Premiere in SH: Breites Bündnis von Wirtschaft und Gewekschaften für die Industrie

Rückenwind für eine starke Branche: Land, Wirtschaft und Gewerkschaften schmieden erstmals „Bündnis für Industrie.SH“

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UV-Nord-Chef Fröhlich, Meyer, und DGB-Chef Polkaehn unterzeicnen das „Buendnis für Industrie.SH“

Mit der Unterzeichnung eines „Bündnis für Industrie.SH“ haben sich Landesregierung, Kammern, Gewerkschaften, Wirtschafts- und Industrieverbände sowie Unternehmens- und Arbeitgeberverbände erstmals auf gemeinsame Leitplanken der künftigen Industriepolitik in Schleswig-Holstein verständigt. „Uns ist es wichtig, die Industriepolitik in Schleswig-Holstein auf eine neue strategische und organisatorische Grundlage zu stellen. Ein Ziel dabei ist die stärkere politische Unterstützung der Industrie. Wir wollen eine aktive Industriepolitik, bei der wir nicht nur Zaungäste sind“, sagte Ministerpräsident Torsten Albig heute zur Eröffnung des „Industriepolitischen Kongresses“ beim Unternehmen ACO Severin Ahlmann in Büdelsdorf bei Rendsburg. Dort war vor knapp 190 Jahren mit der „Ahlmann Carlshütte“ das erste Industrieunternehmen des Landes gegründet worden.

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Albig (r) mit Hans-Julius Ahlmann (l)

Wie Albig vor den mehr als 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Fachkongresses sagte, seien bereits vor Monaten in einem ersten Schritt mit allen Bündnispartnern fünf Kernthemen der künftigen Industriepolitik identifiziert und in einem Eckpunktepapier verabschiedet worden. Dabei handelt es sich um die Schwerpunkte „Marketing“, „Digitalisierung“, „Energiewende“, „Fachkräfte“ sowie „Maritime Industrie“. Alle Themen wurden beim Kongress in Workshops diskutiert und vertieft. Zum Bereich der Industrie, die volkswirtschaftlich weitgehend mit dem „verarbeitenden Gewerbe“ gleichzusetzen ist, gehören in Schleswig-Holstein rund 5113 Unternehmen – davon 5015 kleine und mittelständische Betriebe – in denen rund 140.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeiten.

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Meyer im Gespräch mit Moderatorin Harriet Heise (links), UV-Nord-Chef Fröhlich und DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn (r.)

Nach den Worten von Wirtschaftsminister Reinhard Meyer gehe es der Landesregierung darum, die Industrie angesichts des rasanten technologischen und gesellschaftlichen Wandels für die Zukunft wetterfest aufzustellen. „Das wird kein Sprint, sondern ein Marathonlauf, den wir als Land intensiv begleiten werden, für den wir aber vor allem Schub und Impulse aus der Branche selbst benötigen“, appellierte Meyer an die Kongressteilnehmer. „Lassen Sie uns gemeinsam einen Weg finden, wie wir künftig mehr Industriepolitik in Schleswig-Holstein wagen können“, so der Minister.

Im Gespräch mit Uwe Nieber (NDR 1 Welle Nord( sagte Meyer weiter (Audiopfeil klicken)

Besonders mit der Energiewende seien große industriepolitische Chancen verbunden: „Die Erneuerbaren Energien verschaffen uns einen einmaligen Standortvorteil – wir sind heute dank Windenergie eine Erzeugungsregion, wie einst mal das Ruhrgebiet mit seiner Kohle. Diese Chance gilt es zu nutzen, indem wir den hier erzeugten sauberen Strom nicht nur exportieren, sondern ihn auch verwerten und damit Wertschöpfung im Land behalten.“

Sowohl Albig als auch Meyer bezeichneten die Voraussetzungen als ideal: Schleswig-Holstein sei bereits heute ein guter Industriestandort mit hoher Akzeptanz in der Bevölkerung – vom ChemCoastPark in Brunsbüttel über die traditionsreichen Werften oder die Produzenten von Windenergieanlagen bis hin zu den zahlreichen Zulieferer-Betrieben. „Wir sind gut aufgestellt in der Medizintechnik und vielen anderen Branchen. Dafür müssen wir nun aber noch stärker die Werbetrommel rühren, denn vielen ist dies Potenzial noch nicht bekannt genug“, sagte Meyer. Im nächsten Schritt gehe es darum, dass die Bündnispartner für die fünf Themenfelder zügig konkrete Handlungsoptionen erarbeiten.

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Beckmeyer mit Albig

Gastredner auf der Veranstaltung war auch der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Uwe Beckmeyer: „Die Industrie ist der starke Kern der deutschen Wirtschaft. Damit das so bleibt, hat das Bundeswirtschaftsministerium gemeinsam mit 14 Partnern das ,Bündnis für Zukunft‘ ins Leben gerufen. Gemeinsam mit Wirtschaft, Verbänden und Gewerkschaften wollen wir den Industriestandort Deutschland zukunftsfest machen. Unser Ziel ist eine aktive Industriepolitik, die neue Herausforderungen wie den demographischen Wandel oder die Digitalisierung als Chance begreift. Ich freue mich sehr, dass Schleswig-Holstein jetzt eine entsprechende Initiative auf Landesebene startet. Wir brauchen den Schulterschluss aller Akteure.“

Der Vorsitzende des DGB Nord, Uwe Polkaehn, sagte: „Der technische Fortschritt und die Globalisierung von Wertschöpfungsketten stellen besondere Anforderungen an die Qualität der Arbeit – Schleswig-Holsteins Industrie kann hier mit gutem Beispiel vorangehen. Nötig ist ein Masterplan für eine abgestimmte norddeutsche Industriepolitik. Die Digitalisierung verändert bestehende Berufsmuster, Cloud- und Klickworkern dürfen soziale Absicherung und Mitbestimmung nicht vorenthalten werden. Deshalb sind faire Tarifverträge, ordnungspolitische Leitplanken und Investitionen in Bildung und Weiterbildung so wichtig. Die Arbeit der Zukunft kann nur erfolgreich gestaltet werden, wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf Augenhöhe begegnen.“

Der Hauptgeschäftsführer des Unternehmensverbandes Nord, Michael Thomas Fröhlich, machte deutlich: „Ein wichtiges, wenn auch längst fälliges Signal, um Industrieunternehmen am Standort Schleswig-Holstein Perspektiven zu geben. Der Entwicklung vergangener Jahre mit Investitionszurückhaltung und Arbeitsplatzabbau muss entschieden entgegengetreten werden. Insbesondere bei den Anstrengungen zum Gelingen der Energiewende muss mehr Wertschöpfung im Land erzielt werden. Mit der Bündnisunterzeichnung beginnt daher erst die eigentliche Arbeit. Für den Ausbau der digitalen- und der Verkehrsinfrastruktur, für ein Industrieflächenmanagement, für eine abgestimmte Landesplanung, für schnelle und bürokratiearme Genehmigungsverfahren, für mehr Wertschätzung und Akzeptanz in der Gesellschaft. Der Zusammenschluss der heutigen Bündnispartner bietet eine belastbare Grundlage, diesen Herausforderungen gerecht zu werden.“

Jörg Orlemann sagte für die IHK Schleswig-Holstein: „Es muss endlich aufhören, dass die Industrie diskriminiert wird. Es müssen Industrie- und Gewerbegebiete her. Das produzierende Gewerbe braucht Raum. Industrie ist ein Segen für uns alle. Dies müssen auch endlich mal diejenigen zur Kenntnis nehmen, die immer noch meinen, es handelt sich hier um einen Wirtschaftszweig, der die Umwelt ausbeutet und in dem die Menschen körperlich geknechtet werden. Die industrielle Realität sieht völlig anders aus. Industrie steht bei der Wertschöpfung ganz oben und Industrie ist der Innovationstreiber schlechthin. Das muss endlich zur Kenntnis genommen werden. Darum sind auch Veranstaltungen wie diese so wichtig.“

Die IG Metall Küste begrüßte das Bekenntnis der Landesregierung zur Industriepolitik: „Industriepolitik heißt für uns auch gute Arbeit: Es ist deshalb erfreulich, dass das gemeinsame Leitbild nicht nur Infrastruktur und Ansiedlungen, sondern auch Arbeits- und Ausbildungsbedingungen in den Blick nimmt. Entscheidend wird sein, dass die Initiative nicht an den Landesgrenzen halt macht, sondern auch die Zusammenarbeit sowohl mit den norddeutschen Ländern als auch mit den Ostseeanrainerstaaten gestärkt wird“, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

Dr. Nico Fickinger, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands NORDMETALL, mahnte abschließend: „Es ist gut, dass die Landesregierung der Industriepolitik eine neue Aufmerksamkeit schenkt. Sie muss aber sehr bald sehr konkret werden. Wir erkennen eine schleichende Deindustrialisierung. Das gefährdet Wachstum und Wohlstand. Wir brauchen bessere Investitionsbedingungen und vor allem einen Stopp der stetig steigenden Belastungen für Arbeitgeber. Daran kann Schleswig-Holstein auch auf Bundesebene mitwirken.“

Hier Zahlen, Daten und Fakten zur Industrie in Schleswig-Holstein: Wirtschaftsdaten Industrie SH

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