Vier Jahre nach dem Start der «Tourismusstrategie 2030» haben Landesregierung und Vertreterinnen und Vertreter der Branche heute in Neumünster zufrieden Zwischenbilanz gezogen.

Tenor: In allen zehn Handlungsfeldern der Strategie wurden Fortschritte erzielt und viele der 38 Leitprojekte seien bereits umgesetzt. Seit Beginn der Tourismusstrategie hat das Land 2,9 Millionen Euro in deren Umsetzung investiert.

«Schleswig-Holstein hat in den letzten vier Jahren gute Fortschritte gemacht. Die kommenden Jahre sollten sich darauf konzentrieren, die vorhandenen Stärken auszubauen, neue innovative Konzepte zu entwickeln und vor allem die langfristige Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Vernetzung im Tourismus zu sichern», sagte Tourismus-Staatssekretärin Julia Carstens.
Weiter sagte Carstens zur Halbzeit-Bilanz bei der heutigen Pressekonferenz in den Neumünsteraner Holstenhallen:
Zentrales Instrument der Tourismusstrategie ist ein landesweites System aus neun Kennzahlen, für die Zielwerte bis 2030 definiert wurden. «Und die aktuellenZwischenergebnisse, die vom Deutschen Institut für Tourismusforschung an der Fachhochschule Westküste zusammengestellt wurden, zeigen uns, dass wir im Plan liegen», sagt Carstens. Ein Leitprojekt ist etwa die landesweite Messung der Mitarbeitenden-Zufriedenheit im Tourismus. Auf Landesebene hatte es dies bisher nicht gegeben.

Manon Krüger von der FH Westküste sagt: «Weitere wichtige Datenerhebungen sind ebenfalls erfolgt, jetzt müssen wir sie im Detail auswerten. Dies betrifft zum Beispiel zentrale Bereiche wie Gästezufriedenheit und Tourismusakzeptanz unter den Einheimischen. Hier zeigen sich jetzt schon solide Werte.»
Touhuus.sh vernetzt Tourismusbranche
Mit der Wissensplattform touhuus gibt es erstmals eine zentrale Online-Anlaufstelle für die schleswig-holsteinische Tourismusbranche. Als neue B2B-Plattform bündelt sie Brancheninformationen aller Art. Mit einem offenen und einem geschlossenen Teil wird sie zielgerichtet Informationen von der Branche in die Branche transportieren, Benchmarks vereinfachen, Studien, Tools und Hilfestellungen leichter auffindbar machen und den Wissensaustausch untereinander fördern.
Von der Strategie zur Praxis: zwei Beispiele
Damit die Strategie langfristig wirkt, müssen auf Landesebene Rahmenbedingungen geschaffen werden. Diese setzen Impulse für regionale Projekte, die neue Angebote und Attraktionen hervorbringen, räumliche und saisonale Verteilung von Gästen sowie Qualität und Nachhaltigkeit im Tourismus verbessern.
Touristische Landesdatenbank
Diese Datenbank vereinfacht die Arbeit der Tourismusakteure, generiert zusätzliche Reichweite und Sichtbarkeit ihrer Themen und stellt einen Mehrwert für Gäste dar, die schnell und digital an verlässliche Informationen kommen.
Das Tool wurde auf Landesebene von der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH) erstellt und wird von ihr für die touristischen Partner dauerhaft betrieben. Widgets, seit 2025 im Einsatz, ermöglichen es touristischen Partnern kostenlos alle eingespielten Daten – wie Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten, Naturerlebnisse, Kulturhighlights etc. – über Websites und Apps auszuspielen und so digital zu verbreiten.
Stärkung des Binnenlandes
Das Binnenland in Schleswig-Holstein deckt rund 80 % der gesamten Landesfläche ab. Ein Ziel der Tourismusstrategie ist es, den Binnenlandtourismus zu stärken. Seitens des Landes stehen bis 2030 für dieses Handlungsfeld für investive und nicht-investive Projekte rund 13 Mio. Euro Fördermittel zur Verfügung. Zur Grundlagenarbeit gehörte hier beispielsweise die Erstellung einer Strategie für das Binnenland , und ebenso die Einrichtung der ARGE Binnenland. Diese Arbeitsgemeinschaft entscheidet beispielsweise über zu fördernde Projekte. Zwei Projekte sind bereits bewilligt worden: „Neumünster digital erleben – in Raum und Zeit“ und „Vivaplan -Entwicklungs- und Konzeptphase für den Naturerlebnisort Vivaneum“.

Britta Franke, Leiterin des Umsetzungsmanagements der Tourismusstrategie 2030, appelliert: „In fast allen Handlungsfeldern wurden wichtige Grundlagen geschaffen, mit denen jetzt schon gearbeitet werden kann. So wird die Tourismusstrategie Schritt für Schritt mit Leben gefüllt. Nun geht es darum, diese Ergebnisse in die Praxis zu bringen und die Umsetzung weiter in die Breite zu tragen – von der Landesebene über die Regionen bis in die Kommunen.“
Herausforderungen für die kommenden Jahre
Bis 2030 wird es laut Franke nun verstärkt um die Umsetzung vor Ort gehen. Das bedeutet, dass Touristikerinnen und Touristiker mit den Rahmenbedingungen arbeiten. Das kann die Schaffung barrierearmer Angebote, die Umsetzung von Projekten mit Fördermitteln oder eigener Wissensaufbau über Webinare sein. Zugleich stehen Herausforderungen wie die ökologische Transformation des Tourismus, Fragen der Klimaanpassung oder auch der Fachkräftesicherung weiterhin auf der Agenda. Die Digitalisierung bleibt ein zentrales Querschnittsthema für die touristische Entwicklung im Land und findet sich in verschiedenen Leitprojekten wieder.