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Für Kauf von 42 E-Loks: Europäische Investitionsbank stellt 250 Millionen bereit

Millionenschwere und zukunftsträchtige Weichenstellung für den regionalen Bahnverkehr in Schleswig-Holstein, Hamburg und Dänemark: Die Europäische Investitionsbank (EIB) stellt einen Investitionskredit von 250 Millionen Euro bereit, um dem Land die Anschaffung von 42 hochmodernen Elektrozügen zu ermöglichen, die den Schienenpersonen-Nahverkehr in Schleswig-Holstein verbessern und den Wettbewerb im Bahnverkehr fördern werden.

EIB-Vizepräsidentin Nicola Beer

Das gaben heute EIB-Vizepräsidentin Nicola Beer und Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen bei einem Treffen zusammen mit dem Vorstand der Landesanstalt Schienenfahrzeuge Schleswig-Holstein (ZUG.SH), Bernhard Wewers, bekannt.

Im Gespräch mit Journalisten sagte Beer weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Wie Beer außerdem sagte, sei eines der Leitmotive der EIB, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen als komfortable und klimafreundliche Alternative zum Auto. Für Pendler und Reisende in Schleswig-Holstein, Hamburg und Dänemark heiße es künftig: «Schneller, öfter, zuverlässiger – dank der Zusammenarbeit mit unserem Partner ZUG.SH. Unsere gemeinsamen Anstrengungen sind damit ein wesentlicher Beitrag zu Wirtschaftswachstum und gleichzeitig zu unseren Klimazielen», so Beer.

Auch Verkehrsminister Madsen zeigte sich erfreut: «Mit dieser Investition auf den Hauptstrecken des Landes gehen wir einen entscheidenden Schritt in Richtung eines hochmodernen Schienenverkehrs. Das betrifft nicht nur Schleswig-Holstein, sondern auch Hamburg und erstmals Dänemark.»

Madsen und Beer mit Modellen der neuen Züge, die ab Ende 2027 im SH-Bahnnetz eingesetzt werden sollen

Die Landesregierung schaffe ein effizientes und fahrgastorientiertes Verkehrssystem durch moderne, komfortable und umweltfreundliche Züge und setze damit auch einen neuen Standard für den öffentlichen Nahverkehr. Madsen: «Diese Züge werden ab Dezember 2027 auf wichtigen regionalen Strecken zwischen Kiel, Flensburg, Tinglev sowie zwischen Hamburg und Wrist und Itzehoe eingesetzt», sagte Madsen und erklärte im Gespräch mit Journalisten weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

ZUG.SH-Vorstand Wewers sagte: «Die Unterstützung und langfristige Finanzierung durch die Investitionsbank ist entscheidend für die Bereitstellung modernster Züge und die angestrebten Kosteneinsparungen für das Land. Die neue Flotte wird nicht nur ein angenehmeres Reiseerlebnis für die Fahrgäste bieten, sondern auch den Wettbewerb und die Nachhaltigkeit in unserem regionalen Schienennetz fördern. Die Zusammenarbeit mit der EIB ist ausgezeichnet und sichert den Fahrgästen dank dieser neuen Initiative viele Vorteile.»

Die neue Flotte des weltweit tätigen Bahnkonzerns Alstom soll bis Ende 2027 vollständig in Betrieb sein. Alstom hatte im Juli 2023 den Zuschlag für die Herstellung und Instandsetzung von 42 neuen Elektrotriebzügen des Typs Coradia Max für Schleswig-Holstein erhalten und wird außerdem über 30 Jahre für die Instandhaltung der Fahrzeuge verantwortlich sein. Mit einer prognostizierten Fahrgastzahl von 21,9 Millionen im ersten Betriebsjahr wird laut ZUG.SH-Chef Wewers das Angebot, die regionalen Verbindungen und die Erreichbarkeit wichtiger Zentren für Beschäftigung, Wohnen und soziale Infrastruktur erheblich verbessern. Die neuen Züge werden auch auf die Bedürfnisse von Personen mit eingeschränkter Mobilität zugeschnitten sein.

Next-Generation-Züge für ein verbessertes Reiseerlebnis:

Die von Alstom gefertigten „Coradia Max“-Züge werden einen neuen Standard an Komfort und Kapazität bieten.

  • Bis zu 390 Sitzplätze pro Zug, eine deutliche Steigerung von 70 Plätzen im Vergleich zu bestehenden Modellen.
  • Stufenlose Mehrzweckbereiche mit barrierefreiem Zugang in jedem Wagen zur einfachen Unterbringung von Kinderwagen, bis zu 24 Fahrrädern und großem Gepäck.
  • Ausgestattet mit dem European Train Control System (ETCS), das Interoperabilität, erhöhte Kapazität und verbesserte Sicherheit im gesamten Eisenbahnsystem gewährleistet.
  • Einhaltung der Technischen Spezifikationen für die Interoperabilität, die einen nahtlosen grenzüberschreitenden Verkehr ermöglicht.

Der NOK wird 130 – und erfreut sich kräftiger Investitionen durch den Bund

Auch wenn manches an ihm deutlich in die Jahre gekommen ist – der Nord-Ostsee-Kanal (NOK), international als „Kiel-Canal“ bekannt, ist und bleibt eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Vor wenigen Tagen feierte die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt still unhd leise ihren 130. Geburtstag. Dabei tut sich am NOK eine Menge – auch dank des ständigen Drängens der Landesregierung.

Seit 130 Jahren erspart der Nord-Ostsee-Kanal (NOK) vielen Schiffen den Umweg über das dänische Skagen. Das Wasserstraßen-Neubauamt Nord-Ostsee-Kanal in Kiel sieht die notwendige Modernisierung der teils mehr als 100 Jahre alten Anlagen auf einem guten Weg. «Der Kanal hat eine sehr gute Zukunft vor sich», sagte Amtsleiter Joachim Abratis der Deutschen Presse-Agentur. Nach seiner Einschätzung wird der Kanal langfristig gebraucht: «Die aktuelle Verkehrsprognose 2040 erwartet stabile bis steigende Nutzungszahlen.» 2024 waren auf der wichtigen Wasserstraße 24.866 Schiffe unterwegs, ein Minus von fast sieben Prozent im Vergleich zu 2023. Die Ladungsmenge ging um 2,1 Prozent auf knapp 75,6 Millionen Tonnen zurück. Dafür werden die Schiffe immer größer. Die sogenannte Bruttoraumzahl, die rechnerische Gesamtgröße eines Schiffes, stieg von 5.476 auf 5.688 BRZ.

«Das ausschlaggebende Argument für Wasserstraßen ist der Klimawandel», sagte Abratis. «Wir sind auf Warenaustausch angewiesen, und der Nord-Ostsee-Kanal ist prädestiniert dafür, auch große Massengüter oder Container über weite Strecken zu transportieren.» Verkehre müssten dabei nachhaltig und mit möglichst wenigen Beeinträchtigungen verbunden sein.

Seit mehr als 15 Jahren wird an der 100 Kilometer langen Wasserstraße von Kiel bis nach Brunsbüttel kräftig investiert. «Die Signale sind an vielen Stellen bereits gesendet. Rund eine Milliarde Euro haben wir bereits verbaut», sagte Abratis. «Weitere zwei Milliarden werden schätzungsweise folgen.»

Ein großer Teil fließt in den Neubau der 5. Schleusenkammer in Brunsbüttel (1,2 Milliarden Euro). «Wir gehen davon aus, die Kammer Ende 2026 in Betrieb zu nehmen», sagte Abratis. Das schaffe Kapazitäten, um die große Schleuse instand zu setzen. «Im Weiteren werden dann aber auch die kleinen Schleusen zu betrachten und zu sanieren sein.» Die Schleusen-Schiebetore werden in Emden gebaut. «Im November/Dezember wird das erste Tor in Brunsbüttel eintreffen», sagte Abratis.

Derweil laufen bereits Vorbereitungen für den Neubau der beiden kleinen Schleusen in Kiel-Holtenau. «Die werden etwas länger als die alten ausfallen», sagte Abratis. Erwartet würden dafür Kosten zwischen 600 und 650 Millionen Euro. Erst danach kann die Sanierung oder der Neubau der ebenfalls aus der Kaiserzeit stammenden großen Schleusenkammern in Kiel beginnen. Die Instandhaltung des Kanals bleibe eine Daueraufgabe.

Auch beim Ersatz der in die Jahre gekommenen Levensauer Hochbrücke bei Kiel geht es voran. «Sie soll 2027 durch den Neubau ersetzt werden», sagte Abratis. Dazu werde es mehrtägige Sperrungen für die Schifffahrt geben. Für den Bahn- und Individualverkehr auf der Querung selbst seien monatelange Sperrungen notwendig. Der Kostenrahmen von ursprünglich geplanten 200 Millionen Euro werde aber «deutlich überschritten».

Drittes Großprojekt ist weiter der Ausbau der Oststrecke zwischen Rendsburg und Kiel, der Engstelle des Kanals, in der große Schiffe bei entgegenkommendem Verkehr in sogenannte Kanalweichen fahren müssen. «Noch in diesem Jahr soll der erste von drei Abschnitten zwischen Großkönigsförde und Schinkel fertiggestellt werden», sagte Abratis.

«Der NOK spielt für Schleswig-Holstein eine herausragende Rolle – nicht nur regional, sondern auch als internationale Schlüsselverbindung für den Seeverkehr zwischen Nordsee und Ostsee», sagte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen der dpa. «Umso dringlicher ist es, die Attraktivität dieser zentralen Wasserstraße zu stärken.» Der Rückgang der Schiffspassagen im vergangenen Jahr sei alarmierend. Die für den Klimaschutz und die Verkehrswende bedeutsame Modernisierung des Kanals müsse vorankommen. «Die Durchfahrt durch den NOK muss für die Reeder wieder wirtschaftlich attraktiv werden – eine echte Alternative zur deutlich längeren Route um Skagen», so Madsen.

So ganz leise geht der 130. NOK-Geburtstag übrigens doch nicht über die Bühne: Die Stadt Brunsbüttel feiert von morgen bis Sonntag das Jubiläum mit einem großen Kanalgeburtstagsfest samt Familienprogramm und Live-Musik.

Maritimer Koordinator macht Madsen Hoffnung für Häfen und Werften

Der neue Koordinator der Bundesregierung für die Maritime Wirtschaft, Christoph Ploß, hat die Kieler Woche für ein Arbeitstreffen mit Wirtschafts- und Verkehrsminister Madsen genutzt. Dabei zeigte sich er sich zuversichtlich, was die bisherige Unterfinanzierung der Seehäfen anbelangt. Riesige Chancen für den Norden sieht Ploß in der Energiewende. Die Häfen hätten das Zeug, zu echten Energie-Hubs zu werden und die Werften könnten sich auf den Bau von Offshore-Konverter-Plattformen konzentrieren. Ein Herzensthema von Madsen, das vom Bund geplante Kompetenzzentrum zur Munitionsbergung, will Ploß in Berlin ansprechen.

Seehafen Kiel: Ploß sieht hier – wie auch in Lübeck – große Investitions-Potenzial durch das Sondervermögen des Bundes.

Der neue Koordinator der Bundesregierung für die Maritime Wirtschaft und den Tourismus, Christoph Ploß, will zur Finanzierung der deutschen Häfen mehr Bundesmittel lockermachen. «Der Bund sollte hier den Ländern stärker unter die Arme greifen», sagte der Hamburger CDU-Bundestagsabgeordnete bei seinem Besuch der Kieler Woche. Zahlen könne er zwar nicht nennen. Aber es sei klar: «Die Häfen gehen nicht nur die norddeutschen Küstenländer etwas an.»

Hafenpolitik sollte als nationale Aufgabe verstanden werden, so wie in den Niederlanden oder Belgien. Dort stehe die gesamte Politik hinter den Häfen. «Auch wenn das Grundgesetz die Zuständigkeit für die Häfen bei den Ländern verortet, wünsche ich mir so eine Sichtweise auch für Deutschland», betonte Ploß. Bislang überweist der Bund pro Jahr 38 Millionen Euro für alle deutschen Seehäfen zusammen. Die Branche und die fünf Nordländer fordern dagegen in der Summe bis zu 500 Millionen Euro.

Offshore-Versorgungsschiffe im Vorhafen von Helgoland.

Ploß sagte: «Auf Dauer wird der Bund die Hafeninfrastruktur deutlich besser ausstatten müssen.» Das könne über den Hafenlastenausgleich, aber auch durch die Förderung einzelner Projekte mit einem bundespolitischen Bezug erfolgen. Wir müssten es hinbekommen, dass die Finanzierung der Häfen verstetigt wird, zeigten sich Ploß und Madsen einig.

Dazu sollen noch in diesem Jahr von der Bundesregierung Maßnahmen präsentiert werden, die aufzeigen, wie die Häfen in Schleswig-Holstein, in Hamburg, in Mecklenburg-Vorpommern, in Niedersachsen und auch mit Abstrichen in Bremen und Bremerhaven umgebaut werden können. Dies könne der Bund ohne vorherige verfassungsrechtliche Diskussionen auch finanziell unterstützen. Grundsätzlich sind für die Finanzierung der Häfen jedoch die Bundesländer zuständig.

Zwar könne der Bund aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht einfach Geld für die Sanierung von Kaimauern bereitstellen, sagte Ploß. «Aber bei energiepolitischen Themen, die eine bundesweite Bedeutung haben, kann der Bund finanziell unterstützen und fördern.» Mit den Investitionen wolle die Bundesregierung nicht nur die Energiewende vorantreiben, sondern auch dafür sorgen, dass sich weitere maritime Infrastruktur rund um die Häfen ansiedele.

Anderseits müssten auch die Sondervermögen für die maritime Wirtschaft genutzt werden. Dabei böte sich die Autobahn 20 an. «Da werde ich auch als maritimer Koordinator und auch Koordinator für Tourismus dann alles tun, damit der Bau der A20 vorangetrieben wird. Weil die ist nicht nur für die Infrastruktur generell in Schleswig-Holstein wichtig, sondern auch gerade für die ganze maritime Wirtschaft.» Die A20 und auch die A26 Ost seien für den Norden enorm wichtig.

Zu den Themen Munitions-Altlasten im Meer, die Rolle der Seehäfen und der Werften bei der Energiewende sowie die bisherige Arbeitszeit-Regelung in der Tourismusbranche sagten Madsen und Ploß bei ihrem Treffen weiter Audio starten, Pfeil klicken…

Madsen sprach von themenorientierten Bundeshilfen. Als Beispiele nannte er die Hinterland-Anbindungen von Häfen und Landstromanlagen für Schiffe oder den Nord-Ostsee-Kanal. «Die vorherige Bundesregierung war sich ja nicht so ganz darüber im Klaren, dass sie auch eine Seestraße haben.» Ploß ergänzte, auch die Bedeutung des Nord-Ostsee-Kanals werde leider manchmal unterschätzt.

Seehafen Kiel – hier sieht Ploß im Sondervermögen Potenzial für konkrete Projekte

Er wolle helfen, für die maritime Wirtschaft konkrete wichtige Projekte auf den Weg zu bringen. Aus dem Sondervermögen ließen sich beispielsweise der Kauf und die Ertüchtigung einer Fläche im Kieler Hafen finanzieren, der Bau eines Bahnhofs im Industriegebiet Brunsbüttel oder der Ausbau des Passagierterminals im Kieler Ostuferhafen oder die Modernisierung der Anleger am Lübecker Skandinavienkai. Denkbar sei auch die Finanzierung von Landstrom-Anlagen in der Hansestadt oder die Elektrifizierung von Bahnstrecken.

«Man kann auch zum Beispiel schauen, ob man sogar aus dem Verteidigungshaushalt oder aus dem Sondervermögen für Verteidigung einiges auch für die maritime Wirtschaft unternimmt», sagte Ploß. Darunter falle die Erneuerung von Brücken und Autobahnen generell, weil diese im Moment nicht ausgerichtet seien auf verteidigungspolitische Herausforderungen.

«Wir müssen unsere Häfen auch unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten betrachten», sagte Ploß. Deutschland habe Verpflichtungen innerhalb der Nato. Und «die Häfen sind im Ernstfall logistische Drehkreuze, etwa für Truppenverlegungen an eine mögliche Nato-Ostflanke». Entsprechend müsse die Infrastruktur auch für militärische Zwecke ertüchtigt werden. Das betreffe etwa Brücken und Zufahrten, die bislang oft nicht dafür ausgelegt seien, dass Panzer oder anderes schweres Gerät darüber transportiert werden können.

Mit Blick auf die Werften sagte Ploß: «Die Bundesregierung hat ein großes Interesse daran, dass die deutschen Werften in den Konverter-Plattform-Bau einsteigen.». Sogenannte Konverter-Plattformen sind notwendig, um auf See erzeugten Strom von den Windrädern in das Stromnetz an Land einzuspeisen.

Der Bund wolle die notwendigen Rahmenbedingen schaffen in Form von Bürgschaften der Kreditanstalt für Wiederaufbau. «Denn wir reden dort über hohe Milliardenbeträge, die investiert werden müssen. Da ist man ja schnell für eine Konverter-Plattform bei 2,5 bis 3 Milliarden Euro.»

Ploß will die notwendigen Investitionen durch Bürgschaftsprogramme absichern, damit mittelständische Unternehmen sich des Baus ohne Gefahr einer drohenden Pleite annehmen können. «Das ist ein wirklich sehr zukunftsträchtiges Geschäftsfeld für die maritime Branche in Deutschland, für Schleswig-Holstein, für Mecklenburg-Vorpommern, für Bremerhaven und für Niedersachsen.» Darin sehe er echtes Potenzial.

Die bisherigen Planungen zum Ersatz der Köhlbrandbrücke im Hamburger Hafen bis 2042 nannte Ploß peinlich. «In anderen Ländern wird über solche Zeiträume nur gelacht.» Er könne kein Datum nennen, weil Hamburgs rot-grüner Senat für das Planverfahren zuständig sei. «Aber parteiübergreifend sollte klar sein: Die Köhlbrandbrücke muss in den 2030er-Jahren fertig werden.»

Ploß ermahnte die norddeutschen Länder, mit einer Stimme zu sprechen und eng zusammenzuarbeiten. «Wenn der Norden uneins ist und beispielsweise Hamburg und Bremen sich mehr als Rivalen statt als Partner begreifen, dann schadet das allen», sagte der CDU-Abgeordnete. Die Rivalität zwischen Hamburg und Bremen gehöre auf den Fußballplatz – aber nicht in die Politik.

Nicht nur mit Blick auf die Hamburger Köhlbrandbrücke, den Bau der A 20 und das Milliarden-Sondervermögen des Bundes kämpfen sowohl Madsen als auch Ploß für eine massive Beschleunigung von Infrastrukturprojekten. Beide sagten dazu bei ihrem Treffen – Audio starten, Pfeil klicken…

Verkehrsminister-Sonderkonferenz: Kein Durchbruch beim Deutschlandticket

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und die Verkehrsministerinnen und -minister der Länder haben sich heute in Berlin zwar grundsätzlich für den Erhalt des Deutschlandtickets über das Jahr 2025 hinaus ausgesprochen, doch bei der Finanzierung sind sich beide Seiten nach wie vor nicht einig. «Immerhin hat der neue Bundesminister zugesichert, dass er bei dem Fahrschein auch künftig mit im Boot bleiben will », sagte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen nach der dreistündigen Sitzung in Berlin. Aber wer am Ende in welchem Maße die Kosten trage, sei weiter ungewiss.

Madsen sagte dazu weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Knackpunkt bleibt, wie mögliche Mehrkosten für die Verkehrsunternehmen ausgeglichen werden sollen. Auch über den künftigen Preis des Abos, der bisher bei 58 Euro pro Monat liegt, gab es kein Übereinkommen. Wir Länder, wir stehen zum Deutschlandticket», sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), derzeit Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz. Über die 1,5 Milliarden Euro, die die Länder bisher zugesagt haben, könnten diese aber nicht mehr zahlen, betonte er. Bernreiter verwies auf weitere Verhandlungen auf der nächsten regulären VMK-Sitzung im Herbst in Straubing.

Die VMK-Runde mit dem neuen Bundesminister Schnieder (Mitte) heute bei ihrer Sondersitzung in Berlin.

Das Deutschland-Abo gibt es seit Mai 2023; es ermöglicht seinen Inhaberinnen und Inhabern bundesweit Fahrten im öffentlichen Regional- und Nahverkehr. Der Preis für das Ticket hat sich im Januar um neun Euro auf 58 Euro pro Monat erhöht.

Finanziert wird das Angebot vor allem mit Mitteln von Bund und Ländern, die jeweils 1,5 Milliarden Euro zuschießen. Mehrkosten wurden bisher über die Preissteigerung und übriggebliebene Mittel aus dem Jahr 2023 abgedeckt. Doch für die Zeit nach 2025 gibt es noch keine Regelung.

Regierungsfraktionen im Landtag pochen auf mehr Tempo beim Schienenausbau

In einem gemeinsamen Antrag haben die Fraktionen von CDU und Grünen im schleswig-holsteinischen Landtag heute eine Beschleunigung von Infrastrukturmaßnahmen im Schienenbereich gefordert. «Der Antrag zielt auf nichts weniger ab als auf einen Kulturwandel im Eisenbahninfrastrukturplan – weniger Bürokratie, mehr Pragmatismus, schnellere Umsetzung», sagte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen. Damit würden die Regierungsfraktionen konkret für eine Änderung des allgemeinen Eisenbahngesetzes eintreten, damit künftig mehr Projekte wie Elektrifizierung, Bahnsteigsanierungen oder digitale Ausstattungen einfacher umgesetzt werden können. «Gleichzeitig fordern wir mehr Verbindlichkeit in Genehmigungsverfahren», betonte Madsen.

Hier seine Landtagsrede im Wortlaut… Video starten.

Ein zentraler Bestandteil, um zu mehr Verbindlichkeit zu kommen, soll ein Vergleich sein. «Wir werden untersuchen, ob und wie unterschiedliche Genehmigungsprozesse und Regelwerke zu Zeitverzögerungen und unnötigen Kosten führen», sagte der Verkehrsminister. Wichtige Vorhaben sollen laut Madsen durch gezielte gesetzliche Anpassungen und Entbürokratisierungsschritte beschleunigt und finanzielle Mittel effizienter eingesetzt werden.

Zu den geforderten Reformen zählen etwa eine Vereinfachung planungsrechtlicher Verfahren, der Abbau bürokratischer Hürden bei Wirtschaftlichkeitsberechnungen und die Einführung verbindlicher Lärmgrenzwerte für neue Schienenfahrzeuge.

Technik-Tüftler von „nascit“ ergattern weltweit renommierten Innovationspreis

Sie machen auf Wunsch Schiffe, Flugzeuge oder Eisenbahnwaggons leichter oder gern auch Batterien stärker – nun haben die findigen Tüftler des Kieler Startups „nascit“ einen weltweit renommierten Innovationspreis eingeheimst: Das Team um Geschäftsführer Karsten Wenige und seinem Technik-Chef Henning Winterfeld gehört zu den vier Gewinnern des diesjährigen Global Automotive & Mobility Innovation Challenge (GAMIC) in Detroit – einer der wichtigsten globalen Plattformen für Mobilitäts- und Automobilinnovationen.

„nascit“-Mitbegründer Winterfeldt (links) vor einem Jahr bei der Preisverleihung im Wirtschaftsministerium

Als einziges nicht-amerikanisches Startup hat sich das junge Unternehmen gegen 1.500 Mitbewerber durchgesetzt und die Jury mit seiner „Nanoscale Sculpturing“-Technologie überzeugt. Das Verfahren zur Veredelung von metallischen Oberflächen wurde einst an der Technischen Fakultät der Kieler Christian-Albrechts-Universität entwickelt.

Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen zeigte sich entsprechend begeistert: «Diese Auszeichnung ist eine großartige Bestätigung für die Innovationsstärke von ,nascit‘ und zeigt, dass aus Schleswig-Holstein heraus international relevante Innovationen entstehen können.» Ein wichtiger Schritt für das Start-up sei dabei der Gewinn des „Überflieger Wettbewerbs“ gewesen, den die Vereine StartUp SH, The Bay Areas und Marketingclub Schleswig-Holstein gemeinsam mit dem Land veranstalten.

Das Prinzip des Nanoscale Sculpturing erklärt Winterfeldt so: «Durch eine chemische Behandlung erhalten metallische Oberflächen eine hakenartige Struktur, die in der Lage ist, besonders stabile Verbindungen zwischen Metall- und Kunststoffkomponenten einzugehen. Damit biete die Technologie einen bedeutenden Fortschritt für die Automobilindustrie, die zunehmend auf Leichtbau und Materialkombinationen setze – aber auch im Bauwesen und bei der Batterieproduktion könne das Verfahren gewinnbringend eingesetzt werden.

Madsen nutzte die gute Nachricht aus den USA, um noch einmal für den aktuell laufenden „Überflieger“-Wettbewerb zu werben: Für die aktuelle Runde können sich junge Unternehmen aus Schleswig-Holstein noch bis zum 6. Juli unter www.startupsh.de bewerben. „nascit“-Technik-Chef Winterfeldt sagt: «Mit dem Überflieger konnten wir uns zum ersten Mal auf internationalem Parkett im Silicon Valley beweisen und durch die Netzwerke der Veranstalter haben sich auch in Kiel viele Türen für uns geöffnet und uns Zugang zu wichtigen Kontakten, Know-How und Unterstützung ermöglicht.»

Booster für die Marktreife

Vom Gewinn des GAMIC Awards erhofft sich das Start-up einen ähnlichen Effekt in den USA. Der GAMIC-Wettbewerb, organisiert von SAE International und der MI Innovation Alliance, gilt als eine der wichtigsten Plattformen für Mobilitäts- und Automobilinnovationen weltweit. In diesem Jahr wurden aus über 1.500 Bewerbungen zunächst 100 Viertelfinalisten ausgewählt, von denen es 18 ins Halbfinale und schließlich 8 Startups ins Finale schafften. Neben nascit wurden drei weitere Unternehmen aus den USA ausgezeichnet: Cerebrum Sensor (Kalifornien), Electric Fish (Kalifornien) und Fermi Energy (Virginia). Die Preisverleihung fand am 7. April 2025 im Rahmen des SAE World Congress in Detroit statt.

Die Preisträger erhalten umfangreiche Unterstützungsleistungen, darunter Zugang zu Mentoring, Branchenkontakten und Investoren. Ziel ist es, die Marktreife der ausgezeichneten Technologien zu beschleunigen.

„Smile 24“ erneut ausgezeichnet – Henckel: „Große Motivation für alle Projektpartner“

Weitere Auszeichnung für das 24/7-ÖPNV-Modellprojekt „SMILE24“: Am Rande des gestrigen Verkehrskongresses UITP in Hamburg erhielt das Angebot für die Kreise Rendsburg-Eckernförde und Schleswig-Flensburg eine internationale Auszeichnung, die NAH.SH-Chef Arne Beck entgegen nahm.

Staatssekretärin Henckel

Verkehrsstaatssekretärin Susanne Henckel freute sich über die Auszeichnung,: «Dass der Ansatz von SMILE24 auf einer globalen Bühne gewürdigt wurde, ist eine große Motivation für alle Projektpartner und für unsere weitere Arbeit für eine vernetzte, klimafreundliche und moderne Mobilität in der Fläche.»

Der UITP Award ist eine der begehrtesten Auszeichnungen im öffentlichen Verkehr. Er würdigt in neun Kategorien die ambitioniertesten und innovativsten Projekte der vergangenen zwei Jahre aus Städten und Regionen weltweit. Die SMILE24-Bewerbung hat die Top drei der global bedeutendsten Projekte erreicht – gemeinsam mit Mobilitätsprojekten aus China und der Schweiz. Dafür hat SMILE24 den Special Recognition Award erhalten, der die Relevanz und Wirkung des Modellprojektes für die nahtlose Verknüpfung von verschiedenen Mobilitätslösungen, insbesondere in ländlichen Räumen, unterstreicht. Der Award würdigt, dass SMILE24 in bedeutender Weise die Verknüpfung von verschiedenen Verkehrsmitteln im regionalen Verkehrssystem eingeführt und gestärkt hat. Dabei konnte das Projekt nachweisbare Verbesserungen beim Zugang zu und der Attraktivität von Mobilitätslösungen für eine signifikante Anzahl von Nutzer*innen erreichen. Zum globalen Award-Gewinner wurde das Projekt aus China gekürt.

«Der UITP-Special-Recognition-Award ist für SMILE24 eine besondere Auszeichnung. Er zeigt, dass das Projekt auch international in der Fachwelt wahrgenommen und anerkannt wird. Uns motiviert das, weiter alles für eine erfolgreiche Fortsetzung zu tun», sagte NAH.SH-Chef Beck.

NAH.SH-Geschäftsführer Dr. Arne Beck nimmt den Special Recognition Award von Renée Amilcar, UITP-President, entgegen

Was ist UITP?

UITP (Französisch: Union Internationale des Transports Publics) ist der globale Verband des öffentlichen Verkehrs. UITP setzt sich für nachhaltige Mobilität ein, fördert Forschung, Vernetzung und Weiterbildung und vertritt die Interessen von Verkehrsunternehmen, Städten und Technologieanbietern weltweit. Mit seiner fast 140-jährigen Tradition ist der UITP Summit Hamburg 2025 die wichtigste Veranstaltung für den Sektor des öffentlichen Verkehrs. Der Summit findet jedes Jahr in einer anderen Stadt statt. Er bietet hochkarätige Fachveranstaltungen für Fachleute, Expert*innen und Führungskräfte aus dem Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs.

Was ist SMILE24?

Der Projektname SMILE24 steht für Schlei-Mobilität: innovativ, ländlich, emissionsfrei und 24/7. SMILE24 ist ein ÖPNV-Modellprojekt, das als deutschlandweites Vorbild für Mobilität im ländlichen Raum dienen soll. Das Angebot an verschiedenen Verkehrsmitteln soll die Bewohner*innen der Region an Schlei und Ostsee und Tourist*innen rund um die Uhr mobil machen – ganz ohne eigenes Auto. Gemeinsam mit den Kreisen Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde hat NAH.SH das Projekt auf den Weg gebracht. SMILE24 ist Teil des Förderaufrufs für „Modellprojekte zur Stärkung des ÖPNV“ und erhielt im Januar 2023 den Zuwendungsbescheid über knapp 30 Millionen Euro vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr. Das Land Schleswig-Holstein fördert SMILE24 mit weiteren 7 Millionen Euro. Express- und Tourismuslinien zwischen den regionalen Zentren ergänzen den bisher bestehenden Nahverkehr. Die E-Busse ermöglichen die Fahrradmitnahme und Fahrgäste erhalten Ausflugstipps über die Bildschirme und das Bus-WLAN.

Außerdem fährt der On-Demand-Dienst NAHSHUTTLE rund um die Uhr dort, wo Buslinien nicht entlangführen und nachts, nach Betriebsschluss des Busverkehrs. Für mittlerweile gut 5.000 Fahrten pro Woche nutzen die Menschen das sogenannte NAHSHUTTLE. Ein weiteres Element ist die Ausweitung des Bike- und Carsharings. Das Besondere ist hier, dass mehr als 50 Leihstationen, nicht nur in den regionalen Zentren, sondern auch im ländlichen Raum und an touristisch interessanten Orten positioniert sind. Die ersten 30 Minuten jeder Leihe sind kostenlos. Elektrische Carsharing-Autos stehen an 14 Standorten mit Ladesäule bereit und ermöglichen sowohl stunden- als auch tageweise flexible Leihen. Ein mehrstufiges Fortbildungsangebot, das im Rahmen von SMILE24 konzipiert wurde, bietet Mitarbeitenden von Städten, Gemeinden, Kreisen sowie Ämtern, die Möglichkeit tiefer in das Thema Kommunales Mobilitätsmanagement einzutauchen. SMILE24 ist mit dem Deutschen Tourismuspreis 2024 und dem Mobilitätspreis 2024 ausgezeichnet.

Informationen zu SMILE24 als Flyer- oder im Videoformat gibt’s unter https://smile24.nah.sh/.

Madsen: Firmen sollten nicht dokumentieren müssen, wann sie bei grün über die Ampel gehen

Schleswig-Holsteins Ressortchef Claus Ruhe Madsen hat bei der Konferenz der Länder-Wirtschaftsminister in Stuttgart davor gewarnt, mit weiteren bürokratischen Belastungen der Wirtschaft in der gegenwärtigen ökonomischen Phase die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und der EU zu gefährden.

Madsen (links) bei der zweitägigen Wirtschaftsministerkonferenz in Stuttgart

«Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Verlässlichkeit müssen im gemeinsamen Fokus von Bund und Ländern stehen», sagte Madsen. Am Abend zuvor hatten die Ministerinnen und Minister im so genannten Kamingespräch darüber auch mit Mercedes-Chef Ola Källenius gesprochen.

Vor allem müssten laut Madsen weitere Kontrollsysteme und Berichtspflichten vermieden werden. «Wir müssen wieder stärker hin zu mehr Vertrauen und weniger bürokratischer Kontrolle kommen. Klar ist: Verstöße gegen geltendes Recht müssen geahndet werden. Es darf aber nicht so weit gehen, dass Unternehmer in der EU strafbewehrt verpflichtet werden, ständig zu dokumentieren, wenn sie bei grün über die Ampel gehen», sagte Madsen. Und zwar nabhängig davon, ob es dabei um Arbeitsstandards, Umwelt, Klima, oder andere schützenswerte Aspekte gehe. Vor diesem Hintergrund würden sich die Länderministerinnen und Minister dafür stark machen, dass die Umsetzung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes gestrichen und die Umsetzung auf EU-Ebene umfassend überarbeitet werde.

Auch die EU-Chemikalienregulierung betrachten Madsen und viele seiner Länderkollegenmit Sorge: «Sie sorgt in der Chemieindustrie und den von ihr abhängigen Wertschöpfungsketten durch immer höheren Aufwand, erhebliche Planungsunsicherheit, Innovations- und Investitionsstau für immensen Schaden.» Vor allem ein pauschales Verbot der so genannten Ewigkeitschemikalie PFAS sei der falsche Weg. Stattdessen müsse es einen differenzierten und risikobasierten Regulierungsansatz geben.

Darüber hinaus setzen sich die Wirtschaftsministerinnen und -minister der 16 Bundesländer darfür ein, die Rahmenbedingungen für Unternehmen und vor allem für Neugründungen deutlich zu verbessern. Bei ihrer zweitägigen Konferenz in Stuttgart beschlossen sie eine Reihe von Forderungen und Initiativen um Start-ups und Firmennachfolgen voranzubringen. „Wir müssen wieder mehr Unternehmertum wagen“, sagte Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin und Gastgeberin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU).

„Wir brauchen Menschen, die bereit sind, ins Risiko zu gehen, die investieren, die Neues wagen, die sich dem Wettbewerb vor Ort sowie national und international stellen“, so die CDU-Politikerin. Nach ihren Vorstellungen könnten solche Gründerinnen und Gründer auch aus den Führungsetagen der Industrie kommen. Schon vor der Konferenz hatte sie darauf hingewiesen, dass eine Unternehmensnachfolge eine Chance für Fach- und Führungskräfte sein könne, die durch die derzeitige Wirtschaftslage von einem Jobverlust bedroht seien. Hoffmeister-Kraut schlug „regionale Drehscheiben“ vor, um die Vermittlung solcher potenzieller Nachfolger zu erleichtern.

Einstimmig beschlossen die Minister, dass die Cybersicherheit erhöht werden müsse. Der Bund müsse sicherstellen, dass für Unternehmen auch künftig Unterstützungsmaßnahmen zur Verfügung stehen. Zudem müsse die Cybersicherheitsbranche gestärkt werden.

Kooperation für Schienenprojekte – gute Signale für DB-Bahnwerk und Marschbahn

Mit einer Kooperationsvereinbarung für mehr als ein Dutzend Bahn-Projekte haben DB-Vorstandschef Lutz und Ministerpräsident Günther heute die Säulen für den Ausbau der Schieneninfrastruktur in Schleswig-Holstein für die kommenden Jahre festgelegt. Für die Marschbahn geht das Land dabei erneut in Vorleistung – und für die Brücke Lindaunis wurde heute ein Zuschlag erteilt und ein Fertigstellungstermin definiert.

Die Landesregierung will den Ausbau der wichtigen Bahnstrecke nach Sylt zwischen Niebüll auf dem Festland und Westerland auf der Nordseeinsel mit der Vorfinanzierung der nächsten Planungen beschleunigen. Ziel sei den zweigleisigen Ausbau der Strecke in dem Tempo zu ermöglichen, «wie wir uns das in Schleswig Holstein wünschen», sagte Ministerpräsident Daniel Günther nach einem Treffen mit Bahnchef Richard Lutz in Kiel. Dabei geht es um Kosten in Höhe von mehreren Millionen Euro. In der Vergangenheit war das Land beim Ausbau der sogenannten Marschbahn bereits einmal in Vorleistung gegangen. Das Geld bekommt das Land jedoch von der Bahn erstattet.

DB-Chef Richard Lutz (links) mit Ministerpräsident Daniel Günther und Verkehrsminister Madsen heute im Gästehaus der Landesregierung nach dem Bahngipfel

Bei dem Treffen im Gästehaus der Landesregierung haben Politik und Unternehmen auch eine Kooperationsvereinbarung zur Sanierung des Schienennetzes, zur sogenannten Hinterlandanbindung des Ostseetunnels von Fehmarn nach Dänemark der S4 von Bad Oldesloe nach Hamburg und weiterer Vorhaben getroffen. Die Vereinbarung steht allerdings unter Finanzierungsvorbehalt.

DB-Vorstand Lutz sagte: «Mit den Generalsanierungen, der Schienenanbindung des Fehmarnbelttunnels oder den vielen innovativen Nahverkehrsprojekten machen wir Schleswig-Holstein zum Bahnland. Dafür unternehmen wir im Schulterschluss mit dem Land und auch dem Bund größte Anstrengungen. Denn nur gemeinsam können wir die Schienenmobilität der Zukunft bauen und gestalten. Der heutige Tag ist ein Startschuss für die klimafreundliche Verkehrswende im Norden.»

Verkehrsminister Madsen sagte nach dem heutigen Bahngipfel – Video starten…

Als elementaren Schritt für die Verbesserung der Gesamtsituation bezeichneten Lutz und Günther die Sanierung der so genannten Hochleistungskorridore Hamburg-Berlin, Hamburg-Lübeck und Hamburg-Flensburg. Die DB InfraGo wird Lutz zufolge sicherstellen, dass bei der Umsetzung der Milliardenprojekte – neben einem leistungsstarken Schienenersatzverkehr – vor allem die betroffenen Häfen, insbesondere der Hafen Lübeck, im notwendigen Maß erreichbar bleiben.

Wie Lutz weiter sagte, sei ein wesentlicher Bestandteil der Vereinbarung auch das Konzept der so genannten Zukunftsbahnhöfe. Demnach modernisiert die DB InfraGo Bahnhöfe in gesamt Deutschland ganzheitlich mit dem Umfeld betrachtet. «Auf diese Weise werden die Bahnhöfe aus einem Guss entwickelt, attraktiver, kundenorientiert und barrierefrei und wieder zum Aushängeschild der Eisenbahn», so der DB-Chef.

Ministerpräsident Günther zeigte sich erfreut, dass auch in die langwierige Problem-Dauerbaustelle Lindaunis an der Schlei endlich Bewegung komme: «Heute hat die DB uns mitgeteilte, dass für den Neubau der Brücke endlich der Zuschlag erteilt wurde und der Brücken-Neubau im August 2027 fertig sein soll.» Damit ende dann hoffentlich auch die schon enorm lange währende Geduldsprobe für die Menschen in der Region, so der Regierungschef.

Laut Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen stehen in Schleswig-Holstein auch die Bahnhöfe Bad Oldesloe, Büchen, Kiel, Niebüll und Pinneberg auf der To-do-Liste sowie bis zu vier vorstädtische S-Bahnhöfe und bis zu 35 Zubringerbahnhöfe. «Dank der hohen finanziellen Anstrengungen des Landes belegen unsere Personenbahnhöfe im bundesweiten Ranking aktuell den ersten Platz», so Madsen. Anders sei dies beim Netz-Zustand: Hier befinde sich Schleswig-Holstein mit einer Note von 3,23 immer noch am unteren Ende des Rankings.

Mit Blick auf das vom Bund beschlossene Sondervermögen von 500 Milliarden Euro sagte Ministerpräsident Günther: «Angesichts der gewaltigen Spielräume, die sich dadurch für zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur eröffnen, brauchen wir jetzt schnelle und mutige Schritte, damit wir das Geld schnell und effektiv ausgeben können. Vor allem müssen die Planungsabläufe drastisch verschlankt werden. Das steht ganz oben auf der Liste. Dafür setzen wir uns seit Jahren im Bund ein», so der Regierungschef.

Hier ein Livestream-Mitschnitt des Pressegesprächs (ab Minute 5):

Einig waren sich die DB-Vorstände und die Vertreterinnen und Vertreter der Landesregierung auch darin, dass eine gemeinsame Herausforderung bei der Modernisierung des Bahnverkehrs der große Fachkräftebedarf der Branche bleibe. Dafür prüft die DB AG derzeit unter anderem die Finanzierung einer Stiftungsprofessur für einen Masterstudiengang mit Ausrichtung auf Elektrotechnik in Schleswig-Holstein.

Sicherheit für das Bahnwerk Neumünster

Lutz dementierte bei seinem Besuch Gerüchte über eine mögliche Schließung des Bahnwerks in Neumünster: «Das Werk ist aktuell gut ausgelastet», sagte er. «Das wird auch die nächsten Jahre noch so bleiben.» Das sei die wichtige Botschaft, weil es Gerüchte gebe, dass kurzfristig Schließungsbeschlüsse im Raum stünden.

Lutz sagte aber auch: «Ich kann aber auch keine Standortgarantie sozusagen auf Ewigkeit abgeben.» Die Fahrzeugflotte der Bahn werde sich in den kommenden Jahren auch aus Klimaschutzgründen verändern. Es seien bislang allerdings keine Beschlüsse gefasst. Falls sich in Sachen Neumünster etwas konkretisieren sollte, wolle das Unternehmen das Thema eng mit dem Land Schleswig-Holstein besprechen.

Ministerpräsident Günther zeigte sich nach dem Gespräch zuversichtlich. «Ich bin sehr froh darüber, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren dort keine Veränderungen sein werden», sagte Günther. Es gehe um eine langfristige Perspektive für das Werk. Gemeinsam mit Verkehrsminister Madsen habe er für die Kompetenzen des Standorts geworben. «Die gute Nachricht ist erst mal: Wir reden jetzt nicht über kurzfristige Entscheidungen.»

SPD-Landtagsfraktionschef Serpil Midyatli sagte, laut Gewerkschaften und Betriebsrat seinen 600 Arbeitsplätze im Instandhaltungswerk ernsthaft in Gefahr gewesen. «Dass dieser Hängepartie jetzt zumindest für die nächste Zeit ein Ende gesetzt wurde, ist eine gute Nachricht.» Die Beschäftigten hätten eine stabile Zukunftsperspektive verdient. «Wir wollen nicht nächstes Jahr schon wieder über den Werkserhalt diskutieren müssen.»

Madsen bot dem DB-Vorstand auch erneut an, in Schleswig-Holstein Pilotprojekte zu starten – er sagte…

Kabinett komplett: Madsen macht Susanne Henckel zur neuen Staatssekretärin

Großer Gewinn für das Ressort von Verkehrs- und Arbeitsminister Claus Ruhe Madsen: Susanne Henckel ist neue Verkehrs- und Arbeitsstaatssekretärin in Schleswig-Holstein. Sie ersetzt Tobias von der Heide, der als Staatssekretär ins Bildungsministerium wechselt. Für Wirtschaft und Tourismus bleibt Staatssekretärin und Amtschefin Julia Carstens zuständig.

Ernennung am Rande des heutigen Kabinetts (v.l.) Ministerpräsident Daniel Günther, Staatssekretärin Susanne Henckel, Staatssekretärin und Amtschefin Julia Carstens, Minister Claus Ruhe Madsen.

Ministerpräsident Daniel Günther sagte heute bei der Übergabe der Ernennungsurkunde an die 60-jährige Ingenieurin im Kabinett (Bild oben): «Susanne Henckel bringt langjährige Erfahrung aus den Bereichen Bundesfernstraßen, Eisenbahn, Wasserstraßen, Häfen und Schifffahrt mit und weiß genau, wie man große Infrastrukturprojekte nicht nur plant, sondern auch umsetzt.»

Henckel war seit 2022 und bis zum Regierungswechsel Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium. Zuvor war die parteilose Politikerin unter anderem Geschäftsführerin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg sowie Chefin des Bundesverbandes SchienenNahverkehr.

Hier ein Livestream-Mitschnitt nach der heutigen Vorstellung der Staatssekretärin – Video starten…

Im Verkehrsbereich gebe es viel zu tun, sagte Günther. Mit dem Infrastruktur-Sondervermögen gebe es Spielraum, bisher bestehende Finanzierungslücken zu schließen und Projekte so schnell wie möglich auf die Schiene zu bringen. Verkehrsminister Madsen bezeichnete Henckel als «echten Glücksfall» für das Land. «Sie kennt unsere Themen – von der A20 über die Rader Hochbrücke bis zum Stellwerk Lehnshallig – bringt Erfahrung, strategischen Weitblick, ein großes Netzwerk und die nötige Umsetzungsstärke mit.»

Henckel betonte, sie kenne Land, Leute und Themen von mehreren Besuchen bereits ein wenig und freue sich auf die Aufgabe. «Mobilität ist auch in Schleswig-Holstein ein Schlüsselthema – für Klimaschutz, wirtschaftliche Entwicklung und Lebensqualität.» Sie wolle spürbare Fortschritte im öffentlichen Nahverkehr, im Schienennetz sowie für die Schifffahrt und die Häfen erzielen.

Im Gespräch mit Journalisten sagte die gebürtige Nordrhein-Westfalin weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Erst vor wenigen Wochen hatte Henckel zusammen mit Madsen in Berlin einen Parlamentarischen Abend zum Weiterbau der A 20 bestritten.