Rohlfs und Tschentscher werben in Dubai für den Medizintechnik-Standort Norddeutschland

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Der Norddeutsche Gemeinschaftsstand der Messe

Schleswig-Holstein und Hamburg zeigen ab heute Flagge auf der weltweit größten Gesundheits- und Medizintechnikmesse, der „Arab Health“ in Dubai: Neben dem Medizintechnik-Konzern Dräger ist zum dritten Mal auch das Kieler Unternehmen Venner Medical (Dänischenhagen) auf der Messe vertreten. Außerdem zum 10. Mal dabei: Das Lübecker Mittelstandsunternehmen „bon Optic“ sowie der Elmshorner Pharma-Zulieferer Inter-Harz.

Wirtschafts-Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs besucht die fünftägige Messe zusammen mit Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher. Zur Stunde sind die beiden Gastgeber des traditionellen Norddeutschen Abends im Vorfeld der eigentlichen Messe, die morgen beginnt. Am heutigen Vormittag stand ein Besuch der Dräger-Niederlassung in der Dubai Healthcare-City auf dem Programm.

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Beim Norddeutschen Abend warb Rohlfs für die breit aufgestellte norddeutsche Gesundheitswirtschaft. „Die Region des gemeinsamen Clusters Life Science Nord der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein bietet eine beachtliche wissenschaftliche und wirtschaftliche Stärke“, sagte Rohlfs vor den rund 150 Gästen. Fünf Universitäten und fünf Fachhochschulen böten Ausbildungen im medizinischen und medizintechnischen Berufsfeld, zwei hochkarätige Universitätsklinika und mehr als 150 weitere Kliniken würden eine sehr gute medizinische Versorgung widerspiegeln. Zudem zeigten auch die rund 50.000 Beschäftigten in der industriellen Gesundheitswirtschaft die starke Präsenz und Stärke der Life Sciences in Norddeutschland – mit wachsender Tendenz“, so Rohlfs weiter. Allein im Bereich Forschung und Entwicklung seien seit 2014 über 1.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden. Rohlfs weiter: „Das zeigt: Hier werden innovative Lösungen zur Prävention, Diagnose, Behandlung und Rehabilitation von Patientinnen vorangetrieben – und die kommen sowohl den Patientinnen und Patienten zugute als auch Norddeutschland als Wirtschaftsstandort.“

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Staatssekretär Rohlfs mit Koen Paredis, Präsident der Dräger-Niederlassung Middle East Africa und Life-Science-Nord-Chef Dr. Hinrich Habeck in der Dräger-Niederlassung in Dubai

Neben dem heutigen Besuch der Dräger-Niederlassung wird Rohlfs am Montag auch zu Gast bei „Venner Medical“ (Dänischenhagen) und bon Optic (Lübeck) sein.

Venner Medical (28 Beschäftigte) ist ein Hersteller und Anbieter von spezialisierten Geräten und Systemen für die Infusionstherapie und für so genanntes Atemwegsmanagement. Die Schwerpunkte liegen im Bereich Anästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin.

bon optic (38 Beschäftigte) ist ein international tätiger Hersteller und Dienstleister im Bereich der Augenheilkunde. Die Produkte umfassen Diagnostik-/Refraktionsgeräte und andere augenärztliche Produkte, wie beispielsweise Autorefraktometer und Topographen.

„Wir möchten die seit Jahren erfolgreiche Messekooperation auf der Arab Health intensiv begleiten, denn die Landesregierung verspricht sich vom Wachstumsmarkt in der Golfregion auch in Zukunft große Chancen für norddeutsche Unternehmen der Gesundheitswirtschaft. Wir wollen den Firmen Türen öffnen, neue Kontakte knüpfen und bestehende Verbindungen pflegen und weiter ausbauen“, sagt Rohlfs. Er erinnerte vor den Gästen des Norddeutschen Abends daran, dass im äußerst finanzstarken arabischen Raum einerseits ein hoher Bedarf an medizintechnischer Ausstattung bestehe, andererseits der Wunsch nach Wissenstransfer und optimaler medizinischer Behandlung. Darum sei es unerlässlich, den Medizintechnik- und Gesundheitsstandort Norddeutschland international wirkungsvoll zu präsentieren.

arab-healthBei der Arab Health stellen in diesem Jahr über 4.000 Firmen aus rund 70 Ländern Innovationen vor. 31 Firmen aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern präsentieren sich am Norddeutschen Gemeinschaftsstand. Die Messe wird jährlich von rund 80.000 Menschen besucht. Ein zentrales Thema der Messe ist die Digitalisierung in der Medizin.

Während  „bon Optic“ nach Angaben von Geschäftsführerin Louise Meiners in Dubai erstmals eine speziell für den außereuropäischen Markt entwickelte Ausrüstung für Augenarztpraxen anbietet, stellt Dräger eine Innovation zur Therapie von Atemnotsyndromen bei Babys und Kindern vor. Diese neuen Geräte sollen laut einer Unternehmenssprecherin vor allem in aufstrebenden Schwellenländern eingesetzt werden. Es handelt sich dabei um eine Methode der nicht-invasiven Atemunterstützung. Damit könnten mehr kleine Patienten Zugang zu einer lebensrettenden Atemtherapie bekommen.

„Dräger bietet mit dieser neuen Lösung und auch mit einem Produkt zum therapeutischen Kühlen von Neugeborenen erstmals Technologien für Wachstumsmärkte an, die in ihre Infrastruktur für die Gesundheitsversorgung investieren – das ist ein riesiges Aushängeschild für den gesamten norddeutschen Gesundheitsstandort“, sagte Rohlfs.

Buchholz: Auch ein glücklicher Mittelstand ist auf gute Fachkräfte angewiesen

Nach einer in dieser Woche veröffentlichten Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young gehören die Mittelständler in Schleswig-Holstein zu den zufriedensten bundesweit. Damit das so bleibt, muss vor allem einem Risikofaktor vorgebeugt werden – dem zunehmenden Mangel an Fachkräften.

Darum hat die Landesregierung die 2012 gestartete Fachkräfteinitiative Schleswig-Holstein (FI.SH) noch einmal gestrafft und inhaltlich nachjustiert. Für Wirtschaftsminister Bernd Buchholz ein Thema, dass zwar den Landtag beschäftigt hat, aber eine noch größere Aufmerksamkeit verdient – seine „Meldung der Woche“ (Video starten)

Sturmflutschäden beschäftigen Landtag – Land bereitet Hilfe für Kommunen vor

Tourismusminister Bernd Buchholz hat den von Sturmschäden betroffenen Ostsee-Gemeinden Hilfe in Aussicht gestellt. Die gemeldeten Schäden seit den beiden Sturmfluten Anfang Januar lägen in der Größenordnung von fünf Millionen Euro, sagte Buchholz heute im Kieler Landtag bei der Vorlage einer vorläufigen Zwischenbilanz der Schäden. Insgesamt seien 35 Schadensorte gemeldet worden, in 16 Orten sei der Schaden gering.

Buchholz nannte keine Summen, mit denen das Land helfen will. Die Sturmsaison sei noch nicht vorbei, oft würden auch zunächst zu hohe Schadenssummen gemeldet. Er verspreche den Kommunen aber eine schnelle Bearbeitung von Anträgen. In den nächsten Wochen sollten bereits Genehmigungen – auch naturschutzrechtlich mögliche – für Sandaufspülungen erteilt werden können. Die Ostersaison sei absehbar, niemand wolle ein Hotel an einem Strand ohne Sand.

Zugleich forderte der Minister ein grundsätzliches Umdenken. Das Land könne nicht jedes Jahr wie 2017 einen Sonderfonds für Sturmflutschäden wie Sandabspülungen auflegen – und dann werde im Jahr darauf der neue Sand von der Ostsee wieder weggespült. Damals seien zwölf Millionen Euro Schäden gemeldet worden, vom Fonds in Höhe von zwei Millionen Euro seien bisher 1,4 Millionen Euro ausgegeben. Notwendig sind laut Buchholz dauerhafte, nachhaltige Lösungen mit Küstenschutzmaßnahmen. Zugleich wies er auf den Zielkonflikt hin, dass die Tourismusorte sich gegen Sandabspülungen oder Steilabbrüche der Küste schützen wollen, die Ostseeküste aber ökologisch eine Ausgleichsküste sei – und da gehörten Abbrüche einfach dazu.

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Diskussion am Rande des Landtags: Schönbergs Bürgermeister Peter A. Kokocinski (2.v.l.) im Gespräch mit dem Minister (rechts), der SPD-Abgeordneten Regina Poersch, dem CDU-Abgeordneten Werner Kalinka und KN-Landeshauskorrespondent Christian Hiersemenzel

Die SPD-Abgeordnete Regina Poersch forderte rasche finanzielle Hilfen für die betroffenen Ostsee-Orte und nicht erst aufgrund einer nach Ende des Winters noch zu erstellenden Schadensbilanz. Das Land solle wie 2017 einen Fonds auflegen und die Hälfte der Schäden übernehmen. Auch der SSW-Abgeordnete Flemming Meyer empfahl einen neuen Fonds. Notwendig sei aber vor allem mehr Küstenschutz an der Ostsee.

Bei den im Januar entstandenen Schäden handelt es sich um Abbrüche und Unterspülungen touristischer Wege, Promenaden und Uferbefestigungen, um Schäden an öffentlicher Strandinfrastruktur sowie als finanziell wohl größtes Problem um massive Sandverluste an den Stränden.

Besonders betroffen scheinen laut Buchholz Sierksdorf, Fehmarn, Heiligenhafen, Wangels, Laboe, Heikendorf, Damp, Schönhagen und Niesgrau/Gelting. Sierksdorf, Heiligenhafen, Fehmarn und Laboe hätten die höchsten Schadenssummen gemeldet. Ausschlaggebend hierfür sind offensichtlich die hohen Sandverluste und die damit verbundenen Kosten für Sandaufspülungen an den Stränden.

2c63f696-7d93-4b6a-b116-797dd5db29f3-3383-0000043a67d18ad4Hier die Landtagsrede von Buchholz

(Audio starten)

 

SH-Mittelständler sind hochzufrieden – Land strafft und justiert Fachkräfe-Initiative neu

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Buchholz (2.v.l.) vergangene Woche bei einem Besuch von Maschinen- und Anlagenbauern. Hier mit Jürgen Holdhof (EDUR Pumpen Kiel), Matthias Pilz (Oerlikon Neumünster), Norbert Basler (Basler AG Ahrensburg) und Thies Petersen (Oerlikon)
Mittelständische Unternehmer in Schleswig-Holstein zählen zu den zufriedensten Deutschlands. In einer Umfrage bewerteten 70 Prozent ihre Geschäftslage mit «gut», wie aus dem heute veröffentlichten Mittelstandsbarometer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hervorgeht. Zufriedener als die Schleswig-Holsteiner sind demnach nur Firmen in Hamburg und in Bayern. Das nördlichste Bundesland liegt damit leicht über dem Bundesdurchschnitt: Deutschlandweit schätzten 65 Prozent der befragten Mittelständler ihre Lage als gut ein.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz zeigte sich ebenfalls zufrieden: „Dieses Ergebnis deckt sich mit meinen Eindrücken bei meinen zahlreichen Betriebsbesuchen im verarbeitenden Gewerbe – zuletzt erst vor einer Woche bei einer Tour durch Maschinenbaufirmen“, so der Minister.

Eher im Mittelfeld landete Schleswig-Holstein hingegen in den Kategorien Investitionsbereitschaft und Beschäftigungsprognose: 30 Prozent der Unternehmer gaben in der Umfrage an, in diesem Jahr ihre Investitionen steigern zu wollen, deutschlandweit sind es 31 Prozent. Die Zahl ihrer Angestellten zu erhöhen, planen 38 Prozent der Firmen – genau wie im bundesdeutschen Durchschnitt.

DBBuchholz bezeichnete in dem Zusammenhang die Verfügbarkeit von Fachkräften in den kommenden Jahren als einen der wichtigsten Standort-Faktoren für den Mittelstand. Aus dem Grund habe die Landesregierung in Kiel jetzt auch ihre Fachkräfte-Initiative noch einmal gestrafft und nachjustiert. So hätten sich die Partner der Initiative auf Basis einer 2018 vorgelegten Studie jetzt auf fünf Kernziele sowie maximal acht Handlungsfelder verständigt. „Und akuter Handlungsbedarf besteht“, so der Minister. Die neue Studie gehe für das Jahr 2035 von einer Fachkräfte-Lücke von bis zu 300.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus. „Es bleibt also unser oberstes und wichtigstes Ziel, Fachkräfte im Land auszubilden und zu halten.“

Zuletzt beschäftigte sich die von 50 Institutionen getragene Initiative nach den Worten von Buchholz mit über 130 Einzelmaßnahmen. Auf diese Weise sei es allen Verantwortlichen zunehmend schwerer gefallen, den Überblick zu behalten. „Nach dem Motto ‚weniger ist mehr‘ haben uns die Experten deshalb nahe gelegt, die Organisation zu verschlanken und die Aktivitäten auf den Bereich Qualifizierung und Ausbildung sowie auf die Branchen mit dem größten Handlungsbedarf zu konzentrieren“, so Buchholz. Die Neuausrichtung sei zwischen dem Wirtschaftsministerium und seinen Kernpartnern in einem Eckpunkte-Papier verankert worden. Partner der Fachkräfteinitiative sind neben dem Unternehmensverband und dem DGB-Nord die IHK Schleswig-Holstein, die Handwerks­kammer Schleswig-Holstein und die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit.

Im Landtag sagte Buchholz dazu heute (Video starten)

Wie Buchholz weiter sagte, seien die berufliche Ausbildung sowie die Fort- und Weiterbildung in Zukunft die beiden zentralen Leitplanken der FI.SH. „Darüber hinaus wollen wir die Erwerbsbeteiligung und Integration auf dem Arbeitsmarkt verbessern.“ Dabei sollen die Branchen der Pflege, des Handwerks, der Logistik und des Hotel- und Gaststättengewerbes sowie Anpassungs- und Qualifizierungserfordernisse im Zuge der Digitalisierung besonders im Fokus stehen. Für eine bessere Steuerung hat sich die Fachkräfteinitiative nach den Worten des Ministers gut messbare Ziele gesetzt: Etwa die Senkung des Anteils an Jugendlichen im Übergangsbereich, die Reduzierung der Quote der Ausbildungsvertragslösungen oder die Erhöhung der Beschäftigungsquote von Frauen. „Denn wir wissen, dass gut qualifizierte Fachkräfte für die Wettbewerbsfähigkeit schleswig-holsteinischer Unternehmen von zentraler Bedeutung sind“, sagte Buchholz.

Zur Ernst & Young-Umfrage schreibt der sh:z:

Jamaika-Koalition bringt neues und entschlacktes Vergabegesetz auf den Weg

Begleitet von Protesten des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat der Landtag heute das bis zuletzt heftig umstrittene neue Vergabegesetz für öffentliche Aufträge verabschiedet. Während die Koalitionsfraktionen mit Unterstützung der AfD von einem „wichtigen Schritt auf dem Weg zum mittelstandsfreundlichsten Bundesland“ sprachen, beklagten SPD und SSW einen Abbau von Sozialstandards und sinkenden Schutz von Arbeitnehmern.

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Im neuen Gesetz seien „unnötige Dopplungen“ gestrichen, das Verfahren durch den Vorrang der Eigenerklärung vereinfacht und auf den „Zwang zur Einhaltung diverser vergabefremder Kriterien“ verzichtet worden, verteidigte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) die Reform. Das bisherige Gesetz habe die selbstgesteckten Ziele nicht erreicht, konstatierte er. Stattdessen sei die mittelständische Wirtschaft bei öffentlichen Aufträgen „massiv benachteiligt“ worden. Kritik wies Buchholz zurück: „Wir schaffen keine Sozialstandards und Ziele auf Nachhaltigkeit ab.“

Zuvor hatte CDU-Wirtschaftsexperte Lukas Kilian daran erinnert, dass der Mittelstand sich in jüngster Vergangenheit wegen zu viel Bürokratie nicht mehr an öffentlichen Vergaben beteiligt habe. Ähnlich äußerte sich FDP-Fraktionschef Christopher Vogt. Das neue Gesetz sei „klar verständlich“, regele alles Wesentliche und steigere die Attraktivität öffentlicher Aufträge.

Das sei „ein schwarzer Tag für Schleswig-Holsteins Arbeitnehmer“ und „eine Schande für unser Land“, ereiferte sich hingegen Thomas Hölck (SPD). Es handle sich um das schlechteste Vergabegesetz in Deutschland, es fördere Lohndumping und es untergrabe die Einhaltung von Menschenrechten. Der Gipfel der Ungerechtigkeit sei aber der Verzicht auf die umfassende Kopplung der Vergabe an die Tariftreue, so Hölck.

Dazu – und zum Vergaberecht insgesamt sagte Buchholz im Landtag (Video starten)

Buchholz appelliert an Studierende in SH: Chance auf Semesterticket nicht verfallen lassen

In anderen Bundesländern ist es seit Jahren ein Erfolgsmodell, in Schleswig-Holstein tun sich die Studierenden mit der Einführung eines landesweiten Semestertickets noch schwer: Die Studentenparlamente der Fachhochschulen in Flensburg und Heide haben dem Vorhaben – unter Hinweis auf rechtliche Bedenken – in den letzten Tagen ihre Zustimmung verweigert. Demgegenüber haben bisher fünf Hochschulen (die insgesamt 42 Prozent aller Studierenden vertreten) ihr „Ja“ zur Einführung signalisiert.

An diesem Wochenende wird die Entscheidung an den Kieler Hochschulen fallen. Für Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz eine Gelegenheit, seine „Meldung der Woche“ einem Appell an die Studentinnen und Studenten des echten Nordens zu richten.

SH-Tourismus: Selbst der November boomte – Buchholz lässt Strategie nachjustieren

Die Tourismusbranche im echten Norden freut sich über neue Rekordwerte. Von Januar bis November vergangenen Jahres zählten die Betriebe mit mindestens zehn Betten insgesamt 8,16 Millionen Übernachtungsgäste und damit 11,4 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Wie das Statistikamt Nord heute weiter berichtete, stieg die Zahl der Übernachtungen um 15,5 Prozent auf fast 32 Millionen. 2018 wurde erstmals die 30-Millionen-Grenze übertroffen. Im Jahr zuvor war das Land noch knapp darunter geblieben.

Bei der Statistik ist zu berücksichtigen, dass im Laufe des Jahres deutlich mehr auskunftspflichtige Betriebe berücksichtigt wurden als zuvor. Im November wurden 449.000 Übernachtungsgäste gezählt und damit 8,7 Prozent mehr als im gleichen Vorjahresmonat. Die Zahl der Übernachtungen erhöhte sich um 6,3 Prozent auf 1,42 Millionen. Die November-Statistik erfasste 3095 Hotels, Ferienhäuser, Pensionen und Ferienanlagen mit insgesamt 201.000 Betten sowie 90 Campingplätze.

2c63f696-7d93-4b6a-b116-797dd5db29f3-3383-0000043a67d18ad4„Diese Zahlen bestätigen eindrucksvoll die erfolgreiche Arbeit der Tourismusbetriebe und -akteure im Land. Die Bestrebungen, Schleswig-Holstein als Urlaubsdestination auch in der Nebensaison wettbewerbsfähig aufzustellen, zeigen damit einen deutlichen Erfolg“, kommentiert Tourismusminister Dr. Bernd Buchholz. Die Landesregierung werde weiterhin die Qualitätsverbesserung im Tourismus unterstützen. Dazu sei eine Zwischenevaluierung der Tourismusstrategie in Auftrag gegeben worden, um den bisherigen Erfolgskurs gegebenenfalls nachzujustieren.  Mit der Untersuchung beauftragt wurde das auf den Tourismus spezialisierte Beratungsunternehmen PROJECT M. „Mit der Expertise werden wir eine Bilanz unserer Tourismusstrategie der letzten fünf Jahre ziehen und auf aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Trends reagieren,“ so Buchholz.

Wie der Minister weiter sagte, habe sich der Schleswig-Holstein-Tourismus im letzten Jahr so positiv entwickelt, dass der echte Norden mit fast 33 Millionen Übernachtungen im Vergleich der Bundesländer mittlerweile auf Platz 5 stehe, noch vor Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Hessen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer sei im Bundesländervergleich mit 4,1 Tagen sogar am höchsten. Auch wenn der November neben Januar und Februar immer noch der drittschwächste Monat im Jahr sei, fänden immer mehr Privat- und Geschäftsreisende Gefallen daran, in der Nebensaison nach Schleswig-Holstein zu reisen.

bettina-bunge-foto_256x256Die Chefin der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (TA.SH), Dr. Bettina Bunge, sagte mit Blick auf die nächsten Jahre: “Für die Zukunft gilt es, Schleswig-Holstein als Ganzjahresziel noch attraktiver zu gestalten und mehr ausländische Gäste für unser Land zu begeistern, aktuell liegt der Prozentsatz nur bei knapp sechs Prozent. Zusätzliche Konferenzen und Tagungen könnten die Hotels und Veranstaltungsstätten noch besser auslasten.“

Maschinenbauer setzen nach Top-Jahr 2018 auf Investitionen und Künstliche Intelligenz

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Diskussion in der Produktion von Oerlikon Neumag in Neumünster (v.l.): EDUR-Chef Jürgen Holdhoff, Minister Buchholz, Oerlikon-Geschäftsführer Matthias Pilz, VDMA-Vizepräsident Norbert Basler und Ties Petersen von Oerlikon-Neumag
„Made in Schleswig-Holstein“ – heiß begehrt rund um den Globus: Hinter den rund 150 Unternehmen und 20.000 Beschäftigten des Maschinenbaus im echten Norden liegt ein glänzendes Jahr. Das bestätigten Spitzen-Vertreter des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) heute bei einem ganztägigen Treffen mit Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP).

Weitgehend unbeeindruckt von Handelskonflikten, Brexit oder eingetrübten Konjunktur-Prognosen verkaufen sich Maschinen und Anlagen aus dem echten Norden scheinbar besser denn je. Bereits 2017 erzielten die Betriebe aus Schleswig-Holstein einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro – Tendenz steigend. Unter den 20 wichtigsten Auslandsmärkten liegen derzeit allein Großbritannien und die Türkei im Minus. In den übrigen Ländern florieren die Geschäfte, vor allem in China Russland, Mexiko, Korea und Japan, aber auch in den meisten europäischen Ländern.

Dank der guten Auftragslage hat etwa der in Neumünster ansässige Maschinenbauer „oerlikon neumag“, Produzent von Anlagen zur Herstellung von Textilfasern und Teppichgarnen, seinen Personalbestand in den letzten zwei Jahren um rund 100 auf aktuell 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hochgefahren. „Und wir erwägen bereits für dieses Jahr weitere Investitionen in Forschung und Entwicklung“, sagt Geschäftsführer Matthias Pilz, ohne bereits Einzelheiten nennen zu wollen.

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Buchholz mit LESER-Chef Klaus
Das  über 200 Jahre alte Familien-Unternehmen LESER in Hohenwestedt bei Rendsburg, europäischer Marktführer für Sicherheitsventile, hat die Erweiterung seines Werks im vergangenen Jahr gerade abgeschlossen. „Eine Investition, um weiter zu wachsen, die Produktivität weiter zu steigern – um langfristig die Wertschöpfung im Land zu behalten“, sagt Geschäftsführer Joachim Klaus.

Um dieses Ziel dauerhaft zu erreichen, sieht Klaus zusammen mit Pilz und Branchenkollegen wie Norbert Basler (Basler AG Ahrensburg), Frank Starke (Caterpillar, Kiel) oder Jürgen Holdhof (EDUR Pumpen, Kiel) eine große Chance im Feld der Künstlichen Intelligenz (KI).

Wirtschaftsminister Buchholz sagte dazu am Rande des heutigen Treffens (Audio starten – „im Browser anhören“)

„Mit dem VDMA und seinem Know-how müssen wir dringend  die Chancen nutzen, die künstliche Intelligenz in der Produktion bietet und damit eine führende Rolle in Deutschland besetzen“, sagt Buchholz. Als Beispiel nannte er die Kieler EDUR-Pumpenfabrik, die zusammen mit anderen Pumpenherstellern eine intelligente Plattform installiert habe, mit der Kunden nicht nur bedient werden, sondern über die auch künftige Anforderungen und Serviceleistungen von Kunden vorausgesagt werden sollen.

Weitere VDMA-Stimmen zum Thema Künstliche Intelligenz:

„Wir brauchen jetzt Tempo und einen innovativen politischen Rahmen“, fordert Norbert Basler, Aufsichtsratsvorsitzender der Basler AG, dem Spezialisten für Industriekameras in Ahrensburg. „Die neuen Anwendungsfelder für unsere Technik wachsen exponentiell und wir können aus den vielen Daten ganz neue Lösungen und Geschäftsideen generieren. Dazu ist aber eine gemeinsame und abgestimmte Entwicklung notwendig, die nicht durch enge Vorschriften vorschnell abgebremst wird. Es gilt einen Flickenteppich in der Digital- und Datenpolitik zu vermeiden.“

Joachim Klaus, Geschäftsführer der LESER GmbH in Hohenwestedt stellt Sicherheitsventile für viele Branchen weltweit her. „Wir erwarten, dass KI in Zukunft eine zunehmende Rolle spielen wird und beispielsweise selbstlernende Maschinen zu einer effizienteren Produktion und damit zu mehr Wettbewerbsfähigkeit beitragen“.

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Bei Catarpillar-Chef Frank Starke (2.v.l.) in der Produktion
Aus Sicht der effizienten Schifffahrt und der Klimaneutralität sieht Dr. Frank Starke, Geschäftsführer Caterpillar Motoren, Kiel, die neuen digitalen Möglichkeiten. „KI-Technologien wie beispielsweise „maschinelles Lernen“ werden in der Industrie bereits erfolgreich angewandt, etwa bei der Erkennung von Mustern zur Fehlererkennung oder bei der Fernwartung von Maschinen. Hier haben wir bereits viel Erfahrungen im Service und nutzen die neuen Entwicklungen zur Verminderung des Kraftstoffverbrauchs im weltweiten Seehandel. Gleichzeitig wollen wir mit dem Projekt „Maritime Energiewende“ in Richtung des klimaneutralen Schiffverkehrs forschen und so die gesetzten CO2- Ziele gemeinsam mit der Politik in Schleswig- Holstein erreichen.“

Matthias Pilz, Standortleiter bei Oerlikon Neumag in Neumünster sieht die Digitalisierung der Arbeitswelt als wichtigen Baustein bei der Umsetzung neuer Geschäftsideen. „Die neue Arbeitswelt mit KI (er-)fordert den Menschen. Wir müssen unsere Mitarbeiter beim lebenslangen Lernen unterstützen und sie frühzeitig in unsere Überlegungen mit einbeziehen. Dazu gilt es gemeinsam mit der Politik jetzt einen Masterplan für Aus- und Weiterbildung zu erstellen,“ erläutert Pilz. „Auch in unserem Unternehmen nutzen wir die neuen Möglichkeiten, um den Vorsprung im globalen Wettbewerb auszubauen. Wir brauchen aber den richtigen Nachwuchs mit dem Know-how im Software und Hardware-Umfeld“.

Jürgen Holdhof, Geschäftsführer EDUR-Pumpenfabrik Kiel: „Wir müssen die Chancen für unsere Industrie jetzt nutzen und unsere Führungsrolle in unserer Branche verteidigen. Wir haben jetzt zusammen mit anderen Pumpenherstellern eine intelligente Plattform installiert, mit der wir neue Kunden mit Systemlösungen bedienen können und die Kundenanforderungen und Serviceleistungen in Zukunft mit KI voraussagen möchten.“

VDMA-Geschäftsführer Jörg Mutschler ist zufrieden: „KI ist eine Schlüsseltechnologie, um unseren Vorsprung in der industriellen Produktion ausbauen zu können. Im Industrieland Deutschland und hier in Schleswig- Holstein wird eine erfolgreiche Umsetzung der KI-Strategie wesentlich über den Maschinenbau führen. Der heutige Tag hat gezeigt, wie wichtig der Informationsaustausch und die konstruktive Diskussion zwischen Politik und Wirtschaft für den Standort ist. Wir danken Minister Buchholz für sein großes Engagement“.

Und so berichten die „Kieler Nachrichten“

Buchholz erläutert Erdarbeiten am geplanten Autobahnkreuz A 7/A 20 bei Bad Bramstedt

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Die zwischen Weihnachten und Neujahr aufgekommene Aufregung um Erdarbeiten am Autobahnkreuz zwischen der A 7 und der geplanten A 20 bei Bad Bramstedt beschäftigte heute den Wirtschaftsausschuss des Kieler Landtags. Dabei stellte Verkehrsminister Bernd Buchholz einmal mehr klar, dass die strittigen Vorbereitungsarbeiten zur Verlegung einer Kreisstraße über die A 7 aktuell ruhen. Sowohl für die mit dem Projekt beauftragte Infrastrukturgesellschaft DEGES als auch für das Land stehe außer Frage stehe, dass kein Meter A 20 oder A 7 ohne Baurecht geschaffen werde. „Ich glaube auch, dass niemand in diesem Land ernsthaft auf den Gedanken kommen würde, dass wir am Gesetzgeber vorbei – sozusagen heimlich – die A 20 in diesem Abschnitt beginnen“, sagte Buchholz vor den Abgeordneten.

Richtig sei, dass die von der DEGES beauftragte Baufirma nach dem A-20-Urteil des Bundesverwaltungsgerichts im November noch Erdarbeiten vorgenommen habe, obwohl ein dafür vor dem Urteil noch gültiger Beschluss hinfällig gewesen sei.

Im Wirtschaftsausschuss sagte Buchholz dazu (Audio starten – „im Browser anhören“)

Hintergrund: Ab Oktober 2018 wurden östlich und westlich der A7 alte landwirtschaftliche Gebäude abgerissen und Erdarbeiten – insbesondere der Auftrag von Mutterboden – vorgenommen. Die betreffenden Gebäude und Grundstücke standen und stehen im Eigentum des Bundes.

Bei Verkündung des A-20-Urteils am 27. November waren diese Arbeiten teilweise bereits beendet, teilweise wurden sie danach noch fortgeführt. Insbesondere bei dem Gebäudeabriss handelte es sich laut DEGES lediglich um Restarbeiten, die bereits aus Gründen der dem Eigentümer obliegenden „Verkehrssicherungspflicht“ fertigzustellen waren.

Laut DEGES hätten also allenfalls die nach dem 27. November 2018 erfolgten Erdarbeiten möglicherweise genehmigt werden müssen. Eine Verletzung von umwelt- bzw. naturschutzrechtlicher Vorschriften sei damit aber nicht verbunden. Ob die bereits aufgetragenen Erdmassen, da die Arbeiten unplanmäßig abgebrochen wurden, noch gesichert werden müssen, werde derzeit geprüft und mit dem Amt für Planfeststellung Verkehr (APV) abgestimmt.

Buchholz: Land und Wirtschaft sind auf alle Brexit-Optionen vorbereitet

EU - UK Brexit

Schleswig-Holsteins Landesregierung hat sich nach Darstellung von Europaministerin Sabine Sütterlin-Waack und Wirtschaftsminister Bernd Buchholz frühzeitig auf alle Brexit-Szenarien vorbereitet. Für den Fall eines geordneten Austritts Großbritanniens aus der EU habe das Land einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der am Dienstag vom Kabinett beschlossen worden sei.

Das britische Parlament hatte das Austrittsabkommen mit der EU gestern Abend klar abgelehnt.  «Mit den geplanten Regelungen wollen wir für Schleswig-Holstein sicherstellen, in der im Austrittsabkommen vorgesehenen Übergangsphase – also bis mindestens Ende 2020 – Kontinuität im Wirtschafts- und Rechtsverkehr mit Großbritannien zu haben», erläuterte Sütterlin-Waack für den Fall, dass es doch einen geordneten Brexit gibt. «In diesem Zeitraum soll deshalb das Vereinigte Königreich im Landesrecht weiterhin als Mitgliedstaat der Europäischen Union gelten.» Nach dem Gesetzentwurf blieben besonders auch die Rechte der in Schleswig-Holstein lebenden britischen Staatsbürger im Wesentlichen unverändert. Eine Ausnahme stelle das Kommunalwahlrecht dar, das für britische Staatsangehörige unmittelbar mit dem Austritt entfallen würde.

Zu möglichen Auswirkungen auf die schleswig-holsteinische Wirtschaft und Hilfsangeboten sagte Wirtschaftsminister Buchholz (Audio starten – „im Browser anhören“)

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Unterdessen hat der Kieler Ökonom Dennis Snower die Ablehnung des Brexit-Vertrages mit der EU durch das britische Parlament als eine tragische Entscheidung bezeichnet. Damit werde ein «No Deal» hochwahrscheinlich, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft am Mittwoch. «Ein «No Deal» bedeutet nicht einfach nur Güterhandel mit Zöllen, sondern dürfte den Handel zwischen der EU und Großbritannien vorübergehend komplett zum Erliegen bringen.» Vor allem die britische Wirtschaft müsse sich dann auf gewaltige Einschnitte vorbereiten.

«Denn es fehlt jegliche personelle und physische Infrastruktur, um einen Handel ohne Abkommen zu kontrollieren», erläuterte der Wirtschaftswissenschaftler. Dies reiche von der Überprüfung unterschiedlicher Standards bis hin zur administrativen Erhebung von Steuern und Zöllen. «Diese Infrastruktur komplett aufzubauen, würde nach Expertenschätzungen rund fünf Jahre benötigen, bis dahin würde der Handel unter einer zähen Abwicklung leiden», sagte Snower. Bei Dienstleistungen, bei denen es kein umfassendes Regelwerk wie bei Gütern zwischen Mitgliedern der Welthandelsorganisation WTO gebe, verhalte es sich noch komplizierter, wie die Notfallpläne etwa für den Flugverkehr zeigten. Die Entscheidung des Parlamentes hätte aus Snowers Sicht nur dann etwas Gutes für sich, wenn sie zu einem zweiten Referendum führen würde.

Notiz-Blog der Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus