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Carstens: Kiel-Region dank Wehrtechnik und maritimer Wirtschaft im Vorwärtsgang

Es bewegt sich was im Echten Norden: Im Osten der Bau des Belttunnels als Tor nach Skandinavien – im Westen der Bau der Batteriefabrik Northvolt als Turbo in Richtung einer nachhaltigen Industriepolitik. Was also tun, um die Chancen maximal zu nutzen? Und: Was tun, um auch dazwischen den Takt zu halten? Das war gestern Gegenstand einer Podiumsdiskussion auf dem ehemaligen Kieler MfG-5-Gelände, an der Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens teilnahm.

„Zwischen NorthVolt und Fehmarnbelt – KielRegion mittendrin statt nur dabei“ lautete das Motto der Veranstaltung, die 350 Interessierte angelockte. Robert Gold vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) beschrieb dabei aus wissenschaftlicher Sicht die künftigen Herausforderungen für die Regionen und machte am Rande deutlich, dass die Kiel-Region aktiv bleiben müsse, um nicht an Dynamik zu verlieren.  

Eine Sorge, die Carstens nicht teilt. Die CDU-Politikerin erinnerte unter anderem daran, dass Kiel als starker Standort der maritimen Wirtschaft und der Wehrtechnik geradezu ein Alleinstellungsmerkmal und damit beste Chancen habe, ökonomisch Schritt zu halten. Das zeige – neben gut ausgelasteten Unternehmen wie Rheinmetall – allein schon ein Blick auf die gewaltigen Investitionen von TKMS während der vergangenen zwei Jahre oder die Aktivitäten von German Naval Yards Kiel (GNYK).

Wie zuvor schon Wirtschaftsminister Madsen bei einem Treffen mit TKMS-Vorstand Oliver Burkhard reklamiert auch Carstens, «dass auch die schleswig-holsteinischen Werften und insbesondere TKMS Kiel vom geplanten Bau der Luftabwehr-Fregatten für die Bundesmarine profitieren müssen». Hier liege nun einmal das know how dieser Schlüsseltechnologie. Und getragen werde dieses ökonomische Pfund obendrein noch von einem enorm starken universitären Umfeld.

In den Paneldiskussionen mit Kiels Mobilitäts-Dezernentin Alke Elisabeth Voß, den Landräten Björn Demmin und Ingo Sander ging es auch um die notwendige Zusammenarbeit über kommunale Grenzen hinweg. Dafür sei eine Beschleunigung beim Planungsrecht ebenso nötig wie die Sanierung von Straßen als Grundvoraussetzung für mehr Mobilität zwischen den Kommunen.

Madsen bei SMM: Große Hoffnung des Nordens auf die Superfregatten

Auf der internationale Leitmesse Schiffbau, Maschine, Meerestechnik (SMM) in Hamburg besiegelten die Werften TKMS und die Bremer Naval Wessels Lürssen gestern die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens. Klar, dass die neue Projektgesellschaft samt ihrer Strahlkraft auf Schleswig-Holstein heute auch beim Rundgang von Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen ein großes Thema war. Das Doppel-Unternehmen will künftig Luftabwehr-Fregatten für die Deutsche Marine bauen.

TKMS-Chef Burkhard mit Madsen bei der Hamburger SMM

Madsen traf bei der Messe nicht nur TKMS-Vorstand Oliver Burkhard, der mit Blick auf die geplanten Fregatten von «einer Art ‚Iron Dome‘ für Nord- und Ostsee» schwärmte, sondern auch die Spitzen anderer schleswig-holsteinischer Werften, Unternehmen sowie Branchenverbänden. «Auch wenn durch das jüngste Rüstungspaket des Bundes in weiten Teilen ein Aufwärts-Ruck durch die Branche geht, so hört man doch auch sorgenvolle Stimmen», sagte Madsen. Tenor: Europa büße im Schiffbau seit Langem Marktanteile ein und habe schon einen erheblichen Teil der Industrie verloren.

Für die langanhaltende Entwicklung müsse nach Ansicht des Verbandes Schiffbau und Meerestechnik (VSM) eine Lösung auf europäischer Ebene gefunden werden. Der VSM greift dazu einen Vorschlag der EU-Kommission von 1997 auf, der damals keine Umsetzung fand. Diesem Plan zufolge sollen Steuervergünstigungen und staatliche Garantien daran gekoppelt werden, dass Schiffe in Europa gebaut werden.

Der Verband räumt allerdings auch ein: Die Auslastung der meisten deutschen Unternehmen sei derzeit gut. Im vergangenen Jahr lag der Wert der Auftragseingänge im Seeschiffbau bei rund 2,6 Milliarden Euro. Das entspricht im Vorjahresvergleich einer Steigerung um annähernd 172 Prozent. Zum Seeschiffbau gehören Kreuzfahrtschiffe, Jachten und Handelsschiffe. Auch der Binnenschiffbau verzeichnete ein deutliches Plus.

Eine enorme Auslastung für die Kieler Werft TKMS und das gesamte Umfeld würde der anstehende Fregatten-Auftrag auslösen. Madsen appelliert in dem Zusammenhang an die Bundesregierung: «Das Gemeinschaftsunternehmen sagt damit klar in Richtung Berlin – wir können das! Ich hoffe, das wird nicht überhört» Zudem erhofft sich Madsen für die Kieler Werft im Falle eines Zuschlags an das Konsortium auch einen Neubau-Anteil für Schleswig-Holstein.

Klar ist unterdessen: Hauptanteilseigner der Projektgesellschaft mit Sitz in Hamburg wird TKMS, Deutschlands größter Werftkonzern mit 7800 Beschäftigten, rund 3300 davon am Standort Kiel. Mit dem Entwurf namens „Meko-A-400“ bieten die Partner dem Bund ein Großkampfschiff an, das alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt.

Netzwerktreffen der norddeutschen Küstenministerinnen und Minister (v.l.): MV-Staatssekretär Schulte, Hamburgs Senatorin Leonhard, Minister Lies aus Niedersachsen, Bremens Senatorin Vogt und Minister Madsen.

Doch – wie die Kieler Nachrichten heute schreiben – ein guter Entwurf ist eben noch kein Auftrag. Und so formulierte Burkhard bereits gestern gegenüber den KN eine klare Erwartung: «Wir haben erhebliche Investitionen in die Entwicklung der Meko-Technologie und in die Erweiterung der Baukapazitäten am Standort Wismar getätigt.» Nun sei die Politik am Zug, um das Projekt zur Nachfolge der Fregatte F124 erfolgreich voranzutreiben und es mit den «notwendigen Finanzmitteln zu hinterlegen».

Gebaut werden sollen die Hightech-Schiffe nach jetzigem Stand unter anderem bei TKMS in Wismar und bei NVL an den Standorten Hamburg und Wolgast. Die erste Fregatte soll nach Wunsch der Marine 2034 einsatzbereit sein. „Voraussetzung dafür“, so mahnen die Werft-Chefs, sei ein „zeitnaher Auftragseingang“.

Neben der Wewelsflether Peters-Werft stattete Madsen heute natürlich auch dem Stand von TKMS-Nachbar German Naval Yards einen Besuch ab. Mit Werftchef Rino Brugge vereinbarte Madsen unter anderem noch im September ein Treffen mit dänischen Unternehmen, um ihnen die Fähigkeiten des Kieler Unternehmens zu demonstrieren.

Mit GNYK-Chef Rino Brugge

Die Messe für Schiffbau, Maschinen und Meerestechnik ist nach Angaben der Veranstalter die weltweit führende der maritimen Industrie. Bis Freitag erwarten die Veranstalter in Hamburg mehr als 2.000 Aussteller und 40.000 Fachbesucher.

Ein Überblick über die Lage der heimischen Werften:

IG Metall Küste lässt jährlich Betriebsräte von Werften und Zulieferern befragen. Das aktuelle Ergebnis ist besser als im Vorjahr: In mehr als einem Drittel der Betriebe rechnet man damit, dass die Auftragslage sich in den nächsten zwei Jahren verbessert. Nur in jedem zehnten Betrieb wird angenommen, dass es zu einer Verschlechterung kommt.

Welche Rolle spielt der deutsche Schiffbau weltweit?

Beim wichtigen Bau von Handelsschiffen wie Containerschiffen nahezu keine mehr. Der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung zufolge entfielen auf Deutschland vergangenes Jahr 0,45 Prozent der Produktion. Andere europäische Länder darben auf ähnlichem Niveau.

Die meisten der Schiffe werden in Asien gebaut. Nach Zahlen des europäischen Schiffbauverbandes Sea Europe entfielen im vergangenen Jahr mehr als 80 Prozent aller Bestellungen nach Wert auf China und Südkorea. Auch Japan ist wichtiger Standort. Vor allem Preise entscheiden über Aufträge.

Die heimische Branche erhielt 2006 im zivilen Bereich noch viele Aufträge für Frachtschiffe. Inzwischen sind die Werften nahezu ausschließlich auf Hightech-Segmente spezialisiert. Beim Bau von Kreuzfahrtschiffen lag Deutschland zuletzt weltweit auf Platz zwei – hinter Italien. Zwischen 2011 und 2021 betrug Deutschlands Anteil an der Kreuzfahrtschiffsproduktion 29,1 Prozent, wie eine Auswertung der OECD belegt. Auch Jachten werden erfolgreich in Deutschland gebaut.

Wie wichtig sind Werften für die heimische Wirtschaft?

Rund 60 Werften beschäftigten dem VSM zufolge im vergangenen Jahr etwa 16.700 Mitarbeiter und erzielten einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro. Allerdings ist die privatwirtschaftlich geprägte Branche weitaus wichtiger als die Zahlen suggerieren. Einer Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums zufolge sichern 100 Beschäftigte im Schiffbau gesamtwirtschaftlich 380 Stellen. Das liegt daran, dass die Werften mit Zulieferern zusammenarbeiten, die teils weitere Unternehmen beauftragen.

Die Zulieferindustrie für Schiffbau und Offshore beschäftigt rund 63.000 Beschäftigte und erreichte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 11,3 Milliarden Euro, wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau mitteilte. Der wichtigste Standort ist Baden-Württemberg, wo Firmen 27 Prozent des Umsatzes machten. Es folgen Bayern (20 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (11 Prozent). Die Zahlen belegen, dass der Schiffbau nicht allein in den Küstenbundesländern wichtig ist.

Wer sind die größten Arbeitgeber?

Die meisten Beschäftigten arbeiten laut Umfrage der IG Metall bei drei Werftgruppen. Die auf Kreuzfahrtschiffe spezialisierte Meyer Neptun kommt demnach auf etwa 4.170 Mitarbeiter. Zu der Gruppe gehört auch die angeschlagene Meyer Werft. Platz zwei belegt Thyssenkrupp Marine Systems aus Kiel mit etwa 4.030 Arbeitnehmern. Die Thyssenkrupp-Tochter ist im Marineschiffbau tätig und nach eigenen Angaben Weltmarktführer im Bau konventioneller U-Boote. Die für Megajachten und Marineschiffe bekannte Gruppe Lürssen aus Bremen kommt auf etwa 3.290 Mitarbeiter.

Welche Trends gibt es?

Ein großer Markt sind Konverterplattformen für Windparks auf See. Eine solche Plattform, die die Übertragung von Strom an Land verbessern soll, kann dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge rund 2,5 Milliarden Euro kosten. Auf dem deutschen Markt sollen bis 2045 mindestens 33 neue Plattformen entstehen. Mehrere Werften bereiten sich auf den Bau der Anlagen vor. Die Meyer Werft arbeitet bereits an einer.

Bekannt ist auch, dass erste Firmen sich mit Schiffsrecycling beschäftigen. Treiber kann ein höherer Bedarf nach Stahlschrott sein, wie eine Studie bilanziert. Allerdings bremsen rechtliche Hürden die Unternehmen noch aus. Lukrativer als alte Schiffe sind ohnehin Militäraufträge, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zunehmen dürften.

Madsen legt erstmals Förderprogramm gegen Verschlickung von Häfen auf

Ebbe und Flut sorgen nicht nur für Badespaß an der Nordsee und tolle Wattwanderungen, sondern auch für Schlick in den Häfen und Sportboothäfen. Das macht es den Schiffen und Booten immer schwerer, die Häfen zu nutzen oder ihren Liegeplatz zu erreichen. Das Land hat jetzt ein neues Förderprogramm aufgesetzt, um Häfen bei der Sedimentbeseitigung zu unterstützen, wie Minister Claus Ruhe Madsen jetzt in Kiel bekanntgab. „Das Problem mit dem Schlick wird immer größer. Die Häfen sind aber wichtig für unsere Infrastruktur, teilweise sogar lebensnotwendig mit Blick auf die Halligen. Dort kommen Menschen und Waren nur per Schiff an. Es geht also nicht nur um Sediment-Beseitigung, sondern auch um Daseinsvorsorge“, sagte Madsen.

Verkehrs-Staatssekretär Tobias von der Heide sagte zu dem neuen Programm – Audio starten, Pfeil klicken…

Gefördert wird zum Beispiel das Ausbaggern oder die sogenannten Wasserinjektionen, bei denen Sedimente weggespült werden. Dafür stehen in 2024 bis zu 5,3 Millionen Euro zur Verfügung. Eine Förderung beantragen können öffentliche gewerbliche Häfen und Sportboothäfen von List bis Wedel. Sie müssen im Wattenmeer, in der Unterelbe oder in den Zuflüssen zur Unterelbe liegen. Auch die Sedimentbeseitigung in den Landeshäfen im Wattenmeer wird von den Mitteln bezahlt. Die Mittel stammen unter anderem aus den Zahlungen der Hansestadt Hamburg an Schleswig-Holstein für die Verbringung von Elbsediment aus Hamburg vor Helgoland.

Carstens zu Gast bei Unternehmerinnen mit hohem „Nachahmungs-Potenzial“

Die Zahl der Unternehmerinnen im Land steigt langsam – aber sie steigt. Auch Dank der Initiativen von Land und Kammern. Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens besuchte in den letzten Tagen drei erfolgreiche Unternehmerinnen und Gründerinnen.

Carstens (rechts) mit Laura Maria Kreuzkamp vom Küchengeräte-Fachhandel DUVE in Stockelsdorf.

Immer mehr Unternehmen in Schleswig-Holstein werden von Frauen geführt, immer mehr Frauen wollen Chefin sein. Trotzdem ist der Berufswunsch „Unternehmerin“ für viele Frauen nicht selbstverständlich. Einige Frauen, die erfolgreich ein Unternehmen führen, hat Staatssekretärin besucht. «Es gibt noch immer zu wenig Frauen in Führungspositionen oder gar an der Spitze eines Unternehmens. Das wollen und müssen wir ändern. Denn der Fachkräftebedarf in den kommenden Jahren wird sich auch auf die Spitzenpositionen ausweiten», sagte Carstens bei Stipvisiten in der Kieler Autolackiererei „Scholz & Sohn“ in der Stiftstraße und bei der „Konditorei Vanillerie“ im Kieler Jungfernstieg sowie beim Küchegeräte-Spazialisten DUVE in Stockelsdorf.

Laut KfW-Mittelstandsatlas werden 14 Prozent der Unternehmen in Schleswig-Holstein von Frauen geführt. Carstens sagt: «Da ist noch Luft nach oben. Frauen sollen das Wirtschaftsgeschehen in Schleswig-Holstein noch stärker als bisher mitgestalten. Dass sie das Zeug dazu haben, habe ich auch bei meinen vielen früheren Unternehmensbesuchen gesehen.» Mit ihrer Nachfolge-Kampagne wolle das Land im Schulterschluss mit der IHK und den Handwerkskammern deshalb auch gezielt Frauen ansprechen und davon überzeugen, ein Unternehmen zu übernehmen. «Denn auch dafür habe ich tolle Beispiele gesehen», so die CDU-Politikerin.

Mit Maja Scholz von der Kieler Autolackiererei „Scholz & Sohn“ in Kiel

Um Frauen in der Unternehmensführung sichtbarer zu machen, gibt es laut Carstens bereits mehrere Programme. Dazu zählt „WEstartup SH“, eine Plattform für Gründerinnen, die dort Unterstützung und ein Netzwerk bekommen. „WINovation“ versammelt innovative Frauen aus Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft. Und die IB.SH zeichnet jedes Jahr die beste Unternehmerin und die beste Newcomerin aus.

Der Jo-Jo-Sommer dämpft die Tourismus-Halbzeitbilanz – aber auf hohem Niveau

Der Start in den Sommer hätte wettermäßig besser laufen können. Dennoch: trotz einiger Dämpfer bleibt der Schleswig-Holstein-Tourismus im ersten Halbjahr auf hohem Niveau.

TA.SH-Chefin Bettina Bunge und Tourismusminister Madsen

Wie Tourismusminister Claus Ruhe Madsen und die Chefin der Tourismusagentur (TA.SH), Bettina Bunge, heute in Kiel erläuterten, sei das erste Halbjahr 2024 von schwankenden Monatsergebnissen geprägt gewesen. Starke und schwache Monate hätten einander abgewechselt. Der Juni sei ungewöhnlich schwach gewesen, ausschlaggebend durch fehlende inländische Gäste. «Auch das Wetter trug mit Unbeständigkeit und teils verregneten, kühlen Perioden zu einem zögerlichen Buchungsverhalten der Gäste bei», sagte Madsen.

Hier ein Mitschnitt der heutigen Pressekonferenz (Link klicken):

Im Hinblick auf die Reisegebiete seien wenige Änderungen gegenüber 2023 zu verzeichnen gewesen: Ostsee und Nordsee bleiben Volumenbringer und generierten zwischen Januar und Juni zusammen 12,9 Millionen Übernachtungen. Auch den Outdoor-Freunden machte das Wetter zu schaffen; im bisher boomenden Campinggeschäft wurden 6 Prozent weniger Übernachtungen auf Campingplätzen gezählt. Vor allem der Juni verzeichnete einen Rückgang von minus 9,2 Prozent im Verhältnis zum Vorjahreszeitraum. Der Städtetourismus hingegen bleibt bei wachsendem Zuwachs im Tagungsbereich stabil. Deutlich zugenommen haben Übernachtungen in Vorsorge- und Reha-Kliniken.

Im Gespräch mit Sat 1 sagte Madsen weiter – Audio starten:

Im Bundesländervergleich behauptet Schleswig-Holstein im ersten Halbjahr Platz 6. «Meistens klettern wir im Jahresverlauf immer noch einen Platz weiter nach oben», sagte Bunge. Insgesamt kamen im ersten Halbjahr gut 4,1 Millionen Gäste in den Norden, 0,2 Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten 2023. Bei den Übernachtungen stand mit gut 15,7 Millionen ein Minus von 0,3 Prozent. «Es gibt keinen Corona-Nachholeffekt mehr», so Bunge.

Madsen. «Es ist in diesen Zeiten bereits ein wichtiger Erfolg, Übernachtungszahlen und touristische Wertschöpfung auf hohem Niveau zu halten. Angesichts vieler Unsicherheiten überlegen die Menschen verständlicherweise, wofür sie ihr Geld ausgeben wollen. Und siehe da: Sie sparen nicht am Urlaub in Schleswig-Holstein, sie kommen weiterhin zu uns. Und das aus gutem Grund, weil wir naturnahen, erholsamen, vielfältigen Urlaub bieten können – an unseren Küsten, im Binnenland oder in unseren Städten.“

Wie der Minister weiter sagte, setze die Tourismusstrategie des Landes deshalb konsequent auf die Leitmaxime der Nachhaltigkeit. «Deshalb ist für uns ein einfaches ,Schneller – Höher – Weiter‘ bei den Zahlen auch gar nicht das alleinige Kriterium für Erfolg, dazu gehört viel mehr. Wir unterstützen die Tourismusbranche an vielen Stellen: Von Investitionen in die Infrastruktur, Förderprojekten für touristische Maßnahmen über die Radstrategie 2030 bis hin zum Leitfaden zur besseren Tourismus-Akzeptanz drehen wir an vielen Stellschrauben zugleich. Und all das zahlt letztlich auf die Urlaubs- und Lebensqualität bei uns im Land ein», so der Minister.

Madsen entsetzt über Bahn-Pläne der Ampel: „Gegenteil von Verkehrswende“

Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen hat entsetzt auf die Ankündigung der Berliner Ampel-Koalition reagiert, die bisherigen Zuschüsse für die Deutsche Bahn in Eigenkapital umzuwandeln, um sie so der Schuldenbremse zu entziehen. «Das kommt einer versteckten Steuererhöhung gleich, die bundesweit Millionen Pendlerinnen und Pendler, aber auch die Wirtschaft hart treffen wird», sagte Madsen im ZDF-Morgenmagazin.

Madsen im Gespräch mit ZDF-Moderatorin Dunja Hayali

Durch die geplanten Erhöhungen der so genannten Trassenpreise – eine Art Maut für das DB-Schienennetz – werde es zu massiven Kostensteigerungen und zum Wegfall von Zugverbindungen kommen. So könne keine Verkehrswende gelingen, so würde sogar in Frage gestellt, was wir bis heute mühsam erreicht haben, sagte Madsen dem ZDF und dem «Flensburger Tageblatt“.

Der CDU-Politiker erinnerte daran, dass die Finanzierung der Eisenbahninfrastruktur nach dem Grundgesetz eindeutig Aufgabe des Bundes sei. Die Ampelkoalition versuche aber, ihr momentanes Haushaltsproblem durch einen Griff in die Trickkiste zu lösen. Anstelle der bisherigen Praxis, dass Investitionen der DB ins Schienennetz durch Zuschüsse des Bundes finanziert werden, wolle man ihr nun Eigenkapital in Höhe von 4,5 Milliarden Euro überlassen. Damit umgehe man zwar die Schuldenbremse. Doch müsse die zuständige Bahn-Netztochter „DB InfraGO“ dann eine Verzinsung erwirtschaften. Und um das zu schaffen, wolle sie die Trassenpreise im Nahverkehr  für die Schiene, ab Anfang 2026 um gleich 23,5 Prozent erhöhen. Auch für den Güter- und Fernverkehr sollen die Trassenentgelte steigen. Madsen: «Was wir gerade sehen, ist das Gegenteil der Gemeinwohlorientierung, die uns mit der Gründung der DB InfraGO versprochen wurde.»

Im ZDF-Morgenmagazin sagte Madsen – Video starten…

Leidtragende wären vor allem die auf den Trassen fahrenden Bahnunternehmen und die Länder, die den Nahverkehr zum großen Teil bezahlen. «Eine Erhöhung der Trassenpreise in dieser Größenordnung kann kein Bundesland stemmen», sagt Madsen. Durch die Erhöhung der Entgelte für den Güterverkehr würden absehbar zudem viele Unternehmen gezwungen, ihre Lieferungen wieder von der Schiene auf die Straße zu bringen. Auch dies sei das Gegenteil von Mobilitätswende.

Die geplante Eigenkapitalerhöhung der „DB InfraGO“ führe zu zusätzlichen Kosten von rund 1,2 Milliarden Euro – beginnend in 2026. Allein für Schleswig-Holstein würde das Kosten in Höhe von 40 Millionen Euro bedeuten. «Woher sollen wir das Geld nehmen, zumal der Bund ja kaum in der Lage sein wird, uns mehr Mittel für den Schienenverkehr – so genannte Regionalisierungsmittel – zu geben», fragt Madsen.

Er erinnerte daran, dass Schleswig-Holstein haben nach dem Netzzustandsbericht der „DB InfraGO“ bereits das marodeste Schienennetz in Deutschland habe. Leider könne er als Verkehrsminister angesichts dieser Schlecht-Leistung die Trassenentgelte nicht kürzen. «Auch hier besteht dringender Reformbedarf. Als Mieter einer Wohnung zahle ich schließlich auch nicht den vollen Preis, wenn seit Monaten die Klospülung nicht funktioniert und es an allen Ecken reinregnet», so der Minister.

Ihn besorge die aktuelle Entwicklung massiv. Denn sie zeige glasklar, dass die Schiene in der Bundesregierung keine Lobby habe und die Ziele der Verkehrswende nicht ernst genommen würden. Als weiteres Beispiel nannte Madsen das Deutschlandticket. «Das ist der größte Erfolg der letzten Monate für den Verkehr. Damit es das nach der Wahl weiter gibt, muss der Bund noch vor der Wahl die gesetzlichen Voraussetzungen schaffen, dass er für das Ticket auch weiterhin seinen Anteil von 1,5 Milliarden Euro zahlt.»

Zwischenergebnis der Autozug-Studie: Betrieb auf der Marschbahn unter Oberleitung technisch möglich

Staatssekretär Tobias von der Heide (rechts) stellte gemeinsam mit Jochen Schulz von der NAH.SH die ersten Ergebnisse vor.

KIEL. Die geplante Elektrifizierung der Marschbahnstrecke wird Auswirkungen auf den Verkehr der Autozüge zwischen Niebüll und Westerland haben, denn die Höhe der Wagen wird durch den Fahrdraht beschränkt sein. Die gute Nachricht ist: Auch unter der Oberleitung können die Autozüge weiterhin fahren – und zwar mit einem Schutzdach. Das zeigt der aktuelle Zwischenstand der Studie „Kraftfahrzeugtransport auf dem Autozug unter Fahrdraht“, den Verkehrsstaatssekretär Tobias von der Heide heute (31. Juli) gemeinsam mit NAH.SH-Bereichsleiter Jochen Schulz vorstellte. „Für uns hat die Elektrifizierung der Marschbahn höchste Priorität, denn sie wird die Zuganbindung stabiler und damit verlässlicher machen. Das ist hier auch dringend notwendig. Die Studie zeigt einen ersten, vielversprechenden Lösungsansatz, wie der Autozugverkehr unter Oberleitung funktionieren kann. Das ist ein toller weiterer Schritt auf dem Weg, die Marschbahn zur klimaneutralen Verkehrsachse der Westküste zu machen“, sagte von der Heide.

In Zusammenarbeit mit den Autozugbetreibern vom DB Sylt Shuttle und RDC Autozug Sylt erstellte der Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (NAH.SH) im vergangenen Jahr einen Fragenkatalog, welcher der Studie zugrunde liegt. Ein Ingenieurbüro hat nun erste Abschätzungen zur technischen Machbarkeit erarbeitet – vor allem in Bezug auf höhere Fahrzeuge wie Handwerkstransporter und Lkw. „Wir wollten prüfen, ob und wie die jetzigen Verlade-Abläufe, die Transport-Kapazitäten und die vorhandene Infrastruktur aufrechterhalten werden kann“, betonte der Staatssekretär. Der Zwischenstand der Studie zeige, dass diese Anforderungen gewährleistet seien, wenn die Autozüge ein Schutzdach nach Vorbild der Autozüge in den Alpen hätten. „So können die Personen während der Fahrt in den Autos bleiben und weiterhin die Aussicht auf das schöne Wattenmeer genießen“, sagte von der Heide weiter. Besonders erfreulich: Die Verladekapazität bleibe weitestgehend erhalten und verringere sich nur im einstelligen Prozentbereich.

Staatssekretär von der Heide sagte dazu weiter im Interview:

Schulz ergänzte: „Dass die Autozüge auch unter einer Oberleitung weiterhin zwischen Niebüll und Westerland verkehren können, ist ein kleiner aber natürlich wichtiger Teilaspekt des gesamten Elektrifizierungsprojektes. Das Zwischenergebnis der Studie stärkt uns in unserer Zuversicht auf eine gute gemeinsame Lösung. Ich freue mich, dass wir nun eine vielversprechende Diskussionsgrundlage haben, deren Details es in weiteren Schritten mit der Expertise aus der täglichen Arbeitspraxis der Autozugbetreiber abzugleichen gilt.“

„Die Studienergebnisse werden wir gerne zum Anlass nehmen, um zu prüfen, ob und inwieweit diese praxisorientiert umgesetzt werden können. Augenscheinlich müssen die Vorschläge insbesondere mit Blick auf das Sicherheitskonzept der Autozüge geprüft werden. Die entsprechenden Gutachter und Sachverständigen werden sich nunmehr damit befassen. Für uns hat das Thema Sicherheit hierbei die höchste Priorität, nebst einer Bewertung der deutlich reduzierten Kapazität der Autozüge, Konsequenzen für Verladung und Betriebsqualität sowie Wirtschaftlichkeit. Ein fundiertes Ergebnis werden wir hierzu sicherlich im September kommunizieren können“, sagte Dr. Markus Hunkel, Chief Executive RDC Deutschland.

Franco Lippolis, Leiter DB Inselverkehre Sylt und Wangerooge: „Der Deutschen Bahn liegen die Ergebnisse des Gutachtens erst seit Kurzem vor. Auch für uns steht Sicherheit an oberster Stelle. Zudem müssen wir mögliche Auswirkungen auf die Kapazität unserer Autozüge sowie auf die betriebliche Tauglichkeit zunächst prüfen. Neben der technischen Umsetzbarkeit muss auch eine praxisorientierte Lösung im Sinne der Interessenvertretungen der Insel entwickelt werden. Wir werden die Studienergebnisse auch unter diesen Aspekten bewerten, um die nächsten möglichen Schritte im engen Schulterschluss mit dem Land Schleswig-Holstein im Sinne einer starken Schiene zu erarbeiten.“

Hintergrund Elektrifizierung Marschbahn:

Die Marschbahnstrecke zwischen Hamburg und Westerland soll zur klimaneutralen Verkehrsachse der Westküste werden. Züge sollen dort ab Anfang der 2030er-Jahre statt mit Diesel elektrisch unter Oberleitung fahren. Die Marschbahn nimmt als nicht elektrifizierte, aber stark befahrene Bahnstrecke deutschlandweit eine Sonderrolle ein. Züge aus dem restlichen Bundesgebiet müssen derzeit in Itzehoe von E-Lok auf Diesellok umgekuppelt werden, was Zeitverluste und Mehrkosten mit sich bringt. Die vollständige Elektrifizierung soll diesen Sonderzustand beseitigen und außerdem noch folgende Vorteile mitbringen:

  • höhere Betriebsqualität auf der gesamten Marschbahnstrecke durch leistungsfähigere E-Lok, die eine geringere Anfälligkeit für Ausfälle zeigen und leichter zu warten sind,
  • klimaneutraler und CO2-freier Nah- und Fernverkehr durch lokal produzierten Windstrom,
  • Möglichkeit der ICE-Anbindung,
  • umsteigefreie, zuverlässige und schnellere Verbindungen für Pendlerinnen und Pendler sowie zu Schleswig-Holsteins touristischen Hauptzielen an der Westküste,
  • Kosteneinsparungen im Betrieb von ca. 8 Millionen Euro pro Jahr.

Madsen zwischen Wackener „Metall-Himmel“ und „Heider Hölle“

Dritter Tag der SH-Themen-Radtour von Minister Madsen. Und – zur Freude des Tourismusministers – kein Regen! Dafür ging’s in Heide und Wacken buchstäblich teuflisch zu.

In Heide nämlich ist der Weg durch die «Hölle mit Kopfsteinpflaster versehen – und in Wacken prangt seit heute der gehörnte stählerne Bullenschädel über dem Festivalgelände. Der Countdown läuft…

Mit Festival-Gründer Holger Hübner (rechts), Thomas Jensen (links) und der Wackener Bürgermeisterin Pamela Braun

Doch der Reihe nach: In seiner Funktion als Verkehrsminister überbrachte Madsen Heides Bürgermeister Oliver Schmidt-Gutzat heute Mittag zunächst einen Förderbescheid. Denn die Fahrradachse zwischen Heide-Süd und der Innenstadt nimmt immer mehr Form an. Mit der Umwandlung der Kopfsteinpflasterstraße „Hölle“ zur Fahrradstraße wird jetzt die nächste Lücke der 2020 begonnenen Anbindung geschlossen. Dafür erhält die Stadt Finanzhilfen in Höhe von 225.000 Euro aus dem Sonderprogramm „Stadt und Land“ des Bundes. «Wir wollen mehr Menschen überzeugen, das Auto stehen zu lassen und mit dem Rad zu fahren. Das schaffen wir nur mit sicheren und attraktiven Radwegen. Die Stadt Heide geht den richtigen Weg mit der Ausweisung einer neuen Fahrradstraße. Die Finanzhilfen sind hier gut angelegt», sagte Madsen.

Auch Bürgermeister Schmidt-Gutzat freute sich: «Mehr Sicherheit, mehr Komfort. Mit dem Umbau der Hölle machen wir den nächsten wichtigen Schritt zu mehr Fahrradfreundlichkeit, so wie wir es uns in unserem Radverkehrskonzept selbst auf die Fahne geschrieben haben. Ziel ist es, die Bürgerinnen und Bürger darin zu bestärken, sich so oft wie möglich auf den Sattel zu schwingen – und damit gemeinsam etwas für den Klima- und Umweltschutz sowie für die Lebensqualität in Heide zu tun.»

Wenn man genau hinsieht: Madsen und sein Begleiter radeln über die Grünenthaler Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal

Die neue Fahrradstraße soll vor allem die Anbindung an den Marktplatz verbessern. In Zukunft dürfen dort nur noch Anwohnende mit dem Auto fahren, der übrige PKW-Verkehr wird umgeleitet. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 300.000 Euro.

Deutlich kostspieliger geht es auch in diesem Jahr wieder beim legendären Heavy-Metal-Festival „Wacken Open Air“ zu. Madsen traf nicht nur Festivalgründer Hübner, sondern stellte auch das mittlerweile schon legendäre Hinweisschild an der Zufahrt zum Festival-Gelände nahe der A 23 auf. Das diesjährige Motto: „85.000 Fans – das reinste Wackenmeer“.

Madsen erinnerte daran, welche Bedeutung das Festival nicht nur als Umsatzbringer und Wertschöpfungsfaktor für die Steinburger Region habe, sondern auch für den Tourismus im echten Norden: «Spätestens seit zehn Jahren macht das Wacken-Open-Air nicht nur Wacken, sondern auch Schleswig-Holstein weltweit bekannt – und zwar nicht nur bei den Heavy Metall-Fans», so der Minister.

Madsen auf „Ochsentour“ zwischen Bad Bramstedt, Neumünster und Rendsburg

In seinem Heimatland Dänemark ist die Rad-Route als „Haervejen“ bekannt und führt von der deutsch-dänischen Grenze bis nach Frederikshavn. Heute aber erkundete Tourismus- und Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen per Rad den schleswig-holsteinischen Teil des historischen Ochsenwegs, des ältesten Radfernwegs des Landes.

Der Ochsenweg führt auf rund 240 Kilometern von Harrislee bis nach Wedel und ist Teil des deutschen und europäischen Radfernwegenetzes.

Madsen auf dem „Ochsenweg“-Radweg auf dem Großflecken in Neumünster mit Olaf Prüß (rechts) sowie Stadtrat Michael Knapp und Arne Lewandowski.

«In dieser Route schlummert riesiges touristisches Potential, das teilweise schon gut gehoben wurde, aber noch weitere Perspektiven bietet, wenn man das Projekt intelligent verzahnt», sagte Madsen heute bei einem Zwischenstopp seiner Radtour in Neumünster. Auch hier – mitten durch die Schwalestadt – geht der Ochsenweg als beliebter Radweg. Begleitet wurde Madsen heute teilweise von Olaf Prüß vom Schleswig-Holstein Binnenland Tourismus e.V., einem der Urheber des Ochsenwegs in seiner heutigen Form. Und der sagt: «Unser Ochsenwegprojekt setzt an den drei für Radfahrende zentralen Punkten an. Einerseits soll der Radweg so angenehm wie möglich zu befahren sein, andererseits erwarten Radfahrer am Weg spannende Erlebnisse und zu guter Letzt, Anbieter bei denen Radfahrer gern gesehen und gut aufgehoben sind.»

Madsen sagte dazu unter anderem – Video starten

Für Prüß heißt das vor allem: Erstens muss der Weg selbst sicher, der Belag gut für Radfahrer geeignet und die Beschilderung einwandfrei sein. Es würden deshalb neue Rast- und Schutzhütten errichtet und alte aufgewertet. «Kurzum, es braucht eine gute Radinfrastruktur. Hierfür wurde der Ochsenweg abgefahren und über 200 Mängel festgestellt», sagt Prüß. Für die 77 Anrainergemeinden wurden und werden Beratungen angeboten und Förderprogramme aufgezeigt.

Die Erfolge können sich sehen lassen: So konnten die Beschilderungsmängel nahezu komplett behoben werden. Bei 60 Prozent der schlechten Wegeabschnitte wurden die Mängel behoben oder konkrete Lösungsansätze vereinbart. Das gehe von ganz einfachen Maßnahmen bis hin zu aufwendigen Sanierungen, die dann aber sowohl für den Radfernweg als auch für das Alltagsradfahren von Schülern und Pendlern wichtig sind. Der Radweg auf dem Großflecken in Neumünster sei ein solches Beispiel.

Nach den Worten von Madsen hat sich Schleswig-Holstein mit seiner Radstrategie zum Ziel gesetzt, die Bedingungen für den Radverkehr zu verbessern und mehr Menschen für das Radfahren zu begeistern. Auch der Radtourismus solle weiterentwickelt und attraktiver werden. Das Projekt „Qualitätsradroute Ochsenweg“ sei dabei eine Schlüsselmaßnahme, die mit 200.000 Euro unterstützt werde.

Projektträger ist der Verein «Schleswig-Holstein Binnenland Tourismus». Das Projekt war Anfang 2023 gestartet und wird bis Herbst 2025 umgesetzt. Madsen: «Ein guter Zeitpunkt also, um zur Halbzeit des Projektes eine Zwischenbilanz zu ziehen.» Die Rastplatzdichte werde insbesondere durch die Förderberatung der beteiligten AktivRegionen erhöht. Eine besondere Stärke des Ochsenweges seien dabei die 20 Bahnhöfe am Radfernweg. Sie sollen alle mit einer Beschilderung an den Ochsenweg angebunden werden. Dann könne die An- und Abreise auch gut klimaneutral erfolgen. Zudem werde die Radtour selbst ein spannendes Schleswig-Holstein-Erlebnis bieten. Die Radfahrer würden in die gemeinsame Geschichte Schleswig-Holsteins und Dänemarks, in die Geschichten der 77 Gemeinden und in die Veränderung der Landschaft und der Landwirtschaft Schleswig-Holstein eintauchen.

«Einfach und spannend wollen wir diese Geschichten am Weg erzählen», sagt Prüß, «und wir haben auch hierfür Partner entlang des Weges gefunden». Informationstafeln, Audiogeschichten und die Webseite mit ausführlichen Betriebsportraits – etwa von aktiven landwirtschaftlichen Betrieben – würden die die Säulen des Angebots darstellen. Alle drei Informationsmedien werden im Frühjahr 2025 fertiggestellt sein. Prüß: «Unter dem Motto „Ochsenweg landgemacht“ arbeiten wir mit Leistungsträgern, den Kommunen vor Ort, mit dem Ochsenweg e.V. und mit dem Bauernverband Schleswig-Holstein zusammen.» Das Landwirtschaftsministerium Schleswig-Holstein unterstützt den Erzählstrang «Landwirtschaft gestern, heute und morgen» finanziell.

Madsen mit Kiels Stadträtin Voß auf der Veloroute vor der Uni Kiel

Finanzielle Unterstützung gab es heute aber auch durch Madsen für die Stadt Kiel: Um den Campus-Radverkehr der Uni Kiel in Zukunft sicherer zu machen, wird zwischen Christian-Albrechts-Platz und Leibnizstraße ein neuer Radfahrstreifen eingerichtet. Die Stadt Kiel erhält für das Projekt Finanzhilfen in Höhe von knapp 440.000 Euro aus dem Sonderprogramm „Stadt und Land“ des Bundes.

«Wenn Radfahrende sich die Straße mit Autos teilen müssen, bedeutet das immer ein erhebliches Unfallrisiko. Ein sichtbar abgetrennter Radweg sorgt hier direkt für mehr Sicherheit. Kiel tut sehr viel für den Radverkehr und trägt damit zur so wichtigen Mobilitätswende bei. Das Geld ist hier gut angelegt», sagte Madsen bei der Übergabe des Bescheids an Stadträtin Alke Voß. Und die freute sich über die Förderung: «Gerade hier zwischen dem oberen und dem unteren Campus der Universität brauchen wir gute und vor allem sichere Wege für die vielen Radfahrenden. Dies ist ein besonders wichtiger Abschnitt der Veloroute 3, die die Uni mit der Kiellinie verbindet und darüber hinaus per Elektrofähre sogar mit der Fachhochschule und Geomar auf dem Ostufer der Kieler Förde.» Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf fast eine Million Euro.

Madsen auf Sommertour: Fehmarn trotz Baustellen bei Touristen heiß begehrt

Nach dem 48-Stunden-Hochsommer vom Wochenende ist Tourismusminister Claus Ruhe Madsen heute früh bei Wind und Regen zu seiner diesjährigen Sommer-Radtour aufgebrochen. Erste Station der viertägigen Route: Fehmarn.

Madsen (links) im Gegenwind auf Fehmarn – begleitet von seinem persönlichen Referenten Clemens Weiss (Mitte) und dem Großenbroder Bürgermeister Peer Knöfler.

Zwar peitschte der Ostseewind die meiste Zeit von vorn, doch Rückenwind erhielt der Minister durch die jüngsten Übernachtungszahlen. So sind im Mai landesweit deutlich mehr Touristinnen und Touristen für mindestens eine Nacht nach Schleswig-Holstein gereist als noch im Vorjahresmonat. In rund 3.220 Hotels und Pensionen sowie auf 270 Campingplätzen übernachteten 7,5 Prozent mehr Gäste im Bundesland als im Mai 2023.

Ähnlich stark stieg auch die Zahl der gebuchten Übernachtungen an. Sie kletterte um 6,5 Prozent auf fast 4,11 Millionen. Die meisten Touristen buchten sich dabei entlang der Nordsee- und Ostseeküsten ein. Im Vergleich der beiden Meere hat die Ostsee die Nase vorn. «Das ist gerade auf Fehmarn deutlich zu spüren», sagte Madsen. Aber auch die die Holsteinische Schweiz sei ein beliebtes Reiseziel.

DB-Projektleiterin Grit Scholz erläutert Madsen und Knöfler die Tücken der Sanierung der Sundbrücke – hier am Schienenstrang.

Ein Dauerthema für die Tourismusbranche auf Fehmarn: Das Nadelöhr Fehmarnsundbrücke. Madsen nutzte eine Stipvisite auf dem 61 Jahre alten Bauwerk, um erneut an die Deutsche Bahn zu appellieren, die Sanierung mit Hochdruck voranzutreiben. «Projektleiterin Grit Scholz konnte mir glücklicherweise berichten, dass auf der Westseite der Brücke inzwischen 31 Seile getauscht sind – damit ist fast die Hälfte der 80 Seile geschafft», so Madsen.

Marode: ein Stück altes Stahlseil

Sie sei zuversichtlich, so Scholz, dass die Sperrung des Betriebswegs auf der Brücke spätestens zum 1. September wieder aufgehoben werden könne. «Das heißt, wenn das Wetter mitspielt, können Fußgänger und Radfahrer dann wieder den Gehweg benutzen.» Insgesamt soll der Seiltausch bis zum Sommer kommenden Jahres abgeschlossen sein. Bis dahin müsse zeitweise weiterhin mit Fahrbahnverengungen gerechnet werden, weil für einige Arbeiten noch Teilbereiche auf oder an der Straße als Baustellenfläche genutzt werden müssen. «Wichtig ist aber: Voraussichtlich ab Ende September können wir die Fahrbahnverschwenkung aufheben – und damit den größten Gefahrenschwerpunkt», sagte Scholz. Im kommenden Jahr beginnt die Sanierung der Betonpfeiler der Brücke.

Nach den Worten von Madsen sei ihm bei seiner Insel-Radtour auch die zunehmende Baustellen-Tätigkeitkeit in Zusammenhang mit der Entstehung des Belttunnels samt Straßen- und Schienenanbindung ins Auge gefallen: So finde aktuell unter anderem die Vorbereitung für das neue Gleisbett der Bahnstrecke statt. Die DB-Konzernbevollmächtigte Ute Plambeck hatte erst bei der jüngsten Fehmarnsund-Kommunalkonferenz Ende Juni erklärt: «Wir sind auf gutem Weg und unser Zeitplan steht: 2026 startet die Hochphase des Baus und wir bleiben optimistisch, dass das Eisenbahnbundesamt die Planfeststellungsunterlagen für den Sundtunnel im Frühsommer kommenden Jahres auslegen kann.» Nach derzeitiger Planung wollen die Dänen mit dem Fehmarnbelttunnel Ende 2029 fertig sein.

Mit Blick auf die großen Baustellen warb Madsen um Verständnis: «Uns allen ist bewusst, dass die Bauphase mit Belastungen verbunden sein wird – aber im Schulterschluss mit unserem Baustellen-Koordinator und anderen Verantwortlichen in der Region werden wir diese Auswirkungen so gering wie möglich halten», sagte er. Wichtig dabei sei, die Unwägbarkeiten und Risiken klar zu benennen – nur so könnten sie auch umschifft werden.

Hier ein paar Schlaglichter der heutigen Tour:

Begleitet wurde Madsen bei seiner Fehmarntour von Insel-Bürgermeister Jörg Weber und dessen Großenbroder Kollegen Peer Knöfler. Eines der Anliegen von Weber: der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien. Das wurde beim Besuch des Umspannwerks des Windparks „Fehmarn Mitte“ deutlich.

Im Windpark Fehmarn Mitte…

Die Siemens Power Transmission and Distribution (PTD) hatte den Windpark vor17 Jahren an das 110-kV-Hochspannungsnetz auf dem Festland angebunden. Mittlerweile stößt er bei einer Leistung von knapp 60 Megawatt allerdings an seine Grenzen. Madsen versprach, das Thema mit dem zuständigen Energieminister Tobias Goldschmidt zu besprechen.