Vier Forschungsverbünde, acht Hochschulen, zwei Universitätskliniken, 14 Forschungseinrichtungen – darunter international renommierte Anlagen wie das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY) oder der Röntgenlaser European XFEL. Kein Zweifel: das norddeutsche Cluster „Life Science Nord“ (LSN) mit seinen 300 Mitgliedsunternehmen und -institutionen ist ein schwergewichtiger Innovations- und Wirtschaftsfaktor. Und doch ist dieser Riese national wie international nicht wirklich sichtbar. Wie lässt sich das ändern?
Wissenschaftler im Gespräch mit der Landesregierung, unter anderem mit dabei: Prof . Eckhard Quandt (links) von der CAU Kiel und Prof. Helge Braun (rechts), ehemaliger Kanzleramtsminister und heutiger Präsident der Uni Lübeck
Darüber tauschte sich Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen jetzt mit 11 führenden Köpfen des Netzwerks aus. Aus Sicht von Madsen ist es dringend nötig, diesen Standortfaktor stärker ins Rampenlicht zu heben, zumal Schleswig-Holstein bei den Lebenswissenschaften – vor allem im Bereich Pharma, Medizintechnik und Biotechnologie – besonders gut aufgestellt ist. «Diese Branche hat enorme Zukunftschancen – nicht zuletzt wegen der immer älter werdenden Gesellschaft und der wachsenden Nachfrage nach personalisierter Medizin», sagte der Minister bei dem Treffen. Er erinnerte allerdings auch an die großen Herausforderungen durch eine verschärfte Handelspolitik und hohe regulatorische Anforderungen. Ein Schlüssel zum Erfolg liegt nach Ansicht von Madsen künftig auch in einer engeren Verzahnung von Kliniken, Forschung und Wirtschaft sowie Künstlicher Intelligenz (KI) als Treiber der nächsten Entwicklungsphase im Bereich Life Science.
Die Strategie von LSN steht nach den Worten von Geschäftsführer Oliver Schacht vor allem auf zwei Säulen – die wissenschaftlichen Einrichtungen einerseits sowie innovative Startups, etablierte Mittelständler, aber auch große Unternehmen wie Philips, Olympus, Eppendorf oder Evotec, die in der industriellen Gesundheitswirtschaft, vor allem in Feldern wie Biotech, Pharma, Medizintechnik und Digital Health, tätig sind. Dies umfasst laut Schacht in Hamburg und Schleswig-Holstein rund 600 Akteure und gilt als bedeutender Innovations- und Wirtschaftsfaktor der Region. «Wir haben richtig viele Champions, einige sind jedoch außerhalb unserer Region einfach noch Hidden Champions. Das wollen und werden wir gemeinsam ändern», sagt Schacht.
🌍 Sie kommen aus dem Iran, Syrien, der Ukraine oder aus Afghanistan: Einmal die Woche büffeln Frauen und Männer, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, in einem gemütlichen Altbau mitten in Eutin deutsche Vokabeln und Redewendungen. Geduldig angeleitet von einer Sprachtrainerin. Es ist einer von zahlreichen Sprachkursen des Beratungsnetzswerks „Alle an Bord!“ – eingerichtet für Geflüchtete und vom Land gefördert, um diesen Menschen eine Perspektive für den deutschen Arbeitsmarkt zu eröffnen.
Staatssekretärin Henckel (rechts) mit Teilnehmerinnen des aktuellen Sprachtrainings in der Zentralen Bildungs- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Migranten Schleswig-Holstein (ZBBS)
Heute bekam die Einrichtung Besuch von unserer Arbeits-StaatssekretärinSusanne Henckel. Und die zeigte sich nach ihrer «Schnupperstunde» in der Zentralen Bildungs- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Migranten Schleswig-Holstein (ZBBS) begeistert. 👇
📈 Und auch die Zahlen sprechen für sich: Allein in diesem Jahr bis Anfang Oktober nahmen 536 Geflüchtete am arbeitsmarktbezogenen Sprachtrainings teil, davon 35 in Eutin. Hinzu kommen allein in den Kreisen Plön und Ostholstein 120 Beratungsgespräche. Über 60 Prozent der Interessenten sind Frauen. Rund 65 Prozent der Teilnehmenden stammen aus Kriegs- bzw. Krisengebieten wie der Ukraine, Afghanistan oder Syrien. «Diese große Nachfrage bestätigt, dass wir mit den Angeboten auf dem richtigen Kurs sind», so Henckel.
Bislang ist das Netzwerk zur Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt in Ostholstein, Plön, Steinburg, Dithmarschen, Stormarn, dem Herzogtum Lauenburg und Schleswig-Flensburg sowie in der Stadt Flensburg aktiv. Aufgrund der großen Nachfrage dehnt die Landesregierung das Angebot nun auf das gesamte Land aus und verstärke dafür die Lehrkapazitäten von bisher fünf auf zehn Vollzeitäquivalente. Dies sei durch eine Erhöhung der Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds Plus sowie von Landesmitteln möglich.
Verkehrs-Staatssekretärin Henckel (links) gratuliert Austen zu ihrer neuen Aufgabe
Der Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein GmbH (NAH.SH) wird ab kommendem Jahr von einer Doppelspitze geführt. Dr. Arne Beck (49), bisher alleiniger Geschäftsführer, wird Sprecher der Geschäftsführung. Er bekommt ab dem 16. Januar Verstärkung durch die neue kaufmännische Geschäftsführerin Birgit Austen. Die 54 Jahre alte Verwaltungswirtin mit einem Master in BWL kommt vom Kieler Institut für Weltwirtschaft, wo sie zuletzt als Geschäftsführende Administrative Direktorin tätig war.
„Mit Frau Austen haben wir eine überaus erfahrene Führungskraft gewonnen. Sie kennt alle Herausforderungen, denen sich eine Institution in öffentlicher Hand angesichts knapper Kassen gegenüber sieht“, sagte Schleswig-Holsteins Verkehrsstaatssekretärin und NAH.SH-Aufsichtsratsvorsitzende Susanne Henckel am Abend nach der Vertragsunterzeichnung in Kiel. „Genau wie die Wissenschaft ist auch der ÖPNV chronisch unterfinanziert. Hier einen Ausgleich zwischen fachlichen Notwendigkeiten und finanziellen Rahmenbedingungen herzustellen, wird eine der vielfältigen Aufgaben von Frau Austen in der NAH.SH sein“, so Henckel.
Laut Henckel hatten die NAH.SH-Gesellschafter bereits im Frühjahr die Entscheidung getroffen, die Geschäftsführung – analog zu den Verkehrsverbünden in Hamburg und Niedersachsen – auf zwei Köpfe zu verteilen. „Die Themen, die die NAH.SH bewegen, sind inzwischen so vielfältig und komplex, dass eine zweite Geschäftsführung der logische Schritt in der Weiterentwicklung des Unternehmens darstellt“, sagte Henckel. Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung hatten kurz zuvor der Personalie zugestimmt.
Demnach wird sich Beck künftig vor allem auf Infrastrukturprojekte und Verkehrsverträge mit den Eisenbahn- und Busunternehmen im Land konzentrieren und wird zudem Sprecher der Geschäftsführung. Austen wird die Bereiche Fahrgastmarkt und Verbundentwicklung verantworten und somit unter anderem die Themen Tarif, Vertrieb und Finanzierung. Zudem wird Austen Vorständin der Landesanstalt Schienenfahrzeuge Schleswig-Holstein (ZUG.SH) und löst damit Interimsvorstand Bernhard Wewers ab.
Zu ihrer neuen Aufgabe sagte Austen nach der Gesellschafterversammlung: „Als Schleswig-Holsteinerin und Kielerin kenne ich die NAH.SH bislang aus der Fahrgastperspektive. Durch meine bisherige Tätigkeit betrachte ich Schleswig-Holstein auch als Wissenschafts-, Wirtschafts- und Tourismusstandort. Ich weiß, welche zentrale Rolle die NAH.SH für die Menschen im Land und für das Gelingen der Mobilitätswende spielt. Umso mehr freue ich mich, künftig als kaufmännische Geschäftsführerin gemeinsam mit Dr. Arne Beck, dem Team der NAH.SH, dem Land Schleswig-Holstein und den Verbundpartnern die Zukunft des Nahverkehrs im Land aktiv mitzugestalten und die NAH.SH noch schlagkräftiger aufzustellen.“ Die Verbindung mit der Aufgabe als Vorständin der ZUG.SH sei für sie eine schlüssige und reizvolle Ergänzung: „Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten“, so Austen.
NAH.SH-Geschäftsführer Beck begrüßt die Erweiterung der Geschäftsführung: „Mit ihrer langjährigen Erfahrung in der kaufmännischen Steuerung wird Frau Austen einen wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung der NAH.SH GmbH leisten. Darüber ermöglicht es Ihre Co-Rolle als ZUG.SH Vorstand, beide Institutionen noch enger miteinander zu verzahnen und damit insgesamt möglichst schlank aufzustellen.“
Noch denken vermutlich die wenigsten Menschen in Schleswig-Holstein an Schnee und Eisglätte. Doch die Straßenmeistereien im Land haben sich auf die kalte Jahreszeit schon vorbereitet.
In Eckernförde gaben heute Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen und der Direktor des Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH), Frank Quirmbach, symbolisch den Startschuss für die Winterdienst-Saison.
Madsen sagte im Gespräch mit Journalisten – Video starten…
Der Landesbetrieb ist für rund 1.430 Kilometer Bundesstraße, 3.500 Kilometer Landesstraßen und 2.700 Kilometer Kreisstraßen zuständig. Letztere sind die Kreisstraßen der Landkreise, mit denen eine Vereinbarung über den Straßenbetriebsdienst geschlossen wurden. Bei winterlicher Witterung gibt es für alle wichtigen überörtlichen Straßen eine Einsatzrufbereitschaft von morgens 3.00 Uhr bis abends 22.00 Uhr. Auf ausgesuchten hochbelasteten Streckenabschnitten von Bundesstraßen kann auch ein 24-stündiger Streu- und Räumeinsatz durchgeführt werden.
Für den Winterdienst auf den Kreisstraßen, die nicht durch den LBV.SH betrieben werden, sind die jeweiligen Kreise zuständig. Für Gemeindestraßen sind die Gemeinden selbst zuständig. Auf den Autobahnen im Land sorgt die Autobahn GmbH des Bundes dafür, dass die Straßen von Schnee und Eis befreit werden.
Allein der LBV.SH hat unter anderem 326 Schnee- und Keilpflüge, 28 Schneefräsen und 25 Unimogs im Einsatz, hinzu kommen beispielsweise diverse Lastwagen, Schlepper, Streckenkontrollfahrzeuge und Salzladegeräte. Außerdem stehen beim Landesbetrieb eigenen Angaben zufolge 171 Lastwagen privater Unternehmer für den Winterdienst unter Vertrag. Diese sind im Einsatzfall mit Anbau- und Aufsatzgeräten des LBV.SH ausgestattet.
Was kostet der Winterdienst eigentlich?
Die Kosten für den Winterdienst schwanken. So hat der LBV.SH im Winter 2024/25 rund 7,4 Millionen Euro für rutschfeste Straßen und Radwege im Norden ausgegeben. In der Saison 2023/24 waren es etwa 15 Millionen Euro. Grund für die Halbierung war der mildere Winter 2024/25. Einberechnet sind unter anderem die Kosten für das Streugut und für die Arbeitsstunden der Straßenwärterinnen und Straßenwärter sowie der externen Helfer.
Wie viel Streugut wird eingesetzt?
Der jährliche Salzverbrauch ist nach Angaben des LBV.SH abhängig von den Witterungsverhältnissen. Er lag in den vergangenen fünf Jahren im Mittel bei 19.200 Tonnen. Im Winter 2024/25 wurden gut 15.700 Tonnen Salz und rund 5.700 Tonnen Salzsole ausgebracht. Im Winter zuvor wurden 26.400 Tonnen Salz verbraucht. Im Zeitraum der vergangenen 30 Jahre betrug der Salzverbrauch demnach im Minimum 6.900 Tonnen (Winter 2019/2020) und im Maximum 59.300 Tonnen (Winter 2009/2010). Die Zahlen beziehen sich auf die vom LBV betreuten Bundes-, Landes- und Kreisstraßen.
Die Niederlassung Nord der Autobahn GmbH des Bundes hält eigenen Angaben zufolge 18.000 Tonnen Salz für den Winterdienst bereit. Die Niederlassung Nord ist für den Winterdienst im nördlichen Teil Niedersachsens, Schleswig-Holstein und Hamburg zuständig.
Können Streugut nachgeordert oder Reste weiterverwendet werden?
Ja, der LBV.SH kann nach Angaben einer Sprecherin sowohl Salz nachordern als auch Salzreste, die etwa nach einem milden Winter übrig geblieben sind, weiterverwenden.
Die Autobahn GmbH teilte mit, dass für die Niederlassung Nord 20.000 Tonnen Salz und 2.700 Tonnen Sole vertraglich gesichert wurden und sehr kurzfristig geordert werden können.
Weiterer Meilenstein für den Ausbau der Bundesstraße B 5 zwischen Tönning und Husum: Zusammen mit Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Nordfrieslands Landrat Florian Lorenzen und LBV-Chef Quirmbach gab Minister Madsen heute die B-5-Anschlussstelle südlich von Husum frei.
Landrat Florian Lorenzen, Staatssekretär Hirte und Minister Madsen auf dem neuen B-5-Teilstück südlich von Husum
Das 25,5 Millionen Euro teure Bauwerk besteht unter anderem aus einer Brücke, die den örtlichen Verkehr künftig über die Kreisstraße K 137 führt und damit das bisher unfallträchtige Einfädeln von der Kreis- in die B 5 erleichtert. „Das ist ein riesiger Gewinn für die Sicherheit des Verkehrs mit dem positiven Nebeneffekt, dass die Wohngebiete im Süden Husums vom Güterverkehr entlastet werden“, sagte Madsen. Der Kreis und die Stadt sind mit 6,8 Millionen Euro an dem vor fünf Jahren begonnenen Bauvorhaben beteiligt.
Madsen sagte bei der Eröffnung weiter – Video starten…
Bundesstaatssekretär Hirte erinnerte daran, dass es sich bei der Anschlussstelle um einen wichtigen Teil des rund 200 Millionen Euro umfassenden Gesamtausbaus der B 5 zwischen Husum und Tönning handelt: „Die B 5 ist innerhalb Deutschlands eine der ganz zentralen touristischen Routen in Richtung Nordseebäder und zu den Nordfriesischen Inseln. Der Verkehr wird hier laut Prognosen weiter zunehmen“, so Hirte. Umso erfreulicher sei es, dass sich das Projekt gut im Zeitplan befinde. Aktuell laufen seit 2021 die Bauarbeiten auf dem 5,7 Kilometer langen Teilstück zwischen Tönning und Rothenspieker – die Fertigstellung ist für den Jahreswechsel 2026/2027 vorgesehen.
Wie LBV.SH-Direktor Frank Quirmbach erläuterte, sei anschließend geplant, den vier Kilometer langen zweiten Bauabschnitt zwischen den Orten Rothenspieker und Reimersbude parallel zum Fünf-Kilometer-Teilstück zwischen Platenhörn und Husum zu bauen (siehe auch Grafik). Hier seien die Planfeststellungsverfahren bereits kurz vor dem Abschluss. Als letzter Bauabschnitt folge dann das drei Kilometer lange Stück zwischen Reimersbude und Platenhörn. „Wir nehmen diesen Abschnitt zuletzt in Angriff, weil hier eine bis dahin notwendige Umleitungsstrecke Richtung B 202 nach Friedrichstadt verläuft“, so Quirmbach.
Landrat Lorenzen mit Minister Madsen und Staatssekretär Hirte
Nordfriesland Landrat Florian Lorenzen dankte Bund, Land, Stadt und dem LBV.SH für die gute Kooperation: „Die B 5 ist neben der Marschbahn die Lebensader des Kreises Nordfriesland, und der Bereich um Husum herum ist der am meisten befahrene Abschnitt der B 5. Die Stadt Husum und wir haben die Maßnahme aufgrund der hohen Bedeutung mitfinanziert, weil es gerade hier ganz besonders auf die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs ankommt.“ Der Kreis Nordfriesland hatte 2013 den Bau der Verbindungs-Kreisstraße K 138 vor allem zur Entlastung der Wohngebiete in Husum sowie der besseren Anbindung an das überregionale Straßennetz angestoßen.
Und noch ein paar Impressionen von der heutigen Eröffnung:
Mit Blick auf die vom Bund bereitgestellten knapp 20 Millionen Euro sagte Madsen abschließend: „Das Geld ist hier sehr gut investiert – sowohl für die Menschen vor Ort als auch für die Wirtschaft in der Region. Der Ausbau steigert die Lebensqualität und die Verkehrssicherheit der ganzen Westküste und seiner Gäste.“
Die B-5-Anschlussstelle in Zahlen
Länge: 1,2 km Bundesstraße 2,0 km Kreisstraße Bauwerk: Überführung der K 137 über die B 5
Prognose Verkehrsbelastung 2030: rund 17.300 Kfz/d für die Bundesstraße südl. K 137 und rd. 12.000 Kfz/d für die Bundesstraße nördl. K 137, rd. 7.800 Kfz/d für die Kreisstraße
Aus dem vom Bund aufgelegten kreditfinanzierten Sondervermögen stehen Schleswig-Holstein 3,4 Milliarden Euro zu. Ministerpräsident Günther will allein 550 Millionen Euro in die Infrastruktur stecken, aber auch Krankenhäuser modernisieren. Was die Koalition plant…
Mit dem größten Investitionspaket der Landesgeschichte will die schwarz-grüne Koalition Schleswig-Holstein modernisieren. Das Geld aus dem Sondervermögen des Bundes für die Infrastruktur macht die Pläne möglich. «Wir investieren kräftig in die Sicherheit und die Infrastruktur unseres Landes, wir stärken Straßen, Schienen und Häfen genauso wie den Klimaschutz und den gesellschaftlichen Zusammenhalt – und damit das Vertrauen der Menschen in die Funktionsfähigkeit unseres Staates», sagte Ministerpräsident Daniel Günther.
Mit Blick auf die Infrastruktur-Investitionen sagten Ministerpräsident Daniel Günther und Finanzministerin Dr. Silke Scheider (Video starten)
Schleswig-Holstein stehen 3,4 Milliarden Euro aus den Bundesmitteln zu, davon sollen 2,1 Milliarden Euro direkt an die Kommunen fließen. Darauf hatten sich Land und kommunale Landesverbände im Juni verständigt. Aus den 1,3 Milliarden Euro für das Land sind zudem 280 Millionen für den Ganztagsausbau in Städten und Gemeinden vorgesehen.
«Wir starten das größte Investitionsprogramm in der Geschichte Schleswig-Holsteins», sagt Günther und spricht von einem historischen Signal für Wachstum, Klimaschutz, Sicherheit und Zusammenhalt im Land. Die Koalition wolle bis 2030 mit dem Geld jeweils eine Investitionsquote im Landeshaushalt von deutlich mehr als zehn Prozent ermöglichen.
Was mit dem Geld geplant ist
Erste Projekte sollen bereits 2026 starten. Dann werden schätzungsweise 100 bis 200 Millionen Euro investiert, sagt Finanzministerin Silke Schneider (Grüne). Die jährlichen Investitionen würden in den Folgejahren ansteigen. «Mit dem Paket schieben wir zusätzliche und bisher noch nicht ausfinanzierte Maßnahmen an. Die Mittel kommen also on top zu den bestehenden Investitionen.»
Mehr als eine halbe Milliarde Euro sind für Straßen (200 Millionen Euro), Schiene (200 Millionen Euro), die Sanierung von Häfen in Kiel, Lübeck, Brunsbüttel und Hörnum auf Sylt (140 Millionen Euro) und Radwege (10 Millionen Euro) eingeplant. «Wir verbauen die bis 2030», sagt Günther. «Wir wollen den Aufschwung für Schleswig-Holstein – jetzt.»
Minister Madsen (links) mit Fachleuten vor dem Planfeststellungsbeschluss für den Bad-Segeber-Abschnitt der A 20
Bereits am Tag zuvor hatte es vom Berliner Koalitionsausschuss grünes Licht für die zeitweise in Frage stehende Weiterfinanzierung der Autobahn A 20 gegeben. Inzwischen ist klar: Der Bund will den Weiterbau finanziell absichern. Aktuell verhandeln Land und der Naturschutzverband BUND über eine Rücknahme der Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss für den dritten Bauabschnitt der A 20, die Umfahrung von Bad Segeberg.
Im Gespräch mit Journalisten sagte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen dazu (Video starten)
Außerdem stehen unter anderem weitere 200 Millionen Euro für die Modernisierung von Krankenhäusern und 100 Millionen Euro für die soziale Infrastruktur bereit – unter anderem für Frauenhäuser (30 Millionen Euro) und Schwimmhallen (25 Millionen Euro). 36 Millionen Euro sind zudem für den Aufbau eines Zentrums für Bevölkerungsschutz in Kiel sowie eine Erweiterung der Landesfeuerwehrschule in eine Akademie für Bevölkerungsschutz und zivile Verteidigung geplant. 121 Millionen Euro gibt es für Klimaschutz und die Energiewende.
Hafen in Lübeck
«Im direkten Lebensumfeld der Schleswig-Holsteinerinnen und Holsteiner stoßen wir mit Investitionen in Bildungsstätten, die Bahn, in Schwimmbäder, Studierendenwohnheime und Frauenhäuser ganz konkrete Verbesserung an», sagt Finanzministerin Schneider. «Für den Klimaschutz als übergreifende Aufgabe finanzieren wir Maßnahmen in mehreren Bereichen.» Klimaschutz durch energetische Sanierungen senke dauerhaft Kosten.
Schneider verwies darauf, dass die 1,3 Milliarden aus dem schuldenbasierten Sondervermögen für Infrastruktur zusätzlich zu den bereits geplanten Investitionen kämen. Das Geld erhalte Schleswig-Holstein gegen Rechnungsvorlage vom Bund. Weil der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr nicht alle Projekte leisten könne, wolle das Land Geld für Planungsleistungen bereitstellen.
Der Bundestag hatte zuvor mit einem Gesetz zur Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen von Ländern und Kommunen den Weg freigemacht. Der Bundesrat befasst sich damit voraussichtlich am 17. Oktober. Der Landtag in Kiel soll die einzelnen Projekte gemeinsam bei den Haushalten der kommenden Jahre beschließen.
Der Westen sieht sich militärisch von Russlands Aggression herausgefordert. Bei maritimer Sicherheit spielt Schleswig-Holstein eine erhebliche Rolle. Ein neues Netzwerk soll den Norden stärken.
Ministerpräsident Günther und Staatssekretärin Carstens (Mitte) im Austausch mit den Mitgliedern des maritimen Technologie-Netzwerks TechHUB Nord
Mit dem Aufbau eines Innovationsnetzwerks für maritime Sicherheitstechnologien will Schleswig-Holstein die bis 2035 geplante Erneuerung der Flotte der Deutschen Marine vorantreiben und begleiten. Ministerpräsident Daniel Günther gab heute in Kiel zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern der Branche sowie von Hochschulen und der Bundeswehr den symbolischen Startschuss für das neue Netzwerk mit der Bezeichnung „TechHUB SVI Nord“.
„Seit Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine ist die Sicherheit Europas massiv bedroht. Es müssen dringend alle technischen Kompetenzen für eine starke Verteidigung gebündelt werden. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren“, sagte Günther. Schleswig-Holstein könne dazu mit seinen wehrtechnischen Betrieben, seinen findigen Start-Ups, seinen wassernahen Forschungseinrichtungen und Bundeswehreinrichtungen eine Menge in die Waagschale werfen – zugunsten der Marine, aber auch zugunsten der Wirtschaft.
Weiter sagte Günther bei der Pressekonferenz:
Das vom Land mit 230.000 Euro jährlich geförderte und zunächst mit einer zusätzlichen Stelle bei der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WT.SH) angesiedelte Netzwerk versteht sich als norddeutsches Pendant zum bayerischen „TechHUB SVI“. Seit 2022 werden in Erding bei München vor allem neue Technologien mit Fokus auf die Luft- und Raumfahrt getestet. „Wir wollen dieses Spektrum hier im Norden um den maritimen Bereich ergänzen, mit dem Fokus auf autonome Systeme und Sensorik“, so der Ministerpräsident. In Bayern wie in Schleswig-Holstein gehe es darum, dass die Bundeswehr sich des Know-how’s der Unternehmen bediene. Günther: „Nur durch eine konsequente Verknüpfung von Wissenschaft, Wirtschaft und Nutzern entstehen tragfähige Innovationen. Genau das ist unser Ziel.“
Nach den Worten von Wirtschafts-Staatssekretärin Julia Carstens gehe es dabei vor allem darum, dass die Bundeswehr von Produkten und Technologien aus der Wirtschaft profitiere, die sowohl zivil wie auch militärisch nutzbar seien – so genannte dual-use-Anwendungen. „Umgekehrt kann die Deutsche Marine den geschützten Raum des Innovationszentrums nutzen, um mit Unternehmen ins Gespräch zu kommen, die nach den besten Lösungen suchen“, so Carstens. Das Umfeld dazu sei in Schleswig-Holstein ideal – vom U-Boot-Spezialisten TKMS über die Hochschulen und das Helmholtz-Forschungszentrum Geomar bis hin zu der für Schiffe und Marinewaffen zuständigen Wehrtechnischen Dienststelle WTD 71.
Carstens sagte weiter:
Sowohl die WTD 71, als auch die Fachhochschule Kiel, die Innovation GmbH der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, das Wissenschaftszentrum Kiel, Forschungsinstitute sowie Branchenvertreter aus Industrie und Wirtschaftsförderung sagten ihre Unterstützung des Netzwerks heute im Rahmen eines „Letter of Intent“ zu.
Flottillenadmiral Christian Walter Meyer, Kommandeur der Einsatzflotte 1 der Deutschen Marine in Kiel, sagte: „Wir befinden uns in einem Stresstest unserer Wehrhaftigkeit. Die Kieler Einsatzflottille hat deshalb das Ziel, zur Abschreckungsfähigkeit und Verteidigungsbereitschaft beizutragen – und das schnell. Zeit ist der kritische Faktor. Der TechHub kann uns dabei wesentlich helfen und vor allem die Innovationskraft von Forschung und Wirtschaft in die Entwicklungen einbringen. Ich bin deshalb überzeugt, dass das Land mit dem TechHub eine richtige und wichtige Initiative ergreift.“
Weiter sagte Meyer – Audio starten:
„Der Ausbau ziviler und verteidigungstechnischer Zusammenarbeit kann das Innovationspotenzial im Land enorm steigern – gerade in einem hoch spezialisierten Bereich wie der maritimen Sicherheit. Unter Berücksichtigung der Wissenschaftsfreiheit bringen wir uns gerne mit unserer ausgeprägten Anwendungsexpertise ein“, so der Präsident der Fachhochschule Kiel, Professor Björn Christensen.
Christensen sagte weiter:
Nach den Worten von Mark Siever von German Naval Yards sei die maritime Verteidigungsindustrie in Schleswig-Holstein überproportional stark vertreten. „Mit dem TechHUB SVI Nord bündeln wir diese Kräfte und entwickeln Technologien bis zur Marktreife – für ein Silicon Valley maritimer Verteidigungstechnologien, das auch überregionalen Partnern offensteht“, sagte Siever und erklärte weiter:
Schleswig-Holsteins Maritimer Koordinator Andreas Burmester sieht durch das Netzwerk vor allem die Rolle des Landes als Impulsgeber für maritime Sicherheits- und Verteidigungstechnologien gestärkt: „Der TechHUB kann beispielhaft zeigen, wie wir Innovation, Standortentwicklung und sicherheitspolitische Verantwortung erfolgreich zusammenführen.“ Dabei verfolge das Land einen klaren Ansatz: Neben Technologieentwicklung und -transfer sollen auch geeignete Test- und Erprobungsräume, neue Fördermechanismen sowie rechtlich-regulatorische und gesellschaftliche Aspekte aktiv mitgestaltet werden. „Schleswig-Holstein wird damit zur Keimzelle eines Innovationsraums mit nationaler Ausstrahlung“, so Burmester.
Weitere Stimmen von Mitgliedern des Netzwerks:
Volker Herling (Rheinmetall):
Dr. Julia Körner (IHK):
Peter Hauschildt (TKMS)
Dr. Wiebke Müller-Lupp (Wissenschaftszentrum):
Dem Netzwerk sind bislang folgende Firmen, Hochschulen und Institutionen beigetreten:
1. Anschütz GmbH
2. Bayern Innovativ GmbH
3. CAU – Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
4. CAU Innovations GmbH
5. FH Kiel – Fachhochschule Kiel
6. FEZ – Forschungs- und Entwicklungszentrum Fachhochschule Kiel GmbH
7. GERMAN NAVAL YARDS Kiel GmbH
8. IHK SH – Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein
9. KiWi – Kieler Wirtschaftsförderungs- und Strukturentwicklungsgesellschaft mbH
10. Landesregierung Schleswig-Holstein
11. Rheinmetall Electronics GmbH
12. TKMS
13. VdW.SH – Verband der Wirtschaftsförderungen SH e.V. c/o KiWi GmbH Schleswig-Holstein e. V.
14. Wissenschaftszentrum Kiel GmbH
15. Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH)
Beitritt in Kürze beabsichtigt:
16. WTD 71 – Wehrtechnische Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen, Maritime Technologie und Forschung
Neue Chefin, neue Ziele: Mit seiner Bahn-Strategie will Verkehrsminister Patrick Schnieder den bundeseigenen Konzern aus der Krise führen. Wann es für Fahrgäste tatsächlich besser wird, bleibt aber offen. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Madsen lobt die Ankündigung als «ehrlich».
Evelyn Palla und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder heute in Berlin vor der Bundespressekonferenz
«Die Agenda für zufriedene Kunden setzt realistische Ziele und ist ein wichtiger Schritt, um die DB und den gesamten Schienensektor wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Die klaren Ziele – mehr Zuverlässigkeit, wirtschaftliche Stabilität, Gemeinwohlorientierung, schnelle Umsetzung und wirksame Steuerung – greifen zentrale Anliegen der Länder auf», sagte Madsen nach der heutigen Vorstellung der neuen Bahn-Strategie in Berlin.
Schnieder will die Krise der Deutschen Bahn unter anderem mit abgeschwächten Pünktlichkeitszielen und einem Fokus auf Sauberkeit und Sicherheit angehen. Die bisherige Vorständin für den Regionalverkehr, Evelyn Palla, wird den Konzern künftig führen. Sie löst damit den bisherigen Bahnchef Richard Lutz ab, dessen Aus Mitte August bekannt wurde. Schnieder gab zudem das Ziel aus, dass bis Ende 2029 mindestens 70 Prozent der Fernzüge ohne größere Verzögerungen im Netz unterwegs sind. Die bisherigen, deutlich höheren Ziele der Bahn selbst, kritisierte er als «jenseits aller Realität» und als nicht annähernd erreichbar. Die Bahn wollte bereits im Jahr 2027 eine Pünktlichkeit von mindestens 75 Prozent schaffen.
Mittelfristig soll die Quote nun laut Ministerium bei mindestens 80 Prozent liegen, langfristig bei mindestens 90 Prozent. Im Nahverkehr soll die Pünktlichkeit dauerhaft mehr als 90 Prozent betragen. Ein konkreter Zeitraum für diese Ziele geht aus der Strategie nicht hervor. Um die neuen Ziele der Bahn zu erreichen, sei Palla auf dem Chefsessel die beste Kandidatin, sagte Schnieder. Sie folgt auf Bahnchef Richard Lutz, der die vielen Krisen der Bahn in den vergangenen Jahren nicht gelöst hatte. Es habe bei der Suche viele Gespräche gegeben, am Ende sei das Ergebnis eindeutig gewesen, betonte der Minister. Das wichtigste Ziel sei nun die Zuverlässigkeit.
Palla ist seit 2019 bei der Deutschen Bahn. Zunächst war sie Finanzvorständin bei DB Fernverkehr, seit 2022 ist sie für den Regionalverkehr mit rund 780.000 Fahrten monatlich – inklusive aller S-Bahnen – verantwortlich. Die 1973 in Bozen geborene Südtirolerin gilt als empathischer als ihr Vorgänger Lutz, auch charismatischer. DB Regio schrieb unter ihr im ersten Halbjahr wieder schwarze Zahlen.
Für Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Madsen ist entscheidend, dass die Menschen im Land rasch Verbesserungen im Alltag spüren müssen: pünktliche und saubere Züge, attraktive Bahnhöfe, stabile Netze und eine transparente Kundenkommunikation. «Gleichzeitig erwarten die Länder, dass der Bund die zugesagten Mittel zielgerichtet einsetzt und die Digitalisierung sowie die Sanierung der Hochleistungskorridore zügig vorantreibt. Wichtig ist dabei, dass die Interessen der Regionen berücksichtigt werden, beispielsweise die Anbindung von Sylt», so der CDU-Politiker.
Als Vorsitzland im Arbeitskreis Bahnpolitik der Verkehrsministerkonferenz betont Schleswig-Holstein laut Madsen die zentrale Rolle der Länder: Sie tragen Verantwortung für den Nahverkehr, sind Auftraggeber im SPNV und entscheidende Partner bei der Finanzierung und Umsetzung von Infrastruktur- und Digitalisierungsvorhaben. Nur wenn Bund, Länder, DB, Wettbewerbsbahnen, Bauindustrie und Aufgabenträger gemeinsam handeln, könne die dringend notwendige Trendwende auf der Schiene gelingen. Schleswig-Holstein sei daher gern bereit, aktiv an der Gestaltung eines zukunftsfähigen und kundenorientierten Schienenverkehrs mitzuwirken.
Im Gespräch mit Journalisten sagte Madsen heute weiter – Audio starten, Pfeil klicken….
Die neue Bahnchefin wird künftig einem sechsköpfigen Vorstand vorsitzen. Damit fallen in dem Gremium zwei Ressorts weg. Bislang gab es im Konzernvorstand acht Posten, die zurzeit auf sieben Mitglieder aufgeteilt sind. Personalvorstand Martin Seiler ist seit einigen Monaten auch kommissarisch für die Finanzen zuständig. Künftig soll das Ressort Infrastruktur wegfallen, um die Netztochter DB InfraGo stärker vom Mutterkonzern zu entflechten.«Heute drücken wir auf Neustart», sagte Schnieder zur neuen Bahn-Strategie. Sie sieht auch drei «Sofortprogramme für ein besseres Reiseerlebnis» vor:
Das erste soll zu mehr Sicherheit und Sauberkeit an Bahnhöfen führen. Ziel sei es, «eine objektiv wie subjektiv verbesserte Sicherheit und Sauberkeit durch einen Mix aus Personal und Technik» zu erreichen, heißt es darin, etwa durch Videoüberwachung. Das Sofortprogramm soll ab dem ersten Quartal 2026 greifen.
Für eine bessere Kundenkommunikation soll die Fahrgastapp DB Navigator verbessert werden. «Ziel ist, dass Veränderungen im Reiseverlauf in dem Augenblick weitergegeben werden, wenn diese Informationen innerhalb der DB vorliegen», heißt es in der Strategie.
Für mehr Komfort in den Zügen des Fernverkehrs soll die Sauberkeit in den Zügen verbessert werden. Auch das Angebot im Bordbistro soll sich verbessern. Die DB Fernverkehr soll ein Maßnahmenpaket umsetzen, um bereits 2026 spür- und messbare Verbesserungen zu erreichen.
Mit den Vorgaben zur Pünktlichkeit oder zum Komfort im Fernverkehr nimmt der Bund die Bahn nun wie erwartet enger an die Leine. Im ersten Halbjahr war mehr als ein Drittel der Fernzüge der Bahn unpünktlich unterwegs. Im Juli habe es an drei Tagen in Folge weniger als 40 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr gegeben, betonte Schnieder. Das könne nicht so bleiben. Am Montag kam es zu weitreichenden Einschränkungen zwischen Hamburg und Berlin aufgrund von Oberleitungsschäden.
Hauptgrund für die hohe Unzuverlässigkeit ist das marode und überlastete Schienennetz. Schnieder will dafür sorgen, dass die für die Infrastruktur zuständige DB InfraGo künftig eigenständiger und unabhängiger vom Gesamtkonzern agieren kann. Dafür werde etwa geprüft, ob der bisherige Beherrschungsvertrag zwischen Bahn und InfraGo fortbestehen soll. Eine Entscheidung darüber soll im ersten Halbjahr 2026 fallen. Die Sparte soll zudem eindeutiger auf das Gemeinwohl ausgerichtet werden. Gewinne sollen nur insofern erzielt werden, als dass sie diesem Ziel zugutekommen.
Bei der InfraGo plant Schnieder ebenfalls einen Wechsel an der Spitze: Dirk Rompf soll den Österreicher Philipp Nagl ersetzen. Rompf ist seit 2021 Geschäftsführer bei der Strategieberatung Ifok. Davor war er jahrelang Vorstand der DB Netz AG, dem Vorgänger-Unternehmen der DB InfraGo. Über die Personalie muss noch der Aufsichtsrat der InfraGo entscheiden. Laut einem Bericht des «Tagesspiegel» gibt es in dem Gremium auf Arbeitnehmerseite erheblichen Widerstand.
Nagl gilt als ausgewiesener Bahn-Fachmann. Unter seiner Leitung wurde der jahrelange Verfall des Schienennetzes gestoppt. Er ist einer der Köpfe hinter dem sogenannten Generalsanierungskonzept, der umfassenden Sanierung von mehr als 40 vielbefahrenen Bahnstrecken. Rompf war Netz-Chef unter dem damaligen Konzernvorstand Ronald Pofalla. In dieser Zeit verfiel die Infrastruktur zunehmend, weil zu wenig Geld in den Erhalt investiert wurde.
An dem Konzept der Generalsanierung hält Schnieder in seiner neuen Strategie fest. Es sieht vor, dass bis 2036 mehr als 40 besonders wichtige Strecken grundlegend modernisiert werden. Ziel ist es, auf diese Weise die Zahl der Baustellen nach und nach zu reduzieren und den Zugverkehr wieder zuverlässiger fahren zu lassen. «Die Kunden müssen sich auf die angebotene Leistung der DB AG verlassen können, optimal informiert sein und sich gleichzeitig wohlfühlen, wenn sie das System Schiene nutzen», heißt es in der Strategie. Das Ziel «spürbare Zuverlässigkeit» habe für den Bund die höchste Priorität.
Weniger Gäste-Stress in den Tourismus-Hotspots des echten Nordens dank Forschung? Um Besucherströme in den Besucher-Hochburgen des Landes künftig gezielter und besser zu lenken, fördert die Landesregierung ein dreijähriges Forschungsprojekt der Fachhochschulen in Kiel und Heide.
Tourismus-Staatssekretärin Julia Carstens mit den beiden FH-Experten Prof. Prange (rechts) und Prof. Reif
Wirtschafts- und Tourismus-Staatssekretärin Julia Carstens übergab dazu am Abend an Vertreter beider Hochschulen einen Förderbescheid über rund 670.000 Euro. „Ob Überlastungen an Stränden, an Ausflugszielen oder in kleinen Orten – der Gästeandrang beeinträchtigt häufig nicht nur die Aufenthaltsqualität für Besucher selbst, sondern auch das alltägliche Leben von Einheimischen. Darum ist ein effizientes Besuchermanagement für beide Seiten von größtem Nutzen und alle Mühen wert“, sagte Carstens.
Sie erinnerte daran, dass durch bisherige Projekte wie das „Landesweite digitale Besuchermanagementsystem für den Tourismus in Schleswig-Holstein“ (LAB-TOUR SH) oder den „AI-basierten Recommender für nachhaltigen Tourismus“ (AIR) bereits wichtige Grundlagen in dem Bereich geschaffen worden seien. „Und genau daran knüpft das neue Projekt ,Data, People, Management: Digitales Besuchermanagement 2.0‘ an, in dem die bisherigen Erkenntnisse weiterführt und praxisnah ausgebaut werden“, so Carstens. Digitale Besucherlenkung umfasse dabei vielfältige Aspekte – von Echtzeit-Informationen über Auslastungen und Wartezeiten bis hin zu personalisierten Empfehlungen für alternative Routen oder Attraktionen. „Der gezielte Einsatz digitaler Technologien ermöglicht es, Besucherströme intelligent zu steuern, Hotspots zu entlasten und weniger bekannte Orte in den Fokus zu rücken. So profitieren sowohl die Gäste, die eine bessere Erlebnisqualität erfahren, als auch die Einheimischen und die Umwelt.“
Besuchermagnet Kieler Woche
Die beteiligten Fachhochschulen arbeiten eng zusammen, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Nach den Worten von Projektleiter Prof. Dr. Julian Reif vom Deutschen Institut für Tourismusforschung der Fachhochschule Westküste untersucht sein Team, welchen Stellenwert das Besuchermanagement aktuell in Schleswig-Holstein hat und welche konkreten Schritte daraus zu entwickeln sind, die anschließend in der Praxis erprobt werden. Damit solle ein praxisnaher Fahrplan entstehen, der den Verantwortlichen helfe, Besucherströme zielgerichtet zu lenken und Hotspots zu entlasten. „Besuchermanagement ist und bleibt ein wichtiges Thema für die nachhaltige Tourismusentwicklung und gleichzeitig eine große Herausforderung. Besucherströme lassen sich nicht einfach nach Wunsch lenken. Deshalb ist es entscheidend, die Bedarfe der touristischen Akteurinnen und Akteure genau zu verstehen und Maßnahmen zu entwickeln, die in der Praxis funktionieren. Das Projekt ist ein gutes Beispiel für angewandte Forschung an unserem Institut, das direkt für das Land relevant ist und die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Projekte fortsetzt“, so Reif.
Die Fachhochschule Kiel übernimmt die technischen Entwicklungen im Projekt. Laut Gesamtprojektleiter Prof. Dr. Michael Prange gehe es im Kern um den Aufbau eines so genannten Knowledge-Hub. Dabei handele es sich um eine offene IT-Plattform, die vorhandene, touristisch relevante Daten bündelt, in Form eines Dashboards zugänglich macht und mit Prognosemodellen verknüpft. Prange: „Damit entsteht eine zentrale, praxisorientierte Arbeitsgrundlage für Tourismus-Verantwortliche, die dadurch Besucherströme künftig besser nachvollziehen und auf dieser Basis fundierte Entscheidungen treffen können. Ziel ist, die entwickelte Software und die erfassten Daten im Sinne von Open Source und Open Data allen Tourismus-Institutionen und Unternehmen offen zur Verfügung zu stellen.“ Prange weiter: „Wir brauchen eine modulare und skalierbare Architektur, die nach Abschluss des Projektvorhabens sowohl dezentral als auch zentral selbst oder über IT-Dienstleister frei betrieben und weiterentwickelt werden kann.“
Gefördert wird das Projekt aus dem Landesprogramm Wirtschaft. Verantwortlich für die Projektabwicklung und Koordinierung ist die Forschungs- und Entwicklungszentrum Fachhochschule Kiel GmbH (FuE-Zentrum FH Kiel).
Seit Jahren wird die neue Schleibrücke gebaut. Eigentlich sollte sie schon dieses Jahr fertig werden. Doch es kam zu Verzögerungen. Nun nennt die Bahn ein neues Datum für die Inbetriebnahme.
DB-Konzernbevollmächtigte Ute Plambeck (rechts) und Henning Vocke von der Firma Depenbrock aus Nordrhein-Westfalen erläutern Staatssekretärin Susanne Henckel die Brücken-Baustelle an der Schlei
Die neue Eisenbahn- und Straßenbrücke über die Schlei bei Lindaunis soll 2027 fertiggestellt sein. Das geht aus dem detaillierten Projektzeitplan hervor, den die Deutsche Bahn (DB) gemeinsam mit den Baufirmen am Nachmittag in Boren (Kreis Schleswig-Flensburg) vorgestellt hat. Demnach sollen im dritten Quartal bis Ende 2027 technische Abnahme, Probebetrieb und Freigabe für den Verkehr erfolgen. Nach der Inbetriebnahme sollen die alte Brücke und die zugehörige Schieneninfrastruktur zurückgebaut werden. Dies ist für 2028 geplant, wie die DB weiter mitteilte.
Die Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Hamburg und Schleswig-Holstein, Ute Plambeck sagte, man setze gemeinsam mit den Baufirmen alles daran, die neue Klappbrücke im Jahr 2027 fertigzustellen. Die Fortschritte zeigten, dass konsequent daran gearbeitet werde, die verkehrliche Anbindung der Region nachhaltig zu verbessern. «Auch für unsere Fahrgäste wird die neue Brücke eine Entlastung. Die Züge können dann wieder durchgehend verkehren.»
Im Gespräch mit Journalisten sagte Staatssekretärin Henckel zum Vorhaben der DB weiter – Video starten:
Seit Jahren kann die Schlei bei Boren-Lindaunis nur über eine provisorische Fußgängerbrücke gequert werden. Für Autos und die Bahn ist die Klappbrücke, die seit September 2020 erneuert wird, gesperrt. Ursprünglich sollte der Ersatzbau dieses Jahr stehen, doch es kam immer wieder zu Verzögerungen.
Ein neues Fertigstellungsdatum war lange nicht bekannt. Die Verzögerungen beim Bau der neuen Klappbrücke haben für viel Unmut in der Region gesorgt.
Die Schleibrücke verbindet die Landkreise Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde. Sie ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der Region. Die bestehende Brücke konnte nicht saniert werden und wird daher durch den Neubau ersetzt.
Die neue Brücke wird nach Angaben der Bahn deutlich breiter als die bestehende. Sie erhält einen von der Fahrbahn abgetrennten Geh- und Radweg und zwei Fahrbahnen für den Autoverkehr. In einer der Fahrbahnen wird das Gleis für Züge integriert. Wartezeiten entstehen für Autos dann nur noch, wenn Züge passieren oder die Brücke für den Schiffsverkehr geklappt wird.
Notiz-Blog der Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus