Niedrigste Arbeitslosenquote in einem Juli seit 25 Jahren – Ausbildungsmarkt holt Schwung

Sommerlicher Arbeits- und Lehrstellenmarkt: Buchholz und Haupt-Koopmann appellieren an Jugendliche und Unternehmen.

Agentur.jpg
Agentur-Direktorin Haupt-Koopmann und Arbeitsminister Buchholz beim Pressegespräch

Rein rechnerisch steht auf dem Lehrstellenmarkt in Schleswig-Holstein alles zum Besten. Nach Angaben der Arbeitsagentur stehen 6300 unbesetzten Ausbildungsplätzen 6200 noch suchende Jugendliche gegenüber. Folglich könnte auf dem Papier jeder Bewerber eine Lehrstelle bekommen. Doch die Lage in den Branchen ist zum Teil sehr unterschiedlich, wie die Regionaldirektorin der Arbeitsagentur, Margit Haupt-Koopmann, heute gemeinsam mit Arbeitsminister Bernd Buchholz erläuterte: Im Lebensmittelverkauf entfallen auf einen Suchenden 7,3 freie Stellen, bei Arzthelferinnen ist es nur eine halbe.

TonbildIm Gespräch mit Christian Nagel (NDR) und Sven Brosda (RSH) sagte Buchholz…

(Audiopfeil klicken)

Die Zahl der unbesetzten Lehrstellen ist im Vorjahresvergleich mit 7,6 Prozent stärker gestiegen als die der unversorgten Jugendlichen mit 4,8 Prozent. Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres sei auf dem Lehrstellenmarkt noch viel in Bewegung, sagte Haupt-Koopmann. Ein großer Teil des Geschäfts werde im August und September gemacht. Gute Einstiegschancen gebe es besonders im Einzelhandel, im Handwerk sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe.

Die Regionalchefin der Arbeitsagentur rief Betriebe und Jugendliche zur Flexibilität bei der Bewerber- und Berufsauswahl auf. Es gebe 330 Ausbildungsberufe. Haupt-Koopmann warb bei den Unternehmen auch für die Unterstützungsangebote der Arbeitsagenturen und Jobcenter. Dazu gehörten Einstiegsqualifizierungen und Ausbildungshilfe durch Coaches.

Zwei Medizinische Fachangestellte (MFA) in einem Krankenhaus
Nach wie vor sehr gefragt: Beruf der Arzthelferin

«Alle Jugendlichen bekommen am Ende ein Angebot», sagte Arbeitsminister. Sie sollten sich nicht nur auf einen Wunschberuf fixieren und auch räumlich flexibel sein. Die Lehrstelle müsse nicht immer gleich auf der anderen Straßenseite liegen. An die Unternehmer appellierte er zu bedenken, dass die Nachwuchssicherung ein zentraler Standortfaktor sei. Angesichts des Fachkräftemangels sei es im Interesse der Betriebe, möglichst alle Ausbildungsplätze zu besetzen – auch einmal mit Bewerbern, die vielleicht nicht gleich auf den ersten Blick mit ihrer Qualifikation überzeugen. «Häufig wird mancher Bewerber auf den zweiten Blick zur ersten Wahl.» Für manche Jugendlichen wäre es auch besser, statt des angestrebten Studiums eine Ausbildung zu absolvieren, sagte Buchholz.

Arbeiter der FSG während eines Stapellaufs
Werftarbeiter der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG)

Die Arbeitslosigkeit ist in Schleswig-Holstein unterdessen auf den niedrigsten Stand in einem Juli seit 25 Jahren gesunken. Mit 90 900 Menschen ohne festen Job waren im Juli 1,6 Prozent weniger arbeitslos gemeldet als vor einem Jahr. Nur im Vergleich zum zum Vormonat gab es saisonbedingt eine Zunahme um 1,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt derzeit 5,9 Prozent, nach 6,1 Prozent vor einem Jahr.

Arbeitsminister Buchholz führt die nach wie vor stabile Lage am Arbeitsmarkt vor allem auf den robusten Mittelstand im Land zurück. Er sei auch hinsichtlich der weiteren konjunkturellen Entwicklung überaus optimistisch, sagte der FDP-Politiker. Angesichts des saisontypischen Verlaufs sei er auch sicher, dass die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen zum Herbst wieder deutlich zurückgehen wird. Als besonders erfreulich bezeichnete Buchholz den Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit. Zurzeit gebe es gute Chancen auch für Menschen, die nach längerer Arbeitslosigkeit zurück in die Beschäftigung wollen.

Die Erhöhung der Arbeitslosigkeit gegenüber Juni liegt zum einem an quartalsbedingten Kündigungen und zum anderen, dass in vielen Branchen Einstellungen erst nach den Sommerferien vorgenommen werden. Entscheidend ist aber, dass sich im Juli viele junge Leute nach Abschluss ihrer Berufsausbildung vorübergehend arbeitslos melden. «Der größte Teil dieser jungen Frauen und Männer ist im Herbst nicht mehr arbeitslos», sagt Haupt-Koopmann. Dies gelte speziell für frisch ausgelernte Fachkräfte, die von ihren Ausbildungsbetrieben aus unterschiedlichen Gründen nicht übernommen wurden.

Positiv entwickelt sich weiterhin die Beschäftigung. Nach den aktuellsten Daten vom Mai stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs im Vorjahresvergleich um 25 700 auf 963 800. Kräftige Zuwächse verbuchten vor allem das Gesundheits- und Sozialwesen (plus 4600), der Handel (3400) und das verarbeitende Gewerbe (2800). Nur in der Finanz- und Versicherungswirtschaft gab es ein leichtes Minus von 400 Stellen.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften bewege sich seit Jahresbeginn auf einem hohen Niveau, bilanzierte die Regionaldirektorin. Von Januar bis Juli seien den Arbeitgeberserviceteams 44 300 sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet worden und damit noch einmal 400 mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Besonders bei unternehmensnahen Dienstleistungen, im Handel, im Bereich Soziales und Gesundheit, im Tourismus und auf dem Bau werden Mitarbeiter gesucht.

Im Juli waren in Schleswig-Holstein 18 700 Ausländer arbeitslos gemeldet und damit 3300 mehr als ein Jahr zuvor. Der Zuwachs geht auf die hohen Flüchtlingszahlen von 2015 und teilweise 2016 zurück. Diese Menschen rücken nach Abschluss ihrer Sprachkurse nach und nach auf den Arbeitsmarkt. In den nächsten Monaten werden das noch 7000 weitere sein, wie Haupt-Koopmann sagte. Der Anteil der Ausländer an allen Arbeitslosen beträgt derzeit rund 20 Prozent.

Die niedrigste Arbeitslosigkeit unter den Kreisen hat nach wie vor Stormarn mit 3,3 Prozent, die höchste Dithmarschen mit 6,5 Prozent. Bei den kreisfreien Städten hat Lübeck mit 8,4 Prozent die niedrigste Quote und Neumünster mit 9,4 Prozent die höchste.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s