Neue Marine-Tanker wieder im europaweiten Wettbewerb? Staatssekretär Rohlfs in Sorge

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Rohlfs (2.v.l.) mit GNY-Chef Jörg Herwig, Betriebsratsvorsitzenden Ramon Santorum und Assistentin Wencke Busch auf dem Wahrzeichen Kiels, dem GNY-Portalkran

Werften-Tag von Schleswig-Holsteins Wirtschafts- und Technologie-Staatssekretär  Thilo Rohlfs: Der FDP-Politiker war heute unter anderem zu Gast bei der gut ausgelasteten Lürssen-Werft in Schacht-Audorf bei Rendsburg sowie bei German Naval Yards (GNY) in Kiel.  Parallel dazu schreckte bereits am Vormittag eine NDR-Meldung aus Berlin die Maritime Wirtschaft im Norden sowie viele Politiker auf.  Demnach will die Bundesmarine offenbar auch zwei neue Tanker der Bundesmarine wieder europaweit ausschreiben lassen und nicht national an deutsche Werften vergeben. Schon seit 2015 gibt es Kritik an der Vergabepraxis, weil möglicherweise eine niederländische Werft bei dem fünf Milliarden Euro schweren Auftrag für ein Mehrzweckkampfschiff (MKS 180)  zum Zuge kommen könnte. Die Würfel fallen im Herbst. Daraufhin wollte die Große Koalition ihre Politik ändern.

Ein Thema, das am Nachmittag auch für Diskussionsstoff zwischen Rohlfs und GNY-Chef Jörg Herwig sorgte.

Rohlfs sagte im Gespräch mit NDR- und Deutschlandradio-Reporter Christian Wolf unter anderem (Audio starten – „im Browser anhören“)

Die neuen Tankschiffe sollen länger sein, mehr Kraftstoff bunkern können, schneller fahren und vor allem sollen es sogenannte Doppelhüllentanker werden. Das sind Schiffe, die wesentlich sicherer Treibstoff transportieren können. International ist das mittlerweile Standard. Die neuen Tanker sollen Schiffe aus den 1970er-Jahren ablösen. Der Inspekteur der Marine hat laut NDR-Bericht bereits entschieden, welche Merkmale die neuen Tanker haben sollen.

Luerssen
Besuch der Lürssen-Werft in Schacht Audorf: Rohlfs mit Geschäftsführer Rolf Leger, der von einer guten Auftagslage und einer hohen Ausbildungsquote berichtete

Die Praxis verwundert nicht nur Rohlfs, sondern auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther.  Wenn der Marine-Schiffbau eine Schlüsseltechnologie wäre, dann müsste auch nicht mehr europäisch ausgeschrieben werden, so Günther, der auf Bundesebene massiv dafür kämpft, die norddeutschen Werften zu stärken.

Zwischenablage01German-Naval-Chef Herwig sagte zu den Meldungen

(Audio starten, Pfeil klicken)

Die beiden Generalunternehmer, die im Bieterverfahren um das MKS 180 bis in die entscheidende Runde kamen, waren das niederländische Unternehmen Damen und die Kieler Werft German Naval Yards. Aus dem Rennen flog damals die Lürssen-Werft aus Bremen. Auch in der Marine selbst gibt es laut NDR kritische Stimmen. Die Deutschen seien die einzigen, die europäisch ausschreiben, heißt es. Alle anderen EU-Mitgliedsstaaten vergäben national. Die europäische Konkurrenz ist gefürchtet. Der französische Konzern Naval beispielsweise zählt 13.000 Mitarbeiter, der Staat ist mit 62 Prozent an dem Konzern beteiligt.

Und auch die Industrie mit Sitz in Deutschland würde lieber ohne langwierige Verfahren Aufträge umsetzen. Zur Ankündigung, zwei neue Tanker auszuschreiben, sagte Heiko Landahl-Gette, Sprecher von German Naval Yards, der Konzern habe die Expertise und Infrastruktur für den Bau der Versorgungsschiffe. Sobald das Unternehmen gefragt werden würde, könnte die Werft einen solchen Tanker sofort bauen. Ingenieure, die Doppelhüllentanker gebaut haben, beschäftigt German Naval Yards auch noch.

Der Koordinator für maritime Wirtschaft, Norbert Brackmann (CDU), teilte mit, mit , dass noch in diesem Jahr eine entsprechende Entscheidung im Kabinett gefällt werden solle. Doch bis dahin könnte die europäische Ausschreibung längst laufen.

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