Auch wenn es vergangenes Jahr infolge zahlreicher Bahn-Großbaustellen eine leichte „Delle“ gab: Die Nachfrage im schleswig-holsteinischen Schienenverkehr ist von 2019 bis 2025 um knapp 20 Prozent gewachsen. Weit über das Vor-Corona-Niveau.

Der Wert für die so genannten Personenkilometer stieg in diesem Zeitraum von 1,98 Milliarden auf 2,37 Milliarden. Personenkilometer (PKM) ergeben sich aus der Besetzung eines Zuges multipliziert mit der Länge eines Streckenabschnitts.
Im Jahr 2025 sank die Nachfrage leicht um 2,7 Prozent. Rechnet man allein die Folgen der Großbaustellen der Deutschen Bahn heraus, dann wären die Fahrgastzahlen in Schleswig-Holstein in 2025 um schätzungsweise 1,5 Prozent gestiegen. Alles in allem liegt die Nachfrage aber weiterhin sehr deutlich über der Nachfrage vor der Corona-Pandemie.
Gründe für die gestiegene Nachfrage sind neben dem Deutschlandticket vor allem zusätzliche Kapazitäten und Angebote. Gleichzeitig wirken sich die weiterhin mäßige Pünktlichkeit und vor allem die vielen Zugausfälle durch Baustellen negativ auf die Nachfrageentwicklung aus.
Hier eine Livestream-Aufzeichnung des Pressegesprächs vom 9. Juli zu den aktuellen Fahrgastzahlen:
Die Anzahl der Fahrgäste stieg von 2019 bis 2025 um rund 2,7 Prozent auf rund 66,7 Millionen an. Der deutlichere Anstieg beim Nachfragewert Personenkilometer zeigt, dass die Fahrgäste im Durchschnitt weiter reisen als 2019.

Verkehrsstaatssekretärin Susanne Henckel sagt: „Viele Züge in Schleswig-Holstein sind gut gefüllt. Das ist erfreulich, weil es zeigt, dass der Nahverkehr trotz der vorhandenen Qualitätsprobleme attraktiv ist. Wir dürfen uns jetzt aber nicht zurücklehnen, sondern müssen für die größere Nachfrage auch ausreichende Kapazitäten anbieten. Deswegen wollen wir unter anderem 20 zusätzliche Akkuzüge bestellen.“
Eine ähnliche Nachfragetendenz zeigt sich auch im schleswig-holsteinischen Busverkehr. Hier hatten die Kreise und kreisfreien Städte in den vergangenen Jahren teilweise erhebliche Angebotsausweitungen vorgenommen. Im Gespräch mit Journalisten sagte Susanne Henckel weiter – Audio starten. Pfeil klicken
Henckel weiter: „Nahverkehr funktioniert nur gemeinsam. Der Erfolg auf der Schiene ist nur möglich, wenn auch der Busverkehr attraktiv ist. Ich danke den Kreisen und kreisfreien Städten dafür, dass sie sich hier so stark engagieren. Dank gilt auch den Kommunen, die mit inzwischen 65 neuen NAH.SH-Bike-and-Ride-Anlagen mit Förderung des Landes den Umstieg auf die Bahn erleichtern.“
Auch in den kommenden Jahren werden zahlreiche Baustellen für eine vorübergehende Behinderung des Bahnverkehrs sorgen und dadurch das Nachfragewachstum etwas bremsen. Zuletzt hatte die Sanierung des so genannten Hochleistungskorridors Hamburg – Berlin für monatelange Sperrungen für die Bahnlinie Hamburg – Schwerin und die Bahnlinie Lübeck – Lüneburg gesorgt. In diesem Sommer wird der Hamburger Hauptbahnhof aus Norden für einige Wochen nicht zu erreichen sein.
„Die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen kennen keine administrativen Grenzen. Eine gute Abstimmung der Angebote, ein einfacher Zugang zu öffentlicher Mobilität mit Bussen, Bahnen, On-Demand oder Sharing-Angeboten und eine transparente Kommunikation sind wesentliche Faktoren für eine positive Nachfragentwicklung. Dafür tragen alle Kreise, kreisfreien Städte, das Land und NAH.SH Verantwortung. Nur gemeinsam im Verbund werden wir vor allem auch mit Blick auf die vielen Baustellen auf der Schiene aber auch auf der Straße weiter Fahrgäste gewinnen“, so die Staatssekretärin.

NAH.SH-Geschäftsführer Dr. Arne Beck: „Wenn wir den Baustelleneffekt mit dem vielen Ersatzverkehr mit Bussen herausrechnen, ist auch für 2025 von einer leichten Nachfragesteigerung auszugehen. Die grundsätzliche Tendenz bleibt: Es nutzen mehr Menschen den Nahverkehr. Umso wichtiger ist es, dass die Bahnunternehmen die Qualitätsthemen in den Griff bekommen, die heute unser Wachstum noch etwas bremsen.“
Die nachfragestärksten Bahnstrecken sind die Bahnstrecken Kiel/Flensburg – Hamburg, Westerland – Hamburg und Lübeck – Hamburg, den stärksten prozentualen Zuwachs von 2019 bis 2025 gab es auf der Linie RB73 (+157 %) von Eckernförde nach Kiel.
Arne Beck sagte weiter