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Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus (MWVATT) des Landes Schleswig-Holstein - Harald Haase

Erste Sommer-Bilanz der Lübecker Bucht: Es war eng, aber erfolgreich und aussichtsreich

Buchholz beim Strand-Pressegespräch mit OHT-Geschäftsführerin Katja Lauritzen und OHT-Vorstand Jörg Weber

Einen Monat nach Ende der Sommerferien haben die Tourismus-Verantwortlichen des Vereins Ostsee-Holstein-Tourismus (OHT) und Vertreter aus der Lübecker Bucht bei einem Treffen mit Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz heute eine weitgehend positive Zwischenbilanz ihrer Sommersaison gezogen. «Auch wenn die Lübecker Bucht an insgesamt vier heißen Wochenenden durch zusätzliche Tagesgäste zweifellos an ihrer Kapazitätsgrenze und teilweise auch darüber waren, lässt sich für die gesamte Ostsee in Schleswig-Holstein sagen, dass der Besucherandrang insgesamt handhabbar bis entspannt war“, sagte OHT-Geschäftsführerin Katja Lauritzen. Vor allem das erstmals angewandte Konzept der elektronischen Besucherlenkung habe sich bewährt: «Hätte es die Strandampel nicht nur in den Orten Scharbeutz, Sierksdorf, Timmendorfer Strand und Pelzerhaken gegeben – sie hätte von Juni bis Ende August in weiten Teilen der übrigen Ostsee Schleswig-Holsteins vermutlich dauerhaft auf „grün“ gestanden», so Lauritzen.

Nach den Worten von Tourismusminister Buchholz sei besonders erfreulich, dass es trotz der teils massiven Gäste-Zuwächse an der Ostseeküste – von Einzelfällen abgesehen – zu keinen Corona-Ausbrüchen gekommen sei. «Damit zeigt sich zum einen, dass die Hygiene-Konzepte von Hotels und Gastronomie aufgegangen sind und sich die große Mehrheit der Gäste überaus achtsam und vernünftig hinsichtlich der Abstandsregeln verhalten hat.» Der Minister dankte neben den Ordnungskräften vor allem auch den Einheimischen in den Ferienorten, die sich als geduldige Gastgeber erwiesen hätten und teilweise selber für eigene Bade-Ausflüge sogar auf Binnenland-Seen in der Holsteinischen Schweiz ausgewichen seien.

Im Gespräch mit Journalisten sagte Buchholz weiter (Audio starten)

Die Ostseeküste liegt mit den derzeitigen Gäste- und Übernachtungszahlen über dem Landesdurchschnitt mit teils zweistelligen Zuwächsen: In Heiligenhafen stiegen die Übernachtungen (ohne Camping) um 19 Prozent, in Kellenhusen um 13, in Scharbeutz um 12, in Timmendorfer Strand um 7, in Dahme und Travemünde um 6 und in Neustadt um zwei Prozent. Buchholz: «Damit kristallisieren sich vor allem Orte zwischen dem Fehmarnsund und der Trave als Volumenbringer und Verlustbremse der diesjährigen Corona-Saison heraus.», denn landesweit ging die Zahl der Übernachtungen im Juni um 11 Prozent zurück.

Fachgespräch auf der Dachterasse im Bayside in Scharbeutz – links neben Buchholz: Hotelchef Töns Haltermann

«Damit bleibt die noch im April befürchtete Katastrophe für unseren Tourismus aus – und wir werden in diesem Jahr im Vergleich zu anderen Bundesländern immerhin noch mit einem hellblauen Auge und hellroten Zahlen davonkommen. Insbesondere die Nachsaison lässt noch auf mehr Zuwächse hoffen», sagte Buchholz. Die Erfolge einzelner Orte dürften allerdings nicht über die teils dramatische Lage von einzelnen Gastronomie- oder Einzelhandelsbetrieben und Schwimmbädern hinwegtäuschen. Vor allem die Landgasthöfe in zweiter Reihe hätten nach wie vor massiv zu kämpfen.

Mit Blick auf die Strandkorb-Vermieter während der Sommerferien, die mit der Kontrolle von Abstandsregeln an ihren Strandabschnitten teilweise „Schwerstarbeit“ leisteten, wollen die Gemeinden und ihre Touristiker für das kommende Jahr vorbeugen. Bettina Schäfer, Bürgermeisterin von Scharbeutz sagte: „Wir haben die Saison gut „gerockt“, aber für 2021 müssen wir uns mit dem Land und dem Kreis über die ordnungsrechtlichen Rahmenbedingungen einig werden“. OHT-Vorsitzender Weber ergänzt: „Wenn wir unseren ordnungsrechtlichen Aufgabenumfang kennen, können wir die Grenzen unseres Handelns einordnen und gegebenenfalls Alternativkonzepte erarbeiten“. Eine Weiterführung der vom Land aufgestellten mobilen Hinweistafeln an den wichtigsten Zufahrtstraßen schwebt den Bürgermeistern dabei genauso vor, wie der Einsatz zusätzlicher Polizei-Fußstreifen bzw. Bereitschaftspolizei.

Laut Schäfer und OHT-Chefin Lauritzen sowie OHT-Vorstand Jörg Weber sollen die Erfahrungen des Sommers mit Betretungsverboten und den Wirkungen der Strandampel aktuell zusammen mit den zuständigen Kreis- und Landesbehörden ausgewertet werden. André Rosinski von der Tourismus-Agentur Lübecker Bucht fügte an: „Die Internetseite „Strandticker.de“ mit knapp 3,5 Millionen Seitenaufrufen innerhalb von sechs Wochen hat das enorme Informationsbedürfnis der Gäste deutlich gemacht“. «Für das kommende Jahr werden wir über weitere digitale Autobahnschilder ebenso nachdenken müssen wie über eine landesweite Strandampel», sagte Buchholz. Er machte aber zugleich deutlich, dass mit den Strandampel-Projekten der Lübecker Bucht und in St. Peter-Ording zunächst nur Erfahrungen und Daten gesammelt werden. «Je mehr Kommunen sich später daran beteiligen, umso besser für alle Tourismusorte.»  Allerdings könne das Land keine flächendeckende Installation von Sensortechnik finanzieren.

Von der grünen Wiese zur Top-Destination: Die neue Priwall-Promenade ist fertig

Bürgermeister Lindenau und Buchholz bei ihrem Rundgang auf der neuen Promenade

Auch wenn der Tourismus im echten Norden noch massiv zu kämpfen hat: Die Lübecker Bucht ist seit heute offiziell um eine exklusive Destination reicher: Zusammen mit Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau und Investor Sven Hollesen eröffnete Wirtschaftsminister Bernd Buchholz die Priwall-Promenade: Auf 600 Metern führt sie direkt vor der Kulisse der Viermastbark «Passat» am Yachthafen. «Es gab viele Kritiker dieser Investition – aber ich glaube, jeder der sieht, was am Ende draus geworden ist, der kann sich mit dem Projekt versöhnen», sagte Buchholz. Etwa zwei Drittel der gesamten Baukosten in Höhe von 12 Millionen Euro Baukosten hatte das Land Schleswig-Holstein übernommen.

Im Gespräch mit Journalisten sagte Buchholz weiter (Audio starten)

Umbau und Neugestaltung der Priwall-Promenade hatten vor vier Jahren im Frühjahr 2016 begonnen. Seitdem entstanden unter anderem ein barrierefreier Platz vor dem Fähranleger, ein Aussichtspunkt, ein Grillplatz sowie eine Stufenanlage mit beleuchteten Sitzbänken, die einen Blick über die Trave und den Strand bieten. Auch Holzdecks wurden installiert, ein Wasserspiel aus Granitblöcken in einem flachen Wasserbecken und zwei maritime Kinderspielplätze.

Direkt gegenüber der neuen Priwall-Promenade startet nach jahrelangen Planungen morgen offiziell ein neues Großprojekt: Die Trave-Promenade soll bis November 2021 umgestaltet werden. Geplant sind unter anderem Spielmöglichkeiten für Kinder und ein Platz für Veranstaltungen. Das Land ist nach den Worten von Buchholz auch hier gut und gern engagiert und übernimmt gut zwei Drittel der Kosten von insgesamt 3,3 Millionen Euro.

Überbrückungshilfen: Für die Verlängerung können ab Oktober Anträge gestellt werden

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier

Die Überbrückungshilfe des Bundes geht in die Verlängerung. Wie Wirtschaftsminister Bernd Buchholz am Wochenende nach Gesprächen seines Hauses mit dem Bundeswirtschaftsministerium sagte, umfasse die zweite Phase der Überbrückungshilfe die Fördermonate September bis Dezember 2020. Die Anträge für die zweite Phase können voraussichtlich ab Oktober gestellt werden. Es handele sich dabei formell um ein neues Antragsverfahren, sagte ein Sprecher von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Wichtig: Anträge für die erste Phase der Überbrückungshilfe (Fördermonate Juni bis August 2020) müssen spätestens bis zum 30. September 2020 gestellt werden. «Es ist nicht möglich, nach dem 30. September 2020 rückwirkend einen Antrag für die erste Phase zu stellen», sagte Buchholz. Er erinnerte daran, dass mit Stand Ende letzter Woche knapp 16 Millionen Euro Überbrückungshilfen an schleswig-holsteinische Unternehmen ausgezahlt wurden.

Hier ein Gesamtüberblick über die bislang in Schleswig-Holstein gewährten Corona-Hilfen:

Woche der Weichenstellungen für den Rad- und Schienenverkehr im echten Norden

Hinter Verkehrs- und Wirtschaftsminister Bernd Buchholz liegt eine Woche der Weichenstellungen für Straßen, Rad- und Schienenwege. Am Dienstag präsentierte er gemeinsam mit dem ADFC die Radstrategie SH 2030, am Mittwoch das Schienen-Zukunftskonzept S-4-West für die Verkehre zwischen Hamburg und Elmshorn und am Tag darauf den Plan zur Verbesserung der Verkehrsströme auf der A1 bei Stapelfeld. Unsere Meldung der Woche – Video starten

Schulterschluss zwischen Land und Gemeinden beim Ausbau der A-1-Anschluss-Stelle Stapelfeld

Breiter Schulterschluss für eine gemeinschaftliche Planung: Buchholz (2.v.l.) mit Stormarns Landrat Henning Görtz (rechts) und Bürgermeistern sowie Geschäftsleuten.

Bewegung beim Ausbau der Anschlussstelle Stapelfeld an der Autobahn
A 1 und der Landesstraße L 222 in Richtung Hamburg. Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz unterzeichnete heute gemeinsam mit den Bürgermeistern der Gemeinden Stapelfeld und Braak sowie mit dem Geschäftsführer der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn mbH (WAS) eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit. „Damit bringen wir dieses lang ersehnte Projekt endlich in die Zielgerade“, sagte der Minister.

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Die Vereinbarung sieht vor, dass die Planung bis voraussichtlich November 2020 durch ein Ingenieurbüro im Auftrage der WAS fertigstellt wird. Die Gemeinden schaffen das Baurecht, bevor das Land den rund acht Millionen Euro teuren Bau bis voraussichtlich Ende 2022 fertigstellen wird.

Wie Buchholz und WAS-Geschäftsführer Detlev Hinselmann erläuterten, ist im Zuge der L 222 (Alte Landstraße) ein zusätzlicher, durchgehender Geradeausfahrstreifen zwischen den Knotenpunkten Groot Redder/Ahrensburger Weg in Stapelfeld im Westen und Höhenkamp/ Brookstraße in der Gemeinde Braak im Osten vorgesehen. „Das bedeutet auch die Anpassung der Einmündungen der angrenzenden Straßen, die Veränderung der Autobahnrampen, die Anpassung der vier Lichtsignalanlagen und der Nebenflächen auf dem rund 1.600 Meter langen Abschnitt“, sagte Buchholz.

Es sei überaus erfreulich, dass mit der Region ein Konsens gefunden werden konnte, der einerseits eine nachhaltige, zukunftsfähige verkehrliche Anbindung sicherstelle und andererseits die Entwicklungsmöglichkeiten der Gewerbeflächen verbessere, so der Minister. „Ich danke den Gemeinden und der WAS für ihr Engagement bei diesem gemeinsamen Projekt und freue mich, dass der LBV.SH professionell hier in die Realisierung einsteigen wird.

Bahnstrecke Hamburg-Elmshorn: Ende 2022 kommen die ersten Doppelstock-Wagen

Buchholz am Abend während der Bürger-Veranstaltung in der Klaus-Groth-Schule in Tornesch

Weichenstellung für einen besseren Schienenpersonen-Nahverkehr im Kreis Pinneberg: Das Bahnangebot auf der Achse Elmshorn – Tornesch – Pinneberg soll durch eine zusätzliche S-Bahn-Linie (S4 West) deutlich erweitert werden. Die dort eingesetzten Express-S-Bahnen werden dann ergänzend zum jetzigen Angebot im Zwanzigminutentakt verkehren.

Wie Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz am Abend auf einer Bürgerveranstaltung in Tornesch sagte, werde das Land den Nahverkehr in der Region Schritt für Schritt weiter ausbauen. „Zunächst werden wir die Sitzplatzkapazitäten in den vorhandenen Zügen deutlich erhöhen und ab Ende 2022 mit ersten Doppelstockzügen die Kapazitäten bei der nordbahn erweitern. Ab Ende 2027 sollen dann nur noch Doppelstockzüge eingesetzt werden. Damit steigt künftig die Anzahl der Sitzplätze insgesamt um fast 50 Prozent. Außerdem wird es nach der Fertigstellung des neuen Bahnhofs Altona Nord möglich sein, ganztägig einen Halbstundentakt mit Regionalbahnen zum Hamburger Hauptbahnhof anzubieten“, so Buchholz. Derzeit verkehrt nur ein Zug stündlich zum Hauptbahnhof. Alle anderen enden in Hamburg-Altona.

Weiter sagte Buchholz – Audio starten

Weitere Züge werden mittelfristig mit einer neuen Express-S-Bahn eingesetzt. Buchholz: „Dafür brauchen wir weitere Gleise zwischen Pinneberg und Elmshorn.“ Dies sei allerdings nur über eine Mitfinanzierung durch den Bund zu bewerkstelligen, der Anfang 2020 beschlossen hatte, die finanziellen Mittel im Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) schrittweise auf das sechsfache zu erhöhen. Buchholz: „Nun geht es darum, diese Gelder auch für Schienenprojekte in Schleswig-Holstein sinnvoll zu nutzen.“ Dafür werde er die landeseigene Nahverkehrsgesellschaft NAH.SH beauftragen, die weiteren Planungsschritte für den Ausbau zwischen Pinneberg und Elmshorn in die Wege zu leiten. Für dieses und weitere Schienenprojekte stellt das Land der NAH.SH insgesamt zehn Millionen Euro zur Verfügung.

Buchholz und Bunge: Der Tourismus hat das erste Halbjahr mit einem blauen Auge überstanden

TA.SH-Chefin Bettina Bunge und Minister Buchholz vor den Plakaten der neuen Nebensaison-Kampagne

Schwere Verluste, aber keine Katastrophe: Der Tourismus im Norden stemmt sich weitgehend erfolgreich gegen die Corona-Folgen. Es gibt sogar Gewinner, aber auch Betriebe vor dem Aus. Bleibt die Frage, ob ein zweiter Lockdown kommt. Der Minister hat dazu eine klare Meinung.

Die schlimmsten Erwartungen aus dem Frühjahr haben sich nicht bestätigt: Schleswig-Holsteins Tourismusbranche ist nach Einschätzung von Minister Bernd Buchholz und der Chefin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH), Bettina Bunge, bisher im Durchschnitt mit einem «blauen Auge» durch die Corona-Krise gekommen. Im März sei eine Katastrophe zu befürchten gewesen, sagte Buchholz heute in Kiel. «Die ist es nicht geworden.»

Trotz teilweise dramatischer Einbußen wie einem Übernachtungsminus von 95 Prozent im April stehe der Norden im Vergleich der Bundesländer ausgesprochen gut da, sagte Buchholz. Zwar sei die Zahl der Übernachtungen im ersten Halbjahr um 37,9 Prozent auf neun Millionen gesunken. Aber dies sei das geringste Minus aller Bundesländer. Im Juni betrug der Rückgang zum gleichen Vorjahresmonat noch 10,8 Prozent, bei fast 42 Prozent in Deutschland insgesamt.

Im Gespräch mit Journalisten sagte Buchholz zum Verlauf des Halbjahres für den Tourismus im Norden (Audio starten)

Das Land hatte am 19. Mai das Einreiseverbot für Touristen wieder aufgehoben und schrittweise Restriktionen gelockert. Buchholz hob hervor, es habe keine größeren Corona-Ausbrüche an Touristenorten gegeben, nur vereinzelt Infektionen. «Wir hatten kein Sommer-Ischgl in Schleswig-Holstein.» Das Land habe bewiesen, dass man hier auch zu Pandemie-Zeiten sicher Urlaub machen kann.

Da die Zahlen für Juli und August voraussichtlich positiv ausfallen werden, rechne die Tourismus-Agentur für das gesamte Jahr mit einem moderaten Rückgang um fünf bis zehn Prozent zum Rekordjahr 2019 mit 36 Millionen Übernachtungen, sagte Geschäftsführerin Bunge. Das zweite Halbjahr trage normalerweise 60 Prozent zum Gesamtvolumen bei. Laut Buchholz kommen auch verstärkt Gäste ins Land, die sonst nicht so stark vertreten seien. Als Beispiele nannte er Paare ohne Kinder und Touristen aus Bayern. Vom Andrang auf die Küstenorte an Nord- und Ostsee habe auch das Binnenland profitiert.

Im Juni schaffte der Norden bei der absoluten Zahl der Übernachtungen sogar den Sprung auf Platz zwei nach Bayern, im ersten Halbjahr insgesamt belegte das Land Rang fünf. Auch Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen lagen noch davor.

Während Ferienhäuser und Ferienwohnungen (plus 15,2 Prozent) sowie Campingplätze (plus 14,2 Prozent) im Juni sogar einen Anstieg der Gästeübernachtungen im Vorjahresvergleich verzeichneten, gab es für die übrigen Betriebsarten zum Teil deutliche Rückgänge. So sank das Übernachtungsaufkommen von Erholungs- und Ferienheimen sowie von Jugendherbergen jeweils um fast 80 Prozent. Auch der Städtetourismus büßte kräftig ein.

TA.SH-Chefin Bettina Bunge zog bei der heutigen Pressekonferenz das folgende Fazit des ersten Halbjahres (Audio starten)

Einigen Betrieben gehe es super, sagte Buchholz. «Campingplatzbetreiber kriegen das Glänzen gar nicht aus den Augen.» Andere wie Landgasthöfe, die von Familienfeiern und anderen Veranstaltungen abhängig sind, seien in der Existenz bedroht. Nicht alle würden überleben. Am schnellsten hat sich in der Corona-Krise die Ostseeregion mit der Lübecker Bucht und Fehmarn erholt. Dies lag laut Tourismus-Agentur auch an vielen Gästen aus dem nahen Hamburg. Weiter zurückgegangen ist in der Krise der Ausländeranteil an den Touristenübernachtungen, und zwar von sieben auf vier Prozent.

Da es mit Fernreisen erst viel später wieder vorangehen werde als mit dem Inlandstourismus, gebe es für Schleswig-Holstein auch deshalb wachsende Chancen, sagte Buchholz. Mit einem zweiten landesweiten Lockdown mit Reisebeschränkungen wie im März und April rechne er für den Herbst nicht. Das Land steuere erfolgreich regional gegen aufkommende Infektionen. Achtsam zu bleiben und vorsichtig mit Lockerungen umzugehen, sei der richtige Kurs.

Hier das gesamte Pressegespräch als Livestream-Mitschnitt

Rechtzeitig vor Beginn der Nebensaison startete die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH) heute zugleich ihre neue Werbekampagne echt nordiSH.

 „Die neue touristische Kampagne echt nordiSH wird unseren echten Norden in der Wahrnehmung nach außen weiter stärken. Sie zahlt mit ihrem Slogan, ihrer Bildsprache und ihren Motiven auf das positive Image unserer Dachmarke ein“, sagte Buchholz Mit dem Slogan echt nordiSH wolle man das Reiseland Schleswig-Holstein als authentische, bodenständige, nachhaltige und sympathische Urlaubsdestination vermarkten.

TA.SH-Marketingleiterin Claudia Mank: „Unsere neue Werbekampagne soll mit einem Augenzwinkern gute Laune und neugierig auf Schleswig-Holstein in der Nebensaison machen. Hierbei stehen vor allem die Landschaft sowie das Lebens- und Erlebnisgefühl in einer prägnanten Bildsprache im Vordergrund, die Schleswig-Holstein auszeichnen.“

Wenig steht laut Mank so sehr für Schleswig-Holstein wie der Wind. Er sei allgegenwärtig und präge das Leben an den Küsten, aber auch im Binnenland. Der Wind stehe bei allen fünf Leitmotiven der Kampagne, die sowohl Nord- und Ostsee, als auch das Binnenland und die Städte sowie Schleswig-Holstein als Tagungsort abbilden, im Mittelpunkt. Der Wind begleitet Natururlauber, Entschleuniger, Neugierige, Städte- und Geschäftsreisende durch die Nebensaison im echten Norden. Die Kampagne richtet sich an Übernachtungsgäste vor allem aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachen und Hessen sowie an Tagungsplaner, die eine Veranstaltung im echten Norden organisieren wollen.

So will Schleswig-Holstein wieder unter die Top-Ten der Radfahr-Paradiese in Deutschland

Buchholz (Mitte) mit Thomas Möller vom ADFC (links) sowie AOK-Landesdirektor Thomas Haeger im Frühjahr bei der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“

Schleswig-Holstein sattelt auf: Unter dem Motto „Ab aufs Rad im echten Norden“ hat die Landesregierung eine mit Politik und Verbänden erarbeitete Radstrategie Schleswig-Holstein 2030 verabschiedet. Nachdem der Anteil des Radverkehrs im echten Norden seit 2008 leicht gesunken ist und Schleswig-Holstein im Ranking der Flächenländer den ersten gegen den dritten Platz tauschen musste, legt das Land mit der Strategie nun einen Gang zu: Innerhalb der kommenden zehn Jahre soll der Radverkehrsanteil von derzeit 13 auf 30 Prozent erhöht, die Unfallzahlen um 50 Prozent verringert werden und mehr als 40 Prozent aller Gäste sagen: „Die Radfahrmöglichkeiten waren für mich ein triftiger Grund, im echten Norden Urlaub zu machen.“

Wie Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz heute zusammen mit Thomas Möller vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) erläuterte, stellt das Land für diese Ziele in dieser Legislaturperiode zehn Millionen Euro zur Verfügung. Die Mittel sollen für den Radwegeausbau und erste Schritte der Radstrategie genutzt werden.

In Schleswig-Holstein verlaufen aktuell 5.200 Kilometer Radwege an so genannten klassifizierten Straßen. Landesweit sind 77 Prozent aller Bundesstraßen, 64 Prozent der Landesstraßen und rund 41 Prozent aller Kreisstraßen mit Radwegen ausgestattet. Hinzu kommen Radwege an Gemeindestraßen. Zudem sind insgesamt 13 touristische Radfernwege mit 3.000 Kilometern Länge in Schleswig-Holstein ausgewiesen. „Dieses Netz wird von vielen attraktiven Themenrouten ergänzt“, sagte Buchholz.

Fachleute aus Verbänden, Verwaltung und Politik haben in den letzten Monaten die Radverkehrs-Defizite im Land ermittelt und ein Maßnahmen-Paket geschnürt (siehe Anlage) Erreicht werden sollen vor allem drei Ziele:

  1. Erhöhung des Modal-Split-Anteils des Radverkehrs – insbesondere die Steigerung des Umstieg-Potenzials aufs Fahrrad für kurze Wege
  2. Senkung der Unfallzahlen („Vision Zero“)
  3. Schleswig-Holstein unter die Top-3-Länder im Radtourismus bringen

Buchholz: „Konkret heißt das, dass wir bis zum Jahr 2022 den Radverkehrsanteil auf mindestens 15 Prozent erhöhen wollen, bis 2025 auf 22 Prozent und bis 2030 auf 30 Prozent.“ Zudem bestünde das Ziel, die Anzahl der Unfälle, in die Radfahrer verwickelt sind – 2019 waren das fast 4.600 – innerhalb der nächsten zehn Jahre zu halbieren.

Im Gespräch mit Carsten Kock (RSH) sagte Buchholz am Rande der Pressekonferenz zur Radstrategie (Audio starten)

Thomas Möller, Landesvorsitzender des ADFC Schleswig-Holstein, begrüßte die Verabschiedung der Strategie: „Wir freuen uns, dass die Strategie in den letzten Jahren in enger Zusammenarbeit mit den Verbänden und entscheidenden Akteuren entwickelt und viele unserer Forderungen übernommen wurden. Im Prozess wurden die Stärken Schleswig-Holsteins aber auch die zahlreichen Herausforderungen aufgezeigt. Nun ist es an der Zeit, den guten Plan schnell in die Tat umzusetzen“, sagte Möller. „Mit der Radstrategie hat Schleswig-Holstein eine Richtungsentscheidung getroffen. Die Umsetzung – die hoffentlich rasch geschieht – werden wir eng begleiten.“

Mit Blick auf die ADFC-Radreiseanalysen erinnerte Buchholz daran, dass Schleswig-Holstein bei den beliebtesten Radreiseregionen erstmals 2016 genannt wurde und 2018 immerhin auf Platz 5 landete. „Es ist also keineswegs so, dass wir nichts vorzuweisen haben. Fakt ist aber auch, dass wir seit letztem Jahr nicht mehr unter den Top Ten sind.“ Um wieder an die Spitze zu kommen, habe sich die Landesregierung darauf verständigt, das Landesweite Radverkehrsnetz systematisch weiterzuentwickeln, das sowohl die Infrastruktur für den Alltagsverkehr als auch für die touristischen Radverkehre umfasse.

Zu den beschlossenen Projekten des 10-Millionen-Programms in dieser Legislaturperiode zählen laut Buchholz unter anderem der Ausbau des Radwegs an der Landesstraße L 57 zwischen Schönwalde und Lensahn (Kreis Ostholstein), an der L 231 zwischen Grube und Rüting bei Scharbeutz sowie weitere Lückenschlüsse bei Radwegen an Landesstraßen.

Als ein weiteres sichtbares Zeichen der Neuausrichtung werde das Land ein spezielles Infrastruktur-Programm auflegen, bei dem in den kommenden zwei Jahren unter anderem 10.000 Fahrradbügel an öffentlichen Einrichtungen oder Bushaltestellen sowie 100 Selbst-Servicestationen an hochfrequentierten Radstrecken errichtet werden sollen. Zudem soll an einem prädestinierten Bahnhof beispielhaft eine Mobilitätsstation mit Sharing-Angeboten entstehen.

Hier das gesamte Pressegespräch als Livestream-Aufzeichnung

Ein wichtiger Partner bei der Umsetzung der Radstrategie wird unter anderem die Kommunale Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Fuß- und Radverkehrs in Schleswig-Holstein (RAD.SH) sein, der schon 45 Kreise, kreisfreie Städte und Kommunen angehören und die vom Land gefördert wird. „Wir bündeln als starkes Netzwerk Fachwissen und Informationen rund um den Radverkehr und unterstützen Kommunen bei ihrem Engagement für den Radverkehr“, sagte RAD.SH-Geschäftsführer Dr. Thorben Prenzel.

Flensburger Schiffbaugesellschaft startet nach Insolvenz mit neuen Eigentümern neu durch

Buchholz vor wenigen Wochen mit Tennor-Chef und Investor Lars Windhorst (2.v.l.) sowie weiteren Mitgliedern von Geschäftsleitung und Betriebsrat der Werft

Die neue Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) ist heute unter der Regie der Tennor Holding an den Start gegangen. «Ab heute sind die zur Tennor gehörenden Gesellschaften Eigentümer der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft», sagte Sachwalter Christoph Morgen in Flensburg. Damit seien die Aufgaben von ihm und dem Generalbevollmächtigten Stefan Denkhaus abgeschlossen. Die FSG werde mit den neuen Gesellschaftern weiterhin als FSG am Markt auftreten. Die Altgesellschaften, die sich weiterhin im Insolvenzverfahren befinden, werden demnach unbenannt und letztendlich liquidiert, wenn die Gläubiger ihr Geld erhalten haben.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz zeigte sich erleichtert: «Zwar liegt ein nach wie vor steiniger Weg vor dem deutlich geschrumpften Unternehmen, aber ich bin froh, dass mit Unterstützung des Landes eine harte Bodenlandung immerhin verhindert werden konnte.» Die Landesregierung werde den Weg des Unternehmens und auch der Transfergesellschaft weiterhin eng begleiten.

Etwas überschattet wird der Neustart von der Nachricht, dass die halbfertige Fähre „Honfleur“ nicht mehr auf der FSG zuende gebaut wird. Der ursprüngliche Auftraggeber Brittany Ferries war aufgrund der Verzögerungen beim Bau abgesprungen, der neue Schiffeigentümer Siem hat nun entschieden, das Schiff nicht in Flensburg fertig zu bauen. «Das ist eine bittere Entscheidung für die Werft», sagt Buchholz.

Die seit Jahren angeschlagene Werft war bereits 2019 von der Tennor Holding des Investors Lars Windhorst zum ersten Mal übernommen worden. Durch den erneuten Erwerb konnte die Werft ohne die bisherigen Schulden neu starten. Für die alte FSG wurde am 1. August das Insolvenzverfahren am Flensburger Amtsgericht eröffnet. Rund 350 der bisher 650 Beschäftigen behalten ihren Arbeitsplatz. Allerdings muss ein Großteil bis zum Start eines Bauprogrammes in Kurzarbeit gehen, wie der von Tennor entsandte neue Geschäftsführer Stefan Kindler sagte. Einen Starttermin für das Bauprogramm nannte Kindler nicht. Es werde derzeit erarbeitet. 

Etwa 300 Beschäftige haben die Werft verlassen und sind Anfang August in eine Transfergesellschaft gewechselt. Diese endet am 31. Januar 2021.

Immerhin: Arbeitslosigkeit im echten Norden niedriger als noch im Juli

Erstmals seit dem wirtschaftlichen Lockdown infolge der Corona-Krise ist die Zahl der Arbeitslosen in Schleswig-Holstein wieder zurückgegangen. Nach den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sank die Zahl der Arbeitslosen im Land gegenüber Juli um 1,2 Prozent (-1.226) auf gegenwärtig 97.552. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,2 Prozent. „Auch wenn es eine sichtbare Entspannung gibt – von einer Entwarnung sind wir noch weit entfernt“, sagte Arbeitsminister Dr. Bernd Buchholz heute in Kiel. So seien gegenüber dem Vorjahresmonat immer noch knapp 18.300 (23 Prozent) mehr Menschen arbeitslos, zudem bewege sich die Personalnachfrage auf niedrigem Niveau.

„Unsere Unternehmen fahren weiterhin auf Sicht, viele Beschäftigte bleiben in Kurzarbeit oder im Homeoffice“, sagte Buchholz. Diese Vorsicht sei angesichts des Infektionsgeschehens richtig und notwendig. „Die Verständigung der Koalitionsspitzen in Berlin auf eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes bis Ende 2021 kann ich nachvollziehen, wir müssen aber aufpassen, dass wir den Transformationsprozess des Arbeitsmarktes nicht künstlich bremsen.“

Die teils reduzierten Arbeitszeiten der Unternehmen sollten dringend für die Qualifizierung der Beschäftigten genutzt werden, um beim technologischen und organisatorischen Wandel mithalten zu können, appellierte Buchholz an die Unternehmen. Das Land biete viele Hilfestellungen an, unter anderem gewähre es über den Weiterbildungsbonus Schleswig-Holstein Zuschüsse zu Seminarkosten für Beschäftigte und Selbstständige. Mit Blick auf den Ausbildungsmarkt und die bevorstehende „Digitale Woche“ in Kiel vom 5. bis 13. September appellierte Buchholz zugleich an junge Leute: „Neben einem Studium bietet auch eine betriebliche Ausbildung oder eine Kombination aus beidem beste Karrierechancen, insbesondere im sogenannten MINT-Bereich, in dem viele Ausbildungsplätze im Land unbesetzt sind.“ Die Corona-Krise dürfe nicht dazu führen, dass junge Menschen vor einer betrieblichen Ausbildung zurückschrecken, weil sie schlechtere Karrierechancen befürchten.