Nachverhandlungen machen Belttunnel 400 Millionen Euro günstiger

Fehmarnbelt-Tunnels wird nach neuen Berechnungen 400 Millionen Euro günstiger

Dialogforum-zum-Fehmarnbelt-Tunnel-in-Eutin_ArtikelQuerDas Mammutprojekt Fehmarnbelt-Tunnel könnte nach neuen Berechnungen doch günstiger werden als zuletzt erwartet. Verhandlungen mit den Bauunternehmen hätten es möglich gemacht, das Budget bei einer längeren Bauzeit und einem Baustart im Jahr 2018 von 7,4 auf rund 7 Milliarden Euro zu senken, geht aus einer heute veröffentlichten neuen Finanzanalyse der Projektgesellschaft Femern A/S hervor. Sollte der Bau erst 2020 beginnen können, läge das Gesamtbudget bei knapp 7,1 Milliarden Euro. Weil die deutsche Genehmigung noch nicht vorliegt, ziehen sich die Baupläne für den geplanten rund 18 Kilometer langen Tunnel zwischen Puttgarden auf Fehmarn und der dänischen Insel Lolland hin.

Frank_NaegeleSchleswig-Holsteins Verkehrs-Staatssekretär Frank Nägele sagte dazu (Audiopfeil klicken):

Zum Hintergrund:

Deutschland und Dänemark haben 2008 einen Staatsvertrag zum Bau des Fehmarnbelt-Tunnels zwischen Puttgarden und dem dänischen Rødby abgeschlossen. Der 18 km lange Fehmarnbelt-Tunnel wird aus einer vierspurigen Autobahn und einer zweigleisigen, elektrifizierten Bahnstrecke bestehen und die Inseln Fehmarn und Lolland miteinander verbinden. Der Tunnel wird über die Aufnahme von Krediten finanziert. Die Kredite werden durch Mautgebühren getilgt, die für die zukünftige Nutzung des Tunnels erhoben werden.

Aktualisierung der Finanzanalyse

Um neue Entwicklungen seit Vorstellung der letzten Wirtschaftlichkeitsberechnung Anfang 2015 zu berücksichtigen, hat Femern A/S eine aktualisierte Finanzanalyse für den Fehmarnbelt-Tunnel erarbeitet und im Februar 2016 dem dänischen Verkehrsministerium übergeben. Die Finanzanalyse wurde zuletzt Februar 2015 aktualisiert. Seitdem hat Femern A/S verbindliche Preisangebote für die vier größten Tunnelbauaufträge erhalten und der Baubeginn hat sich aufgrund des laufenden deutschen Genehmigungsverfahrens auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Zwei Szenarien für die Eröffnung des Tunnels

Die aktualisierte Finanzanalyse beinhaltet zwei Szenarien für die Eröffnung des Tunnels. Sie basieren auf Äußerungen von Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer gegenüber dem dänischen Verkehrs- und Bauminister Hans Christian Schmidt vom 2. Oktober 2015 bezüglich des deutschen Genehmigungsverfahrens. Szenario 1 kalkuliert mit einem Planfeststellungsbeschluss im Jahr 2017, einem Baustart 2018 und einer Eröffnung 2026. Szenario 2 berücksichtigt die mögliche aufschiebende Wirkung potenzieller Klagen nach dem Planfeststellungsbeschluss und kalkuliert daher mit einem Baustart 2020 und einer Eröffnung 2028.

Verlängerung der Bauphase

Das dänische Baugesetz vom 28. April 2015 bewilligt ein maximales Baubudget von umgerechnet 7,4 Mrd. Euro. Davon waren bisher 6,9 Mrd. Euro für die Baukosten und die Vorbereitung des Projekts sowie 0,5 Mrd. Euro als Reserven vorgesehen. In Verhandlungen mit den Bietern für die vier größten Tunnelbauaufträge konnten die Baukosten deutlich gesenkt werden. Kosten konnten vor allem durch eine Verlängerung der Bauphase von sechseinhalb auf achteinhalb Jahre eingespart werden.

Größere Reserven und kürzere Rückzahlungszeit

Durch die Verhandlungen konnte das Projektbudget auf 7,0 Mrd. Euro gesenkt werden (- 0,4 Mrd. Euro). Die im Projektbudget enthaltenen Reserven wurden verdoppelt und betragen jetzt 1 Mrd. Euro (+ 0,5 Mrd. Euro) für einen Baustart im Jahr 2018. Die Rückzahlungszeit der für den Bau aufgenommenen Kredite sinkt dadurch auf 36 Jahre für das Gesamtprojekt (Tunnel und dänische Schienenanbindung), falls die Reserve komplett ausgeschöpft werden müsste.

Mehr Verkehr und weniger Kosten für Betrieb und Wartung

Die aktualisierte Finanzanalyse berücksichtigt gesunkene Kosten für Betrieb, Wartung und Reinvestitionen im Tunnel. Außerdem wird mit geringfügig höheren Verkehrszahlen zum neuen Eröffnungstermin gerechnet. Den Prognosen entsprechend erhöht sich das Verkehrsaufkommen kontinuierlich, so dass 2026 bzw. 2028 ein höheres Verkehrsniveau anzunehmen ist als es bei einer früheren Eröffnung der Fall gewesen wäre.

EU-Fördermittel und Realzinsentwicklung konservativ kalkuliert

Die EU-Fördermittel für das Projekt werden mit 10 statt 18 Prozent der förderungsfähigen Baukosten konservativer kalkuliert als bisher. Die bereits 2015 bewilligten Fördermittel in Höhe von 589 Mio. Euro entsprechen 20 Prozent der förderfähigen Baukosten im Zeitabschnitt 2016-19. Die angenommene Realzinsentwicklung für die aufzunehmenden Baukredite wurde nicht angepasst und wird weiterhin mit 3 Prozent veranschlagt.

Mit Sensitivitätsanalysen und Stresstests geprüft

Mehrere Sensitivitätsanalysen untersuchen die Auswirkung möglicher Änderungen der externen Rahmenbedingungen auf die Wirtschaftlichkeit des Projektes. In einem Stresstest wird darüber hinaus berechnet, wie sehr sich die wichtigsten Rahmenbedingungen des Projekts ändern dürfen, bevor die Rückzahlungszeit eine Schwelle von 50 Jahren übersteigt.

Extern qualitätsgesichert

Die wichtigsten Rahmenbedingungen des Projekts wurden von externen Gutachtern in den vergangenen Monaten qualitätsgesichert. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hat Baukosten, Reserven und Risikoverteilung in den Bauverträgen vor Veröffentlichung der Finanzanalyse geprüft und als angemessen beurteilt. Das Beratungsunternehmen COWI hat die der Wirtschaftlichkeitsberechnung zugrundeliegende Verkehrsprognose untersucht und bewertet sie als realistisch. Beide Untersuchungen wurden durch das Verkehrsministerium in Auftrag gegeben.

Tabelle 1: Aktualisiertes Baubudget, Januar 2016 (2015-Preise)

Fehmarnbelt-Tunnel Baugesetz
Februar 2015
Finanzanalyse
Januar 2016,
Szenario 1,
Baustart 2018
Finanzanalyse
Januar 2016,
Szenario 2,
Baustart 2020
Baukosten (inkl. Vorbereitung des Projekts) 6,9 Mrd. EUR

51,4 Mrd. DKK

6,0 Mrd. EUR

44,9 Mrd. DKK

6,1 Mrd. EUR

45,3 Mrd. DKK

Reserven 0,5 Mrd. EUR

3,7 Mrd. DKK

1,0 Mrd. EUR

7,3 Mrd. DKK

1,0 Mrd. EUR

7,3 Mrd. DKK

Baubudget (gesamt) 7,4 Mrd. EUR

55,1 Mrd. DKK

7,0 Mrd. EUR

52,2 Mrd. DKK

7,0 Mrd. EUR1

52,6 Mrd. DKK

Rückzahlungszeit (Tunnel inkl. dänische Schienenanbindung) 39 Jahre 36 Jahre 36 Jahre

1 Abweichung der Gesamtsumme (in Euro) rundungsbedingt.

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