Trotz gedämpfter Konjunktur, struktureller Herausforderungen und eines insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Umfelds verzeichnete Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr einen deutlichen Zuwachs bei Unternehmensansiedlungen. Insgesamt entschieden sich 96 Unternehmen für den Standort, darunter fünf aus dem Ausland. Damit liegt die Zahl der Neuansiedlungen im Jahr 2025 rund ein Drittel über dem Vorjahreswert. Die Unternehmen planen die Schaffung von insgesamt 1.210 Arbeitsplätzen.

Nach einem Einbruch im Vorjahr – nicht zuletzt ausgelöst durch die Insolvenz des schwedischen Batterieherstellers Northvolt – haben sich 2025 wieder rund ein Drittel mehr Unternehmen in Schleswig-Holstein angesiedelt. Fast 100 Firmen kündigten entsprechende Investitionen an, wie Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen heute bei der Vorstellung der Ansiedlungsbilanz der Wirtschaftsförderungs- und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WT.SH) sagte. Im Jahr 2024 waren es 73 Unternehmen und 577 Arbeitsplätze. 3.000 bei dem in die Insolvenz geratenen Batteriehersteller Northvolt geplante Arbeitsplätze waren aus der Statistik für 2024 wieder herausgenommen worden.
Madsen sieht SH auf richtigem Weg
Der Wirtschaftsminister sprach von sehr schwierigen Rahmenbedingungen in Deutschland. «Es jagt quasi eine Krise die nächste.» Die wieder steigenden Zahlen zeigen nach seiner Überzeugung aber, dass Schleswig-Holstein auf dem richtigen Weg sei. Ein gutes Argument sei die erneuerbare Energie im Land. Er gehe davon aus, dass in den nächsten Jahren viele Unternehmen kommen werden, «weil sie erkennen, dass wir hier neben Energie Fläche haben».
Im Gespräch mit Journalisten sagte Madsen weiter – Audio starten, Pfeil klicken (Listen in browser“)
Die meisten Neuansiedlungen 2025 entfallen auf den Dienstleistungssektor. Bei den geplanten Arbeitsplätzen liegen Dienstleistungen und Produktion jedoch nahe beieinander. 74 Unternehmen planen mit bis zu zehn Beschäftigten, sieben Firmen mit mehr als 50. Die größte Zahl der Ansiedlungen (33) kommt aus Gewerbe- und Technologiezentren heraus. In 21 Fällen sind es Existenzgründungen, in 14 Fällen Neugründungen. Zwölf Unternehmen kommen aus Hamburg, elf aus dem übrigen Bundesgebiet und fünf aus dem Ausland.
Neue Batterieproduktion in Kiel

Als Beispiele nannte die WT.SH das Unternehmen fuljoyment, das im Kreis Stormarn einen neuen Standort für Logistik und Geschäftszentrale mit 166 Arbeitsplätzen betreiben will sowie das Unternehmen UniverCell, das in Kiel eine Batterieproduktion aufbaut.
In Lübeck bündelt das Medizin- und Sicherheitstechnikunternehmen Dräger seine Logistik an einem neuen Standort, den der Entwickler Panattoni gebaut hat. «In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist jede Investitionsentscheidung ein starkes Signal für unseren Standort», betonte die WT.SH-Geschäftsführerin Ulrike Wielatt.

Auch im Bereich Maschinenbau und Elektrotechnik gibt es im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs an Arbeitsplätzen. Mittelfristig werden hier 116 Arbeitsplätze in vier Unternehmen entstehen, im Vorjahr waren es 18 Arbeitsplätze in zwei Unternehmen. Hier reicht die Bandbreite von 3-D Druck bis hin zu Drohnenproduktion.

Positiv sei, so WTSH-Chefin Wielatt, die deutliche Steigerung bei den Unternehmensansiedlungen im produzierenden Gewerbe. Mit 17 Unternehmen im Jahr 2025 habe sich die Anzahl zum Vorjahr (sechs Unternehmen) mehr als verdoppelt. Damit werden im produzierenden Gewerbe rund 45 Prozent aller neuen Arbeitsplätze entstehen.
Laut Madsen zeige gerade diese Entwicklung, dass Schleswig-Holstein als Standort für das produzierende Gewerbe attraktiv sei: «Mit dem klaren Ziel, bis 2040 klimaneutrales Industrieland zu werden, werden wir weiterhin verlässliche Rahmenbedingungen für industrielle Investitionen schaffen, Klimaneutralität mit Wettbewerbsfähigkeit verbinden und Unternehmen langfristige Wachstums- und Wertschöpfungsperspektiven eröffnen.»
Hier die gesamte Pressekonferenz der Ansiedlungs- und Wirtschaftsbilanz 2025 als Livestream-Mitschnitt:
Madsen erinnerte daran, dass die Förderinstitute des Landes gerade jetzt mit Finanzierungsinstrumenten wie Krediten, Bürgschaften und Beteiligungen einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Firmenlandschaft leisten würden. So unterstützten die Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH), die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein (MBH) und die Bürgschaftsbank Schleswig-Holstein GmbH 2025 insgesamt 595 Unternehmen mit einem Finanzierungsvolumen von 226 Millionen Euro. Dabei handelte es sich um finanzielle Hilfen in Form von Krediten und Beteiligungen sowie Bürgschaften, Garantien und Förderprogrammen. Dadurch wurde insgesamt ein Investitionsvolumen in Höhe von 964 Millionen Euro bei den schleswig-holsteinischen Unternehmen ausgelöst und 20.224 Arbeitsplätze geschaffen und gesichert.
Madsen: «Die aktuelle Bilanz macht deutlich: Neben erfolgreichen Unternehmensansiedlungen leisten insbesondere Betriebserweiterungen einen zentralen Beitrag zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen.» So hätten laut Verband der Wirtschaftsförderer in Schleswig-Holstein (VdW.SH) im vergangenen Jahr 35 Bestandsunternehmen im Land Flächen für Betriebserweiterungen bereitgestellt. In den betreffenden Unternehmen seien dadurch insgesamt rund 700 zusätzliche neue Arbeitsplätze entstanden.

Wirtschaftsförderer Dirk Gerdes aus Lübeck sagte zu den Zahlen: «Wir beobachten seit Jahren den Trend, dass die Entwicklung aus dem Bestand im Verhältnis zu Neuansiedlungen von außerhalb bei der Vermarktung von Flächen eine immer größere Rolle spielt.» Dies sei zum einen sicherlich der wirtschaftlichen und politischen Gesamtsituation geschuldet – zum anderen sei dies aber vor allem auch ein klares Zeichen für die Stärke der ansässigen Unternehmen. Zeitgleich komme es punktuell immer wieder zu relevanten Ansiedlungen von außerhalb. Es sei daher – insbesondere bei der Lagegunst und Attraktivität Schleswig-Holsteins – von zentraler Bedeutung stets ausreichend attraktive Flächen mit guter infrastruktureller Anbindung vorzuhalten.

Bei dem Projekt Panattoni Park Lübeck Süd seien beide Faktoren symbiotisch zusammengekommen. Auf der einen Seite sei Panattoni, der größte Logistik- und Industrieimmobilienentwickler Deutschlands, der das Grundstück gekauft und entwickelt hat und mit seinem Investment ein klares Signal für die Attraktivität des Standorts und die Region gesetzt hat. Auf der anderen Seite stehe das Medizin- und Sicherheitstechnikunternehmen Dräger, das als Ankermieter durch diese Entwicklung die Möglichkeit hat, Teile seiner Logistikaktivitäten am Standort Lübeck zu konsolidieren. «Das Projekt ist ein schönes Beispiel dafür, wie Ansiedlung und Bestandsentwicklung Hand in Hand gehen können und weshalb es auch zukünftig essenziell sein wird, beide Aspekte der wirtschaftlichen Entwicklung im Fokus zu haben», so Gerdes.