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Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus (MWVATT) des Landes Schleswig-Holstein - Harald Haase

Carstens freut sich über Aufwuchs beim Glasfaserbündnis SH auf 81 Betriebe

Schleswig-Holstein treibt seine Spitzenposition beim Glasfaser-Ausbau im Schulterschluss mit der Wirtschaft weiter voran: «Mit aktuell 77 Prozent anschließbarer Haushalte liegen wir bundesweit nicht nur klar vorn, sondern haben mittlerweile auch 81 Unternehmen, die sich unsere Ausbauziele zu eigen machen und uns damit weiteren Schub verleihen»“, sagte Technologie-Staatssekretärin Julia Carstens am Abend in Kiel. Beim mittlerweile 7. Glasfaser-Bündnistreffen traten neben der Deutsche Glasfaser GmbH (Düsseldorf) jetzt auch die schwedische Bahnhof Nätverk GmbH, die Breitband Südermarsch UG & Co.KG, die Münchner purtel.com GmbH sowie der Branchenverband VATM dem Bündnis bei.

Neu im Bündnis dabei (v.l.): Philipp Riederer von der Bahnhof Nätverk GmbH, VATM-Chef Frederic Ufer, Christof Sommerberg, Deutsche Glasfaser, Staatssekretärin Carstens, Markus von Voss (purtel.com) und Sonja Engfer von der Breitband-Gesellschaft Südermarsch.

Wie Carstens vor rund 80 Branchenexperten auf Einladung der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) sagte, basiert das 2018 gegründete Bündnis auf einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Anbieter. Alle Mitglieder verspflichten sich dabei, die Glasfaserstrategie der Landesregierung kooperativ und in fairem Wettbewerb miteinander zu unterstützen. Die Strategie sieht unter anderem den Einsatz von Fördermitteln nur dann vor, wenn es keine privatwirtschaftliche Lösung gibt. Neben dem eigenen Glasfaserausbau können die Bündnismitglieder auch durch die Bereitstellung und Nutzung von so genannten Open-Access-Produkten für Internetdienste dazu beitragen, die Auslastung der Glasfasernetze durch mehr Endkunden zu steigern.

Im Gespräch mit Moderator Klaus Winkler sagte Carstens weiter – (Livestream-Mitschnitt starten)

Carstens appellierte bei dem Netzwerktreffen einmal mehr an Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer sowie Betriebe, sich die Chance auf einen Glasfaseranschluss nicht entgehen zu lassen. „Das steigert den Marktwert Ihrer Immobilien und ist für kleine und mittelständische Betriebe in Zeiten zunehmender Digitalisierung ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.“ Die Landesregierung habe im vergangenen Jahr weitere 50 Millionen Euro zur Kofinanzierung des Glasfaserausbaus in förderbedürftigen Regionen bereitgestellt.

Der weitgehend flächendeckende Ausbau, der bis Ende 2025 geschafft sein soll, gelinge aber nicht allein durch Förderprojekte. „Wir sind deshalb froh, jetzt weitere fünf Partner an unserer Seite zu wissen, die sich für mehr Wettbewerb auf dem Netz und einen noch stärkeren Ausbau in Schleswig-Holstein stark machen. Nur so wird es möglich sein, Schleswig-Holstein flächendeckend mit Glasfaser zu erschließen“, sagte Carstens. Als „Wermutstropfen“ bezeichnete sie den bisherigen Verzicht der Deutschen Telekom auf eine Mitgliedschaft in dem Nord-Bündnis.

Christof Sommerberg, Bereichsleiter Public Affairs der Deutschen Glasfaser, sagte zum Beitritt seines Unternehmens: „Bei der Versorgung mit Glasfaser ist Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich bereits weit fortgeschritten. Die flächendeckende Digitalversorgung der Regionen ist und bleibt jedoch eine gesamtgesellschaftliche Mammutaufgabe. Daher freuen wir uns, dem Bündnis für den Glasfaserausbau beizutreten, um gemeinsam die digitale Zukunft des Landes mitzugestalten.“

Markus von Voss, Geschäftsführer der purtel.com GmbH: „Die purtel.com hat als neutraler Dienstelieferant für zahlreiche Stadtwerke bereits einen wichtigen Beitrag zum Glasfaserausbau in Schleswig-Holstein geleistet. Mit dem Beitritt zum Bündnis bekräftigen wir unser Engagement für fairen Wettbewerb und offene Netze. Als Aggregator und mit unserer geplanten Open Access Plattform wollen wir den Glasfasermarkt weiter öffnen und die Nutzung bestehender Netze für alle Marktteilnehmer wirtschaftlich und effizient gestalten.“

Philipp Riederer, Senior Advisor Germany der Bahnhof Nätverk GmbH: „Wir freuen uns, dem Bündnis beizutreten und unterstützen die Ziele voll und ganz. Schleswig-Holstein hat bereits wichtige Meilensteine erreicht, und wir fühlen uns geehrt, unsere Erfahrungen aus anderen Ländern in Schleswig-Holstein einbringen zu dürfen und somit einen Mehrwert zu schaffen. Wir wollen den Endkunden-Glasfasermarkt und die damit verbundenen Chancen ankurbeln“.

Dr. Frederic Ufer, VATM-Geschäftsführer, sagte: „Schleswig-Holstein gehört zu den Vorzeige-Bundesländern beim Glasfaserausbau, dank kluger politischer Weichenstellungen und der engen Abstimmung mit den ausbaustarken Unternehmen. Die Take-Up-Rate zu steigern und in einigen Jahren vom veralteten Kupfernetz zur hochleistungsfähigen Glasfaser zu migrieren, sind Herausforderungen, die Branche und Politik gemeinsam meistern müssen. Der VATM unterstützt daher sehr gerne als Mitglied das Bündnis für den Glasfaserausbau im nördlichsten Bundesland.“

Bahnstrecke Hamburg-Geesthacht: SH und HH stellen Weichen für Planungsstart

Schleswig-Holstein und Hamburg haben gemeinsam einen weiteren Meilenstein für die Reaktivierung der Bahnstrecke Hamburg-Geesthacht gesetzt: Am Freitagabend schlossen die Nachbarn eine Ländervereinbarung, die beidseitig gezeichnet werden kann, sobald der zuständige Wirtschafts- und Finanzausschuss in Schleswig-Holstein zugestimmt hat. Das ist für Mitte Februar vorgesehen. Mit der Ländervereinbarung werden Mittel in Höhe von 1,5 Millionen Euro freigegeben, mit denen die beauftragte AKN Eisenbahn GmbH (Kaltenkirchen) die Vorplanung für die Strecke starten kann.

Voraussichtlich Ende 2026 soll die Vorplanung abgeschlossen sein.

Verkehrsstaatssekretär Tobias von der Heide sagte dazu – Audio (im Browser) starten:

Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende der Freien und Hansestadt Hamburg: „Ich freue mich, dass Hamburg und Schleswig-Holstein einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Ausbau und Reaktivierung der Bahnstrecke Hamburg-Geesthacht gehen. Die gemeinsame Planung wird damit konkretisiert und die Grundlage für eine Schienenanbindung gelegt, von der der Achsenraum Hamburg – Geesthacht maßgeblich profitieren soll. Neben den schon in Bau befindlichen Linien S4-Ost zwischen Hamburg und Bad Oldesloe und S5 Hamburg – Kaltenkirchen ist die Strecke nach Geesthacht ein weiteres wichtiges Vorhaben, das beide Länder noch enger miteinander verbindet. Neue Schienenstrecken bieten zigtausenden Menschen in Stadt und Umland einen zuverlässigen und schnellen Zugang zum öffentlichen Nahverkehr. Sie entlasteten nachhaltig auch die Straßen in der Metropolregion und tragen der steigenden Nachfrage nach bequemer Mobilität ebenso Rechnung wie der Tatsache, dass die Metropolregion und Hamburg stetig wachsen.“

Phi-Stone wächst und begeistert den Wirtschafts- und Technologieminister

Neuer Phi-Stone-Produktions-Standort in Flintbek

Der international tätige Wirkstoffhersteller PhiStone hat heute in Flintbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde) eine Produktionshalle eröffnet. Das Unternehmen möchte dort unter anderem Hautpflegeprodukte und ein Wundschutzgel herstellen, das nach eigenen Angaben Herpesviren außer Kraft setzen kann. Zuletzt sei die Nachfrage nach den Produkten gestiegen, weshalb die Produktionskapazitäten umfassend erhöht werden mussten.

Hier ein paar Impressionen von der heutigen Eröffnung – Video starten…

Phi-Stone hat seinen Ursprung an der Kieler Christian-Albrechts-Universität. Für die neue Produktionshalle gab es im vergangenen September einen Förderbescheid über knapp 900.000 Euro vom Land. Damit wurden acht neue Öfen gebaut, die den Wirkstoff herstellen, insgesamt drei Tonnen pro Jahr. Vorher waren es 50 Kilogramm.

Laut Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen ist das ein Positivbeispiel, wie aus Forschung ein erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen wird. Das sei in den letzten Jahren gerade in Schleswig-Holstein eher selten gelungen. Am neuen Standort in Flintbek sind dadurch nun 30 Arbeitsplätze entstanden.

Arbeitstreffen: Bahnchef Lutz mit DB-Spitze zu Gast bei der Landesregierung

DB-Vorstandsvorsitzender Richard Lutz im Gespräch mit Verkehrsminister Madsen (links) und Verkehrs-Staatssekretär Tobias von der Heide

Die klimafreundliche Modernisierung der Schienen-Infrastruktur in den kommenden Jahren wird über die Frage entscheiden, wie schwungvoll in Deutschland die vielbeschworene Mobilitätswende gelingt. Ein Thema, dass vor allem die Deutsche Bahn als größtem Infrastruktur-Betreiber zu einem engen Verbündeten der Landesregierung macht.

Vor diesem Hintergrund fand heute auf Anregung von Ministerpräsident Daniel Günther in Kiel ein zwar hochrangiges, aber rein internes Arbeitstreffen in Kiel statt. Neben Bahnchef Lutz mit dabei: DB-Infrastrukturvorstand Berthold Huber, die beiden Konzernbevollmächtigten Tobias Heinemann (Gemeinwohlorientierte Schieneninfrastruktur) und Ute Plambeck (für die Nord-Länder) sowie Frank Limprecht, Leiter Infrastrukturprojekte Nord bei der DB InfraGo.

Über die Zwischenergebnisse vereinbarten die Teilnehmenden zunächst Stillschweigen. Allerdings: Im Frühjahr – voraussichtlich im Mai – wird es zu einem Folgetreffen kommen. «Und dann», so Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen, «streben wir eine konkrete Vereinbarung an».

Familienfreundlich: Carstens zeichnet 5 Betriebe im Kreis Schleswig-Flensburg aus

So geht Fachkräfte-Bindung: Das „Bündnis für Familie im Kreis Schleswig-Flensburg“ hat heute in Schleswig einmal mehr besonders familienfreundliche Arbeitgeber ausgezeichnet. Mit dabei: Unsere Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens.

Julia Carstens im Gespräch mit einer der Preisträgerinnen

Für die CDU-Politikerin eine echte Herzensangelegenheit: «Angesichts einer drohenden Fachkräftelücke in Schleswig-Holstein von über 325.000 Menschen im Jahr 2035 werden sich Betriebe künftig nicht mehr leisten können, familienfreundliche Arbeitsbedingungen außer acht zu lassen. Und zwar nicht nur bei der Einstellung, sondern als kontinuierliches Element des Personalmanagements», sagt Carstens. Und nach der Preisverleihung sagte sie weiter – Video starten…

Und die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs sind:

In der Branche Dienstleistungen: „tyskrevision Steuerberatungsgesellschaft“ aus Handewitt.

In der Branche Handwerk: Jan Brügge Bootsbau aus Grödersby

In der Branche Produzierendes Gewerbe: „Mau und Mittelmann“ aus Kappeln

und als „Dauerbrenner-Preisträger“ das Unternehmen „TRIXIE Heimtierbedarf“ aus Tarp

FSG und Nobiskrug: Optimismus für eine Rettung der Werften wächst

Die Zeit für die insolventen Werften Nobiskrug und FSG ist knapp. Die vorläufigen Insolvenzverwalter sind dennoch zuversichtlich. Doch zunächst müssten die Mitarbeiter einen Umweg mitmachen.

Die beiden Insolvenzverwalter erläutern dem Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister den Stand der Investorensuche

Die Perspektiven für die insolventen Werften Nobiskrug in Rendsburg und FSG in Flensburg haben sich offenbar verbessert. Die vorläufigen Insolvenzverwalter Hendrik Gittermann (Nobiskrug) und Christoph Morgen (FSG) sagten heute nach einer Versammlung mit den Beschäftigten, es gebe für jeden Standort jeweils einen Interessenten. Es seien Unternehmen aus der Branche.

Allerdings könne – sollte es in der zur Verfügung stehenden Zeit bis Ende Januar zu Einigungen kommen – nicht sofort mit der Arbeit an neuen Projekten begonnen werden. Die verbliebenen Beschäftigten, zuletzt war von 500 an beiden Standorten die Rede, müssten zunächst in eine Transfergesellschaft wechseln. Grund seien notwendige Investitionen. Außerdem müssten zum Beispiel für Kräne Tüv-Zertifikate erneuert werden. Nach Gittermanns Angaben wären für eine Transfergesellschaft zunächst drei Monate vorgesehen.

Hendrik Gittermann (links) kümmert sich um die Zukunft der Rendsburger Werft Nobiskrug, sein Kollege Christoph Morgen um die FSG

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther, der gemeinsam mit Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen an den Gesprächen teilnahm, äußerte sich optimistisch. «Sie sehen mich hier heute wirklich voller Zuversicht.» Seine Hoffnung sei groß, dass viele Beschäftigte bereit seien, in den nächsten schweren Monaten mitzuziehen. «Der Schritt in eine Transfergesellschaft ist beileibe kein einfacher Schritt, der gemacht werden muss.» Er habe an alle Mitarbeiter appelliert, diesen Weg mitzugehen, auch wenn das zunächst eine Verschlechterung der Bedingungen bedeute.

Das Land werde so weit wie möglich unterstützen, sagte Günther ohne Einzelheiten zu nennen. «Ich habe den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zugesichert, das Claus Ruhe Madsen und ich auch nicht zum letzten Mal im Januar hier sind.»

Zuversichtlich äußerte sich auch Martin Bitter von der IG Metall. Der Wechsel in eine Transfergesellschaft sei für die Beschäftigten zwar eine Zumutung. Es sei allerdings die einzige Möglichkeit, eine Perspektive aufzuzeigen. Die Finanzierung der Transfergesellschaft sei noch nicht gewährleistet, sagte Bitter. «Wir als IG Metall sehen hier in erster Linie eine Verantwortung bei den zukünftigen Investoren. Wir sehen aber auch eine Verantwortung beim Land.»

Der Rendsburger IG-Metall-Bevollmächtigte Martin Bittermann bei dem heutigen Treffen in Rendsburg

Zu dem Interessenten für die Nobiskrug-Werft sagte Gittermann, es sei ein deutsches Schiffbauunternehmen. «Alle Beteiligten hier trauen diesem Investor zu, hier zukünftig Schiffe zu bauen.» Den Betrieb wieder hochzufahren werde aber Zeit dauern und Geld kosten. «Wir sind sehr optimistisch, dass es für die überwiegende Zahl der Mitarbeiter eine Lösung geben wird.»

In Flensburg sei der Interessent ein deutsches Familienunternehmen, dass Werft- und Stahlbau betreibe, sagte Morgen. Es werde auch mit dem australischen Kunden verhandelt, für den eine Fähre bei der FSG im Bau sei. «Es ist von großem Interesse für diesen Kunden, dass das Schiff in Flensburg fertiggestellt wird.»

Am 12. Dezember 2024 war bekanntgeworden, dass die Amtsgerichte Flensburg und Neumünster für vier Gesellschaften der Werftengruppe des Investors Lars Windhorst die Insolvenzeröffnungsverfahren eingeleitet haben. Die beiden Werften gehören zur Tennor-Gruppe von Windhorst. Sie haben schon seit längerer Zeit Probleme.

Arbeitsmarkt 2025: Land und Bundesagentur verhalten optimistisch

In Schleswig-Holstein gibt es mehr Beschäftigte als 2023 – doch gleichzeitig auch mehr Arbeitslose. Der Ausblick, den heute der Chef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Markus Biercher, und Arbeits-Staatssekretär Tobias von der Heide wagten, steht dabei im Zeichen des demografischen Wandels.

Nach Angaben von Biercher stieg die Zahl der Beschäftigten in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr auf rund 1.058.000 Menschen. Dies seien 6.100 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte mehr als 2023, sagte er in Kiel bei der Vorstellung der Jahresbilanz des Arbeitsmarktes. Nie zuvor seien so viele Menschen in Lohn und Brot gewesen wie im September 2024. In dem Monat waren insgesamt 1.071.900 Menschen im nördlichsten Bundesland beschäftigt. Vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der öffentlichen Verwaltungen sei die Zahl der Beschäftigten gestiegen.

Allerdings gebe es auch Wirtschaftsbereiche, die Beschäftigungsverluste hinnehmen mussten, wie etwa der Handel oder das verarbeitende Gewerbe. «Trotz dieser positiven Gesamtentwicklung stieg gleichzeitig die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt auf 92.500 gemeldete Arbeitslose an», erklärte Biercher. Dies sei ein Plus von 4.700 zum Jahr 2023.

Im Gespräch mit Journalisten sagten Biercher und von der Heide weiter (Audios starten)

Markus Biercher (im Gespräch mit R.SH)

RD-Nord-Chef Markus Biercher und Arbeits-Staatssekretär Tobias von der Heide

Tobias von der Heide (im Gespräch mit NDR 1 Welle Nord)

Wie von der Heide mit Blick auf den Arbeitsmarkt weiter sagte, bleibe der Arbeits- und Fachkräftemangel die größte Herausforderung am Arbeitsmarkt. Dazu werde die Situation durch den demografischen Wandel angeheizt. «Unsere Arbeitsmarktprojektion geht in der Zehnjahresperspektive von über 300.000 Fach- und Arbeitskräften aus, die unserem Arbeitsmarkt fehlen werden», erklärte er. Das sei etwa ein Drittel des Arbeitsmarktes.

Biercher rechnet für 2025 trotz schwieriger Marktlage mit über 50.000 neu gemeldeten Arbeitsstellen in Schleswig-Holstein. «Unternehmen sollten sich dreimal überlegen, ob sie ihre langjährige Arbeits- und Fachkraft entlassen», betonte er. Ferner habe die berufliche Aus- und Weiterbildung von Arbeitssuchenden für die Arbeitsagenturen höchste Priorität. Auch sei sich intensiv um geflüchtete Menschen und ihren Weg in Arbeit gekümmert worden. Biercher: «Wir sind der festen Überzeugung, dass Arbeit das beste Instrument ist, um Menschen zu integrieren.»

Gleichzeitig sei Integration auch das beste Instrument, um dem Arbeits- und Fachkräftemangel wirkungsvoll zu begegnen. So sind laut Biercher im Jahr 2024 knapp 6.300 Ukrainerinnen und Ukrainer in Schleswig-Holstein beschäftigt. Dies seien rund 2.000 mehr als noch im Jahr zuvor.

Hier ein Teil-Mitschnitt des heutigen Pressegesprächs in der Regionaldirektion:

Arbeitslosenzahlen: Jahresdurchschnitt 202 zu 2023

  • insgesamt 92.500 / +4.700 oder +5,4 Prozent
  • Langzeitarbeitslosigkeit: 30.600 / +1.500 oder +5,2 Prozent
  • Unter 25: 9.400 / +800 oder +9,3 Prozent
  • 55 Jahre und älter: 22.487 / +1.600 oder +7,5 Prozent
  • Menschen mit Behinderung: 4.900 / +200 oder + 3,6 Prozent
  • Ausländer: 29.500 / +1.800 oder +6,5 Prozent
  • Arbeitslosenquote: 5,7 Prozent, im Vorjahr: 5,5 Prozent

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung 2024 zu 2023

  • 1.058.500, Anstieg um 6.100 oder 0,6 Prozent
  • Gesundheits- und Sozialwesen: +4.300
  • Öffentliche Verwaltung/Sozialversicherungen: +2.000
  • Verkehr und Logistik: +900
  • Handel: -2.100
  • Baugewerbe: -1.000
  • Verarbeitendes Gewerbe: -600

Bestand: sozialversicherungspflichtige Stellenangebote 2024 zu 2023

  • 25.100 / -1.800 oder -6,6 Prozent; Schwerpunkte: Gesundheits- und Sozialwesen, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen, Handel, Verarbeitendes Gewerbe, Baugewerbe, Öffentliche Verwaltung

Lübecks „Ratzeburger“ wird zum ersten Rad-Schnellweg des echten Nordens

Die Ratzeburger Allee in Lübeck wird zum ersten Radschnellweg Schleswig-Holsteins. Mit der Förderzusage von Bund und Land kann nun der Bau starten. Den Bescheid über knapp 8,5 Millionen Euro übergab Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute an Lübecks Bausenatorin Joanna Hagen (Foto). „Damit setzen wir ein deutliches Ausrufezeichen für das Radland Schleswig-Holstein und für die Mobilitätswende. Radschnellwege sind nicht nur ein Gewinn für den Klimaschutz, sondern auch für die Lebensqualität in unseren Städten und Gemeinden. Gerade im Alltag fördern wir damit den Wechsel aufs Rad. Das ist genau das Ziel, das wir mit unserer Radstrategie verfolgen „, betonte Madsen.

An der Ratzeburger Allee in Lübeck soll der erste Radschnellweg des Landes entstehen

Bundesverkehrsminister Volker Wissing sagte dazu: „Wir wollen klimaneutrale Mobilität für alle. Dafür brauchen die Menschen gute Angebote. Das Bundesverkehrsministerium unterstützt die Länder und Kommunen dabei, die Radverkehrsinfrastruktur vor Ort auszubauen und zu modernisieren. So unterstützen wir nun die Stadt Lübeck bei der Planung eines neuen Radschnellwegs. In Lübeck werden die Menschen künftig schnell, sicher und getrennt vom restlichen Verkehr radeln können. Das ist ein gutes Angebot für Radfahrer und Pendler und überzeugt hoffentlich auch viele weitere Menschen vom Umstieg auf das Fahrrad.“

In der Ratzeburger Allee wird auf rund 2,4 Kilometern vom Norden ab der Einmündung Stresemannstraße bis zur Stadtweide zukünftig ein Radschnellweg nach höchsten Qualitätsstandards entstehen. Die Strecke ist schon heute eine der wichtigsten Radrouten in Lübeck. Jeden Tag sind hier bis zu 5.000 Radfahrende unterwegs, die Zahl soll laut Prognosen auf bis zu 10.000 täglich ansteigen. Die Infrastruktur ist jedoch in einem schlechten Zustand und nicht breit genug. Der neue Radschnellweg wird mit drei Meter breiten Streifen je Fahrtrichtung genug Platz bieten, damit Radfahrende sicher überholen oder nebeneinanderfahren können und auch die zahlreichen Lastenräder ausreichend Platz finden. 

„Der Radschnellweg ist ein Herzensprojekt der Stadt und echte Pionierarbeit“, freute sich Bausenatorin Hagen. „Dank der großzügigen Förderung von Bund und Land kann die Hansestadt Lübeck zeigen, dass sie es mit Radverkehrsförderung ernst meint. Mit dem ersten Abschnitt ist es aber nicht getan, wir wollen den gesamten Radschnellweg gemeinsam Stück für Stück umsetzen.“

Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 11,8 Millionen Euro. Die Fördermittel setzen sich zusammen aus rund sieben Millionen Euro Bundesfinanzhilfen „Radschnellwege“ und rund 1,5 Millionen Euro aus der Landes-Förderrichtlinie „Ab aufs Rad“. Die Hansestadt Lübeck arbeitet hier eng mit der Metropolregion Hamburg zusammen, die ein ganzes Radschnellnetz in der Region etablieren will. Lübeck ist nun die erste Kommune, in der die regionalen Konzepte Realität werden sollen. Die gesamte Trasse des Radschnellwegs wird Lübeck von Bad Schwartau bis Groß Grönau durchqueren und so auch die Nachbargemeinden anbinden.

Qualitäts-Check: Die meisten Bahnhöfe im Land haben Luft nach oben

Boostedt im Kreis Segeberg verfügt nach einer Erhebung des Nahverkehrsverbunds Schleswig-Holstein (NAH.SH) über die beste Bahnstation im Land. Bei einer aktuellen Bewertung landet er mit der Note 1,3 auf dem Spitzenplatz. Mit Nützen (1,4), Holstentherme (1,5) und Wiemersdorf (1,5) folgen weitere Bahnhöfe im Kreis Segeberg. Für diese Stationen ist der Betreiber AKN zuständig.

Am schlechtesten schneiden bei der Überprüfung mit jeweils 4,25 die Stationen Hademarschen (Kreis Rendsburg-Eckernförde), Haffkrug (Kreis Ostholstein) und Büchen (Kreis Herzogtum Lauenburg) ab. Im Durchschnitt erhalten die Bahnhöfe und Haltestellen im Norden die Bewertung 3,02.

Bei der letzten im Auftrag von NAH.SH durchgeführten Qualitätskontrolle 2018 hatten die Tester noch die Gesamtnote 2,58 vergeben. Der aktuelle Bericht umfasst den Zeitraum vom 4. Quartal 2023 bis zum 3. Quartal 2024. Für die Kontrollen werden einmal im Quartal alle 183 Bahnstationen und Bahnhöfe in Schleswig-Holstein und zusätzlich die vom schleswig-holsteinischen Nahverkehr bedienten Hamburger Stationen unangemeldet kontrolliert. Dabei werden Wartekomfort, Fahrgastinformation, die Sauberkeit der Anlagen und die Instandhaltung bewertet. Zusätzlich werden auch B+R-Fahrradstellplätze und deren Auslastung sowie die Haltestellen des Schienenersatzverkehrs begutachtet.

Die Stationskontrolle zeige, dass es noch viele Schwachpunkte im System gebe, die dazu führten, dass die Fahrgäste sich teilweise nicht sicher bewegen könnten, kritisierte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU). «Die Infrastrukturbetreiber der Stationen müssen hier unbedingt nachbessern. Vor allem bei DB InfraGo sehen wir Handlungsbedarf.»

Netz für Akkuzugflotte komplett – Madsen: „Spurt in eine klimaneutrale Mobilität“

Pünktlich zum Fahrplanwechsel am Sonntag hat die Deutsche Bahn jetzt die letzte Ladeinsel für Akkuzüge am Bahnhof Tönning in Betrieb genommen. Parallel wurde in Kiel-Hassee das letzte Stück Oberleitung fertiggestellt. Damit ist das weltweit erste größere Netz für Akkuzüge im Personennahverkehr komplett. «Ein wichtiger Schritt für Schleswig–Holstein in Richtung klimaneutrale Mobilität. Die Bahnunternehmen erixx Holstein und Nordbahn können so nun auf allen Linien im Akkunetz mit Akkuzügen fahren», sagte heute Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen.

Auf rund 460 Kilometern Strecke verkehren statt Dieseltriebwagen jetzt 55 klimafreundliche Akkutriebwagen im Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein NAH.SH. So können jährlich rund 10 Millionen Liter Diesel eingespart und damit etwa 26.000 Tonnen CO2 vermieden werden. Für den Betrieb wird 100 Prozent Ökostrom bezogen. Die innovative Nachladeinfrastruktur in Schleswig-Holstein wurde seit 2022 aufgebaut und gilt als Leuchtturm-Projekt bundesweit. So ist der Wechsel auf Akkuzüge beispielsweise auch in Niedersachsen geplant.

«Dieses Projekt beweist, wie effizient und zukunftsorientiert nachhaltige Mobilität gestaltet werden kann, wenn alle Beteiligten entschlossen zusammenarbeiten. In kürzester Zeit haben wir es gemeinsam geschafft, mit wenigen neuen Oberleitungen in Schleswig-Holstein klimafreundliche Mobilität zu realisieren. Die jetzt vollständige Einführung der Akkuzüge ist ein Meilenstein, und Schleswig-Holstein ist wieder einmal Vorreiter. Übrigens auch in Sachen Komfort für die Fahrgäste», sagte Madsen.

Nach den Worten der DB Konzernbevollmächtigten für Schleswig-.Holstein und Hamburg, Ute Plambeck, habe der Konzern gemeinsam mit der DB InfraGO und der DB Energie eine innovative Akku-Ladeinfrastruktur aufgebaut.«Dieses Leuchtturm-Projekt ermöglicht es, die verkehrs- und klimapolitischen Ziele des Landes Schleswig-Holstein zu erreichen, jährlich Millionen Liter Diesel einzusparen – und es beweist, wie sich Nachhaltigkeit und technische Innovation erfolgreich verbinden lassen, um eine zukunftsfähige Infrastruktur zu schaffen», so Plambeck.

Die Akku-Nachladeinfrastruktur biete zwei Vorteile gegenüber einer vollständigen Elektrifizierung des Streckennetzes: Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Die Umsetzung sei besonders schnell möglich, da Genehmigungsverfahren nur für den Bau kurzer Abschnitte nötig und deswegen weniger langwierig sei.

In Schleswig-Holstein hatte die DB zunächst in den Bahnhöfen Kiel, Büchen, Bad Oldesloe und Flensburg neue Oberleitungen gezogen beziehungsweise verlängert, um ein Aufladen zu ermöglichen. In einem zweiten Schritt wurden Oberleitungsinselanlagen in den Bahnhöfen Husum, Heide und Tönning gebaut. Mithilfe eines kurzen Stücks Oberleitung und mit einem eigenen Ladeunterwerk entstehen so „Inseln“ zum Laden der Akkuzüge.

Das Land hatte sich in einer technologieoffenen Ausschreibung für die Beschaffung der Akkuzüge entschieden. 2023 wurde der Betrieb auf der ersten Strecke aufgenommen.