Während in Brunsbüttel heute mit Blick auf die Elbe die Energieminister-Konferenz der Länder startete, befasste sich an der Kieler Förde der zweite „Maritime Zukunftsdialog“ ebenfalls mit Herausforderungen der Energiewende.

«Wenn Schleswig-Holstein sein Ziel erreichen will, bis 2040 erstes klimaneutrales Energieland zu sein, wird die Offshore-Windenergie eine der wichtigsten Säulen sein«, sagte Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen vor dem Experten-Gremium im Gästehaus der Landesregierung. Durch die ambitionierten Ausbauziele der Bundesregierung – 30 Gigawatt bis 2030 und 70 Gigawatt bis 2045 – werde die Offshore-Windenergie absehbar zum Rückgrat der deutschen Industrie-Stromversorgung.
Wie Madsen und die Geschäftsführerin der Stiftung Offshore-Windenergie, Karina Würtz, weiter sagten, bergen die Ausbauziele enorme Wachstumschancen für die gesamte maritime Industrie. Würtz erinnerte dabei an die einmalige geografischen Lage des Landes zwischen Nord- und Ostsee samt seiner Häfen und seinem starken maritimen Sektor. «Der Leistungsausbau birgt zudem auch enormes Wertschöpfungspotenzial im Bereich des Baus von Konverter-Plattformen», so Würtz.

Zusammen mit Madsen sieht die ehemalige Windpark-Betreiberin nicht nur Potenzial im Aufbau von Windparks in Nord- und Ostsee, sondern auch in dem nach Jahrzehnten erforderlichen Rückbau. «Hier besteht die Chance, Meeres-Ökononomie mit Meeres-Ökologie perfekt miteinander zu verbinden», so Madsen. Als Beispiel nannte er eine laufende Studie des Energie-Riesen RWE. Im Auftrag von RWE untersucht die schwedische Universität Linnaeus aktuell, wie sich künstliche Riffe bei Ostsee-Windparks auf das marine Ökosystem auswirken und ob sie einen attraktiven marinen Lebensraum schaffen können, insbesondere für Miesmuscheln, Algen und verschiedene Fischarten.

Die Kieler Werft „German Naval Yards“ (GNYK) bereitet sich unterdessen seit mehr als einem Jahr auf den Einstieg in das Milliarden-Geschäft mit Konverterplattformen vor. Wie Projektleiter Christian Meyer-Kothe erläuterte, biete das Werftgelände auf dem Kieler Ostufer als nahezu einiger Standort zwischen der Peene und Emden die nötigen statischen Voraussetzungen, um die 28.000-Tonnen-Stahlriesen zu produzieren und ins Wasser zu bekommen. Spätestens 2027 soll die Produktion mit dann rund 800 statt der bisher 350 Beschäftigten anlaufen. «Läuft alles nach Plan, dann könnte in Kiel künftig alle 18 Monate eine Zwei-Gigawatt-Plattform fertig sein», sagt Kothe.
Nach den Worten von Madsen sind Konverterplattformen «Giganten der See». Sie sind so hoch wie ein zehnstöckiges Hochhaus, fast so groß wie ein Fußballfeld und bis zu 30.000 Tonnen schwer. In Konverterplattformen wird der Strom von Meereswindparks gebündelt und für den möglichst verlustfreien Weitertransport zur Küste in Gleichstrom umgewandelt.
Die Bundesregierung erwartet, dass von 2026 bis 2045 allein für den deutschen Markt 33 solcher Plattformen benötigt werden, die mehr als zwei Milliarden Euro pro Stück kosten. Gebaut werden die Riesen bislang vor allem in Asien und Spanien. Deutsche Hersteller kommen erst langsam ins Spiel, darunter Nordic Yards in Wismar und die Papenburger Meyer Werft.