«Winnetou kriegt endlich seine Autobahn», schreibt heute die BILD. Denn 16 Jahre ruhte der Weiterbau der A 20 in der Karl-May-Stadt Bad Segeberg. Nun können – voraussichtlich schon im Frühjahr – die Bagger rollen. Der Umweltschutzverband BUND zieht seine Klage gegen das 10-Kilometer-Teilstück zurück. Im Gegenzug richtet das Land eine Stiftung Fledermausschutz ein.

Nach mehr als einem Jahrzehnt des Stillstands kann der Bau der Autobahn 20 bei Bad Segeberg weitergehen. Die Landesregierung und der Umweltverband BUND haben sich gestern über mehr Fledermausschutz rund um die als größtes Fledermaus-Überwinterungsquartier Deutschlands geltenden Kalkberghöhen in Bad Segeberg geeinigt.

«Aus meiner Sicht wirklich ein historischer Tag für Schleswig-Holstein», sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). «Damit lösen wir unser Versprechen ein, die Menschen in und um Bad Segeberg von Lärm, Abgasen und Autokolonnen zu erlösen.» Er habe sich den Befreiungsschlag zwar deutlich früher gewünscht, «aber mit dieser Einigung haben wir einen Kompromiss erzielt, der einmal mehr zeigt, dass sich Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen lassen», so Günther. Und sein Amtsvorgänger Torsten Albig (SPD) schrieb auf LinkedIn: «Das ist ein guter Tag für unsere Heimat. Wie gerne hätte ich ihn als Ministerpräsident schon erlebt.»
Ministerpräsident Günther sagte dem NDR zu der Entscheidung:
Geplant ist nach Angaben des BUND die Gründung einer mit 14 Millionen Euro Kapital ausgestattete Landesstiftung Fledermausschutz, um weitgehende Schutzmaßnahmen für die bedrohten Tiere umzusetzen. Das Geld stellt das Land bereit. Außerdem sind in der Vereinbarung weitere Schritte festgeschriebe beispielsweise zum Schutz der Hangwälder an der Trave und der sehr seltenen Kalktuffquellen, zum Otterschutz an der Trave und zur Sperrung extrem sensibler Bereiche. Geplant ist zudem eine Kontrolle des Tempolimits von 60 Kilometern pro Stunde in Streckenabschnitten der A20 und A21.

Laut Verkehrsminister Madsen werden in den kommenden Wochen die letzten technischen Details der Stiftung geklärt und seitens der Projektgesellschaft DEGES die Vorbereitungen für die europaweite Ausschreibung des 550-Millionen-Euro-Projekts getroffen. Erleichtert zeigte sich Madsen zudem, dass die Landesregierung mit der Einigung das vom Bund zu finanzierende Autobahn-Teilstück rechtzeitig zu den Haushaltsberatungen des Bundestages über die Ziellinie bringe. „Das war besonders wichtig, denn angesichts der auch beim Bund knappen Haushaltsmittel sowie der drastischen Baukostensteigerungen wäre jede weitere Verzögerung extrem kostspielig“, so der Minister.
Madsen sagte als Studiogast beim NDR Schleswig-Holstein-Magazin:
Im Gegenzug für die Stiftungsgründung wird der BUND seine im Mai eingereichte Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegen den Bau des A20-Abschnitts von Weede bis Wittenborn zurückzuziehen. «Unsere Klage hätte wieder gute Erfolgschancen gehabt, aber bis zur Gerichtsentscheidung wären vermutlich Jahre vergangen – Jahre, in denen die Flugkorridore der Fledermäuse weiter zugebaut werden und weitere Tiere sterben», sagte der BUND-Landesvorsitzende Dietmar Ulbrich.
Ulbrich sagte zu der Entscheidung weiter:
Vor knapp 16 Jahren hatten der damalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und sein Verkehrsminister Jost de Jager (beide CDU) bei Bad Segeberg das bislang letzte Teilstück der sogenannten Küstenautobahn für den Verkehr freigegeben. Das war der 6,3 Kilometer lange Abschnitt zwischen Weede und Geschendorf. «Mit der A20 wächst eine Ost-West-Achse, die Schleswig-Holstein und ganz Norddeutschland enorm guttun wird», sagte Carstensen damals.
Finanzierung
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sprach von einem der wichtigsten Autobahnprojekte in Deutschland. «Ich begrüße die Einigung – sie ist ein wesentlicher Schritt, damit wir dieses bedeutende Vorhaben nun endlich umsetzen können.» Klar sei, sobald es bestandskräftiges Baurecht gebe, werde sich der Bund unmittelbar um die Finanzierung kümmern.

«Der Koalitionsausschuss hat sich im Oktober darauf verständigt, drei Milliarden Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität zusätzlich für die Bundesfernstraßen zu mobilisieren, um Potenziale für Projekte des Bundesfernstraßennetzes zu erschließen – für Erhalt sowie Neu- und Ausbau.» Alles was baureif sei, werde gebaut. «Mein Haus plant, Baufreigaben für alle Projekte, die baureif sind, sehr zeitnah zu erteilen, sobald sich der Haushalt konkretisiert hat. Dies gilt auch für die A 20.»
Weiterbau 2013 gestoppt

Noch endet die A 20 östlich von Bad Segeberg. 2013 stoppte das Bundesverwaltungsgericht den Weiterbau. Die Richter sahen den Fledermausschutz als nicht ausreichend beachtet an. Als Folge des Urteils entschieden sich die Planer für Bau von Tunneln und Leitstrukturen wie Schutzwände, damit die Fledermäuse nicht mit Lastwagen kollidieren. Günther verwies darauf, dass von den 112 Kilometern A 20 auf schleswig-holsteinischem Boden erst 39 Kilometer fertig sind.
Segebergs Bürgermeister Toni Köppen betonte, die Menschen in der Stadt der Karl-May-Spiele hätten diesem Tag sei vielen Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten entgegengesehen. «Für Bad Segeberg bedeutet das, dass die Stadt zusammenwachsen kann, dass die Stadt sich wirtschaftlich entwickeln kann und dass wir endlich wieder Kurstadt sein dürfen, was man ja zumindest in den letzten Jahren bezweifeln konnte.» Die jetzige Bundesstraße werde perspektivisch zurückgestuft, wenn die Autobahn fertig ist. «Und das ermöglicht uns eine städtebauliche Entwicklung, die wir uns heute und in den letzten Jahrzehnten nicht hätten vorstellen können.» Das Bild der Stadt werde sich zum Guten verändern.
Weiter sagte Köppen dem NDR-SH-Magazin:
Ein Zehntel der erwarteten Baukosten von 465 Millionen Euro für die sogenannte Südumfahrung von Bad Segeberg hängen nach früheren Angaben der Infrastrukturgesellschaft Deges mit Naturschutzbelangen zusammen. Statt bislang mehr 33.300 Fahrzeugen pro Tag, darunter allein 3.000 Lastwagen, würden dank A20 künftig nur noch 13.600 über die Bundesstraße 206 mitten durch Bad Segeberg rollen.
Im Gegensatz zum BUND verzichtete der Naturschutzbund (Nabu) auf eine Klage gegen den nach dem Gerichtsurteil erlassenen neuen Planfeststellungsbeschluss vom März 2025.
Hier der Livestream der Pressekonferenz:
Der Planungsstand der übrigen Abschnitte:

Neben dem Segeberger Teilabschnitt 3 (siehe Grafik) liegt auch für die Elbquerung nach Niedersachsen (Abschnitt 8) bereits Baurecht vor. Für den Abschnitt 7 im Kreis Steinburg von der A23 bis zur B431 soll der Planfeststellungsbeschluss noch in diesem Jahr erlassen werden. Für die Teilstrecke 4 von Wittenborn bis zur A7 wird ein Planfeststellungsbeschluss im zweiten Halbjahr 2026 erwartet. Für die beiden Abschnitte 5 und 6 (von der A7 bis zur A23) sollen die Anträge im zweiten Halbjahr 2027 gestellt werden.
16 Jahre Stillstand, darauf sind Sie stolz? Das ist nicht Ihr Ernst? Wurde mal versucht den arbeitsscheuen Klagehanselns von BUND, Nabu und DUH den Geldhahn aus Steuerkassen abzudrehen und wegen Gemeinschädlichkeit die Gemeinnützigkeit abzudrehen? Dann können die Protagonisten es zur Abwechlung mal mit wertschöpfender Arbeit versuchen. Wie es richtig geht, sieht man hier, 75 Kilometer Autobahn in fünf Tage, also morgen anfangen, bis Freitag ist die A20 bis Glückstadt fertig: https://www.stern.de/panorama/weltgeschehen/reif-fuers-guinness-buch–indiesche-arbeiter-bauen-75-kilometer-schnellstrasse-in-fuenf-tagen–video–31935036.html
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