Land und DB wollen Marschbahn-Misere mit 5-Punkte-Plan beenden

Schulterschluss für eine starke Marschbahn: Um den seit Jahren störungsanfälligen Betrieb auf der 173 Kilometer langen Strecke zwischen Hamburg, Niebüll und Westerland leistungsfähiger und robuster zu machen, haben sich das Land Schleswig-Holstein und die Deutsche Bahn (DB) auf einen Fünf-Punkte-Plan verständigt.

Auf dem Weg ins Westerländer Rathaus (v.l.): Nordfrieslands Landrat Florian Lorenzen, Ministerpräsident Günther, DB-Chefin Evelyn Palla und Bundes-Verkehrsstaatssekretär Stefan Schnorr

Wie DB-Chefin Evelyn Palla und Ministerpräsident Daniel Günther heute beim Marschbahndialog in Westerland auf Sylt sagten, solle vor allem ein zusätzlicher 15-Minuten-Puffer für den Regionalexpress zwischen Niebüll und Westerland zu deutlich verbesserten Pünktlichkeitswerten führen. Zudem verständigte sich die DB-Spitze mit der Landesregierung auf verbesserte Konzepte, um Störungen vorzubeugen und eintretende Störungen schneller abzuarbeiten. Der zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung bleiben ebenfalls mittelfristige Ziele des Fünf-Punkte-Plans. Der Bund wird die Weichen dafür stellen, dass der zweigleisige Ausbau der Strecke Anfang der 2030er Jahre beginnen kann.  

Hier ein Livestream-Mitschnitt der Pressekonferenz:

„Die mehr als 400.000 Menschen an der Westküste brauchen endlich eine Marschbahn, auf die sie sich verlassen können. Wir alle kennen die seit langem anhaltenden Probleme, und die gehen wir jetzt an. Deswegen haben wir heute den Fünf-Punkte-Plan beschlossen. Für mehr Stabilität im Betrieb und Maßnahmen, die schnell wirken: zusätzliche Zeitpuffer, bessere Abläufe im Störfall und gezielte Investitionen in Infrastruktur und Technik. Die Verbesserungen müssen im Alltag unmittelbar spürbar werden. Klar ist aber auch, dass wir die Probleme dauerhaft nur mit mehr Kapazität lösen. Deshalb treiben wir den Ausbau der Strecke konsequent voran“, sagte Ministerpräsident Günther.

DB-Chefin Palla erklärte: „Die Marschbahn braucht einen Neustart – und genau den bringen wir jetzt gemeinsam auf den Weg. Mit dem Trassentausch schaffen wir kurzfristig mehr Pünktlichkeit und Verlässlichkeit für unsere Fahrgäste. Gleichzeitig investieren wir weiter konsequent in Infrastruktur, moderne Stellwerkstechnik und eine stabilere Betriebsführung. Klar ist aber auch: Wir brauchen mehr Kapazität auf der Strecke. Deshalb treiben wir den zweigleisigen Ausbau mit dem Land weiter voran. Unser Ziel ist eine Marschbahn, auf die sich Pendlerinnen und Pendler sowie Urlauber jederzeit verlassen können.“

Stefan Schnorr, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, sagte die Unterstützung des Bundes für den Ausbau zu, sofern das Land weiterhin die Planungskosten vorfinanziere. „Wir arbeiten daran, dass die Deutsche Bahn mit dem Ausbau der Strecke Ende dieses Jahrzehnts starten kann“, so Schnorr. 

Rund 60 Vertreterinnen und Vertreter von Land, Bahn, Kreis Nordfriesland sowie mehrere Bundes- und Landtagsabgeordnete nahmen an dem Marschbahn-Dialo im Alten Westerländer Kursaal teil

An dem von Nordfrieslands Landrat Florian Lorenzen moderierten Dialog nahmen auch DB-InfraGO-Vorstandsvorsitzender Dr. Philipp Nagl, Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen, Verkehrs-Staatssekretärin Susanne Henckel, Bundesnetzagentur-Vizepräsidentin Dr. Daniela Brönstrup sowie Vertreterinnen und Vertreter der Sylter Pendlerinitiative, Bundes- und Landtagsabgeordnete und Vertreterinnen und Vertreter anderer Verkehrsunternehmen teil. Hintergrund des Dialogs ist nach den Worten von Madsen die aus Sicht aller Beteiligten nicht länger hinnehmbare Lage auf der Marschbahn mit Pünktlichkeitswerten – an einigen Tagen im Winter – von lediglich 50 bis 60 Prozent. Die durchschnittliche Pünktlichkeit lag 2025 bei 80,3 Prozent.

„Die Strecke ist die einzige landseitige Verbindung zur Insel Sylt und damit ihre Lebensader. Pendlerinnen und Pendler, Unternehmen, Gäste sowie Einrichtungen der Daseinsvorsorge können nicht realistisch auf andere Verkehrsmittel ausweichen“, sagte Madsen. „Vor allem der heute beschlossene zusätzliche Zeitpuffer für den RE 6 durch einen Trassentausch ist ein enorm wichtiger Schritt“, so Madsen. Entscheidend sei, dass aus fachlichen Konzepten nun verbindliche und überprüfbare Verbesserungen für die Pendler werden.

Weiter sagte Madsen im Gespräch mit Journalisten – Audio starten, Pfeil klicken…

Zu den fünf Punkten im Einzelnen:

Trassentausch als Hebel für bis zu 25 Prozent mehr Pünktlichkeit
Einen deutlichen Anstieg der Pünktlichkeit erhoffen sich Land und DB durch einen Trassentausch zwischen Regionalverkehr (DB Regio) und den Autozügen. Denn: Aufgrund der hohen Auslastung der Strecke und der überwiegenden Eingleisigkeit ab Husum/Niebüll verstärken sich Verspätungen bislang sehr schnell. Durch den Tausch der Trassen erhält der Regionalverkehr zusätzliche Fahrzeitreserven von bis zu 15 Minuten zwischen Husum und Niebüll. Diese Puffer ermöglichen es, Verspätungen aus dem Zulauf – insbesondere aus Richtung Hamburg – künftig deutlich besser abzubauen. Die Fahrzeit zwischen Niebüll und Westerland bleibt dabei unverändert. Trotz angepasster Abfahrtszeiten entstehen keine zusätzlichen Reisezeiten auf diesem Abschnitt. Die Fahrzeit für Regio- und Fernverkehrszüge auf dem gesamten Abschnitt von Hamburg bis Westerland erhöht sich zwar leicht um 10 bis 15 Minuten, dafür zeigen Simulationen aber deutliche Verbesserungen in der Pünktlichkeit aus Richtung Süden:

    • Ankunftspünktlichkeit in Niebüll steigt von rund 78 % auf bis zu 96 %
    • Ankunftspünktlichkeit in Westerland steigt von rund 59 % auf bis zu 84 %

Damit profitieren insbesondere Pendlerinnen und Pendler sowie Urlauber von einer deutlich höheren Verlässlichkeit. Voraussetzung ist die Bereitstellung zusätzlicher Fahrzeuge und Personale, da die DB Regio aufgrund der angepassten Wende- und Fahrzeiten einen sogenannten Umlauf (Lok und Wagenpark) mehr benötigt.

Die Kosten des Vorhabens werden zwischen Land und DB hälftig geteilt. Beide Seiten sind sich einig, dass eine tragfähige Lösung operativ belastbar ausgestaltet und gemeinsam verantwortet werden muss. Der Trassentausch wird spätestens mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026/27 eingeführt – mit einer Laufzeit bis zunächst mindestens Ende 2028.

Ministerpräsident Günther bei der Anreise zum Marschbahn-Dialog

Optimierte Abläufe: neues Störfallkonzept verbessert Stabilität
Ergänzend wird ein gemeinsames Störfallkonzept entwickelt und umgesetzt, das alle beteiligten Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) und Instandhaltungsbereiche enger verzahnt. Ziel ist, dass sich der Betrieb nach typischen Störungen schneller stabilisiert und Verspätungen sich nicht über Stunden aufschaukeln. Konkret bedeutet das: Für häufige Störungssituationen werden klare, vorab abgestimmte Abläufe festgelegt. Dazu kann im Einzelfall auch gehören, Verkehre gezielt zu priorisieren, um den Gesamtverkehr zu stabilisieren. Im Störungsfall können so schneller abgestimmte Entscheidungen getroffen und Auswirkungen für die Fahrgäste spürbar reduziert werden.

Zusätzlich wurden die Material- und Ersatzteilkapazitäten entlang der Strecke ausgebaut und die Instandhaltungsstandorte in Husum, Niebüll, Klanxbüll und Westerland gestärkt, speziell für den Bereich Fahrbahn- und Leit- und Sicherungstechnik. Auch dadurch können Störungen im laufenden Betrieb schneller behoben werden. Aus Sicht des Landes ist entscheidend, dass diese Maßnahmen für Fahrgäste und Pendlerinnen und Pendler tatsächlich spürbar werden. 

Eingleisige Marschbahn bei Morsum: Auch hier soll – neben Niebüll-KLanxbüll der zweigleisige Ausbau erfolgen

Mehr Kapazität durch zweigleisigen Ausbau
Einigkeit besteht darüber, dass die Kapazitätsengpässe auf der Strecke mittelfristig nur durch einen zweigleisigen Ausbau im Abschnitt Niebüll – Westerland gelöst werden können. Dieser wird in den besonders belasteten Abschnitten Niebüll–Klanxbüll und Morsum–Tinnum derzeit vorbereitet. Ziel ist eine deutliche Erhöhung der Betriebsrobustheit bei gleichbleibender bzw. höherer Geschwindigkeit. Das Projekt befindet sich nach Abschluss der Vorentwurfsplanung in der parlamentarischen Befassung. Die laufenden Planungen werden durch eine (Vor)-Finanzierung durch das Land fortgesetzt. Auch die Elektrifizierung bleibt Teil der Modernisierungsstrategie für die Marschbahn.

Schlüsselprojekt ESTW Niebüll
Die DB verfolgt schon länger einen integrierten Ansatz aus Investitionen, Instandhaltung und Betriebssteuerung. So wurden zwischen 2019 und 2025 bereits rund 219 Millionen Euro in die Marschbahn investiert, unter anderem in neue Gleise auf 210 Kilometer Länge sowie in Weichen, Bahnübergänge und Brücken. Für die Jahre 2026 bis 2030 sind weitere 68,7 Millionen Euro vorgesehen. Zusätzlich fließen bis 2028 rund 144 Millionen Euro in die Leit- und Sicherungstechnik, insbesondere in das neue Elektronische Stellwerk (ESTW) Niebüll, das bis Frühjahr 2028 in Betrieb gehen soll und neun mechanische Stellwerke ersetzt. Auch dies ist ein wichtiger Baustein zu mehr Pünktlichkeit.

Moderne Station Westerland als Teil der Qualitätsoffensive
Mit täglich rund 7.300 Reisenden ist Westerland ein zentraler Knotenpunkt auf der Marschbahn, auch der Bahnhof wird in den nächsten Jahren umfassend modernisiert und zukunftsfähig ausgebaut. Geplant sind unter anderem vollständig erneuerte und verlängerte Bahnsteige, neue bzw. zusätzliche Bahnsteigdächer, die erweiterte barrierefreie Ausstattung (Blindenleitsystem) und Reisendeninformation sowie die Sanierung des Empfangsgebäudes. Die Bauarbeiten im Empfangsgebäude sollen bereits Ende 2026 beginnen, bis 2029 soll der Bahnhof dann rundum modernisiert und die Arbeiten abgeschlossen sein. Das Land Schleswig-Holstein und die Deutsche Bahn finanzieren in gleichen Teilen die Bahnsteigmaßnahmen. Die Sanierung des Empfangsgebäudes und der erweiterten Ausstattungsmerkmale des Bahnhofs Westerland finanziert die DB mit Bundesmitteln.

Erfolgreich verhandelt (v.l.): Staatssekretär Schnorr, Achim Bonnichsen (Pendler-Initiative), DB-Chefin Palla, Ministerpräsident Günther, Verkehrsminister Madsen und Landrat Florian Lorenzen

Sowohl DB-Chefin Evelyn Palla als auch Ministerpräsident Daniel Günther bekräftigten im Anschluss an den Marschbahndialog, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen. „Durch das Zusammenspiel aus Trassentausch, Investitionen, betrieblicher Stabilisierung und perspektivischem Ausbau soll die Marschbahn schrittweise von einer hoch ausgelasteten und störanfälligen Strecke zu einer verlässlicheren und leistungsfähigen Verkehrsachse werden“, sagte Günther.

Land baut Geflüchteten eine Brücke in die „MINT“-Berufe

Die berufliche Integration von Geflüchteten oder Zugewanderten ermöglichen – und gleichzeitig etwas für den hohen Fachkräftebedarf in den so genannten MINT-Berufen (Mathematik, Ingenieurs- & Naturwissenschaften, Technik) tun. Das ist das Ziel eines neuen Förderprojekts des Landes, für das Arbeits-Staatssekretärin Susanne Henckel jetzt in Kiel den Startschuss gab. Für das „KBI – KompetenzBildung Informatik“ der Zentralen Bildungs- und Beratungsstelle für Migrant*innen e.V. (ZBBS) stellt das Land in den kommenden zwei Jahren knapp 330.000 Euro zur Verfügung. Einen entsprechenden Förderbescheid übergab Henckel an ZBBS-Projektleiterin Gunhild Grote (im Bild 2.v.l. neben Nabil Dabbagh, Fachlehrkraft Informatik und Personal-Geschäftsführerin Ute Afane, rechts)

„Unser Ziel ist, Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund schneller in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dazu soll das Projekt einen Beitrag leisten, um Unternehmen bei der Gewinnung von Arbeits- und Fachkräften sowie Auszubildenden im MINT-Bereich zu unterstützen. Zugleich soll dies aber auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit und soziale Teilhabe dieser Menschen stärken“, sagte Henckel. Zielgruppe seien erwachsene Geflüchtete und Zugewanderte aus ganz Schleswig-Holstein, insbesondere Frauen sowie Geflüchtete aus dem ländlichen Raum, die sich für das Berufsfeld Informatik interessieren und eine Ausbildung, eine Umschulung, ein Studium oder einen Job anstreben.

Mit Blick auf die Auswahl des Projektträgers sagte Henckel: „Die ZBBS hat für uns bereits 2024 erfolgreich das Projekt ,InGe – Informatik für Geflüchtete’ realisiert, bei dem die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Ausbildungen, Umschulungen, Studium oder Arbeit vermittelt werden konnten. Ich bin sicher, dass auch dieses Projekt erfolgreich sein wird.“ Nach den Worten von Projektleiterin Grote gliedert sich der jeweils 20 Wochen dauernde Fachunterricht in die Module Anwendungs- und Webentwicklung, Datenbanken sowie Systemintegration. Hinzu kämen Bewerbungstrainings und Einzelcoachings. „Mein Team und ich freuen uns über die Förderung und darauf, in vier weiteren Kursen Geflüchteten und Zugewanderten Basiskenntnisse in Informatik zu vermitteln“, so Grote. 

Peer Knöfler

Lob gab es bereits vom Sprecher für berufliche Bildung und Weiterbildung der CDU-Landtagsfraktion, Peer Knöfler: „Das Projekt setzt genau an der richtigen Stelle an: Es eröffnet Geflüchteten und Zugewanderten konkrete Perspektiven im Arbeitsmarkt und hilft gleichzeitig, dem Fachkräftemangel im MINT-Bereich zu begegnen. Das Projekt richtet sich an alle, die sich für das Berufsfeld Informatik interessieren und eine Ausbildung, eine Umschulung, ein Studium oder einen Job anstreben. Solche praxisnahen Qualifizierungsangebote sind ein Gewinn sowohl für die Teilnehmenden als auch für unsere Wirtschaft.“

Bund und Land sichern nach Insolvenz von Northvolt rund 153 Millionen Euro

Steuermittel gesichert: Ein Teil der Wandelanleihe fließt zurück, weitere Millionen sollen folgen: Wie Bund und das Land Schleswig-Holstein trotz Northvolt-Pleite einen Teil der Fördermittel retten.

Die Pleite des schwedischen Batterieherstellers Northvolt kostet die deutschen Steuerzahler etwas weniger Geld als bislang angenommen. Im Zuge der geplanten Übernahme der deutschen Tochter durch Lyten haben Bund und Land 153 Millionen Euro an Steuergeld gesichert.  Das Geld wurde bereits zurückgezahlt, wie das Bundeswirtschaftsministerium heute der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Die Mittel gehen jeweils zur Hälfte an den Bund und das Land Schleswig-Holstein.

Absehbar werden im Rahmen einer sogenannten solventen Liquidation der Northvolt Drei Projektgesellschaft in der Nähe von Heide weitere bis zu 69 Millionen Euro an die staatliche Förderbank KfW zurückfließen. Zuvor muss erst eine immissionsrechtliche Genehmigung des nördlichsten Bundeslandes für die Baustelle rechtskräftig werden.

«Für das Bundeswirtschaftsministerium und das Land Schleswig-Holstein hatte die Sicherung und Rückführung nicht verwendeter Steuergelder von Anfang an höchste Priorität. Damit wird ein Teil der eingesetzten Steuergelder gesichert», hieß es aus dem Bundeswirtschaftsministerium.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen sprach von einem wichtigen Signal und entscheidendem Zwischenschritt, am Standort etwas aufzubauen. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass auch die bisherige Bebauung des Grundstücks in Heide unter Immissionsschutz-Aspekten einwandfrei war und wir vielleicht schon im Sommer weitere Millionen aus der früheren Wandelanleihe zurückerhalten werden», sagte der CDU-Politiker. «Jetzt erfolgen weitere Verhandlungen mit der Firma Lyten in der Hoffnung, dass die dann auch nach wie vor zu dem Standort stehen.»

Gescheiterte Pläne

Northvolt wollte im Norden eine Gigafabrik mit rund 3.000 Arbeitsplätzen errichten und hatte dafür von der KfW eine Wandelanleihe über 600 Millionen Euro erhalten. Bund und Land bürgten jeweils zur Hälfte.  Rund 330 Millionen Euro davon wurden verbaut oder für Käufe von Land und Maschinen eingesetzt. Auf dem Sperrkonto liegen zudem noch knapp 50 Millionen Euro, die nach dpa-Informationen allerdings bereits vorgesehen sind, um eine Insolvenz der deutschen Tochter von Northvolt zu verhindern.

Schwieriges Unterfangen

Der Bund nutzte für die deutsche Northvolt-Tochter Restrukturierungsverfahren unterhalb der Insolvenzschwelle (Starug). Denn Northvolt Drei, wie das Projekt bei Heide heißt, war im Gegensatz zur schwedischen Muttergesellschaft nicht insolvent. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums ist der Restrukturierungsplan gerichtlich in letzter Instanz bestätigt.

«Anders als ein Insolvenzverfahren setzt ein solches Starug-Verfahren nicht voraus, dass man schon zahlungsunfähig, sondern idealerweise nur drohend zahlungsunfähig ist», sagte der Co-Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Insolvenzrecht und Sanierung im Deutschen Anwaltverein, Rainer Eckert, der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist ein Mittel, um bestimmte Gläubiger, die einer Restrukturierung nicht zustimmen, zu überstimmen.»

Für Restrukturierungsmaßnahmen ist eine Zustimmung von 75 Prozent der betroffenen Gläubiger notwendig, wie Eckert erklärt. «Sollen Gruppenmitglieder überstimmt werden, muss sichergestellt sein, dass sie bei einer alternativen Verwertung nicht besser fahren würden.» Dafür sei eine Vergleichsrechnung notwendig. «Mit 75 Prozent der Stimmen, diese richten sich immer nach der Förderungshöhe, könnte man eine kleinere Gläubigergruppe oder einen Gläubiger, der beispielsweise nur 24 Prozent halten würde, mit dem Restrukturierungsplan überstimmen.»

Madsen mit US-Investor Dan Cook von Lyten

Weitere Einnahmen

Darüber hinaus könnte durch die geplante Übernahme von Northvolt Drei durch das US-Unternehmen Lyten weiteres Geld in zweistelliger Millionenhöhe an Bund und Land fließen. Lyten will nach der schwedischen Muttergesellschaft auch die deutsche Northvolt-Tochter übernehmen. Die Gespräche mit dem Bund und der KfW dauern an.

Northvolt Drei erklärte, das Landesamt für Umwelt habe bereits die erste Teilgenehmigung nach Bundes-Immissionsschutzgesetz für den Bau einer Batteriefabrik in den Gemeinden Norderwöhrden und Lohe-Rickelshof bei Heide erteilt. «Außerdem konnten diese Woche wichtige rechtlich-strukturelle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Übernahme des Projekts erfüllt werden.» Mit Lyten gebe es fortgeschrittene Übernahmeverhandlungen. Northvolt Drei sei im Zuge der Restrukturierung so aufgestellt worden, «dass es nun anschlussfähig für eine erfolgreiche Übernahme durch einen neuen Investor ist». Sämtliche Vermögenswerte könnten jetzt zur Fortführung eines vergleichbaren Batteriefabrik-Projekts an einen neuen Investor übertragen werden.

Nach einem Treffen mit der schleswig-holsteinischen Landesregierung hatte Lyten-Chef Dan Cook angekündigt, zunächst mit rund 1.000 Arbeitsplätzen auf dem Gelände bei Heide zu planen. Dort plant das Unternehmen demnach die Produktion von Batterien für ein breites Anwendungsspektrum, darunter Verteidigung, stationäre Energiespeicherung, Mobilität und Elektrofahrzeuge. Das Northvolt-Gelände soll aber nicht nur für die Batterieproduktion genutzt werden. Ein Schwerpunkt liege auf künstlicher Intelligenz und Rechenzentren.

Cook kündigte damals an, Lyten wolle das Projekt in angemessenem Tempo vorantreiben, gestützt auf die Kundennachfrage und überwiegend finanziert durch Kapital aus dem privaten Sektor. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) erklärte die Bereitschaft, Lyten bei den weiteren Schritten zu unterstützen, beispielsweise bei Fragen der Energieversorgung.

Schienenmaut – Länder fordern rasche Kompensation durch den Bund

Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Schienenmaut fordert Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen zusammen mit Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrs-Staatssekretärin Ines Jesse eine schnelle Kompensation vom Bund. Viele Länder sehen massive Mehrkosten für den Nahverkehr auf sich zukommen. Das ist – neben der Reform der Früherscheinausbildung – eines der Themen der heute gestarteten Verkehrsministerkonferenz im bayrischen Lindau.

Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu sogenannten Trassenpreisen fordern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Kompensationen vom Bund. «Das bedeutet für die Länder eine riesige Mehrbelastung», sagte Madsen der Deutschen Presse-Agentur. «Wir brauchen das auch zügig.» Es ginge darum, die Verkehre auf Regionalstrecken der Bahn neu zu bestellen. «Und dann ist es natürlich wichtig, dass wir wissen, wie sind die Trassenentgelte, und zweitens, wie will der Bund das denn jetzt kompensieren.»

Nach dem Urteil aus der vergangenen Woche ist die deutsche Regelung, die im Nahverkehr die Preise für Schienennutzung deckelt, rechtswidrig. Die Berechnung der sogenannten Trassenpreise verstoße gegen EU-Vorgaben, weil sie zu unflexibel sei, urteilten die Richterinnen und Richter. Regionalen Verkehrsunternehmen drohen damit nach Angaben des Bundesverbandes Schienennahverkehr (BSN) Mehrkosten in Milliardenhöhe. Nach dpa-Informationen macht das allein für Schleswig-Holstein für das laufende Jahr und für 2026 zusammen knapp 70 Millionen Euro aus.

Länder brauchen planbare Zahlen

Die beiden Nordländer haben für die Verkehrsminister-Konferenz in Lindau einen entsprechenden Beschlussvorschlag erarbeitet. «Viele Länder zeichnen unseren Antrag hier aus Schleswig-Holstein mit», sagte Madsen. Die Länder benötigten planbare Zahlen. «Was kosten letztendlich Trassen-Netzentgelte, wenn von Bundesseite her ein Deckel festgelegt worden ist, der jetzt aber gekippt wurde?» Er sei gesprächsbereit, beispielsweise über eine Kompensation über sogenannte Regionalisierungsmittel oder auch andere Wege zu sprechen.

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschafts-Staatssekretärin Jesse forderte den Bund auf, die Länder mit den Folgen der Entscheidung des EuGH nicht im Regen stehenzulassen. «Der Bund hat die Rechnung zu bezahlen. Die enormen Mehrkosten, die das Urteil nach sich zieht, müssen vom Bund ausgeglichen werden: Berlin muss die Regionalisierungsmittel zügig aufstocken.»

Klage

Trassenpreise, auch Schienenmaut genannt, sind Gebühren, die Verkehrsunternehmen an die Infrastruktursparte der Deutschen Bahn, DB InfraGo, zahlen müssen, wenn sie das deutsche Schienennetz nutzen. InfraGo muss die Höhe der Entgelte von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen. Weil die Bundesnetzagentur die beantragten Entgelte für das Jahr 2025 im Nahverkehr kürzte und stattdessen den Fern- und Güterverkehr mit höheren Trassenpreisen belastete, zogen die InfraGo und weitere Eisenbahnverkehrsunternehmen vor Gericht.

Weitere Themen der Ministerkonferenz ist der Zustand der Bahn insgesamt sowie mögliche weitere Entwicklungen beim Deutschlandticket. Dazu sagte Madsen unter anderem – Audio starten, Pfeil klicken…

Carstens zur Tourismusstrategie: „Die erste Halbzeit ist für uns bestens gelaufen“

Vier Jahre nach dem Start der «Tourismusstrategie 2030» haben Land und Branche heute in Neumünster Zwischenbilanz gezogen. Bei der Gästezufriedenheit ist der Echte Norden beispielsweise top – doch es gibt auch Nachholbedarf, etwa bei der Ausdehnung der Saison auf die Herbst- und Wintermonate oder bei der Digitalisierung.

In den letzten zwei Jahren gab es nach Angaben der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (TA.SH) in einzelnen Ferienorten – vor allem an der Ostsee – steigende Übernachtungszahlen, auch im Oktober, November und Dezember. Aber: Laut TA.SH-Geschäftsführer Stefan Borgmann eben nicht im landesweiten Durchschnitt. Es sei «ein nur super-langsam zu bewegendes Schiff», die Saison in der dunklen Jahreszeit auszuweiten. Dazu brauche es die grundsätzliche Bereitschaft von Kunden. Es brauche konkrete Reiseanlässe. Und es brauche Betriebe, die auch dann öffnen wollen, sagte Borgmann vor rund 200 Vertreterinnen und Vertretern der Branche in den Holstenhallen von Neumünster.

Und Katja Lauritzen, Geschäftsführerin vom Ostsee Holstein Tourismus (OHT) stellt fest: «Auch wenn der Tourismus bei uns in der Region bei neuen Events in der Nebensaison vorangeht, ist eine schwere Arbeit.» Nicht zuletzt das Wetter lasse sich nicht ignorieren.

Öffnungszeiten der Gastronomie im Winter

«Wenn wir die Saison ausweiten möchten, muss sich in den Wintermonaten auch die Gastronomie besser aufstellen», appelliert auch Tourismus-Staatssekretärin Julia Carstens. Ihrer Ansicht nach sprechen sich Lokale nicht genug ab, damit auch in Randmonaten zumindest einige Betriebe geöffnet haben.

Insgesamt aber zeigt die Halbzeit-Bilanz der Tourismusstrategie aus Sicht von Carstens, «dass wir ganz gut vorangekommen sind und die erste Halbzeit für uns gut gelaufen ist». Es gehe schließlich nicht nur um Quantität, sondern auch um Qualität.

Carstens sagte bei der Pressekonferenz in Neumünster außerdem:

Note 1,6 bei der Gästezufriedenheit in SH

Für eine gute erste Halbzeit in der Umsetzung der Tourismus-Strategie gibt es mehrere Indikatoren: Bei der Gästezufriedenheit liege Schleswig-Holstein mit der Schulnote 1,6 weit vorn. Die Tourismusakzeptanz durch die Einheimischen sei erstmals seit Jahren in Umfragen wieder leicht gestiegen. Eine erste Befragung zur Mitarbeiterzufriedenheit im Tourismus habe zudem ergeben, dass mehr als 70 Prozent dort gerne oder sehr gerne ihr Geld verdienen.

Von insgesamt 38 Leitprojekten, die die Tourismusstrategie angestoßen hat, sind laut Umsetzungs-Managerin Britta Franke zwei Drittel bereits ganz oder in Teilen verwirklicht. Dazu zählt etwa die komplette Neuausstattung des Ochsenwegs als touristischer Fernradroute, Initiativen zur Mitarbeitergewinnung oder eine touristische Landesdatenbank.

Modern ausgestattete Rad-Route Ochsenweg

Egal ob Hotels, Veranstalter oder Tourismusorganisationen: Sie können Informationen aus der Datenbank mit wenigen Klicks kostenlos in ihre eigenen Websites und Apps einbinden – seien es etwa Events, Sehenswürdigkeiten oder Naturerlebnisse. Alls Einzelheiten zu den 38 Leitprojekten und ihrer Umsetzung finden sich HIER

Zentrales Instrument der Tourismusstrategie ist ein landesweites System aus neun Kennzahlen, für die Zielwerte bis 2030 definiert wurden. «Und die aktuellen Zwischenergebnisse, die vom Deutschen Institut für Tourismusforschung an der Fachhochschule Westküste zusammengestellt wurden, zeigen uns, dass wir im Plan liegen», sagt Carstens. Ein Leitprojekt ist etwa die landesweite Messung der Mitarbeitenden-Zufriedenheit im Tourismus. Auf Landesebene hatte es dies bisher nicht gegeben.

Handlungsfelder der Tourismus-Strategie 2030
Manon Krüger

Manon Krüger von der FH Westküste sagt: «Weitere wichtige Datenerhebungen sind ebenfalls erfolgt, jetzt müssen wir sie im Detail auswerten. Dies betrifft zum Beispiel zentrale Bereiche wie Gästezufriedenheit und Tourismusakzeptanz unter den Einheimischen. Hier zeigen sich jetzt schon solide Werte.»

Touhuus.sh vernetzt Branche

Mit der Wissensplattform touhuus gibt es erstmals eine zentrale Online-Anlaufstelle für die schleswig-holsteinische Tourismusbranche. Als neue B2B-Plattform bündelt sie Brancheninformationen aller Art. Mit einem offenen und einem geschlossenen Teil wird sie zielgerichtet Informationen von der Branche in die Branche transportieren, Benchmarks vereinfachen, Studien, Tools und Hilfestellungen leichter auffindbar machen und den Wissensaustausch untereinander fördern.

Stärkung des Binnenlandes

Das Binnenland in Schleswig-Holstein deckt rund 80 Prozent der gesamten Landesfläche ab. Ein Ziel der Tourismusstrategie ist es, den Binnenlandtourismus zu stärken. Seitens des Landes stehen bis 2030 für dieses Handlungsfeld für investive und nicht-investive Projekte rund 13 Mio. Euro Fördermittel zur Verfügung. Zur Grundlagenarbeit gehörte beispielsweise die Erstellung einer Strategie für das Binnenland , und ebenso die Einrichtung der ARGE Binnenland. Diese Arbeitsgemeinschaft entscheidet über zu fördernde Projekte. Zwei Projekte sind bereits bewilligt worden: „Neumünster digital erleben – in Raum und Zeit“ und „Vivaplan -Entwicklungs- und Konzeptphase für den Naturerlebnisort Vivaneum“.

Britta Franke, Leiterin des Umsetzungsmanagements der Tourismusstrategie 2030, appelliert: „In fast allen Handlungsfeldern wurden wichtige Grundlagen geschaffen, mit denen jetzt schon gearbeitet werden kann. So wird die Tourismusstrategie Schritt für Schritt mit Leben gefüllt. Nun geht es darum, diese Ergebnisse in die Praxis zu bringen und die Umsetzung weiter in die Breite zu tragen – von der Landesebene über die Regionen bis in die Kommunen.“

Lyten auf Tuchfühlung mit der Region – im ersten Step 1.000 Jobs geplant

Das US-Unternehmen Lyten will in Schleswig-Holstein in einer ersten Phase rund 1.000 neue Jobs schaffen. Firmenchef Cook setzt auf Batterien für vielfältige Anwendungen – von Mobilität bis Verteidigung.

Lyten möchte das Arreal von Northvolt in Heide übernehmen und dort schon ab 2027 tätig werden

Das US-Unternehmen Lyten will nach der geplanten Übernahme der deutschen Northvolt-Tochter zunächst rund 1.000 Arbeitsplätze auf dem Gelände bei Heide schaffen. Lyten plane kein Geschäft, das ausschließlich von Batterien für Elektrofahrzeuge abhänge, sagte Unternehmens-Chef Dan Cook heute nach Gesprächen mit der schleswig-holsteinischen Landesregierung. Nach Treffen in der Region (großes Foto oben) und in Kiel will Cook zum Abschluss noch Gespräche in Berlin führen.

Geplant sei in Heide die Produktion von Batterien für ein breites Anwendungsspektrum, darunter Verteidigung, stationäre Energiespeicherung, Mobilität und Elektrofahrzeuge, sagte Cook. Das Northvolt-Gelände solle aber nicht nur für die Batterieproduktion genutzt werden. Ein Schwerpunkt liege auf künstlicher Intelligenz und Rechenzentren.

Lyten habe bereits entschieden, das Gelände von Northvolt bei Heide zu übernehmen, sagte Cook. Der Bau soll voraussichtlich 2027 starten. Die Aufnahme der Produktion mit zu 100 Prozent grüner Energie ist laut Cook für 2028 geplant. Derzeit gehe das Unternehmen davon aus, die notwendigen Investitionen in Schleswig-Holstein mit privatem Kapital zu bewältigen. Sollte Lyten zu einem späteren Zeitpunkt öffentliche Förderung angeboten werden, werde das Unternehmen dies in Betracht ziehen, sagte Cook.

Lyten-Chef Dan Cook /rechts) besuchte heute die Landesregierung, hier mit Wirtschaftsminister Madsen (links) und Ministerpräsident Daniel Günther

Der US-Investor warb bei seinem Besuch im Norden um Vertrauen nach der Northvolt-Pleite. Er wisse um den Wunsch nach Vorlage eines umfassenden und realisierbaren Plans, sagte Cook. Es sei verständlich, dass einige in der Region jeden Zukunftsplan mit einer gewissen Skepsis betrachteten, die durch vergangene Erfahrungen mit dem früheren Eigentümer geprägt seien.

Cook verwies auf die gute Atmosphäre auch bei Gesprächen mit Vertretern in der Region Heide am Montag, auch mit den Bürgermeistern vor Ort. Lyten liege mit der Transaktion im Plan. Das Unternehmen wolle das Projekt in angemessenem Tempo vorantreiben, gestützt auf die Kundennachfrage und überwiegend finanziert durch Kapital aus dem privaten Sektor.

Günther zuversichtlich

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther sprach von einem guten Austausch und zeigte sich zuversichtlich. «Ich bin sehr dankbar für die Offenheit», sagte der Regierungschef. Die Landesregierung werde Lyten bei den weiteren Schritten unterstützen, beispielsweise bei Fragen der Energieversorgung. Er sagte nach dem Treffen – Audio starten, Pfeil klicken…

«Denn was Lyten dort plant – Batterieproduktion, Datencenter –, hat einen enormen Energiebedarf», sagte Günther. Der in großem Umfang vorhandene grüne Strom sei ein Standortvorteil der Region. «Unser Eindruck ist auch, dass die Verantwortlichen vor Ort, mit denen die Gespräche geführt wurden, auch einen sehr, sehr positiven Eindruck von den weiteren Plänen haben.»

Übernahme

Ende Februar hatte Lyten die Übernahme des insolventen schwedischen Teils von Northvolt abgeschlossen – die Stammfabrik in Skellefteå und das Entwicklungszentrum in Västerås. Laut der US-Firma haben die schwedischen Standorte einen Wert von insgesamt fast 5 Milliarden Dollar (etwa 4,2 Milliarden Euro). Die Gespräche mit Bund, KfW und Schleswig-Holstein über die deutsche Northvolt-Tochter dauern an.

Northvolt wollte bei Heide eine Batteriefabrik mit rund 3.000 Arbeitsplätzen errichten und hatte dafür von der staatlichen Förderbank KfW eine Wandelanleihe über rund 600 Millionen Euro erhalten. Bund und Land bürgten jeweils zur Hälfte. Ein Teil des Geldes wurde verbaut oder für Käufe eingesetzt. Noch knapp 200 Millionen Euro sollen aber erhalten sein – das Geld liegt geschützt auf einem Sperrkonto.

Lyten setzt auf eine Lithium-Schwefel-Technologie. Zu den grundsätzlichen Vorteilen der Technik zählt der Verzicht auf kritische Rohstoffe wie Kobalt und Nickel. Nach Angaben des Forschers und Autors Steffen Link vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) ist die Technik eine vielversprechende Alternative zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien. Der Forscher sieht dafür Marktchancen vor allem in Spezial- und Nischenmärkten, wo jedes Gramm Gewicht zählt, wie beispielsweise in der Luft und Raumfahrt. Als Beispiele nannte er Kleinstflugzeuge, Drohnen, Satelliten und elektrisch angetriebene Flugzeuge, die senkrecht starten können – sogenannte eVTOL.

Die heutige Erklärung von Dan Cook (übersetzt) im Wortlaut:

„Pure Yachts“ setzt nachhaltige Segel auf ehemaligem Kieler Lindenau-Gelände

Frischer Wind auf dem ehemaligen Gelände der Lindenau-Werft in Kiel-Friedrichsort: Wo einst riesige Doppelhüllen-Tanker vom Stapel liefen, geht es nun deutlich schnittiger und nachhaltiger zu.

Werftgründer Schernikau mit Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens

Die renommierten Bootsbauer um Matthias Schernikau von der „Pure Yachts GmbH“ investieren 5,4 Millionen Euro, um die größtenteils maroden Hallen aus dem letzten Jahrhundert in eine hochmoderne Produktionsstätte zu verwandeln. Das Spezialgebiet von „Pure Yachts“: Der Bau von hochwertigen Aluminium-Segelyachten. Dafür werden unter anderem 28 neue Arbeitsplätze geschaffen. Das Land fördert das Vorhaben mit knapp 1,1 Millionen Euro.

Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens überreichte heute vor Ort einen entsprechenden Förderbescheid an Geschäftsführer und Firmengründer Schernikau. «Bundesweit gibt es derzeit keine vergleichbare Yacht-Werft, die die Konstruktion und Fertigung von Alu-Segelyachten im Luxussegment als Komplettleistung anbietet», sagte Carstens. Die Investition trage außerdem massiv zur Revitalisierung des früheren Lindenau-Geländes bei.

«Mit ,Pure Yachts’ haben wir also eine weitere ambitionierte Werft im Land, die ihre Nische gesucht und gefunden hat. Und durch die starke Ausrichtung auf das Thema Nachhaltigkeit setzen die Betreiber ebenfalls ein starkes zukunftsweisendes Signal», so die Staatssekretärin. Im Gespräch mit Journalisten sagte sie weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Schernikau und sein Gründungsteam hatten das rund 12.500 Quadratmeter große Gelände bereits im vergangenen Jahr von der Grundstücksgesellschaft „GNY Lindenau Verwaltungsgesellschaft mbH“ erworben. Zum Inventar gehört unter anderem ein 60 Tonnen hebender Kran, am Uferstück plant das Unternehmen einen kleinen Werfthafen für rund 15 Yachten. «Mit unserem Engagement kamen wir dem Interesse der Stadt Kiel entgegen, die anstelle von Hotel-, Büro- oder Wohnräumen lieber weiterhin einen maritimen Fachbetrieb auf dem Areal sehen wollte», so Schernikau.

Der Kieler Unternahmer gründete „Pure Yachts“ Ende 2023 zusammen mit Urs Kohler und Ivars Linbergs. Ziel: die Entwicklung und der Bau qualitativ hochwertiger, leistungsstarker Aluminium-Segelyachten zwischen 42 und 60 Fuß Länge, die unter anderem durch ihr innovatives Decksalon-Konzept einen hohen Wohnkomfort an Bord bieten.

Die erste Serienyacht, die Pure 42, wurde Anfang Januar als „Europas Blauwasser-Yacht des Jahres“ ausgezeichnet – eine der renommiertesten Auszeichnungen der Branche.

Land investiert 46 Millionen Euro in Verkehrswege in der Mitte von SH

Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen verspricht: Nach Jahren des Sparens werden Straßen, Brücken und Radwege landesweit erneuert. Welche Bauprojekte jetzt im mittleren Landesteil Fahrt aufnehmen.

Für die Sanierung von Straßen, Brücken und Fahrradwegen in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde, Plön und Segeberg sowie in Kiel stellt das Land in diesem Jahr rund 46 Millionen Euro bereit. Zusammen mit Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen kündigte der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) gestern an, 15 Fahrbahnen und 11 Fahrradwege zu erneuern. «Das jahrelange Sparen hat seine Spuren hinterlassen, aber jetzt wird die Infrastruktur Schritt für Schritt besser», betonte Madsen. Was das Land in diesem und in den kommenden Jahren insgesamt in die Modernisierung des Straßennetzes von Schleswig-Holstein steckt: hier klicken.

Madsen mit LBV.SH-Bereichsleiter Christoph Köster in der Straßenmeisterei Klausdorf in Schwentinental.

Neben fast 67 Kilometern Straßen und 7 Kilometern reinen Fahrradwegen im mittleren Landesteil werden nach Anhaben von LBV.SH-Erhaltungschef Christoph Köster und LBV-Vize Britta Lüth auch 15 Bauwerke erneuert oder ausgebaut. Wichtige Projekte sind die Sanierung eines ersten Abschnitts der B76 zwischen Plön und Kiel sowie die Erneuerung der B430 im Bereich Bornhöved (Kreis Segeberg) sowie zwischen Hohenwestedt und Wasbek (beides Kreis Rendsburg-Eckernförde).

Der Erhalt der Infrastruktur ist nach Madsens Überzeugung gerade in einem Flächenland ein wichtiger Beitrag der Daseinsvorsorge. «Schulbusse, E-Bikes, Krankenwagen, der Pflegedienst oder die Feuerwehr – sie alle brauchen sichere Verkehrswege.»

Der „Jo-Jo-Winter“ hat die Zahl der Schlaglöcher mehr als verdoppelt

Vorsicht Schlagloch: Elf Millionen Euro für Flickarbeiten, Geduldsproben am Steuer – Warum der Winter die Straßen im Norden zuletzt so stark beschädigt hat.

Minister Madsen zu Besuch in der Meisterei Flensburg

Wer viel mit dem Auto auf Schleswig-Holsteins Straßen unterwegs ist, kennt das Problem: Die letzten Winterwochen mit ständigem Wechsel von Tau- und Frostphasen haben den Fahrbahnen arg zugesetzt. «Normalerweise stecken wir jährlich rund fünf Millionen Euro in die laufende Unterhaltung, in diesem Jahr werden es absehbar rund elf Millionen Euro werden», sagte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute nach einem Besuch der Straßenmeisterei in Flensburg. Das Land geht von einer Verdopplung der Schäden im Vergleich zu milderen Wintern aus.

Die 22 Straßenmeistereien beseitigen nach Angaben des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV) bereits seit Wochen größere Schlaglöcher zumindest provisorisch. «Autofahrerinnen und Autofahrer werden also weiterhin achtsam sein und viel Geduld aufbringen müssen», sagte Madsen. Der LBV ist für gut 3.500 Kilometer Landesstraßen, 1.500 Kilometer Bundesstraßen und knapp 2.700 Kilometer Kreisstraßen zuständig.

Straßenwärter der Flensburger LBV.SH-Niederlassung flicken eine Landesstraße mit Kaltmischgut

Sanierungsstau

Während der LBV in Durchschnittsjahren etwa fünf Millionen Euro in die Unterhaltung des gesamten Streckennetzes investiere, seien in diesem Jahr zusätzlich rund eine Million Euro für Schnell-Reparaturen sowie voraussichtlich fünf Millionen Euro allein für die Schlaglochsanierung der Landesstraßen notwendig, sagte LBV-Direktor Frank Quirmbach. «Hinzu kommen knapp drei Millionen Euro für die Bundesstraßen und etwa zwei Millionen Euro für die von uns betreuten Kreisstraßen.»

Seit Jahren versuchen Landesregierungen verschiedener Couleur, den Sanierungsstau in den Griff zu bekommen. Wechselhafte Winter würden das Problem weiter verschärfen, sagte Verkehrsminister Madsen. Durch das Eindringen von Schnee und Tauwasser in Fahrbahnrisse verschärfe sich die Situation, weil frierendes Wasser zu kleinen Absprengungen des Asphalts führe und so entstehende Schlaglöcher durch den Verkehr weiter wachsen. 

«Wir sind also gut beraten, unsere planmäßigen Investitionen von jährlich rund 95 Millionen Euro für unser Landesstraßen- und Radwegenetz weiterhin auf diesem Niveau zu halten», sagte Madsen.

Außerdem fließt reichlich Bundesgeld aus dem schuldenfinanzierten Sondervermögen in den Straßenbau in Schleswig-Holstein. In diesem Jahr sind damit Bau- und Sanierungsprojekte im Umfang von 271 Millionen Euro geplant. Zudem investiert die Autobahn GmbH des Bundes mehr als 200 Millionen Euro. «Viele Schlaglochpisten werden also im Zuge des umfassenden Bauprogramms in diesem Jahr gleich mit beseitigt», sagte Madsen.

Madsens Brand-Appell in Berlin: „Marschbahn-Ausbau braucht die allerhöchste Priorität“

Die Marschbahn zwischen Hamburg und Sylt ist eine der wichtigsten Verkehrsachsen für rund 450.000 Menschen entlang der schleswig-holsteinischen Westküste. Aber auch Symbol für den maroden Zustand der deutschen Schienen-Infrastruktur. Um die desolate Strecke wieder flott zu machen, setzt Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen auf eine Top-Priorisierung unter den Bahn-Vorhaben des Bundes – und wirbt dafür bei den Bundestagsabgeordneten in Berlin.

Angesichts des maroden Zustands der Marschbahn zwischen Itzehoe (Kreis Steinburg) und Westerland auf Sylt hat Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute in Berlin eindringlich an die Abgeordneten des Bundestags appelliert, dem Ausbau der Strecke allerhöchste Priorität einzuräumen, ihn finanziell abzusichern und damit massiv zu beschleunigen. «Wir haben im nördlichen Abschnitt zwischen Niebüll und Westerland mittlerweile einen Tiefpunkt erreicht, der nicht nur erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen hat, sondern auch den sozialen Frieden in der Region tangiert. Wir können nicht länger zulassen, dass Ärztinnen, Krankenpfleger oder Lehrer nicht mehr zuverlässig zur Arbeit kommen oder Schulkinder wegen ausfallender Züge stundenlang in eisiger Kälte ausharren müssen», sagte Madsen vor über 20 Abgeordneten des Bundestags sowie Insel-Vertretern.

Hier ein Livestream-Mitschnitt vom Parlamentarischen Frühstück in der Berliner Landesvertretung von Schleswig-Holstein:

Einziger Ausweg aus der Misere ist aus Sicht von Madsen neben der vollständigen Elektrifizierung der 173 Kilometer langen Strecke der bereits planerisch angeschobene zweigleisige Ausbau zwischen Niebüll und Klanxbüll (Kreis Nordfriesland) sowie zwischen Morsum und Tinnum auf Sylt. Das Land Schleswig-Holstein sei hier bereits mit einem zweistelligen Millionenbetrag in Vorleistung gegangen, damit die Planungen ohne Verzögerung weiterlaufen können. «Zur kurzfristigen Stabilisierung der Verkehre brauchen wir aber auch deutlich mehr Engagement seitens der DB InfraGO in Form von Störfall-Konzepten, schnell verfügbaren Ersatzteilen, Kapazitätspuffern oder präventiver Instandhaltung», so Madsen.

Madsen mit Verkehrs-Staatssekretärin Susanne Henkel sowie Moritz Luft (rechts), Tourismuschef der Insel Sylt, und dem Personalrat der Gemeinde Sylt, Peter Harms

Wie der Minister weiter sagte, gehe es schon lange nicht mehr allein um die ruckelnde Erreichbarkeit von Sylt als touristischer Top-Destinationen Deutschlands. «Es geht darum, endlich die toxische Kombination aus museumsreifer Bahn-Technik und einer mit acht Zügen pro Stunde hoffnungslos überlasteten und größtenteils eingleisigen Strecke in den Griff zu bekommen.» Betroffene würden zu recht von einem „Nahverkehrs-Desaster“ sprechen, wenn die Pünktlichkeit – wie zuletzt im Oktober – teils unter 40 Prozent liege und viele Züge wegen kaputter Loks, defekter Türsteuerungen oder Personalmangel einfach ausfielen.

Bahnhof in Klanxbüll

Madsen: «Auch wenn es zweifellos viele andere kritische Bahnstrecken in Deutschland gibt, muss im Bundestag wie im Bahntower endlich verstanden werden, dass Sylt ein Alleinstellungsmerkmal hat: Die Bahn ist die Nabelschnur der Insel und es gibt für die vielen tausend Pendlerinnen und Pendler keine Alternative. Keine Dachdeckerin, kein Maurer oder Koch nimmt den Umweg über Dänemark und die Fähre nach List oder landet mit einem Privatjet auf der Insel.» Die Landesregierung erhofft sich laut Madsen deshalb die Unterstützung der Abgeordneten in vier zentralen Punkten:

  • Der Bundestag müsse die Finanzierung des schätzungsweise 426 Millionen Euro teuren zweigleisigen Ausbaus verbindlich beschließen.
  • Der Ausbau müsse im Zielnetz 2035 des Bundesverkehrsministeriums zeitlich fixiert werden. Hintergrund ist unter anderem ein Gutachten zur Etappierung des Deutschlandtaktes, das den Ausbau der Strecke ursprünglich erst für die 2040er-Jahre vorgesehen und damit entlang der Westküste für erhebliche Empörung gesorgt hatte.
  • Der Ausbau müsse im sogenannten Infraplan des Bundesverkehrsministeriums, dem Arbeitsprogramm für die DB AG, ausdrücklich priorisiert werden.
  • Die Planungs- und Genehmigungsverfahren müssten massiv beschleunigt werden.

Schleswig-Holstein hatte im Bundesrat vorgeschlagen, die Marschbahn in die Liste der besonders wichtigen Infrastrukturmaßnahmen aufzunehmen, bei denen Klagen nur in einer Instanz direkt vor dem Bundesverwaltungsgericht verhandelt werden. Die Bundesregierung hat diesen Vorschlag inzwischen abgelehnt. «Die Begründung aus Berlin, es gebe keinen gravierenden Engpass, kann man den Menschen vor Ort nicht erklären», sagte Madsen. Hier werde leider offensichtlich, dass beim Bund die massiven Probleme der Menschen an Westküste entweder nicht verstanden werden oder man sie absichtlich im Regen stehen lassen wolle.

Nordseeklinik-Betriebsratschef Jörg von Böhlen (unten rechts) mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Parlamentarischen Frühstücks

Wie Jörg von Böhlen, Betriebsratsvorsitzender der Sylter Nordseeklinik, vor den Parlamentariern schilderte, habe die angespannte Lage mittlerweile auch massive negative Auswirkungen auf das Betriebsklima der Unternehmen und Einrichtungen auf Sylt. «Die unzuverlässigen Verbindungen führen unter anderem dazu, dass Schichten nicht rechtzeitig abgelöst werden können, was teilweise die Kinderbetreuung unplanbar macht und was zu zunehmenden Spannungen zwischen Pendlern und einheimischen Beschäftigten führt, weil die immer wieder einspringen oder Überstunden machen müssen.»

Minister Madsens Fazit nach dem Treffen in Berlin:

Madsen erinnerte daran, dass er das Problem zusammen mit Ministerpräsident Daniel Günther bereits mehrfach direkt beim DB-Vorstand platziert habe. Auch mit der neuen DB-Chefin Evelyn Palla sei Mitte April auf Sylt ein Treffen geplant, um konkrete Schritte zu vereinbaren. «Denn nur durch eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund, Bahn und Land kann das Nadelöhr nach Sylt wieder zu einer echten Lebensader aufgebohrt und die soziale wie wirtschaftliche Stabilität der Region gesichert werden», so der Minister.

Notiz-Blog der Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus