die Zielwerte bis 2030 definiert wurden. «Und die aktuellen Zwischenergebnisse, die vom Deutschen Institut für Tourismusforschung an der Fachhochschule Westküste zusammengestellt wurden, zeigen uns, dass wir im Plan liegen», sagt Carstens. Ein Leitprojekt ist etwa die landesweite Messung der Mitarbeitenden-Zufriedenheit im Tourismus. Auf Landesebene hatte es dies bisher nicht gegeben.


Manon Krüger von der FH Westküste sagt: «Weitere wichtige Datenerhebungen sind ebenfalls erfolgt, jetzt müssen wir sie im Detail auswerten. Dies betrifft zum Beispiel zentrale Bereiche wie Gästezufriedenheit und Tourismusakzeptanz unter den Einheimischen. Hier zeigen sich jetzt schon solide Werte.»
Touhuus.sh vernetzt Branche
Mit der Wissensplattform touhuus gibt es erstmals eine zentrale Online-Anlaufstelle für die schleswig-holsteinische Tourismusbranche. Als neue B2B-Plattform bündelt sie Brancheninformationen aller Art. Mit einem offenen und einem geschlossenen Teil wird sie zielgerichtet Informationen von der Branche in die Branche transportieren, Benchmarks vereinfachen, Studien, Tools und Hilfestellungen leichter auffindbar machen und den Wissensaustausch untereinander fördern.
Stärkung des Binnenlandes
Das Binnenland in Schleswig-Holstein deckt rund 80 Prozent der gesamten Landesfläche ab. Ein Ziel der Tourismusstrategie ist es, den Binnenlandtourismus zu stärken. Seitens des Landes stehen bis 2030 für dieses Handlungsfeld für investive und nicht-investive Projekte rund 13 Mio. Euro Fördermittel zur Verfügung. Zur Grundlagenarbeit gehörte beispielsweise die Erstellung einer Strategie für das Binnenland , und ebenso die Einrichtung der ARGE Binnenland. Diese Arbeitsgemeinschaft entscheidet über zu fördernde Projekte. Zwei Projekte sind bereits bewilligt worden: „Neumünster digital erleben – in Raum und Zeit“ und „Vivaplan -Entwicklungs- und Konzeptphase für den Naturerlebnisort Vivaneum“.

Britta Franke, Leiterin des Umsetzungsmanagements der Tourismusstrategie 2030, appelliert: „In fast allen Handlungsfeldern wurden wichtige Grundlagen geschaffen, mit denen jetzt schon gearbeitet werden kann. So wird die Tourismusstrategie Schritt für Schritt mit Leben gefüllt. Nun geht es darum, diese Ergebnisse in die Praxis zu bringen und die Umsetzung weiter in die Breite zu tragen – von der Landesebene über die Regionen bis in die Kommunen.“
































