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Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus (MWVATT) des Landes Schleswig-Holstein - Harald Haase

Für einen wetterfesten Mittelstand: Land startet 50 Millionen schweren „Innovationsfonds SH“

Um kleine und mittlere Unternehmen (KMU) durch die schwächelnde Konjunktur zu bringen, hat das Wirtschaftsministerium einen Fonds für Firmengründer und innovative Unternehmen aufgelegt: Das Land und seine Förderinstitute stellen dafür 50 Millionen Euro bereit. Vorausgegangen war laut Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen und seiner Staatssekretärin Julia Carstens eine Studie der Prognos AG.

Angesichts zunehmend knappen Risikokapitals für Start-ups und andere innovative Betriebe startet die Landesregierung ab heute erstmals einen «Innovationsfonds» mit einem Volumen von 50 Millionen Euro. «Im vergangenen Jahr haben allein deutsche Start-ups über 43 Prozent weniger Risikokapital einwerben können als noch 2021 und die Aussichten werden angesichts steigender Kapitalkosten auch für Existenzgründerinnen und –gründer oder Handwerksbetriebe nicht besser», sagte dazu Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens der Deutschen Presse-Agentur. Gerade in Zeiten schwächelnder Konjunktur sei geboten, Innovationen nicht abzuwürgen, sondern zu befeuern.

Laut Carstens richtet sich der «Innovationsfonds SH» nicht nur an Start-ups und Gründer, sondern generell an kleine und mittlere Unternehmen wie etwa auch Handwerksbetriebe. «Wir werden zudem auch Unternehmensnachfolgen mit diesem Beteiligungskapital unterstützen», sagt die CDU-Politikerin. Über einen Antrag bei der zuständigen Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) oder der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein mbH (MBG) können innovative Betriebe aus dem Fonds stilles Beteiligungskapital, Gesellschafterdarlehen mit Wandlungsoption oder offenes Beteiligungskapital erhalten. Finanziert werde das neue Angebot gut zur Hälfte aus EU-Mitteln sowie aus Mitteln des Landes, der IB.SH und der MBG. Zu einem Antrag gegt es hier

Der Auflegung des Fonds war nach den Worten von Carstens eine Studie der Prognos AG vorausgegangen. Danach steht der Zielgruppe des Innovationsfonds SH aufgrund einer festgestellten Marktschwäche Risikokapital nur sehr eingeschränkt zur Verfügung. «Hier soll der neue Fonds gezielt Abhilfe schaffen. Aber das bedeutet einerseits, dass der Fonds höhere Risiken eingehen muss. Andererseits investiert er aber nur in solche Gründungsvorhaben, bei denen mit einem Rückfluss der Mittel zu rechnen ist, die dann wiederum in den Fonds investiert werden», sagt Carstens.

Carstens vor drei Wochen bei einem Gespräch mit Google-Mitarbeiterinnen im Silicon Valley in San Francisco – auch in den USA mangelt es zunehmend an Risikokapital

Die abflauende Bereitschaft von Investoren, für junge und innovative Unternehmen Risikokapital bereit zu stellen, ist für Carstens längst nicht mehr nur ein deutsches oder europäisches Phänomen: «Bei unserer jüngsten USA-Delegationsreise ins Silicon Valley wurde auch dort eine massive Zurückhaltung beim Bereitstellen von Risikokapital beklagt. Die einzige Ausnahme bildete zu Zeiten von Corona noch die Biotech-Branche und heute noch Teile der Life-Science-Unternehmen.»  

Madsens „Mississippi-Feeling“ beim 247. Independence Day der Vereinigten Staaten

Madsen mit US-Generalkonsul Jason Chue (Mitte) und Hamburgs Innensenator Andy Grote

Beim vorgestrigen Jahresempfang der Lübecker IHK hatte Minister Madsen die große Bühne seinem Ministerpräsidenten überlassen – heute Abend revanchierte sich Daniel Günther und überließ beim 247. Unabhängigkeitstag der USA die Planken des Mississippi-Schufelraddampfers „Lousiana Star“ seinem Wirtschaftsminister. Madsen erinnerte bei der Fahrt auf der Elbe nicht nur an die 500 Jahre alten Handelsbeziehungen beider Kontinente, sondern sprach auch die aktuellen Herausforderungen an.

So kenne etwa der Klimawandel keine nationalen Grenzen, sagte er. Deshalb sei es entscheidend, als globale Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, um die Probleme gemeinsam anzugehen. „Unsere Länder sind da auf einem sehr guten Weg. Vor Kurzem war eine Delegation aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in den USA. Und sie hatte die Chance, bei vielen spannenden Unternehmen reinzuschauen und über Themen wie Künstliche Intelligenz zu sprechen. Auch grüne Energie und Klimawandel standen ganz oben auf der Agenda.

Madsen erinnerte weiter daran, dass zwischen San Francisco und Kiel seit einigen Jahren eine Städtepartnerschaft bestehe und Schleswig-Holstein und Hamburg im Silicon Valley seit mittlerweile fünf Jahren das Northern German Innovation Office betreiben.

„Wir haben erkannt: Wenn wir Forschung und Innovationen voranbringen wollen, dann brauchen wir diesen Austausch. Dann müssen wir zusammenarbeiten und unser Wissen und unsere Erfahrungen zusammenbringen. Deshalb freut es mich umso mehr, dass wir heute hier zusammen sind. Wir feiern nicht nur den Unabhängigkeitstag der USA, sondern dürfen auch die Verbundenheit unserer Länder feiern“, so Madsen.

Deutschland-Ticket-Boom im echten Norden: Land und NAH.SH bieten ab Juli viele Neuerungen

Nach dem erfolgreichen Start des Deutschland-Tickets – von dem allein im Schleswig-Holstein-Tarif bislang rund 88.200 Exemplare verkauft wurden – stellt die Landesregierung weitere Weichen: Wie Verkehrs-Staatssekretär Tobias von der Heide heute zusammen mit NAH.SH-Geschäftsführer Arne Beck erläuterte, können ab 1. August die rund 3.000 Freiwilligendienst-Leistenden im Land einen Zuschuss zum Deutschlandticket erhalten. Zum 1. September werde zudem das Job-Ticket auf Betriebe mit weniger als fünf Beschäftigten ausgedehnt. Und zum 1. Juli starte das so genannte Semesterticket-Upgrade. Studierende müssen dann nur noch die Differenz zwischen ihrem Semesterticket-Preis und den 49 Euro für das Deutschland-Ticket nachzahlen. Je nach Hochschule seien das zwischen 14,82 Euro und 18,49 Euro im Monat.

Wie von der Heide sagte, seien durch das Deutschland-Ticket schon jetzt 20.000 neue Abonnentinnen und Abonnenten gewonnen worden, was einer Steigerung von 30 Prozent entspreche. „Wir verzeichnen eine weiter steigende Nachfrage, so dass ich noch in diesem Jahr mit mehr als 100.000 verkauften Tickets rechne.“ Für die Landesregierung sei dies weiterer Ansporn, den Schienenverkehr sowie den gesamten ÖPNV weiter auszubauen und den Landesweiten Nahverkehrsplan umzusetzen.

„Wir haben uns in der Koalition darauf verständigt, weiter in die Schieneninfrastruktur zu investieren und sogar neue Projekte aufzunehmen“, sagte von der Heide. Als Beispiele nannte er die Bäderbahn in der Lübecker Bucht und den Gleisanschluss von Geesthacht. „Mit dem Fahrplanwechsel 2024 werden wir zudem weitere Bahnangebote in den Randzeiten schaffen und modernere Fuhrparks beschaffen.“

Hier ein Livestream-Mitschnitt des Pressegesprächs:

Wie NAH.SH-Chef Beck mit Blick auf das Freiwilligendienst-Ticket erläuterte, sei die Basis dafür immer das Deutschland-Ticket als Jobticket. „Das heißt: Nur, wenn ein Rahmenvertrag des Arbeitgebers vorliegt und der Arbeitgeber mindestens 15 Euro Zuschuss zahlt, dann gewährt auch das Land einen Zuschuss von 16,55 Euro.“ Der Freiwilligendienst-Leistende zahle dann nur 15 Euro für sein Deutschland-Ticket.

Mit Blick auf das Semesterticket-Upgrade sagte von der Heide: „Ich bin froh, dass die zuständige Bahntochter DB-Vertrieb nun die hohen organisatorischen und technischen Hürden auch für uns genommen hat.“ Das Upgrade sei sowohl digital als auch auf Papier möglich – das Papierticket habe allerdings einen Bestellvorlauf und sei erst ab dem 1. August erhältlich. Der Anteil von Papier-Tickets beim Semesterticket liegt bei rund 10 Prozent.

NAH.SH-Chef Beck erinnerte daran, dass die Umsetzung technisch sehr komplex sei. So müsse bei der Ausgabe des Tickets unter anderem geprüft werden, ob der Besteller wirklich Student sei. Dafür bedürfe es eines Abgleichs mit den Datenbanken der Hochschulen. Beck und von der Heide gehen davon aus, dass zwischen fünf und zehn Prozent der rund 55.000 Studierenden in Schleswig-Holstein das Upgrade kaufen werden. Mit Blick auf diejenigen Studenten, die im Mai und Juni neben ihrem Semesterticket zusätzlich das Deutschland-Ticket zum Vollpreis gekauft haben und damit doppelt zahlten, sagte Beck: „Wer im Mai und Juni ein Semesterticket und ein Deutschlandticket hatte, kann sich bei seinem AStA für Mai und Juni vom Semesterticket befreien lassen. Der zu viel gezahlte Betrag wird dann an die Studierenden zurückerstattet.“

Zum Procedere des Ticket-Upgrades sagte Beck im Gespräch mit Journalisten weiter – Audio starten, Pfeil klicken…


Ministerpräsident als Mutmacher für den Standort SH beim IHK-Empfang in Lübeck

Im Kabinett segnete er heute früh noch unseren 40-Seiten langen „Bericht zur Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Schleswig-Holstein“ ab. Heute Abend adressierte Ministerpräsident Daniel Günther daraus die Kernpunkte auf ebenso leidenschaftliche wie launige Weise an die über 300 Gäste des diesjährigen Empfangs der IHK zu Lübeck – darunter natürlich auch Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen und zahlreiche weitere Kabinettsmitglieder.

Was dem Regierungschef des echten Nordens Mut macht , warum die Baden-Württemberger bald Norddeutsch lernen müssen – und warum wir uns keineswegs hinter Amerika verstecken müssen…

Hier ein paar Schlaglichter aus der eben beendeten Rede:

Ministerpräsident Daniel Günther in der Lübecker MuK

Wirtschaftspolitischer „Reling-Schnack“: Madsen und BDI-Chef Russwurm im Austausch

Russwurm (rechts) heute mit Madsen bei der Begleitung der Windjammer-Parade auf der Kieler Förde auf Einladung von Thyssen-Krupp Marine Systems, deren Aufsichtsratsvorsitzender Russwurm ist.

Zuletzt sorgte er mit Forderungen nach einer 42-Stunden-Woche zur Eindämmung des Fachkräftemangels für Schlagzeilen oder rechnete beim Tag der deutschen Industrie vor einer Woche scharf mit Bundeskanzler Scholz und dem Wirtschaftskurs der Ampel ab: BDI-Chef Siegfried Russwurm scheut weder klare Worte noch Konflikte, wenn es um den Wirtschaftsstandort Deutschland geht. Immerhin hatte er bei der heutigen Windjammer-Parade auf der Kieler Förde zusammen mit Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen etwas Gelegenheit, einmal tief durchzuatmen und weit zu blicken.

Das Thema Wirtschaftspolitik begleitete die Gäste an Bord der „Herkules“ von Thyssen Krupp Marine Systems (tkms) allerdings so eng, wie die Windjammern auf der Kieler Förde selbst. Bei einem „Reling-Schnack“ tauschten sich Madsen (zugleich Arbeitsminister) und Russwurm (zugleich tkms-Aufstichtsratschef) unter anderem über Wege aus der Fachkräftelücke aus. Einig waren sich beide darin, dass die Tarifverträge künftig mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten ermöglichen müssen und auch der Technologietransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft noch steigerungsfähig sei.

Madsen erläuterte dem BDI-Chef unter anderem die Pläne der Landesregierung zur Einrichtung eines Welcome-Centers noch in diesem Jahr. «Ein wesentlicher Hebel gegen die allein für Schleswig-Holstein prognostizierte Lücke von bis zu 500.000 Fachkräften im Jahr 2035», sagte Madsen. Das Center unter dem Dach der „Wirtschaftsförderung und Technologie Transfer Schleswig-Holstein GmbH“  (WT.SH) solle sowohl internationale Fachkräfte und deren Familien unterstützen, als auch Unternehmen in Schleswig-Holstein als Anlauf-, Erstberatungs- und Informationsstelle für alle Fragen der Personalbeschaffung und Integration internationaler Fachkräfte dienen.

Ein weiteres Thema des Reling-Gesprächs: Die spürbare Ungeduld der deutschen Industrie bei der Realsisierung des im Februar 2022 vom Kanzler angekündigten 100-Milliarden-Rüstungsprogramms. Ein Thema, das Madsen am Mittwoch auch bei der Länder-Konferenz der Wirtschaftsminister in Bayern gesetzt hatte.

Dazu hatte Madsen erklärt:

Länderminister wollen Industrie-Strompreis und mehr „Wumms“ bei der Wehrtechnik

Madsen und sein bayrischer Kollege Hubert Aiwanger

Die Wirtschaftsministerinnen und -minister der 16 Bundesländer haben den Bund einstimmig aufgefordert, rasch einen günstigen Industriestrompreis einzuführen. Parteipolitische Unterschiede habe es bei dem Treffen nicht gegeben, sagten Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen, seine Hamburger Kollegin Melanie Leonhard und Gastgeber Hubert Aiwanger aus Bayern heute nach der Konferenz im oberbayerischen Hohenkammer. «Der Transformationsstrompreis muss zeitnah eingeführt werden und sollte einfach, ohne hohen bürokratischen Aufwand zugänglich und umsetzbar sein», heißt es in der vorläufigen Fassung des Beschlusses. Parallel dazu haben sich heute auch die Finanzminister der Länder mehrheitlich für die Einführung eines Industriestrompreises ausgesprochen.

Melanie Leonhard

Der Appell der Wirtschaftsministerkonferenz richtet sich in erster Linie an Finanzminister Christian Lindner und seine FDP, die Zuschüsse zu den Stromrechnungen der Unternehmen ablehnen. Um nicht in Konflikt mit beihilferechtlichen EU-Vorschriften zu geraten, soll der Industriestrompreis nach dem Beschluss der Länderminister allerdings nur für Industrieunternehmen gedacht sein und nicht für das Handwerk – obwohl viele Minister das befürworteten. «Wir haben hier schweren Herzens einen Schwerpunkt gesetzt», sagte die Hamburger SPD-Politikerin Leonhard.

Europarechtlich würde der Industriestrompreis demnach als «besonderer Ausgleichsmechanismus» definiert. Einen solchen habe die EU bereits einmal akzeptiert, so Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). «Wir werden den Bäcker und Metzger nicht in diese Liste hineinbringen, weil die EU sonst sagt, ich akzeptiere überhaupt nichts.» Für kleine Betriebe wollen die Minister nach Aiwangers Worten andere Hilfsmöglichkeiten finden.

Madsen im Gespräch mit Habeck

«Die Einigung muss auf Ebene der Bundesregierung erfolgen», sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) über die Diskussionen mit der FDP. «Da sind wir noch nicht. Aber die Haushaltsberatungen und das parlamentarische Verfahren beginnen jetzt erst.» Auch Kanzler Olaf Scholz (SPD) hatte sich im Mai skeptisch über einen subventionierten Industriestrompreis geäußert.

Mit Blick auf die Industrie machte Schleswig-Holsteins Ressortchef Madsen (CDU) bei der Konferenz auch noch einmal die Belange der Wehrtechnik in Deutschland klar. So habe der Überfall auf die Ukraine verdeutlicht, dass Deutschland stärker in seine Verteidigungsbereitschaft und Bündnisfähigkeit investieren und die Nato stärken müsse. Eine moderne, wettbewerbs- und leistungsfähige nationale Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sei eine unverzichtbare Grundlage für die Sicherheitsvorsorge. Jetzt zeigt sich, wie wichtig Frieden und Sicherheit als Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben, soziale Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind.

Er sagte in der Pressekonferenz – Video starten:

Laut Madsen fehle nach wie vor der versprochene „Wumms“ bei der Umsetzung des Sondervermögens „Bundeswehr“ in Höhe von 100 Milliarden Euro. Das sei aber angesichts von Planungs- und Lieferzeiten für notwendige Investitionen und Rüstungsvorhaben ein elementarer Schritt. Es sei verteidigungspolitisch geboten, dass die deutsche Sicherheits- und Wehrindustrie angesichts ihrer herausragenden Expertise schnell und planungssicher an dem Sondervermögen partizipiere. «Und dass dadurch in wirtschaftlicher Hinsicht Wertschöpfung in die Bundesländer geholt werden kann und gut bezahlte Arbeitsplätze gesichert werden», so Madsen.

Madsen und Länderkollegen im Schulterschluss gegen Kürzung regionaler Wirtschaftsförderung

Madsen am Rande der Konferenz im Gespräch mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck

Breiter Schulterschluss gegen die von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) angekündigte Kürzung des Förderprogramms „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) um 300 Millionen Euro. Bei der soeben in München beendeten Sommerkonferenz der Länder-Wirtschaftsminister – an der auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zeitweise teilnahm – wurden die Pläne des Bundes als «kontraproduktiv» und «fatal» für die wirtschaftliche Entwicklung kritisiert.

Laur Plänen von Lindner sollen die Mittel für strukturschwache Regionen – darunter fällt in weiten Teilen auch Schleswig-Holstein – im Bundeshaushalt 2024 von jetzt 650 auf dann 350 Millionen Euro sinken. Die Bund-Länder-Programme insgesamt sollen um mindestens 900 Millionen Euro zusammengestrichen werden.

Madsen und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sagten nach der Wirtschaftsministerkonferenz – Video starten….

Madsen erinnerte daran, dass GRW das Haupt-Wirtschaftsförderinstrument für strukturschwache Regionen sei. Eine Kürzung der Bundesmittel um 300 Millionen Euro bedeute zusätzlich einen Verlust in gleicher Höhe aus den Landeshaushalten. Die Auswirkungen auf die Zielgruppe der GRW-Förderung – Unternehmen und Kommunen – wären damit erheblich. «Viele dringend erforderliche Investitionen würden dann unterbleiben. Das Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse wird weiter auseinanderdriften», so der Minister.

Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums zieht jeder GRW-Euro des Bundes plus einem GRW-Euro eines Landes private Investitionen in Höhe von 8 Euro nach sich. Madsen: «Damit hat die investive GRW-Förderung eine äußerst hohe Hebelwirkung. Dieser Hebel wird auch dringend benötigt, um gemeinsam die aktuellen Transformationsprozesse zu meistern.»

Der Bund habe zuletzt im März 2023 gegenüber dem Bundestag auf den Erfolg und die Bedeutung der GRW hingewiesen. «Und nun soll über Nacht dieses erfolgreiche Instrument einfach gekürzt werden. Das ist am falschen Ende sparen Die Bundesländer erwarten daher vom Bund, dass er von diesen Kürzungsplänen Abstand nimmt – das habe ich dem Kollegen Habeck mit auf den Weg nach Berlin gegeben», so Madsen.

Madsen sucht Verbündete im Kampf gegen Pauschal-Verbot von „Ewigkeits-Chemikalien“

Der Plan der EU, so genannte „Ewigkeits-Chemikalien“ umfassend zu verbieten, schießt nach Ansicht von Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen klar übers Ziel hinaus und bedroht Arbeitsplätze. Er hofft bei der morgigen Wirtschaftsministerkonferenz in München auf Verbündete aus anderen Bundesländern.

Es geht um die große Gruppe der umstrittenen „Per- und Polyfluorierten Alkylsubstanzen“ (PFAS). Sie enthalten teils giftige Chemikalien, teils aber auch harmlose High-Tech Werkstoffe oder Arzneimittel. Im Alltag werden sie unter anderem für Outdoor-Produkte oder Teflonpfannen verwendet.

«Aber man braucht sie eben auch als Membranen für Beatmungs- und Dialysegeräte, Schläuche für die Produktion hochwertiger Arzneien oder Teile von Windenergie- und Wasserstoffanlagen sowie Wärmepumpen», sagt Madsen.  Und nicht nur da. Vor allem in nahezu allen High-Tech-Anwendungen der Elektronik-, Energie-, Pharma- oder Medizinbranche gebe es zu PFAS oft keine Alternativen. «Das von der EU-Kommission ab 2025 geplante undifferenzierte Verbot von über 10.000 Substanzen wird also ganze Branchen knallhart treffen, in Schleswig-Holstein beispielsweise den größten Industrie-Arbeitgeber, die Lübecker Firma Dräger oder auch den Arzneimittel-Hersteller Pohl-Boskamp in Hohenlockstedt», so Madsen.

Dräger-Konzernchef Stefan Dräger

Dräger-Konzernchef Stefan Dräger sagt: «Wenn das PFAS-Verbot in der vorgeschlagenen Form umgesetzt wird, betrifft das fast alle unsere Produkte, die es dann nicht mehr geben wird – und uns als Unternehmen vermutlich dann auch nicht mehr. Das ist wirklich existentiell.»

Nach den Worten von Madsen werde ein pauschales Verbot auch den grünen Umbau der deutschen Wirtschaft zurückwerfen. Zudem laufe es dem erklärten Ziel der EU zuwider, Europa wieder zum Zentrum der Halbleiterindustrie zu machen und die Pharmabranche zu stärken. «Darum werde ich bei meinen Länderkollegen für eine risikobasierte Regulierung von PFAS werden», so Madsen. Neben Übergangsfristen schweben ihm Ausnahmen für Kunststoffe vor, die in Maschinen und langlebigen Produkten stecken und nicht mit der Umwelt in Berührung kommen. Zudem sei ein wissenschaftlicher Nachweis der Schädlichkeit verschiedener Substanzen sowie eine Abwägung von Risiken nötig. Der CDU-Politiker erinnerte daran, dass die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) viele PFAS als „polymers of low concern“ einstuft, also als ungefährlich für die Umwelt.

Madsen sagte bei der Konferenz der Wirtschaftsminister der Länder in München dazu weiter – Video starten…

Mit Blick auf die Pharma-Industrie weist Madsen noch auf ein weiteres Problem hin: «Allein durch den Einsatz von PFAS-Schläuchen in der Produktion ist es in den letzten Jahren möglich geworden, Verunreinigungen von Arzneien unter die Nachweisgrenze zu drücken. Zwingen wir die Betriebe nun, wieder auf herkömmliche PVC- oder PET-Schläuche zurückzugreifen, werden wir uns von diesen Standards verabschieden müssen», sagt er.

Marianne Boskamp – hier bei einem Besuch von Ministerpräsident Daniel Günther

Ein Problem, das auch den Arzneimittel-Produzenten Pohl-Boskamp bei Itzehoe besorgt. Nach den Worten von Unternehmens-Chefin Marianne Boskamp sind Polymere aufgrund ihrer Beständigkeit aus industriellen Produktionsprozessen nicht mehr wegzudenken: «In der pharmazeutischen Industrie gewährleisten sie das höchste Sicherheitsniveau und Hersteller wie wir entscheiden sich trotz der höheren Preise für diese Werkstoffe, etwa bei Dichtungen und Schläuchen.» Dies auch vor dem Hintergrund ständig steigender Anforderungen an die Reinheit von Arzneimitteln.

Madsen fürchtet, dass die EU-Pläne bei Verwirklichung dazu führen werden, dass viele Unternehmen ihre Produktion dauerhaft in Länder außerhalb der EU verlagern. «Wer seine Medikamente dank des Einsatzes von PFAS-Schläuchen hochwertig in Großbritannien produziert, kann sie anschließend problemlos wieder in die EU importieren – das kann niemand ernsthaft wollen.»

Mit Blick auf die ehrgeizigen Klimaziele in Europa erinnert Madsen daran, dass ein PFAS-Verbot auch die Hersteller von Wärmepumpen treffen wird: So genannte F-Gase in den Kältemitteln der Geräte würden ebenfalls der umstrittenen Stoffgruppe zugerechnet. Immerhin gebe es hier aber schon erste Alternativ-Geräte, die Propangas nutzen.  Madsen: «Man sieht also: Es gibt weitaus zielführendere Wege zur Unterbindung der gesundheitsschädlichen Vertreter der PFAS als das breite Verbot.»

Landesregierung und Landtag stärken der Wehrtechnik-Branche im Norden den Rücken

Zur Rüstungsindustrie im Norden gehören etwa 7500 Arbeitsplätze. Doch sie kämpft mit Problemen bei Auftragsfinanzierung und Vergabeverfahren. Die Landespolitik im Norden will helfen.

Instandsetzung eines dänischen Panzers bei der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG)

Landtag und Regierung haben der mit Problemen bei der Auftragsfinanzierung und langwierigen Genehmigungsverfahren konfrontierten Rüstungsindustrie in Schleswig-Holstein ihre Unterstützung zugesichert. «Wir müssen und wir werden der Wehrindustrie weiter den Rücken stärken», sagte Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen heute im Landtag. Das nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs angekündigte 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen der Bundesregierung für die Bundeswehr sei eine positive Nachricht gewesen, aber seitdem sei leider wenig passiert.

«Die wehrtechnische Industrie steht weiterhin vor Problemen, die es schon weit vor Kriegsausbruch gab», sagte Madsen. Sie brauche Finanzierungsmöglichkeiten und Planungssicherheit inklusive deutlich beschleunigter Verfahren. In einem Antrag zur Konferenz der Wirtschaftsminister nächste Woche fordere das Land, dass die angekündigte Zeitenwende endlich komme, die Aufträge für die Modernisierung der Bundeswehr erteilt werden, das Vergaberecht vereinfacht wird und Exportgenehmigungen schneller erteilt werden.

Hier Madsens vollständige Rede im Landtag – Video starten…

Als Hauptgrund für die Nichtvergabe von Krediten durch Banken nannten mehrere Sprecher, dass die Rüstungsindustrie auf EU-Ebene nicht als nachhaltig eingestuft ist. Das Land stehe den Unternehmen auch mit seinen Förderinstituten zur Seite, sagte Madsen. Er sprach ein weiteres Problem an: Wenn eine Finanzierung tatsächlich stehe und ein U-Boot gebaut sei, warteten Unternehmen bis zu 18 Monate auf eine Genehmigung für den Export – in Nato-Staaten.

Alle Fraktionen inklusive der Grünen bekannten sich zur Rüstungsindustrie, die im Land derzeit etwa 7500 Arbeitsplätze bietet. Die rund 30 Unternehmen der Branche bauen unter anderem U-Boote, Panzerfahrzeuge, Sonartechnik und Korvetten. Der Wirtschaftszweig biete viele, oft hochqualifizierte Arbeitsplätze, sagte der Grünen-Politiker Oliver Brandt.

«Projektlaufzeiten von teilweise über zehn Jahren und damit verbundene ebenso lange Zeiträume, in denen hohe Summen von den Unternehmen vorfinanziert werden müssen, sind für die Unternehmen herausfordernd, aber eben auch für Banken im Rahmen ihrer Risikobewertung bei der Kreditvergabe.» Daher müssten die Sichtweisen beider Branchen in den Blick genommen werden. Lösungen könnten nur gemeinsam gefunden werden.

Lukas Kilian

Die Koalitionsfraktionen CDU und Grüne forderten die Regierung auf, sich in einem nächsten Wehrtechnik-Gipfel für einen konstruktiven Dialog zwischen Wehrindustrie und Kreditwirtschaft einzusetzen. Ein weiteres Problem: Kostenintensive Projekte sind von den Unternehmen in der Regel vollständig vorzufinanzieren, da erst bei Abnahme bezahlt wird. Die Finanzierungsschwierigkeiten seien kein schleswig-holsteinisches Problem, sondern eines in Deutschland insgesamt, sagte der CDU-Wirtschaftspolitiker Lukas Kilian.

Zudem appellierten die Koalitionsfraktionen an die Bundesregierung, die Vergabebedingungen bei Aufträgen der Bundeswehr im Hinblick auf die Finanzierungsbedingungen zu flexibilisieren. Bisher würden auch Kostensteigerungen während der Realisierung von Projekten nicht ausreichend berücksichtigt.

«Wir unterstützen die wehrtechnischen Betriebe», sagte Birgit Herdejürgen von der SPD. «Sie sorgen für qualifizierte, gute Arbeit. Und sie leisten einen Beitrag zur Sicherheit Europas.»

Die Wehrtechnik sei der Kern der Industrie im Land, sagte Ex-Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP). Aus seiner Sicht gehen die Bemühungen der Koalition nicht weit genug. «Glauben Sie allen Ernstes daran, dass die Finanzwelt Europas darauf gewartet hat, dass sich Claus Madsen mit Vertretern der Sparkasse Holstein zusammensetzt?», sagte Buchholz. «Hier geht es um Großfinanzierungen von hunderten Millionen Euro.» Die großen Finanzmärkte müssten davon überzeugt werden, dass es richtig sei, in Frieden und Sicherheit zu investieren.

Das komplizierte Vergabeverfahren der Bundeswehr führe zu einem sehr problematischen Stillstand, kritisierte SSW-Fraktionschef Lars Harms. «Das ist ein Skandal, der zunehmend auch in Schleswig-Holstein zu Problemen führt.»

Ideen-Börse und Begegnungsort: Madsen sieht Waterkant-Festival als Innovations-Motor

Zwei Tage voller Ideen, Begegnungen und Überraschungen: Anlässlich des diesjährigen Waterkant-Festivals tummelten sich gestern und heute mehrere hundert gestandene und angehende Unternehmerinnen und Unternehmer, Macherinnen und Macher sowie Gäste aus dem In- und Ausland auf dem Kieler MfG-5-Gelände. Schwerpunkt des Festivals: Schleswig-Holstein als Energiewendegewinner, als Investitions- und Innovationsland und als Treiber in Richtung Green- und Climatetech.

Im Mittelpunkt des Festivals: Ein Ehemaligen-Austausch anlässlich der erfolgreichen StartUp Camps seit 2017 in Kiel, Lübeck und Flensburg (Foto). «Eine gute Gelegenheit, zu erfahren, was aus unseren ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Wettbewerbe geworden ist», sagte Madsen.

Hier ein paar Impressionen des Festivals:

Insgesamt fanden fast 100 Sessions mit Teilnehmern aus der ganzen Welt statt. Das Themenspektrum: Mobility, Future of Cities, Future of Food bis hin zu Green Tech und Digital Health. Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen als Schirmherr dankte allen Sponsoren und Beteiligten für die bisherige Unterstützung und Kooperation. «Innovationen entstehen durch die Identifizierung von Problemen, Bedürfnissen oder neuen Technologien, die es erlauben, Prozesse zu verbessern oder neue Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln», sagte er. Die Landesregierung unterstützte Innovationen und aktiviere Potenziale über zahlreiche Programme und Projekte.

Madsen: «Der übergeordnete Gedanke dabei: den Transfer zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zu stärken, ein gutes Gründungsklima im Land zu erzeugen sowie erfolgversprechende Hebel in den Bereichen Fachkräftegewinnung, Weiterbildung und Internationalisierung anzusetzen.»