Ansiedlungen: Land setzt auf Firmen der Sicherheitstechnologie und Bewährtes

Mehr Gewicht auf Betriebe der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, gleichzeitig aber den Fokus auf Erneuerbare Energien, Life Science, Ernährungs- und Digitalwirtschaft halten und sich sanft von ausländischen Quellmärkten wie China oder den USA abwenden. Das sind einige der Eckpunkte der von der Landesregierung überarbeiteten Ansiedlungsstrategie für die kommenden Jahre.

WT.SH-Chefin Ulrike Wielatt bei der Vorstellung der neuen Ansiedlungsstrategie mit Wirtschaftsminister Madsen

Schleswig-Holstein ändert seinen Kurs zur Ansiedlung neuer Unternehmen in wesentlichen Punkten. „Wir wollen weniger in einzelnen Branchen denken, sondern mehr in Wertschöpfungsketten“, sagte Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen jetzt bei der Vorstellung der neuen Strategie in Kiel.  Die Ansiedlungen im ersten Halbjahr 2026 bewerteten der Minister und die Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer GmbH (WT.SH). Ulrike Wielatt, als zufriedenstellend. Die bisherige Bilanz bilde eine „vernünftige Grundlage“, die aber „keine Euphorie“ auslöse, so Madsen.

Im Gespräch mit dem Journalisten erläuterte Madsen Aspekte der fortgeschriebenen Ansiedlungsstratgie – Audio starten, Pfeil klicken…

Wielatt hob zwei Erfolge der jüngeren Vergangenheit hervor: Die bayerische Eurobotics-Gruppe werde in Kiel-Holtenau 40 Arbeitsplätze schaffen und dort moderne Unterwasserdrohnen produzieren. Und VisiConsult (großes Foto oben), Hersteller von Röntgen-Diagnostik-Geräten, erweitere seinen Standort in Stockelsdorf bei Lübeck für 14 Millionen Euro und schaffe 90 Arbeitsplätze.

Wehrtechnik treibt SH-Wirtschaft an

Mit Blick auf die jüngsten volkswirtschaftlichen Eckdaten sprach Madsen von einem Aufschwung, den die Wirtschaft derzeit erlebe. Die Exporte hätten im ersten Halbjahr um 13 Prozent zugelegt, das Bruttoinlandsprodukt um 1,7 Prozent. Letzteres bedeute im Wachtsums-Ranking der Bundesländer Platz zwei. Den Schwung will Madsen dank der geschärften Ansiedlungsstrategie verstetigen: „Wenn wir Energie, gute Infrastruktur und kluge Köpfe haben, dann stehen wir vor zehn starken Jahren.“

Treiber der derzeitigen Dynamik ist vor allem die Wehrtechnik – von den Werften bis zum Panzerbau. Das werde in den kommenden Jahren voraussichtlich so bleiben. Wielatt hob dabei die Schlüsselrolle des Tech-Hub SVI Nord hervor, einem maritimes Innovationsnetzwerk für Sicherheits- und Verteidigungs­industrie. Hier würden unter anderem junge Entwickler mit Wirtschaftsunternehmen und der Bundeswehr zusammen gebracht. Zusätzlichen Schub erwartet sie vom Innovationszentrum der Marine, das die Bundeswehr in Kürze in Kiel ansiedeln wird.

Anfragen von KI-Rechenzentren boomen

Große Hoffnungen der Wirtschaftsförderer liegen auf dem Bau großer Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI). Es gebe aktuell „sehr, sehr viele“ Anfragen, bestätigte Madsen mit Blick auf Ansiedlungspläne für Mega-KI-Zentren an den Standorten Schleswig/Schuby, Langenhorn (Kreis Nordfriesland) sowie nahe Heide, wo die US-Firma Lyten die Brache des Batterieherstellers Northvolt übernehmen möchte.

Ehemaliges Northvolt-Gelände bei Heide

„Rechenzentren entwickeln sich zunehmend zu einer Schlüssel-Infrastruktur der digitalen Wirtschaft“, sagte Wielatt. Das starke Interesse von Investoren zeige einmal mehr, dass Betriebe bei ihren Investitionsentscheidungen verstärkt nach Standorten suchen, die Energieverfügbarkeit und Netzanschlüsse mit Wachstumsperspektiven zusammenbringen.

Bei den in den letzten Monaten angebahnten Ansiedlungen ist laut Madsen und Wielatt besonders erfreulich, dass viele geplante Projekte und Erweiterungsvorhaben in Branchen lägen, die in der gutachterlich gestützten Ansiedlungs-Strategie eine wichtige Rolle spielen. So seien die Erneuerbaren Energien weiterhin ein wichtiger Standortvorteil, der riesige Chancen eröffne. „Wir wollen dabei weniger in einzelnen Branchen denken, sondern mehr in Wertschöpfungsketten. Denn für ein klimaneutrales Industrieland brauchen wir nicht nur Windräder, sondern auch Unternehmen, die Speicher entwickeln oder einzelne Komponenten bauen“, so Madsen.

Hier geht es zur Ansiedlungsstrategie in voller Länge

Auch die so genannten Leitbranchen hat die Landesregierung in ihrer neuen Strategie angepasst. Neben den Erneuerbaren Energien, der Gesundheits- und Ernährungswirtschaft sowie der Informations- und Kommunikationstechnologie, die bisher bereits priorisiert bearbeitet wurden, werde die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie stärker in den Fokus genommen. Madsen: „Das ist nicht nur vor dem Hintergrund der weltpolitischen Lage angezeigt, sondern bietet auch Chancen für Innovation, industrielle Entwicklung und hochwertige Arbeitsplätze im Land.“

Und hier ein Mitschnitt des Pressegesprächs bei der WT.SH (sorry für die schlechte Bildqualität)

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