Buchholz: Unsere Werften haben mit „old economy“ nichts mehr gemeinsam

Buchholz nach Werftentour: Eine High-Tech-Branche mit den richtigen Nischen und einer stabilen Auftragslage

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Buchholz an Bord des Nobiskrug-Schleppers „Bagalut“                  Fotos: Haase & Nobiskrug GmbH

Wie wetterfest sind die Werften in Schleswig-Holstein aufgestellt? Wie steht es um den Fachkräftenachwuchs? Und wo könnten Politik und Verwaltung noch für bessere Rahmenbedingungen sorgen?

Text02Fünf Monate nach seinem Amtsantritt hat Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz heute vier der größten Werften des Landes besucht, um sich ein eigenes Bild von der Branche zu machen. Neben dem letzten Neubaubetrieb an der Westküste, der Peters-Werft in Wewelsfleth, besuchte der FDP-Politiker die Firmen Lürssen-Kröger (Schacht-Audorf), die zu „German Naval Yards“ gehörende Rendsburger Werft Nobiskrug und die Flensburger Schiffbaugesellschaft (FSG). Bei der Kieler Werft tkms war Buchholz im Zusammenhang mit U-Boot-Großaufträgen bereits im Sommer zu Gast.

Am Rande seines Besuchs von Lürssen-Kröger und Nobiskrug sagte Buchholz weiter (Audio starten – „im Browser anhören“)

Meier
Buchholz mit Kröger-Lürssen-Chef Meier

„Der Schiffbau bildet zweifellos nach wie vor den Kern unserer maritimen Wirtschaft in Schleswig-Holstein – und zwar als eine High-Tech-Industrie, die mit ihren rund 5000 Beschäftigten und Jahresumsätzen von durchschnittlich 1,5 Milliarden Euro den Vergleich mit der Luft- und Raumfahrtindustrie keineswegs zu scheuen braucht“, sagte der Minister am Abend nach seiner letzten Station in Flensburg. Auch die Auftragslage sei in allen Fällen  überaus stabil – sowohl im Neubau als auch im Reparaturgeschäft. Und teils auch „spektakulär“, so Buchholz mit Blick auf die derzeitige Restaurierung der Viermastbark „Peking“ in Wewelsfleth.

Die FSG gab bei Buchholz Besuch unterdessen bekannt, dass die Werft vom norwegischen Mutterkonzern Siem endgültig den bereits im Sommer avisierten Auftrag für zwei weitere RoRo-Schiffe erhalten habe. Zusammen mit den vier bereits bestehenden Ro-Ro-Aufträgen und dem Bau zweier Fähren für einen französischen Kunden sei die Auslastung damit bis Mitte 2019 gesichert. Laut FSG-Chef Rüdiger Fuchs können damit die Auszubildenden und Angelernten der Werft für zunächst 18 Monate übernomnen werden. Die FSG war 2014 in schweres Fahrwasser geraten und von Siem übernommen worden. Nach den Worten von Buchholz sei der Sanierungsprozess, den das Land mit Bürgschaften von rund 38 Millionen Euro stützt, noch ein weiter Weg.

Buchholz sagte dazu (Audiopfeil klicken)

Nach den Worten von Buchholz hätten alle Betriebe durch frühzeitige Spezialisierungen – angefangen von besonders umweltfreundlichen RoRo- und RoPax-Fähren in Flensburg bis hin zu einzigartigen Megayachten aus Rendsburg, Kiel und Wewelsfleth – rechtzeitig ihre Marktnischen gefunden und sich trotz des hohen Wettbewerbsdrucks erfolgreich darin behauptet. „Man erkennt, dass hier nahezu überall etwas für den Weltmarkt produziert wird, das die Kunden in so hoher Qualität woanders nicht bekommen“, sagte er im Gespräch mit Lürssen-Chef Uwe Meier und Nobis-Chef Holger Kahl. Bei Nobis befindet sich derzeit unter anderem eine Glasyacht im Bau. Buchholz: „Die Expertise, die zu solchen marktführenden Positionen im Bereich der Yachten geführt hat, ist aus meiner Sicht geradezu sensationell.“

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Am Kai der Werft Nobiskrug: Buchholz mit Geschäftsführer Holger Kahl (links), der angehenden Industriekauffrau Wencke Busch und Schiffsbetriebstechniker Marco Scharbau

Von der hohen Ausbildungsbereitschaft der Werften konnte sich der Minister bei den Azubis der Rendsburger Nobiskrug-Werft direkt überzeugen: Sie holten ihn bei der Lürssen-Kröger-Werft mit dem Werksschlepper „Bagalut“ ab. Der im Juli in Dienst gestellte 12-Meter-Kraftprotz war innerhalb von zwei Jahren von angehenden Schiffbauern und Auszubildenden anderer Gewerke in Eigenregie konzipiert und gebaut worden. „Einfach toll und überaus vorbildlich, dass die Geschäftsleitung ein solches Lern-Projekt zugelassen und unterstützt hat“, sagte Buchholz, der zugleich Arbeitsminister in Schleswig-Holstein ist.

TextMit Blick auf die Rolle der Werften für den gesamten Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein erinnerte der Minister an die starke Zulieferindustrie: „Immerhin tragen zu rund 70 Prozent der Wertschöpfung beim Bau eines modernen Schiffes die Zulieferfirmen bei.“

Vom Land werden die Werften vor allem durch das Förderprogramm „Innovativer Schiffbau“ unterstützt, das eine Förderung der industriellen Anwendung von Produkten und Verfahren beim Neubau, Umbau und bei der Reparatur von Schiffen ermöglicht. „Die Förderung mindert damit die hohen technischen und wirtschaftlichen Risiken der Werften beim Bau von Prototypen, die im Schiffbau immer zugleich auch kommerziell verwertet werden müssen“, so Buchholz. Ein aktueller Förderschwerpunkt sei derzeit die Entwicklung und Implementierung umweltfreundlicher Antriebe. So wurde beispielsweise der Bau einer der ersten LNG-getriebenen Passagierfähren in Schleswig-Holstein gefördert. Im laufenden Jahr hat Schleswig-Holstein knapp drei Millionen Euro an Innovationsförderung an die landeseigenen Werften ausgezahlt.

Und so berichtet der sh:z 


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