Ein wahrer Meister der Hochfrequenztechnik holt den Hauptpreis des Ideenwettbewerbs 2018

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Alwin Reinhardt von der Kieler Uni holte den mit 5000 Euro dotierten Hauptpreis – hier mit IB.SH-Chef Erk Westermann-Lammers und Wirtschaftsminister Buchholz     Fotos: Jan Konitzki

Bereits zum achten Mal wurden heute im Rahmen des Ideenwettbewerbs Schleswig-Holstein herausragende Gründungsideen mit wirtschaftlichem Potenzial aus dem echten Norden ausgezeichnet. Der erste Platz ging am Abend an Alwin Reinhardt, Doktorand am Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik an der CAU zu Kiel. Seine Konstruktion eines neuartigen Radarsensors, der Menge, Größe und Geschwindigkeit von Kleinstpartikeln in Rauch und Luftströmungen kontaktlos messen kann, belohnte die Jury mit einem Preisgeld von 5.000 Euro.

Als Zweitplatzierte freuten sich Rettungssanitäter Stefan Kleen und die Produktdesigner Johann Henkel, Lars Horn und Till Kemlein über ein Preisgeld von 3.000 Euro. Ihre Entwicklung: ein präklinisches Temperatur- und Trauma-Managementsystem, das bei Unterkühlungs-Patienten schon während des Krankentransports eine kontrollierte Wärmezufuhr ermöglicht. Den dritten Platz (1500 Euro)  belegte Benjamin Unterluggauer, Studierender des Studiengangs Industriedesign an der Muthesius Kunsthochschule, mit „MIKADO“. Dieser variable Möbelbausatz besteht aus Rundholzstangen, die sich dank eines innovativen Klemmverbinders zu unterschiedlichen Einrichtungsgegenständen kombinieren lassen.

Die Preisgelder für die drei Hauptpreise werden traditionell von der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH), der MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein mbH (MBG) und dem Verein Nordzentren  gestiftet.

Auch in diesem Jahr  wurde der Ideenwettbewerb  von der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) organisiert, diesmal in Kooperation mit der Muthesius Kunsthochschule. Gesucht wurden wieder innovative, zukunftsweisende Gründungsideen aus  Hochschulen, Forschungseinrichtungen, die sich in Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren umsetzen lassen, die praxisnah, wirtschaftlich verwertbar und am Markt erfolgreich sind.

Ein Ausschnitt aus der Eröffnung des Abends mit der Rede von Schirmmherr Bernd Buchholz hier

Eine Expertenjury, die sich aus erfahrenen Vertretern von Wissenschaft, Wirtschaft und den Förderinstitutionen des Landes zusammensetzt, bewertete die eingereichten Ideen unter anderem in Bezug auf ihre Einzigartigkeit, ihren Kundennutzen und ihre Bedeutung für Schleswig-Holstein.

Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz, Schirmherr des Ideenwettbewerbs, beglückwünschte die Gewinner zu ihrem Erfolg: „Wir wollen den Unternehmergeist im echten Norden weiterhin fördern und das große Potenzial der vielen innovativen und kreativen Köpfe im Land so gut wie möglich nutzen“, so Buchholz. „Deshalb schaffen wir nicht nur gründerfreundliche Strukturen, sondern unterstützen und begleiten zukünftige Unternehmer auch mit unserem Gründungsnetzwerk.“

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WT.SH-Chef Bösche, Buchholz und Sponsor Westermann-Lammers

„Eine ausgezeichnete Idee ist natürlich eine sehr gute Basis“, sagte WTSH Geschäftsführer Dr. Bernd Bösche. „Aber der Weg zur eigenen erfolgreichen Firma ist oft deutlich länger und härter als man denkt. Wir unterstützen Gründerinnen und Gründer nicht nur, indem wir umfassend beraten und wichtige Kontakte herstellen. Wir eröffnen auch den Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten wie dem Seed- und StartUp-Fonds II, dem Gründungsstipendium und anderen Förderoptionen.“

Das Gründungstipendium Schleswig-Holstein unterstützt Hochschulabsolventinnen und -absolventen bei der Realisierung ihrer technologie- oder wissensorientierten Geschäftsidee und der Vorbereitung einer Unternehmensgründung. Gemeinsam mit der IB.SH und der MBG hat das Land Schleswig-Holstein zu diesem Zweck für den Zeitraum von 2016 bis 2019 insgesamt eine Million Euro bereitgestellt. Durch das Stipendium werden insbesondere die Lebenshaltungskosten während der so genannten Pre-Seed Phase, dem Zeitraum vor der eigentlichen Unternehmensgründung, finanziert. An deren Ende soll ein Businessplan vorliegen, mit dem weitere Mittel eingeworben werden können. Die Gründungsstipendien werden durch die WTSH vergeben.

Erfolgversprechende Gründungen mit höherem Kapitalbedarf können, zum Beispiel  nach Ablauf des Gründungsstipendiums, aus dem Seed- und StartUp-Fonds Schleswig-Holstein II gefördert werden. Auf diesem Weg stellt das Land gemeinsam mit der IB.SH und der MBG bis zum Jahr 2022 Beteiligungskapital mit einem Gesamtvolumen von 16 Millionen Euro bereit.

Darüber hinaus bringt der Baltic Business Angels Schleswig-Holstein e. V. Unternehmensgründer und Privatinvestoren zusammen. Auf Initiative der WTSH im Jahr 2018 gegründet, schließt der Verein damit die Lücke zwischen jungen, innovativen Unternehmen und Business Angels.

Als Partner des Ideenwettbewerbs engagiert sich auch die Muthesius Kunsthochschule für einen intensiven Innovationstransfer. Sie beteiligt sich nicht nur aktiv am Netzwerk und Verein StartUp Schleswig-Holstein, sondern hat mit dem Muthesius Transferpark auch ein eigenes Kompetenzzentrum gegründet, das für Austausch und Kooperation mit Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sorgt. „Mutige Ideen sind der Humus für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt“, sagt Dr. Inge Schröder, Leiterin des Transferparks. „Doch die Umsetzung braucht professionelle Unterstützung. Da ist es nur folgerichtig, sich für diesen großartigen Wettbewerb zu engagieren.“

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Gespanntes Publikum in der Kieler Musik-Schule 

Die Sieger-Projekte

  1. Preis (5.000 Euro, gestiftet von der Investitionsbank Schleswig-Holstein)

Einen Radarsensor, der Menge, Größe und Geschwindigkeit von Kleinstpartikeln in Rauch und Luftströmungen kontaktlos messen kann, entwickelte Alwin Reinhardt, Doktorand am Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik an der CAU Kiel. Eingesetzt werden könnte das Gerät zum Beispiel zur Emissionskontrolle von Kraftfahrzeugen und Schiffen. Es detektiert Partikel allerdings nicht nur, wenn sie frei schweben, sondern zum Beispiel auch innerhalb eines Rohres. Damit könnte es auch in der Pharmaindustrie eingesetzt werden: etwa zur Überwachung der Pulverzuführung durch ein Produktionsrohr bei der Tablettenherstellung. „Im Prinzip können Sie mit dem Gerät auf eine Rauchwolke zielen und erhalten sämtliche Informationen: Wie hoch ist die Partikelkonzentration? Wie groß sind die Partikel? Und wie schnell bewegen sie sich? Das alles in Echtzeit und wireless.

Der IB.SH-Vorstandsvorsitzende Erk Westermann-Lammers erklärte: „Mit der Vergabe des 1. Preises beim Ideenwettbewerb fördert die IB.SH innovative Köpfe und gleichzeitig auch die schleswig-holsteinischen Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Nicht zuletzt sichern beide die Attraktivität und die Zukunftssicherheit unseres Bundeslandes.“

  1. Preis (3.000 Euro, gestiftet von der MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein mbH)

Auf dem zweiten Platz landete ein vierköpfiges Team, bestehend aus Rettungssanitäter Stefan Kleen und den Produktdesignern Johann Henkel, Lars Horn und Till Kemlein. Gemeinsam entwickeln sie ein präklinisches Temperatur- und Trauma-Managementsystem, das bei Unterkühlungs-Patienten schon während des Krankentransports eine kontrollierte Wärmezufuhr ermöglicht. Obwohl Unterkühlung ein wesentlicher Faktor für die Sterblichkeit von Notfallpatienten ist, werden aktuell im Rettungsdienst mangels technischer Möglichkeiten keine kontrollierten Gegenmaßnahmen ergriffen. Dieses neue System ermöglicht es Sanitätern, schon während des Transports auf den Temperaturverlust des Patienten zu reagieren und seine Überlebenschancen damit deutlich zu verbessern.

  1. Preis (1.500 Euro, gestiftet vom Nordzentren e. V.)

Den dritten Platz belegte Benjamin Unterluggauer, Designer und Studierender des Studiengangs Industriedesign an der Muthesius Kunsthochschule, mit „MIKADO“. Dieser variable Möbelbausatz orientiert sich an den Bedürfnissen der so genannten modernen Nomaden: (dabei handelt es sich um Menschen, die sich entschieden haben, sich von veralteten Lebensmodellen abzukoppeln und ihrem Leben mehr Freiheit haben zu wollen): Er besteht aus Rundholzstangen, die sich dank eines innovativen Klemmverbinders immer wieder neu kombinieren lassen. So ist nicht nur der häufige Transport inklusive Auf- und Abbau kein Problem, die Elemente lassen sich auch zu unterschiedlichen Möbelstücken zusammensetzen. So kann das Regal zur Garderobe werden oder der Hocker zur Lampe. Darüber hinaus sind die Produktionskosten sowohl der Rundholzstangen als auch der im Spritzgussverfahren hergestellten Klemmverbinder besonders niedrig.

Zusätzlich wurden fünf Sonderpreise vergeben:

Sonderpreis „CREATE*IT“ (1.000 Euro, gestiftet vom Muthesius Transferpark)

Der Sonderpreis in der Kategorie „CREATE*IT“ ging an die Designerin und Muthesius-Absolventin Janet Perozo für „Supplymom“, ein innovatives Pflegehemd für Frauen nach einer Geburt per Kaiserschnitt. Fast ein Drittel der Kinder in Deutschland kommen per Kaiserschnitt auf die Welt. Bisher müssen die jungen Mütter während der Nachversorgung ein klassisches Flügel- oder Patientenhemd tragen – vorne geschlossen und hinten offen. Dieses Hemd muss zum Stillen umständlich hochgezogen werden und macht diesen Vorgang für Mutter und Baby äußerst unkomfortabel. Supplymom verfügt über einen besonderen Schnitt und verdeckte Schlitze an der Vorderseite, dank denen die Mutter ihr Baby bequem stillen kann. Dabei bleibt die weibliche Brust vor Blicken geschützt und die Intimsphäre gewahrt. Der medizinisch-pflegerische Zugriff auf der Rückseite wird nicht beeinträchtigt.

Sonderpreis „Green“ (1.000 Euro, gestiftet von der r2p GmbH)

Der Sonderpreis in der Kategorie „GREEN“ ging an Dr. Biniam Samuel, Leonie Hock und Tobias Möckel für „Aquacubes“, ein innovatives, kompaktes und vollautomatisiertes Modul zur sicheren, einfachen und ökologischen Fischzucht bei geringem Platzbedarf. In Modulen von 1 oder 2,5 m3 können Privatpersonen oder gewerbliche Anbieter in Eigenregie edle Speisefische züchten. Nachdem die in Öko-Qualität vorgezüchteten Fische in das Modul eingesetzt worden sind, regelt eine intelligente Steuerung sämtliche Parameter selbstständig. Dabei wird der Wasserverbrauch durch eine einzigartige rezirkulierende Filtertechnik drastisch reduziert, die für eine vollständige Wasseraufbereitung und beste Wasserqualität sorgt. Der aktuelle Zustand des Systems und der Fische kann über eine entsprechende Software-Applikation jederzeit online abgerufen werden.

Sonderpreis „IP“ (Schutzrechtsberatung im Wert von 1.000 Euro, gestiftet von der PVA SH GmbH)

Der Sonderpreis in der Kategorie „IP“ geht an Karim Salama, Student der TU Berlin, und Oliver Willuweit, Student der FH Kiel, für die Entwicklung von „Modular Rapid Tooling“, eines neuartigen Verfahrens zur Fertigung dreidimensional-komplexer faserverstärkter Kunststoff-Formteile. Bisher werden solche Werkstücke in individueller Ausprägung und geringen Stückzahlen in aufwändiger Handarbeit hergestellt. Durch die Kombination unterschiedlicher steuerungstechnisch gestützter Fertigungsverfahren und spezieller Werkstoffe ist es Karim Salama und Oliver Willuweit gelungen, sowohl Herstellungszeiten als auch Fertigungsaufwände deutlich zu reduzieren. Das Verfahren macht strukturellen Leichtbau auch in mittleren Stückzahlen bezahlbar und ist unter anderem für ergonomische und orthopädietechnische Anwendungen interessant.

Sonderpreis „IT“ (1.000 Euro, gestiftet von der assono GmbH)

Der Sonderpreis in der Kategorie „IT“ geht an Psychotherapeutin in Ausbildung Johanna Marciniak und Softwareentwickler Malte Hecht für die Entwicklung von „Siggi“, einer Lernapp für die Ausbildung psychologischer Psychotherapeuten. Nach einem Studium der Psychologie müssen Berufsanfänger in diesem Bereich eine mehrjährige berufsbegleitende Ausbildung mit einer schriftlichen mündlichen Prüfung abschließen. In der App leitet Sigmund Freud als Siggi durch den Themendschungel, organisiert und strukturiert die Prüfungsvorbereitung, bereitet die originalen Prüfungsfragen übersichtlich auf und dokumentiert den Lernerfolg. Mittelfristig soll Siggi zu einem Weiterbildungsportal und zu einem Nachschlagewerk für bereits approbierte Psychotherapeuten weiterentwickelt werden.

Sonderpreis „LIFE“ (1.000 Euro, gestiftet von der Planton GmbH, BioAnalytik)

Der Sonderpreis in der Kategorie „LIFE“ geht an Thomas Brandt für seine flexiblen Tauchantriebssysteme für Menschen mit Behinderungen. Der ehemalige Konstrukteur (und leidenschaftlicher Taucher) von Unterwasser- und Tiefseemesstechnik für das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel hat ein kabelgeführtes Antriebssystem entwickelt, das Taucher mit Behinderungen selbst steuern und sich so im Wasser selbstständig bewegen können. Das System ist für Salz- und Süßwasser konstruiert und somit weltweit einsetzbar. Durch seine modulare Gestaltung kann es individuell an Art und Schweregrad der jeweiligen Behinderung angepasst werden und ist auch für Tauchanfänger und für den Einsatz auf Tauchbasen im Rahmen der Tauchausbildung geeignet.

 

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