Marschbahngipfel: Bund verspricht zweigleisigen Ausbau ohne Pause

Der Druck von Land und Kreis hat offenbar Wirkung gezeigt: Nachdem ein sh:z-Bericht am Wochenende in Kiel und Nordfriesland die Befürchtung genährt hatte, die Bundesregierung werde den zweigleisigen Ausbau der Marschbahn aufgrund von Sparzwängen auf Eis legen, schaffte Bundes-Staatssekretär Gero Hocker am Abend in Niebüll eilig Klarheit. Und Verkehrsminister Madsen kündigte eine neue Strafzahlung gegen die DB Regio an.

Staatssekretär Dr. Gero Hocker war eilig aus Berlin angereist. Fotos: Peter Lühr

«Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um noch vor der nächsten Bundestagswahl im kommenden Jahr die planerischen wie finanziellen Voraussetzungen für dieses Projekt zu schaffen», sagte der FDP-Politiker vor rund 220 Gästen des mittlerweile vierten Marschbahn-Gipfels in Niebüll. Hocker war überraschend von Berlin nach Schleswig-Holstein gereist. Zuvor hatten nicht nur Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen und Nordfrieslands Landrat Florian Lorenzen öffentlich ein Bekenntnis vom Bund zum «Hochleistungskorridor Marschbahn» gefordert, auch die Kieler FDP-Bundestagsabgeordnete Gyde Jensen hatte Wissings Ressort öffentlich unter Druck gesetzt.

Hocker machte klar, dass das Schienenprojekt sowohl für Tourismus, Gastronomie und Beherbergungsbetriebe auf der Insel und dem Festland unumstritten sei. Er unterzeichnete spontan eine vom Land und Kreis verfasste Resolution. Ohne die Zweigleisigkeit auf der gesamten Marschbahnstrecke nach Sylt gehe es nicht, heißt es in dem Papier. «Der ,Patient Marschbahn‘ kann nur genesen, wenn er ein zweites Gleis und eine Oberleitung erhält.»  

Sowohl Madsen als auch Lorenzen zeigten sich über das eindeutige Bekenntnis des für das Schienennetz zuständigen Parlamentarischen Staatssekretärs ebenso erleichtert wie die anwesenden Bahnpendlerinnen und -pendler. Auch sie unterzeichneten einstimmig die Resolution, in der weiter gefordert wird, «die Planungsphase spätestens bis zum Frühjahr 2025 abzuschließen, damit die Kosten für die Umsetzung noch in den Bundeshaushalt 2026 aufgenommen werden können».

Erleichtert über das klare Bekenntnis aus Berlin: Claus Ruhe Madsen.

Der zweigleisige Ausbau der Abschnitte zwischen Niebüll und Klanxbüll auf dem Festland sowie zwischen Morsum und Tinnum auf Sylt befindet sich aktuell noch in der Vorplanung, soll aber bis 2032 fertig sein. «Neben dem Ausbau haben wir als Land bereits freiwillig drei Millionen Euro in die Elektrifizierung der Marschbahnstrecke investiert, um das Projekt zu beschleunigen», sagte Madsen. Er erinnerte erneut daran, dass die Möglichkeiten des Landes begrenzt seien: «Uns gehört – ich muss sagen „leider“ – weder die Marschbahnstrecke noch die Bahn selbst», so Madsen.

Hier ein Stream-Mitschnitt des ersten Teils des Marschbahngipfels:

Bei der Diskussion auf dem Marschbahn-Gipfel ging es neben dem Streckenbausbau einmal mehr auch um die altbekannten Themen wie Unpünktlichkeit und Unsauberkeit der Züge sowie Verspätungen durch Baustellen oder marodes Zugmaterial.

Madsen kündigt weitere Strafzahlungen gegenüber der DB Regio an

Angesichts der unzureichenden Versorgung mit intakten Zugpaaren auf der Marschbahn kündigte Madsen weitere mögliche Strafzahlungen für die DB Regio an. Das Land bestelle in der Hauptverkehrszeit zwischen Husum, Niebüll und Westerland Züge, die 12 oder 10 Wagen haben. Üblich auf der Marschbahn seien sonst 6 Wagen-Züge. Für jeden Kalendermonat werde künftig ermittelt, ob mehr als 90 Prozent der Fahrten mit Soll-Vorgabe von 12 oder 10 Wagen erbracht worden sind. Ist dies nicht der Fall, erfolgt ab Dezember für den betreffenden Monat ein Einbehalt von 300.000 Euro.

Madsen sagte dazu wörtlich – Audio starten, Pfeil klicken…

Am Ende des dreistündigen Gipfels zog Madsen im Gespräch mit Journalisten folgendes persönliches Fazit der Veranstaltung – Audio starten, Pfeil klicken…

Einer der „refreshten“ Marschbahnwagen

Madsen hatte wenige Stunden zuvor in Husum zusammen mit der DB Regio und der NAH.SH den ersten fertigen Marschbahnwagenpark aus dem so genannten „Refresh“ präsentiert. Kern der Modernisierungen war die Innenausstattung der Wagen, die spätestens zum Fahrplanwechsel im Dezember zwischen Itzehoe und Westerland zum Einsatz kommen sollen. Die neuen Züge haben nicht nur neue Sitzbezüge, Polster, Armlehnen und Fußbodenbeläge. Die Fahrgäste können in den Fahrzeugen durchgängig WLAN und Steckdosen nutzen, der Mobilfunkempfang wurde durch den Einbau gelaserter Seitenscheiben verbessert und ein erweitertes Fahrgastinformationssystem eingerichtet.

DB-Regio-Chefin Nicole Berlin in einem der modernisierten Wagen mit Minister Madsen, NAH.SH-Chef Beck (2.v.l.) und Nordfrieslands Kreispräsident Frank Zahel

Für die verbesserte Barrierefreiheit haben die Steuerwagen neue Rollstuhlplätze mit Begleitsitzen erhalten. «Ich freue mich sehr, dass wir heute das Ergebnis des Refreshes sehen und anfassen konnten. Die Geduld hat sich ausgezahlt: Die Fahrzeuge haben einen modernen Anstrich und wesentliche Komfortverbesserungen erhalten», sagte Madsen. Bei der Barrierefreiheit und der Digitalisierung der Züge sei viel erreicht worden. Gleichzeitig sichere die Modernisierung den Werterhalt der Fahrzeuge.

Madsen im „Cockpit“ eines neuen Zuges

Die insgesamt 90 Reisezugwagen sind bis zum Ende des neuen Verkehrsvertrages im Dezember 2034 vertraglich an die Marschbahn gebunden. Das Land Schleswig-Holstein hatte die Alstom Transportation Germany GmbH im Juni 2023 nach einer Ausschreibung mit dem Umbau beauftragt. Insgesamt investiert das Land in die Modernisierung der Wagen mehr als 30 Millionen Euro.

Nicole Berlin, Vorsitzende der Regionalleitung DB Regio Nord, sagte zu der Modernisierung: «Das ist ein wichtiger Meilenstein für den Regionalverkehr im Norden. Unsere Fahrgäste profitieren von einem deutlich verbesserten Komfort und modernen Ausstattungen, die den Reisestandard auf dieser bedeutenden Strecke erheblich erhöhen. Besonders freue ich mich über die Fortschritte bei der Barrierefreiheit und der digitalen Ausstattung der Züge, die uns noch besser auf die Bedürfnisse unserer Fahrgäste vorbereiten. Die modernisierten Fahrzeuge bringen wir nun schnellstmöglich in den Betrieb, um die Reisequalität auf der Marschbahn weiter zu steigern.»

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