TKMS bei Milliardenauftrag ausgebootet: Enttäuschung in Kiel

Meyer bedauert entgangenen Auftrag für TKMS: Nun alle Kraft auf Aquise neuer Aufträge – etwa aus Norwegen

Im Bau befindliches U-Boot der Dolphin-Klasse auf dem Gelaende der Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) GmbH in Kiel

Die australische Entscheidung gegen U-Boot-Technologie aus Kiel hat in Schleswig-Holstein für reichlich Enttäuschung gesorgt. «Das ist überraschend», sagte der Kieler IG-Metall-Chef und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS), Peter Seeger, heute der Deutschen Presse-Agentur. «Ich bin ein bisschen erstaunt, dass der Auftrag jetzt doch an die französische Werft geht.» Im Aufsichtsrat habe in dem Verfahren bis zuletzt große Zuversicht geherrscht.

Meyer_FSGIm Gespräch mit Christian Wolf von der NDR 1 Welle Nord sagte Meyer (Audiopfeil klicken)


Die Australier wählten stattdessen den staatlichen französischen Schiffbaukonzern DCNS als bevorzugten Partner, wie Premierminister Malcolm Turnbull in Adelaide mitteilte. Der über mehrere Jahrzehnte gestreckte Auftrag hat ein Volumen von rund 35 Milliarden Euro und wäre für ThyssenKrupp einer der größten Aufträge der Unternehmensgeschichte  gewesen.

Seeger ist für die Zukunft des Kieler Standorts trotz der Absage aus Australien optimistisch. «Es gibt eine gute Perspektive für die Werft.» Im Bereich der Fertigung sei die Werft bis 2021 ausgelastet. In diesem Bereich mache er sich deshalb «überhaupt keine Sorgen». «Etwas kritisch» sei es allenfalls im Konstruktionsbereich. Es gebe aber genug Zeit, sich um andere Aufträge zu kümmern. Umso wichtiger sei es, dass der Auftrag für ein deutsches Mehrzweck-Kampfschiff nach Kiel gehe.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) zeigte sich ebenfalls enttäuscht über die Nachricht aus Down Under: «TKMS war nach meiner Wahrnehmung sehr gut in diesem Wettbewerb aufgestellt, und natürlich entgeht auch dem Industriestandort Schleswig-Holstein damit ein großes Stück Wertschöpfung», sagte er.. Dennoch sieht Meyer keine Probleme auf den Kieler Standort zukommen. «Der Konzern ist kraftvoll genug, trotzdem optimistisch nach vorn zu schauen – zum Beispiel auf die Akquise des U-Boot-Auftrags für Norwegen.»

TKMS hatte zugesagt, in Australien ein Werk aufzubauen und die U-Boote dort herzustellen. Die Kieler Sparte wollte damit auch ein Standbein für Wartungsaufträge in der Asien-Pazifik-Region aufbauen. TKMS hatte eine enge Kooperation oder die Übernahme der Marinewerft ASC angeboten. Australiens Regierung hatte im März ein umfangreiches Aufrüstungsprogramm angekündigt – mit Ausgaben von allein 195 Milliarden Australischen Dollar (134 Milliarden Euro) bis zum Jahr 2025.

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