Das kreditfinanzierte Sonderprogramm des Bundes macht’s möglich: Neben dem schleswig-holsteinischen Straßennetz wird in den kommenden Jahren auch das Schienennetz in Schleswig-Holstein einen beschleunigten Modernisierungsschub erfahren.

In Abstimmung mit der Deutschen Bahn und der AKN Eisenbahn GmbH (Kaltenkirchen) hat das Land dazu jetzt ein Arbeitspaket mit 13 zusätzlichen Schienenprojekten und einem Gesamt-Investitionsvolumen von 900 Millionen Euro geschnürt. Darin enthalten sind 200 Millionen Euro aus dem Bundes-Sondervermögen für die Länder. «Dieser Betrag ermöglicht uns – neben laufenden Projekten wie der Fehmarnbelttunnel-Anbindung oder der S4 von Hamburg nach Bad-Oldesloe – in den nächsten fünf Jahren viele Ausbauten, Sanierungen, Elektrifizierungen oder Reaktivierungen deutlich früher umzusetzen als ursprünglich geplant», sagte Verkehrs-Staatssekretärin Susanne Henckel heute in Kiel.

Zusammen mit der DB-Konzernbevollmächtigten Ute Plambeck und Sönke Kreft, Betriebsleiter Netz Kiel, sowie AKN-Geschäftsführer Matthias Meyer stellte Henckel die größten Ausbau-Projekte vor, die in den nächsten zwei Jahren angeschoben werden, aber auch konkrete Baumaßnahmen in dieser Zeit. Hier ein Überblick über die größten Projekte, die mit dem Sondervermögen angeschoben werden:
Zu den Projekten, die bereits in diesem und im kommenden aufgegleist werden, zählen unter anderem Bahnsteigverlängerungen. Allein auf der Strecke Kiel-Hamburg seien aus dem Sondervermögen dafür 2026 und 2027 jeweils 1,5 Millionen Euro reserviert – ebenso für die geplante Bahnsteigverlängerung in Lindaunis an der Schlei (500.000 Euro). «Ziel der Bahnsteigverlängerungen ist es, durch bis zu drei aneinander gekuppelte Züge mehr Menschen zur selben Zeit im selben Zug zu bewegen», so Henckel. Weitere geplante Projekte aus dem Sondervermögen seien der Ausbau der Bahnlinien Neumünster–Bad-Oldesloe und Kiel–Preetz sowie des Knotens Flensburg und die Reaktivierung der Strecke Bergedorf–Geesthacht.


Die DB-Konzernbevollmächtigte Ute Plambeck sagte mit Blick auf das Sondervermögen: «Mit dem zusätzlichen Investitionspaket können wir wichtige Infrastrukturvorhaben in Schleswig-Holstein gezielt voranbringen. Dafür werden wir nun die nächsten Planungsschritte gemeinsam mit dem Land angehen. Klar ist: Der Nachholbedarf bei der Infrastruktur steht außer Frage. Daher haben wir seitens des Bundes so viel Geld für die Modernisierung der Infrastruktur bekommen wie nie zuvor. Dafür sind wir dankbar. Nun gilt es, die zusätzlichen Bedarfe aus dem Länderanteil des Sondervermögens klug in Einklang zu bringen mit den anderen Bedarfen an Planungs- und Bauressourcen bundesweit.»
Für die DB stünden laut Plambeck hier insbesondere der Ausbau der Strecke Neumünster–Bad Oldesloe sowie Maßnahmen zur Anpassung von Bahnsteigen entlang der RE-7/70-Achsen im Fokus. Dazu zählten unter anderem Bahnsteigverlängerungen in laufenden Projekten sowie punktuelle Anpassungen von Bahnsteighöhen, um perspektivisch längere Züge einsetzen und Fahrgastwechsel beschleunigen zu können. «Diese Vorhaben erhöhen die Kapazität, verbessern die Betriebsqualität und stärken die Anbindung Schleswig-Holsteins an das überregionale Netz», so Plambeck.
Hier ein Überblick über die wichtigsten Sondervermögen-Projekte der kommenden Jahre:

Unabhängig davon setze die DB laut Sönke Kreft laufend konkrete Verbesserungen für Fahrgäste um: So wurde Anfang des Jahres im Rahmen des Projekts „Elektronisches Stellwerk Niebüll“ die erste Baustufe in Betrieb genommen. Damit wurden die Kapazität und Qualität der Strecke Husum–Bredstedt verbessert. Weitere Bauabschnitte folgen und erhöhen Schritt für Schritt die Leistungsfähigkeit des Netzes.
Hier ein Mitschnitt des Livestreams der heutigen Pressekonferenz in Kiel
Zusätzlich modernisiert die DB 2026 zentrale Infrastruktur an mehreren Stellen im Land: Auf der Marschbahn werden zwischen Glückstadt und Itzehoe Gleise, Bahnübergänge und Leit- und Sicherungstechnik erneuert. In Jübek modernisiert die DB die Bahnsteiganlagen für mehr Komfort und Barrierefreiheit. Auf der Strecke Kiel–Plön wird der Fahrweg instandgesetzt, um die Stabilität des Regionalverkehrs weiter zu erhöhen. Darüber hinaus steht der geplante Ausbau ab 2027 auf der Achse Kiel–Lübeck – vor allem im Abschnitt Kiel–Preetz – bevor. Kreft: «Jede Baumaßnahme trägt dazu bei, dass das Schienennetz weniger störanfällig wird und Züge wieder pünktlicher und zuverlässiger verkehren können.»

Nach den Worten des Geschäftsführers der AKN Eisenbahn GmbH, Matthias Meyer, komme sein Unternehmen bei den großen Infrastrukturprojekten planmäßig voran: «Beim Ausbau der S5 erreicht die Oberleitung in diesem Jahr Ulzburg Süd, in Kaltenkirchen entsteht das Umrichterwerk für den künftigen S-Bahn-Betrieb. Und auf der Strecke Kiel–Schönberger Strand geht ebenfalls in diesem Jahr der nächste Abschnitt bis Probsteierhagen in Betrieb», so Meyer. Für die AKN und ihre Fahrgäste bedeute dies: «Es geht sichtbar voran. Dass der Bund mit dem Sondervermögen jetzt zusätzliche Mittel für die Schiene bereitstellt, begrüßen wir ausdrücklich. Konkret können wir damit die neue Haltestelle Henstedt-Ulzburg West, den AKN-Expresszug und die Erneuerung der A7-Brücke auf der Linie A3 früher als geplant angehen», sagte Meyer.

Als eines der „größten Infrastruktur-Sorgenkinder im Land“ bezeichnete Henckel die bereits vor dem Sondervermögen vom Land durch Eigenmittel priorisierte Marschbahn zwischen Niebüll und Westerland: «Uns ist bewusst, dass diese Strecke regelmäßig eine Zumutung für tausende von Pendlerinnen und Pendlern ist, weil es für dieses Nadelöhr zur Insel Sylt nun einmal keine Alternative gibt.» Wichtig sei deshalb, dass der Bundestag zügig die Mittel für die weitere Planung freigebe. «Und was wir zusätzlich brauchen, ist eine prioritäre Verankerung der Marschbahn im so genannten Infraplan des Bundesverkehrsministeriums», sagte Henckel. Über eine solche „Sylt-Klausel“ würde der vollständige zweigleisige Ausbau zwischen Niebüll und Westerland unverrückbar im Arbeitsprogramm der DB InfraGO festgeschrieben werden.
Henckel erinnerte zudem daran, dass am 21. April auf Sylt ein weiterer Marschbahn-Gipfel stattfindet – diesmal auf Einladung von Ministerpräsident Daniel Günther. „Und am 6. März werden wir als Landesregierung auch im Rahmen eines Parlamentarischen Frühstücks für das Thema in Berlin werben“, so Henckel.

Birgit Austen, kaufmännische Geschäftsführerin vom Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (NAH.SH) ergänzte: «Wir freuen uns darauf, diese vielen Projekte gemeinsam mit dem Land und den beiden Infrastrukturunternehmen umzusetzen. Wir wissen, dass die kommenden Jahre für Fahrgäste noch herausfordernd bleiben werden, auch durch die vielen Baumaßnahmen. Der Weg ist richtig.»






















