Azubis dringend gesucht: Land und Arbeitsagentur appellieren an Schüler & Betriebe

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Angesichts eines rechnerischen Überhangs von aktuell rund 2000 freien Ausbildungsplätzen in Schleswig-Holstein haben die Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit (BA), Margit Haupt-Koopmann, und Arbeitsminister Dr. Bernd Buchholz an die angehenden Azubis im Land appelliert, nicht ohne einen Ausbildungsvertrag in die Sommerferien zu starten. „Nutzt die verschiedenen Angebote der Berufsberatung, um Euch bei der Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz helfen zu lassen. Ich kann nur empfehlen, so schnell wie möglich einen Termin für ein Beratungsgespräch zu vereinbaren, die Berufsinformationszentren(BiZ) ‚vor Ort‘ zu besuchen und unsere zahlreichen digitalen Medienangebote zu nutzen“, sagt Haupt-Koopmann heute in Kiel. Die Mai-Zahlen, nach denen rund 9600 offene Lehrstellen knapp 7600 unversorgten Bewerbern gegenüber stehen,  würden klar dokumentieren, dass wenige Monate vor dem Start des Ausbildungsjahres noch gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz bestünden.

Buchholz sagte im Gespräch mit RSH-Reporter Andreas Otto weiter (Audio starten – „im Browser anhören“):

Buchholz erinnerte daran, dass es in Schleswig-Holstein gegenüber dem Vorjahr einen Aufwuchs von gut 900 Ausbildungsplätzen in Schleswig-Holstein gebe und damit die Zahl unbesetzter Lehrstellen um fast 16 Prozent gestiegen sei. „Das heißt, dass bei immerhin rund 330 Ausbildungsberufen noch viel Bewegung im Lehrstellenmarkt ist. Trotzdem wird nicht jeder seinen Traumberuf ergattern und Kompromisse eingehen müssen“, so der Minister. An die Adresse der Unternehmen richtete er den Appell, sich bei der Besetzung der Lehrstellen ebenfalls flexibel zu zeigen: „Manchmal ist der zweite Blick die erste Wahl – auch wenn man eine Bewerberin oder einen Bewerber vor sich hat, der vielleicht nicht gerade mit Zeugnis-Bestnoten antritt.“  Gemeinsames Ziel aller Beteiligten müsse vor allem sein, die schon heute bestehende Fachkräftelücke zu schließen und vor allem frisch ausgebildete Fachkräfte im Land zu halten.

Nicht nur mit Bezug auf die jungen Frauen und Männer, die in Kürze ihr Abitur erhalten, sondern bereits mit Blick auf die Abiturienten des nächsten Jahres, betonte Haupt-Koopmann: „Wir wissen, dass das Thema ‚Studien- und Berufswahl‘ nach dem Abitur für viele junge Menschen nicht immer einfach ist. Daher ist es sinnvoll, sich über alle Alternativen zu informieren. Wichtig ist mir, dass auch die Vorteile und Karrierechancen gesehen werden, die eine betriebliche Ausbildung eröffnet. Ob Mediengestalter in einer Werbeagentur oder Schifffahrtskauffrau in einer internationalen Reederei, ob Fachinformatiker in einem Startup oder Industriekauffrau in einem Industrieunternehmen  –  es gibt attraktive Angebote für Abiturienten.“

Auch Buchholz warb mit Blick auf die fast 30-prozentige Quote an Studienabbrechern in Deutschland für den alternativen Karriereweg über eine Berufsausbildung. „Insbesondere vor dem Hintergrund, dass bei uns im Land immer mehr Handwerksbetriebe händeringend einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin suchen, kann der Weg vom Gesellen über den Meister bis zum Unternehmensgründer oder –nachfolger passender und lukrativer sein als ein Studium.“

Mit Blick auf die aktuelle Situation junger Flüchtlingen am Ausbildungsmarkt sagte RD-Chefin Haupt-Koopmann. „Wesentlich ist bei diesem Thema, dass wir die Chancen sehen, die sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels für das Land eröffnen. Ich habe immer darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um eine Aufgabe handelt, die langfristiges Engagement und Beharrlichkeit erfordert.“

Natürlich komme eine Ausbildung –  aus vielen Gründen –  noch nicht für jeden jungen Flüchtling in Frage. Doch ermutigend ist nach den Worten von Haupt-Koopmann die Datenlage aus dem vergangenen Berufsberatungsjahr. „Ich finde es erfreulich, dass wir Ende September letzten Jahres melden konnten, dass 319 junge Flüchtlinge aus dem Kreis der bei uns gemeldeten Bewerber eine Ausbildung begonnen haben. Und ich gehe davon aus, dass wir bei unserer Bilanz in diesem Jahr eine noch deutliche höhere Zahl nennen werden. Aktuell können wir feststellen, dass sich zahlreiche Bewerberinnen und Bewerber aus dieser Gruppe auf Ausbildungsberufe in den Bereichen Verkauf, Maschinen- Fahrzeug- und Elektrotechnik sowie auf medizinische und nichtmedizinische Gesundheitsberufe konzentrieren.“

Ausbildungsmarkt in Schleswig-Holstein (Mai-Daten)

  • aktuell unbesetzte Ausbildungsplätze: 9.575 / + 1.309 oder +15,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr
  • aktuell unversorgte Bewerber/-innen: 7.564 Bewerber/-innen / – 803
    oder – 9,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr

TOP-TEN der freien Ausbildungsplätze in Schleswig-Holstein:

  • Kaufmann/-frau im Einzelhandel: 809
  • Verkäufer/-in: 652
  • Koch/Köchin: 319
  • Elektroniker/in- Energie-/Gebäudetechnik: 302
  • Anlagenmechaniker/-in: Sanitär-/Heizungs- und Klimatechnik: 292
  • Fachverkäufer/in – Bäckerei: 265
  • Kaufmann/-frau für Büromanagement: 247
  • Hotelfachmann/-frau: 239
  • Fachverkäufer/in – Fleischerei: 233
  • Handelsfachwirt/in (Ausbildung): 219

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