Archiv der Kategorie: Allgemein

Breiter Schulterschluss für eine starke und grüne Industrie im echten Norden

Während Bundeswirtschaftsminister Habeck das europaweit erste Gebotsverfahren für Klimaschutzverträge mit energieintensiven Großunternehmen eröffnet hat, arbeitet auch Schleswig-Holstein an einer grünen Industriewende. Bei einem Gipfeltreffen von Landesregierung, Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften war Konsens: Die Industrie im Norden ist nicht nur willkommen – sondern bietet auch mit die besten Arbeitsplätze.

Die „Arbeitgeberseite“ des Trilogs (v.l.): Michael Thomas Fröhlich (UV Nord), Julia Körner und Klaus Thoms (IHK) sowie Marcus Friedrich Hrach vom Bundesverband Windenergie.

In dem so genannten Industrie-Trilog verständigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer heute in Kiel auf ein 14-Punkte-Papier. Darin formuliert die Trilog-Runde vor allem Bedingungen für eine verlässliche, klimaneutrale und zugleich bezahlbare Energieversorgung.

Massive Kritik übt das Gremium insbesondere an den regionalen Unterschieden beim Ausbau Erneuerbarer Energien und dem unzureichenden Ausbau der Netze. „Das führt zu problematischen Marktergebnissen, weil die Regionen mit einem starken Ausbau von Erneuerbaren Energien die höchsten Lasten tragen statt entlastet zu werden“, hieß es.

Madsen mit Vertretern des Wirtschafts- und Umweltministeriums

Trilog-Gastgeber und Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen appellierte an die Spitzen der energieintensiven Unternehmen im Land, sich an der Klimaschutz-Auktion des Bundeswirtschaftsministeriums zu beteiligen. Das Prinzip des Vier-Milliarden-Förderprogramms: Wenn Betriebe ihre Produktion umstellen, etwa von Öl auf Wasserstoff, müssen sie investieren. Da die klimafreundlichere Produktion häufig aber erst einmal teurer ist, gleicht der Staat die Kostendifferenz zur Produktion mit fossilen Energieträgern aus. Wird die klimafreundlichere Produktion mit der Zeit günstiger, zahlen die Unternehmen die Differenz an den Staat zurück. Die Klimaschutzsubventionen sollen an Firmen aus energieintensiven Branchen wie Chemie, Zement, Papier oder Gips fließen.

Hier die Abschluss-Statements der Trilog-Teilnehmerinnen und -teilnehmer

Mit Blick auf Schleswig-Holstein erinnerte Madsen an das Klimaschutzprogramm der Landesregierung: Hierin sei vorgesehen, dass die großen Verursacher von Treibhausgasen Maßnahmen zur Dekarbonisierung ergreifen. Im Vergleich zum Bund seien die Umweltbelastungen durch Betriebe im Norden allerdings ohnehin deutlich geringer. Während der Industriesektor bundesweit 20,4 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitrage, liege die Quote in Schleswig-Holstein lediglich bei 14,3 Prozent. „Das dürfte in etwa auch dem Verhältnis der Industrie-Emissionen entsprechen“, so Madsen.

Nach den Worten von Dr. Julia Körner von der IHK Schleswig-Holstein ist eine Benachteiligung von Regionen mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien unbedingt zu verhindern. “Ziel muss es sein, für alle Energieträger und Sektoren gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, damit alle Unternehmen in Schleswig-Holstein gleichermaßen von der Energiewende profitieren können. Essenziell ist, den Beschleunigungspakt von Bund und Ländern schnell umzusetzen, um die Ansiedlung neuer und die Erweiterung bestehender Industrieunternehmen zu erleichtern”, so Körner weiter.

UVNord-Hauptgeschäftsführer Michael Thomas Fröhlich machte deutlich, „dass wir kein Erkenntnis- sondern bislang ein Umsetzungsproblem haben“. Es brauche Dampf im Kessel, damit die Genehmigungsverfahren endlich messbar beschleunigt werden. „Der Pakt für Planungs-, Genehmigungs- und Umsetzungsbeschleunigung zwischen Bund und Ländern ist ein gutes Signal, er muss aber auch mit Leben gefüllt werden. Die Musik der Energiewende spielt im Norden, es kann unser Jahrzehnt der Chancen werden. Dafür müssen wir auch den Überschussstrom intelligenter nutzen, etwa für die Produktion von grünem Wasserstoff oder zur Wärmeerzeugung. Nur mit guten und wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen kann die Transformation der Industrie gelingen und dann wird die Northvolt-Ansiedlung den Anfang und nicht das Ende des Weges zum klimaneutralen Industrieland markieren.“

DGB-Nord-Chefin Laura Pooth in der Diskussionsrunde

„Schleswig-Holstein hat im Verbund der norddeutschen Länder die einmalige Chance, zu einer weltweit sichtbaren Modellregion für klimaneutrale Produktion zu werden“, so Laura Pooth, Vorsitzende des DGB Nord.

„Wir können zeigen, wie eine zuverlässige, bezahlbare, klimaneutrale Energieversorgung mit Guter Arbeit und der Sicherung von Wertschöpfungsketten und Beschäftigung einhergeht. Dazu braucht es wichtige Entscheidungen in Brüssel und Berlin und das fordern wir hier gemeinsam ein. Wir brauchen mehr Investitionen in die Energieinfrastruktur und endlich nachhaltige und sozial ausgewogene Finanzierungsinstrumente. Hier sind alle demokratischen Parteien in Berlin gefordert, auch durch eine Reform der Schuldenbremse. Das Thema ist zu bedeutend für parteipolitischen Hickhack. Wir brauchen aber auch eine Landesregierung, die ihre Hausaufgaben macht. Die Energiewende muss geplant, genehmigt und gebaut werden. Eine systematische Stärkung der Planungs- und Genehmigungsbehörden auf allen Ebenen für zügige Entscheidungen ist unerlässlich. Es ist gut, dass wir das im Trilog so offen besprechen können und wünschen uns eine engagierte Fortsetzung der Gespräche.“

Madsen beim 10. Hafentag: Chancen der Energiewende beherzt ergreifen

Hafenchefs mit Minister (v.l.): Dirk Claus (Kiel), Frank Schnabel (Brunsbüttel), Sebastian Jürgens (Lübeck)

Unter dem Leitmotiv „Mission Energiewende“ fand heute in Lübeck-Travemünde der 10. Hafentag des Gesamtverbandes Schleswig-Holsteinischer Häfen (GvSH) statt. Gastgeber Frank Schnabel begrüßte dazu am Priwall rund 130 Gäste aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft – unter anderem nahezu sämtliche Hafenchefinnen und –chefs norddeutscher Häfen. Schnabel machte deutlich, dass Schleswig-Holstein mit knapp 53 Millionen Tonnen Güterumschlag trotz einer kleinen Delle von Minus 2,2 Prozent im letzten Jahr nach wie vor der drittgrößte Seehafenstandort Deutschlands ist.

«Als Motor der maritimen Wirtschaft tragen die Häfen auf vielfältige Weise zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region und ganz Deutschlands bei. Sie generieren Wertschöpfung und Beschäftigung in verschiedenen Wirtschaftszweigen und sichern die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Als Produktions- und Logistikstandorte übernehmen die Häfen ebenso einen Großteil der Rohstoff- und Energieversorgung für die deutsche Wirtschaft und stellen den Zugang zu den Märkten in Übersee sicher», sagte Schnabel.  Und: «Wir wollen die bedeutende Funktion der schleswig-holsteinischen Häfen als sogenannte multimodal angebundene Energie-Hubs gemeinsam weiter stärken und die Chancen wahrnehmen, die uns die Energiewende bietet.»

Madsen sagte in seinem Grußwort unter anderem – Video starten:

Nach den Worten von Madsen und Schnabel bieten die norddeutschen Hafenstandorte  ideale Voraussetzungen für den Import klimaneutraler Energieträger. Ein Beispiel sei LNG, das als wichtige Brückentechnologie gelte. Lob von GvSH-Chef Schnabel gab es für den Vorstoß der Bundesregierung zur Abscheidung und unterirdischen Speicherung von CO2 – kurz CCS („Carbon Capture and Storage“). Der Umschlag und Transport von verflüssigtem Kohlenstoffdioxid aus unterschiedlichen Industriezweigen stelle für Hafenbetriebe ein neues innovatives Handlungsfeld dar. Als sogenannte Hubs für den CO2-Export ermöglichen sie den sicheren Seetransport zu den Lagerstätten.

Damit die Energiewende gelingt, sind laut Schnabel umfangreiche Investitionen in die Hafeninfrastruktur und den Ausbau der Hinterlandanbindungen an Straße, Schiene und Wasser dringend erforderlich. Madsen: «Eine gut ausgebaute und zuverlässige Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur spielt eine zentrale Rolle im Hinblick auf die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes und sichert dessen Wettbewerbsfähigkeit.»

Die Vielzahl der neuen Energieprojekte sind für die Hafenbetreiber Chance und Heraus-forderung zugleich, sagte Schnabel. So würden Planungs- und Genehmigungsprozesse im Sinne des neuen „Deutschland-Tempos“ zwar merklich beschleunigt, ihre Komplexität und die damit einhergehenden Anforderungen an Hafenbetreiber und Behörden bleibe dennoch weitestgehend erhalten und müsse flexibel und kreativ gelöst werden.

Nach Ostsee-Sturmflut: Land erlässt Richtlinien zur Förderung der Reparaturen

Knapp fünf Monate nach der schweren Ostsee-Sturmflut hat die Landesregierung zwei weitere Richtlinien zur finanziellen Hilfe bei der Reparatur von Schäden erlassen. Für den Wiederaufbau von kommunaler Infrastruktur wie Häfen, Stränden oder Promenaden stellen Land, kommunale Landesverbände und Kommunen 140 Millionen Euro zur Verfügung. Für die Sanierung von privaten Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge stehen weitere 20 Millionen Euro bereit. Bereits im Februar hatte zudem das Umweltministerium eine mit 46 Millionen Euro hinterlegte Förderrichtlinie zur Reparatur von Küstenschutzanlagen veröffentlicht. „Die Landesregierung hatte den Betroffenen rasche Hilfe zugesagt – die liefern wir nun“, sagten heute . März) Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack und Tourismusminister Claus Ruhe Madsen in Kiel.

Für Schäden an kommunaler Infrastruktur können Anträge bis zum 30. Oktober gestellt werden, die Maßnahmen müssen spätestens bis zum 31. Dezember 2030 abgeschlossen sein. Die Förderquote liege laut Madsen in der Regel bei 75 Prozent. Mit der Abwicklung soll die Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) beauftragt werden. Die Richtlinie wird in wenigen Tagen unter www.ib-sh.de zu finden sein. Antragsvordrucke und weitere Informationen seien aktuell noch in der Abstimmung und werden voraussichtlich im April zur Verfügung stehen. Den Kommunen war unmittelbar nach der Sturmflut gestattet worden, mit den Arbeiten schon vor Erlass der Förderrichtlinie zu beginnen. Madsen: „Es war uns sehr wichtig, dass die betroffenen Kommunen sofort loslegen können und nicht mit Reparaturen oder Sandaufspülungen warten müssen. Jetzt steht auch Ostern vor der Tür – und damit die erste Tourismus-Welle des Jahres. Ziel ist es, unsere Gäste mit attraktiven Promenaden und Stränden zu empfangen.“

Tourismus-Staatssekretärin Julia Carstens

Konkret deckt die vom Wirtschaftsministerium erlassene Richtlinie neben Promenaden und Stränden auch Schäden an Dünen sowie die Instandsetzung von Ufersicherungen und Mauern ab. Förderfähig zudem der Wiederaufbau der Infrastruktur der kommunalen gewerblichen Häfen, öffentlich zugänglicher Bereiche der kommunalen Sportboothäfen und der Wiederaufbau der sonstigen Schiffs- und Bootsanleger im kommunalen Eigentum. Tourismus-Staatssekretärin Julia Carstens sagte im Gespräch mit Journalisten dazu weiter – Audio starten, Pfeil klicken

Darüber umfasse die Richtlinie auch die Schadensbeseitigung an anderer kommunaler Infrastruktur, etwa an Gebäuden, Straßen und Gehwegen. Antragsberechtigt sind Gemeinden, Kreise, Ämter, Kommunalunternehmen, Eigenbetriebe und Zweckverbände sowie Gesellschaften, an denen die genannten Antragsberechtigten mit mehr als 50 Prozent beteiligt sind.

Über die vom Innenministerium erlassene „Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen für private Einrichtungen der Daseinsvorsorge für Wiederaufbaumaßnahmen“ stehen20 Millionen Euro für private Einrichtungen der Daseinsvorsorge bereit. Antragsberechtigt sind ausschließlich nichtkommunale Träger von Kitas und Einrichtungen der Kindertagespflege, von kulturellen Einrichtungen wie Theater und Museen, Jugendfreizeitstätten, Ersatzschulen und Schulen der dänischen Minderheit sowie von anerkannten Wasserrettungseinheiten.

„Wir lassen die betroffenen Einrichtungen nicht im Regen stehen“, sagte Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack. Die Förderquote beträgt 50 Prozent, die sich Land und Kommunen jeweils zur Hälfte teilen. Die Antragstellerin oder der Antragsteller übernehmen einen Eigenanteil von 50 Prozent. „Ich freue mich sehr, dass das Land und die Kommunen dabei zusammenstehen, und danke der kommunalen Familie noch einmal ausdrücklich dafür“, sagte Sütterlin-Waack weiter.

Förderfähig seien die Beseitigung von Schäden an der Infrastruktur, der Wiederaufbau der beschädigten Infrastruktur sowie Maßnahmen, die damit in Zusammenhang stehen und mit denen Einrichtungen künftig besser gegen Sturmfluten gewappnet sind. Die Maßnahmen durften unmittelbar nach der Sturmflut begonnen werden. Die Schäden müssen mehr als 5.000 Euro im Einzelfall betragen. Die Antragsfrist endet am 30. April 2024. Die Gelder müssen bis zum 15. Dezember dieses Jahres abgerufen werden. Die Richtlinie und das Antragsformular werden in wenigen Tagen unter www.ib-sh.de zu finden sein.

Land legt Sanierungs-Programm für Dithmarschen, Pinneberg und Steinburg vor

Weitere Runde im Kampf gegen den Infrastruktur-Sanierungsstau an der Südwestküste Schleswig-Holsteins und im Kreis Pinneberg: Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) wird in den kommenden Monaten in den Kreisen Dithmarschen, Pinneberg und Steinburg knapp 25 Millionen Euro investieren.

Wie Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute in Marne zusammen mit LBV.SH-Direktor Frank Quirmbach und dessen Fachbereichsleitern Britta Lüth und Christoph Köster erklärte, sollen damit rund 34 Kilometer Straßen und vier Brücken in Schuss gebracht sowie 14 Kilometer reine Radwege erneuert oder neu gebaut werden. Das Straßenbaupaket umfasse 18 Projekte, davon zwölf Landes-, drei Bundes- und drei Kreisstraßen sowie zwölf Radwege. Parallel dazu laufen Sanierungsarbeiten an der A 23 durch die Autobahn GmbH des Bundes. Madsen erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass landesweit in diesem Jahr allein rund 80 Millionen Euro in den Erhalt des Landesstraßennetzes sowie neun Millionen Euro für separate Radwege investiert werden.

Als Beispiele für wichtige Vorhaben in den drei Kreisen nannte Madsen unter anderem die Erneuerungen des L 142-Radwegs zwischen Marne und St. Michaelisdonn sowie die L 149-Fahrbahnerneuerung von Schlichting bis Glüsing und die L 109-Fahrbahnerneuerung von Holstendorf bis Elmshorn (vollständige Übersicht siehe Link zur Karte).

Nach den Worten von Madsen und Quirmbach habe sich nicht nur über die letzten Jahrzehnte ein erheblicher Sanierungsstau aufgetürmt, auch die vergangenen Wintermonate hätten dem Straßennetz arg zugesetzt: „Jede Verkehrsteilnehmerin und jeder Verkehrsteilnehmer sieht und spürt gerade, was passiert, wenn in die Straßen nicht konsequent und dauerhaft in Schuss gehalten werden. Wir haben allerorten Schlaglöcher und Risse – das ist inakzeptabel“, so Madsen. Nicht nur Bürgerinnen und Bürger und die Wirtschaft im Land seien auf intakte Verkehrswege angewiesen, sondern auch alle Gäste Schleswig-Holsteins. Madsen: „Und mit der Ansiedlungs-Entscheidung des schwedischen Batterieherstellers Northvolt für ein Werk Heide sind hier intakte Anbindungen wichtiger denn je.“

Hier ein Livestream-Mitschnitt des Pressegesprächs

Die Menschen, die von den neuen Baustellen in allen drei Kreisen betroffen sind, baten Madsen und Quirmbach um Geduld und Fairplay: „Die Beschäftigten der Baufirmen, aber auch unsere Kolleginnen und Kollegen arbeiten bei Wind und Wetter, damit wir alle auch in Zukunft schneller und sicherer an unsere Ziele kommen. Bitte nehmen Sie also größte Rücksicht“, so Madsen.

Die einzelnen Baumaßnahmen/Projekte finden sich in dieser Übersichtskarte:

Land fördert Nordsee-Tourismus in Friedrichskoog-Spitze mit 20,6 Millionen

Knapp neun Jahre nach Schließung des Landeshafens in Friedrichskoog löste die Landesregierung heute ein weiteres Mal ihr Versprechen ein, die Gemeinde als Hotspot der Nordseeküste zu stärken: Minister Claus Ruhe Madsen überbrachte gleich zwei Förderbescheide über eine Rekordsumme von 20,6 Millionen Euro an Bürgermeister Thaden.

Freut sich über zwei Förderbescheide im Wert von 20,6 Millionen Euro: Friedrichskoogs Bürgermeister Bernd Thaden (rechts)

Hintergrund: Im Ortsteil Friedrichskoog-Spitze werden im Zuge einer groß angelegten Deichverstärkung der dortige Grünbadestrand und die Promenade erneuert sowie der Kurpark umgestaltet und modernisiert. „Damit können gleich zwei wichtige Projekte angepackt werden, die zur deutlichen Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Gemeinde beitragen werden. Denn neben Büsum ist Friedrichskoog eine der wichtigsten Tourismus-Destinationen in der Region“, sagte Madsen. Beide Projekte – Badestrand und Kurpark – werden im Rahmen der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) vom Land mit 90 Prozent gefördert.

Madsen erinnerte an die zukunftsweisende Bedeutung beider Projekte für die 2500-Einwohner-Gemeinde. Nach Schließung des Landeshafens vor knapp neun Jahren habe sich Friedrichskoog wirtschaftlich komplett neu aufstellen müssen. „Und es ist gelungen, auf Basis eines Tourismus-Entwicklungskonzepts eine Reihe von Infrastruktur-Projekten aufzusetzen, die die Folgen der Hafenschließung kompensieren und den Ort für Gäste attraktiver machen können“, so Madsen.

Im Kurpark werden neue Flächen für Freizeit und Kulturveranstaltungen entstehen, unter anderem ein Spielbereich für Kinder und Jugendliche sowie eine Eventfläche. Mit dem Bau war bereits im vergangenen November begonnen worden. Die Förderung liegt bei knapp 3,3 Millionen Euro.

Die Bauarbeiten an der Promenade und am Badestrand sollen im April beginnen. „Highlights sind hier zwei neue Bade-Stege ins Wattenmeer, die das Bade- und Naturerlebnis attraktiver machen, sowie eine Reihe neu gestalteter Aufenthaltsbereiche mit Sitzstufen, Mobiliar und Terrassen“, sagte Madsen. Die Deichterrassen sowie die geplante Deich- und Parktribüne sollen künftig mit kostenfreien Veranstaltungsformaten und temporärem Gastronomieangebot bespielt werden. Die Förderung für die umfangreichen Baumaßnahmen beträgt 17,3 Millionen Euro.

Friedrichskoog ist mit knapp als 173.000 Übernachtungen (ohne Camping) im Jahr 2023 eine der touristischen Schwerpunktgemeinden im Kreis Dithmarschen und an der Nordseeküste

Madsen beeindruckt von Fortschritten auf Belt-Baustelle in Puttgarden auf Fehmarn

Das entstehende Tunnel-Portal – oben im großen Bild aus der Vogelperspektive

Nach langer Hängepartie geht’s nun auch auf der deutschen Seite des geplanten Fehmarnbelttunnels mit Volldampf voran. Davon überzeugte sich Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute bei seinem ersten Baustellenbesuch in Puttgarden: «Ich bin schwer beeindruckt, wie gut koordiniert und professionell organisiert das Projekt hier von derzeit rund 180 Menschen auf der Baustelle vorangetrieben wird», sagte Madsen. Lange habe er etwas neidvoll auf die dänische Seite des Belts geschaut, wo längst die ersten Tunnel-Elemente produziert wurden.

Madsen bei seiner Rundfahrt mit Femern A/S-Deutschlanddirektor Lars Friis Cornett

Der Spatenstich auf der rund 100 Hektar großen deutschen Tunnelbaustelle neben dem Hafen von Scandlines war Ende 2021 gesetzt worden. «Inzwischen ist das Gelände nicht mehr wiederzuerkennen», sagte Madsen, der bei seinem Besuch unter anderem von Lars Friis Cornett, Deutschlanddirektor von Femern A/S, sowie dessen Chef-Planer Matthias Laubenstein begleitet wurde.

Hier die Bilder einer Live-Cam, die das Baugeschehen verfolgt:

Besonders deutlich ist der Baufortschritt nach den Worten von Madsen vor allem im Tunnelportal erkennbar. Dort, wo einmal die Züge und Autos in den Fehmarnbelt-Tunnel fahren werden, wurde bereits im letzten Jahr eine zwölf Meter tiefe Baugrube ausgehoben. Und es wurde damit begonnen, die Tunnelabschnitte in offener Bauweise herzustellen. «Konkret bedeutet das, dass vor Ort Schritt für Schritt zunächst die Sohle, dann die Seitenwände und schließlich die Tunneldecke der einzelnen Abschnitte in konventioneller Bauweise betoniert werden», erläuterte Laubenstein.

Der Beton, der für die Arbeiten im Tunnelportal verwendet wird, hat einen kurzen Weg: Er wird im Betonmischwerk direkt vor Ort hergestellt. Laubenstein: «Angesichts der gewaltigen Mengen haben wir uns entschieden, den Beton vor Ort selbst zu produzieren.» Von einer Bestellung in kommerziellen Betonwerken sei man angesichts der langen Lkw-Anfahrwege vom Festland und der damit verbundenen Belastung des Inselverkehrs abgerückt. Das für den Beton benötigte Material werde zum Großteil mit Frachtschiffen über den Arbeitshafen angeliefert.

Laubenstein

Unterdessen sind aber auch die rund 2.000 Arbeiterinnen und Arbeiter der 220-Hektar-Baustelle auf dänischen Insel Lolland bienenfleißig: Mehr als 96 Prozent der Aushubarbeiten für den 18 Kilometer langen Tunnelgraben sind bereits abgeschlossen. Allein durch den Aushub sind vor Lolland rund 300 Hektar neues Land entstanden. Die Elemente für den Absenktunnel werden mittlerweile auf sechs Produktionslinien betoniert. Seit Oktober sind drei großen Becken vor der Fabrik mit Wasser gefüllt. Jedes Becken ist etwa elf Meter tief und fasst rund 1,6 Millionen Kubikmeter Wasser. Das entspricht der Wassermenge von 640 olympischen Schwimmbecken. «Das Füllen der Becken war ein wichtiger Schritt, damit die fertigen Tunnelelemente später über den dänischen Arbeitshafen in den Fehmarnbelt geschleppt und abgesenkt werden können», erläuterte Laubenstein. Das soll erstmals in diesem Sommer passieren.

Achtung Baustelle: Land investiert im südöstlichen Landesteil 55 Millionen Euro

Die Aufträge sind vergeben, die ersten Baustellen eingerichtet: Für die Sanierung des Straßen- und Radwegenetzes im südöstlichen Schleswig-Holstein wird der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) in den kommenden Monaten insgesamt 55 Millionen Euro aufwenden.

Madsen mit LBV.SH-Direktor heute in der Straßenmeisterei in Oldenburg

Wie Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute in Oldenburg i.H. bei der Vorstellung des Bauprogramms mit LBV.SH-Direktor Frank Quirmbach und dessen Fachleuten sagte, sollen damit rund 64 Kilometer Straßen, über 22 Kilometer reine Radwege und zwölf Bauwerke erneuert oder auch ausgebaut werden. „Unser Landesbetrieb wird in den Kreisen Stormarn, Ostholstein und dem Herzogtum Lauenburg sowie in der Stadt Lübeck insgesamt 22 Straßen sowie 20 Radwege in Schuss bringen“, sagte Madsen. Parallel dazu laufen die Arbeiten zur Instandhaltung und dem Ausbau der Bundesstraßen B 207 zwischen Heiligenhafen-Ost und Puttgarden durch die DEGES sowie der dreistreifige Ausbau der Bundesstraße B 404 zwischen den Anschlussstellen Bargteheide und Lütjensee, der Ende Mai 2024 aller Voraussicht nach fertig wird.

Hier ein Stream-Mitschnitt des Pressegesprächs:

Zu den wichtigsten Bauprojekten zählen außerdem laut Madsen und Quirmbach in diesem Jahr etwa die Sanierung der K 48 zwischen Oldenburg i.H. und Dannau, die Fahrbahnerneuerung der Landesstraße 83 zwischen Oldesloe und Sühlen sowie der Ersatzneubau der B 207-Brücke über die Steinau bei Schwarzenbek.

„Wir dürfen nicht alte Fehler wiederholen und die Infrastruktur noch weiter zerfallen lassen“, mahnte Madsen. Er erinnerte daran, dass für die Sanierung von Landesstraßen in ganz Schleswig-Holstein in diesem Jahr rund 80 Millionen Euro und für separate Radwege neun Millionen Euro veranschlagt sind.

Zur interaktiven Baustellen-Karte geht es HIER

Auch Quirmbach erinnerte daran, dass gerade die Landesstraßen über Jahrzehnte kontinuierlich kaputtgespart worden seien. „Denn bei allen Sparzwängen: Die Aufarbeitung des Sanierungsstaus an unseren Landesstraßen ist ja noch nicht abgeschlossen. Gerade der jetzige Winter setzte allen Straßen massiv zu. Und die zahlreichen Schlaglochpisten zeigen uns doch, dass unser Engagement hier keinesfalls nachlassen darf, die Straßen in Schuss zu halten“, so Quirmbach. In dem 55-Millionen-Euro-Paket für die Kreise Stormarn, Ostholstein und Herzogtum Lauenburg sowie die Stadt Lübeck seien insgesamt 15 Landesstraßen-Projekte sowie zwölf Bauwerke enthalten. Der Rest entfalle auf acht Bundes- und acht Kreisstraßen, für die der LBV.SH in weiten Teilen ebenfalls zuständig sei.

Laut Madsen ist der Erhalt der Infrastruktur gerade in einem Flächenland existenziell: „Wie sollte man sonst auf dem Land leben können?“ Mit Blick auf die Mobilitätswende helfe es nicht Straßen-, Rad- und Schienenverkehr gegeneinander auszuspielen: „Wir brauchen alle Möglichkeiten. Zumal ja auch Schulbusse, E-Bikes, Krankenwagen, der Pflegedienst oder die Feuerwehr sichere Verkehrswege benötigen.“

Land fördert neuen Radweg zwischen Süsel und Bujendorf mit 500.000 Euro

Madsen mit Bujendorfs Bürgermeister Boonekamp an der künftigen Radwegsstrecke

Wer momentan im Kreis Plön auf der Bujendorfer Landstraße mit dem Rad unterwegs ist, muss auf die Straße ausweichen. Das soll sich jetzt ändern. Zwischen Süsel und Bujendorf wird ein neuer Radweg gebaut. Hierfür erhält die Gemeinde Süsel eine Förderung aus dem Sonderprogramm „Stadt und Land“ des Bundes. Den Förderbescheid in Höhe von 498.000 Euro übergab Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen heute an Süsels Bürgermeister Adrianus Boonekamp. «Wenn sich Autos und Fahrräder die Straße teilen, ist das immer mit Risiken verbunden. Ein separater Radweg erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern macht das Radfahren auch gleich viel angenehmer. Deswegen freue ich mich, dass hier in Süsel in den Radverkehr investiert wird», sagte Madsen.

Der neue Radweg beginnt auf Höhe der NWM-Asphaltmischanlage und endet am Ortsteil Anschottredder. Der Bau soll in zwei Abschnitten umgesetzt werden. Der erste verläuft bis zur Bahnhofstraße auf der östlichen Seite und ist ca. 850 Meter lang. Danach wird die Straßenseite gewechselt und eine vorhandene Trasse für die restlichen 450 Meter bis zum Ortsteil Anschottredder zum Radweg ausgebaut. «Wir wollen mehr Menschen für das Radfahren begeistern. Das funktioniert nur, wenn die Infrastruktur vorhanden ist und die Wege sicher sind. Mit dem Lückenschluss wird Radfahren in der Lübecker Bucht nochmal deutlich attraktiver», betonte der Minister. Bürgermeister Boonekamp ergänzte: «Der Wunsch der Gemeinde Süsel wäre jetzt der Lückenschluss zwischen Süsel und Röbel abseits der stark befahrenen B 76.»

Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf rund 900.000 Euro. Die Förderung kommt aus dem Sonderprogramm „Stadt und Land“ des Bundes. Er unterstützt damit Länder und Kommunen, die Radverkehrsinfrastruktur auszubauen und so mehr Menschen zum Radfahren zu motivieren. Für Schleswig-Holstein stehen bisher rund 43 Millionen Euro zur Verfügung. Die Mittel sind weitgehend abgerufen, der Bund hat daher für 2024-2028 zusätzliche 34 Millionen Euro für Schleswig-Holstein vorgesehen. Kofinanziert werden unter anderem der Neu- und Ausbau von Radwegen, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder oder Fahrrad-Servicestationen.

Zentrum für Sensortechnik nimmt Fahrt auf – Carstens: Ein Leuchtturm-Projekt

Staatssekretärin Julia Carstens und Nicolas Gibert-Morin von der EU-Kommission lassen sich bei einem Rundgang durch den Neubau die Sensor-Technik erläutern

Vorhang auf für einen weiteren Forschungs-Leuchtturm der Kieler Christian-Albrechts-Universität: Das „Zentrum für vernetzte Sensorsysteme (ZEVS)“ auf dem Campus der Technischen Fakultät auf dem Ostufer hat seine Arbeit aufgenommen. In dem von der EU geförderten Forschungsneubau arbeiten künftig in 39 Laboren international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Entwicklung von Sensoren, die etwa in der Medizin, der autonomen Schifffahrt, der Ozeanforschung, für moderne Energienetze oder zur Datenerfassung im Agrarbereich genutzt werden können. In den vierstöckigen Neubau wurde für Forschungszwecke über zwei Etagen unter anderem ein fünf mal fünf mal fünf Meter großes Wasserbecken integriert.

Technologie-Staatssekretärin Julia Carstens bezeichnete das ZEVS heute bei einem Besuch als „Vorzeigeprojekt der Wissenschafts-Landschaft Schleswig-Holstein“.

Die Sensorforschung sei ein lebenswichtiges Feld. Das Spektrum reiche von einer verbesserten Diagnostik bei Brustkrebs-Erkrankungen bis hin zu batteriegetriebenen Minilabore zur automatischen Analyse von Bodenflüssigkeiten. „In Zusammenarbeit mit Unternehmen sollen auf diese Weise marktfähige Produkte entstehen. Und wir hoffen natürlich auch, dass der 46 Millionen Euro teure Bau landesweit Kooperationen mit Firmen beflügeln und den Wirtschaftsstandort auf ein höheres Niveau heben wird“, sagte Carstens. Die Hälfte der Neubaukosten – 23 Millionen Euro – stammt aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

Nicolas Gibert-Morin, der für Österreich, Deutschland und die Niederlande zuständige Abteilungsleiter in der Generaldirektion „Regionalpolitik und Stadtentwicklung“ der Europäischen Kommission, betonte bei dem gemeinsamen Besuch: „Zentren wie das ZEVS öffnen die Tür zur Zukunftsfähigkeit einer Region. Die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der vernetzten Sensorik passen besonders gut zu Schleswig-Holsteins Forschungs- und Anwendungsschwerpunkten Medizintechnik, Energiewende und Meeresforschung“.

Schon vor Nortvolt war „High-Tech made in SH“ auf Wachstumskurs

Auch wenn die Entstehung der Giga-Batteriefabrik des schwedischen Konzerns Northvolt bei Heide seit Monaten alle Aufmerksamkeit auf sich zieht: In unmittelbarer Nachbarschaft im Kreis Steinburg wird „Hightech“ schon seit Jahrzehnten groß geschrieben – spätestens seit Gründung des Fraunhofer-“isit“-Instituts für Siliziumtechnologie.

Reinraum bei Vishay neben dem Isit in Itzehoe

Dort investiert das Unternehmen Vishay derzeit knapp 400 Millionen Euro in eine vollautomatische Produktion elektronischer Bauteile – überwiegend für die Autoindustrie. Die Entscheidung zum Ausbau des Standorts sei auch durch Kundenwünsche ausgelöst worden, sagt Geschäftsführer Leif Henningsen. Diese wünschten sich, dass in Deutschland produziert werde. In Itzehoe sei das Know-how vorhanden.

Nicht nur die Lokalpolitik, auch die Landesregierung blickt hoffnungsvoll auf die Entwicklung in Schleswig-Holsteins Westen. Aus Sicht von Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen spielt die Achse Hamburg-Elmshorn-Itzehoe-Heide für Schleswig-Holstein eine herausragende Rolle. «Auch ein Grund, warum wir dringend die Anbindung der Westküste durch die A 20 benötigen», sagt der CDU-Politiker.

Henningsen

Die winzigen Transistoren – so genannte Mosfets – von Vishay werden in einer vollautomatischen Linien produziert. «Diese wird ganz anders als unsere jetzige Linie.» Künftig werden Siliziumscheiben (Wafer) mit 300 Millimetern parallel neben denen mit 200 Millimetern Durchmesser bearbeitet. Damit steigt die Leistungsfähigkeit der Produktion stark an. Auf einen Wafer passen nach Henningsens Angaben je nach Größe zwischen 400 und 180 000 Produkte.

Vishay produziert seit fast 27 Jahren in Itzehoe Mosfets. «Die Wachstumsraten aufgrund der E-Mobilität sind extrem», sagt Henningsen. Für jedes Auto würden Hunderte Mosfets gebraucht, in sämtlichen Steuergeräten und Sicherheitssystemen, überall, wo Ströme geschaltet werden müssen. Die Anforderungen an das Produkt sind nach Angaben von Projektmanager Otto Graf: «höchst zuverlässig, möglichst wenig Schaltverluste und möglichst klein». In dieser Technologie sei Vishay «ganz vorne mit dabei.»

300-mm-Wafer von Vishay

Für die Erweiterung des Werks sucht Vishay zu den bisherigen rund 550 etwa 150 neue Mitarbeiter. «Das ist natürlich herausfordernd», sagt Henningsen. Man versuche, eigene Mitarbeiter weiter zu fördern, brauche aber auch externes Personal, zum Teil mit Erfahrung, aber auch Hochschulabsolventen. Es gehe um Arbeitsplätze vom IT-Experten und Mechatroniker bis zum Chemiker und Physiker.

Mitarbeiter kommen aus ganz Deutschland und anderen Ländern gerne nach Itzehoe, ist Grafs Erfahrung. Besonders die Nähe zu Hamburg sei attraktiv. Der überwiegende Teil der Beschäftigten wohne aber im Umfeld des Werks. Im Vergleich zur Technologieregion Dresden sei der Wettbewerb um Fachkräfte weniger scharf. Vishay profitiert nach Angaben der Manager als energieintensives Unternehmen von der Lage in Schleswig-Holstein, wo das Angebot an Wind- und Solarstrom groß ist.

Kritik am Standort haben die beiden Manager vor allem in zwei Punkten: Die Verkehrsanbindung an Hamburg, vor allem der Bahnverkehr, müsse verbessert werden. Das gelte auch für die Busanbindung des am Rande Itzehoes gelegenen Werks. Und es fehlten Wohnungen in der Region und die Versorgung zum Beispiel mit Kitaplätzen könnte besser sein. Mit Blick auf die Ansiedlung der Northvolt-Batteriefabrik im nahen Heide spricht Henningsen von spannenden Jahren. «Es bringt uns viel Innovation nach Schleswig-Holstein. Das hilft uns.» Aber gerade der Ausbau der Infrastruktur werde spannend.

Madsen (rechts) im vergangenen Jahr bei einem Besuch beim Batterie-Hersteller Customcells in Itzehoe

Nach Madsens Angaben war für die Ansiedlung von Vishay die Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut ISIT ausschlaggebend. Über die Jahre hätten sich aus dem ISIT innovative Firmen wie Custom Cells (Batterietechnologien) und OQmented (Laserscanning) ausgegründet. «Mit der Ansiedlung der Firma Northvolt in Heide, das die grünsten Batterien der Welt produzieren und dafür den grünen Strom Schleswig-Holsteins nutzen will und bereits mit dem ISIT kooperiert, hat die Region ein weiteres Kapitel in der sehr erfolgreichen Entwicklung der Achse von Hamburg bis Heide aufgeschlagen», sagt Madsen. Er sieht die Basis für weitere technologieorientierte Ansiedlungen gelegt.

Zur Verkehrsanbindung verweist Madsen auch auf bestehende Pläne im Schienenverkehr. Zwischen Horst an der Bahnstrecke Elmshorn – Neumünster und Lägerdorf an der Bahnstrecke Elmshorn – Itzehoe soll eine Neubaustrecke parallel zur A 23 entstehen. Mit dem Neubau von 16 Kilometern Strecke könnte der Weg zwischen Elmshorn und Itzehoe von 34 auf 24 Kilometer verkürzt werden. Die Fahrzeit zwischen beiden Städten würde sich von 22 auf 12 Minuten verkürzen.

Hoppe

Itzehoes Bürgermeister Ralf Hoppe (parteilos) sieht die Stadt durch Norddeutschlands modernste Chipfabrik geadelt. «Vishays Investment ist ein starkes Bekenntnis zum Technologiestandort, das unserem InnoQuarter überregionale Aufmerksamkeit bringt.» Die Zeichen stünden auf Wachstum und Neuansiedlungen. Ein Selbstläufer ist die Entwicklung aus Hoppes Sicht aber nicht. Deshalb habe die Stadt Itzehoe in zusätzliche Flächen für die Westerweiterung des Technologieparks investiert. «Zudem laufen die Planungen für ein neues Wohngebiet inmitten der Stadt. Damit schaffen wir rund 400 Wohnungen in einer Mischung aus Doppel-, Reihen und Mehrfamilienhäusern», sagt der Bürgermeister.