So viel Geld war nie: Eine halbe Milliarde Euro will Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen in diesem Jahr in die Sanierung des schleswig-holsteinischen Straßennetzes stecken. Rückenwind bei dem Plan, damit auch wirtschaftliche Wachstumsimpulse zu setzen, liefert das kreditfinanzierte Sondervermögen des Bundes. Madsen drückt dabei aufs Tempo – und setzt auf die Zusagen der Bauwirtschaft.

Allein der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) will in den kommenden 12 Monaten Bau- und Sanierungsprojekte im Umfang von 271 Millionen Euro starten – davon entfallen 111 Millionen Euro auf das knapp 3.700 Kilometer lange Landesstraßennetz sowie die Radwege im Land. Hinzu kommen weit über 200 Millionen Euro an Investitionen durch die Autobahn GmbH des Bundes. Hier die Liste der größten Bauvorhaben 2026:
„Die uns vom Bund für Straßen zusätzlich bereit gestellten 200 Millionen Euro aus dem Sondervermögen sowie zusätzliche zehn Millionen Euro für Radwege geben uns in diesem und den kommenden Jahren den Spielraum, unseren massiven Sanierungsstau abzubauen – und damit zugleich die Wirtschaft in Schwung zu bringen“, sagte Madsen. Mit der norddeutschen Bauwirtschaft habe er bereits erste Gespräche darüber geführt, wie die Mittel möglichst rasch und unbürokratisch auf die Straße gebracht werden könnten. „Seitens des Landes haben wir dafür unter anderem bereits die Vergabeverordnung angepasst, um beispielsweise mehr Direktaufträge, freihändige Vergaben oder beschränkte Ausschreibungen zu ermöglichen“, so der Minister.
Mitschnitt des gesamten Pressegesprächs:
Zur Erinnerung: Die Bundesregierung stellt Schleswig-Holstein im Rahmen ihres kreditfinanzierten Sondervermögens 3,4 Milliarden Euro zur Verfügung. Davon stehen 550 Millionen Euro für Straßen, Schienen, Häfen und Wasserwege zur Verfügung. „Diese einmalige Chance werden wir nutzen und unsere Verkehrswege auf ein Niveau bringen, das der Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein verdient und uns als Tourismusdestination noch attraktiver macht“, versprach Madsen. Als besonders erfreulich bezeichnete er vor diesem Hintergrund die Fortschritte beim Weiterbau der Autobahn A 20. So sei nach Jahrzehnten des Stillstands durch einen Kompromiss mit den klagenden Umweltverbänden erreicht worden, dass die Autobahn bei Bad Segeberg voraussichtlich noch im Frühjahr weitergebaut werden könne.
Während für den an Segeberg angrenzenden Abschnitt bis zur A 7 derzeit die Planfeststellungsunterlagen für das Fehlerheilungsverfahren ausliegen, liegt seit wenigen Tagen eine weitere Baugenehmigung vor. Madsen: „Im März werden wir den Planfeststellungsbeschluss für den 15-Kilometer-Abschnitt zwischen Glückstadt an der Elbe und der A 23 im Kreis Steinburg auslegen. Damit ist hoffentlich bald ebenfalls die rechtskräftige Voraussetzung für die Durchbindung der Autobahn nach Niedersachsen geschaffen.“ Mehr dazu hier

In das 1.550 Kilometer lange Bundesstraßennetz werde das Land nach den Worten von LBV.SH-Direktor Frank Quirmbach dieses Jahr 131 Millionen Euro investieren. Zu den größten Brocken unter den 50 Vorhaben zählen unter anderem die Grundsanierung der Bundesstraße B 76 im Kreis Plön, die Sanierung der B 5 zwischen Stedesand, Risum und Lindholm im Kreis Nordfriesland oder die Sanierung der B 430 bei Bornhöved im Kreis Segeberg. Zu den größten Landesstraßen-Projekten gehören die Sanierung der Ortsdurchfahrt Schönwalde im Zuge der L 57 im Kreis Ostholstein, die L 69 zwischen Bornhöved und der Gemeinde Berlin im Kreis Segeberg sowie die L 116 (Kreidegrube Saturn) im Kreis Steinburg.
Hier der Überblick über die LBV.SH-Projekte
„Aus dem Sonderprogramm des Bundes werden wir in den kommenden vier bis fünf Jahren insgesamt 40 Projekte realisieren – davon 29 Straßenbaumaßnahmen und den Bau elf neuer Brücken“, so Quirmbach. In diesem Jahr würden davon bereits sechs Vorhaben in den Bau gehen – unter anderem die Sanierung der L 138 zwischen Dingen und St. Michaelisdonn im Kreis Dithmarschen oder der Ersatzneubau der L 120 über die Kremperau im Kreis Steinburg. In das knapp 4.200 Kilometer lange Netz an Kreisstraßen will der LBV.SH in diesem Jahr laut Quirmbach 26 Millionen Euro investieren.

Seitens der Autobahn GmbH des Bundes stehen nach den Worten des Direktors der Niederlassung Nord, Carsten Butenschön, für 2026 vor allem sechs größere Projekte an: Die weitere Sanierung der A 1 zwischen Ratekau (Neuruppersdorf) und Pansdorf sowie zwischen Bad Oldesloe und Bargteheide, außerdem die Sanierung der A 21 zwischen Leezen und Bad Oldesloe-Nord und die Instandsetzung der A 23 zwischen Halstenbek-Krupunder und Halstenbek/Rellingen. „Darüber hinaus werden wir die A 215 zwischen Kiel-West und Kiel-Mitte in Schuss bringen und den vierstreifigen Ausbau der B 404 zur A 21 weiter vorantreiben“, sagte Butenschön. Die Freigabe des Abschnitts zwischen Klein Barkau und Löptin im Kreis Plön sei bereits für das Frühjahr vorgesehen.
Im Plan befinden sich auch die Fortsetzung des vierstreifigen Ausbaus der B 207 zwischen Heiligenhafen und Puttgarden sowie die Vorbereitungen für die neue Fehmarnsundquerung westlich der Fehmarnsundbrücke. DEGES-Bereichsleiterin Steffi Wulke-Eichenberg: „Für den geplanten Absenktunnel streben wir gemeinsam mit der Deutschen Bahn für den Sommer den Planfeststellungsbeschluss an. Und sofern es keine gravierenden Klagen gibt, könnten wir Ende des Jahres mit dem Bau des Tunnels beginnen.“

Mit Blick auf das Radwegenetz in Schleswig-Holstein machte Madsen deutlich, dass auch hier dank der regulären Haushaltsmittel von 15 Millionen Euro jährlich und der zusätzlichen zehn Millionen Euro aus dem Sondervermögen ein Investitionsschub anstehe: „Wir werden in diesem Jahr unter anderem die Radwegerneuerungen an der Landesstraße L 118 zwischen Süderau und Sommerland im Kreis Steinburg sowie an der L 144 zwischen Friedrichskoog und Rathjensdorf im Kreis Dithmarschen sowie im Kreis Ostholstein den Radwegneubau an der L 231 zwischen Rütting und Grube fortsetzen“, sagte der Minister.




















