Zum Jahrestag des Deutschlandtickets zeigen Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen und NAH.SH-Chef Arne Beck sich recht zufrieden mit der Nutzung des Tickets. Dennoch sei das Angebot auf der Schiene nicht gut genug. Daher fordern beide Finanzmittel vom Bund.
Knapp ein Jahr gibt es nun das Deutschlandticket, mit dem Menschen für 49 Euro im Monat per Nahverkehr quer durch das Bundesgebiet reisen können. In Schleswig-Holstein haben aktuell mehr als 300.000 Menschen das Ticket abonniert. Knapp drei Viertel der Abonnenten nutzen es als Handyticket, der Rest ist mit der Chipkarte unterwegs. 25 Prozent aller Nutzer fahren mit dem Deutschland-Jobticket oder mit dem Upgrade des Semestertickets. Dies sei im Hinblick auf den Umstieg auf den öffentlichen Personennahverkehr ein großer Erfolg, weil es viele neue Fahrgäste für den Nahverkehr gebracht habe, sagte Madsen der Deutschen Presse-Agentur.

Dennoch müsse das Bahnangebot auch verbessert werden, um die Kunden bei der Stange zu halten: «Es ist momentan bundesweit ein wenig so, als würden wir Kinokarten verkaufen, ohne ein wirklich intaktes Kino zu haben und zudem bieten wir nicht wirklich ein attraktives Programm», so Madsen. Das Schienennetz sei zu alt, zu kaputt und zu voll. Allein Schleswig-Holstein fehlten pro Jahr 60 bis 70 Millionen Euro, um angesichts der Kostensteigerungen das Angebot auf dem derzeitigen Niveau zu halten.
Der Preis des Deutschlandtickets soll in diesem Jahr stabil bei 49 Euro im Monat bleiben. Die Finanzierung reicht in diesem Jahr aus, weil man Restbudgets aus dem Jahr 2023 verwenden kann.
Im Gespräch mit NDR-Info sagte Madsen weiter:
«Für die kommenden Jahre ist die Finanzierung des Deutschlandtickets aber noch nicht gesichert. Wenn Bund und Länder nicht in der Lage sind, mehr Mittel für das Deutschlandticket zur Verfügung zu stellen, muss es teurer werden», sagt auch Arne Beck, Geschäftsführer der Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein GmbH (NAH.SH). «Insgesamt ist der Nahverkehr weiter deutlich unterfinanziert. Wir hoffen, dass der Bund zusätzliche Mittel bereitstellen kann, um die Verkehrswende zu ermöglichen und die Klimaziele zu erreichen»“, so Beck. Stattdessen sei man gezwungen, ab 2025 Kürzungen im Angebot vorzunehmen.

Laut Beck und Madsen verhandeln die Allgemeinen Studierendenausschüsse (AStA) derzeit mit den Verkehrsunternehmen über den Abschluss eines Vertrages für das Deutschland-Semesterticket. Eine Nutzung der Studierenden wird ab dem Wintersemester 2024/2025 angestrebt. Dann würden ca. 55.000 Studentinnen und Studenten zusätzlich vom Deutschlandticket profitieren. Außerdem soll 2025 das Deutschland-Schulticket für alle Schüler an allgemeinbildenden und privaten Schulen sowie für Auszubildende in schulischer Ausbildung ohne Arbeitgeber in Schleswig-Holstein kommen. Damit die Schüler*innen schon zum Schuljahresbeginn 2024/25 von dem rabattierten Deutschlandticket profitieren, bieten die Kreise und kreisfreien Städte eine vertriebliche Zwischenlösung ab Spätsommer 2024 an.