Milder Winter und Rußland-Sanktionen drücken Industie-Umsätze im Norden

Trotz guter Gesamtprognose: SH-Industrie mit Umsatzrückgängen  – Meyer: „Industrie-Bündnis wichtiger denn je“

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Während das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) nach wie vor von einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent für Deutschland ausgeht, schwächelte die Industrie im Norden im Jahr 2016: Schleswig-Holstein verzeichnet ein Umsatzminus von 2,3 Prozent, Hamburg von 3,7 Prozent. Die größeren Betriebe in Schleswig-Holstein mit jeweils mindestens 50 Beschäftigten erwirtschafteten nach Angaben des Statistikamtes einen Gesamtumsatz von 32,2 Milliarden Euro. Nach überdurchschnittlich starken Rückgängen im ersten Halbjahr gab es aber im letzten Quartal bereits wieder wieder ein Plus von 3,1 Prozent.

Nach den Worten von Wirtschaftsminister Reinhard Meyer ist die Delle vor allem auf starke Rückgänge bei der Mineralölverarbeitung infolge des milden Winters und auf Preiseffekte zurückzuführen. Die Betriebe der Ernährungswirtschaft hätten zudem nach wie vor mit den Russland-Sanktionen, aber auch mit Einbußen beim Inlandsumsatz zu kämpfen. Zwar liegen die Bundeszahlen noch nicht vor, gleichwohl rechnet Meyer auch bundesweit mit einem Rückgang.

Der Branchenführer Maschinenbau büßte in Schleswig-Holstein insgesamt zehn Prozent ein und kam damit auf 5,9 Milliarden Euro. Das Ernährungsgewerbe einschließlich Tabakverarbeitung fiel um sechs Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Die Chemieproduktion sank um drei Prozent auf 2,4 Milliarden Euro, während die Herstellung pharmazeutischer Erzeugnisse um drei Prozent auf ebenfalls 2,4 Milliarden zulegte. Die Mineralölverarbeitung musste – vor allem preisbedingt – weitere Einbußen um 20 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro hinnehmen.

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Erdölverarbeitung in der Raffinerie Heide-Hemmingstedt: Der milde Winter hinterließ Spuren in der Bilanz

Wie Meyer weiter sagte, sei die Entwicklung ein weiterer Beleg dafür, dass das Land mit der Einrichtung eines breiten Industrie-Bündnisses vor anderthalb Jahren die richtigen Weichen gestellt habe. Er sei vor allem erstaunt, dass die Opposition plötzlich mehr Engagement für die Industrie reklamiere, selbst aber über Jahre auf diesem Gebiet restlos untätig gewesen sei. „Wir haben erstmals in der Geschichte des Landes einen deutlichen Schwerpunkt auf Industriepolitik gelegt und ein Referat für Industriepolitik innerhalb der Landesregierung etabliert“, so Meyer. Am 17. März werde das Industrie-Bündnis in Kiel seine Handlungsempfehlungen für einen engeren Schulterschluss der Industriebetriebe auf den Feldern der Maritimen Industrie, der Energiewende und der Digitalisierung von Arbeitsprozessen vorstellen.

Insgesamt ging der Inlandsumsatz der Industrie im echten Norden um sechs Prozent zurück, während das Auslandsgeschäft um drei Prozent wuchs. Dabei nahmen die Exporte in Ländern der Euro-Zone deutlich zu. Die Zahl der Beschäftigten in den 529 erfassten größeren Industriebetrieben stieg im Monatsdurchschnitt um ein Prozent auf 102.800. Der Umsatz je Beschäftigtem sank damit auf rund 313 000 Euro.

Hinsichtlich des gesamtwirtschaftlichen Umfeldes zeigte sich Meyer – gestützt auf die heute vom ifW vorgelegten Zahlen – optimistisch: Verschiedene Frühindikatoren zeigten deutlich nach oben, die Auftragsbücher der Industrie seien voll, so die Konjunkturforscher. Da 2017 verhältnismäßig viele Feiertage auf einen Werktag fallen, werde die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) jedoch hinter der des Vorjahres von 1,9 Prozent zurückbleiben. Für das kommende Jahr erwartet das Institut ein Wachstum von 2,0 Prozent.

 

 

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