Buchholz: „Bäderbahn“-Trasse in Lübecker Bucht nicht wirtschaftlich zu betreiben

Belt-Schienenanbindung: Land erteilt „2+1-Variante“ Absage – Buchholz lässt innovative Alternativen untersuchen

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Regionalkonferenz in Oldenburg mit Minister Buchholz (2.v.l.) und dem Chef des FBQ-Dialogforums Christoph Jessen (2.v.r.)

Um den ÖPNV und vor allem den Touristen-Verkehr in der Lübecker Bucht zu modernisieren, arbeitet das Land gemeinsam mit dem Verkehrsverbund NAH.SH an Alternativen zum Erhalt der so genannten Bäderbahn zwischen Lübeck und Neustadt. Wie Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz heute  bei der Fehmarnbelt-Regionalkonferenz in Oldenburg (Kreis Ostholstein) sagte, hätten sein Ministerium und die NAH.SH die im Koalitionsvertrag angekündigte Prüfung für den Erhalt der Bäderbahn, die so genannte 2+1-Variante, jetzt abgeschlossen.

 

„Unsere Experten sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Fortbestand der eingleisigen und nicht elektrifizierten Strecke unwirtschaftlich ist und zudem kaum Ansatzpunkte für ein innovatives Verkehrskonzept für einen modernen Tourismusstandort liefert“, sagte Buchholz. Auch die DB AG hatte bereits im Einvernehmen mit der früheren Landesregierung erklärt, dass der Ausbau der Strecke parallel zur Hinterlandanbindung für den Fehmarnbelttunnel mit neuer Signaltechnik und Elektrifizierung nicht ansatzweise wirtschaftlich darstellbar wäre.

Der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz macht sich ein Bild vom neuen „Hein Schönberg

Zu den Ergebnissen der Regionalkonferenz und zur Bäderbahn sagte Buchholz außerdem

(Audiopfeil klicken)

Wie Buchholz weiter sagte, sei das Ziel der Landesregierung, die Eisenbahnverkehre auf der neuen Trasse zu bündeln und eine Durchbindung von Zügen von Neustadt bis nach Hamburg zu ermöglichen. „Die höheren Geschwindigkeiten lassen damit auch einen durchgehenden Halbstundentakt zwischen Hamburg, Lübeck und Neustadt wahrscheinlicher werden, zumal ein kürzerer Takt obendrein auch wirtschaftlicher wäre“, so der Minister. Er  habe die NAH.SH gebeten, in Zusammenarbeit mit dem Kreis und den Kommunen unter dem Motto „2+X“ nach alternativen Konzepten für die Verknüpfung des künftigen Bahn-Angebots auf der neuen Trasse mit den Verkehrsbedürfnissen der Bewohner der Region und der Touristen zu suchen.

Als Beispiel nannte Buchholz innovative Angebote wie etwa den Einsatz neuer Doppeldecker-Busse sowie Versuchsstrecken mit autonom fahrenden Fahrzeugen.

Ausschuss
Folketing-Mitglieder des dänischen Verkehrsausschusses zu Gast bei Buchholz

Am Tag zuvor hatte Buchholz eine Delegation mit Mitgliedern des dänischen Verkehrsausschusses aus Kopenhagen empfangen. Begleitet wurden die Folketing-Abgeordneten vom dänischen Botschafter Friis Arne Petersen und dem Vorstandsvorsitzenden von Femern A/S, Claus Baunkjær.

Im Mittelpunkt des einstündigen Austauschs stand die Feste Fehmarnsbeltquerung. Die Abgeordneten  betonten den breiten Konsens, von dem das Projekt im dänischen Parlament getragen werde und erkundigten sich nach dem aktuellen Stand des deutschen Planfeststellungsverfahrens. Buchholz bestätigte, dass das Verfahren in gut strukturierten und zeitlich kontrollierten Bahnen laufe. Die Fortschritte seien sichtbar.

Der Vorsitzende des dänischen Verkehrsausschusses lobte das wahrnehmbar hohe Engagement und die Ernsthaftigkeit der Landesregierung in Schleswig-Holstein, das Projekt der Baureife zuzuführen. Dabei kamen auch die Unterschiede der Verwaltungskulturen zur Sprache: Während die Ungeduld auf dänischer Seite steige, mit dem Bau nun endlich zu beginnen, sind laut Buchholz auf deutscher Seite noch einige Schritte zu gehen und Hindernisse zu überbrücken. Sollten sich im laufenden  Verfahren nicht noch etwas Unerwartetes ergeben, stehe der Sommer 2018 als erwartetes Ziel für den Planfeststellungsbeschluss. Anschließend müsse man sich auf ein etwa zweijähriges Klageverfahren einstellen.

Buchholz sprach in diesem Zusammenhang auch die Grenzkontrollen auf der dänischen Seite an. Im Sinne des europäischen Gedankens und des freien Grenzübertritts, sei es grotesk, so Buchholz, an der Grenze zum Nachbarn Kontrollen erleben zu müssen. Er bat die dänischen Politiker, dies zu überdenken.

Die dänische Delegation dankte für den schleswig-holsteinischen Einsatz, den Ersatzbau der Rader Hochbrücke nun sechssspurig planen zu dürfen. Die Jütlandlinie sei für Dänemark eine der wichtigsten Verkehrsadern für die Wirtschaft. Einen Engpass entlang der A 7 könne man sich nicht leisten. In diesem Zusammenhang erinnerte Buchholz daran, dass Schleswig-Holstein sich als Brückenkopf für Skandinavien verstehe und sich auch als Partner für die dänische Wirtschaft anbiete.

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