Sparkassen-Tourismusbarometer: Erneut ein deutliches Plus im echten Norden

SH-Tourismus weiter auf Rekordkurs: 2016 verzeichnete der echte Norden ein Übernachtungsplus von 4,1 Prozent

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Meyer mit Frank Behrens (links) und Catrin Homp vom Tourismusverband sowie Reinhard Boll vom Sparkassen und Giroverband Schleswig-Holstein

Mit dem Übernachtungsplus wurde in den gewerblichen Betrieben erstmals die Marke von 28 Millionen Übernachtungen übertroffen. Das ist das Ergebnis des Sparkassen-Tourismusbarometers, das der Tourismusverband Schleswig-Holstein (TVSH) und der Sparkassen- und Giroverband heute gemeinsam in Kiel präsentierten. In diesem Jahr beschäftigt sich die Branche vor allem mit der Frage, wie der Nutzen des Tourismus auch über die klassischen Wachstumsziele hinaus weiter gesteigert werden kann.

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Im Gespräch mit Journalisten sagte Meyer zu den Ergebnissen des Barometers

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Die Zahlen sprechen für sich: Mit einem Plus von rund 1,1 Millionen Übernachtungen im Jahr 2016 wurde sogar das sehr erfolgreiche Vorjahr (rund 27 Mio. Übernachtungen) noch einmal übertroffen. Als bestes Flächenbundesland platzierte sich Schleswig-Holstein damit klar über dem Bundesdurchschnitt (+2,5 Prozent) und wies zum vierten Mal in Folge eine höhere Nachfragedynamik als seine benachbarten Küstenbundesländer auf. Erfreulich ist auch der Blick auf das zunehmende Auslastungsniveau: Die Auslastung der Betten stieg gegenüber dem Vorjahr um 1,2  Punkte auf 37 Prozent.

KlimantTV-SH-Vorsitzender Dr. Jörn Klimant sagte im Gespräch mit RSH-Reporter Andreas Otto

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Und auch bei der Gästezufriedenheit konnte Schleswig-Holstein erneut punkten: Das Land liegt in den Bewertungen auf Online-Plattformen derzeit mit 84,2 von 100 möglichen Indexpunkten hinter Bayern auf Rang zwei im Bundesländervergleich. Bereits 2012 konnten in diesem Bereich Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen überholt werden; die schleswig-holsteinische Nordsee liegt mit 86,4 Punkten sogar auf Platz sechs aller deutschen Tourismusregionen.

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„Die Zahlen belegen ganz deutlich: Schleswig-Holsteins Tourismusstrategie greift“, sagte Wirtschaftsminister Meyer. Positiv sei vor allem das Wachstum in der Nebensaison zu bewerten. So verzeichneten Beherbergungsstätten ab zehn Betten sowie die Campingplätze im Januar und Februar 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2,7 Prozent mehr Gäste und 2,2 Prozent mehr Übernachtungen. Saisonverlängerung spiele eine zentrale Rolle bei der „Marktsicherungsstrategie des Schleswig-Holstein-Tourismus in Zeiten begrenzten Wachstums“. Die Qualitätsoffensive im Tourismus sei mit Unterstützung des Landes erfolgreich: „Viele Urlaubsorte haben in ihre öffentliche touristische Infrastruktur investiert: in neue Promenaden, Seebrücken und Gästeeinrichtungen. In der Folge wurde zum Teil in erheblichem Ausmaß privat investiert“, hob Meyer hervor. An die touristischen Akteure appellierte der Minister, ihre „erfolgreichen Bemühungen um Qualität weiter fortzusetzen“.

Fußspuren am Strand in Kiel Kieler Friedrichsort

Fest steht: Die Branche befindet sich weiter im Wachstum: Der Wirtschaftsfaktor Tourismus wies im vergangenen Jahr erstmals knapp acht Milliarden Euro an Bruttoumsatz aus. Der Anteil des Tourismus am gesamten Primäreinkommen Schleswig-Holsteins liegt damit bei 5,3 Prozent. Dem Land bringt das Steuereinnahmen in Höhe von 245 Millionen Euro.

Der anhaltende touristische Aufschwung schlägt sich mittlerweile auch in den Bilanzen der Betriebe nieder. „Mit der Zimmerauslastung sind auch die Zimmerpreise gestiegen. Allein von 2014 auf 2015 wuchs die Gewinnmarge der Betriebe um 4,5 Prozent. Diese Dynamik versetzt die Branche auch in die Lage, fällige Investitionen zu tätigen“, sagte Reinhard Boll, Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Schleswig-Holstein. Und das ist auch nötig: Neben Neuinvestitionen seien auch Investitionen in den Bestand wichtig, um die Qualität weiter zu steigern und zufriedene Gäste anzulocken. „Hier besteht ganz klar noch Ausbaupotenzial“, so Boll.

Die angeschobenen Qualitätsinitiativen gelte es nun fortzuführen, um auch langfristig bei der Gästezufriedenheit und einer höheren Wertschöpfung punkten zu können, betonte auch Dr. Jörn Klimant, Vorsitzender des Tourismusverbandes Schleswig-Holstein. Der Tourismus im nördlichsten Bundesland sei gefragt, die Zukunft weiter aktiv zu gestalten, neue attraktive Angebote auf den Markt zu bringen und auch die Herausforderungen der Digitalisierung strategisch anzugehen.

Das jährliche Tourismusbarometer ist für die Branche immer auch Anlass, vorauszublicken. So sind  sich die Akteure einig, den Fokus nicht allein auf das quantitative Wachstum auszurichten. „Nicht alle Orte und Regionen in Schleswig-Holstein können, müssen und wollen in gleichem Maße weiterwachsen“, sagte Klimant. Natürlich leiste der Tourismus einen großen Beitrag für die Regionalentwicklung. „Seine positiven Auswirkungen gehen dabei deutlich über ökonomische Effekte hinaus. Die Branche trägt zu einer stärkeren Attraktivität der Region und des Wirtschaftsstandortes sowie zum Ausbau der Infrastruktur bei“, so Klimant. Dies konnte anhand der drei Orte St. Peter-Ording, Grömitz und Berkenthin beispielhaft nachgewiesen werden. So zeigte sich unter anderem, dass der Tourismus ein zusätzliches Angebot an Veranstaltungen, Verkehrs- und Freizeitinfrastruktur schafft. Darüber hinaus ist er wichtiger Arbeitgeber auch für Menschen aus den umliegenden Gemeinden.

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Trotz der zahlreichen positiven Effekte für Orte und Regionen könne der Tourismus insbesondere in Spitzenzeiten Begleiterscheinungen hervorrufen, die teilweise als negativ wahrgenommen und sich fast immer aus der typischen räumlichen beziehungsweise zeitlichen Konzentration von Besuchern ergeben würden. „In Schleswig-Holstein zeigt sich dies punktuell und saisonal vor allem in Verkehrsproblemen und Preissteigerungen. Diese Umstände müssen wir frühzeitig erkennen und ihnen proaktiv begegnen“, sagte Klimant. Wichtige Maßnahmen seinen hier die unmittelbare Kommunikation mit Einwohnern, Wirtschaft und Gästen sowie eine enge Kooperation mit anderen Wirtschaftszweigen mit dem Ziele, regionale Wertschöpfungsketten zu stärken. Hier besteht nach Ansicht der Experten noch Nachholbedarf.

 

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