Archiv der Kategorie: Allgemein

Phi-Stone wächst und begeistert den Wirtschafts- und Technologieminister

Neuer Phi-Stone-Produktions-Standort in Flintbek

Der international tätige Wirkstoffhersteller PhiStone hat heute in Flintbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde) eine Produktionshalle eröffnet. Das Unternehmen möchte dort unter anderem Hautpflegeprodukte und ein Wundschutzgel herstellen, das nach eigenen Angaben Herpesviren außer Kraft setzen kann. Zuletzt sei die Nachfrage nach den Produkten gestiegen, weshalb die Produktionskapazitäten umfassend erhöht werden mussten.

Hier ein paar Impressionen von der heutigen Eröffnung – Video starten…

Phi-Stone hat seinen Ursprung an der Kieler Christian-Albrechts-Universität. Für die neue Produktionshalle gab es im vergangenen September einen Förderbescheid über knapp 900.000 Euro vom Land. Damit wurden acht neue Öfen gebaut, die den Wirkstoff herstellen, insgesamt drei Tonnen pro Jahr. Vorher waren es 50 Kilogramm.

Laut Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen ist das ein Positivbeispiel, wie aus Forschung ein erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen wird. Das sei in den letzten Jahren gerade in Schleswig-Holstein eher selten gelungen. Am neuen Standort in Flintbek sind dadurch nun 30 Arbeitsplätze entstanden.

Arbeitstreffen: Bahnchef Lutz mit DB-Spitze zu Gast bei der Landesregierung

DB-Vorstandsvorsitzender Richard Lutz im Gespräch mit Verkehrsminister Madsen (links) und Verkehrs-Staatssekretär Tobias von der Heide

Die klimafreundliche Modernisierung der Schienen-Infrastruktur in den kommenden Jahren wird über die Frage entscheiden, wie schwungvoll in Deutschland die vielbeschworene Mobilitätswende gelingt. Ein Thema, dass vor allem die Deutsche Bahn als größtem Infrastruktur-Betreiber zu einem engen Verbündeten der Landesregierung macht.

Vor diesem Hintergrund fand heute auf Anregung von Ministerpräsident Daniel Günther in Kiel ein zwar hochrangiges, aber rein internes Arbeitstreffen in Kiel statt. Neben Bahnchef Lutz mit dabei: DB-Infrastrukturvorstand Berthold Huber, die beiden Konzernbevollmächtigten Tobias Heinemann (Gemeinwohlorientierte Schieneninfrastruktur) und Ute Plambeck (für die Nord-Länder) sowie Frank Limprecht, Leiter Infrastrukturprojekte Nord bei der DB InfraGo.

Über die Zwischenergebnisse vereinbarten die Teilnehmenden zunächst Stillschweigen. Allerdings: Im Frühjahr – voraussichtlich im Mai – wird es zu einem Folgetreffen kommen. «Und dann», so Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen, «streben wir eine konkrete Vereinbarung an».

Familienfreundlich: Carstens zeichnet 5 Betriebe im Kreis Schleswig-Flensburg aus

So geht Fachkräfte-Bindung: Das „Bündnis für Familie im Kreis Schleswig-Flensburg“ hat heute in Schleswig einmal mehr besonders familienfreundliche Arbeitgeber ausgezeichnet. Mit dabei: Unsere Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens.

Julia Carstens im Gespräch mit einer der Preisträgerinnen

Für die CDU-Politikerin eine echte Herzensangelegenheit: «Angesichts einer drohenden Fachkräftelücke in Schleswig-Holstein von über 325.000 Menschen im Jahr 2035 werden sich Betriebe künftig nicht mehr leisten können, familienfreundliche Arbeitsbedingungen außer acht zu lassen. Und zwar nicht nur bei der Einstellung, sondern als kontinuierliches Element des Personalmanagements», sagt Carstens. Und nach der Preisverleihung sagte sie weiter – Video starten…

Und die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs sind:

In der Branche Dienstleistungen: „tyskrevision Steuerberatungsgesellschaft“ aus Handewitt.

In der Branche Handwerk: Jan Brügge Bootsbau aus Grödersby

In der Branche Produzierendes Gewerbe: „Mau und Mittelmann“ aus Kappeln

und als „Dauerbrenner-Preisträger“ das Unternehmen „TRIXIE Heimtierbedarf“ aus Tarp

FSG und Nobiskrug: Optimismus für eine Rettung der Werften wächst

Die Zeit für die insolventen Werften Nobiskrug und FSG ist knapp. Die vorläufigen Insolvenzverwalter sind dennoch zuversichtlich. Doch zunächst müssten die Mitarbeiter einen Umweg mitmachen.

Die beiden Insolvenzverwalter erläutern dem Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister den Stand der Investorensuche

Die Perspektiven für die insolventen Werften Nobiskrug in Rendsburg und FSG in Flensburg haben sich offenbar verbessert. Die vorläufigen Insolvenzverwalter Hendrik Gittermann (Nobiskrug) und Christoph Morgen (FSG) sagten heute nach einer Versammlung mit den Beschäftigten, es gebe für jeden Standort jeweils einen Interessenten. Es seien Unternehmen aus der Branche.

Allerdings könne – sollte es in der zur Verfügung stehenden Zeit bis Ende Januar zu Einigungen kommen – nicht sofort mit der Arbeit an neuen Projekten begonnen werden. Die verbliebenen Beschäftigten, zuletzt war von 500 an beiden Standorten die Rede, müssten zunächst in eine Transfergesellschaft wechseln. Grund seien notwendige Investitionen. Außerdem müssten zum Beispiel für Kräne Tüv-Zertifikate erneuert werden. Nach Gittermanns Angaben wären für eine Transfergesellschaft zunächst drei Monate vorgesehen.

Hendrik Gittermann (links) kümmert sich um die Zukunft der Rendsburger Werft Nobiskrug, sein Kollege Christoph Morgen um die FSG

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther, der gemeinsam mit Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen an den Gesprächen teilnahm, äußerte sich optimistisch. «Sie sehen mich hier heute wirklich voller Zuversicht.» Seine Hoffnung sei groß, dass viele Beschäftigte bereit seien, in den nächsten schweren Monaten mitzuziehen. «Der Schritt in eine Transfergesellschaft ist beileibe kein einfacher Schritt, der gemacht werden muss.» Er habe an alle Mitarbeiter appelliert, diesen Weg mitzugehen, auch wenn das zunächst eine Verschlechterung der Bedingungen bedeute.

Das Land werde so weit wie möglich unterstützen, sagte Günther ohne Einzelheiten zu nennen. «Ich habe den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zugesichert, das Claus Ruhe Madsen und ich auch nicht zum letzten Mal im Januar hier sind.»

Zuversichtlich äußerte sich auch Martin Bitter von der IG Metall. Der Wechsel in eine Transfergesellschaft sei für die Beschäftigten zwar eine Zumutung. Es sei allerdings die einzige Möglichkeit, eine Perspektive aufzuzeigen. Die Finanzierung der Transfergesellschaft sei noch nicht gewährleistet, sagte Bitter. «Wir als IG Metall sehen hier in erster Linie eine Verantwortung bei den zukünftigen Investoren. Wir sehen aber auch eine Verantwortung beim Land.»

Der Rendsburger IG-Metall-Bevollmächtigte Martin Bittermann bei dem heutigen Treffen in Rendsburg

Zu dem Interessenten für die Nobiskrug-Werft sagte Gittermann, es sei ein deutsches Schiffbauunternehmen. «Alle Beteiligten hier trauen diesem Investor zu, hier zukünftig Schiffe zu bauen.» Den Betrieb wieder hochzufahren werde aber Zeit dauern und Geld kosten. «Wir sind sehr optimistisch, dass es für die überwiegende Zahl der Mitarbeiter eine Lösung geben wird.»

In Flensburg sei der Interessent ein deutsches Familienunternehmen, dass Werft- und Stahlbau betreibe, sagte Morgen. Es werde auch mit dem australischen Kunden verhandelt, für den eine Fähre bei der FSG im Bau sei. «Es ist von großem Interesse für diesen Kunden, dass das Schiff in Flensburg fertiggestellt wird.»

Am 12. Dezember 2024 war bekanntgeworden, dass die Amtsgerichte Flensburg und Neumünster für vier Gesellschaften der Werftengruppe des Investors Lars Windhorst die Insolvenzeröffnungsverfahren eingeleitet haben. Die beiden Werften gehören zur Tennor-Gruppe von Windhorst. Sie haben schon seit längerer Zeit Probleme.

Arbeitsmarkt 2025: Land und Bundesagentur verhalten optimistisch

In Schleswig-Holstein gibt es mehr Beschäftigte als 2023 – doch gleichzeitig auch mehr Arbeitslose. Der Ausblick, den heute der Chef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Markus Biercher, und Arbeits-Staatssekretär Tobias von der Heide wagten, steht dabei im Zeichen des demografischen Wandels.

Nach Angaben von Biercher stieg die Zahl der Beschäftigten in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr auf rund 1.058.000 Menschen. Dies seien 6.100 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte mehr als 2023, sagte er in Kiel bei der Vorstellung der Jahresbilanz des Arbeitsmarktes. Nie zuvor seien so viele Menschen in Lohn und Brot gewesen wie im September 2024. In dem Monat waren insgesamt 1.071.900 Menschen im nördlichsten Bundesland beschäftigt. Vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der öffentlichen Verwaltungen sei die Zahl der Beschäftigten gestiegen.

Allerdings gebe es auch Wirtschaftsbereiche, die Beschäftigungsverluste hinnehmen mussten, wie etwa der Handel oder das verarbeitende Gewerbe. «Trotz dieser positiven Gesamtentwicklung stieg gleichzeitig die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt auf 92.500 gemeldete Arbeitslose an», erklärte Biercher. Dies sei ein Plus von 4.700 zum Jahr 2023.

Im Gespräch mit Journalisten sagten Biercher und von der Heide weiter (Audios starten)

Markus Biercher (im Gespräch mit R.SH)

RD-Nord-Chef Markus Biercher und Arbeits-Staatssekretär Tobias von der Heide

Tobias von der Heide (im Gespräch mit NDR 1 Welle Nord)

Wie von der Heide mit Blick auf den Arbeitsmarkt weiter sagte, bleibe der Arbeits- und Fachkräftemangel die größte Herausforderung am Arbeitsmarkt. Dazu werde die Situation durch den demografischen Wandel angeheizt. «Unsere Arbeitsmarktprojektion geht in der Zehnjahresperspektive von über 300.000 Fach- und Arbeitskräften aus, die unserem Arbeitsmarkt fehlen werden», erklärte er. Das sei etwa ein Drittel des Arbeitsmarktes.

Biercher rechnet für 2025 trotz schwieriger Marktlage mit über 50.000 neu gemeldeten Arbeitsstellen in Schleswig-Holstein. «Unternehmen sollten sich dreimal überlegen, ob sie ihre langjährige Arbeits- und Fachkraft entlassen», betonte er. Ferner habe die berufliche Aus- und Weiterbildung von Arbeitssuchenden für die Arbeitsagenturen höchste Priorität. Auch sei sich intensiv um geflüchtete Menschen und ihren Weg in Arbeit gekümmert worden. Biercher: «Wir sind der festen Überzeugung, dass Arbeit das beste Instrument ist, um Menschen zu integrieren.»

Gleichzeitig sei Integration auch das beste Instrument, um dem Arbeits- und Fachkräftemangel wirkungsvoll zu begegnen. So sind laut Biercher im Jahr 2024 knapp 6.300 Ukrainerinnen und Ukrainer in Schleswig-Holstein beschäftigt. Dies seien rund 2.000 mehr als noch im Jahr zuvor.

Hier ein Teil-Mitschnitt des heutigen Pressegesprächs in der Regionaldirektion:

Arbeitslosenzahlen: Jahresdurchschnitt 202 zu 2023

  • insgesamt 92.500 / +4.700 oder +5,4 Prozent
  • Langzeitarbeitslosigkeit: 30.600 / +1.500 oder +5,2 Prozent
  • Unter 25: 9.400 / +800 oder +9,3 Prozent
  • 55 Jahre und älter: 22.487 / +1.600 oder +7,5 Prozent
  • Menschen mit Behinderung: 4.900 / +200 oder + 3,6 Prozent
  • Ausländer: 29.500 / +1.800 oder +6,5 Prozent
  • Arbeitslosenquote: 5,7 Prozent, im Vorjahr: 5,5 Prozent

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung 2024 zu 2023

  • 1.058.500, Anstieg um 6.100 oder 0,6 Prozent
  • Gesundheits- und Sozialwesen: +4.300
  • Öffentliche Verwaltung/Sozialversicherungen: +2.000
  • Verkehr und Logistik: +900
  • Handel: -2.100
  • Baugewerbe: -1.000
  • Verarbeitendes Gewerbe: -600

Bestand: sozialversicherungspflichtige Stellenangebote 2024 zu 2023

  • 25.100 / -1.800 oder -6,6 Prozent; Schwerpunkte: Gesundheits- und Sozialwesen, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen, Handel, Verarbeitendes Gewerbe, Baugewerbe, Öffentliche Verwaltung

Lübecks „Ratzeburger“ wird zum ersten Rad-Schnellweg des echten Nordens

Die Ratzeburger Allee in Lübeck wird zum ersten Radschnellweg Schleswig-Holsteins. Mit der Förderzusage von Bund und Land kann nun der Bau starten. Den Bescheid über knapp 8,5 Millionen Euro übergab Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute an Lübecks Bausenatorin Joanna Hagen (Foto). „Damit setzen wir ein deutliches Ausrufezeichen für das Radland Schleswig-Holstein und für die Mobilitätswende. Radschnellwege sind nicht nur ein Gewinn für den Klimaschutz, sondern auch für die Lebensqualität in unseren Städten und Gemeinden. Gerade im Alltag fördern wir damit den Wechsel aufs Rad. Das ist genau das Ziel, das wir mit unserer Radstrategie verfolgen „, betonte Madsen.

An der Ratzeburger Allee in Lübeck soll der erste Radschnellweg des Landes entstehen

Bundesverkehrsminister Volker Wissing sagte dazu: „Wir wollen klimaneutrale Mobilität für alle. Dafür brauchen die Menschen gute Angebote. Das Bundesverkehrsministerium unterstützt die Länder und Kommunen dabei, die Radverkehrsinfrastruktur vor Ort auszubauen und zu modernisieren. So unterstützen wir nun die Stadt Lübeck bei der Planung eines neuen Radschnellwegs. In Lübeck werden die Menschen künftig schnell, sicher und getrennt vom restlichen Verkehr radeln können. Das ist ein gutes Angebot für Radfahrer und Pendler und überzeugt hoffentlich auch viele weitere Menschen vom Umstieg auf das Fahrrad.“

In der Ratzeburger Allee wird auf rund 2,4 Kilometern vom Norden ab der Einmündung Stresemannstraße bis zur Stadtweide zukünftig ein Radschnellweg nach höchsten Qualitätsstandards entstehen. Die Strecke ist schon heute eine der wichtigsten Radrouten in Lübeck. Jeden Tag sind hier bis zu 5.000 Radfahrende unterwegs, die Zahl soll laut Prognosen auf bis zu 10.000 täglich ansteigen. Die Infrastruktur ist jedoch in einem schlechten Zustand und nicht breit genug. Der neue Radschnellweg wird mit drei Meter breiten Streifen je Fahrtrichtung genug Platz bieten, damit Radfahrende sicher überholen oder nebeneinanderfahren können und auch die zahlreichen Lastenräder ausreichend Platz finden. 

„Der Radschnellweg ist ein Herzensprojekt der Stadt und echte Pionierarbeit“, freute sich Bausenatorin Hagen. „Dank der großzügigen Förderung von Bund und Land kann die Hansestadt Lübeck zeigen, dass sie es mit Radverkehrsförderung ernst meint. Mit dem ersten Abschnitt ist es aber nicht getan, wir wollen den gesamten Radschnellweg gemeinsam Stück für Stück umsetzen.“

Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 11,8 Millionen Euro. Die Fördermittel setzen sich zusammen aus rund sieben Millionen Euro Bundesfinanzhilfen „Radschnellwege“ und rund 1,5 Millionen Euro aus der Landes-Förderrichtlinie „Ab aufs Rad“. Die Hansestadt Lübeck arbeitet hier eng mit der Metropolregion Hamburg zusammen, die ein ganzes Radschnellnetz in der Region etablieren will. Lübeck ist nun die erste Kommune, in der die regionalen Konzepte Realität werden sollen. Die gesamte Trasse des Radschnellwegs wird Lübeck von Bad Schwartau bis Groß Grönau durchqueren und so auch die Nachbargemeinden anbinden.

Qualitäts-Check: Die meisten Bahnhöfe im Land haben Luft nach oben

Boostedt im Kreis Segeberg verfügt nach einer Erhebung des Nahverkehrsverbunds Schleswig-Holstein (NAH.SH) über die beste Bahnstation im Land. Bei einer aktuellen Bewertung landet er mit der Note 1,3 auf dem Spitzenplatz. Mit Nützen (1,4), Holstentherme (1,5) und Wiemersdorf (1,5) folgen weitere Bahnhöfe im Kreis Segeberg. Für diese Stationen ist der Betreiber AKN zuständig.

Am schlechtesten schneiden bei der Überprüfung mit jeweils 4,25 die Stationen Hademarschen (Kreis Rendsburg-Eckernförde), Haffkrug (Kreis Ostholstein) und Büchen (Kreis Herzogtum Lauenburg) ab. Im Durchschnitt erhalten die Bahnhöfe und Haltestellen im Norden die Bewertung 3,02.

Bei der letzten im Auftrag von NAH.SH durchgeführten Qualitätskontrolle 2018 hatten die Tester noch die Gesamtnote 2,58 vergeben. Der aktuelle Bericht umfasst den Zeitraum vom 4. Quartal 2023 bis zum 3. Quartal 2024. Für die Kontrollen werden einmal im Quartal alle 183 Bahnstationen und Bahnhöfe in Schleswig-Holstein und zusätzlich die vom schleswig-holsteinischen Nahverkehr bedienten Hamburger Stationen unangemeldet kontrolliert. Dabei werden Wartekomfort, Fahrgastinformation, die Sauberkeit der Anlagen und die Instandhaltung bewertet. Zusätzlich werden auch B+R-Fahrradstellplätze und deren Auslastung sowie die Haltestellen des Schienenersatzverkehrs begutachtet.

Die Stationskontrolle zeige, dass es noch viele Schwachpunkte im System gebe, die dazu führten, dass die Fahrgäste sich teilweise nicht sicher bewegen könnten, kritisierte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU). «Die Infrastrukturbetreiber der Stationen müssen hier unbedingt nachbessern. Vor allem bei DB InfraGo sehen wir Handlungsbedarf.»

Netz für Akkuzugflotte komplett – Madsen: „Spurt in eine klimaneutrale Mobilität“

Pünktlich zum Fahrplanwechsel am Sonntag hat die Deutsche Bahn jetzt die letzte Ladeinsel für Akkuzüge am Bahnhof Tönning in Betrieb genommen. Parallel wurde in Kiel-Hassee das letzte Stück Oberleitung fertiggestellt. Damit ist das weltweit erste größere Netz für Akkuzüge im Personennahverkehr komplett. «Ein wichtiger Schritt für Schleswig–Holstein in Richtung klimaneutrale Mobilität. Die Bahnunternehmen erixx Holstein und Nordbahn können so nun auf allen Linien im Akkunetz mit Akkuzügen fahren», sagte heute Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen.

Auf rund 460 Kilometern Strecke verkehren statt Dieseltriebwagen jetzt 55 klimafreundliche Akkutriebwagen im Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein NAH.SH. So können jährlich rund 10 Millionen Liter Diesel eingespart und damit etwa 26.000 Tonnen CO2 vermieden werden. Für den Betrieb wird 100 Prozent Ökostrom bezogen. Die innovative Nachladeinfrastruktur in Schleswig-Holstein wurde seit 2022 aufgebaut und gilt als Leuchtturm-Projekt bundesweit. So ist der Wechsel auf Akkuzüge beispielsweise auch in Niedersachsen geplant.

«Dieses Projekt beweist, wie effizient und zukunftsorientiert nachhaltige Mobilität gestaltet werden kann, wenn alle Beteiligten entschlossen zusammenarbeiten. In kürzester Zeit haben wir es gemeinsam geschafft, mit wenigen neuen Oberleitungen in Schleswig-Holstein klimafreundliche Mobilität zu realisieren. Die jetzt vollständige Einführung der Akkuzüge ist ein Meilenstein, und Schleswig-Holstein ist wieder einmal Vorreiter. Übrigens auch in Sachen Komfort für die Fahrgäste», sagte Madsen.

Nach den Worten der DB Konzernbevollmächtigten für Schleswig-.Holstein und Hamburg, Ute Plambeck, habe der Konzern gemeinsam mit der DB InfraGO und der DB Energie eine innovative Akku-Ladeinfrastruktur aufgebaut.«Dieses Leuchtturm-Projekt ermöglicht es, die verkehrs- und klimapolitischen Ziele des Landes Schleswig-Holstein zu erreichen, jährlich Millionen Liter Diesel einzusparen – und es beweist, wie sich Nachhaltigkeit und technische Innovation erfolgreich verbinden lassen, um eine zukunftsfähige Infrastruktur zu schaffen», so Plambeck.

Die Akku-Nachladeinfrastruktur biete zwei Vorteile gegenüber einer vollständigen Elektrifizierung des Streckennetzes: Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Die Umsetzung sei besonders schnell möglich, da Genehmigungsverfahren nur für den Bau kurzer Abschnitte nötig und deswegen weniger langwierig sei.

In Schleswig-Holstein hatte die DB zunächst in den Bahnhöfen Kiel, Büchen, Bad Oldesloe und Flensburg neue Oberleitungen gezogen beziehungsweise verlängert, um ein Aufladen zu ermöglichen. In einem zweiten Schritt wurden Oberleitungsinselanlagen in den Bahnhöfen Husum, Heide und Tönning gebaut. Mithilfe eines kurzen Stücks Oberleitung und mit einem eigenen Ladeunterwerk entstehen so „Inseln“ zum Laden der Akkuzüge.

Das Land hatte sich in einer technologieoffenen Ausschreibung für die Beschaffung der Akkuzüge entschieden. 2023 wurde der Betrieb auf der ersten Strecke aufgenommen.

FSG und Nobiskrug: Nun gehen die Insolvenzverwalter an Bord

Am Ende entschieden die Gerichte in Flensburg und Neumünster: Nach Anträgen von mehreren Gläubigern wurden heute für vier Gesellschaften der Werftengruppe FSG-Nobiskrug Insolvenzeröffnungsverfahren eingeleitet. Betroffen sind die FSG-Nobiskrug Holding GmbH, die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft mbH, die Nobiskrug Yachts GmbH und die FSG Nobiskrug Design GmbH mit den Werftstandorten Flensburg und Rendsburg.

Das gaben die beiden eingesetzten Insolvenzverwalter Christoph Morgen (FSG) und Hendrik Gittermann (Nobis) bei Betriebsversammlungen an beiden Standorten bekannt. Beide Experten sollen Sanierungslösungen für die Werftengruppe erarbeiten. Um die Löhne und Gehälter der knapp 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – rund 340 in Flensburg und 140 in Rendsburg – kurzfristig zu sichern, wurde eine Insolvenzgeldvorfinanzierung eingeleitet. Sie umfasst die Lohn- und Gehaltszahlungen bis einschließlich Januar 2025 und beinhaltet auch die noch ausstehenden Novembergehälter.

Hier ein Livestream der Pressekonferenz bei der FSG

Die vorläufigen Insolvenzverwalter werden jetzt Kontakt mit den Auftraggebern für die zwei bereits begonnenen Schiffsbauten an den Werftstandorten in Flensburg und Rendsburg aufnehmen. Dabei handelt es sich um eine RoRo-Fähre (FSG) und eine Superyacht (Nobiskrug). Falls erforderlich, wollen Morgen und Gittermann anschließend mit der Bundes- und Landesregierung über Möglichkeiten der Unterstützung bei der Zwischenfinanzierung von Baukosten bis zur Abnahme und Zahlung durch die Auftraggeber sprechen. Parallel werden sie weitere Optionen für eine Sanierung der renommierten Werften erarbeiten.

Ähnlich wie beide Insolvenzverwalter hat sich Wirtschaftsminister Madsen «fassungslos» über die Lage beider Werften gezeigt. Er habe im Büro in den gepanzerten Schrank blicken dürfen und weit über 100 Gerichtsschreiben von Schuldnern gesehen, die auch schon bestätigt seien, sagte er in Flensburg nach einer Betriebsversammlung. «Das ist geradezu erschütternd.»

Im Gespräch mit Journalisten sagte Madsen weiter – Audio starten

Einen dermaßen rücksichtslosen Unternehmer habe er noch nicht erlebt, sagte Madsen mit Blick auf den abwesenden Werfteigentümer, Investor Lars Windhorst. Allein dass man über Monate Gehälter nur schleppend oder gar nicht zahlt, sei verantwortungslos. Es seien nicht einmal Versicherungen bezahlt worden, Maschinen hätten keinen TÜV – «einen viel schlimmeren Eindruck konnte man eigentlich nicht bekommen. Das hat mich ziemlich erschreckt und auch bedrückt».

Der Minister sagte, die Bürgschaftschaftsbank habe schon ihre Bereitschaft erklärt, unterstützend zu sein. «Wir haben versprochen in Bankengespräche mit einzusteigen, einfach um zu zeigen, dass wir eine gemeinsame Zielsetzung haben.» Auch Richtung Bund habe er schon «die Finger ausgestreckt in der Hoffnung, dass man uns auch unterstützen wird». Er glaube, es sei jedem klar, für die nationale Sicherheit und die Energiesicherheit brauche man Werften.

Handy-Netz: Das Funklock bei Bahrenhof im Kreis Segeberg ist bald gestopft

Madsen mit MIG-Chef Wilmsmann (rechts) und Ralf Capito von der Vantage Towers AG, die den neuen Funkmast errichten wird

Digitaler Rückenwind für alle Handynutzer rund um Bahrenhof im Kreis Segeberg: Für den Bau eines neuen Mobilfunkmasts übergaben heute Technologieminister Claus Ruhe Madsen und Ernst Ferdinand Wilmsmann, Geschäftsführer der Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft (MIG), einen Förderbescheid an die Vantage Towers AG. Das Unternehmen soll in der Gemeinde im kommenden Jahr den Sender errichten und erhält dafür vom Bund knapp 700.000 Euro. Spätestens Anfang 2026 soll dann der weiße Fleck endgültig Geschichte sein.

Die drei Mobilfunknetzbetreiber Telefónica, Telekom und Vodafone hatten sich zuvor gegenüber der MIG bereits verpflichtet, den neuen Mast künftig zu nutzen. «Die Aufgabe, eine wirklich flächendeckende Versorgung in allen Netzen herzustellen, behält für uns höchste Priorität«, sagte Madsen. Der geförderte Mast werde nicht nur den ‚weißen Fleck‘ in der Nähe von Bahrenhof versorgen, sondern auch in den umliegenden Gemeinden den Mobilfunkempfang spürbar verbessern. Und da drei Netzbetreiber bereits zugesagt hätten, die Anlage zu nutzen, entstehe dort auch kein neuer ‚grauer Fleck‘, wo man nur mit der ‚richtigen‘ SIM-Karte telefonieren könne, so der Minister weiter. «Eine solche gemeinsame Nutzung von Standorten halte ich für ein zielführendes Modell, um die Versorgungsqualität in Regionen, die für den eigenwirtschaftlichen Mobilfunknetzausbau weniger interessant sind, auch nach dem Ende der Mobilfunkförderung voranzubringen.»

MIG-Geschäftsführer Wilmsmann sagte: «Schleswig-Holstein verfügt aufgrund der günstigen geografischen Bedingungen schon jetzt über eine sehr gute Mobilfunkversorgung. Aber auch in Schleswig-Holstein haben wir den Bedarf für den Bau eines geförderten Mobilfunkmasts identifiziert, damit ein bisher noch vorhandener ‚weißer Mobilfunkfleck‘ künftig von der Netzkarte verschwindet. Mit dem Förderprojekt im nördlichsten Bundesland profitieren nun alle Flächenländer von der Mobilfunkförderung des Bundes, die von der MIG umgesetzt wird. Ich danke allen Beteiligten die Hand in Hand gearbeitet haben, um dieses Projekt erfolgreich voranzutreiben. Jetzt muss der neue Mast zügig gebaut und in Betrieb genommen werden.»

Freude auch bei Segebergs Landrat Jan Peter Schröder: «In einem Flächenkreis wie unserem ist eine gute Mobilfunkversorgung enorm wichtig. Daher freue ich mich, dass mit dem geförderten Telefonmastausbau letzte Lücken geschlossen werden können und alle davon profitieren.»