Kampf gegen Mikroplastik-Müll und Hafenausbau – Land fördert Helgoland mit 4 Millionen Euro

Schub für Helgoland: SH fördert AWI-Projekt gegen Plastikmüll und Hafenausbau für fast 4 Millionen Euro. 

Bei der traditionellen „Helgoländer Runde“ in Hamburg, einem seit Jahren etablierten Treffpunkt von Wirtschaft, Politik und Journalisten, hatte Schleswig-Holsteins Wirtschafts-Staatssekretär Dr. Frank Nägele heute Abend gute Nachrichten für Deutschlands einzige Hochseeinsel im Gepäck: Er überreichte an Dr. Karsten Wurr vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) und an Bürgermeister Jörg Singer Förderbescheide über insgesamt knapp vier Millionen Euro.

Singer
Nägele (links) mit Singer (mitte) beim Besuch der Hafenbaustelle vor zwei Jahren

Rund 500.000 Euro wird das AWI für ein Projekt zum Aufspüren von Mikroplastik-Müll im Meer verwenden, knapp 3,3 Millionen Euro erhielt Singer nachträglich für die Modernisierung der Südkaje und die Vertiefung des Außenhafens.

Zum Helgoländer AWI-Projekt gegen Plastikmüll:

Meeresverschmutzung durch Plastikmüll ist ein weltweit bekanntes Problem. Aber nicht nur große Kunststoffabfälle wie Plastikflaschen, Tüten, Luftballonschnüre, Joghurtbecher oder gerissene Taue bedrohen Lebewesen. Vor allem kleine Kunststoffteilchen, das so genannte Mikroplastik, birgt ein tödliches Risiko. Nun wollen Forscher aus Schleswig-Holstein dieser bislang noch unsichtbaren Gefahr auf die Schliche kommen: „Mit unserem  Projekt ‚Size is important!’ dringen wir in eine neue Dimension bei der Erforschung von Mikroplastik in der Meeresumwelt vor“, sagt Dr. Karsten Wurr, Verwaltungs­direktor des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI).

Nordfriesland

Bei der Fördersumme von 500.000 Euro handelt es sich nach den Worten von Nägele um die Kofinan­zier­ung des Forschungsprojekts, bei dem Wissenschaftler des AWI gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Itzehoer Fraunhofer Institut für Siliziumtechnologie (ISIT) und Partnern aus der Industrie die technologische Entwicklung auf diesem Feld vorantreiben wollen. Das AWI fördert das Projekt mit dem gleichen Anteil, das Gesamt­volumen beträgt knapp 972.000 Euro. Damit wird die Finanzierung von „Size is important!“ bis Ende Februar 2020 gesichert.

Wie Wurr erkläuterte, wollen die Wissenschaftler unter Leitung von Dr. Gunnar Gerdts Mikroplastik-Partikel im Sub-Mikrometerbereich nachweisen. Die bisher in der Wissenschaft genutzte Methode der so genannten Mikro-Fourier-Transform-Infrarotspektrometrie (µFTIR) kann keine Partikel von weniger als etwa zehn Mikrometer Größe erfassen und analysieren. „Somit ist zurzeit völlig unklar, ob und wie viele kleinste Plastikpartikel –  bis in den Sub-Mikrometer-Bereich – im Meer, in Meeressedimenten oder den Meereslebewesen auftreten“, sagt Gerdts. Analysen internationaler Forscher und des AWI würden allerdings darauf hindeuten, dass in der Umwelt Plastikpartikel von weniger als einem Mikrometer Größe vorliegen könnten. Einen Ausweg bietet die sogenannte Nano-FTIR Technologie an, die erst kürzlich Marktreife erlangt hatte. Gerdts und Kollegen wollen nun in den kommenden drei Jahren diese Technologie für die Analyse von Mikro- und Nanoplastik evaluieren und anhand von Plankton-, Sediment- und Biota-Proben testen.

Zur Förderung des Hafens:

Mit dem Förderbescheid über knapp 3,3 Millionen Euro wird der letzte Abschnitt der insgesamt rund 18,5 Millionen Euro teuren Sanierung des Helgoländer Außenhafens finanziert. Zuvor hatte das Land bereits rund sieben Millionen Euro für das Projekt bewilligt, der Rest wird von der Insel selbst getragen. „Mit der Ertüchtigung der Südkaje und der Vertiefung des Vorhafens hat die Insel einen weiteren konsequenten Schritt getan, sich nicht nur als Tourismus-Destination, sondern auch als Offshore-Service-Stützpunkt sturmfest aufzustellen“, sagte Nägele bei der Übergabe des Bescheids.

Hafen und Krankenhaus, Helgoland Helgoland

Das nächste Vorhaben auf der Insel ist laut Nägele und Bürgermeister Singer bereits in Vorbereitung: Dabei handelt es sich um die Modernisierung des Helgoländer Binnenhafens und den Neubau des Südostufers.  Nach grober Kostenplanung liegt die Investition bei rund 16 Millionen Euro, wobei der Löwenanteil der Kosten auf die Beseitigung alter Munitionsrest entfällt, die teilweise noch aus dem ersten Weltkrieg stammen. „Auch bei diesem Vorhaben wird die Landesregierung die Insel wieder unterstützen und eng begleiten“, versprach Nägele.

Wie der Staatssekretär weiter sagte, habe sich die Windkraftbranche auf der Insel rasch etabliert und auch der von manchem Kritiker befürchtete Konflikt mit dem Tourismus sei ausgeblieben. Nägele: „Die Insel ist dadurch bunter geworden und auch für die Touristen ist die Energiewende etwa über die Ausflugsfahrten zu den Windparks erlebbar geworden und sehr beliebt.“ Die Helgoländer hätten längst erkannt, dass Windenergie weit mehr als Stromerzeugung sei. So sei die „Nordsee-Woche“ um Pfingsten mit den besten deutschen Regatta-Crews  inzwischen ebenso zu einem Top-Event erwachsen wie der „Störtebeker-Cup“, bei dem die jüngsten Segler zwischen Insel und Düne um Regatta-Gold in einem äußerst anspruchsvollen Seerevier kämpfen.

 

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