Treffen der Küsten-Minister: Wettstreit bei LNG – Schulterschluss bei Wasserstoff und Mobilfunk

Kuewi
Buchholz (links) mit seinen Kollegen Althusmann (Niedersachsen), Frenzel (Hamburg), Senator Westhagemann (Hamburg) und Schulz (Bremen)
Wer macht das Rennen um den ersten Terminal für verflüssigtes Gas (LNG) in Deutschland? Wie sichern wir die Mobilfunkversorgung im norddeutschen Küstenbereich? Wie könnten gemeinsame Strategien für autonomes Fahren auf See oder die Umwandlung von Windstrom in Wasserstoff aussehen? Diese Fragen standen heute im Mittelpunkt des Herbst-Treffens der Wirtschafts- und Verkehrsminister der fünf norddeutschen Küstenländer. Die Konferenz der Senatoren und Minister aus Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Schleswig-Holstein und Bremen fand im Wilhelmshavener Jade-Weser-Port statt.

Einig waren sich die Teilnehmer der Konferenz, dass die Mobilitäts- und Energiewende insbesondere für Norddeutschland große Chancen bietet, etwa durch die Nutzung von Wasserstoff. Hamburgs Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, Michael Westhagemann, sagte anlässlich der von der Konferenz beschlossenen gemeinsamen Strategie Wasserstoffwirtschaft: „Wasserstoff wird eine entscheidende Schlüsselrolle für das Gelingen der Energie- und Verkehrswende spielen. Wir setzen deshalb auf diese Zukunftstechnologie und wollen den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Norddeutschland vorantreiben.“

Schleswig-Holsteins Wirtschafts- und Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz, der im kommenden Jahr den Vorsitz der Konferenz übernimmt, sagte dazu: „Obwohl inzwischen weitgehend Konsens ist, dass der Umbau des Energiesystems ohne Wassersstoff nicht gelingen wird, fehlen vom Bund die entscheidenden Impulse, um das Thema wirklich voran zu bringen.“ Man beschränke sich in Berlin auf das Entwerfen wohlklingender Zukunftsszenarien und die Förderung von einigen Forschungs- und Demonstrationsvorhaben. Diese  Hängepartie führe dazu, dass die großen industriepolitischen Chancen nicht genutzt werden, die das Thema Wasserstoff mit sich bringe. „Darum haben wir uns jetzt entschlossen, nicht weiter auf den Bund zu warten, sondern als Küstenländer voranzuschreiten“, so Buchholz.

Buchholz_RedeZum Thema erster LNG-Terminal in Deutschland sagte Buchholz im Gespräch mit Journalisten

(Audio starten)

Ebenfalls Thema der Konferenz: die Situation der norddeutschen Werftindustrie, gerade vor dem Hintergrund des sich verschärfenden internationalen Wettbewerbs. Dazu erklärte Jörg Schulz, Staatsrat beim Bremer Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen: „Im Jahr 2017 beträgt der Weltmarktanteil europäischer Werften 35 Prozent der globalen Auftragseingänge. Damit setzt sich der Anstieg im Auftragsbestand in Europa fort. Auch für deutsche Werften bleiben die Auftragsbestände mit rund 17,7 Milliarden Euro auf hohem Niveau. Dies schlägt sich auch in die steigende Beschäftigungsquote nieder. Um dennoch im verschärften internationalen Wettbewerb langfristig gegen Überkapazitäten und verzerrte Wettbewerbsbedingungen beständig zu bleiben, sind gebündelte Kräfte und weitere Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Branche erforderlich. Die Finanzierung und innovationsstärkende Rahmenbedingungen stellen weiterhin eine Herausforderung dar.“

Mit Blick auf die Mobilfunkversorgung im norddeutschen Küstenraum sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann: „Die Mobilfunkversorgung der Wasserstraßen und Seehäfen ist noch immer lückenhaft und in weiten Teilen des angrenzenden deutschen Küstenbereichs vielfach nicht gegeben. Eine zuverlässige Mobilfunkversorgung würde der gesamten maritimem Wirtschaft in Deutschland die Möglichkeit bieten, die Sicherheit des Schiffsverkehrs zu steigern, die internationale Wettbewerbsfähigkeit des maritimen Sektors auszubauen und den Unternehmen der Branche neue Chancen im digitalen Umfeld eröffnen.“ Zwar beabsichtige die Bundesnetzagentur bis 2024 eine Versorgung der Seehäfen und des Kernnetzes der Wasserstraßen in einer Qualität von 50 MBit/s zur Auflage zu machen. Althusmann stellte aber klar: „Die Versorgung des Küstenraums ist eine nationale Aufgabe, die nicht von den Küstenländern allein gelöst werden kann.“

So berichtet der sh:z in seiner Dienstagausgabe:


 

 

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