Praktikumsprämie soll jungen Menschen das Handwerk schmackhaft machen

In den schleswig-holsteinischen Handwerksberufen klafft derzeit eine Lücke von weit über 10.000 Fachkräften – Tendenz seit Jahren steigend. Aktuell sind zwischen List und Lauenburg zudem über 2.500 Azubi-Stellen unbesetzt. Um diesen Trend zu stoppen, steuern Handwerkskammer und Landesregierung jetzt erstmals mit einer „Praktikumsprämie“ von 120 Euro pro Woche gegen.

Ein Teil der Belegschaft der FTK Förde Tischlerei in Kiel Wellsee mit Geschäftsführer Lars-Hendrik Hasch (3.v.r.) und Staatssekretärin Carstens (Mitte): Viele Nachwuchskräfte des Mittelstands-Betriebs fanden den Weg ins Unternehmen und die Branche über ein Schüler-Praktikum.

„Das heißt, Schülerinnen und Schüler können ab sofort die Prämie erhalten, wenn sie in den Ferien ein Praktikum in einem Handwerksbetrieb absolvieren“, erläuterte Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens heute (13. Juni) beim Besuch der „FTK Förde Tischlerei“ in Kiel-Wellsee. Das Land stelle dafür Mittel in Höhe von insgesamt 80.000 Euro bereit.

Wie Carstens weiter sagte, müssten die Schülerinnen und Schüler mindestens 15 Jahre alt sein und eine allgemeinbildende Schule in Schleswig-Holstein besuchen. Die Prämie, die vor allem zur Abdeckung von Fahr- und Verpflegungskosten gedacht sei, könne bereits für die Sommerferien in Anspruch genommen werden. Pro Kalenderjahr und Schülerin oder Schüler werden maximal zwei Praktikumswochen gefördert.

Legte selbst Hand an: Staatssekretärin Julia Carstens (links) mit Azubi Martje Harders

„Handwerksberufe lassen sich theoretisch schwer erkunden, sie leben vom Ausprobieren und Anpacken. Darum bauen wir diese Brücke und hoffen, dass möglichst viele junge Menschen davon Gebrauch machen und dabei vielleicht ihre Neigung zu einem Handwerksberuf entdecken“, sagte Carstens. Sie erinnerte dabei an die hohe gesellschaftliche Relevanz der Branche: „Ohne Bäcker, Tischler oder Kfz-Mechatroniker kann der Alltag oft kaum bewältigt werden.“

Zur Praktikums-Prämie sagte Carstens weiter – Video starten…

Ralf Stamer, Präsident der Handwerkskammer Schleswig-Holstein, sagte: „Die große Fachkräftelücke im Handwerk lässt sich nur schließen, wenn wir ausreichend junge Menschen für eine Ausbildung mobilisieren und sie von den vielfältigen Möglichkeiten im Handwerk überzeugen. Gerade Praktika sind dafür hervorragend geeignet. Sie ermöglichen Jugendlichen Einblicke in Berufe und sind häufig die Eintrittskarte in eine Ausbildung.“ Die Handwerkskammer setzt die Prämie organisatorisch um.

Laut Stamer bietet jeder vierte der insgesamt rund 33.000 Handwerksbetriebe in Schleswig-Holstein Lehrstellen an. „Und oft werden ganz naheliegende Möglichkeiten in der Berufswahl nicht wahrgenommen, wie die Tischlerei um die Ecke oder der Metallbaubetrieb im Nachbardorf. Dabei bieten gerade diese Unternehmen tolle Ausbildungs- und Karrierewege. Mit der Prämie wollen wir den Fokus darauf lenken und einmal mehr die Türen für Schülerinnen und Schüler öffnen“, so der Kammerpräsident.

Das Antragsverfahren zur Praktikumsprämie läuft zentral über die Handwerkskammer Flensburg. Ab heute können über die Webseite www.hwk-flensburg.de die entsprechenden Informationen abgerufen und Anträge online gestellt werden.

Weitere Informationen für Schüler und Betriebe: www.hwk-flensburg.de oder www.hwk-luebeck.de

Corona-Schlussrechnung: Madsen mahnt Betriebe und Steuerberater zur Eile

Dank einer Fristverlängerung können in Schleswig-Holstein noch bis zum 30. September Schlussabrechnungen für einen Teil der Corona-Wirtschaftshilfen eingereicht werden. „Leider gibt es erst zu knapp 62 Prozent der ursprünglichen Anträge eine Rückmeldung“, sagte Madsen heute am Rande der Wirtschaftsministerkonferenz. Es wäre fatal, wenn Betriebe Wirtschaftshilfen zurückzahlen müssten, weil ihre Schlussabrechnung nicht eingereicht wird. „Nutzen Sie also die Fristverlängerung und reichen Sie möglichst in den kommenden Wochen die Schlussabrechnung ein. Denn wer die Abrechnung auf die lange Bank schiebt, riskiert eine vollständige Rückzahlung der Gelder. Eine erneute Fristverlängerung über den 30. September hinaus wird es nicht geben“, so Madsen. Die Einreichung der Schlussabrechnungen erfolgt in aller Regel über „prüfende Dritte“, also Steuerberatende und Wirtschaftsprüfende.

Lars Lanbin, Präsident des Steuerberaterverbands Schleswig-Holstein, appelliert an seinen Berufsstand: „Es hilft uns sehr, dass wir im engen Schulterschluss mit der Landesregierung und der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) eine Fristverlängerung auf Bundesebene für die Einreichung der Schlussabrechnungen erreichen konnten. Die Zeit drängt und wird immer kürzer, um die noch fehlenden Schlussabrechnungen bis zum 30. September einzureichen. Durch die bevorstehende Ferien- und Urlaubszeit sind Engpässe unvermeidbar. Dennoch sollten die Kolleginnen und Kollegen im Interesse der Mandantinnen und Mandanten die Zeit bis zum 30. September nutzen, um noch ausstehende Schlussabrechnungen einzureichen.“

Madsen erinnerte daran, dass die IB.SH seit Ausbruch der Corona-Pandemie im März 2020 aus mehr als zwölf Hilfsprogrammen rund 2,37 Milliarden Euro aus Bundes und Landesmitteln an über 127.000 Antragstellende in Schleswig-Holstein ausgezahlt hat. Bei den Hilfsprogrammen handelte es sich um Soforthilfen, diverse Überbrückungshilfen, November- und Dezemberhilfe sowie Neustart- und Härtefallhilfen. Die auslaufende Einreichungsfrist der Schlussabrechnung zum 30. September ist für die Überbrückungshilfen sowie die November- und Dezemberhilfe relevant.

Bund und Länder hatten sich im März auf eine letztmalige Verlängerung der Abrechnungsfrist auf den 30. September 2024 verständigt. Zudem konnte die Abwicklung vereinfacht werden. Beispielsweise werden im beschleunigten Verfahren Fälle mit deutlich weniger oder keinen Rückfragen beschieden.

Ministerkonferenz: Madsen für mehr Beinfreiheit der Wehrtechnik-Branche

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) möchte für die Betriebe der Wehrindustrie vereinfachte Ausfuhrbestimmungen und einen verbesserten Zugang zu den Finanzmärkten erreichen. Mit einem entsprechenden Antrag geht Madsen in die heute beginnende Sommerkonferenz der Länder-Wirtschaftsminister im bayrischen Landshut.

Beim Wehrtechnik-Gipfel der Landesregierung (v.l.): Ministerpräsident Daniel Günther, Wirtschaftsminister Madsen, Andreas Burmester (Maritimer Koordinator SH) und Wirtschafts -Staatssekretärin Julia Carstens

«Deutschland muss angesichts der veränderten europäischen Sicherheitslage stärker in seine Verteidigungsbereitschaft und Bündnisfähigkeit investieren», sagte Madsen der Deutschen Presse-Agentur. Allein Schleswig-Holstein verfüge über mehr als 30 führende wehrtechnische Betriebe mit rund 8.500 Beschäftigten. Mit seinem Vorstoß flankiere er in der Konferenz einen entsprechenden Antrag aus Niedersachsen.

«Ich bin mir mit meinem Kollegen Olaf Lies einig, dass die deutsche Sicherheits- und Wehrindustrie angesichts ihrer herausragenden Expertise schnell und planungssicher am 100-Milliarden-Sondervermögen des Bundes teilhaben muss», sagte Madsen. Auf diese Weise würde in einer konjunkturell ohnehin schwierigen Phase Wertschöpfung in die Bundesländer geholt und gut bezahlte Arbeitsplätze gesichert.    Wie der Minister weiter sagte, bedürfe eine glaubwürdige und strategische Umsetzung der Zeitenwende klarer Signale der Bundesregierung, dass dauerhaft jährlich mindestens zwei Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung in die Verteidigung und in die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr investiert werden.

Madsen: «Wir müssen in den Bundesländern die Kernkompetenzen der wehrtechnischen Industrie erhalten. Und das braucht vereinfachte und harmonisierte Ausfuhrbestimmungen und weniger bürokratische Hürden, etwa bei der Kapital-Beschaffung.» Angesichts des fortgesetzten russischen Angriffskrieges sei es notwendig, in Fällen von besonderem deutschen Sicherheitsinteresse oder der Verbündeten eine genehmigungsrechtliche Privilegierung vorzunehmen.

Zwei Dänen, zwei Länder – ein Ziel: Jütlandkorridor braucht starken Schienenverkehr

Seit Dezember gibt es keinen direkten Zug von Hamburg über Schleswig nach Aarhus. Stattdessen fährt der Zug über Schleswig und Kolding nach Kopenhagen. Dänemarks Verkehrsminister Thomas Danielsen und sein schleswig-holsteinischer Amtskollege Claus Ruhe Madsen setzen sich unter anderem deshalb dafür ein, den grenzüberschreitenden Schienenverkehr auf der Jütlandroute zu stärken.

„Nach Fertigstellung der Fehmarnbeltquerung werden alle Fernverkehrsverbindungen zwischen Hamburg und Kopenhagen auf diese Verbindung verlegt. „Es müssen rechtzeitig Weichen gestellt werden, damit auch nach Fertigstellung des Belttunnels weiterhin Fernzüge zwischen Hamburg und Kopenhagen auf der Jütlandroute verkehren“, sagte Madsen heute bei der diesjährigen Sitzung der deutsch-dänischen Verkehrskommission in Glücksburg bei Flensburg.

„Ich bin mir mit meinem Kollegen Danielsen einig, dass wir nach Fertigstellung des Belttunnels zwischen Hamburg und Aarhus gute und vor allem direkte Verbindungen benötigen“, sagte Madsen. Eine entsprechende „Gipfelerklärung“ sei im vergangenen Jahr bereits mit der Region Süddänemark vereinbart worden und er sei froh, dass sich auch das Transportministerium diesen Zielen anschließe. Madsen erinnerte aber auch daran, dass der Schienenfernverkehr in Deutschland eigenwirtschaftlich organisiert sei und die Landespolitik nur wenig Einfluss darauf habe.

Hier ein Livestream-Mitschnitt des gesamten Pressegesprächs – Video starten

Hintergrund: Seit Dezember letzten Jahres verkehren die bisherigen beiden Euro-City-Zugpaare ab Hamburg aus technischen Gründen statt nach Aarhus nach Kopenhagen. Die Züge Hamburg-Kopenhagen fahren dafür im durchgehenden Zwei-Stunden-Takt. Zusätzlich verkehrt ein von Schleswig-Holstein mitfinanzierter Zug alle zwei Stunden zwischen Flensburg und Fredericia mit Anschlüssen von und nach Hamburg sowie von und nach Aarhus.

Verkehrsminister Danielsen machte deutlich, dass gute Verbindungen im Jütlandkorridor sowohl aus Klima- als auch aus Mobilitätsgründen für alle Seiten von Vorteil seien. Laut Madsen und seinem dänischen Amtskollegen seien sich allerdings alle Beteiligten bewusst, dass eine schnelle Zugverbindung im Jütland-Korridor erst dann realistisch sei, wenn die geplanten Investitionen in neue Signalanlagen und die Elektrifizierung auf dänischer Seite abgeschlossen seien. „Hier sind wir auf einem guten Weg und wollen nach derzeitigem Planungsstand 2027 fertig sein“, sagte Danielsen. Beide Länder werden sowohl bei der dänischen Staatsbahn (DSB) als auch bei der Deutschen Bahn (DB) darauf hinwirken, schnelle Verbindungen im Jütland-Korridor auch nach Inbetriebnahme des Fehmarnbelttunnels zu realisieren.

Die deutsch-dänische Verkehrskommission bei ihrer heutigen Tagung im Strandhotel von Glücksburg

Mit Blick auf den Einsatz von deutschen Regionalzügen in Dänemark, auf den sich vergangenes Jahr beide Länder mit Zustimmung der Parlamente geeinigt hatten, zeigte Madsen sich zuversichtlich, zum Jahreswechsel ein Ausschreibungsergebnis für die Verkehrsleistung zu haben. Für die Durchbindung über Flensburg nach Tinglev müssen die neuen Züge des Herstellers Alstom mit einer so genannten Dänemark-Option ausgestattet werden. Dabei geht es um zwei komplette Zuggarnituren sowie die Ausrüstung von 21 weiteren Zügen für den grenzüberschreitenden Verkehr. Die Züge brauchen einen Trafo, der die unterschiedlichen Spannungen in beiden Ländern verarbeiten kann, und ein anderes Sicherheitssystem. 

Das entsprechende Vergabeverfahren für die Verkehrsleistungen soll laut Madsen in den kommenden Wochen starten. Aktuell werde die vertragliche Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern abgestimmt. Der Betriebsstart ist für Ende 2027 geplant.

Endlich! Das Überholen von Lkw auf der B 404 in Stormarn wird sicherer und leichter

Großer Wurf in Richtung mehr Verkehrssicherheit: Der Bau von Überholfahrstreifen auf der stark von Lkw befahreren B 404 im Kreis Stormarn ist abgeschlossen. Heute wurde die Strecke offiziell freigegeben.

Zur Freigabe war auch Bundes-Verkehrsstaatssekretärin Susanne Henckel angereist

16 Jahre nach Beginn des Ausbaus der Bundesstraße B 404 im Kreis Stormarn rollt der Verkehr zwischen Bargteheide und Schwarzenbek/Grande auf einer Länge von 15 Kilometern jetzt dreispurig. Zusammen mit Susanne Henckel, Staatssekretärin im Bundesministerium für Digitales und Verkehr, sowie Frank Quirmbach, Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH), gab Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute in Todendorf offiziell den letzten Bauabschnitt frei. „Es freut mich, dass die B 404 mit wechselseitigen Überholfahrstreifen nun fertig ausgebaut ist. Damit verbessern wir deutlich die Verkehrssituation dieser stark befahrenen Bundesstraße und erhöhen die Verkehrssicherheit“, sagte Henckel. Die neu angelegten Fahrstreifen würden das sichere Überholen ermöglichen und so die Unfallgefahr reduzieren. Das 50-Millionen-Euro Projekt wurde komplett vom Bund finanziert.

Madsen sagte im Gespräch mit Journalisten bei dem Ortstermin weiter – Video starten…

Auch Madsen zeigte sich erleichtert: „Durch den hohen Lkw-Anteil auf dieser Strecke kam es häufig zu großem Überholdruck hinter Lastwagen, was immer wieder zu brenzligen und teils waghalsigen Überholmanövern führte – das ist nun hoffentlich vorbei“, sagte der Minister. Er erinnerte daran, dass die B 404 eine der wichtigsten Trassen von Kiel in Richtung Berlin und zugleich Zubringer zu den Autobahnen A 24, A 1 und A 7 sei.

Laut LBV.SH-Chef Quirmbach war der Ausbau des letzten Abschnitts von rund vier Kilometern Länge im April 2022 begonnen worden. Vorausgegangen waren umfangreiche naturschutzfachliche Prüfungen und unter anderem eine groß angelegte Umsiedlung von Haselmäusen. Der 15 Kilometer lange Ausbau gliederte sich in vier Abschnitte (siehe unten). Dabei wurde unter anderem zwischen Bargteheide und Todendorf/Sprenge auf knapp zwei Kilometern Länge auch die Fahrbahn und bei Lütjensee/Schönberg eine Brücke über die Landesstraße 92 erneuert.

Fussball-EM beflügelt den Arbeitsmarkt in SH – Madsen appelliert an Betriebe

Schleswig-Holstein als gefragtes Urlaubsziel und die bevorstehende Fußball-EM beflügeln den schleswig-holsteinischen Arbeitsmarkt: „Besonders in den touristisch geprägten Kreisen Dithmarschen, Nordfriesland und Ostholstein ist die Arbeitslosenquote im Mai weiter zurückgegangen“, freute sich Arbeitsminister Claus Ruhe Madsen über die heute veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen der Bundesagentur für Arbeit. So sank die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vormonat im Kreis Dithmarschen um 0,3 Prozentpunkte auf 5,7, in Nordfriesland um 0,2 Prozentpunkte auf 4,4, und in Ostholstein um 0,2 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent.

„Die Sommersaison ist bereits gut gebucht, aber Schleswig-Holstein profitiert ebenso vom Trend der Kurzreisen. Durch die am 14. Juni startende Fußball-Europameisterschaft erwarte ich eine höhere Nachfrage bei Übernachtungen und in der Gastronomie“, sagte Madsen. Und fügte hinzu: „Das hängt natürlich auch vom Erfolg der deutschen Elf ab.“

Insgesamt waren im Mai 89.491 Menschen arbeitslos gemeldet, ein Rückgang um 2,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Im Vergleich zum Mai des vergangenen Jahres stieg die Zahl um 4,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt bei 5,5 Prozent. Als erfreulich bezeichnete Madsen die Entwicklung bei den arbeitslosen Jugendlichen und Arbeitslosen ohne deutsche Staatsangehörigkeit: „Im Vergleich zum April ist die Zahl der arbeitslosen 15- bis 25-jährigen und der Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit weiter zurückgegangen und das zeigt, dass jede Hand gebraucht wird.“ Madsens Appell an die Betriebe: „Geben sie den Menschen eine Chance, sich im konkreten Arbeitsalltag zu bewähren, auch wenn die eine oder andere formale Qualifikation fehlt.“

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten steigt unterdessen weiter. Nach vorläufigen Werten von März 2024 erhöhte sich ihre Zahl gegenüber dem Vorjahr um 0,7 Prozent (+ 6.900) auf 1.055.000. Das sei laut Madsen vor allem auf das Gesundheits- und Sozialwesen, die öffentliche Verwaltung/Sozialversicherungen sowie sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen zurückzuführen.

Appell an die Ernährungsbranche: Leistungen auch ins Schaufenster stellen

Carstens im Gespräch Prof. Björn. P. Jacobsen von „food regio e.V.“

Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens hat an die über 1.000 schleswig-holsteinischen Betriebe der Ernährungswirtschaft mit ihren 36.000 Beschäftigten appelliert, noch weitaus selbstbewusster und offensiver aufzutreten: «Wenn es um das Mega-Thema Nachhaltigkeit geht, dann lautet unser Slogan doch: „Wir sind klima- statt geschmacksneutral!“ Denn wir setzen Maßstäbe bei nachhaltigen Lebensmitteltechnologien. Und diese Leistungen gilt es ins Schaufenster zu stellen», sagte Carstens am Rande des heutigen 18. Trendtags des Branchen-Netzwerks „foodRegio“. Bei dem Treffen im Lübecker Bockholdt Campus diskutierten über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Nachhaltigkeit in der hiesigen Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion.

Neben Carstens lieferten auch Klimaforscher Prof. Mojib Latif und Regina Schubert vom Elmshorner Haferflocken-Hersteller Peter Kölln Einblicke darüber, welche Rolle Nachhaltigkeit für die Branche spielt. Alle waren sich einig: In Schleswig-Holstein gibt es unter den zahlreichen Familien- und Traditionsunternehmen viele „Hidden Champions“, die mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Mit Blick auf das Thema Nachhaltigkeit hatte jüngst erst Jochen Brüggen vom gleichnamigen Lübecker Müsli-Hersteller im Gespräch mit Wirtschaftsminister Madsen erklärt: «Unser Ziel ist es, dass die vierte Generation das Unternehmen in einem CO₂-neutralen Zustand an die fünfte Generation übergibt.»

Das ganze Gespräch dazu gibt es hier:

Carstens bezeichnete foodRegio als „Vorzeige-Cluster“ und betonte die Notwendigkeit von Netzwerken: «Das kann uns allen nur helfen – wir benötigen den Austausch, um innovatives Denken zu fördern.» Sie plädierte außerdem dafür, bei allen Nachhaltigkeitsbestrebungen die Bevölkerung einzubeziehen und transparent darzustellen, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden. «Ökologie und Ökonomie stehen dabei nicht im Widerspruch, sondern müssen gemeinsam gedacht werden.»

Madsen begeistert vom neuen Stadler-Werk in Rendsburg: „Ort der Innovation“

Auch Akkuzüge müssen gewartet und repariert werden. Dafür gibt es nun im schleswig-holsteinischen Rendsburg ein neues Werk.

Erst durchkreuzte Corona den Zeitplan, dann der Ukrainekrieg den Zeit- und Kostenplan. Doch nun ist es geschafft. Der Zughersteller Stadler hat heute in Rendsburg sein Werk zur Instandhaltung von Akkuzügen offiziell in Betrieb genommen. «Ich freue mich, dass wir jetzt in Schleswig-Holstein beste Bedingungen haben, damit die Akkuzüge über eine lange Zeit gut unterwegs sein können», sagte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen. Das Werk ist laut Stadler speziell auf die Wartung und Reparatur der batterieelektrischen Regionalzüge ausgelegt, die Stadler für 30 Jahre geliefert hat und auch warten wird. Durch die neuen Züge werden jährlich rund 10 Millionen Liter Diesel eingespart.

Weiter sagte Madsen nach seinem heutigen Besuch in Rendsburg – Video starten…

Die Anlage im Rendsburger Gewerbegebiet nahe des Eiderparks ist auf einem 77 000 Quadratmeter großen Grundstück errichtet worden und umfasst neben einer Fahrzeughalle auch eine Außenreinigungsanlage. Zudem können dort die Batterien der Akkuzüge gelagert und aufgeladen werden. Für entnommene Batterien stehen zudem Container zur Überwachung bereit – diese erfassen die Daten der Energiespeichersysteme, um rechtzeitig zu entscheiden, ob weitere Instandhaltungsmaßnahmen nötig sind.

DB-Regio: Neue Chefs wollen beim Thema Qualität „hart nach vorn“

Neuer Anlauf mit neuem Spitzenpersonal: Der seit 1. Februar amtierende Vorstand der DB Regio AG, Harmen van Zijderveld, und Schleswig-Holsteins DB-Regio-Chefin Nicole Berlin, seit April im Amt, wollen vieles besser machen. Heute stellten sie sich den Abgeordneten des Landtags vor.

Standen heute im Landtag Rede und Antwort (v.r.): DB-Regio-Chefin Nicole Berlin, DB-Vorstand Harmen van Zijderveld mit Staatssekretär von der Heide und NAH.SH-Chef Beck

Allen Ankündigungen und Qualitätsoffensiven zum Trotz: Auf den von DB Regio in Schleswig-Holstein bedienten Bahnlinien zwischen Lübeck, Hamburg, Kiel, Flensburg und Sylt läuft es nicht gut. Unter anderem war es am Sonnabend vor Pfingsten auf der Strecke nach Westerland zu einem dreistündigen Totalausfall des Bahnverkehrs gekommen.

Entsprechend gereizt heute die Stimmung der Abgeordneten im Wirtschaftsausschuss des Landtags, als der neue Vorstand der DB Regio AG, Harmen van Zijderveld und die neue DB-Regio-Nord-Chefin Nicole Berlin ihren Antrittsbesuch abstatteten. Zijderveld, der bei der DB zum 1. Februar das Ressort „Regio Schiene“ übernommen hat und die ebenfalls erst seit wenigen Wochen amtierende Nachfolgerin von Ex-DB-Regio-Nord-Chef Torsten Reh versprachen Besserung – machten den Abgeordneten beim Thema Pünktlichkeit aber keine großen Hoffnungen.

«Wir wollen ein guter Vertragspartner des Landes sein, wir wissen um unsere Verantwortung, aber auch um unsere Verfehlungen», sagte Zijderveld. Aber die Pünktlichkeit liege nun einmal «im Kern an der Infrastruktur», dazu könne die DB Regio «nicht in jedem Detail einen Beitrag leisten».

Verkehrs-Staatssekretär Tobias von der Heide hatte die Situation zum Auftakt der Sitzung so beschrieben: «Die Qualität des Personennahverkehrs ist verbesserungswürdig. Dies betrifft die Pünktlichkeit, die im letzten Herbst auf den Strecken Hamburg-Flensburg und Hamburg-Kiel teilweise unter 40 Prozent lag, aber auch die Fahrzeugverfügbarkeit und den Ersatzverkehr», so von der Heide.

Das Land erwarte nicht nur eine vertragsgemäße Erfüllung der Pünktlichkeit, sondern damit verbunden auch eine stabilen Einsatz von Fahrzeugen samt Ersatz-Triebwagen. Nach zwischenzeitlicher Besserung in der zweiten Aprilhälfte sei die Lage im Mai bislang wieder unbefriedigend. «Leider gelingt es DB Regio bisher nicht, die Mindestmenge von 12 modernen Triebzügen bereitzustellen. Eigentlich sind für den Verkehr im Netz Mitte sogar 15 dieser Züge vorgesehen. Stattdessen sind vielfach deutlich ältere Ersatzzüge im Einsatz», so von der Heide. Das Land erwarte, dass die im Herbst angestoßene Qualitätsoffensive der DB Regio zielgerichtet weiterverfolgt werde, um im Herbst eine deutliche Verbesserung der Fahrzeugverfügbarkeit zu haben. Dasselbe gelte für die oft mangelnde Sauberkeit der Fahrzeuge.

Van Zijderveld und Berlin versprachen, beim Thema Qualität «nun ganz hart nach vorn» zu kommen – insbesondere auch beim Thema Fahrzeuge und Personal. Van Zijderveld erinnerte daran, dass der Werkstandort in Kiel zusammen mit dem Land für die bestellten Alstom-Züge in den kommenden Monaten für rund 40 Millionen Euro ausgebaut werde. Vorwürfen der Abgeordneten, dass die DB auf ihren Strecken laufend frustrierte Bahn-Pendler verliere, die lieber wieder ins Auto stiegen, widersprach der neue DB-Vorstand.

Zijderveld sagte unter anderem – Audio starten, Pfeil klicken...

DB-Regio-Chefin Berlin machte darüber hinaus auch deutlich, dass die Anforderungen an das Netz-Mitte auch durch den Aufstieg von Holstein Kiel in die Erste Bundesliga noch einmal deutlich ansteigen werden. «Wir werden zusammen mit der NAH.SH und der InfraGo vor allem die Themenfelder Fahrzeugverfügbarkeit, Reinigung und Ersatzverkehr unter die Lupe nehmen», so Berlin. Kein Problem habe die DB Regio unterdessen beim Personal.

Weiter sagte sie vor den Abgeordneten – Audio starten, Pfeil klicken…

Eine Absage erteilten die DB-Vertreter Forderungen, wonach in bestimmten Fällen bei Zugausfällen auch die Erste-Klasse-Abteile für alle Fahrgäste freigegeben werden sollten.

Mit Blick auf die Qualität der im Netz Mitte zwischen Hamburg und Flensburg sowie Flensburg und Kiel, sagte DB-Regio-Chefin Berlin:

IW-Ranking von Städten und Kreisen: Für Madsen ein hoffnungsvoller Ansporn

Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen hat sich mit dem Abschneiden schleswig-holsteinischer Städte und Kreise beim neuen IW-Wirtschaftsranking zufrieden gezeigt – sieht darin vor allem aber auch einen Ansporn. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Kölner «Institut der deutschen Wirtschaft» (IW) erstellen alle zwei Jahre eine Rangliste über Wirtschaftsniveau und -dynamik der Regionen. Überraschend: Erstmals sehen die Experten Anzeichen dafür, dass die bisherige Dominanz der südlichen Bundesländer bröckelt. Zwar dominieren Länder wie Bayern oder Baden-Württemberg nach wie vor – doch der Abstand schrumpft, so die Experten.

Für Schleswig-Holstein zeigt sich nach den Worten von Madsen beim aktuellen Wirtschaftsniveau zwar nach wie vor ein eher durchwachsenes Bild, beim Dynamik-Ranking habe der echte Norden hingegen einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht. Diesen Schwung gilt es zu nutzen», sagte er. Dabei spiele die Ansiedlung des Batterie-Herstellers „Northvolt“ in Dithmarschen in den aktuellen Zahlen noch nicht einmal eine Rolle.

«Ich bin sicher, dass sich durch Northvolt und Folge-Ansiedlungen in den kommenden Jahren noch weitere Städte und Westküsten-Kreise nach oben bewegen werden», sagt Madsen. Schleswig-Holstein als Energiewende-Land und grünes Industrieland mit einem Höchstmaß an Lebensqualität habe eine herausragende Startposition und das Potenzial für eine noch weitaus größere Dynamik. Voraussetzung sei, die über Jahrzehnte auf Verschleiß gefahrene Infrastruktur wieder in Schuss zu bringen. «Da sind wir dran.»

Unter den 400 untersuchten deutschen Städten und Kreisen landen im 2024er-Ranking, das auf Zahlen der vorangegangenen zwei Jahre basiert, erstmals acht Städte und Kreise aus Schleswig-Holstein im oberen Viertel. Besonders herausragend ist die Stadt Flensburg auf Rang 6, gefolgt von Lübeck (30), Neumünster (39), den Kreisen Rendsburg-Eckernförde (57), Dithmarschen (62) sowie der Stadt Kiel (75) und den Kreisen Lauenburg (91) und Segeberg (92).: Beim aktuellen Wirtschaftsniveau verpasst Stormarn mit dem 105. von 400 Plätzen nur knapp das obere Viertel.

Das IW bewertet Regionen nach ihrer Wirtschaftsstruktur – unter anderem der gemeindlichen Steuerkraft – und ihrem Arbeitsmarkt, aber auch nach Lebensqualität – wozu beispielsweise die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner zählt. Dass der Kreis Nordfriesland diesmal im Dynamik-Ranking mit dem 398. Platz fast Schlusslicht und damit größter Verlierer ist, hat genau damit zu tun. Und mit einem statistischen Sondereffekt: Wegen zwei großer Betrugsverfahren rutschte die Region um über 200 Plätze nach unten.

Im Mittelfeld des Dynamik-Ranking – dort wo Nordfriesland sonst angesiedelt war – liegen die Kreise Steinburg (112), Ostholstein (115), Pinneberg (155) und Plön (167). Luft nach oben haben die Kreise Schleswig-Flensburg (211) und Stormarn (271).

Notiz-Blog der Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus