Altmaier geht von zwei LNG-Terminals aus – Buchholz erfreut über raschen Rechtsrahmen

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Deutschland will künftig mehr Flüssig-Erdgas (LNG) aus den USA einführen – dazu sollen mit staatlicher Förderung mindestens zwei neue LNG-Terminals in Norddeutschland gebaut werden. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sagte heute in Berlin, er rechne mit einer Entscheidung in den nächsten Wochen: «Ich sehe an mindestens zwei Standorten die Chance, dass wir rasch etwas verwirklichen können.»

Als mögliche Standorte für Terminals zum LNG-Import konkurrieren Brunsbüttel, Wilhelmshaven und Stade. Dort haben sich private Konsortien gebildet. Die Bundesregierung will den Bau mit staatlichen Fördergeldern unterstützen. Altmaier sprach von «substanziellen», aber zugleich überschaubaren Beiträgen. Eine konkrete Summe wollte er nicht nennen. Es gebe verschiedene Fördertöpfe.

Der Wirtschaftsminister kündigte zudem an, die Gasnetzbetreiber zu verpflichten, LNG-Terminals ans Gas-Fernleitungsnetz anzuschließen. Damit würde er eine Entscheidung der Bundesnetzagentur korrigieren, nach der die Betreiber des Terminals in Brunsbüttel selbst für den Anschluss an das Fernleitungsnetz sorgen müssten. Das hätte das Projekt in Brunsbüttel um 80 Millionen Euro verteuert.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz begrüßte diesen Schritt: «Die Entscheidung der Bundesnetzagentur vom Dezember 2018 war ein schwerer Rückschlag für alle Projekte zum Aufbau einer LNG-Infrastruktur in Deutschland. Mit der kurzfristigen Schaffung eines regulatorischen Rahmens, der LNG genauso behandelt wie Pipelinegas, hat das Bundeswirtschaftsministerium zupackend darauf reagiert und die große Verunsicherung, die dadurch entstanden ist, beseitigt. Wenn es wie vorgesehen gelingt, alle wesentlichen Details des neuen Rechtsrahmens bis zum Sommer zu klären, sind meines Erachtens auch die ursprüngliche Zeitpläne für die Realisierung des Projektes nicht gefährdet», sagte der FDP-Politiker. Nachdem sich die kommerzielle Situation sehr positiv darstelle, sei er zuversichtlich, dass die endgültige Investitionsentscheidung wie geplant Ende 2019 falle und 2022 in Schleswig-Holstein das erste deutsche LNG-Import-Terminal in Betrieb gehe.

35198_galleryImageIn Deutschland gibt es bisher noch kein Import-Terminal für LNG. Letztlich entscheiden private Investoren, ob sie rund 500 Millionen Euro für ein solches Projekt riskieren wollen. Das Brunsbütteler Konsortium hatte erst gestern mitgeteilt, es habe einen weiteren großen Kunden gewonnen und plane nunmehr, eine Genehmigung für ein Terminal mit einer Kapazität von acht Milliarden Kubikmeter pro Jahr zu beantragen. Wenn die Genehmigung vorliegt, solle Ende dieses Jahres eine Investitionsentscheidung fallen.

Zur Wettbewerbs-Position von Brunsbüttel sagte Buchholz im Gespräch mit Journalisten weiter (Audio starten – Pfeil klicken)

In Deutschland werde in einer Übergangszeit künftig mehr Gas zur Energieversorgung benötigt, wie Altmaier sagte. Deutschland steigt bis Ende 2022 aus der Kernenergie aus. Bis Ende 2038 soll nach einem Konzept einer Regierungskommission zudem schrittweise die Kohleverstromung auslaufen. Zugleich wird in Europa weniger Gas gefördert, etwa in den Niederlanden. Das Nachbarland trägt bislang rund ein Fünftel zu den deutschen Importen bei. Der Großteil des in Deutschland verbrauchten Erdgas kommt aus Russland und Norwegen, ein kleiner Teil aus eigener Förderung.

Altmaier sagte bei der heutigen LNG-Konferenz mit deutschen und amerikanischen Unternehmen weiter, es komme nun darauf an, den Gasbezug breiter aufzustellen. Dabei könne auch LNG aus den USA eine Rolle spielen. «Mit LNG können wir Gas von noch mehr Anbietern beziehen und so unsere Versorgungssicherheit weiter erhöhen – am Ende muss es aber natürlich zu wettbewerbsfähigen Preisen geschehen.» Bislang spielt LNG auf dem europäischen Markt eine untergeordnete Rolle und wird überwiegend aus Katar geliefert.

Im Gegenzug zum vorläufigen Verzicht auf höhere US-Zölle auf Autos hatte zudem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im vorigen Sommer US-Präsident Donald Trump unter anderem zugesagt, dass die EU den Import von Flüssiggas aus den USA erleichtern wolle. Es gibt bereits rund 30 LNG-Terminals in Europa, etwa in den Niederlanden, aber auch in Frankreich und Polen. Weitere sind im Bau.

Aus Sicht des Energieverbandes BDEW kann verflüssigtes Erdgas die Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa stärken. Der Energieträger könne entweder direkt zur Betankung von Lkws oder Schiffen genutzt oder in gasförmigem Zustand ins Erdgasnetz eingespeist werden. Zugleich betonte der BDEW, Investoren für eine LNG-Importinfrastruktur müssten auf dem freien Markt gefunden werden.

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