Mit 23 Partnern gegen den Fachkräftemangel: FI.SH stellt Weichen für die nächsten Jahre

FI.SH: 23 Bündnispartner setzen 9 Leitplanken gegen drohende Fachkräftelücke im echten Norden

Die berufliche Schule Hannah-Arendt-Schule ist ein regionales Bildungszentrum
Starker Nachholbedarf: Pfllegeberufe in Schleswig-Holstein

Mit neun Handlungsempfehlungen haben die 23 Partner der vor fünf Jahren gegründeten Fachkräfteinitiative „Zukunft im Norden“ (FI.SH) ihren Kurs für die nahe Zukunft abgesteckt. Wie Wirtschaftsminister Reinhard Meyer heute zusammen mit Vertretern der Bündnispartner erläuterte, solle unter anderem die Standortkampagne „Schleswig-Holstein. Der echte Norden“ verstärkt für das Anwerben von Fachkräften außerhalb des Landes genutzt sowie das Image der Ausbildungsberufe im Logistikgewerbe verbessert und ein Branchencheck auch für die Industriezweige Chemie und Maritime Wirtschaft eingeführt werden.

China-wichtiger-Wachstumsmotor_ArtikelQuerMeyer sagte nach der heutigen Plenumsitzung

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„Wir haben mit unserem bundesweit einmaligen Bündnis in den letzten Jahren eine Menge erreicht und angeschoben, aber es gibt für uns und vor allem für unser Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung und Weiterbildung noch viel zu tun“, sagte Meyer mit Blick auf die heute vorgelegten Umsetzungs- und Monitoringberichte der Initiative (siehe Anlagen). Schleswig-Holstein biete attraktive Arbeitsplätze – auch in technologisch anspruchsvollen Branchen – und sei ein touristisch gefragtes Land mit im Bundesdurchschnitt mittleren Lebenshaltungskosten. „Darum haben wir das Zeug dazu, uns für die Zukunft wetterfest aufzustellen“, so der Minister.

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Ein Teil der 23 Bündnispartner in der Fachkräfeinitiative: Udo Hansen (rechts, Handwerkskammer), Sebastian Schulze (2.r. , UV-Nord) und Margit Haupt-Koopmann von der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur (mitte)

Nach übereinstimmender Auffassung aller Bündnispartner zeigen sich bereits erste Anzeichen einer drohenden Nachwuchslücke, insbesondere in den Bereichen Pflege, Logistik sowie dem Hotel- und Gaststättengewerbe. „Aktuellen Untersuchungen zufolge wird die Lücke am Arbeitsmarkt in allen Branchen spürbar größer werden und der Trend sich auch durch die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt verstärken“, sagt Meyer. Nach der von der Fachkräfteinitiative in Auftrag gegebene „Arbeitskräfteprojektion 2030“ droht in Schleswig-Holstein innerhalb der nächsten 13 Jahre eine Lücke von bis zu 85.000 Fachkräften im Bereich der mittleren Qualifikationen und von 12.000 Menschen im Bereich der Hochqualifizierten.

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Wie Meyer weiter sagte, werde das Thema „Fachkräfte in Pflegeberufen“ im Landes-pflegeausschuss bearbeitet. Vereinbart wurde die Errichtung einer Zukunftswerkstatt „Pflege“, um eine Strategie zur Fachkräftegewinnung aufzustellen. Aus dem „Bündnis für Industrie“ sei zudem der Themenschwerpunkt „Industrie und Fachkräfte“ hinzugekommen. Für das Logistikgewerbe werden die Unternehmen und Sozialpartner die Einführung eines Quali­tätssiegels prü­fen, das die Fairness bei Bezahlung und Arbeitsbedingungen berück­sichtigt und dar­über hinaus auch umfangreichen Service für Mitarbeiter der siegelbe­rechtigten Unter­nehmen gewährleistet. Dabei sollten die beiden Logistikinitiativen Schleswig-Holsteins und Hamburgs beteiligt werden.

Im Rahmen der Fachkräfteinitiative sollen nach Darstellung der Bündnispartner Qualifizierungs- und Unterstützungsbedarfe, die durch Digitalisierung ausgelöst werden, noch genauer ermittelt und eine Übersicht erstellt werden, welche vorhandenen Weiterbildungsangebote Unternehmen in Schles­wig-Holstein nutzen können. Das Kompetenzzentrum für Fachkräftesicherung und Weiterbildung (KoFW) soll prüfen, ob und in welcher Form sich die Erhebung realisieren lässt.

IMG_1137Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, betonte: „Wie bedeutsam das Engagement aller Arbeitsmarktpartner im Rahmen der landesweiten Fachkräfteinitiative ist, dokumentieren am besten die konkreten Projekte ‚vor Ort‘. Nur ein Beispiel: Wir, die Arbeitsagenturen und Jobcenter des Landes, haben erst kürzlich mit dem Logistikverband Schleswig-Holstein vereinbart, im Sommer eine überregionale Info- und Jobbörse in Neumünster zu veranstalten. Ziel ist es, zwei Herausforderungen – die hohe Personalnachfrage der Branche und die Arbeitsmarktintegration der Schutzsuchenden – miteinander zu verknüpfen und so eine Gewinner-Gewinner-Situation zu schaffen. Denn indem wir für Schutzsuchende und Personalverantwortliche eine Begegnungsmöglichkeit eröffnen und gleichzeitig bedarfsorientierte Qualifizierungsangebote vorstellen, leisten wir einen gemeinsamen Beitrag, um den Logistikstandort Schleswig-Holstein mit seinen aktuell fast 50.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zu stärken und seine Wachstumschancen zu vergrößern. Bereits jetzt haben 20 Unternehmen zugesagt.“

britta_ernst„Die Schülerinnen und Schüler von heute sind die Fachkräfte von morgen. Sie haben die allerbesten Aussichten, einen interessanten, gut bezahlten und sicheren Beruf zu finden“, sagte Bildungsministerin Britta Ernst. Duale Ausbildungen seien ein attraktiver Einstieg in viele interessante Berufe. „Wir werden noch mehr dafür werben, nach der Schule eine Ausbildung zu beginnen“, sagte die Ministerin.

Die Stärkung der beruflichen Bildung sei ein Schwerpunktthema des Ministeriums. In den letzten Jahren seien in Kooperation mit der Wirtschaft viele Angebote zur Berufsorientierung an Schulen entwickelt worden. Viele brauchten allerdings Unterstützung, daher habe das Ministerium den Übergang von der Schule in den Beruf zu einem Schwerpunktthema gemacht. Mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften sei ein Konzept für Jugendberufsagenturen (JBA) erarbeitet worden – und heute seien die ersten sechs JBA eröffnet und leisteten hervorragende Arbeit. „Niemanden zurücklassen, heißt unser Motto. Die JBA bieten für dieses Ziel Beratung am Übergang von der Schule in den Beruf unter einem Dach und aus einer Hand“, betonte die Ministerin.

Das Bildungsministerium habe im vergangenen Jahr erstmals 58 Schulen im Land mit dem Berufswahlsiegel ausgezeichnet und mit einem Schulwettbewerb die „digitale Aufholjagd“ in den Schulen und in der dualen Ausbildung gestartet. „Schule ist der Ort, wo junge Menschen auf die digitale Zukunft vorbereitet werden müssen“, sagte Britta Ernst. Die Landesregierung habe mehr als 850.000 Euro für digitale Bildung im Haushalt 2017 verankert, mit denen digitale Modellschulen im Land gefördert würden. „Wir machen junge Menschen fit für die Zukunft“, sagte Ernst.

Den Wert der dualen Ausbildung bezeichnet auch Geschäftsbereichsleiter Hans Joachim Beckers von der IHK Schleswig-Holstein als wichtigen Baustein in der Fachkräftesicherung: „Nur eine starke berufliche Bildung sichert die praktisch qualifizierten Fachkräfte, die unsere Wirtschaft und Gesellschaft in Zukunft benötigen. Ziel muss die Optimierung der Berufsorientierung und des Übergangs von Schule in Ausbildung sein, damit niemand verloren geht und die Karrierechancen von Aus- und Weiterbildung genutzt werden. Jugendberufsagenturen, Schleswig-Holsteinisches Institut für Berufsbildung, aber auch digitale Lehr- und Lernformate und Integration von Flüchtlingen sind hier wichtige Stichworte.“

Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord machte deutlich, dass „wir nur in gemeinsamer Anstrengung und Verantwortung den Fachkräftebedarf für Schleswig-Holstein sichern können. In unserem Bündnis haben wir diesen Weg erfolgreich be-schritten und werden ihn fortsetzen. Für die nächste Runde müssen wir dazu noch mehr als bisher die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Blick nehmen. Mit prekären Beschäftigungsverhältnissen in Minijobs auf der einen Seite und ausufern-den Arbeitszeiten auf der anderen Seite werden wir den Wettbewerb um Fachkräfte nicht gewinnen. Auch die Digitalisierung der Arbeitswelt beschäftigt Arbeitnehmerin-nen und Arbeitnehmer zunehmend. Sie ist für uns Chance und Herausforderung. Beschäftigte wollen und müssen hier mitgestalten und brauchen dafür auch die Unterstützung der Landesregierung.“

Berufsschule für Köche
Sorgenkind Gastgewerbe: Auch hier sieht die Initiative noch Luft nach oben

UVNord-Geschäftsführer Sebastian Schulze unterstrich, dass die Arbeit der Fachkräfteinitiative sich stetig konkretisiere und in den Unternehmen immer präsenter werde: „Durch Branchenchecks und Imagekampagnen erhalten insbesondere die Branchen hervorragende Unterstützung, die den Fachkräftemangel schon heute deutlich spüren und händeringend Fachkräfte benötigen. Die Versorgung mit Fachkräften ist für die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft in Schleswig-Holstein unerlässlich. Alle Partner der Fachkräfteinitiative ziehen hier an einem Strang und vor allem in die richtige Richtung.“ Das „Kompetenzzentrum für Fachkräftesicherung und Weiterbildung“ (KoFW) sei zudem ein wertvoller Ideengeber.

Udo Hansen, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schleswig-Holstein: „Wichtig ist, die berufliche Bildung als gleichwertig zum Studium zu kommunizieren. Daher muss der Berufsorientierung an den Schulen eine stärkere Bedeutung beigemessen werden. Gerade das Handwerk bietet mit seiner Vielzahl hochmoderner Berufe beste Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten. Und auch für ein späteres Studium wäre eine vorherige Ausbildung in vielerlei Hinsicht hilfreich. Sie trägt zum Fachwissen und zur Persönlichkeitsbildung bei. Und nicht selten führt dann der Weg in den Bereich zurück, in dem beruflich alles begann. Und dies ist im Hinblick auf den ebenfalls fehlenden Führungsnachwuchs von großer Wichtigkeit. Von größter Bedeutung sind aber auch  Bemühungen, die Fachkräfte in den Unternehmen zu halten. Dazu gibt es schon beste Beispiele.“

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