Buchholz und Haupt-Koopmann: Digitalisierung bietet mehr Chancen als Risiken

Die Digitalisierung der Arbeitswelt gefährdet Arbeitsplätze auch in Schleswig-Holstein. Nach einer neuen Studie im Auftrag der Arbeitsagentur Nord könnte – nach dem Stand von 2016 – theoretisch die Arbeit von 21,9 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten durch Computer oder computergesteuerte Maschinen weitgehend ersetzt werden. Die Chefin der Arbeitsagentur Nord, Margit Haupt-Koopmann, präsentierte die Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) zusammen mit Arbeitsminister Dr. Bernd Buchholz in Kiel.

Allerdings sei dies eine rein theoretische Betrachtung, die nur die technologischen Möglichkeiten untersuche, sagte Haupt-Koopmann. Die Wirtschaftlichkeit entsprechender Investitionen zum Beispiel werde nicht berücksichtigt. «Mit einem massiven Arbeitsplatzverlust ist in den nächsten Jahren daher nicht zu rechnen», sagte Haupt-Koopmann. Sie verwies auf eine andere Studie, nach der in Deutschland bis zum Jahr 2025 etwa 1,5 Millionen Arbeitsplätze wegfallen, aber etwa genauso viele neu entstehen durch die Digitalisierung.

Entscheidend sei, dass die Weiterbildung im Berufsleben eine viel größere Bedeutung gewinne, um die neuen technologischen Anforderungen im Beruf zu meistern, betonte Haupt-Koopmann. Auch Buchholz nnnte die Weiterbildung als einen Schlüssel zur Bewältigung des mit der Digitalisierung verbundenen Strukturwandels.

Im Gespräch mit Journalisten sagte Buchholz weiter (Audio starten – „im Browser anhören“)

Innerhalb von drei Jahren – von 2013 bis 2016 – nahm der Studie zufolge in Schleswig-Holstein die Zahl der durch die Digitalisierung gefährdeten Jobs von 12 Prozent auf 21,9 Prozent zu. Dabei gebe es erhebliche regionale Unterschiede. In Nordfriesland mit viel Landwirtschaft und Hotelgewerbe seien 16,5 Prozent der Jobs betroffen, im Kreis Stormarn mit viel Logistik-Unternehmen 26,4 Prozent. «Besonders groß ist die Zunahme in den unternehmensbezogenen Dienstleistungsberufen und in den Verkehrs- und Logistikberufen», heiß es in der Studie. «Je geringer das Anforderungsniveau ist, desto höher ist das durchschnittliche Substituierbarkeitspotenzial» – also die Ersetzbarkeit von Tätigkeiten durch Digitalisierung.

Dass es im Kreis Stormarn trotz des hohen Logistikanteils nicht zu Arbeitsplatzabbau kam, sondern sogar mehr Jobs entstanden, liegt laut Haupt-Koopmann auch daran, dass die menschliche Arbeitskraft oft noch wirtschaftlicher ist als teure Investitionen in digitale Maschinen und Prozesse.

AgenturFür Buchholz zeigt die IAB-Studie unter anderem auch, dass die Landesregierung mit ihrem in fast allen Ressorts verankerten Digitalisierungsprogramm auf dem richtigen Weg sei. «Wir sind in Schleswig-Holstein zwar von den prognostizierten Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt eher moderat betroffen», sagte der Minister. «Gleichwohl haben wir unseren Blick und unsere Förderinstrumente darauf ausgerichtet, die mit der Digitalisierung verbundenen Impulse, Chancen und Risiken eng zu begleiten, um Arbeitgeber und Arbeitnehmer im echten Norden fit für die «Arbeitswelt 4.0» zu machen.»

Die Studie decke sich zudem mit den Erkenntnissen einer im Sommer vorgelegten Vergleichsstudie der Fachhochschule Kiel. Demnach werde sich die Arbeitswelt zwar grundlegend wandeln und manch heutiger Beruf nicht mehr existieren. Doch lägen in dem Wandel mehr Chancen als Risiken wie ein eklatanter Anstieg der Arbeitslosigkeit.

 

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