Archiv der Kategorie: Allgemein

Neue Ziele, neue Chefin: Madsen sieht in Bahn-Reform den richtigen Schritt

Neue Chefin, neue Ziele: Mit seiner Bahn-Strategie will Verkehrsminister Patrick Schnieder den bundeseigenen Konzern aus der Krise führen. Wann es für Fahrgäste tatsächlich besser wird, bleibt aber offen. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Madsen lobt die Ankündigung als «ehrlich».

Evelyn Palla und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder heute in Berlin vor der Bundespressekonferenz

«Die Agenda für zufriedene Kunden setzt realistische Ziele und ist ein wichtiger Schritt, um die DB und den gesamten Schienensektor wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Die klaren Ziele – mehr Zuverlässigkeit, wirtschaftliche Stabilität, Gemeinwohlorientierung, schnelle Umsetzung und wirksame Steuerung – greifen zentrale Anliegen der Länder auf», sagte Madsen nach der heutigen Vorstellung der neuen Bahn-Strategie in Berlin.

Schnieder will die Krise der Deutschen Bahn unter anderem mit abgeschwächten Pünktlichkeitszielen und einem Fokus auf Sauberkeit und Sicherheit angehen. Die bisherige Vorständin für den Regionalverkehr, Evelyn Palla, wird den Konzern künftig führen. Sie löst damit den bisherigen Bahnchef Richard Lutz ab, dessen Aus Mitte August bekannt wurde. Schnieder gab zudem das Ziel aus, dass bis Ende 2029 mindestens 70 Prozent der Fernzüge ohne größere Verzögerungen im Netz unterwegs sind. Die bisherigen, deutlich höheren Ziele der Bahn selbst, kritisierte er als «jenseits aller Realität» und als nicht annähernd erreichbar. Die Bahn wollte bereits im Jahr 2027 eine Pünktlichkeit von mindestens 75 Prozent schaffen.

Mittelfristig soll die Quote nun laut Ministerium bei mindestens 80 Prozent liegen, langfristig bei mindestens 90 Prozent. Im Nahverkehr soll die Pünktlichkeit dauerhaft mehr als 90 Prozent betragen. Ein konkreter Zeitraum für diese Ziele geht aus der Strategie nicht hervor. Um die neuen Ziele der Bahn zu erreichen, sei Palla auf dem Chefsessel die beste Kandidatin, sagte Schnieder. Sie folgt auf Bahnchef Richard Lutz, der die vielen Krisen der Bahn in den vergangenen Jahren nicht gelöst hatte. Es habe bei der Suche viele Gespräche gegeben, am Ende sei das Ergebnis eindeutig gewesen, betonte der Minister. Das wichtigste Ziel sei nun die Zuverlässigkeit.

Palla ist seit 2019 bei der Deutschen Bahn. Zunächst war sie Finanzvorständin bei DB Fernverkehr, seit 2022 ist sie für den Regionalverkehr mit rund 780.000 Fahrten monatlich – inklusive aller S-Bahnen – verantwortlich. Die 1973 in Bozen geborene Südtirolerin gilt als empathischer als ihr Vorgänger Lutz, auch charismatischer. DB Regio schrieb unter ihr im ersten Halbjahr wieder schwarze Zahlen.

Für Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Madsen ist entscheidend, dass die Menschen im Land rasch Verbesserungen im Alltag spüren müssen: pünktliche und saubere Züge, attraktive Bahnhöfe, stabile Netze und eine transparente Kundenkommunikation. «Gleichzeitig erwarten die Länder, dass der Bund die zugesagten Mittel zielgerichtet einsetzt und die Digitalisierung sowie die Sanierung der Hochleistungskorridore zügig vorantreibt. Wichtig ist dabei, dass die Interessen der Regionen berücksichtigt werden, beispielsweise die Anbindung von Sylt», so der CDU-Politiker.

Als Vorsitzland im Arbeitskreis Bahnpolitik der Verkehrsministerkonferenz betont Schleswig-Holstein laut Madsen die zentrale Rolle der Länder: Sie tragen Verantwortung für den Nahverkehr, sind Auftraggeber im SPNV und entscheidende Partner bei der Finanzierung und Umsetzung von Infrastruktur- und Digitalisierungsvorhaben. Nur wenn Bund, Länder, DB, Wettbewerbsbahnen, Bauindustrie und Aufgabenträger gemeinsam handeln, könne die dringend notwendige Trendwende auf der Schiene gelingen. Schleswig-Holstein sei daher gern bereit, aktiv an der Gestaltung eines zukunftsfähigen und kundenorientierten Schienenverkehrs mitzuwirken.

Im Gespräch mit Journalisten sagte Madsen heute weiter – Audio starten, Pfeil klicken….

Die neue Bahnchefin wird künftig einem sechsköpfigen Vorstand vorsitzen. Damit fallen in dem Gremium zwei Ressorts weg. Bislang gab es im Konzernvorstand acht Posten, die zurzeit auf sieben Mitglieder aufgeteilt sind. Personalvorstand Martin Seiler ist seit einigen Monaten auch kommissarisch für die Finanzen zuständig. Künftig soll das Ressort Infrastruktur wegfallen, um die Netztochter DB InfraGo stärker vom Mutterkonzern zu entflechten.«Heute drücken wir auf Neustart», sagte Schnieder zur neuen Bahn-Strategie. Sie sieht auch drei «Sofortprogramme für ein besseres Reiseerlebnis» vor:

Das erste soll zu mehr Sicherheit und Sauberkeit an Bahnhöfen führen. Ziel sei es, «eine objektiv wie subjektiv verbesserte Sicherheit und Sauberkeit durch einen Mix aus Personal und Technik» zu erreichen, heißt es darin, etwa durch Videoüberwachung. Das Sofortprogramm soll ab dem ersten Quartal 2026 greifen.

Für eine bessere Kundenkommunikation soll die Fahrgastapp DB Navigator verbessert werden. «Ziel ist, dass Veränderungen im Reiseverlauf in dem Augenblick weitergegeben werden, wenn diese Informationen innerhalb der DB vorliegen», heißt es in der Strategie.

Für mehr Komfort in den Zügen des Fernverkehrs soll die Sauberkeit in den Zügen verbessert werden. Auch das Angebot im Bordbistro soll sich verbessern. Die DB Fernverkehr soll ein Maßnahmenpaket umsetzen, um bereits 2026 spür- und messbare Verbesserungen zu erreichen.

Mit den Vorgaben zur Pünktlichkeit oder zum Komfort im Fernverkehr nimmt der Bund die Bahn nun wie erwartet enger an die Leine. Im ersten Halbjahr war mehr als ein Drittel der Fernzüge der Bahn unpünktlich unterwegs. Im Juli habe es an drei Tagen in Folge weniger als 40 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr gegeben, betonte Schnieder. Das könne nicht so bleiben. Am Montag kam es zu weitreichenden Einschränkungen zwischen Hamburg und Berlin aufgrund von Oberleitungsschäden.

Hauptgrund für die hohe Unzuverlässigkeit ist das marode und überlastete Schienennetz. Schnieder will dafür sorgen, dass die für die Infrastruktur zuständige DB InfraGo künftig eigenständiger und unabhängiger vom Gesamtkonzern agieren kann. Dafür werde etwa geprüft, ob der bisherige Beherrschungsvertrag zwischen Bahn und InfraGo fortbestehen soll. Eine Entscheidung darüber soll im ersten Halbjahr 2026 fallen. Die Sparte soll zudem eindeutiger auf das Gemeinwohl ausgerichtet werden. Gewinne sollen nur insofern erzielt werden, als dass sie diesem Ziel zugutekommen.

Bei der InfraGo plant Schnieder ebenfalls einen Wechsel an der Spitze: Dirk Rompf soll den Österreicher Philipp Nagl ersetzen. Rompf ist seit 2021 Geschäftsführer bei der Strategieberatung Ifok. Davor war er jahrelang Vorstand der DB Netz AG, dem Vorgänger-Unternehmen der DB InfraGo. Über die Personalie muss noch der Aufsichtsrat der InfraGo entscheiden. Laut einem Bericht des «Tagesspiegel» gibt es in dem Gremium auf Arbeitnehmerseite erheblichen Widerstand.

Nagl gilt als ausgewiesener Bahn-Fachmann. Unter seiner Leitung wurde der jahrelange Verfall des Schienennetzes gestoppt. Er ist einer der Köpfe hinter dem sogenannten Generalsanierungskonzept, der umfassenden Sanierung von mehr als 40 vielbefahrenen Bahnstrecken. Rompf war Netz-Chef unter dem damaligen Konzernvorstand Ronald Pofalla. In dieser Zeit verfiel die Infrastruktur zunehmend, weil zu wenig Geld in den Erhalt investiert wurde.

An dem Konzept der Generalsanierung hält Schnieder in seiner neuen Strategie fest. Es sieht vor, dass bis 2036 mehr als 40 besonders wichtige Strecken grundlegend modernisiert werden. Ziel ist es, auf diese Weise die Zahl der Baustellen nach und nach zu reduzieren und den Zugverkehr wieder zuverlässiger fahren zu lassen. «Die Kunden müssen sich auf die angebotene Leistung der DB AG verlassen können, optimal informiert sein und sich gleichzeitig wohlfühlen, wenn sie das System Schiene nutzen», heißt es in der Strategie. Das Ziel «spürbare Zuverlässigkeit» habe für den Bund die höchste Priorität.

Mit Forschung gegen „Gäste-Stress“: Land fördert Projekt zur Besucher-Lenkung

Weniger Gäste-Stress in den Tourismus-Hotspots des echten Nordens dank Forschung? Um Besucherströme in den Besucher-Hochburgen des Landes künftig gezielter und besser zu lenken, fördert die Landesregierung ein dreijähriges Forschungsprojekt der Fachhochschulen in Kiel und Heide.

Tourismus-Staatssekretärin Julia Carstens mit den beiden FH-Experten Prof. Prange (rechts) und Prof. Reif

Wirtschafts- und Tourismus-Staatssekretärin Julia Carstens übergab dazu am Abend an Vertreter beider Hochschulen einen Förderbescheid über rund 670.000 Euro. „Ob Überlastungen an Stränden, an Ausflugszielen oder in kleinen Orten – der Gästeandrang beeinträchtigt häufig nicht nur die Aufenthaltsqualität für Besucher selbst, sondern auch das alltägliche Leben von Einheimischen. Darum ist ein effizientes Besuchermanagement für beide Seiten von größtem Nutzen und alle Mühen wert“, sagte Carstens.

Sie erinnerte daran, dass durch bisherige Projekte wie das „Landesweite digitale Besuchermanagementsystem für den Tourismus in Schleswig-Holstein“ (LAB-TOUR SH) oder den „AI-basierten Recommender für nachhaltigen Tourismus“ (AIR) bereits wichtige Grundlagen in dem Bereich geschaffen worden seien. „Und genau daran knüpft das neue Projekt ,Data, People, Management: Digitales Besuchermanagement 2.0‘ an, in dem die bisherigen Erkenntnisse weiterführt und praxisnah ausgebaut werden“, so Carstens. Digitale Besucherlenkung umfasse dabei vielfältige Aspekte – von Echtzeit-Informationen über Auslastungen und Wartezeiten bis hin zu personalisierten Empfehlungen für alternative Routen oder Attraktionen. „Der gezielte Einsatz digitaler Technologien ermöglicht es, Besucherströme intelligent zu steuern, Hotspots zu entlasten und weniger bekannte Orte in den Fokus zu rücken. So profitieren sowohl die Gäste, die eine bessere Erlebnisqualität erfahren, als auch die Einheimischen und die Umwelt.“

Besuchermagnet Kieler Woche

Die beteiligten Fachhochschulen arbeiten eng zusammen, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Nach den Worten von Projektleiter Prof. Dr. Julian Reif vom Deutschen Institut für Tourismusforschung der Fachhochschule Westküste untersucht sein Team, welchen Stellenwert das Besuchermanagement aktuell in Schleswig-Holstein hat und welche konkreten Schritte daraus zu entwickeln sind, die anschließend in der Praxis erprobt werden. Damit solle ein praxisnaher Fahrplan entstehen, der den Verantwortlichen helfe, Besucherströme zielgerichtet zu lenken und Hotspots zu entlasten. „Besuchermanagement ist und bleibt ein wichtiges Thema für die nachhaltige Tourismusentwicklung und gleichzeitig eine große Herausforderung. Besucherströme lassen sich nicht einfach nach Wunsch lenken. Deshalb ist es entscheidend, die Bedarfe der touristischen Akteurinnen und Akteure genau zu verstehen und Maßnahmen zu entwickeln, die in der Praxis funktionieren. Das Projekt ist ein gutes Beispiel für angewandte Forschung an unserem Institut, das direkt für das Land relevant ist und die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Projekte fortsetzt“, so Reif.

Die Fachhochschule Kiel übernimmt die technischen Entwicklungen im Projekt. Laut Gesamtprojektleiter Prof. Dr. Michael Prange gehe es im Kern um den Aufbau eines so genannten Knowledge-Hub. Dabei handele es sich um eine offene IT-Plattform, die vorhandene, touristisch relevante Daten bündelt, in Form eines Dashboards zugänglich macht und mit Prognosemodellen verknüpft. Prange: „Damit entsteht eine zentrale, praxisorientierte Arbeitsgrundlage für Tourismus-Verantwortliche, die dadurch Besucherströme künftig besser nachvollziehen und auf dieser Basis fundierte Entscheidungen treffen können. Ziel ist, die entwickelte Software und die erfassten Daten im Sinne von Open Source und Open Data allen Tourismus-Institutionen und Unternehmen offen zur Verfügung zu stellen.“ Prange weiter: „Wir brauchen eine modulare und skalierbare Architektur, die nach Abschluss des Projektvorhabens sowohl dezentral als auch zentral selbst oder über IT-Dienstleister frei betrieben und weiterentwickelt werden kann.“ 

Gefördert wird das Projekt aus dem Landesprogramm Wirtschaft. Verantwortlich für die Projektabwicklung und Koordinierung ist die Forschungs- und Entwicklungszentrum Fachhochschule Kiel GmbH (FuE-Zentrum FH Kiel).

Lindaunis: DB will 2027 fertig sein – Henckel: Das Land schaut genau hin

Seit Jahren wird die neue Schleibrücke gebaut. Eigentlich sollte sie schon dieses Jahr fertig werden. Doch es kam zu Verzögerungen. Nun nennt die Bahn ein neues Datum für die Inbetriebnahme.

DB-Konzernbevollmächtigte Ute Plambeck (rechts) und Henning Vocke von der Firma Depenbrock aus Nordrhein-Westfalen erläutern Staatssekretärin Susanne Henckel die Brücken-Baustelle an der Schlei

Die neue Eisenbahn- und Straßenbrücke über die Schlei bei Lindaunis soll 2027 fertiggestellt sein. Das geht aus dem detaillierten Projektzeitplan hervor, den die Deutsche Bahn (DB) gemeinsam mit den Baufirmen am Nachmittag in Boren (Kreis Schleswig-Flensburg) vorgestellt hat. Demnach sollen im dritten Quartal bis Ende 2027 technische Abnahme, Probebetrieb und Freigabe für den Verkehr erfolgen. Nach der Inbetriebnahme sollen die alte Brücke und die zugehörige Schieneninfrastruktur zurückgebaut werden. Dies ist für 2028 geplant, wie die DB weiter mitteilte.

Die Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Hamburg und Schleswig-Holstein, Ute Plambeck sagte, man setze gemeinsam mit den Baufirmen alles daran, die neue Klappbrücke im Jahr 2027 fertigzustellen. Die Fortschritte zeigten, dass konsequent daran gearbeitet werde, die verkehrliche Anbindung der Region nachhaltig zu verbessern. «Auch für unsere Fahrgäste wird die neue Brücke eine Entlastung. Die Züge können dann wieder durchgehend verkehren.»

Im Gespräch mit Journalisten sagte Staatssekretärin Henckel zum Vorhaben der DB weiter – Video starten:

Seit Jahren kann die Schlei bei Boren-Lindaunis nur über eine provisorische Fußgängerbrücke gequert werden. Für Autos und die Bahn ist die Klappbrücke, die seit September 2020 erneuert wird, gesperrt. Ursprünglich sollte der Ersatzbau dieses Jahr stehen, doch es kam immer wieder zu Verzögerungen.

Ein neues Fertigstellungsdatum war lange nicht bekannt. Die Verzögerungen beim Bau der neuen Klappbrücke haben für viel Unmut in der Region gesorgt.

Die Schleibrücke verbindet die Landkreise Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde. Sie ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der Region. Die bestehende Brücke konnte nicht saniert werden und wird daher durch den Neubau ersetzt.

Die neue Brücke wird nach Angaben der Bahn deutlich breiter als die bestehende. Sie erhält einen von der Fahrbahn abgetrennten Geh- und Radweg und zwei Fahrbahnen für den Autoverkehr. In einer der Fahrbahnen wird das Gleis für Züge integriert. Wartezeiten entstehen für Autos dann nur noch, wenn Züge passieren oder die Brücke für den Schiffsverkehr geklappt wird.

Madsen eröffnet die Nordbau 2025: „70 Jahre und kein bisschen leise“

Eigentlich hat die „Nordbau“ mit 70 Jahren längst ihr Rentenalter erreicht – doch die Messe brummt wie nie. Über 700 Aussteller aus 16 Nationen präsentieren ab heute bis Sonntag ihre Produkte, Innovationen und Dienstleistungen.

Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen eröffnete die Ausstellung vor rund 150 Gästen im neuen Congress-Centrum der Neumünsteraner Holstenhallen und genoss sichtlich die Aufbruchstimmung in der Branche. Was dem dänischen CDU-Politiker mit deutschem Paß natürlich besonders gefiel: Die Nordbau feiert nicht nur ihren 70. Geburtstag, sondern zugleich 50 Jahre Partnerschaft mit Dänemark.

Madsen (vorn) mit dem dänischen Botschafter Thomas Østrup Møller und Holstenhallen-Chef Dirk Iwersen

Und trotz der Krisenthemen, die das Baugewerbe und die Bauindustrie plagen: Madsen machte den Ausstellerinnen und Ausstellern Mut, mit Optimismus voranzugehen. Holstenhallen-Chef Dirk Iwersen sagte: „Die Chancen und Herausforderungen stehen eng beieinander. Und auch der Botschafter Dänemarks, Thomas Østrup Møller, betonte die Chanchen und erinnerte in diesem Zusammenhang an den Bau des Fehmarnbelttunnels. Das Milliarden-Projekt hatte – zumindest auf deutscher Seite – seine Initialzündung vor genau 20 Jahren auf der Nordbau erfahren – als die dänische Bauwirtschaft die Storebelt-Brücke vorstellte und beim damaligen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen Begeisterung auslöste.

Doch auch die Probleme der Branche waren Thema in Neumünster: Iwersen nannte belastende Kostensteigerungen bei Baustoffen, Energie, Logistik, den sich verschärfenden Fachkräftemangel oder Zins- und Finanzierungsschwankungen, machte aber ebenfalls Mut: „Wer, wenn nicht die Bauwirtschaft, ist in der Lage, diese Herausforderungen zu meistern.“ Und er sagte: „mange tak (vielen Dank)“ für die einzigartige deutsch-dänische Partnerschaft auf der Nordbau. Seit 50 Jahren gibt es jetzt den dänischen Gemeinschaftsstand auf der Nordbau. Die Nachbarn im Norden nutzen die Messe als Sprungbrett für den deutschen und europäischen Markt.

„Die Messe ist restlos ausgebucht. Das ist ein starkes Signal“, sagte Madsen. Seine weiteren Impressionen – Video starten…

Impressionen vom Minister-Messerundgang bei der Eröffnung

Die Erwartungen an die Nordbau sind auch in Neumünster groß. Sven Theis, Geschäftsführer der städtischen Wobau, hofft gegenüber dem sh:z auf „neue Ideen, was bezahlbaren Wohnraum angeht, und Verlässlichkeit bei den Fördermitteln“. Die Wobau engagiert sich in der Böcklersiedlung erstmals seit vielen Jahren im Neubau und plant ein weiteres Projekt bei der ehemaligen Sick-Kaserne mit Fördermitteln aus dem sozialen Wohnungsbau. Durch eine Modularbauweise sollen deutlich Kosten eingespart werden.

„Hier auf der Nordbau ist man am Herz der Bauwirtschaft“, sagte Andreas Breitner, der Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen. Leider schlage der Puls im Moment nicht so schnell. Der Tiefbau hat dagegen keine Probleme, meint Ulf Michel. Der Vorsitzende des Unternehmensverbands Mittelholstein führt ein international tätiges Kanal- und Tiefbauunternehmen und meint: „Der Infrastrukturbau ist eine Stütze für die Baukonjunktur und die Gesamtwirtschaft.“

Madsen: Bei der Sanierung von Landesstraßen bleibt der Fuß auf dem Gas

Mit dem Zustand der Landesstraßen geht es aufwärts, wenn auch etwas langsamer als einst geplant. Nach der aktuellen Erfassung von Schäden konnte der Anteil der Straßen mit dem schlechtesten Substanzwert von ursprünglich 27 Prozent in 2021 auf 23,2 Prozent in 2025 reduziert werden. Der Anteil der Straßen mit dem besten Substanzwert hat sich im selben Zeitraum auf 39 Prozent gesteigert.

„Unsere Landesstraßenstrategie ist also erfolgreich und die jüngsten Zahlen sind eine extra Portion Motivation, unsere Strategie weiter zu verfolgen“, sagte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute in Kiel bei der Vorstellung des überarbeiteten „Erhaltungsprogramms Landesstraßen 2023-2027“. Trotzdem würden die äußeren Einflüsse eine Anpassung notwendig machen.

„Die als Folge des Kriegs in der Ukraine massiv gestiegenen Kosten und die aktuelle Haushaltssituation führen dazu, dass wir nicht mehr alle Maßnahmen so umsetzen können, wie wir das 2022 geplant hatten. Außerdem zeigt die Praxis, dass viele Straßen in einem noch schlechteren Zustand sind als erwartet“, sagte Madsen bei der Präsentation des Programms durch Frank Quirmbach, Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) und LBV.SH-Erhaltungschef Christoph Köster (im Foto oben rechts).

Im Gespräch mit Andreas Otto von RSH sagte der Minister bei der Pressekonferenz weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Der Minister erinnerte daran, dass die Landesregierung dieses Jahr 95 Millionen Euro für Straßen und Radwege zur Verfügung stelle und damit mehr als in den vergangenen Legislaturperioden: „Wir lassen also den Fuß auf dem Gaspedal und werden weiterhin in unsere Infrastruktur investieren. Sie sind die Lebensadern unseres Landes, daran führt gar kein Weg vorbei. Wir müssen die knappen Mittel aber klug einsetzen. Das heißt vor allem: die Priorisierung von Deckensanierungen“, so Madsen. Sie seien kostengünstiger und wirkten einer vorzeitigen tiefgreifenden Sanierung entgegen. „Wir können also mehr Straßen in Schuss bringen“, so der Minister.

In den vergangenen Jahren wurden laut LBV.SH-Chef Quirmbach im Rahmen des Erhaltungsprogramms unter anderem die L 125 zwischen Bargstedt und Nortorf, die L 28 zwischen Esperstoft und Gammelund oder die L 83 zwischen Bad Oldesloe und Sühlen saniert. In den nächsten Jahren stünden unter anderem die L 116 an der Grube Saturn bei Lägerdorf, die L 1 zwischen Süderlügum und Medelby oder abschnittsweise die L 69 zwischen Bornhöved und Gnissau an. „Wir werden bis 2027 knapp 450 Kilometer Straßen und rund 300 km Radwege sanieren. Das sind rund 100 Kilometer weniger als ursprünglich geplant. Die Rahmenbedingungen machen es aber leider nötig, dass wir Maßnahmen verschieben. Dennoch bauen wir den Sanierungsstau weiter ab“, betonte Quirmbach. Das Erhaltungsprogramm von 2022 sah ursprünglich Investitionen in Höhe von 550 Millionen Euro für 564 Kilometer Straße vor.

Quirmbach sagte bei der Pressekonferenz weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Das Land stehe laut Quirmbach und Madsen aber noch vor einer weiteren Herausforderung: In den nächsten Jahren erreichen immer mehr Brücken das Ende ihrer planmäßigen Nutzungsdauer von 80 Jahren und müssen saniert oder ersetzt werden. „Diesen Bedarf müssen wir mittel- bis langfristig einplanen. Hierfür erarbeiten wir eine Brückenstrategie“, so Madsen.

Madsen würdigt Siegerinnen und Sieger des ADAC-Tourismuspreises 2025

Gemeinwohlorientiert, umweltfreundlich , wirtschaftlich und teamfähig: Diese vier Attribute waren die Eckpfeiler des ADAC-Tourismuspreises, der heute im Alten Stahlwerk von Neumünster verliehen wurde. Die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH) und der ADAC Schleswig-Holstein zeichneten vier Projekte aus.

Gruppenfoto mit Minister: Alle Gewinner des ADAC Tourismuspreis Schleswig-Holstein 2025. Fotos: Jan Konitzki

Tourismusminister Claus Ruhe Madsen, Schirmherr des Wettbewerbs, würdigte die Preisträger persönlich: «Der ADAC-Tourismuspreis ist die perfekte Gelegenheit für unsere heimische Tourismusbranche, allen zu zeigen, was in ihr steckt. Und das hat sich offenbar rumgesprochen, denn so viele Bewerbungen gab es noch nie», freute sich Madsen vor rund 150 Gästen aus der Branche. Denn die zahlreichen Bewerbungen beweisen aus seiner Sicht vor allem, dass die Tourismuswirtschaft innovativ und nachhaltig sei und von vielen engagierten Menschen getragen werde.

«Die ausgezeichneten Projekte verbinden Lebensqualität für Einheimische mit besonderen Erlebnissen für Gäste. Damit setzen sie wichtige Impulse für die Zukunft des Tourismus im echten Norden», sagte Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH). Gerhard Hillebrand, Vorsitzender des ADAC Schleswig-Holstein e.V. ergänzte: „Die Siegerprojekte sind mutige und inspirierende Vorbilder, die zeigen, wie Tourismus neu gedacht werden kann. Sie machen Schleswig-Holstein zu einem attraktiven Reiseziel, das Qualität, Nachhaltigkeit und Herzlichkeit verbindet.“

Kategorie 1 – Fokus Gemeinwohl

Landeshauptstadt Kiel – „Kieler Woche: Gemeinsam Vielfalt gewinnen“ Die Kieler Woche ist längst mehr als ein Segel-Event. Sie steht für Begegnung, Teilhabe und gelebte Inklusion – ob beim Segeln, bei Konzerten oder Kulturprogrammen. Die Jury lobte die konsequente Weiterentwicklung des Konzepts, das Vereinen Raum gibt, leicht zugänglich ist und mit viel Herzblut umgesetzt wird. Die Kieler Woche setze ein starkes Zeichen^^für Gemeinschaft und Vielfalt.

Kategorie 2 – Fokus Umwelt

Kategorie Fokus Umwelt: Preisträger Nordsee Tourismus-Service

Nordsee Tourismus-Service – „Nimm drei – sei dabei! Gemeinsam für eine saubere Nordseeküste“ Die Mitmach-Initiative motiviert Gäste und Einheimische, bei jedem Strandbesuch drei Müllstücke aufzusammeln. Die Jury hob hervor, dass die niedrigschwellige Aktion alle Zielgruppen erreicht, Einheimische und Touristen verbindet und nachhaltiges Verhalten fördert – auch weit über den Urlaub hinaus. Eine einfache Idee mit großer Wirkung.

Kategorie 3 – Fokus Zukünftiges Wirtschaften

Genusswerk Flensburg – „Hofladen 4.0 – Regionales Netzwerken statt Einzelkämpfertum!“ Das Genusswerk Flensburg kombiniert Brauerei, Bistro und Markt mit regionaler Kreislaufwirtschaft. Gäste erleben Handwerk, Genuss und Erlebnis an einem Ort. Nach Ansicht der Jury strahlt das Konzept weit über Flensburg hinaus, überzeugt durch Glaubwürdigkeit und stärkt zugleich die Gemeinschaft in der Region.

Sonderkategorie – Fokus

Sonderkategorie Fokus Team: Preisträger Restaurant Café Spindel.

Team Restaurant Café Spindel (Landesverein für Innere Mission Schleswig- Holstein) – „Service auf Herzhöhe“ Im Café Spindel arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung Hand in Hand. Hier werden Wertschätzung, Ausbildung, Teilhabe und Gastfreundschaft täglich gelebt. Die Jury würdigte das Projekt als vorbildliche Antwort auf den Fachkräftemangel – und als authentischen Ort der Inklusion, an dem der Mensch im Mittelpunkt stehe.

Tourismus im Aufwind: TA.SH und Madsen erwarten gutes Jahr

Der Tourismus im Norden boomt: Im ersten Halbjahr reisten mehr Übernachtungsgäste nach Schleswig-Holstein. Auch für den Rest des Jahres stehen die Zeichen gut.

TA.SH-Chefin Bunge und Tourismusminister Madsen

Trotz des verregneten Julis rechnet die Tourismusbranche in Schleswig-Holstein mit einem positiven Jahresergebnis. «Ich hoffe, dass wir am Jahresende erneut einen Rekord aufstellen können», sagte die Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH), Bettina Bunge. 60 Prozent des touristischen Umsatzes entfallen auf die Monate Juli bis Dezember.

Bereits im ersten Halbjahr 2025 verzeichnete das nördlichste Bundesland laut der Agentur, die sich auf Zahlen des Statistikamts Nord stützen, mit 4,2 Millionen Gästen und 15,8 Millionen Übernachtungen ein Rekordergebnis. Bundesweit rangiere Schleswig-Holstein damit auf Platz sechs, während Bayern mit über 46 Millionen Übernachtungen unangefochten an der Spitze bleibt.

Im Norden führe weiter Sylt mit knapp 1,4 Millionen Übernachtungen, gefolgt von Lübeck mit rund einer Million. Den dritten Platz belegt Fehmarn, das laut Geschäftsführerin Bunge besonders als Campingziel überzeugt. Insgesamt würden 83 Prozent des Übernachtungsvolumens im Land an Nord- und Ostsee verzeichnet. Der größte Anteil der Urlauberinnen und Urlauber in Schleswig-Holstein kommt aus Deutschland. Nur fünf Prozent der Gäste stammen laut Bunge aus dem Ausland. Dies waren im ersten Halbjahr rund 786.000 Menschen – die meisten davon kamen aus Dänemark (rund 235.000).

Insgesamt übernachteten jedoch mehr ausländische Gäste im nördlichsten Bundesland als im ersten Halbjahr 2024. Der Anteil der Ausländer sank dennoch, weil deutlich mehr Deutsche nach Schleswig-Holstein reisten, erklärte die TASH-Geschäftsführerin. «Positiv ist auch zu sehen, dass sich unser wichtigster ausländischer Quellmarkt, nämlich Dänemark, sukzessive erholt», führte Bunge fort. In den vergangenen Jahren verbrachten viele Dänen ihren Urlaub vor allem im eigenen Land oder in Schweden. Dennoch habe Schleswig-Holstein beim dänischen Markt erst 67 Prozent des Volumens von 2019 erreicht.

Das Land sollte sich im Sinne von Internationalität und Weltoffenheit nicht nur auf Werbung im Inland beschränken, sondern auch ausländische Märkte ins Visier nehmen, erklärte Bunge. Zudem gäben ausländische Urlauber oft mehr Geld aus als Deutsche. Sie hoffe deshalb, dass künftig mehr Menschen aus dem Ausland ins nördlichste Bundesland reisen.

«Erfreulich ist – zumindest für mich als Schleswig-Holsteiner – dass wir ein sehr beliebtes Land sind», sagte Tourismusminister Claus Ruhe Madsen (CDU). Auch die Zufriedenheit der Gäste habe zugenommen.

Im Gespräch mit Journalisten sagte Madsen weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Gleichzeitig zeigten sich Urlauberinnen und Urlauber beim Konsum zurückhaltend.  Madsen betonte: «Die Menschen sind gerne bereit, für gute Produkte gutes Geld auszugeben.» Das sei ein Aufruf, in Qualität und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis vor Ort zu investieren. «Man kann schon erkennen, dass in Betrieben, die gute Arbeit machen und guten Service anbieten, auch konsumiert wird.» Er schätzte, dass die Menschen in Deutschland generell vorsichtiger mit ihren Ausgaben seien. Zudem führten steigende Energie-, Gehalts- und Rohstoffkosten zu höheren Preisen auf den Speisekarten. «Aber ich glaube nicht, dass wir nervös werden müssen. Stattdessen sollten wir an unserer Qualität arbeiten – dann werden die Menschen auch konsumieren.»

Madsen dankt „Autobahn“: A 21 bei Kirchbarkau früher fertig als geplant

Madsen beim Start zu seiner heutigen Rad-Sommertour quer durch Schleswig-Holstein.

Endspurt Richtung Sommer! So könnte das Motto der heute gestarteten Sommer-Radtour von Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen lauten – aber auch das Motto des B-404-Ausbaus zur A 21 Höhe Kirchbarkau im Kreis Plön: Vor wenigen Tagen wurde der knapp 8 Kilometer lange Bauabschnitt – der parallel zur Gemeinde verläuft – auf der Fahrspur in Richtung Norden fertiggestellt. «Damit sind wir zwei Wochen früher fertig als ursprünglich geplant – und auch nach wie vor im Kostenrahmen», freut sich der stellvertretende Direktor der Niederlassung Nord der Autobahngesellschaft des Bundes, Jens Sommerburg. Und auch Madsen zollte den beteiligten Firmen und der Autobahngesellschaft bei seiner heutigen Stipvisite auf der Baustelle Respekt: «Das beweist einmal mehr, dass wir bei der Infrastruktur durchaus im Vorwärtsgang sind», so der Minister. Der 4,6 Kilometer lange Ausbau-Abschnitt in Höhe der Gemeinde Löptin war bereits im Dezember in Richtung Norden freigegeben worden.

Baustellen-Besuch bei Kirchbarkau (v.r.): AdB-Niederlassungsleiter Jens Sommerburg, Madsen und die AdB-Mitarbeiter Torben Wiencke, Gunnar Wellmer und Kai Lingrön

Läuft alles nach Plan, dann soll die ehemalige B 404 auf dem Abschnitt zwischen Nettelsee und Klein Barkau in genau einem Jahr vollständig fertig sein. Heißt: Eine vierspurige Autobahn samt Standstreifen. Einziger Wermutstropfen: Auch, wenn die Autofahrer in Richtung Kiel seit einigen Tagen bereits auf der nagelneuen Autobahn-Hälfte unterwegs sind – das Tempo von 50 km/h bleibt aus Sicherheitsgründen laut Autobahngesellschaft bis dahin weiter bestehen. «Es geht einerseits um den Gegenverkehr, andererseits um die Sicherheit der hier arbeitenden Menschen», sagt Sommerburg.

Bis zum kommenden Jahr werden – neben einem Radweg in Klein Barkau – unter anderem auch ökologische Ausgleichsmaßnahmen abgeschlossen sein. So führt unter der A 21 bei Kirchbarkau ein Wildunnel hindurch, der die Fauna auf beiden Seiten der Straße wieder neu beleben soll.

„Mitreden!“ in Lübeck: Madsen zum Bürgergeld-Kurs der Bundesregierung

„Mitreden! Live vor Ort“, heißt ein noch recht neues Diskussionsformat der ARD-Tagesschau, das heute Abend in Lübeck ein Stück Neuland betrat: Anstelle eines reinen Youtube-Streams mit Chat saßen rund 120 Zuschauerinnen und Zuschauer live in der Gollan-Kulturwerft. Im Mittelpunkt der Diskussion mit Arbeitsminister Madsen, dem Regensburger Wirtschaftswissenschaftler Enzo Weber und der Sozial-Akivistin Helena Steinhaus (Verein «Sanktionsfrei»): Das Bürgergeld vor dem Hintergrund steigender Preise, einer schwächelnden Wirtschaft und politischer Pläne für härtere Sanktionen.

Diskussionsfreudiges Publikum in der Lübecker Gollan-Werft

Hintergrund: Die neue Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, das bisherige Bürgergeld zu einer „neuen Grundsicherung für Arbeitssuchende“ umzugestalten. Ziel der Bundesregierung ist es, die Mitwirkungspflichten der Leistungsempfänger künftig wieder stärker zu betonen und dem „Fordern“ gegenüber dem „Fördern“ durch den Staat wieder stärkeres Gewicht zu verleihen.

Wie Madsen in der Diskussion sagte, sei eine der Voraussetzungen für eine Reduzierung der Zahl der Bürgergeld-Empfänger unter anderem eine Stärkung der Jobcenter in Deutschland. Der großen Koalition gehe es darum, dass künftig wieder der so genannte Vermittlungsvorrang gelten solle.

Im Talk mit NDR-Redakteurin Nina Zimmermann (links): Madsen, Sozial-Aktivistin Helena Steinhaus und dem Wirtschaftswissenschaftler und Arbeitsmarkt-Experten Enzo Weber

«Das bedeutet, dass die schnellstmögliche Vermittlung in Arbeit wieder das oberste Ziel ist», so Madsen. Die in 2023 umgesetzte Bürgergeldreform hatte den Vermittlungsvorrang abgeschafft und der Qualifizierung den Vorrang gegeben. Laut Madsen müsse dies aber mit Augenmaß umgesetzt werden. «Denn eine gute berufliche Qualifikation sowie allgemeine und berufsbezogene Sprachkenntnisse sind wichtige Faktoren für eine nachhaltige und existenzsichernde Erwerbstätigkeit», so der Minister. Idealerweise sollte eine schnelle Integration mit einer berufsbegleitenden Qualifizierung verknüpft werden.

Ein weiterer Baustein der Bundesregierung: Mitwirkungspflichten und Sanktionen sollen wieder verschärftund Sanktionen schneller und einfacher durchgesetzt werden können. Bei Menschen, die arbeiten können und wiederholt zumutbare Arbeit verweigern, soll unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ein vollständiger Leistungsentzug ermöglicht werden.

Hier ein paar Schlaglichter der zweistündigen «Mitreden»-Diskussion:

Wie Madsen am Rande Sendung weiter sagte, solle auch die so genannte Karenzzeit für Vermögen soll abgeschafft und die Höhe des Schonvermögens an die Lebensleistung gekoppelt werden. Derzeit beträgt die Karenzzeit für anzurechnendes Vermögen ein Jahr. Madsen erinnerte daran, dass von den aktuell knapp 95.000 Arbeitslosen in Schleswig-Holstein knapp 62.000 Menschen unter die Regelungen des Sozialgesetzbuches fallen.

Die Arbeitsminister der unionsgeführten Bundesländer (SH, NRW, Ba-Wü, BY) hätten sich bereits seit langem, zuletzt Anfang des Jahres für Reformen ausgesprochen. Die Forderungen decken sich in wesentlichen Teilen mit den nun vom Bund geplanten Änderungen.

Land und Bund vereinbaren: Freie Fahrt für Militär in weiten Teilen des Nordens

Um Militär-Fahrzeugen angesichts der veränderten Sicherheitslage in Europa mehr Bewegungsspielraum im schleswig-holsteinischen Straßennetz zu ermöglichen, haben ein Vertreter des Bundesverteidigungsministeriums und Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute eine neue Verwaltungsvereinbarung getroffen.

Vereinbarung ausgeweitet und unterzeichnet (v.l.): Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen, Oberst Michael Skamel, Chef des Landeskommandos, Verkehrs-Staatssekretärin Susanne Henckel und Kapitän zur See Andreas Rohbrecht, Vertreter des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr.

„Die Vorgänger-Version von 1995 war erheblich in die Jahre gekommen und konnte kaum noch genutzt werden, was jede Menge Einzelfallprüfungen und Genehmigungsschritte notwendig machte. Das wurde jetzt durch eine pauschale Erlaubnis für über 100 Straßen und Strecken im Land ersetzt“, sagte Madsen bei der Unterzeichnung, an der auch der neue Chef des Landeskommandos, Oberst Michael Skamel sowie Schleswig-Holsteins Verkehrs-Staatssekretärin Susanne Henckel teilnahmen.

Oberst Skamel sagte zu der vereinbarung – Audio starten, Pfeil klicken…

„Auf welche Strecken sich die neue Vereinbarung genau bezieht, ist natürlich vertraulich“, so der Minister. Es gehe dabei vor allem um militärische Fahrten im Verband als auch um Großraum- und Schwertransporte bis zu gewissen Abmessungen und Gewichten. Als Vertreter des zuständigen Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr unterzeichnete Kapitän zur See, Andreas Rohbrecht.

Gegenüber der Fassung aus 1995 – die gemeinsam mit dem Verteidigungsministerium derzeit in allen Bundesländern erneuert wird – seien sowohl Änderungen bei den Strecken als auch bei den erlaubten Abmessungen und Gewichten der Fahrzeuge vorgenommen worden. Nach den Worten von Landeskommando-Chef Skamel bezieht die Vereinbarung neben Bundes- und Landesstraßen auch teilweise Kreis- und Gemeindestraßen mit ein. „Wir werden es in den nächsten Jahren absehbar vermehrt mit Militärkonvois auf unseren Straßen zu tun haben, darum ist die Vereinbarung zwar vordergründig vor allem für die Bundeswehr enorm wichtig, trägt aber zur Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger bei“, sagte Skamel. Für die Autobahnen – die für die Bundeswehr und deren Verbündete besonders wichtig sind – sei bereits eine gesonderte Vereinbarung zwischen dem Verteidigungsministerium und der Autobahn GmbH des Bundes getroffen.

Madsen sagte zu dem Schulterschluss mit der Bundeswehr, Audio starten – Pfeil klicken…

Wie Madsen sagte, gelte die neue Regelung ab sofort und sei unbefristet. Er warb bei Autofahrerinnen und Autofahrern zugleich um Verständnis: „Ich glaube, jedem leuchtet ein, dass unsere Sicherheit angesichts der russischen Aggressionen, die möglicherweise bald über die Ukraine hinausgehen könnten, höchste Priorität und unsere Soldatinnen und Soldaten darum stets Vorfahrt haben sollten.“ Madsen erinnerte vor diesem Hintergrund auch nochmals an die strategische Bedeutung der A 20 als Magistrale zwischen wichtigen Ostseehäfen und den Häfen an der Nordsee. „Abgesehen von der ökonomischen Bedeutung dieser Autobahn wird sie auch militärisch maximal bedeutsam und sollte – unter Berücksichtigung aller berechtigten Umweltbelange – rasch in die Realität umgesetzt werden.“