In fünf Schritten gegen Staus durch Höhenkontrollen am Kanaltunnel

Nahezu täglich staut sich der Verkehr vor dem Rendsburger Kanaltunnel. Bereits 280 Mal wurde dort dieses Jahr die Höhenkontrolle ausgelöst. Das Land will nun mit einem Fünf-Punkte-Plan Abhilfe schaffen.

Die Zahl der Staus vor dem Rendsburger Kanaltunnel, der täglich von rund 35.000 Fahrzeugen genutzt wird, soll verringert werden. Das Land plant dazu vorgezogene Höhenkontrollen für die Fahrzeuge sowie Blitzer, eine verbesserte Telematik und möglicherweise auch noch bauliche Veränderungen an der Innenausstattung der Tunnelröhren. Das Hauptproblem sind neben den massiv gestiegenen Umleitungsverkehren durch den Neubau der Rader Brücke im Zuge der A-7 vor allem Fehlalarme: In über 90 Prozent aller Fälle werden Lastwagen als zu hoch gemeldet, obwohl sie es nicht sind.

«Fakt ist, die Lage ist eine erhebliche Belastung für die Region», sagte Ministerpräsident Daniel Günther heute bei einem Treffen mit Wirtschaft und Verwaltung im Rendsburger Conventgarten. «Der Tunnel ist für Rendsburg und seine Umlandgemeinden eine Hauptschlagader, es ist zwingend notwendig, sie offenzuhalten. Das ist für zigtausende Berufspendlerinnen und -pendler ebenso elementar wie für die Wirtschaft, die seit 63 Jahren auf die Querung angewiesen ist», so Günther. Die beim heutigen Treffen erörterten Lösungsmöglichkeiten würden in einem Folgegespräch mit dem Verkehrsministerium evaluiert und mögliche weitere Maßnahmen besprochen.

Verkehrsminister Madsen und LBV.SH-Direktor Frank Quirmbach stellten fünf Einzelschritte zur Optimierung der Situation vor:

Schnellere Stau-Auflösung durch verbesserte Telematik

Während bislang eine ausgelöste Höhenkontrolle stets dazu führte, dass bis zum Eintreffen der Polizei sowohl der Verkehr auf der B 77 als auch auf der B 202 stillstand, soll dies ab sofort schneller gehen. Dafür wurde die elektronische Steuerung der Schranken bereits vergangene Woche umgestellt. Das Personal in der Leitzentrale kann dann viel schneller – Zielmarke sind drei Minuten – diejenige Fahrbahn wieder frei geben, für die der betroffene Lkw gar kein Hindernis darstellt.

    In einer zweiten Optimierungsstufe soll Anfang 2025 erreicht werden, dass die Ampeln an der nicht betroffenen Zufahrt oder Bundesstraße gar nicht erst auf Rot gehen. Dafür wurden mittlerweile Induktionsschleifen in die Fahrbahn eingelassen.

    Radarkontrollen und Verkehrsversuch mit 60 km/h

    Um Höhenkontrollen-Auslösungen durch zu schnelle Lkw zu unterbinden, soll demnächst wieder sowohl auf der nördlichen als auch auf der südlichen B-77-Zufahrt vom Kreis Rendsburg-Eckernförde geblitzt werden. Eines der Geräte war wegen des Schulbeginns vorübergehend an anderer Stelle eingesetzt, kontrolliert seit letzter Woche aber wieder die am häufigsten betroffene Nord-Zufahrt.

      Seit dem 18. September wird in einem dreimonatigen Versuch des Kreises zudem die Höchstgeschwindigkeit für alle Verkehrsteilnehmer in den Tunnel-Zufahrten von bislang 70 auf 60 km/h reduziert. An den neuralgischen Zufahrten wird darüber hinaus sowohl auf die zulässige Fahrzeughöhe von 4 Metern als auch auf die Höhenkontrolle (auch in Englisch) hingewiesen. Zusätzlich wurden Schilder aufgestellt, die auf die Radarkontrolle hinweisen.

      Verkehrsinformationssystem

      An vier markanten Punkten weit vor den Tunneleinfahrten sollen Lkw- und Autofahrer ab kommendem Sommer mittels einer LED-Tafel eine mehrsprachige direkte Information über den Sperrstatus des Tunnels erhalten, etwa die Dauer bis zur Tunnelfreigabe, sowie andere ergänzende Informationen.

      Gutachten zur Optimierung des Verkehrsraums

      Seit einer Woche liegen die Daten der Vermessung des Tunnels im Auftrag des UV Mittelholstein in Abstimmung mit dem LBV.SH vor. Damit soll ein Ingenieurbüro Wege aufzeigen, die durch die Generalsanierung des Tunnels eingeschränkte Durchfahrtshöhe von 4,25 Metern doch noch zu optimieren. So soll unter anderem geprüft werden, ob Licht-, Mess- oder Sensortechnik im Bauwerk versetzt oder verändert werden kann.

      Pilotprojekt Vorhöhenkontrolle

      Nachdem ein früherer Pilotversuch keine nennenswerten Auswirkungen auf die Anzahl der ausgelösten Alarme nachweisen konnte, soll ein weiterer Anlauf genommen werden. Im Gegensatz zu bereits getesteten Verfahren während der Sanierungsarbeiten soll ein Kontrollsystem inklusive der Verwendung des amtlichen Kennzeichens des Fahrzeuges eingesetzt werden. Derzeit wird ein derartiges System mit der Datenschutzbeauftragten des Landes und der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) sowie der Verkehrsbehörde des Kreises und der Stadt Rendsburg vorbereitet.

      Hier ein Mitschnitt des gestreamten Pressegesprächs im Hotel Conventgarten:

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