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Gegen Baustellen-Frust: Netzbetreiber Tennet zieht Mastbau auf Fehmarn vor

Wind- und Sonnenstrom gibt es reichlich in Schleswig-Holstein. Damit er zu den Verbrauchern kommt, werden neue leistungsfähigere Leitungen gebraucht. In Ostholstein werden Arbeiten sogar vorgezogen.

Staatssekretär Tobias von der Heide bei seinem Grußwort

Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet hat mit dem Bau von 16 Hochspannungsmasten in Ostholstein begonnen. Sie sind Teil der neue 380-Kilovolt-Ostküstenleitung, die ein wesentlicher Teil der Energiewende in Schleswig-Holstein ist. Die Leitung soll helfen, die großen Strommengen aus Windkraft und Photovoltaik zu den Verbrauchern zu bringen. Die alten Freileitungen reichen dafür nicht aus. Über das Baltic Cable verbindet die Ostküstenleitung Deutschland auch mit Schweden, wie Tennet mitteilte.

Schleswig-Holsteins Verkehrs-Staatssekretär Tobias von der Heide erinnerte in seinem Grußwort daran, dass die Stabilisierung der Versorgungssicherheit auch erheblich zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Schleswig-Holstein beitrage. «Dadurch werden neue Möglichkeiten für energieintensive Industrie-Ansiedlungen geschaffen.» Und mit Blick auf die Baustellen-Situation auf Fehmarn sagte er weiter: «Die Stromtrasse läuft parallel zur Fehmarnbelt-Hinterlandanbindung und beides ist mit erheblichen Bauarbeiten und Belastungen von Anwohnerinnen und Anwohnern verbunden.»

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Der Bau der 16 Hochspannungsmasten beginne vorzeitig, weil beim parallelen Bau von Ostküstenleitung und der Schienenanbindung zum Fehmarnbelttunnel Überschneidungen zu erwarten seien. So könnten die Bauzeiträume entzerrt und Kollisionen von Baustraßen und Logistikflächen vermieden werden. Ziel sei es, in Bereichen, wo sich die Baumaßnahmen der beiden Vorhaben überschneiden, die Arbeiten an der Ostküstenleitung vorzuziehen und vorzeitig zu beenden.

Die Ostküstenleitung besteht aus drei Abschnitten. Zwischen Henstedt-Ulzburg im Kreis Segeberg und Lübeck sind den Angaben zufolge bereits 108 von 115 Masten aufgestellt. Der zweite Abschnitt betrifft den Raum Lübeck. Dort werden etwa 40 neue Masten der 380-kV-Leitung 88 der heute vorhandenen 110-kV-Masten ersetzen. Der dritte Abschnitt führt vom Raum Lübeck in den Raum Göhl im Kreis Ostholstein. Er soll 121 Masten umfassen. 97 der aktuell bestehenden 110-kV-Masten können später abgebaut werden. Insgesamt wird die Ostküstenleitung rund 120 Kilometer lang sein.

Elektrifizierung der Marschbahn: Land vergibt erste Planungsaufträge

Weiteres Etappenziel für die Marschbahn auf dem Weg zu einer klimaneutralen Westküsten-Verkehrsachse: Die Landesregierung hat jetzt für die Elektrifizierung und den Ausbau der 173 Kilometer langen Strecke vier Ingenieurbüros mit ersten Leistungen beauftragt.

„Damit kommen wir unserem gemeinsamen Ziel ein Stück näher, ab Anfang der 2030er-Jahre anstelle von Dieselloks nur noch E-Züge unter Oberleitungen auf der Strecke fahren zu lassen. Das spart jährlich nicht nur 15 Millionen Liter Diesel und damit 65.000 Tonnen CO2, sondern bringt für die Fahrgäste vor allem auch mehr Stabilität in den Betrieb“, sagte Ministerpräsident Daniel Günther. Für die nun beauftragten Planungsleistungen der nächsten zwei Jahre gehe das Land mit rund 45 Millionen Euro in Vorleistung. Die europaweite Ausschreibung war vom Nahverkehrsverbund NAH.SH Ende 2023 gestartet worden.

Nach den Worten von Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen wird die Marschbahnstrecke für die weitere Planung in drei Abschnitte aufgeteilt. Den Zuschlag für den Abschnitt von Itzehoe bis Heide erhielt die Berliner „DB Engineering & Consulting GmbH“ und für die Abschnitte zwischen Heide und Husum sowie Husum bis Westerland die Bietergemeinschaft der Firmen „OBERMEYER Infrastruktur GmbH & CO. KG“, „Ramboll Deutschland GmbH“ und „Arcadis Germany GmbH“. „Die Elektrifizierung ist sozusagen das Upgrade, das die Marschbahn benötigt, um zukunftsfit zu werden.“, sagte Madsen. Die ersten Planungsergebnisse sollen 2026 vorliegen.

Die in der Ausschreibung gesuchten Ingenieurbüros sollen nicht zuletzt für einen stabilen Betrieb in der Bauphase auch die 26 Kilometer lange, wichtige Umleiterstrecke Jübek – Husum (Abschnitt 2) mit Oberleitung beplanen. Zudem wird untersucht, ob weitere Infrastrukturverbesserungen zusammen mit der Elektrifizierung umgesetzt werden können: Neue Weichenverbindungen, Geschwindigkeitserhöhungen, Maßnahmen an elf Bahnhöfen und Haltepunkten und auch der Ausbau von Abstellkapazitäten verbessern die Robustheit des Netzes und ermöglichen im Landesweiten Nahverkehrsplan (LNVP) vorgesehene Angebotsverbesserungen.

Außerdem wird geprüft, ob und wie die Erneuerung des Zugbeeinflussungssystems nach neuestem europäischem Standard umgesetzt werden kann. All diese Vorhaben, die über die Elektrifizierung der Strecke hinausgehen, können jedoch nur umgesetzt werden, wenn sie sich sinnvoll in die Planung und den Bau integrieren lassen und die Finanzierung sichergestellt ist. Über die weitere Umsetzung der umfassenden Ausbaumaßnahmen wird daher am Ende der Vorplanung, in etwa zwei Jahren, entschieden.

Für einen gemeinsamen Auftakt treffen sich Vertreter von NAH.SH, den Planungsbüros, der DB InfraGO sowie vom Land Schleswig-Holstein Anfang Februar für fünf Tage. Bei Streckenbereisungen und Workshops werde der Grundstein für die ersten Planungsschritte gelegt. Im Frühjahr folgen Informationstermine für die an der Marschbahnstrecke liegenden Kreise und deren politische Vertreter sowie für Umweltverbände.

Die Vorteile der Elektrifizierung auf einen Blick:

Die Marschbahn nimmt als nicht elektrifizierte, aber stark befahrene Bahnstrecke deutschlandweit eine Sonderrolle ein. Züge aus dem Rest des Bundesgebietes müssen derzeit in Itzehoe von E-Lok auf Diesellok umgekuppelt werden, was betrieblich nachteilig ist und zudem auch Zeitverluste und Mehrkosten mit sich bringt. Die vollständige Elektrifizierung soll diesen Sonderzustand beseitigen und außerdem noch folgende Vorteile mitbringen:

  • höhere Betriebsqualität auf der gesamten Marschbahnstrecke durch leistungsfähigere Elektrozü-ge, die eine geringere Anfälligkeit für Ausfälle zeigen und leichter zu warten sind,
  • klimaneutraler und CO2-freier Nah- und Fernverkehr durch lokal produzierten Windstrom,
  • Möglichkeit der ICE-Anbindung,
  • bessere Anbindung der Westküste setzt Impulse für Tourismus und Wirtschaft,
  • Kosteneinsparungen im Betrieb von ca. 8 Millionen Euro pro Jahr.

Job-Perspektive für Geflüchtete: Land fördert Netzwerk mit 6 Millionen Euro

In den vergangenen drei Jahren wurden 2.120 Geflüchtete durch das Beratungsnetzwerk „Alle an Bord! – Perspektive Arbeitsmarkt für Geflüchtete (PAM) auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt unterstützt. „Menschen mit Fluchthintergrund in Arbeit zu bringen, trägt nachweislich zur Integration bei. Deswegen fördern wir das Netzwerk auch weiterhin für die kommenden drei Jahre“, sagte Arbeitsminister Claus Ruhe Madsen.

Michael Saitner vom Paritätischen Wohlfahrtsverband (vorn links) freut sich über den Förderbescheid für das Netzwerk

Er übergab heute einen Förderbescheid über sechs Millionen Euro an Michael Saitner, Vorstand des Projektträgers „Der Paritätische Schleswig-Holstein“. „Diese guten Ergebnisse spiegeln die individuellen Bemühungen der Geflüchteten wider. Wir haben sie aber auch dem großen Engagement der Fachleute im Netzwerk zu verdanken“, betonte der Minister. 

Die Beraterinnen und Berater des Netzwerks konnten zwischen 2022 und 2024 von den teilnehmenden Geflüchteten 474 in Arbeit vermitteln, 118 in eine berufliche Ausbildung und 187 in ein Praktikum. Weitere 877 haben beispielsweise einen Sprachkurs, eine Qualifizierung oder ein Studium gestartet oder ihren Schulabschluss nachgeholt.

„Positiv ist, dass der Anteil geflüchteter Frauen in den Integrationsangeboten vom PAM mit 51 Prozent besonders hoch ist. Beim arbeitsmarktbezogenen Sprachtraining, das im Netzwerk angeboten wird, sind es sogar 65 Prozent“, hob Madsen hervor. „Ich freue mich daher, dass wir ab 2025 mehr Mittel aus dem Landesprogramm Arbeit bereitstellen können, um die Kapazitäten für das Sprachtraining zu verdoppeln und die Kurse erstmals landesweit anzubieten“ erläuterte der Minister. Durch den Ausbau könnten noch mehr Menschen an den Arbeitsmarkt herangeführt werden, so Madsen weiter.

„Der Paritätische Schleswig-Holstein“ ist als Projektträger von PAM zuständig für die Koordination des Netzwerks. „Gerade in Zeiten, in denen Fachkräfte dringend gesucht werden, ist es von zentraler Bedeutung, allen Menschen Zugang zu Bildung und beruflicher Entwicklung zu ermöglichen. Dieses Projekt stärkt nicht nur die individuelle Zukunft der Geflüchteten, sondern auch unsere Gesellschaft als Ganzes,“ sagte Michael Saitner.

Das Land fördert das Beratungsnetzwerks PAM inklusive des ausgebauten Sprachtrainings in den kommenden drei Jahren mit insgesamt rund sechs Millionen Euro aus dem Landesprogramm Arbeit. Davon stammen rund 2,7 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) und rund 3,3 Millionen Euro aus Landesmitteln. Gemeinsam mit dem vom Bund geförderten „Schwester“-Netzwerk B.O.A.T. („Beratung.Orientierung.Arbeit.Teilhabe  – Integrationsförderung für Geflüchtete in Schleswig-Holstein“) wird eine landesweite Beratungsstruktur zur Arbeitsmarktintegration sichergestellt.

Mehr Informationen zum Netzwerk PAM und zum Sprachtraining: https://www.alleanbord-sh.de/

Carstens freut sich über Aufwuchs beim Glasfaserbündnis SH auf 81 Betriebe

Schleswig-Holstein treibt seine Spitzenposition beim Glasfaser-Ausbau im Schulterschluss mit der Wirtschaft weiter voran: «Mit aktuell 77 Prozent anschließbarer Haushalte liegen wir bundesweit nicht nur klar vorn, sondern haben mittlerweile auch 81 Unternehmen, die sich unsere Ausbauziele zu eigen machen und uns damit weiteren Schub verleihen»“, sagte Technologie-Staatssekretärin Julia Carstens am Abend in Kiel. Beim mittlerweile 7. Glasfaser-Bündnistreffen traten neben der Deutsche Glasfaser GmbH (Düsseldorf) jetzt auch die schwedische Bahnhof Nätverk GmbH, die Breitband Südermarsch UG & Co.KG, die Münchner purtel.com GmbH sowie der Branchenverband VATM dem Bündnis bei.

Neu im Bündnis dabei (v.l.): Philipp Riederer von der Bahnhof Nätverk GmbH, VATM-Chef Frederic Ufer, Christof Sommerberg, Deutsche Glasfaser, Staatssekretärin Carstens, Markus von Voss (purtel.com) und Sonja Engfer von der Breitband-Gesellschaft Südermarsch.

Wie Carstens vor rund 80 Branchenexperten auf Einladung der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) sagte, basiert das 2018 gegründete Bündnis auf einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Anbieter. Alle Mitglieder verspflichten sich dabei, die Glasfaserstrategie der Landesregierung kooperativ und in fairem Wettbewerb miteinander zu unterstützen. Die Strategie sieht unter anderem den Einsatz von Fördermitteln nur dann vor, wenn es keine privatwirtschaftliche Lösung gibt. Neben dem eigenen Glasfaserausbau können die Bündnismitglieder auch durch die Bereitstellung und Nutzung von so genannten Open-Access-Produkten für Internetdienste dazu beitragen, die Auslastung der Glasfasernetze durch mehr Endkunden zu steigern.

Im Gespräch mit Moderator Klaus Winkler sagte Carstens weiter – (Livestream-Mitschnitt starten)

Carstens appellierte bei dem Netzwerktreffen einmal mehr an Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer sowie Betriebe, sich die Chance auf einen Glasfaseranschluss nicht entgehen zu lassen. „Das steigert den Marktwert Ihrer Immobilien und ist für kleine und mittelständische Betriebe in Zeiten zunehmender Digitalisierung ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.“ Die Landesregierung habe im vergangenen Jahr weitere 50 Millionen Euro zur Kofinanzierung des Glasfaserausbaus in förderbedürftigen Regionen bereitgestellt.

Der weitgehend flächendeckende Ausbau, der bis Ende 2025 geschafft sein soll, gelinge aber nicht allein durch Förderprojekte. „Wir sind deshalb froh, jetzt weitere fünf Partner an unserer Seite zu wissen, die sich für mehr Wettbewerb auf dem Netz und einen noch stärkeren Ausbau in Schleswig-Holstein stark machen. Nur so wird es möglich sein, Schleswig-Holstein flächendeckend mit Glasfaser zu erschließen“, sagte Carstens. Als „Wermutstropfen“ bezeichnete sie den bisherigen Verzicht der Deutschen Telekom auf eine Mitgliedschaft in dem Nord-Bündnis.

Christof Sommerberg, Bereichsleiter Public Affairs der Deutschen Glasfaser, sagte zum Beitritt seines Unternehmens: „Bei der Versorgung mit Glasfaser ist Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich bereits weit fortgeschritten. Die flächendeckende Digitalversorgung der Regionen ist und bleibt jedoch eine gesamtgesellschaftliche Mammutaufgabe. Daher freuen wir uns, dem Bündnis für den Glasfaserausbau beizutreten, um gemeinsam die digitale Zukunft des Landes mitzugestalten.“

Markus von Voss, Geschäftsführer der purtel.com GmbH: „Die purtel.com hat als neutraler Dienstelieferant für zahlreiche Stadtwerke bereits einen wichtigen Beitrag zum Glasfaserausbau in Schleswig-Holstein geleistet. Mit dem Beitritt zum Bündnis bekräftigen wir unser Engagement für fairen Wettbewerb und offene Netze. Als Aggregator und mit unserer geplanten Open Access Plattform wollen wir den Glasfasermarkt weiter öffnen und die Nutzung bestehender Netze für alle Marktteilnehmer wirtschaftlich und effizient gestalten.“

Philipp Riederer, Senior Advisor Germany der Bahnhof Nätverk GmbH: „Wir freuen uns, dem Bündnis beizutreten und unterstützen die Ziele voll und ganz. Schleswig-Holstein hat bereits wichtige Meilensteine erreicht, und wir fühlen uns geehrt, unsere Erfahrungen aus anderen Ländern in Schleswig-Holstein einbringen zu dürfen und somit einen Mehrwert zu schaffen. Wir wollen den Endkunden-Glasfasermarkt und die damit verbundenen Chancen ankurbeln“.

Dr. Frederic Ufer, VATM-Geschäftsführer, sagte: „Schleswig-Holstein gehört zu den Vorzeige-Bundesländern beim Glasfaserausbau, dank kluger politischer Weichenstellungen und der engen Abstimmung mit den ausbaustarken Unternehmen. Die Take-Up-Rate zu steigern und in einigen Jahren vom veralteten Kupfernetz zur hochleistungsfähigen Glasfaser zu migrieren, sind Herausforderungen, die Branche und Politik gemeinsam meistern müssen. Der VATM unterstützt daher sehr gerne als Mitglied das Bündnis für den Glasfaserausbau im nördlichsten Bundesland.“

Bahnstrecke Hamburg-Geesthacht: SH und HH stellen Weichen für Planungsstart

Schleswig-Holstein und Hamburg haben gemeinsam einen weiteren Meilenstein für die Reaktivierung der Bahnstrecke Hamburg-Geesthacht gesetzt: Am Freitagabend schlossen die Nachbarn eine Ländervereinbarung, die beidseitig gezeichnet werden kann, sobald der zuständige Wirtschafts- und Finanzausschuss in Schleswig-Holstein zugestimmt hat. Das ist für Mitte Februar vorgesehen. Mit der Ländervereinbarung werden Mittel in Höhe von 1,5 Millionen Euro freigegeben, mit denen die beauftragte AKN Eisenbahn GmbH (Kaltenkirchen) die Vorplanung für die Strecke starten kann.

Voraussichtlich Ende 2026 soll die Vorplanung abgeschlossen sein.

Verkehrsstaatssekretär Tobias von der Heide sagte dazu – Audio (im Browser) starten:

Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende der Freien und Hansestadt Hamburg: „Ich freue mich, dass Hamburg und Schleswig-Holstein einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Ausbau und Reaktivierung der Bahnstrecke Hamburg-Geesthacht gehen. Die gemeinsame Planung wird damit konkretisiert und die Grundlage für eine Schienenanbindung gelegt, von der der Achsenraum Hamburg – Geesthacht maßgeblich profitieren soll. Neben den schon in Bau befindlichen Linien S4-Ost zwischen Hamburg und Bad Oldesloe und S5 Hamburg – Kaltenkirchen ist die Strecke nach Geesthacht ein weiteres wichtiges Vorhaben, das beide Länder noch enger miteinander verbindet. Neue Schienenstrecken bieten zigtausenden Menschen in Stadt und Umland einen zuverlässigen und schnellen Zugang zum öffentlichen Nahverkehr. Sie entlasteten nachhaltig auch die Straßen in der Metropolregion und tragen der steigenden Nachfrage nach bequemer Mobilität ebenso Rechnung wie der Tatsache, dass die Metropolregion und Hamburg stetig wachsen.“

Phi-Stone wächst und begeistert den Wirtschafts- und Technologieminister

Neuer Phi-Stone-Produktions-Standort in Flintbek

Der international tätige Wirkstoffhersteller PhiStone hat heute in Flintbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde) eine Produktionshalle eröffnet. Das Unternehmen möchte dort unter anderem Hautpflegeprodukte und ein Wundschutzgel herstellen, das nach eigenen Angaben Herpesviren außer Kraft setzen kann. Zuletzt sei die Nachfrage nach den Produkten gestiegen, weshalb die Produktionskapazitäten umfassend erhöht werden mussten.

Hier ein paar Impressionen von der heutigen Eröffnung – Video starten…

Phi-Stone hat seinen Ursprung an der Kieler Christian-Albrechts-Universität. Für die neue Produktionshalle gab es im vergangenen September einen Förderbescheid über knapp 900.000 Euro vom Land. Damit wurden acht neue Öfen gebaut, die den Wirkstoff herstellen, insgesamt drei Tonnen pro Jahr. Vorher waren es 50 Kilogramm.

Laut Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen ist das ein Positivbeispiel, wie aus Forschung ein erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen wird. Das sei in den letzten Jahren gerade in Schleswig-Holstein eher selten gelungen. Am neuen Standort in Flintbek sind dadurch nun 30 Arbeitsplätze entstanden.

Arbeitstreffen: Bahnchef Lutz mit DB-Spitze zu Gast bei der Landesregierung

DB-Vorstandsvorsitzender Richard Lutz im Gespräch mit Verkehrsminister Madsen (links) und Verkehrs-Staatssekretär Tobias von der Heide

Die klimafreundliche Modernisierung der Schienen-Infrastruktur in den kommenden Jahren wird über die Frage entscheiden, wie schwungvoll in Deutschland die vielbeschworene Mobilitätswende gelingt. Ein Thema, dass vor allem die Deutsche Bahn als größtem Infrastruktur-Betreiber zu einem engen Verbündeten der Landesregierung macht.

Vor diesem Hintergrund fand heute auf Anregung von Ministerpräsident Daniel Günther in Kiel ein zwar hochrangiges, aber rein internes Arbeitstreffen in Kiel statt. Neben Bahnchef Lutz mit dabei: DB-Infrastrukturvorstand Berthold Huber, die beiden Konzernbevollmächtigten Tobias Heinemann (Gemeinwohlorientierte Schieneninfrastruktur) und Ute Plambeck (für die Nord-Länder) sowie Frank Limprecht, Leiter Infrastrukturprojekte Nord bei der DB InfraGo.

Über die Zwischenergebnisse vereinbarten die Teilnehmenden zunächst Stillschweigen. Allerdings: Im Frühjahr – voraussichtlich im Mai – wird es zu einem Folgetreffen kommen. «Und dann», so Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen, «streben wir eine konkrete Vereinbarung an».

Familienfreundlich: Carstens zeichnet 5 Betriebe im Kreis Schleswig-Flensburg aus

So geht Fachkräfte-Bindung: Das „Bündnis für Familie im Kreis Schleswig-Flensburg“ hat heute in Schleswig einmal mehr besonders familienfreundliche Arbeitgeber ausgezeichnet. Mit dabei: Unsere Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens.

Julia Carstens im Gespräch mit einer der Preisträgerinnen

Für die CDU-Politikerin eine echte Herzensangelegenheit: «Angesichts einer drohenden Fachkräftelücke in Schleswig-Holstein von über 325.000 Menschen im Jahr 2035 werden sich Betriebe künftig nicht mehr leisten können, familienfreundliche Arbeitsbedingungen außer acht zu lassen. Und zwar nicht nur bei der Einstellung, sondern als kontinuierliches Element des Personalmanagements», sagt Carstens. Und nach der Preisverleihung sagte sie weiter – Video starten…

Und die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs sind:

In der Branche Dienstleistungen: „tyskrevision Steuerberatungsgesellschaft“ aus Handewitt.

In der Branche Handwerk: Jan Brügge Bootsbau aus Grödersby

In der Branche Produzierendes Gewerbe: „Mau und Mittelmann“ aus Kappeln

und als „Dauerbrenner-Preisträger“ das Unternehmen „TRIXIE Heimtierbedarf“ aus Tarp

FSG und Nobiskrug: Optimismus für eine Rettung der Werften wächst

Die Zeit für die insolventen Werften Nobiskrug und FSG ist knapp. Die vorläufigen Insolvenzverwalter sind dennoch zuversichtlich. Doch zunächst müssten die Mitarbeiter einen Umweg mitmachen.

Die beiden Insolvenzverwalter erläutern dem Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister den Stand der Investorensuche

Die Perspektiven für die insolventen Werften Nobiskrug in Rendsburg und FSG in Flensburg haben sich offenbar verbessert. Die vorläufigen Insolvenzverwalter Hendrik Gittermann (Nobiskrug) und Christoph Morgen (FSG) sagten heute nach einer Versammlung mit den Beschäftigten, es gebe für jeden Standort jeweils einen Interessenten. Es seien Unternehmen aus der Branche.

Allerdings könne – sollte es in der zur Verfügung stehenden Zeit bis Ende Januar zu Einigungen kommen – nicht sofort mit der Arbeit an neuen Projekten begonnen werden. Die verbliebenen Beschäftigten, zuletzt war von 500 an beiden Standorten die Rede, müssten zunächst in eine Transfergesellschaft wechseln. Grund seien notwendige Investitionen. Außerdem müssten zum Beispiel für Kräne Tüv-Zertifikate erneuert werden. Nach Gittermanns Angaben wären für eine Transfergesellschaft zunächst drei Monate vorgesehen.

Hendrik Gittermann (links) kümmert sich um die Zukunft der Rendsburger Werft Nobiskrug, sein Kollege Christoph Morgen um die FSG

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther, der gemeinsam mit Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen an den Gesprächen teilnahm, äußerte sich optimistisch. «Sie sehen mich hier heute wirklich voller Zuversicht.» Seine Hoffnung sei groß, dass viele Beschäftigte bereit seien, in den nächsten schweren Monaten mitzuziehen. «Der Schritt in eine Transfergesellschaft ist beileibe kein einfacher Schritt, der gemacht werden muss.» Er habe an alle Mitarbeiter appelliert, diesen Weg mitzugehen, auch wenn das zunächst eine Verschlechterung der Bedingungen bedeute.

Das Land werde so weit wie möglich unterstützen, sagte Günther ohne Einzelheiten zu nennen. «Ich habe den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zugesichert, das Claus Ruhe Madsen und ich auch nicht zum letzten Mal im Januar hier sind.»

Zuversichtlich äußerte sich auch Martin Bitter von der IG Metall. Der Wechsel in eine Transfergesellschaft sei für die Beschäftigten zwar eine Zumutung. Es sei allerdings die einzige Möglichkeit, eine Perspektive aufzuzeigen. Die Finanzierung der Transfergesellschaft sei noch nicht gewährleistet, sagte Bitter. «Wir als IG Metall sehen hier in erster Linie eine Verantwortung bei den zukünftigen Investoren. Wir sehen aber auch eine Verantwortung beim Land.»

Der Rendsburger IG-Metall-Bevollmächtigte Martin Bittermann bei dem heutigen Treffen in Rendsburg

Zu dem Interessenten für die Nobiskrug-Werft sagte Gittermann, es sei ein deutsches Schiffbauunternehmen. «Alle Beteiligten hier trauen diesem Investor zu, hier zukünftig Schiffe zu bauen.» Den Betrieb wieder hochzufahren werde aber Zeit dauern und Geld kosten. «Wir sind sehr optimistisch, dass es für die überwiegende Zahl der Mitarbeiter eine Lösung geben wird.»

In Flensburg sei der Interessent ein deutsches Familienunternehmen, dass Werft- und Stahlbau betreibe, sagte Morgen. Es werde auch mit dem australischen Kunden verhandelt, für den eine Fähre bei der FSG im Bau sei. «Es ist von großem Interesse für diesen Kunden, dass das Schiff in Flensburg fertiggestellt wird.»

Am 12. Dezember 2024 war bekanntgeworden, dass die Amtsgerichte Flensburg und Neumünster für vier Gesellschaften der Werftengruppe des Investors Lars Windhorst die Insolvenzeröffnungsverfahren eingeleitet haben. Die beiden Werften gehören zur Tennor-Gruppe von Windhorst. Sie haben schon seit längerer Zeit Probleme.

Arbeitsmarkt 2025: Land und Bundesagentur verhalten optimistisch

In Schleswig-Holstein gibt es mehr Beschäftigte als 2023 – doch gleichzeitig auch mehr Arbeitslose. Der Ausblick, den heute der Chef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Markus Biercher, und Arbeits-Staatssekretär Tobias von der Heide wagten, steht dabei im Zeichen des demografischen Wandels.

Nach Angaben von Biercher stieg die Zahl der Beschäftigten in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr auf rund 1.058.000 Menschen. Dies seien 6.100 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte mehr als 2023, sagte er in Kiel bei der Vorstellung der Jahresbilanz des Arbeitsmarktes. Nie zuvor seien so viele Menschen in Lohn und Brot gewesen wie im September 2024. In dem Monat waren insgesamt 1.071.900 Menschen im nördlichsten Bundesland beschäftigt. Vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der öffentlichen Verwaltungen sei die Zahl der Beschäftigten gestiegen.

Allerdings gebe es auch Wirtschaftsbereiche, die Beschäftigungsverluste hinnehmen mussten, wie etwa der Handel oder das verarbeitende Gewerbe. «Trotz dieser positiven Gesamtentwicklung stieg gleichzeitig die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt auf 92.500 gemeldete Arbeitslose an», erklärte Biercher. Dies sei ein Plus von 4.700 zum Jahr 2023.

Im Gespräch mit Journalisten sagten Biercher und von der Heide weiter (Audios starten)

Markus Biercher (im Gespräch mit R.SH)

RD-Nord-Chef Markus Biercher und Arbeits-Staatssekretär Tobias von der Heide

Tobias von der Heide (im Gespräch mit NDR 1 Welle Nord)

Wie von der Heide mit Blick auf den Arbeitsmarkt weiter sagte, bleibe der Arbeits- und Fachkräftemangel die größte Herausforderung am Arbeitsmarkt. Dazu werde die Situation durch den demografischen Wandel angeheizt. «Unsere Arbeitsmarktprojektion geht in der Zehnjahresperspektive von über 300.000 Fach- und Arbeitskräften aus, die unserem Arbeitsmarkt fehlen werden», erklärte er. Das sei etwa ein Drittel des Arbeitsmarktes.

Biercher rechnet für 2025 trotz schwieriger Marktlage mit über 50.000 neu gemeldeten Arbeitsstellen in Schleswig-Holstein. «Unternehmen sollten sich dreimal überlegen, ob sie ihre langjährige Arbeits- und Fachkraft entlassen», betonte er. Ferner habe die berufliche Aus- und Weiterbildung von Arbeitssuchenden für die Arbeitsagenturen höchste Priorität. Auch sei sich intensiv um geflüchtete Menschen und ihren Weg in Arbeit gekümmert worden. Biercher: «Wir sind der festen Überzeugung, dass Arbeit das beste Instrument ist, um Menschen zu integrieren.»

Gleichzeitig sei Integration auch das beste Instrument, um dem Arbeits- und Fachkräftemangel wirkungsvoll zu begegnen. So sind laut Biercher im Jahr 2024 knapp 6.300 Ukrainerinnen und Ukrainer in Schleswig-Holstein beschäftigt. Dies seien rund 2.000 mehr als noch im Jahr zuvor.

Hier ein Teil-Mitschnitt des heutigen Pressegesprächs in der Regionaldirektion:

Arbeitslosenzahlen: Jahresdurchschnitt 202 zu 2023

  • insgesamt 92.500 / +4.700 oder +5,4 Prozent
  • Langzeitarbeitslosigkeit: 30.600 / +1.500 oder +5,2 Prozent
  • Unter 25: 9.400 / +800 oder +9,3 Prozent
  • 55 Jahre und älter: 22.487 / +1.600 oder +7,5 Prozent
  • Menschen mit Behinderung: 4.900 / +200 oder + 3,6 Prozent
  • Ausländer: 29.500 / +1.800 oder +6,5 Prozent
  • Arbeitslosenquote: 5,7 Prozent, im Vorjahr: 5,5 Prozent

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung 2024 zu 2023

  • 1.058.500, Anstieg um 6.100 oder 0,6 Prozent
  • Gesundheits- und Sozialwesen: +4.300
  • Öffentliche Verwaltung/Sozialversicherungen: +2.000
  • Verkehr und Logistik: +900
  • Handel: -2.100
  • Baugewerbe: -1.000
  • Verarbeitendes Gewerbe: -600

Bestand: sozialversicherungspflichtige Stellenangebote 2024 zu 2023

  • 25.100 / -1.800 oder -6,6 Prozent; Schwerpunkte: Gesundheits- und Sozialwesen, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen, Handel, Verarbeitendes Gewerbe, Baugewerbe, Öffentliche Verwaltung