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Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus (MWVATT) des Landes Schleswig-Holstein - Harald Haase

FSG und Nobiskrug: Nun gehen die Insolvenzverwalter an Bord

Am Ende entschieden die Gerichte in Flensburg und Neumünster: Nach Anträgen von mehreren Gläubigern wurden heute für vier Gesellschaften der Werftengruppe FSG-Nobiskrug Insolvenzeröffnungsverfahren eingeleitet. Betroffen sind die FSG-Nobiskrug Holding GmbH, die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft mbH, die Nobiskrug Yachts GmbH und die FSG Nobiskrug Design GmbH mit den Werftstandorten Flensburg und Rendsburg.

Das gaben die beiden eingesetzten Insolvenzverwalter Christoph Morgen (FSG) und Hendrik Gittermann (Nobis) bei Betriebsversammlungen an beiden Standorten bekannt. Beide Experten sollen Sanierungslösungen für die Werftengruppe erarbeiten. Um die Löhne und Gehälter der knapp 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – rund 340 in Flensburg und 140 in Rendsburg – kurzfristig zu sichern, wurde eine Insolvenzgeldvorfinanzierung eingeleitet. Sie umfasst die Lohn- und Gehaltszahlungen bis einschließlich Januar 2025 und beinhaltet auch die noch ausstehenden Novembergehälter.

Hier ein Livestream der Pressekonferenz bei der FSG

Die vorläufigen Insolvenzverwalter werden jetzt Kontakt mit den Auftraggebern für die zwei bereits begonnenen Schiffsbauten an den Werftstandorten in Flensburg und Rendsburg aufnehmen. Dabei handelt es sich um eine RoRo-Fähre (FSG) und eine Superyacht (Nobiskrug). Falls erforderlich, wollen Morgen und Gittermann anschließend mit der Bundes- und Landesregierung über Möglichkeiten der Unterstützung bei der Zwischenfinanzierung von Baukosten bis zur Abnahme und Zahlung durch die Auftraggeber sprechen. Parallel werden sie weitere Optionen für eine Sanierung der renommierten Werften erarbeiten.

Ähnlich wie beide Insolvenzverwalter hat sich Wirtschaftsminister Madsen «fassungslos» über die Lage beider Werften gezeigt. Er habe im Büro in den gepanzerten Schrank blicken dürfen und weit über 100 Gerichtsschreiben von Schuldnern gesehen, die auch schon bestätigt seien, sagte er in Flensburg nach einer Betriebsversammlung. «Das ist geradezu erschütternd.»

Im Gespräch mit Journalisten sagte Madsen weiter – Audio starten

Einen dermaßen rücksichtslosen Unternehmer habe er noch nicht erlebt, sagte Madsen mit Blick auf den abwesenden Werfteigentümer, Investor Lars Windhorst. Allein dass man über Monate Gehälter nur schleppend oder gar nicht zahlt, sei verantwortungslos. Es seien nicht einmal Versicherungen bezahlt worden, Maschinen hätten keinen TÜV – «einen viel schlimmeren Eindruck konnte man eigentlich nicht bekommen. Das hat mich ziemlich erschreckt und auch bedrückt».

Der Minister sagte, die Bürgschaftschaftsbank habe schon ihre Bereitschaft erklärt, unterstützend zu sein. «Wir haben versprochen in Bankengespräche mit einzusteigen, einfach um zu zeigen, dass wir eine gemeinsame Zielsetzung haben.» Auch Richtung Bund habe er schon «die Finger ausgestreckt in der Hoffnung, dass man uns auch unterstützen wird». Er glaube, es sei jedem klar, für die nationale Sicherheit und die Energiesicherheit brauche man Werften.

Handy-Netz: Das Funklock bei Bahrenhof im Kreis Segeberg ist bald gestopft

Madsen mit MIG-Chef Wilmsmann (rechts) und Ralf Capito von der Vantage Towers AG, die den neuen Funkmast errichten wird

Digitaler Rückenwind für alle Handynutzer rund um Bahrenhof im Kreis Segeberg: Für den Bau eines neuen Mobilfunkmasts übergaben heute Technologieminister Claus Ruhe Madsen und Ernst Ferdinand Wilmsmann, Geschäftsführer der Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft (MIG), einen Förderbescheid an die Vantage Towers AG. Das Unternehmen soll in der Gemeinde im kommenden Jahr den Sender errichten und erhält dafür vom Bund knapp 700.000 Euro. Spätestens Anfang 2026 soll dann der weiße Fleck endgültig Geschichte sein.

Die drei Mobilfunknetzbetreiber Telefónica, Telekom und Vodafone hatten sich zuvor gegenüber der MIG bereits verpflichtet, den neuen Mast künftig zu nutzen. «Die Aufgabe, eine wirklich flächendeckende Versorgung in allen Netzen herzustellen, behält für uns höchste Priorität«, sagte Madsen. Der geförderte Mast werde nicht nur den ‚weißen Fleck‘ in der Nähe von Bahrenhof versorgen, sondern auch in den umliegenden Gemeinden den Mobilfunkempfang spürbar verbessern. Und da drei Netzbetreiber bereits zugesagt hätten, die Anlage zu nutzen, entstehe dort auch kein neuer ‚grauer Fleck‘, wo man nur mit der ‚richtigen‘ SIM-Karte telefonieren könne, so der Minister weiter. «Eine solche gemeinsame Nutzung von Standorten halte ich für ein zielführendes Modell, um die Versorgungsqualität in Regionen, die für den eigenwirtschaftlichen Mobilfunknetzausbau weniger interessant sind, auch nach dem Ende der Mobilfunkförderung voranzubringen.»

MIG-Geschäftsführer Wilmsmann sagte: «Schleswig-Holstein verfügt aufgrund der günstigen geografischen Bedingungen schon jetzt über eine sehr gute Mobilfunkversorgung. Aber auch in Schleswig-Holstein haben wir den Bedarf für den Bau eines geförderten Mobilfunkmasts identifiziert, damit ein bisher noch vorhandener ‚weißer Mobilfunkfleck‘ künftig von der Netzkarte verschwindet. Mit dem Förderprojekt im nördlichsten Bundesland profitieren nun alle Flächenländer von der Mobilfunkförderung des Bundes, die von der MIG umgesetzt wird. Ich danke allen Beteiligten die Hand in Hand gearbeitet haben, um dieses Projekt erfolgreich voranzutreiben. Jetzt muss der neue Mast zügig gebaut und in Betrieb genommen werden.»

Freude auch bei Segebergs Landrat Jan Peter Schröder: «In einem Flächenkreis wie unserem ist eine gute Mobilfunkversorgung enorm wichtig. Daher freue ich mich, dass mit dem geförderten Telefonmastausbau letzte Lücken geschlossen werden können und alle davon profitieren.»

20 Millionen-Spritze soll Industriegebiet Friedrichsort fit für die Zukunft machen

Es dürfte die größte Förderung sein, die Kiel in seiner jüngsten Geschichte je erhalten hat: Knapp 20 Millionen Euro übergab Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen heute an Oberbürgermeister Ulf Kämpfer für die Revitalisierung des Industriegebiets Friedrichsort.

MaK, Caterpillar, Voith, Vossloh, Lindenau… Industrieproduktion mit großen Namen hat in Kiel-Friedrichsort eine lange Tradition. Allerdings ist die Infrastruktur am „StrandOrt Kiel“ nicht mehr zeitgemäß. Eine grundlegende Modernisierung soll dem Industrieareal deshalb bis 2028 eine neue wirtschaftliche Perspektive geben – inclusive Strand-Zugang für die Bevölkerung. Das Land fördert das Vorhaben mit fast 20 Millionen Euro aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ sowie Landesmitteln.

«Das ist die höchste Einzelförderung, die das Land bisher für Gewerbeflächenrecycling zur Verfügung gestellt hat. Aber das macht sich bezahlt. Hier entsteht ein Gewerbegebiet der Zukunft mit autarker Energieversorgung und einem Fokus auf wichtige Branchen wie die Bahnindustrie oder die digitale Wirtschaft», betonte Madsen bei dem heutigen Besuch des Areals. Das Land unterstütze die Wirtschaft nach Kräften bei der Suche nach Industriearealen. «Projekte wie dieses bringen den gesamten Standort Schleswig-Holstein voran», so der Minister.

Durch die Förderung könne nun der zweite Baustein gesetzt werden – die Erschließung und Neuordnung sowie die Schaffung und Wiederherstellung der Verkehrsinfrastruktur. Im Gespräch mit Journalisten sagte Madsen dazu weiter – Audio starten…

«Mit dem zweiten großen Abschnitt der Revitalisierung des StrandOrt Kiels wird die Grundlage für ein modernes, überregional attraktives Industrieareal und eine nachhaltige Energieversorgung geschaffen«, freute sich auch Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. Es werde unter anderem die gesamte Ver- und Entsorgung neu geplant und hergestellt. Das betreffe das Straßen- und Verkehrsnetz, das Stromnetz, die Wärmeversorgung, die Lösch- und Trinkwasserleitungen sowie die Entwässerungsleitungen. Die Umbaumaßnahmen starten im Spätsommer 2025 und werden bis Anfang 2027 dauern. Derzeit ist der Rückbau einiger Gebäude in der Umsetzung. Die Altlastensanierung startet ab März 2025.

Werner Kässens, Geschäftsführer der KiWi, betonte die Wichtigkeit dieses Areals und sagte: «Der StrandOrt ist bundesweit einmalig als innovative Wirtschaftsfläche über die Schiene, Straße erreichbar, direkt am Wasser und nahe des Flughafens. Die 150-jährige Industriefläche wird der Zukunftsort für Nachhaltige Produktion sein. Wir erwarten über 1.000 Arbeitsplätze. Dieses Areal ist Teil der großen Ost-West Regionalachse Clean Energy Valley Schleswig-Holstein.»

Landesregierung stärkt Sicherheit und investiert in die Arbeitsmarkt-Integration

Mit zusätzlichen Stellen, künstlicher Intelligenz und schnellerer Integration in den Arbeitsmarkt will die Landesregierung die Innere Sicherheit stärken. Ministerpräsident Günther begründet die Pläne mit der veränderten Lage.

Madsen und Ministerpräsident Daniel Günther

Mit zusätzlichem Geld sollen vor allem Polizei und Verfassungsschutz in Schleswig-Holstein gestärkt werden. Die Landesregierung wolle über die Nachschiebeliste für den Haushalt 2025 mehr als 7,6 Millionen Euro zusätzlich bereitstellen.

Migrantinnen und Migranten soll zudem die schnellere und einfachere Integration in den Arbeitsmarkt ermöglicht werden. «Auch hierfür stehen zusätzliche finanzielle Mittel in Höhe von fünf Millionen Euro bereit», sagte die stellvertretende Ministerpräsidentin Aminata Touré. Neben individueller Förderung von Geflüchteten in Projekten will die Integrationsministerin auch die Strukturen im Land nachhaltiger aufstellen.

Nach den Worten Touré und Arbeitsminister Claus Ruhe Madsen soll das im Frühjahr gestartete Kompetenzscreening von Geflüchteten mit der Bundesagentur für Arbeit auf fünf Erstaufnahmeeinrichtungen ausgeweitet und qualitativ verbessert werden. Dafür stellt das Land zusätzliches Personal und eine Million Euro zur Verfügung.

Im Gespräch mit Andreas Otto von RSH sagte Madsen weiter – Audio starten…

Die Ministerin stellte drei Säulen vor, in denen die Arbeitsmarktintegration entscheidend vorangetrieben wird. So soll das im Frühjahr gestartete Kompetenzscreening von Geflüchteten mit der Bundesagentur für Arbeit auf fünf Erstaufnahmeeinrichtungen ausgeweitet und qualitativ verbessert werden. Dafür stellt das Land zusätzliches Personal und insgesamt eine Million Euro zur Verfügung. Ein besonderer Fokus richtet sich dabei auf die Arbeitsmarktvermittlung von Frauen und die frühe sprachliche Förderung.

Darüber hinaus sollen laut Madsen Prozesse zur Anerkennung von Berufsabschlüssen beschleunigt und gebündelt werden. Viele Geflüchtete sind mit dem Anerkennungsrecht und der für sie unbekannten Verwaltungsstruktur in Deutschland überfordert. Zudem sei die Zahl der Anerkennungsverfahren 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gestiegen. «Deshalb werden wir in diesem Bereich zusätzliche Personalstellen im Lan-desamt für Soziale Dienste schaffen und die Sachausstattung verbessern», so Madsen: «Auch das Welcome Center soll personell gestärkt werden und stärker verzahnt werden mit dem Grundkompetenzscreening.» Geplant ist auch ein Stipendienprogramm für Anerkennungsverfahren, da diese häufig mit erheblichen Kosten verbunden sind.

Ein wesentlicher Ansatzpunkt zur Verringerung der Fachkräftelücke ist die Steigerung der Anzahl an Berufsausbildungen. Deshalb wird nach den Worten von Madsen ein Online-Verfahren entwickelt, bei dem weltweit junge Menschen, die sich für einen Ausbildungsplatz interessieren, einen standardisierten Fähigkeitstest machen. Die Bewerberinnen und Bewerber mit den höchsten Punktzahlen werden vom Welcome Center Schleswig-Holstein an Ausbildungsbetriebe in Schleswig-Holstein vermittelt.

Wie der Minister weiter sagte, wird im Landesprogramm Arbeit im kommenden Jahr die Aktion „Innovative Wege in Beschäftigung“ mit dem Fokus der Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund finanziell um 1,45 Millionen Euro verstärkt. Dadurch können zusätzliche Projekte für diese Zielgruppe umgesetzt werden. „Wir werden zudem ab 2026 ei-ne neue Förderrichtlinie zur Fachkräftesicherung auflegen. Unterstützt werden Projekte, die insbesondere in Branchen mit besonders starkem Fachkräftemangel wie im Tourismus, der Pflege, dem Baugewerbe oder der Logistik die Arbeitsmarktintegration vorantreiben“, so Madsen. «Aktuell fehlen in Schleswig-Holstein rund 34.000 Fachkräfte. Auf der anderen Seite kommen pro Jahr zwischen 10.000 und 15.000 Geflüchtete zu uns, von denen ein erheblicher Teil viel schneller arbeiten könnte, sofern die Voraussetzungen stimmen. Hier wollen wir beim Matching viel schneller vorankommen», sagte Touré.

Südspange Kiel: Voruntersuchung rät von Neubau in ursprünglicher Form ab

Eines der meistdiskutierten Verkehrsprojekte in Kiel – der Neubau einer Südspange zwischen der B 404 bei Kronsburg und der B 76 bei Gaarden-Süd wird absehbar zurückgestellt. Stattdessen soll der Ausbau der B 404 zur A 21 bis ans Barkauer Kreuz mit Priorität vorangetrieben und planerisch von der Südspange entkoppelt werden. Der dringend erforderliche viersstreifige Neubau der bislang zweistreifigen Bahnbrücke im Zuge der B 404 in Höhe Meimersdorfer Moor soll rasch beginnen.

Verkehrsminister Madsen auf einer Brückenbaustelle bei Nettelau im A21-Abschnitt Klein Barkau bis Nettelsee

Das sind die wesentlichen Ergebnisse der 190 Seiten starken Voruntersuchung der vom Bund beauftragten Infrastruktur-Gesellschaft DEGES. Die endgültige Entscheidung trifft der Bund. Am kommenden Donnerstag befasst sich auch der Wiirtschaftsausschuss des Landtags mit dem Thema. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hatte bereits vor einer Woche öffentlich erklärt, auf den Bau der Südspange in ihrer ursprünglichen Form verzichten zu wollen.

Wie Verkehrsstaatssekretär Tobias von Heide heute mitteilte, habe sich die DEGES in ihrem Gutachten damit für die dritte (in der Grafik oben V 3) von insgesamt elf Varianten als Vorzugsvariante entschieden. „Weil sich vor allem die Baukosten einer Südspange um rund 100 Millionen Euro gegenüber ursprünglichen Plänen erhöht haben, ist auch nicht auszuschließen, dass der Kosten-Nutzen-Faktor für die Südspange in der aktuellen Lage zu niedrig ist, um das Projekt zu realisieren. Gleichwohl ist der Bau der Südspange (in der Grafik V 9) zu einem späteren Zeitpunkt weiterhin möglich. Gerade in Verbindung mit dem Ostring II ist diese Maßnahme aus verkehrlicher Sicht weiterhin sinnvoll. So sieht es der Bundesverkehrswegeplan vor“, sagte von der Heide.

Tobias von der Heide

Die mit rund 136 Millionen Euro veranschlagte Vorzugsvariante 3 der Südspange verläuft südlich des Gleisdreieckes von der Anschlussstelle L 318 / B 404 (Karlsburg) bis zu einer Anschlussstelle an der B 76 in Höhe der heutigen Anschlussstelle Segeberger Landstraße. Im Verlauf dieser Variante sind 7 Brückenbauwerke vorgesehen.

Zusammen mit der DEGES, der für die A 21 zuständigen Autobahn GmbH des Bundes und dem Bundesverkehrsministerium wird das Land nun eine Projektabstimmung vornehmen und das weitere Verfahren erörtern, so von der Heide. Ziel sei die Festlegung der bevorzugten Linie für den Neubau und die bevorzugte Variante für den Ausbau der
B 404. Kriterien seien unter anderem verkehrliche Ziele, technische Gestaltungsmerkmale sowie Umweltauswirkungen und die Wirtschaftlichkeit.

Laut von der Heide solle der Ausbau der B 404 zur A 21 von der Anschlussstelle Kronsburg bis kurz vor das Barkauer Kreuz auf einer Länge von rund 2,1 Kilometern erfolgen. Da eine Autobahnanbindung von Nebenstraßen nur über Anschlussstellen erfolgen könne, werde die verkehrliche Anbindung der Wohngebiete über eine Verbindungsstraße von Kronsburg nach Gaarden Süd mit Anschluss an die Anschluss-Stelle Kronsburg mit Hilfe von Rampen sichergestellt.

„Diese Verbindung soll unter anderem auch der ÖPNV und der so genannte nichtautobahnfähige Verkehr nutzen. Umgekehrt wird es auch Verkehrsentlastungen auf den Nebenstraßen durch Verkehrsverlagerung auf die A 21 geben“, sagte von der Heide. Mit dem Ausbau der B 404 seien zudem der Bau oder die Erweiterung von insgesamt acht Brückenbauwerken vorgesehen. Wie von der Heide weiter sagte, bestehe für den reinen Ausbaubereich zur A 21 und den Neubau der B202 Südspange Kiel dem Grunde nach ein Anspruch auf Lärmvorsorgemaßnahmen soweit die geltenden Lärmschutzauslösewerte überschritten werden.

Kanaltunnel: Nächste Stufe gegen Stau- Stress erfordert Sperrungen im Dezember

Auch wenn die Zahl der ausgelösten Höhenkontrollen am Rendsburger Kanaltunnel seit Sommer zurückgegangen ist – der Landesbetrieb arbeitet mit Hochdruck an der nächsten Optimierungsstufe. Ziel: Spätestens im ersten Quartal kommenden Jahres soll im Falle eines Höhen-Alarms nur noch exakt die Fahrbahn gesperrt werden, auf der der verdächtige Lkw zum Stehen gekommen ist.

Wie LBV.SH-Chef Frank Quirmbach und sein zuständiger Fachmann Guntram Kunft heute in Rendsburg bei einem Termin mit Kommunalvertretern erläuterten, erhoffe man sich davon eine Halbierung der bisherigen Staus.

Doch um die technischen Voraussetzungen für diese optimierte Steuerung des Verkehrs zu schaffen, ist vorher von Pendlerinnen und Pendlern in der Region noch einmal Geduld gefragt: Am 2. (Oströhre) und 3. (Weströhre) Dezember zwischen 8 und 17 Uhr sind Vollsperrungen des Tunnels nötig, um die nötigen Hardwareänderungen an der Verkehrstechnik vorzunehmen.

Dazu sagte LBV.SH-Direktor Frank Quirmbach (Video starten)

Nach den Worten von Quirmbach wurde das Vorgehen vorab ausführlich mit den Verkehrsbehörden der Stadt Rendsburg und des Kreises sowie mit der Polizei und der abgestimmt.

Die so genannte Optimierungsstufe 1 ist bereits seit Oktober implementiert. Die seitdem laufende Testphase zeigt: Um die darauf aufbauende Optimierungsstufe 2 (nur Sperrung der betrof­fenen Fahrbahn bei Höhenkontrollauslösung) umsetzen zu können, müssen an zwei soge­nannten Streckenstationen mit Sicherheitstechnik weitere komplexe Umbauarbeiten vorgenommen werden. Hintergrund: Die Tunnelsperrungen erfolgt derzeit nicht prompt nach Auslösung einer Höhen­kontrolle, es vergehen etwa fünf Sekunden bis zur Aktivierung der Tunnelsperranlage (Lichtsignal- und Schrankenanlage). Neben der überhöhten Geschwindigkeit mancher Verkehrsteilnehmer ist die systemische Verzögerung ein Grund, warum überhöhte LKW derzeit nicht am geplanten Haltequerschnitt der Tunnelsperranlage stehen bleiben. Aktuell muss deshalb die betroffene Tunnelröhre komplett gesperrt werden.

So erläuterte der zuständige LBV.SH-Ingenieur Guntram Kunft den Kommunalvertretern heute den Stand der zweiten Optimierungsstufe (Video starten)

Nach dem Umbau startet der LBV.SH eine intensive Testphase.

Vollsperrung am 2. Dezember von 8:00 bis 17:00 Uhr der Oströhre samt Vorfeld. Im Zeit­raum 7:00 bis 8:00 Uhr wird für den Aufbau der Baumaßnahme und den Aufbau der Sper­rung die halbseitige Sperrung der B 77 (rechter Hauptfahrstreifen) eingeleitet. Der ÖPNV kann bis 13:00 Uhr den Tunnel unter besonderer Vorsicht passieren.

Vollsperrung am 3. Dezember von 8:00 bis 17:00 Uhr der Weströhre samt Vorfeld. Im Zeit­raum 7:00 bis 8:00 Uhr wird für den Aufbau der Baumaßnahme und den Aufbau der Sper­rung die halbseitige Sperrung der B 77 (rechter Hauptfahrstreifen) eingeleitet. Der ÖPNV kann bis 13:00 Uhr den Tunnel unter besonderer Vorsicht passieren.

Umleitungsempfehlungen

2. Dezember 2024 Oströhre: Umleitung ab Rendsburg-Süd über die B 202 bis zum Auto­bahnkreuz Rendsburg sowie die A 7 Richtung Büdelsdorf zur B 203 nach Rendsburg. Für den innerstädtischen Verkehr führt die Umleitungsempfehlung über die Kanalfähre Nobis­krug.

3. Dezember 2024 Weströhre: Umleitung ab Rendsburg über die B 203 durch Büdelsdorf, die A 7 bis zum Autobahnkreuz Rendsburg sowie die B 202 nach Rendsburg-Süd. Für den innerstädtischen Verkehr führt die Umleitungsempfehlung über die Kanalfähre Nobiskrug.

Landtag und Landesregierung glauben an eine Zukunft der Werften FSG und Nobis

Wenig Aufträge, freigestellte Mitarbeiter, unbezahlte Rechnungen ‒ auf den beiden Werften Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) und Nobiskrug in Rendsburg gibt es seit Monaten Probleme. Auch heute gingen an Eigentümer Lars Windhorst und seine Tennor-Group dringende Apelle aus dem Landtag. 

Die Abgeordneten sprachen sich nahezu einhellig für einen Investorenwechsel bei den angeschlagenen Werften aus. Ein Antrag von CDU und Grünen, wonach sich der Landtag auf die Seite der Beschäftigten der Werften stellt, wurde einstimmig beschlossen.
«Realistische Lösungen zum Erhalt der Werften setzten voraus, dass der Eigentümer Windhorst verkauft», sagte Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen. «Alles, was wir machen können, ist, Druck auszuüben, mit potenziellen Investoren zu sprechen und bereitzustehen, falls Unterstützung benötigt wird», betonte der CDU-Politiker.

Hier seine Rede in voller Länge:

Aus Sicht des Ministers gibt es derzeit nur zwei Optionen: «Lars Windhorst stellt sich seiner Verantwortung, räumt auf, macht die Werften verkaufsfähig und verkauft.» Oder FSG und Nobiskrug gingen in die Insolvenz und machten den Weg frei für neue Investoren. «Ich bin davon fest überzeugt, dass die beiden Werftstandorte eine Zukunft haben», erklärte Madsen. So könnte die FSG Stahlelemente für die für Windparks erforderlichen Konverterplattformen herstellen und als zweites Standbein den Marine-Schiffbau etablieren. Nobiskrug könnte hingegen Aufträge insgesamt im Schiffbau übernehmen.

Die beiden Werften gehören zur Tennor-Gruppe von Windhorst. FSG und Nobiskrug haben seit Monaten Probleme; Gehälter wurden verspätet gezahlt, neue Aufträge sind Mangelware. Fast die gesamte Belegschaft war zwischenzeitlich freigestellt worden.

Windhorst persönlich wird für sein Verhalten und seine Kommunikation von vielen Seiten kritisiert. Wirtschaftsminister Madsen und Ministerpräsident Daniel Günther hatten bereits Anfang Oktober einen Rückzug von Windhorst aus der Flensburger-Schiffbau-Gesellschaft (FSG) und der Werft Nobiskrug gefordert.

Küsten-Verkehrsminister pochen auf bessere Finanzierung der Nord-Häfen

Bei der Umsetzung der Energiewende und der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands kommt den norddeutschen Ländern aus Sicht von Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen eine Schlüsselrolle zu. „Allein deshalb brauchen wir eine stärkere Unterstützung des Bundes bei der Finanzierung und Entwicklung unserer Häfen“, sagte Madsen heute nach der Konferenz der fünf norddeutschen Wirtschafts- und Verkehrsminister im niedersächsischen Oldenburg.

Madsen mit Konferenz-Gastgeber Olaf Lies aus Niedersachsen sowie Hamburgs Wirtschafts-Senatorin Melanie Leonhard (rechte), Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt und Staatssekretär Jochen Schulte aus Mecklenburg-Vorpommern.

Zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen fordert Madsen auch einen stärkeren Ausbau der Verkehrsinfrastruktur an der Küste, um die Verteidigungsfähigkeit und die maritime Industrie zu stärken. «Wir werden der Infrastruktur auch mit Blick auf die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands eine neue Priorität geben müssen», sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies. «Das fängt bei der Hafeninfrastruktur für den Umschlag an und findet sich genauso bei einer Schienen-, bei einer Straßen- oder Wasserstraßeninfrastruktur wieder.»  Die Infrastruktur müsse fähig sein, im Ernstfall zu funktionieren. 

Ein Schwerpunkt der Beschlüsse lag auch auf der Bedeutung von grünem Wasserstoff für die Dekarbonisierung der Wirtschaft. Madsen: «Der Norden verfügt über optimale Voraussetzungen zur Erzeugung, Speicherung und Verteilung von Wasserstoff. Deshalb arbeiten wir seit 2019 an der Umsetzung einer norddeutschen Wasserstoffstrategie.»

Zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Bremen forderte Madsen den Bund auf, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, um den Markthochlauf von Wasserstoff zu beschleunigen und langfristige Investitionssicherheit zu gewährleisten. «Wir brauchen eine systemdienliche Verortung von Elektrolyseuren und die Weiterentwicklung der nationalen Importstrategie für Wasserstoff, für die den norddeutschen Häfen die zentrale Bedeutung zukommt», sagte er. Um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen, sei zudem eine Modernisierung der Hafeninfrastruktur unerlässlich.

Ein weiterer zentraler Punkt ist aus Sicht der Nord-Ressortchefs die weitere Verbesserung der Hafenhinterland-Anbindungen. Die von der Konferenz beschlossenen „Oldenburger Grundsätze“ fordern, die Schienen- und Straßeninfrastruktur im Norden zu modernisieren und auszubauen, um die Effizienz des Güterverkehrs zu steigern und den Transport von Windenergiekomponenten zu erleichtern. Die Umsetzung der Klimaziele erfordere eine leistungsfähige Anbindung der Häfen an das Verkehrsnetz.

Aus Sicht der Minister und Senatorinnen spiele die maritime Industrie, insbesondere der Schiffbau, eine entscheidende Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung in Norddeutschland. Um die Zukunft des Marineschiffbaus zu sichern, brauche es aber eine verstärkte Unterstützung und langfristige Planungen im Verteidigungssektor. «Denn auch zweieinhalb Jahre nach der Zeitenwende-Rede von Bundeskanzler Scholz kommt von den 100 Milliarden Euro aus dem Sonderprogramm zu wenig in den Auftragsbüchern unserer Betriebe an», so Madsen.

Eine rasche Umsetzung nach der Bundestagswahl wäre aber derzeit das „beste Konjunktur-Programm“ für diesen Sektor.

Madsen sagte weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Madsen erinnerte daran, dass Russland spätestens 2029 militärisch so stark sein werde, dass es für Europa eine ernste Bedrohung darstelle. «Was wir in Deutschland in einem jahrelangen Prozess an Panzern und Artillerie produzieren, läuft in Russland innerhalb von zwei bis drei Monaten vom Band.« Beschaffungen müssten deshalb deutlich beschleunigt werden und die maritime Rüstungsindustrie enger zusammenarbeiten.

Günther und Madsen sehen Zukunft von FSG und Nobis weiter ohne Windhorst

Mit einem offenen Brief versuchte Werften-Eigentümer Lars Windhorst heute Wirtschaftsminister Madsen zu attackieren. Doch sowohl Madsen als auch Regierungschef Daniel Günther bleiben dabei: Entweder Windhorst löst seine Versprechen ein, oder die Flensburger Schiffbaugesellschaft FSG und die Rendsburger Werft Nobiskrug haben nur eine Zukunft ohne den jetzigen Eigentümer.

Ministerpräsident Daniel Günther (Mitte) mit Vertretern von Belegschaft und IG Metall heute auf dem FSG-Werftgelände

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther und Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen sehen eine Zukunft für die angeschlagenen Werften Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) in Flensburg und Nobiskrug in Rendsburg. Diese gebe es allerdings nur ohne den bisherigen Alleineigentümer und Investor, Lars Windhorst, betonten die beiden heute CDU-Politiker bei einem Besuch der FSG. Sie trafen sich dort zu Gesprächen unter anderem mit Betriebsrat und IG Metall und sprachen hinterher zur Belegschaft, die sich am Werfttor versammelt hatte.

Es werde nicht möglich sei, «dass der Betrieb hier mit Herrn Windhorst dauerhaft als Eigentümer aufrechterhalten werden kann», sagte Günther. Es gebe zwei Möglichkeiten: Wenn die Lage sortiert, Rechnungen und Löhne gezahlt werden, dann möge es noch die Möglichkeit geben, über einen direkten Verkauf nachzudenken. Aber auch das Wort Insolvenz brauche niemanden zu schocken. Das müsse nicht bedeuten, dass hier Schluss sei. «Vielleicht kann das auch eine neue Chance bedeuten.»

Der Flensburger IG-Metallchef Michael Schmidt sagte, man müsse sich auf eine Insolvenz einstellen und da stelle man sich auch drauf ein. «Aber worauf wir uns nicht drauf einstellen können ist das, was Windhorst macht.» Windhorst müsse endlich Farbe bekennen. «Entweder gibt er den Betrieb ab, an jemanden, der es kann oder er muss dann den Weg gehen der Insolvenz, damit ein Neuanfang beginnen kann. Darauf stellen wir uns ein.»

Regierungschef Günther versicherte den Beschäftigten, dass sie nicht alleine seien. «Sie haben viele Menschen, die an ihrer Seite stehen und versuchen, auch alles zu bewerkstelligen, damit die Werften sowohl hier in Flensburg als auch in Rendsburg eine Zukunftsperspektive haben.» Er glaube fest daran, dass dieses Unternehmen eine Zukunftsperspektive für die nächsten Jahrzehnte habe, sagte Günther. Er nannte als Stichworte unter anderem den Konverterbau und die Ausstattung der Marine. «Da brauchen wir alle Kapazitäten in Schleswig-Holstein.»

Die Landesregierung versuche alles, um einen seriösen Käufer zu finden. «Wir haben jetzt schon Gespräche geführt, auch mit Unternehmen, die Interesse haben, die aber Schwierigkeiten darin sehen, direkt mit Herrn Windhorst in Verhandlungen einzutreten», sagte Günther. «Ich glaube daran, dass es uns in den nächsten Monaten gelingen wird ohne Herrn Windhorst, dann hier auch in Flensburg und in Rendsburg ein tolles Unternehmen zu haben, so dass sie wieder mit Stolz zu ihrem Arbeitgeber hingehen können.»

Madsen hatte bereits früher den einen Rückzug von Windhorst aus den Unternehmen gefordert. Als Reaktion darauf hatte der umstrittene Investor einen heute veröffentlichten offenen Brief an den Minister geschrieben. «Der Punkt ist erreicht, an dem ich mich zu einer Reaktion veranlasst sehe, um weiteren Schaden für mich und mein Unternehmen abzuwenden», heißt es in dem Schreiben. Es sei ein «bemerkenswerter Vorgang», dass der Wirtschaftsminister dazu aufrufe, ein Unternehmen in die Insolvenz zu treiben.

Nach seinen Angaben habe er die schwierige Lage nicht verursacht, sondern versuche seit seinem Einstieg als Investor die Werften zu retten. «Es ist offenkundig, dass Ihre bis ins Persönliche gehenden Angriffe gegen mich weder den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch dem Unternehmen irgendwie helfen», warf Windhorst Madsen vor.

Der Minister reagiert gelassen auf das Schreiben. Windhorst habe keines der Versprechen eingehalten, die er in der vergangenen Zeit gegeben habe, sagte Madsen in Flensburg. «Und es kann einfach nicht sein, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jeden Monat um die Gehälter bangen müssen.« Deswegen brauche es ein geordnetes Verfahren. Entweder Lars Windhorst bringe alles in Ordnung und leite ein geordnetes Verfahren für einen Verkauf ein oder eine Insolvenz. «Da ändere ich auch nicht meine Meinung, selbst wenn es einen Brief von Herrn Windhorst gibt»

Im Gespräch mit Journalisten sagte Madsen weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Die beiden Werften gehören zur Tennor-Gruppe von Windhorst. FSG und Nobiskrug haben seit Monaten Probleme; Gehälter wurden verspätet gezahlt, neue Aufträge sind Mangelware. Fast die gesamte Belegschaft war zwischenzeitlich freigestellt worden. Windhorst persönlich wird für sein Verhalten und seine Kommunikation von vielen Seiten kritisiert.

„Giganten der Meere“ sollen Maritime Wirtschaft auf Wachstumskurs bringen

Während in Brunsbüttel heute mit Blick auf die Elbe die Energieminister-Konferenz der Länder startete, befasste sich an der Kieler Förde der zweite „Maritime Zukunftsdialog“ ebenfalls mit Herausforderungen der Energiewende.

Karina Würtz von der Stiftung Offshore-Windenergie beim heutigen „Maritimen Zukunftsdialog“ mit Minister Madsen in Kiel

«Wenn Schleswig-Holstein sein Ziel erreichen will, bis 2040 erstes klimaneutrales Energieland zu sein, wird die Offshore-Windenergie eine der wichtigsten Säulen sein«, sagte Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen vor dem Experten-Gremium im Gästehaus der Landesregierung. Durch die ambitionierten Ausbauziele der Bundesregierung – 30 Gigawatt bis 2030 und 70 Gigawatt bis 2045 – werde die Offshore-Windenergie absehbar zum Rückgrat der deutschen Industrie-Stromversorgung.

Wie Madsen und die Geschäftsführerin der Stiftung Offshore-Windenergie, Karina Würtz, weiter sagten, bergen die Ausbauziele enorme Wachstumschancen für die gesamte maritime Industrie. Würtz erinnerte dabei an die einmalige geografischen Lage des Landes zwischen Nord- und Ostsee samt seiner Häfen und seinem starken maritimen Sektor. «Der Leistungsausbau birgt zudem auch enormes Wertschöpfungspotenzial im Bereich des Baus von Konverter-Plattformen», so Würtz.

Zusammen mit Madsen sieht die ehemalige Windpark-Betreiberin nicht nur Potenzial im Aufbau von Windparks in Nord- und Ostsee, sondern auch in dem nach Jahrzehnten erforderlichen Rückbau. «Hier besteht die Chance, Meeres-Ökononomie mit Meeres-Ökologie perfekt miteinander zu verbinden», so Madsen. Als Beispiel nannte er eine laufende Studie des Energie-Riesen RWE. Im Auftrag von RWE untersucht die schwedische Universität Linnaeus aktuell, wie sich künstliche Riffe bei Ostsee-Windparks auf das marine Ökosystem auswirken und ob sie einen attraktiven marinen Lebensraum schaffen können, insbesondere für Miesmuscheln, Algen und verschiedene Fischarten.

Die Kieler Werft „German Naval Yards“ (GNYK) bereitet sich unterdessen seit mehr als einem Jahr auf den Einstieg in das Milliarden-Geschäft mit Konverterplattformen vor. Wie Projektleiter Christian Meyer-Kothe erläuterte, biete das Werftgelände auf dem Kieler Ostufer als nahezu einiger Standort zwischen der Peene und Emden die nötigen statischen Voraussetzungen, um die 28.000-Tonnen-Stahlriesen zu produzieren und ins Wasser zu bekommen. Spätestens 2027 soll die Produktion mit dann rund 800 statt der bisher 350 Beschäftigten anlaufen. «Läuft alles nach Plan, dann könnte in Kiel künftig alle 18 Monate eine Zwei-Gigawatt-Plattform fertig sein», sagt Kothe.

Nach den Worten von Madsen sind Konverterplattformen «Giganten der See». Sie sind so hoch wie ein zehnstöckiges Hochhaus, fast so groß wie ein Fußballfeld und bis zu 30.000 Tonnen schwer. In Konverterplattformen wird der Strom von Meereswindparks gebündelt und für den möglichst verlustfreien Weitertransport zur Küste in Gleichstrom umgewandelt.

Die Bundesregierung erwartet, dass von 2026 bis 2045 allein für den deutschen Markt 33 solcher Plattformen benötigt werden, die mehr als zwei Milliarden Euro pro Stück kosten. Gebaut werden die Riesen bislang vor allem in Asien und Spanien. Deutsche Hersteller kommen erst langsam ins Spiel, darunter Nordic Yards in Wismar und die Papenburger Meyer Werft.