Buchholz will „Bahnfrieden“ zur Stabilisierung der Sylt-Verkehre –  und das Ende des Sylt Shuttle Plus

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Buchholz mit Vertretern der NAH.SH und der Deutschen Bahn AG auf dem Podium

Um die nach wie vor prekäre Lage auf der Marschbahn-Strecke zwischen Niebüll und Westerland zu verbessern, hat Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) einen „Bahnfrieden“ zwischen den konkurrierenden Eisenbahn-Unternehmen im Netz West angemahnt. Zugleich forderte er die Deutsche Bahn AG auf, ihren „Sylt-Shuttle-Plus“ einzustellen.

„Wenn die DB auf diesen aus rein markttaktischen Erwägungen eingesetzten Geisterzug zumindest vorübergehend verzichten würde, dann gäbe es deutlich mehr Spielraum, um die angespannte Lage auf der Strecke zumindest ein wenig zu entspannen“, sagte Buchholz am Abend vor rund 400 Gästen des dritten „Bahngipfels“ des Kreises Nordfriesland in Niebüll. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass kein anderes Bahn-Unternehmen – etwa der „blaue Autozug“ von RDC – die entstehende Lücke für ein eigenes Angebot ausnutze. Er bot an, hierüber gemeinsam mit den Vertretern der Bahn-Unternehmen ein Gespräch mit der zuständigen Bundesnetzagentur zu führen.

Bei einer lebhaften Diskussion mit Vertretern der DB-Regio, der Sylter Pendlerinitiative, Sylter Geschäftsleuten und Kommunalpolitikern bot Buchholz der DB AG außerdem an, das vom Land wegen der Schlecht-Leistungen auf der Strecke seit 2018 einbehaltene Geld für Verbesserungen des Angebots einzusetzen. Insgesamt hat das Land mittlerweile 8 Millionen Euro an Maluszahlungen erhoben – rund vier Millionen Euro über reguläre Vertragsstrafen und 3,8 Millionen durch Sondermalus-Zahlungen. Davon wurden bislang 1,8 Millionen Euro an die betroffenen Pendler erstattet.

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Sein Unterstützungs-Angebot an die Bahn richtete Buchholz sowohl auf die Beschleunigung der Planungen des zweigleisigen Ausbaus der Strecke als auch auf eine Verbesserung des eingesetzten Zugmaterials. Er erinnerte gleichzeitig daran, dass durch intensive Gespräche mit dem Bund während der letzten zwei Jahre entgegen vieler Befürchtungen die Weichen dafür gestellt wurden, dass der zweigleisige Ausbau der Strecke Niebüll-Klanxbüll in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen wurde. „Der Ausbau wird also kommen. Und wir versuchen aktuell einen Weg auszuloten, das Projekt schneller zu verwirklichen als über ein sonst übliches Planfeststellungsverfahren“, sagte der Minister. Er gab außerdem bekannt, dass DB-Vorstandschef Richard Lutz im kommenden Jahr gemeinsam mit ihm die Marschbahn-Strecke besuchen und mit Pendlern ins Gespräch kommen werde.

IMG_3867Mit Blick auf die seit Frühjahr wieder sinkenden Pünktlichkeitswerte – vertraglich vereinbart sind 93 Prozent – machte Buchholz auch klar, dass er erneut nicht zögern werde, wieder Sondermalus-Zahlungen zu verhängen. Aktuell schwankt die Pünktlichkeitsquote auf der Strecke zwischen 68 und 57 Prozent. Der Minister erinnerte aber auch daran, dass gegenüber März 2018, als die Pünktlichkeit bei 49 Prozent lag, eine spürbare Verbesserung eingetreten sei. „Es ist zweifellos viel nach vorn gegangen, aber es ist immer noch deutlich zu viel Luft nach oben“, so der Minister. Darum wäre es „völlig inakzeptabel“, wenn die DB Regio nicht alles an Material einsetze, was zu Verfügung stehe.

Im Gespräch mit Journalisten sagte Buchholz direkt nach der Diskussionsrunde (Audio starten – „im Browser anhören“)

Die Kreisverwaltung hielt zum Abschluss der gut dreistündigen Diskussion folgende Fazit-Punkte des Abends fest:

Bauphase

  • Mobile Tankwagen zur Treibstoffversorgung auf Sylt
  • Busbestellung Schienenersatzverkehr wird nach tatsächlichem Bedarf geplant
  • Baustellenfahrpläne nicht mit Busverkehr auf Sylt abgestimmt, hier sollen Gespräche geführt werden, ob die Busfahrplan angepasst werden kann.

Grundsätzlich

  • Ausreichend Personal wurde mittlerweile rekrutiert
  •  4-er Wagen Parks werden reduziert und dafür vermehrt 6-er Wagen Parks eingesetzt und zwar passgenau nach Fahrgastzahlen
  • DB Regio verspricht weiterhin alle Reserve-Loks vorzuhalten
  • In Westerland Ankunft und Abfahrt am gleichen Gleis, damit kein Rangieren mehr nötig
  • Technisch nun Ein-Mann Betrieb möglich, so dass Betrieb auch ohne Zugbegleiter durchführbar wäre, auch wenn weiterhin mit Zugbegleitern gefahren wird.
  • Land möchte sich mit allen Beteiligten auch mit Autozug-Betreibern zusammen setzen.  Ziel: nach den Baumaßnahmen im November eine Trasse rauszunehmen, um mehr Stabilität zu erreichen (Am Besten den SyltShuttlePlus)
  • Mit Bundesnetzagentur soll geklärt werden, dass diese Trasse auch nicht mehr belegt wird.
  • Land setzt sich bei Bund für gesetzliche Änderung ein, damit die Zweigleisigkeit schneller kommt
  •  Land wird im kommenden Jahr einen öffentlichen Termin mit dem DB-Vorstandsvorsitzenden Lutz hier in der Region zur Marschbahn durchführen

Hier ein Ausschnitt aus der Podiumsdiskussion in der Friedrich Paulsen-Schule in Niebüll: 

 

Zum Hintergrund des von Buchholz angemahnten Bahnfriedens: „Sylt Shuttle Plus“ heißt ein Zug-Angebot der DB, dessen eigentliches Ziel es ist, Autozüge der Konkurrenz zu blockieren. Seit 2015 pendelt dieser Zusatzzug im Stundentakt zwischen Westerland und Bredstedt, meistens mit nicht mehr als zwei oder drei Fahrgästen. Der Kniff: Die beiden Waggons werden in Niebüll nach kurzem Rangieren an den eigentlichen Sylt Shuttle, den Autozug über den Hindenburgdamm, angekoppelt. So wird aus dem Autozug offiziell ein Personenzug. Personenzüge wiederum haben bei dem bürokratischen Vergabeverfahren, das Zahl und Betreiber der lukrativen Zugverbindungen nach Sylt regelt, Vorrang. Egal, ob jemand ihn nutzt oder nicht. Ergebnis des Rangiermanövers: die Autozüge der DB haben bei der Vergabe der Gleisnutzung einen Vorteil gegenüber dem privaten Autozug-Konkurrenten RDC.

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Dritte Bahngipfel in Niebüll zur Situation auf der Marschbahn startet

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Von der DB: Michael Körber und Torsten Reh – hier zusammen mit Verkehrsminister Buchholz auf dem Podium in Niebüll

In wenigen Minuten live auf Facebook: Ein paar Eindrücke vom 3. Bahngipfel in Niebüll zur aktuellen Situation auf der Marschbahnstrecke Niebüll-Westerland. Der Kreis Nordfriesland hat dazu heute Abend in die Friedrich-Paulsen-Schule eingeladen.

Anlass ist die immer noch unbefriedigende Situation auf der Marschbahn. Trotz erheblicher Anstrengungen der Deutschen Bahn prägten Betriebsstörungen, Fahrzeugausfälle und teilweise erhebliche Verspätungen weiterhin das Bild, schreibt der Kreis in seiner Einladung.

Über die Gründe und mögliche Gegenmaßnahmen diskutieren beim Bahn-Gipfel in Niebüll Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz, Torsten Reh (DB Regio SH), Michael Körber (DB Netz AG), Burkhard Schulze (NAH.SH), Achim Bonnichsen (Pendlerinitiative), Moritz Luft (Sylt Marketing), Karl Max Hellner (Verein Sylter Unternehmer) und Burkhard Jansen vom gastgebenden Kreis Nordfriesland. Die Moderation übernimmt Landrat Florian Lorenzen.

Neue Runde für den echten Norden: Agentur KNSK bleibt für weitere drei Jahre am Ball

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Agenturchef Detmar Karpinski und Wirtschaftsminister Bernd Buchholz

Die Hamburger Werbeagentur KNSKB+ hat im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung um das Standortmarketing Schleswig-Holstein ihren bisherigen Vertrag verteidigt und den Zuschlag für drei weitere Jahre erhalten. Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz (FDP) und Agentur-Geschäftsführer Detmar Karpinski unterzeichneten gestern den Vertrag, dem ein Etat von rund 4,4 Millionen Euro zugrunde liegt.

Die Hamburger Werbeexperten um Karpinski und den ehemaligen „Woche“-Herausgeber Manfred Bissinger verantworten damit auch künftig das Standortmarketing der Landesdachmarke Schleswig-Holstein. Der echte Norden. „Damit werden wir Schleswig-Holstein erstmals auch außerhalb der Landesgrenzen offensiv als dynamischen Wirtschafts-, Arbeits- und Lebensstandort positionieren“, sagte Buchholz. Der Auftrag umfasst spezifische Kampagnen, in denen ab Frühjahr 2020 vor allem die drei Hauptzielgruppen Fachkräfte, Gründer und Gründerinnen sowie Unternehmen und Investoren angesprochen werden.

Zentrales Kommunikationsmittel bleibt die Kampagnenwebsite www.der-echte-norden.info auf der künftige Kampagnen weiterhin zusammenlaufen. Die Mediaplanung übernimmt im Unterauftrag von KNSKB+ die Werbeagentur „pilot Hamburg“.

„Die Beteiligung der Agentur KNSKB+hat uns sehr gefreut, denn ihr Engagement und die Leidenschaft für ´den echten Norden´ ist deutlich erkennbar. Wir trauen dem Team den systematischen Werbe-Schritt raus aus Schleswig-Holstein ebenso zu wie die Positionierung unseres Landes als dynamischen, modernen und attraktiven Wirtschaftsstandort“, sagte Buchholz.

Die Hamburger Agentur hält den Vertrag bereits seit 2015. Zuletzt standen in der Kampagne für das Wirtschaftsministerium Auszubildende und Berufsanfänger im Mittelpunkt. Unter dem Hashtag #bleiboben wurde die junge Zielgruppe auf allen Kanälen über Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in der Region informiert, um sie für ein Karriere im „echten Norden“ zu begeistern.

Senvion-Übernahme durch Siemens Gamesa so gut wie unter Dach und Fach

Nach einer monatelangen zermürbenden Hängepartie gibt es eine Lösung für den größten Teil des insolventen Windanlagen-Bauers Senvion. Für fast 900 Beschäftigte in Deutschland geht es allerdings wohl erst einmal in Beschäftigungsgesellschaften weiter.

Der Verkauf von Teilen des insolventen Windanlagenbauers Senvion an den deutsch-spanischen Konkurrenten Siemens Gamesa ist perfekt. Der Vertrag zur Übernahme wesentlicher Teile des europäischen Dienstleistungsgeschäfts für Windanlagen an Land sowie die Rotorblattfertigung im portugiesischen Vagos wurde unterzeichnet, wie die Unternehmen heute mitteilten. Durch den Verkauf würden rund 2000 Arbeitsplätze gesichert, was 60 Prozent der Stellen bedeute, erklärte Senvion. In Deutschland fallen fast 900 der noch verbliebenen rund 1400 Arbeitsplätze weg.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister bezeichnete den Verkauf zwar als „nach wie vor bittere Pille“ für den Windenergiestandort Schleswig-Holstein, doch immerhin hätten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun Sicherheit – auch wenn noch nicht alles restlos in trockenen Tüchern sei.

Buchholz sagte weiter – Audio starten („im Browser anhören“)

Die IG Metall Küste begrüßte den Abschluss der Verhandlungen, der eigentlich bereits vor mehr als drei Wochen erwartet worden war. «Mit der Übernahme des Service-Geschäfts durch Siemens Gamesa zeichnet sich immerhin für etwa 500 Beschäftige in Deutschland eine langfristige Perspektive ab», sagte Bezirksleiter Meinhard Geiken. Die tariflichen Arbeitsbedingungen blieben erhalten. «Trotzdem ist es schmerzhaft zu sehen, wie mit Senvion ein Pionier der Windkraftbranche mit eigener Produktion und Konstruktion in Deutschland vom Markt verschwindet und hunderte Beschäftigte ihre Arbeitsplätze verlieren.»

Bereits zum 1. Oktober sind 270 Senvion-Mitarbeiter in Transfergesellschaften gewechselt. Die Gewerkschaft erwartet, dass diese Lösung auch für etwa 600 weitere Beschäftigte ermöglicht wird, die in den nächsten Monaten von Kündigung bedroht sind. Das steht noch unter Finanzierungsvorbehalt. Sie werden mit Mitteln der Arbeitsagentur und des Unternehmens für neue Aufgaben in anderen Betrieben qualifiziert. Mit den Landesregierungen in Bremen, Hamburg und Kiel laufen Gespräche über mögliche weitere Mittel, damit die Transfergesellschaften länger als vier Monate arbeiten können.

Eine grundsätzliche Vereinbarung war bereits Mitte September getroffen worden, der Gläubigerausschuss von Senvion stimmte vor einigen Tagen zu. Für einige Geschäftsbereiche, etwa für die Aktivitäten in Indien und das außereuropäische Service-Geschäft, laufen weitere Verhandlungen mit potenziellen Investoren.

Den Preis bezifferte Siemens Gamesa auf 200 Millionen Euro. Durch die Übernahme einer Serviceflotte mit 8,9 Gigawatt erhöhe sich die von Siemens Gamesa gewartete Turbinenleistung an Land auf insgesamt nahezu 69 Gigawatt, teilte die Siemens-Tochter mit. Siemens Gamesa will die Transaktion in der ersten Hälfte des neuen Geschäftsjahres 2019/20 abschließen, die bis Ende März 2020 läuft.

Buchholz: Mit 55 Akku-Zügen stellt Schleswig-Holstein die erste Weiche Richtung Verkehrswende

Auch wenn er sich zweifellos gewünscht hätte, dass im echten Norden möglichst schnell wasserstoffgetriebene Züge zum Einsatz kommen, so ist es für Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) trotzdem ein riesiger Schritt in Richtung Verkehrswende: Zusammen mit Vertretern der Schweizer Firma Stadler unterzeichnete er am Montag einen Vertrag über 55 akkubetriebene Triebzüge. Der Auftragswert beträgt 600 Millionen Euro. Das Unternehmen soll die Züge ab Ende 2022 liefern – und sie dann 30 Jahre instand halten. Für Buchholz seine „Meldung der Woche“. Video starten…

Boom: SH-Tourismus zur Freude von Buchholz & Bunge auch im August im Höhenflug

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Die Tourismusbranche in Schleswig-Holstein wächst weiter: Mit mehr als 5,5 Millionen Übernachtungen und mehr als 1,1 Millionen Gäste im August 2019 setzte die Branche ihren Wachstumskurs fort. „Schleswig-Holstein als Sommerurlaubsziel wird immer beliebter. Es ist großartig, dass immer mehr Urlauber ihre wichtigsten Wochen des Jahres hier bei uns verbringen. Dabei wird auch das Binnenland zunehmend entdeckt, was mich besonders freut“, sagte Minister Dr. Buchholz. Im August hat die Steigerung der Ankunfts- und Übernachtungszahlen die Werte der Region Nordsee übertroffen. „Das Binnenland hat großes Potenzial, was verstärkt wahrgenommen wird. Das entspricht den von uns verfolgten Zielen.“

Nach den heute veröffentlichten Daten des Statistikamts Nord stieg im August 2019 in den Beherbergungsstätten mit zehn und mehr Betten die Zahl der gebuchten Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,2 Prozent. Das Gästeaufkommen in Schleswig-Holstein stieg um 5,5 Prozent. Zum Vergleich: Die Bundesstatistik weist einen Zuwachs von 3,4 % bei den Übernachtungszahlen für August 2019 auf.

„Das positive Ergebnis für den Schleswig-Holstein-Tourismus im August ist sehr erfreulich, gerade weil dieser Hochsommermonat stets zu den besucherstärksten gehört und sehr wichtig für das Geschäft insgesamt ist „, erläuterte Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein GmbH (TA.SH). Die Ferienzeit der für den echten Norden wichtigen Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg fiel nahezu komplett in den August. Und trotz des eher unbeständigen nordischen Sommerwetters haben die meisten Gäste ihre Reise auch angetreten.“

Laut Deutschem Wetterdienst war Schleswig-Holstein im August ein verhältnismäßig nasses Bundesland mit fast 70 l/m² Regen und neben Bayern das kühlste mit nur 18,3 °C. „Es bleibt abzuwarten, wie sich die Buchungen für den Rest des Jahres sowie für 2020 entwickeln. Wir dürfen in unseren Anstrengungen, ganz Schleswig-Holstein im gesamten Jahr als attraktiven Urlaubs- und Tagungsstandort gemeinsam zu vermarkten, nicht nachlassen“, warnte Bunge abschließend

SH und HH fördern neue Veterinär Diagnostik – Buchholz „Potenzial für ganz Europa“

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Buchholz (2.v.l.) mit den Projekt-Verantwortlichen bei der Bescheid-Übergabe

Ansteckende Pferdekrankheiten wie Herpes oder die Druse sollen künftig mit einem Blitztest schon in maximal einer halben Stunde diagnostizierbar sein – und das sogar bereits vor Ausbruch der Krankheit. Wissenschaftler und andere Experten aus fünf Firmen und Forschungseinrichtungen in Schleswig-Holstein und Hamburg entwickeln gemeinsam ein entsprechendes tragbares Mini-Labor. Bisher dauert es meist drei bis fünf Tage, bis Laborergebnisse vorliegen. Mit dem neuen Gerät könnte Massen-Ansteckungen im Tierstall besser vorgebeugt werden.

Bei der gestrigen Vorstellung des Projekts in der Pferdeklinik Tappendorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) sagte Technologieminister Bernd Buchholz (FDP), er sehe für das Gerät ein riesiges Marktpotenzial für den gesamten europäischen Raum. „Wir sind optimistisch, dass dieses Gerät in drei Jahren fertig entwickelt ist und in spätestens sechs Jahren produziert werden kann.“

Hamburg und Schleswig-Holstein fördern die Entwicklung mit einer Million Euro. Das Gerät hat den sperrigen Namen Optochip – für Optoelektronisch-mikrofluidisches System zur Detektion von fluoreszenzmarkierten Nukleinsäuren.

Beteiligt in Schleswig-Holstein sind die Kieler Uni, das Fraunhofer Institut für Siliziumtechnologie (ISIT, Itzehoe) und die Krämer Engineering GmbH (Jevenstedt). Hamburger Partner sind die Unternehmen Byonoy und altona Diagnostics. Buchholz überreichte den drei Partnern aus Schleswig-Holstein einen Förderbescheid über 525 000 Euro. Hamburg fördert die beiden Firmen in der Hansestadt mit 563 000 Euro. Das Verbundnetzwerk Life Science Nord der beiden Länder habe die passenden Partner zusammengebracht, betonte Manager Hinrich Habeck.

Prof. Martina Gerken von der Uni Kiel erläuterte, bei Optochip handle es sich um ein System für die Veterinärmedizin mit besonderem Augenmerk auf den Einsatz an Pferden. Buchholz betonte, es gehe nicht nur um Krankheiten im Stall. Schon jetzt hätten die Forscher Anwendungsbereiche für die Humanmedizin sowie die Lebensmittel- und Umweltanalytik im Blick.

Zunächst werden zwei unterschiedliche Erregerpanels entwickelt – für Pferde-Herpesviren und für das Bakterium Streptococcus equi ssp. equi, das die Druse verursacht. In beiden Fällen werden mit einem Stäbchen Sekretproben aus der Nase der Pferde genommen. Es gebe aber auch andere Krankheiten, bei denen Blut- oder Speichelproben notwendig wären, erläuterte Susanna Arndt von altona Diagnostics. Vom Prinzip her könne das Mini-Labor auch andere biochemische Nachweise ermöglichen.

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So berichtet heute der sh:z

Die Aufgaben der Akteure sind klar verteilt: Die Kieler Uni-Forscher entwickeln die miniaturisierte optische Messtechnik zum Nachweis der Erreger. Das ISIT für eine Einheit zur Aufreinigung der Proben zuständig. Krämer Engineering produziert eine filigrane Kunststoffkartusche mit Kammern zur vollautomatischen Aufbereitung und Vervielfältigung der Nukleinsäuren in den Proben und integriert die Bauelemente der Kieler Uni und des ISIT. Die Kartusche soll in einem von Byonoy zu entwickelnden Auslesegerät zum Einsatz kommen.

„Sollte die Entwicklung von Optochip gelingen, wäre dies ein Meilenstein“, sagte der Chef der Tappendorfer Pferdeklinik, Jörg Peter Belz. Denn mit dem mobilen Schnelltest ließen sich auch für Pferde, die in die Klinik kämen, unnötige Isolationszeiten vermeiden. Durch den Zeitgewinn würden Besitzer zudem viel Geld sparen.

Energiewende im SH-Schienennetz: Land kauft 55 Elektrozüge

Bahnpendler fahren in wenigen Jahren in Elektrozügen durch Schleswig-Holstein. Das Land kauft 55 Triebwagen mit Akkus auf dem Dach. Die Wagen vom Typ «Flirt Akku» werden im Norden und Osten des Landes fahren. Eines ist bei dem Geschäft neu.

Bereits in gut drei Jahren sollen die ersten Akku-Elektrozüge durch Schleswig-Holstein rollen. «Mich freutbesonders, dass diese Lösung auch so wirtschaftlich ist», sagte Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) der Deutschen Presse-Agentur. Gestern unterzeichnete der Ressortchef gemeinsam mit dem Deutschland-Chef des internationalen Bahnherstellers Stadler, Jure Mikolcic, den Liefervertrag.

Der Auftragswert liegt den Angaben zufolge bei rund 600 Millionen Euro. Im Juni hatte der Wirtschafts- und Finanzausschuss des Landtags der Vergabe zugestimmt. Das Geld soll aus den
Regionalisierungsmitteln für den Bahnverkehr kommen.

Mit Hilfe der Elektrozüge gelinge ein Stück der nötigen Elektrifizierung des Bahnverkehrs, ohne in teure Oberleitungen investieren zu müssen, sagte Buchholz. Über den Investitionszeitraum gerechnet fahre das Land damit etwas günstiger als mit Dieseltriebwagen. Stadler-Deutschland-Chef Mikolcic sagte, «durch den Einsatz von lokal CO2-emissionsfreien Fahrzeugen auf nichtelektrifizierten Strecken rückt das Ziel einer CO2 Neutralität ein grosses Stück näher».

Erstmals in Schleswig-Holstein wird ein Bahnhersteller auch für die Instandhaltung der Züge verantwortlich sein. Im Fall der Züge vom Typ „Flirt Akku“ geht es dabei um einen Zeitraum von 30 Jahren. Stadler will diese in Werkstätten in Rendsburg und Neumünster warten. «Gerade nach den Erfahrungen auf der Marschbahn, aber auch in anderen Netzen, war es uns wichtig, den Hersteller mit in die Alltagsverantwortung zu
nehmen», sagte Buchholz.

Die Elektrobahnen haben 124 Sitzplätze. Sie sind leiser, barrierefrei, klimatisiert und mit WLAN ausgestattet. Ihre Höchstgeschwindigkeit beträgt 160 Kilometer pro Stunden. Die Akkus sind auf dem Dach montiert. Ihre Reichweite soll bis zu 150 Kilometer betragen. Sie werden an den Oberleitungen vor allem in den Bahnhöfen Kiel, Neumünster, Flensburg, Lübeck, Lüneburg sowie auf der Strecke
Osterrönfeld-Jübek aufgeladen.

Zum Einsatz kommen die Elektrozüge auf den Strecken Kiel-Lübeck-Lüneburg, Bad Oldesloe-Büsum, Kiel-Husum, Husum-St. Peter-Ording, Kiel-Rendsburg sowie Kiel-Flensburg. Nach Angaben des Nahverkehrsverbundes Schleswig-Holstein (NAH.SH) werden mit der Inbetriebnahme der Züge künftig kaum noch Dieseltriebwagen unterwegs sein.

Buchholz zur Konferenz der Verkehrsminister: Wichtige Weichenstellungen für den Norden

Die Verkehrsminister der Länder hatten bei ihrer Herbst-Konferenz in dieser Woche in Frankfurt vor allem zwei wichtige Themen auf der Agenda: Die Folgen des Klimapakets der Bundesregierung für die Deutsche Bahn und das – und der weitere Ausbau der digitalen Infrastruktur, vor allem im Bereich des 5-G-Mobilfunknetzes. Dabei spielen Unternehmen aus dem Echten Norden eine wichtige Rolle. Für Verkehrsminister Bernd Buchholz seine „Meldung der Woche“. Video starten…

Nordländer-Erfolg im Bundesrat: Wasserstoff wird zum gemeinsamen Nenner der Energiewende

Spät, aber nicht zu spät: Beim Thema Energiewende wollen die norddeutschen Küstenländer, die im November eine gemeinsame Wasserstoff-Strategie auf den Weg bringen, eng mit dem Bund zusammenarbeiten. Ein entsprechender Antrag fand heute die Mehrheit im Bundesrat. Wie Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) im Plenum sagte, sei dies ein enorm wichtiger Schritt weg von der bislang rein strombasierten Energiewende hin zu mehr Technologieoffenheit. So könne  Wasserstoff direkt oder weiterverarbeitet in Form von synthetischem Gas wie etwa Methan oder Methanol genutzt werden. Als Bindeglied zwischen Strom- und Gassektor biete „grüner“ Wasserstoff zudem die Möglichkeit, künftig zwei Wege zum Transport von erneuerbaren Energien zu nutzen. Auch Autobauer hätten damit einen Anreiz zur stärkeren Forschung und Entwicklung von Wasserstoff-Fahrzeugen.

„Künftig kann zudem das erhebliche volkswirtschaftliche Kapital der Gastransport- und Gasspeicherinfrastruktur effizient in den Wandel der Energieerzeugung eingebunden werden“, so Buchholz weiter. Zusammen mit den anderen Vertretern der Küstenländer dankte der FDP-Politiker der Bundesregierung, eine nationale Wasserstoffstrategie aufzulegen. „Und wir bitten Sie darum, die Länder umfassend in diesen Prozess einzubinden sowie vorhandene Wasserstoffstrategien der Länder zu berücksichtigen und wirksam zu unterstützen.“

Notiz-Blog der Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus