
Als hätte Bundesverkehrsminister Volker Wissing es gewusst: Während der FDP-Politiker heute in den Mittagsnachrichten die Werbetrommel für sein 270-Millionen-Radwege-Programm rührte, saß sein schleswig-holsteinischer Amtskollege Claus Ruhe Madsen (CDU) mit sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bereits seit drei Stunden auf Rädern für einen Praxistest.
Station 1: Der marode Schmalspur-Radweg entlang der Landestraße 44 zwischen Borgstedt und Holtsee. Sowohl für Einheimische wie auch für Gäste seit Jahren eine motorische Herausforderung. Doch spätestens 2024 ist damit Schluss: Wie Torsten Conradt, Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV.SH) dem Minister vor Ort erläuterte, laufen derzeit die Ausschreibungen für den Ausbau des sechs Kilometer langen Abschnitts. Noch in diesem Sommer starten die Bauarbeiten.

«Dieser 45 Jahre alte Schmalspur-Weg ist nicht nur eine Zumutung für Pendler und Schulkinder, sondern auch eine Bremse für den zunehmend wichtigen Rad-Tourismus in der Region», sagte Madsen. Er sei froh, dass das Land trotz der extrem angespannten Haushaltslage die 800.000 Euro für die Sanierung aufbringe. Denn: Neben den 90 Millionen Euro jährlich für die Sanierung des maroden Landesstraßennetzes fließen zusätzlich 20 Millionen Euro in Radwege und Radwegsprojekte. «Allein für den Kreis Rendsburg-Eckernförde haben wir für die kommenden 12 Monate aus dem vom Bund bereitgestellten Programm „Stadt & Land“ sieben weitere Sanierungen in der Pipeline», so Madsen. Erfreulich bei der Sanierung des Radwegs an der L 44 sei zudem noch ein positiver Nebeneffekt: Der LBV.SH nutzt die Strecke für die praktische Ausbildung seiner angehenden Ingenieure – dazu wird das Projekt in drei Einzelabschnitte von je zwei Kilometern unterteilt.
Station 2: Ein Fischbrötchen im Hafen von Eckernförde mit Bürgermeisterin Iris Ploog und dem Chef der Eckernförde Touristik und Marketing GmbH, Stefan Borgmann. Auch wenn ein heftiger Wolkenbruch zunächst etwas anderes vermuten ließ: Die Aussichten für den Tourismus in der Stadt und ihrer nahen Region sind überaus sonnig: Vergangenes Jahr gab es allein über das Portal www.eckernfoederbucht.de knapp 6000 Buchungen von Ferienquartieren und einen Umsatz von 3,9 Millionen Euro.

«Der Erfolg, den wir als Modellregion in der Corona-Zeit hatten, trägt durch», freut sich Borgmann und sieht angesichts der hohen Vorbuchungen auch für dieses Jahr einen Aufwärtstrend. Laut Bürgermeisterin Ploog lässt sich der Wirtschaftsfaktor Tourismus in ihrer Stadt auf über 80 Millionen Euro jährlich beziffern.
Dass sich auch die Region nördlich von Eckernförde nach dem Erfolg in der Corona-Pandemie weiter zur qualitativ hochwertigen Top-Destination mausert, konnte Madsen an der Station 3 seiner „Rad SH“-Tour erfahren: Nachdem der Adelsspross und Unternehmer Graf Alexander zu Reventlow vor fünf Jahren damit begonnen hatte, seine Pläne zur touristischen Nutzung des Guts Damp in die Tat umzusetzen, packen er und seine Frau Paulina nun das nahe gelegene Gut Dorotheenthal an.

Dort sollen bis 2030 ein Premium-Wohnmobilstellpark mit 210 Plätzen und bis zu 100 Ferienwohnungen geschaffen werden. «Hier entsteht am Ende eine große Gesamt-Einheit», sagt von Reventlow. Das Gut Dorotheenthal werde zwar über eigene Versorgungs- und Serviceangebote verfügen, aber über die Anbindung an das Gut Damp erhalten die Urlauber deutlich mehr Angebote. So stehe dort nicht nur das Restaurant Kuhhaus zur Verfügung, sondern es seien auch zahlreiche Angebote für echte Naturerlebnisse in Planung. Erfreulicher Nebeneffekt für Tourismusminister Madsen in seiner Rolle als Arbeitsminister: Es sollen 20 neue Arbeitsplätze entstehen.
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Letzte Station des ersten Tages: Einblicke in das „Ostsee Resort Olpenitz“ und ein Gedankenaustausch mit Tourismus-Verantwortlichen aus der Schlei Region wie Max Triphaus (Ostseefjord Schlei) oder Hotelchef Bo Teichmann.

Mit Blick auf die Ferien-Immobilien in Olpenitz, die in Hochzeiten weit über 4000 Touristen in die Region ziehen, erinnerte Madsen an die Notwendigkeit eines ausreichenden Mobilitätsangebots. Dazu sei die Region bereits in engem Austausch mit der NAH.SH, die unter anderem das On-Demand-ÖPNV-Projekt „Smile 24“ verantwortet. «Und was bei dem Wachstum immer mitgedacht werden muss», so der Minister, «ist ein ausreichendes gastronomisches Angebot.»

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Und hier das Gesamt-Fazit des Tages in Bildern und einer Blitz-Zusammenfassung des Ministers selbst:
Am morgigen Dienstag wird der Minister an der Schlei unter anderem die Arbeiten am Fähranläger in Missunde besichtigen und anschließend das archäologische Museum in Dannewerk