Wirtschaftsfaktor und schmackhafter Tourismusmagnet: Die schleswig-holsteinischen Muschelzüchter sind heute in Hörnum auf Sylt mit Zuversicht in die neue Saison gestartet.
«Bereits bei den ersten Proben konnten wir bis zu 39 Prozent Fleischanteil bei unseren Sylter Muscheln feststellen – ein absoluter Spitzenwert», sagte der Vorsitzende der seit 30 Jahren bestehenden Erzeugerorganisation der Muschelfischer, Heinz Maurus.

Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen betonte angesichts der für dieses Jahr erwarteten Erntemenge von 15.000 Tonnen auch die wirtschaftliche Bedeutung der Branche. «Wir haben es hier mit einer gut austarierten Verbindung von Ökonomie und Ökologie im Nationalpark Wattenmeer zu tun.» Der Durchschnittsertrag der Muschelbänke vor Hörnum lag in den vergangenen Jahre bei etwa 12.000 Tonnen.
Zu seinem heutigen Besuch in Hörnum sagte Madsen – Video starten:
Ungeachtet der guten Aussichten für die diesjährige Saison kämpfen die Muschelzüchter nach eigenen Angaben mit erschwerten Rahmenbedingungen. So schränke die zunehmende Versandung von Muschelkulturbezirken Aufzucht und Ernte massiv ein oder mache sie unmöglich. Nach den Worten von Maurus und Hörnums Bürgermeister Udo Hanrieder erschwert der marode Hörnumer Hafen zunehmend die Arbeit der Muschelzüchter. Drei Kaianlagen seien bereits wegen Baufälligkeit gesperrt. Der Bund als Eigentürmer möchte den Hafen seit Jahren am liebsten an die Kommune abgeben, will aber maximal die Hälfte der Sanierungskosten von schätzungsweise 60 Millionen Euro übernehmen.

«Solange wir keine Klarheit über die Sanierungskosten für den Hörnumer Hafen haben, lassen wir den Bund nicht aus der Pflicht», sagte Madsen bei der heutigen Saison-Eröffnung. Land und Kommune müssten darauf achten, dass der Bund der Gemeinde Hörnum nicht am Ende ein vergiftetes Geschenk übergebe. Das Land selbst habe weder ein strategisch-logistisches Interesse noch sei es finanziell in der Lage, einen weiteren defizitären Hafen zu übernehmen.

Aber der Bund, so Madsen weiter, sollte sich überlegen, ob er den Hafen am nördlichsten Punkt Deutschlands wirklich aus seiner Obhut lassen wolle. Aufgrund der veränderten geopolitischen Lage gewinne der Hörnumer Hafen an Bedeutung zum Schutz und für die Sicherheit Deutschlands. Dies sei eine nationale Aufgabe. Vielleicht müsse man das Konzept der Schutz- und Sicherheitshäfen aus den 90er Jahren wieder aufleben lassen.

Auch die Interessengemeinschaft Nordfriesischer Häfen sieht das so: Die derzeitige Sicherheitslage in Europa erfordere ebenso ein neues Bewerten von vorhandener Infrastruktur im maritimen Sektor. Zukünftig würden schiffbare Häfen mit Tidenunabhängigkeit für die Überwachung und Sicherung der kritischen Infrastruktur in der Nordsee eine wichtige Rolle spielen. Kurze Anfahrwege für die Zu- und Abführung von Personal und Material seien von großem Vorteil. Daher sollte die Wiederherstellung der funktionierenden Infrastruktur des Hafens durch den Bund erfolgen, so die Gemeinschaft.
Sorge bereitet den sieben Muschel- und Austernzuchtbetrieben im Wattenmeer nicht zuletzt auch die neue Riffkartierung aus 2022. Dadurch werde es laut Erzeugergemeinschaft zu einer weiteren Einschränkung des Wirtschaftsgebiets kommen. Denn die Muschelfischerei ist auf Riffen tabu. Die Verhandlungen über die Ausgestaltung der Kompensationsregeln sind noch nicht abgeschlossen.
Der Bund drückt sich um jede Erhaltung und somit bleibt der Hörnumer Hafen marode, wie so viele Objekte in Deutschland. Dafür fließt Geld für Fahrradwege nach Peru und Solaranlagen nach Indien. Alle Länder lachen ich über Deutschland schlapp. Wie lange soll das noch so gehen, wann wachen wir endlich auf ???
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