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Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus (MWVATT) des Landes Schleswig-Holstein - Harald Haase

Madsen eröffnet die Nordbau 2025: „70 Jahre und kein bisschen leise“

Eigentlich hat die „Nordbau“ mit 70 Jahren längst ihr Rentenalter erreicht – doch die Messe brummt wie nie. Über 700 Aussteller aus 16 Nationen präsentieren ab heute bis Sonntag ihre Produkte, Innovationen und Dienstleistungen.

Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen eröffnete die Ausstellung vor rund 150 Gästen im neuen Congress-Centrum der Neumünsteraner Holstenhallen und genoss sichtlich die Aufbruchstimmung in der Branche. Was dem dänischen CDU-Politiker mit deutschem Paß natürlich besonders gefiel: Die Nordbau feiert nicht nur ihren 70. Geburtstag, sondern zugleich 50 Jahre Partnerschaft mit Dänemark.

Madsen (vorn) mit dem dänischen Botschafter Thomas Østrup Møller und Holstenhallen-Chef Dirk Iwersen

Und trotz der Krisenthemen, die das Baugewerbe und die Bauindustrie plagen: Madsen machte den Ausstellerinnen und Ausstellern Mut, mit Optimismus voranzugehen. Holstenhallen-Chef Dirk Iwersen sagte: „Die Chancen und Herausforderungen stehen eng beieinander. Und auch der Botschafter Dänemarks, Thomas Østrup Møller, betonte die Chanchen und erinnerte in diesem Zusammenhang an den Bau des Fehmarnbelttunnels. Das Milliarden-Projekt hatte – zumindest auf deutscher Seite – seine Initialzündung vor genau 20 Jahren auf der Nordbau erfahren – als die dänische Bauwirtschaft die Storebelt-Brücke vorstellte und beim damaligen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen Begeisterung auslöste.

Doch auch die Probleme der Branche waren Thema in Neumünster: Iwersen nannte belastende Kostensteigerungen bei Baustoffen, Energie, Logistik, den sich verschärfenden Fachkräftemangel oder Zins- und Finanzierungsschwankungen, machte aber ebenfalls Mut: „Wer, wenn nicht die Bauwirtschaft, ist in der Lage, diese Herausforderungen zu meistern.“ Und er sagte: „mange tak (vielen Dank)“ für die einzigartige deutsch-dänische Partnerschaft auf der Nordbau. Seit 50 Jahren gibt es jetzt den dänischen Gemeinschaftsstand auf der Nordbau. Die Nachbarn im Norden nutzen die Messe als Sprungbrett für den deutschen und europäischen Markt.

„Die Messe ist restlos ausgebucht. Das ist ein starkes Signal“, sagte Madsen. Seine weiteren Impressionen – Video starten…

Impressionen vom Minister-Messerundgang bei der Eröffnung

Die Erwartungen an die Nordbau sind auch in Neumünster groß. Sven Theis, Geschäftsführer der städtischen Wobau, hofft gegenüber dem sh:z auf „neue Ideen, was bezahlbaren Wohnraum angeht, und Verlässlichkeit bei den Fördermitteln“. Die Wobau engagiert sich in der Böcklersiedlung erstmals seit vielen Jahren im Neubau und plant ein weiteres Projekt bei der ehemaligen Sick-Kaserne mit Fördermitteln aus dem sozialen Wohnungsbau. Durch eine Modularbauweise sollen deutlich Kosten eingespart werden.

„Hier auf der Nordbau ist man am Herz der Bauwirtschaft“, sagte Andreas Breitner, der Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen. Leider schlage der Puls im Moment nicht so schnell. Der Tiefbau hat dagegen keine Probleme, meint Ulf Michel. Der Vorsitzende des Unternehmensverbands Mittelholstein führt ein international tätiges Kanal- und Tiefbauunternehmen und meint: „Der Infrastrukturbau ist eine Stütze für die Baukonjunktur und die Gesamtwirtschaft.“

Madsen: Bei der Sanierung von Landesstraßen bleibt der Fuß auf dem Gas

Mit dem Zustand der Landesstraßen geht es aufwärts, wenn auch etwas langsamer als einst geplant. Nach der aktuellen Erfassung von Schäden konnte der Anteil der Straßen mit dem schlechtesten Substanzwert von ursprünglich 27 Prozent in 2021 auf 23,2 Prozent in 2025 reduziert werden. Der Anteil der Straßen mit dem besten Substanzwert hat sich im selben Zeitraum auf 39 Prozent gesteigert.

„Unsere Landesstraßenstrategie ist also erfolgreich und die jüngsten Zahlen sind eine extra Portion Motivation, unsere Strategie weiter zu verfolgen“, sagte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute in Kiel bei der Vorstellung des überarbeiteten „Erhaltungsprogramms Landesstraßen 2023-2027“. Trotzdem würden die äußeren Einflüsse eine Anpassung notwendig machen.

„Die als Folge des Kriegs in der Ukraine massiv gestiegenen Kosten und die aktuelle Haushaltssituation führen dazu, dass wir nicht mehr alle Maßnahmen so umsetzen können, wie wir das 2022 geplant hatten. Außerdem zeigt die Praxis, dass viele Straßen in einem noch schlechteren Zustand sind als erwartet“, sagte Madsen bei der Präsentation des Programms durch Frank Quirmbach, Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) und LBV.SH-Erhaltungschef Christoph Köster (im Foto oben rechts).

Im Gespräch mit Andreas Otto von RSH sagte der Minister bei der Pressekonferenz weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Der Minister erinnerte daran, dass die Landesregierung dieses Jahr 95 Millionen Euro für Straßen und Radwege zur Verfügung stelle und damit mehr als in den vergangenen Legislaturperioden: „Wir lassen also den Fuß auf dem Gaspedal und werden weiterhin in unsere Infrastruktur investieren. Sie sind die Lebensadern unseres Landes, daran führt gar kein Weg vorbei. Wir müssen die knappen Mittel aber klug einsetzen. Das heißt vor allem: die Priorisierung von Deckensanierungen“, so Madsen. Sie seien kostengünstiger und wirkten einer vorzeitigen tiefgreifenden Sanierung entgegen. „Wir können also mehr Straßen in Schuss bringen“, so der Minister.

In den vergangenen Jahren wurden laut LBV.SH-Chef Quirmbach im Rahmen des Erhaltungsprogramms unter anderem die L 125 zwischen Bargstedt und Nortorf, die L 28 zwischen Esperstoft und Gammelund oder die L 83 zwischen Bad Oldesloe und Sühlen saniert. In den nächsten Jahren stünden unter anderem die L 116 an der Grube Saturn bei Lägerdorf, die L 1 zwischen Süderlügum und Medelby oder abschnittsweise die L 69 zwischen Bornhöved und Gnissau an. „Wir werden bis 2027 knapp 450 Kilometer Straßen und rund 300 km Radwege sanieren. Das sind rund 100 Kilometer weniger als ursprünglich geplant. Die Rahmenbedingungen machen es aber leider nötig, dass wir Maßnahmen verschieben. Dennoch bauen wir den Sanierungsstau weiter ab“, betonte Quirmbach. Das Erhaltungsprogramm von 2022 sah ursprünglich Investitionen in Höhe von 550 Millionen Euro für 564 Kilometer Straße vor.

Quirmbach sagte bei der Pressekonferenz weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Das Land stehe laut Quirmbach und Madsen aber noch vor einer weiteren Herausforderung: In den nächsten Jahren erreichen immer mehr Brücken das Ende ihrer planmäßigen Nutzungsdauer von 80 Jahren und müssen saniert oder ersetzt werden. „Diesen Bedarf müssen wir mittel- bis langfristig einplanen. Hierfür erarbeiten wir eine Brückenstrategie“, so Madsen.

Madsen würdigt Siegerinnen und Sieger des ADAC-Tourismuspreises 2025

Gemeinwohlorientiert, umweltfreundlich , wirtschaftlich und teamfähig: Diese vier Attribute waren die Eckpfeiler des ADAC-Tourismuspreises, der heute im Alten Stahlwerk von Neumünster verliehen wurde. Die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH) und der ADAC Schleswig-Holstein zeichneten vier Projekte aus.

Gruppenfoto mit Minister: Alle Gewinner des ADAC Tourismuspreis Schleswig-Holstein 2025. Fotos: Jan Konitzki

Tourismusminister Claus Ruhe Madsen, Schirmherr des Wettbewerbs, würdigte die Preisträger persönlich: «Der ADAC-Tourismuspreis ist die perfekte Gelegenheit für unsere heimische Tourismusbranche, allen zu zeigen, was in ihr steckt. Und das hat sich offenbar rumgesprochen, denn so viele Bewerbungen gab es noch nie», freute sich Madsen vor rund 150 Gästen aus der Branche. Denn die zahlreichen Bewerbungen beweisen aus seiner Sicht vor allem, dass die Tourismuswirtschaft innovativ und nachhaltig sei und von vielen engagierten Menschen getragen werde.

«Die ausgezeichneten Projekte verbinden Lebensqualität für Einheimische mit besonderen Erlebnissen für Gäste. Damit setzen sie wichtige Impulse für die Zukunft des Tourismus im echten Norden», sagte Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH). Gerhard Hillebrand, Vorsitzender des ADAC Schleswig-Holstein e.V. ergänzte: „Die Siegerprojekte sind mutige und inspirierende Vorbilder, die zeigen, wie Tourismus neu gedacht werden kann. Sie machen Schleswig-Holstein zu einem attraktiven Reiseziel, das Qualität, Nachhaltigkeit und Herzlichkeit verbindet.“

Kategorie 1 – Fokus Gemeinwohl

Landeshauptstadt Kiel – „Kieler Woche: Gemeinsam Vielfalt gewinnen“ Die Kieler Woche ist längst mehr als ein Segel-Event. Sie steht für Begegnung, Teilhabe und gelebte Inklusion – ob beim Segeln, bei Konzerten oder Kulturprogrammen. Die Jury lobte die konsequente Weiterentwicklung des Konzepts, das Vereinen Raum gibt, leicht zugänglich ist und mit viel Herzblut umgesetzt wird. Die Kieler Woche setze ein starkes Zeichen^^für Gemeinschaft und Vielfalt.

Kategorie 2 – Fokus Umwelt

Kategorie Fokus Umwelt: Preisträger Nordsee Tourismus-Service

Nordsee Tourismus-Service – „Nimm drei – sei dabei! Gemeinsam für eine saubere Nordseeküste“ Die Mitmach-Initiative motiviert Gäste und Einheimische, bei jedem Strandbesuch drei Müllstücke aufzusammeln. Die Jury hob hervor, dass die niedrigschwellige Aktion alle Zielgruppen erreicht, Einheimische und Touristen verbindet und nachhaltiges Verhalten fördert – auch weit über den Urlaub hinaus. Eine einfache Idee mit großer Wirkung.

Kategorie 3 – Fokus Zukünftiges Wirtschaften

Genusswerk Flensburg – „Hofladen 4.0 – Regionales Netzwerken statt Einzelkämpfertum!“ Das Genusswerk Flensburg kombiniert Brauerei, Bistro und Markt mit regionaler Kreislaufwirtschaft. Gäste erleben Handwerk, Genuss und Erlebnis an einem Ort. Nach Ansicht der Jury strahlt das Konzept weit über Flensburg hinaus, überzeugt durch Glaubwürdigkeit und stärkt zugleich die Gemeinschaft in der Region.

Sonderkategorie – Fokus

Sonderkategorie Fokus Team: Preisträger Restaurant Café Spindel.

Team Restaurant Café Spindel (Landesverein für Innere Mission Schleswig- Holstein) – „Service auf Herzhöhe“ Im Café Spindel arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung Hand in Hand. Hier werden Wertschätzung, Ausbildung, Teilhabe und Gastfreundschaft täglich gelebt. Die Jury würdigte das Projekt als vorbildliche Antwort auf den Fachkräftemangel – und als authentischen Ort der Inklusion, an dem der Mensch im Mittelpunkt stehe.

Tourismus im Aufwind: TA.SH und Madsen erwarten gutes Jahr

Der Tourismus im Norden boomt: Im ersten Halbjahr reisten mehr Übernachtungsgäste nach Schleswig-Holstein. Auch für den Rest des Jahres stehen die Zeichen gut.

TA.SH-Chefin Bunge und Tourismusminister Madsen

Trotz des verregneten Julis rechnet die Tourismusbranche in Schleswig-Holstein mit einem positiven Jahresergebnis. «Ich hoffe, dass wir am Jahresende erneut einen Rekord aufstellen können», sagte die Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH), Bettina Bunge. 60 Prozent des touristischen Umsatzes entfallen auf die Monate Juli bis Dezember.

Bereits im ersten Halbjahr 2025 verzeichnete das nördlichste Bundesland laut der Agentur, die sich auf Zahlen des Statistikamts Nord stützen, mit 4,2 Millionen Gästen und 15,8 Millionen Übernachtungen ein Rekordergebnis. Bundesweit rangiere Schleswig-Holstein damit auf Platz sechs, während Bayern mit über 46 Millionen Übernachtungen unangefochten an der Spitze bleibt.

Im Norden führe weiter Sylt mit knapp 1,4 Millionen Übernachtungen, gefolgt von Lübeck mit rund einer Million. Den dritten Platz belegt Fehmarn, das laut Geschäftsführerin Bunge besonders als Campingziel überzeugt. Insgesamt würden 83 Prozent des Übernachtungsvolumens im Land an Nord- und Ostsee verzeichnet. Der größte Anteil der Urlauberinnen und Urlauber in Schleswig-Holstein kommt aus Deutschland. Nur fünf Prozent der Gäste stammen laut Bunge aus dem Ausland. Dies waren im ersten Halbjahr rund 786.000 Menschen – die meisten davon kamen aus Dänemark (rund 235.000).

Insgesamt übernachteten jedoch mehr ausländische Gäste im nördlichsten Bundesland als im ersten Halbjahr 2024. Der Anteil der Ausländer sank dennoch, weil deutlich mehr Deutsche nach Schleswig-Holstein reisten, erklärte die TASH-Geschäftsführerin. «Positiv ist auch zu sehen, dass sich unser wichtigster ausländischer Quellmarkt, nämlich Dänemark, sukzessive erholt», führte Bunge fort. In den vergangenen Jahren verbrachten viele Dänen ihren Urlaub vor allem im eigenen Land oder in Schweden. Dennoch habe Schleswig-Holstein beim dänischen Markt erst 67 Prozent des Volumens von 2019 erreicht.

Das Land sollte sich im Sinne von Internationalität und Weltoffenheit nicht nur auf Werbung im Inland beschränken, sondern auch ausländische Märkte ins Visier nehmen, erklärte Bunge. Zudem gäben ausländische Urlauber oft mehr Geld aus als Deutsche. Sie hoffe deshalb, dass künftig mehr Menschen aus dem Ausland ins nördlichste Bundesland reisen.

«Erfreulich ist – zumindest für mich als Schleswig-Holsteiner – dass wir ein sehr beliebtes Land sind», sagte Tourismusminister Claus Ruhe Madsen (CDU). Auch die Zufriedenheit der Gäste habe zugenommen.

Im Gespräch mit Journalisten sagte Madsen weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Gleichzeitig zeigten sich Urlauberinnen und Urlauber beim Konsum zurückhaltend.  Madsen betonte: «Die Menschen sind gerne bereit, für gute Produkte gutes Geld auszugeben.» Das sei ein Aufruf, in Qualität und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis vor Ort zu investieren. «Man kann schon erkennen, dass in Betrieben, die gute Arbeit machen und guten Service anbieten, auch konsumiert wird.» Er schätzte, dass die Menschen in Deutschland generell vorsichtiger mit ihren Ausgaben seien. Zudem führten steigende Energie-, Gehalts- und Rohstoffkosten zu höheren Preisen auf den Speisekarten. «Aber ich glaube nicht, dass wir nervös werden müssen. Stattdessen sollten wir an unserer Qualität arbeiten – dann werden die Menschen auch konsumieren.»

Madsen dankt „Autobahn“: A 21 bei Kirchbarkau früher fertig als geplant

Madsen beim Start zu seiner heutigen Rad-Sommertour quer durch Schleswig-Holstein.

Endspurt Richtung Sommer! So könnte das Motto der heute gestarteten Sommer-Radtour von Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen lauten – aber auch das Motto des B-404-Ausbaus zur A 21 Höhe Kirchbarkau im Kreis Plön: Vor wenigen Tagen wurde der knapp 8 Kilometer lange Bauabschnitt – der parallel zur Gemeinde verläuft – auf der Fahrspur in Richtung Norden fertiggestellt. «Damit sind wir zwei Wochen früher fertig als ursprünglich geplant – und auch nach wie vor im Kostenrahmen», freut sich der stellvertretende Direktor der Niederlassung Nord der Autobahngesellschaft des Bundes, Jens Sommerburg. Und auch Madsen zollte den beteiligten Firmen und der Autobahngesellschaft bei seiner heutigen Stipvisite auf der Baustelle Respekt: «Das beweist einmal mehr, dass wir bei der Infrastruktur durchaus im Vorwärtsgang sind», so der Minister. Der 4,6 Kilometer lange Ausbau-Abschnitt in Höhe der Gemeinde Löptin war bereits im Dezember in Richtung Norden freigegeben worden.

Baustellen-Besuch bei Kirchbarkau (v.r.): AdB-Niederlassungsleiter Jens Sommerburg, Madsen und die AdB-Mitarbeiter Torben Wiencke, Gunnar Wellmer und Kai Lingrön

Läuft alles nach Plan, dann soll die ehemalige B 404 auf dem Abschnitt zwischen Nettelsee und Klein Barkau in genau einem Jahr vollständig fertig sein. Heißt: Eine vierspurige Autobahn samt Standstreifen. Einziger Wermutstropfen: Auch, wenn die Autofahrer in Richtung Kiel seit einigen Tagen bereits auf der nagelneuen Autobahn-Hälfte unterwegs sind – das Tempo von 50 km/h bleibt aus Sicherheitsgründen laut Autobahngesellschaft bis dahin weiter bestehen. «Es geht einerseits um den Gegenverkehr, andererseits um die Sicherheit der hier arbeitenden Menschen», sagt Sommerburg.

Bis zum kommenden Jahr werden – neben einem Radweg in Klein Barkau – unter anderem auch ökologische Ausgleichsmaßnahmen abgeschlossen sein. So führt unter der A 21 bei Kirchbarkau ein Wildunnel hindurch, der die Fauna auf beiden Seiten der Straße wieder neu beleben soll.

„Mitreden!“ in Lübeck: Madsen zum Bürgergeld-Kurs der Bundesregierung

„Mitreden! Live vor Ort“, heißt ein noch recht neues Diskussionsformat der ARD-Tagesschau, das heute Abend in Lübeck ein Stück Neuland betrat: Anstelle eines reinen Youtube-Streams mit Chat saßen rund 120 Zuschauerinnen und Zuschauer live in der Gollan-Kulturwerft. Im Mittelpunkt der Diskussion mit Arbeitsminister Madsen, dem Regensburger Wirtschaftswissenschaftler Enzo Weber und der Sozial-Akivistin Helena Steinhaus (Verein «Sanktionsfrei»): Das Bürgergeld vor dem Hintergrund steigender Preise, einer schwächelnden Wirtschaft und politischer Pläne für härtere Sanktionen.

Diskussionsfreudiges Publikum in der Lübecker Gollan-Werft

Hintergrund: Die neue Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, das bisherige Bürgergeld zu einer „neuen Grundsicherung für Arbeitssuchende“ umzugestalten. Ziel der Bundesregierung ist es, die Mitwirkungspflichten der Leistungsempfänger künftig wieder stärker zu betonen und dem „Fordern“ gegenüber dem „Fördern“ durch den Staat wieder stärkeres Gewicht zu verleihen.

Wie Madsen in der Diskussion sagte, sei eine der Voraussetzungen für eine Reduzierung der Zahl der Bürgergeld-Empfänger unter anderem eine Stärkung der Jobcenter in Deutschland. Der großen Koalition gehe es darum, dass künftig wieder der so genannte Vermittlungsvorrang gelten solle.

Im Talk mit NDR-Redakteurin Nina Zimmermann (links): Madsen, Sozial-Aktivistin Helena Steinhaus und dem Wirtschaftswissenschaftler und Arbeitsmarkt-Experten Enzo Weber

«Das bedeutet, dass die schnellstmögliche Vermittlung in Arbeit wieder das oberste Ziel ist», so Madsen. Die in 2023 umgesetzte Bürgergeldreform hatte den Vermittlungsvorrang abgeschafft und der Qualifizierung den Vorrang gegeben. Laut Madsen müsse dies aber mit Augenmaß umgesetzt werden. «Denn eine gute berufliche Qualifikation sowie allgemeine und berufsbezogene Sprachkenntnisse sind wichtige Faktoren für eine nachhaltige und existenzsichernde Erwerbstätigkeit», so der Minister. Idealerweise sollte eine schnelle Integration mit einer berufsbegleitenden Qualifizierung verknüpft werden.

Ein weiterer Baustein der Bundesregierung: Mitwirkungspflichten und Sanktionen sollen wieder verschärftund Sanktionen schneller und einfacher durchgesetzt werden können. Bei Menschen, die arbeiten können und wiederholt zumutbare Arbeit verweigern, soll unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ein vollständiger Leistungsentzug ermöglicht werden.

Hier ein paar Schlaglichter der zweistündigen «Mitreden»-Diskussion:

Wie Madsen am Rande Sendung weiter sagte, solle auch die so genannte Karenzzeit für Vermögen soll abgeschafft und die Höhe des Schonvermögens an die Lebensleistung gekoppelt werden. Derzeit beträgt die Karenzzeit für anzurechnendes Vermögen ein Jahr. Madsen erinnerte daran, dass von den aktuell knapp 95.000 Arbeitslosen in Schleswig-Holstein knapp 62.000 Menschen unter die Regelungen des Sozialgesetzbuches fallen.

Die Arbeitsminister der unionsgeführten Bundesländer (SH, NRW, Ba-Wü, BY) hätten sich bereits seit langem, zuletzt Anfang des Jahres für Reformen ausgesprochen. Die Forderungen decken sich in wesentlichen Teilen mit den nun vom Bund geplanten Änderungen.

Land und Bund vereinbaren: Freie Fahrt für Militär in weiten Teilen des Nordens

Um Militär-Fahrzeugen angesichts der veränderten Sicherheitslage in Europa mehr Bewegungsspielraum im schleswig-holsteinischen Straßennetz zu ermöglichen, haben ein Vertreter des Bundesverteidigungsministeriums und Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute eine neue Verwaltungsvereinbarung getroffen.

Vereinbarung ausgeweitet und unterzeichnet (v.l.): Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen, Oberst Michael Skamel, Chef des Landeskommandos, Verkehrs-Staatssekretärin Susanne Henckel und Kapitän zur See Andreas Rohbrecht, Vertreter des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr.

„Die Vorgänger-Version von 1995 war erheblich in die Jahre gekommen und konnte kaum noch genutzt werden, was jede Menge Einzelfallprüfungen und Genehmigungsschritte notwendig machte. Das wurde jetzt durch eine pauschale Erlaubnis für über 100 Straßen und Strecken im Land ersetzt“, sagte Madsen bei der Unterzeichnung, an der auch der neue Chef des Landeskommandos, Oberst Michael Skamel sowie Schleswig-Holsteins Verkehrs-Staatssekretärin Susanne Henckel teilnahmen.

Oberst Skamel sagte zu der vereinbarung – Audio starten, Pfeil klicken…

„Auf welche Strecken sich die neue Vereinbarung genau bezieht, ist natürlich vertraulich“, so der Minister. Es gehe dabei vor allem um militärische Fahrten im Verband als auch um Großraum- und Schwertransporte bis zu gewissen Abmessungen und Gewichten. Als Vertreter des zuständigen Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr unterzeichnete Kapitän zur See, Andreas Rohbrecht.

Gegenüber der Fassung aus 1995 – die gemeinsam mit dem Verteidigungsministerium derzeit in allen Bundesländern erneuert wird – seien sowohl Änderungen bei den Strecken als auch bei den erlaubten Abmessungen und Gewichten der Fahrzeuge vorgenommen worden. Nach den Worten von Landeskommando-Chef Skamel bezieht die Vereinbarung neben Bundes- und Landesstraßen auch teilweise Kreis- und Gemeindestraßen mit ein. „Wir werden es in den nächsten Jahren absehbar vermehrt mit Militärkonvois auf unseren Straßen zu tun haben, darum ist die Vereinbarung zwar vordergründig vor allem für die Bundeswehr enorm wichtig, trägt aber zur Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger bei“, sagte Skamel. Für die Autobahnen – die für die Bundeswehr und deren Verbündete besonders wichtig sind – sei bereits eine gesonderte Vereinbarung zwischen dem Verteidigungsministerium und der Autobahn GmbH des Bundes getroffen.

Madsen sagte zu dem Schulterschluss mit der Bundeswehr, Audio starten – Pfeil klicken…

Wie Madsen sagte, gelte die neue Regelung ab sofort und sei unbefristet. Er warb bei Autofahrerinnen und Autofahrern zugleich um Verständnis: „Ich glaube, jedem leuchtet ein, dass unsere Sicherheit angesichts der russischen Aggressionen, die möglicherweise bald über die Ukraine hinausgehen könnten, höchste Priorität und unsere Soldatinnen und Soldaten darum stets Vorfahrt haben sollten.“ Madsen erinnerte vor diesem Hintergrund auch nochmals an die strategische Bedeutung der A 20 als Magistrale zwischen wichtigen Ostseehäfen und den Häfen an der Nordsee. „Abgesehen von der ökonomischen Bedeutung dieser Autobahn wird sie auch militärisch maximal bedeutsam und sollte – unter Berücksichtigung aller berechtigten Umweltbelange – rasch in die Realität umgesetzt werden.“

Für Kauf von 42 E-Loks: Europäische Investitionsbank stellt 250 Millionen bereit

Millionenschwere und zukunftsträchtige Weichenstellung für den regionalen Bahnverkehr in Schleswig-Holstein, Hamburg und Dänemark: Die Europäische Investitionsbank (EIB) stellt einen Investitionskredit von 250 Millionen Euro bereit, um dem Land die Anschaffung von 42 hochmodernen Elektrozügen zu ermöglichen, die den Schienenpersonen-Nahverkehr in Schleswig-Holstein verbessern und den Wettbewerb im Bahnverkehr fördern werden.

EIB-Vizepräsidentin Nicola Beer

Das gaben heute EIB-Vizepräsidentin Nicola Beer und Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen bei einem Treffen zusammen mit dem Vorstand der Landesanstalt Schienenfahrzeuge Schleswig-Holstein (ZUG.SH), Bernhard Wewers, bekannt.

Im Gespräch mit Journalisten sagte Beer weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

Wie Beer außerdem sagte, sei eines der Leitmotive der EIB, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen als komfortable und klimafreundliche Alternative zum Auto. Für Pendler und Reisende in Schleswig-Holstein, Hamburg und Dänemark heiße es künftig: «Schneller, öfter, zuverlässiger – dank der Zusammenarbeit mit unserem Partner ZUG.SH. Unsere gemeinsamen Anstrengungen sind damit ein wesentlicher Beitrag zu Wirtschaftswachstum und gleichzeitig zu unseren Klimazielen», so Beer.

Auch Verkehrsminister Madsen zeigte sich erfreut: «Mit dieser Investition auf den Hauptstrecken des Landes gehen wir einen entscheidenden Schritt in Richtung eines hochmodernen Schienenverkehrs. Das betrifft nicht nur Schleswig-Holstein, sondern auch Hamburg und erstmals Dänemark.»

Madsen und Beer mit Modellen der neuen Züge, die ab Ende 2027 im SH-Bahnnetz eingesetzt werden sollen

Die Landesregierung schaffe ein effizientes und fahrgastorientiertes Verkehrssystem durch moderne, komfortable und umweltfreundliche Züge und setze damit auch einen neuen Standard für den öffentlichen Nahverkehr. Madsen: «Diese Züge werden ab Dezember 2027 auf wichtigen regionalen Strecken zwischen Kiel, Flensburg, Tinglev sowie zwischen Hamburg und Wrist und Itzehoe eingesetzt», sagte Madsen und erklärte im Gespräch mit Journalisten weiter – Audio starten, Pfeil klicken…

ZUG.SH-Vorstand Wewers sagte: «Die Unterstützung und langfristige Finanzierung durch die Investitionsbank ist entscheidend für die Bereitstellung modernster Züge und die angestrebten Kosteneinsparungen für das Land. Die neue Flotte wird nicht nur ein angenehmeres Reiseerlebnis für die Fahrgäste bieten, sondern auch den Wettbewerb und die Nachhaltigkeit in unserem regionalen Schienennetz fördern. Die Zusammenarbeit mit der EIB ist ausgezeichnet und sichert den Fahrgästen dank dieser neuen Initiative viele Vorteile.»

Die neue Flotte des weltweit tätigen Bahnkonzerns Alstom soll bis Ende 2027 vollständig in Betrieb sein. Alstom hatte im Juli 2023 den Zuschlag für die Herstellung und Instandsetzung von 42 neuen Elektrotriebzügen des Typs Coradia Max für Schleswig-Holstein erhalten und wird außerdem über 30 Jahre für die Instandhaltung der Fahrzeuge verantwortlich sein. Mit einer prognostizierten Fahrgastzahl von 21,9 Millionen im ersten Betriebsjahr wird laut ZUG.SH-Chef Wewers das Angebot, die regionalen Verbindungen und die Erreichbarkeit wichtiger Zentren für Beschäftigung, Wohnen und soziale Infrastruktur erheblich verbessern. Die neuen Züge werden auch auf die Bedürfnisse von Personen mit eingeschränkter Mobilität zugeschnitten sein.

Next-Generation-Züge für ein verbessertes Reiseerlebnis:

Die von Alstom gefertigten „Coradia Max“-Züge werden einen neuen Standard an Komfort und Kapazität bieten.

  • Bis zu 390 Sitzplätze pro Zug, eine deutliche Steigerung von 70 Plätzen im Vergleich zu bestehenden Modellen.
  • Stufenlose Mehrzweckbereiche mit barrierefreiem Zugang in jedem Wagen zur einfachen Unterbringung von Kinderwagen, bis zu 24 Fahrrädern und großem Gepäck.
  • Ausgestattet mit dem European Train Control System (ETCS), das Interoperabilität, erhöhte Kapazität und verbesserte Sicherheit im gesamten Eisenbahnsystem gewährleistet.
  • Einhaltung der Technischen Spezifikationen für die Interoperabilität, die einen nahtlosen grenzüberschreitenden Verkehr ermöglicht.

Der NOK wird 130 – und erfreut sich kräftiger Investitionen durch den Bund

Auch wenn manches an ihm deutlich in die Jahre gekommen ist – der Nord-Ostsee-Kanal (NOK), international als „Kiel-Canal“ bekannt, ist und bleibt eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Vor wenigen Tagen feierte die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt still unhd leise ihren 130. Geburtstag. Dabei tut sich am NOK eine Menge – auch dank des ständigen Drängens der Landesregierung.

Seit 130 Jahren erspart der Nord-Ostsee-Kanal (NOK) vielen Schiffen den Umweg über das dänische Skagen. Das Wasserstraßen-Neubauamt Nord-Ostsee-Kanal in Kiel sieht die notwendige Modernisierung der teils mehr als 100 Jahre alten Anlagen auf einem guten Weg. «Der Kanal hat eine sehr gute Zukunft vor sich», sagte Amtsleiter Joachim Abratis der Deutschen Presse-Agentur. Nach seiner Einschätzung wird der Kanal langfristig gebraucht: «Die aktuelle Verkehrsprognose 2040 erwartet stabile bis steigende Nutzungszahlen.» 2024 waren auf der wichtigen Wasserstraße 24.866 Schiffe unterwegs, ein Minus von fast sieben Prozent im Vergleich zu 2023. Die Ladungsmenge ging um 2,1 Prozent auf knapp 75,6 Millionen Tonnen zurück. Dafür werden die Schiffe immer größer. Die sogenannte Bruttoraumzahl, die rechnerische Gesamtgröße eines Schiffes, stieg von 5.476 auf 5.688 BRZ.

«Das ausschlaggebende Argument für Wasserstraßen ist der Klimawandel», sagte Abratis. «Wir sind auf Warenaustausch angewiesen, und der Nord-Ostsee-Kanal ist prädestiniert dafür, auch große Massengüter oder Container über weite Strecken zu transportieren.» Verkehre müssten dabei nachhaltig und mit möglichst wenigen Beeinträchtigungen verbunden sein.

Seit mehr als 15 Jahren wird an der 100 Kilometer langen Wasserstraße von Kiel bis nach Brunsbüttel kräftig investiert. «Die Signale sind an vielen Stellen bereits gesendet. Rund eine Milliarde Euro haben wir bereits verbaut», sagte Abratis. «Weitere zwei Milliarden werden schätzungsweise folgen.»

Ein großer Teil fließt in den Neubau der 5. Schleusenkammer in Brunsbüttel (1,2 Milliarden Euro). «Wir gehen davon aus, die Kammer Ende 2026 in Betrieb zu nehmen», sagte Abratis. Das schaffe Kapazitäten, um die große Schleuse instand zu setzen. «Im Weiteren werden dann aber auch die kleinen Schleusen zu betrachten und zu sanieren sein.» Die Schleusen-Schiebetore werden in Emden gebaut. «Im November/Dezember wird das erste Tor in Brunsbüttel eintreffen», sagte Abratis.

Derweil laufen bereits Vorbereitungen für den Neubau der beiden kleinen Schleusen in Kiel-Holtenau. «Die werden etwas länger als die alten ausfallen», sagte Abratis. Erwartet würden dafür Kosten zwischen 600 und 650 Millionen Euro. Erst danach kann die Sanierung oder der Neubau der ebenfalls aus der Kaiserzeit stammenden großen Schleusenkammern in Kiel beginnen. Die Instandhaltung des Kanals bleibe eine Daueraufgabe.

Auch beim Ersatz der in die Jahre gekommenen Levensauer Hochbrücke bei Kiel geht es voran. «Sie soll 2027 durch den Neubau ersetzt werden», sagte Abratis. Dazu werde es mehrtägige Sperrungen für die Schifffahrt geben. Für den Bahn- und Individualverkehr auf der Querung selbst seien monatelange Sperrungen notwendig. Der Kostenrahmen von ursprünglich geplanten 200 Millionen Euro werde aber «deutlich überschritten».

Drittes Großprojekt ist weiter der Ausbau der Oststrecke zwischen Rendsburg und Kiel, der Engstelle des Kanals, in der große Schiffe bei entgegenkommendem Verkehr in sogenannte Kanalweichen fahren müssen. «Noch in diesem Jahr soll der erste von drei Abschnitten zwischen Großkönigsförde und Schinkel fertiggestellt werden», sagte Abratis.

«Der NOK spielt für Schleswig-Holstein eine herausragende Rolle – nicht nur regional, sondern auch als internationale Schlüsselverbindung für den Seeverkehr zwischen Nordsee und Ostsee», sagte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen der dpa. «Umso dringlicher ist es, die Attraktivität dieser zentralen Wasserstraße zu stärken.» Der Rückgang der Schiffspassagen im vergangenen Jahr sei alarmierend. Die für den Klimaschutz und die Verkehrswende bedeutsame Modernisierung des Kanals müsse vorankommen. «Die Durchfahrt durch den NOK muss für die Reeder wieder wirtschaftlich attraktiv werden – eine echte Alternative zur deutlich längeren Route um Skagen», so Madsen.

So ganz leise geht der 130. NOK-Geburtstag übrigens doch nicht über die Bühne: Die Stadt Brunsbüttel feiert von morgen bis Sonntag das Jubiläum mit einem großen Kanalgeburtstagsfest samt Familienprogramm und Live-Musik.

Maritimer Koordinator macht Madsen Hoffnung für Häfen und Werften

Der neue Koordinator der Bundesregierung für die Maritime Wirtschaft, Christoph Ploß, hat die Kieler Woche für ein Arbeitstreffen mit Wirtschafts- und Verkehrsminister Madsen genutzt. Dabei zeigte sich er sich zuversichtlich, was die bisherige Unterfinanzierung der Seehäfen anbelangt. Riesige Chancen für den Norden sieht Ploß in der Energiewende. Die Häfen hätten das Zeug, zu echten Energie-Hubs zu werden und die Werften könnten sich auf den Bau von Offshore-Konverter-Plattformen konzentrieren. Ein Herzensthema von Madsen, das vom Bund geplante Kompetenzzentrum zur Munitionsbergung, will Ploß in Berlin ansprechen.

Seehafen Kiel: Ploß sieht hier – wie auch in Lübeck – große Investitions-Potenzial durch das Sondervermögen des Bundes.

Der neue Koordinator der Bundesregierung für die Maritime Wirtschaft und den Tourismus, Christoph Ploß, will zur Finanzierung der deutschen Häfen mehr Bundesmittel lockermachen. «Der Bund sollte hier den Ländern stärker unter die Arme greifen», sagte der Hamburger CDU-Bundestagsabgeordnete bei seinem Besuch der Kieler Woche. Zahlen könne er zwar nicht nennen. Aber es sei klar: «Die Häfen gehen nicht nur die norddeutschen Küstenländer etwas an.»

Hafenpolitik sollte als nationale Aufgabe verstanden werden, so wie in den Niederlanden oder Belgien. Dort stehe die gesamte Politik hinter den Häfen. «Auch wenn das Grundgesetz die Zuständigkeit für die Häfen bei den Ländern verortet, wünsche ich mir so eine Sichtweise auch für Deutschland», betonte Ploß. Bislang überweist der Bund pro Jahr 38 Millionen Euro für alle deutschen Seehäfen zusammen. Die Branche und die fünf Nordländer fordern dagegen in der Summe bis zu 500 Millionen Euro.

Offshore-Versorgungsschiffe im Vorhafen von Helgoland.

Ploß sagte: «Auf Dauer wird der Bund die Hafeninfrastruktur deutlich besser ausstatten müssen.» Das könne über den Hafenlastenausgleich, aber auch durch die Förderung einzelner Projekte mit einem bundespolitischen Bezug erfolgen. Wir müssten es hinbekommen, dass die Finanzierung der Häfen verstetigt wird, zeigten sich Ploß und Madsen einig.

Dazu sollen noch in diesem Jahr von der Bundesregierung Maßnahmen präsentiert werden, die aufzeigen, wie die Häfen in Schleswig-Holstein, in Hamburg, in Mecklenburg-Vorpommern, in Niedersachsen und auch mit Abstrichen in Bremen und Bremerhaven umgebaut werden können. Dies könne der Bund ohne vorherige verfassungsrechtliche Diskussionen auch finanziell unterstützen. Grundsätzlich sind für die Finanzierung der Häfen jedoch die Bundesländer zuständig.

Zwar könne der Bund aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht einfach Geld für die Sanierung von Kaimauern bereitstellen, sagte Ploß. «Aber bei energiepolitischen Themen, die eine bundesweite Bedeutung haben, kann der Bund finanziell unterstützen und fördern.» Mit den Investitionen wolle die Bundesregierung nicht nur die Energiewende vorantreiben, sondern auch dafür sorgen, dass sich weitere maritime Infrastruktur rund um die Häfen ansiedele.

Anderseits müssten auch die Sondervermögen für die maritime Wirtschaft genutzt werden. Dabei böte sich die Autobahn 20 an. «Da werde ich auch als maritimer Koordinator und auch Koordinator für Tourismus dann alles tun, damit der Bau der A20 vorangetrieben wird. Weil die ist nicht nur für die Infrastruktur generell in Schleswig-Holstein wichtig, sondern auch gerade für die ganze maritime Wirtschaft.» Die A20 und auch die A26 Ost seien für den Norden enorm wichtig.

Zu den Themen Munitions-Altlasten im Meer, die Rolle der Seehäfen und der Werften bei der Energiewende sowie die bisherige Arbeitszeit-Regelung in der Tourismusbranche sagten Madsen und Ploß bei ihrem Treffen weiter Audio starten, Pfeil klicken…

Madsen sprach von themenorientierten Bundeshilfen. Als Beispiele nannte er die Hinterland-Anbindungen von Häfen und Landstromanlagen für Schiffe oder den Nord-Ostsee-Kanal. «Die vorherige Bundesregierung war sich ja nicht so ganz darüber im Klaren, dass sie auch eine Seestraße haben.» Ploß ergänzte, auch die Bedeutung des Nord-Ostsee-Kanals werde leider manchmal unterschätzt.

Seehafen Kiel – hier sieht Ploß im Sondervermögen Potenzial für konkrete Projekte

Er wolle helfen, für die maritime Wirtschaft konkrete wichtige Projekte auf den Weg zu bringen. Aus dem Sondervermögen ließen sich beispielsweise der Kauf und die Ertüchtigung einer Fläche im Kieler Hafen finanzieren, der Bau eines Bahnhofs im Industriegebiet Brunsbüttel oder der Ausbau des Passagierterminals im Kieler Ostuferhafen oder die Modernisierung der Anleger am Lübecker Skandinavienkai. Denkbar sei auch die Finanzierung von Landstrom-Anlagen in der Hansestadt oder die Elektrifizierung von Bahnstrecken.

«Man kann auch zum Beispiel schauen, ob man sogar aus dem Verteidigungshaushalt oder aus dem Sondervermögen für Verteidigung einiges auch für die maritime Wirtschaft unternimmt», sagte Ploß. Darunter falle die Erneuerung von Brücken und Autobahnen generell, weil diese im Moment nicht ausgerichtet seien auf verteidigungspolitische Herausforderungen.

«Wir müssen unsere Häfen auch unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten betrachten», sagte Ploß. Deutschland habe Verpflichtungen innerhalb der Nato. Und «die Häfen sind im Ernstfall logistische Drehkreuze, etwa für Truppenverlegungen an eine mögliche Nato-Ostflanke». Entsprechend müsse die Infrastruktur auch für militärische Zwecke ertüchtigt werden. Das betreffe etwa Brücken und Zufahrten, die bislang oft nicht dafür ausgelegt seien, dass Panzer oder anderes schweres Gerät darüber transportiert werden können.

Mit Blick auf die Werften sagte Ploß: «Die Bundesregierung hat ein großes Interesse daran, dass die deutschen Werften in den Konverter-Plattform-Bau einsteigen.». Sogenannte Konverter-Plattformen sind notwendig, um auf See erzeugten Strom von den Windrädern in das Stromnetz an Land einzuspeisen.

Der Bund wolle die notwendigen Rahmenbedingen schaffen in Form von Bürgschaften der Kreditanstalt für Wiederaufbau. «Denn wir reden dort über hohe Milliardenbeträge, die investiert werden müssen. Da ist man ja schnell für eine Konverter-Plattform bei 2,5 bis 3 Milliarden Euro.»

Ploß will die notwendigen Investitionen durch Bürgschaftsprogramme absichern, damit mittelständische Unternehmen sich des Baus ohne Gefahr einer drohenden Pleite annehmen können. «Das ist ein wirklich sehr zukunftsträchtiges Geschäftsfeld für die maritime Branche in Deutschland, für Schleswig-Holstein, für Mecklenburg-Vorpommern, für Bremerhaven und für Niedersachsen.» Darin sehe er echtes Potenzial.

Die bisherigen Planungen zum Ersatz der Köhlbrandbrücke im Hamburger Hafen bis 2042 nannte Ploß peinlich. «In anderen Ländern wird über solche Zeiträume nur gelacht.» Er könne kein Datum nennen, weil Hamburgs rot-grüner Senat für das Planverfahren zuständig sei. «Aber parteiübergreifend sollte klar sein: Die Köhlbrandbrücke muss in den 2030er-Jahren fertig werden.»

Ploß ermahnte die norddeutschen Länder, mit einer Stimme zu sprechen und eng zusammenzuarbeiten. «Wenn der Norden uneins ist und beispielsweise Hamburg und Bremen sich mehr als Rivalen statt als Partner begreifen, dann schadet das allen», sagte der CDU-Abgeordnete. Die Rivalität zwischen Hamburg und Bremen gehöre auf den Fußballplatz – aber nicht in die Politik.

Nicht nur mit Blick auf die Hamburger Köhlbrandbrücke, den Bau der A 20 und das Milliarden-Sondervermögen des Bundes kämpfen sowohl Madsen als auch Ploß für eine massive Beschleunigung von Infrastrukturprojekten. Beide sagten dazu bei ihrem Treffen – Audio starten, Pfeil klicken…