Marine-Schiffbau vor Auftragswelle – Buchholz mahnt fairen Wettbewerb an

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Rüstungsprojekte in Milliardenhöhe zeichnen sich im Marine-Schiffbau ab – und dürften auch die Auslastung der Kieler Werft von ThyssenKrupp Marine Systems mit 2800 Beschäftigten über Jahre sichern. «Allgemein ist die internationale Marktlage für Marineschiffe gut», sagte heute ein TKMS-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Die internationale Konkurrenz sei stark. «Für «Made in Germany» sehen wir allerdings gute Chancen.» Das gilt nicht nur für nicht-nukleare U-Boote, bei denen TKMS nach eigener Sicht «klar Marktführer» ist, sondern auch für den Überwasserbereich.

Mit Spannung wartet die Branche auf die Entscheidung, welches Konsortium das neue Mehrzweckkampfschiff MKS 180 für die deutsche Marine bauen darf. Am 27. Dezember endet die Frist zur Abgabe für das zweite Angebot. «Daran schließt sich allerdings erst noch die Angebotsauswertung an», teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mit – ohne nähere Angaben zu machen.

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Nur noch drei Bieterkonsortien sollen nach Branchen-Informationen im Rennen sein. TKMS gemeinsam mit der Fr. Lürssen Werft (Hauptsitz Bremen), das niederländische Unternehmen Damen Shipyards Group in Partnerschaft mit Blohm+Voss sowie German Naval Yards als Generalunternehmer. Fr. Lürssen hat doppelte Chancen, denn das Unternehmen hatte 2016 die Hamburger Schiffswerft Blohm+Voss GmbH übernommen. Ursprünglich sollten erst vier MKS 180 geordert werden, inzwischen sind es sechs. Allein die ersten vier MKS 180 werden laut «bundeswehr-journal» (26. April 2017) statt vier rund 4,5 Milliarden Euro kosten, die Auslieferung solle ab 2023 beginnen.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz hat unterdessen die europaweite Ausschreibung deutscher Marine-Schiffe kritisiert. «Wenn deutsche Werften, die zumindest teilweise mittelständisch geprägt sind, mit europäischen Staatswerften konkurrieren müssen, kann kein fairer Wettbewerb stattfinden», sagte er. Es dürfe keine europäischen Ausschreibungen ohne faire Wettbewerbsbedingungen geben. «Die deutschen Werften müssen von den aktuell anstehenden Aufträgen der deutschen Marine profitieren.» Am 27. Dezember läuft die Frist für die Abgabe des zweiten Angebots für das Mehrzweckkampfschiff MKS 180 ab – ein Milliardenauftrag.

«Neben dem Unterwasserbau sollte die Bundesregierung endlich auch den Überwasserbau als Schlüsselindustrie und -technologie anerkennen», sagte Buchholz. Im Bundestag hatten SPD und Union bereits im vergangenen März dies gefordert, um den Technologiestandort Deutschland auch im Bereich der Marine- und Werftindustrie zu stärken. Nationale Referenzprojekte seien im übrigen auch Voraussetzung für Marineaufträge aus dem Ausland, betonte Buchholz.

Zwei politische Entscheidungen nähren Hoffnungen der Rüstungsbranche für die Zukunft: Zum einen die im Dezember beschlossene grundsätzliche Verpflichtung von 25 EU-Ländern für eine weitgehend gemeinsame europäische Verteidigungspolitik – mit real steigenden Verteidigungsausgaben und dem Ziel gemeinsamer Rüstungsprojekte. Zum anderen die von Norwegen und Deutschland vereinbarte strategische Partnerschaft im Marine-Bereich.

Die künftige Kooperation sei so eng wie bisher mit keiner anderen Marine, sagte ein Marinesprecher. Gemeinsam will man eine neue Generation von Flugkörpern – auch für das MKS 180 – entwickeln, um langfristig See- und Landziele auch in großen Entfernungen von etwa 200 Kilometern wirkungsvoll bekämpfen zu können.

Norwegen will vier U-Boote in Kiel von TKMS bauen lassen, die deutsche Marine zwei weitere U-Boote im Rahmen desselben Loses – aber mit eigenen Spezifikationen. Norwegen hat für das U-Boot-Paket umgerechnet etwa 4,3 Milliarden Euro eingeplant. Der Vertrag könnte. 2019 unterzeichnet werden. Die neuen U-Boote für Norwegen sollen ab etwa 2025 und für die deutsche Marine etwa ab 2027 geliefert werden.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und ihre norwegische Kollegin Ine Marie Eriksen Søreide (Foto oben) hatten im August den Marinestützpunkt in Eckernförde besucht. «Norwegen ist für uns der absolute Wunschpartner», sagte von der Leyen. Eriksen Søreide betonte, es handele sich um eine «Win-Win-Situation» und könne ein Beispiel sein für Kooperationen anderer Nato-Staaten. Zum Norwegen-Deal sagte der Firmensprecher: «Für Thyssenkrupp Marine Systems ist dies ein strategisch sehr wichtiges Programm.»

BootNeben den sechs U-Booten für Norwegen und Deutschland hofft TKMS, drei weitere Boote für Israel bauen zu können. Eine Absichtserklärung beider Regierungen für die angeblich 1,5 Milliarden Euro teuren U-Boote wurde bereits unterzeichnet. In Israel laufen wegen des Deals jedoch Korruptionsermittlungen. TKMS wollte sich zu den Chancen für das angestrebte Geschäft nicht äußern. Bis 2021 stehen zwei weitere Boote für Ägypten und vier Boote für Singapur in den Auftragsbüchern von TKMS.

Im Überwasserbereich agiert TKMS als Generalunternehmer und gemeinsam mit Partnern. Fr. Lürssen, Partner von TKMS, erhielt kürzlich einen Großauftrag aus Australien für zwölf Offshore-Patrouillenboote. «Wir bemühen uns gerade um einen Auftrag zum Bau von vier Fregatten für Kolumbien», sagte der TKMS-Sprecher. Für die deutsche Marine baut TKMS in der Arbeitsgemeinschaft Arge F125 gemeinsam mit der Fr. Lürssen Werft vier Fregatten. Bei dem Bau von weiteren Korvetten K130 erhielten TKMS, die Fr. Lürssen Werft sowie German Naval Yards (Kiel) gemeinsam den Zuschlag. «Im Ausland arbeiten wir im Überwasserbereich meist mit lokalen Werften zusammen», sagte der TKMS-Sprecher.

«In Kiel fokussieren wir uns auf den Unterwasserbereich.» Die Administration, etwa der Einkauf oder der Finanzbereich, seien übergreifend für Projekte im Überwasser- und im Unterwasserbereich tätig. Und es würden vermehrt fachübergreifende Teams eingesetzt. So könnten im Falle eines Zuschlags möglicherweise auch Ingenieure aus Kiel an dem Projekt MKS 180 beteiligt werden. Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, setzt TKMS auf «Digital Shipyard», die Digitalisierung der Wertschöpfungskette.

«Darüber hinaus investieren wir aber auch weiter erheblich in neue Tools, Technologien und verbessern unsere internen Prozesse», sagte der Firmensprecher und fügte selbstbewusst hinzu. «Wir wollen den Standard der Marine von morgen entwickeln und fertigen.»

 

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