Buchholz vor Küstenministerkonferenz: Trend zur autonomen Schifffahrt nicht verschlafen

Deutschland darf nach Ansicht von Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) nicht den Trend zur autonomen Schifffahrt verschlafen. Nicht nur in der Automobilindustrie sei der technologische Wettlauf um die Entwicklung autonomer Fahrzeuge voll entbrannt, sagte Buchholz vor der Herbst-Konferenz der norddeutschen Verkehrsminister. Das Treffen beginnt Morgen (10 Uhr) in Wilhelmshaven.

«Mit dem technologischen Know-how an unseren Küsten und unserem Maritimen Cluster Norddeutschland sollten wir eigentlich genügend Ressourcen aufbringen, um auf diesem Zukunftsfeld weit vorn mitzuspielen», sagt Buchholz. Und das gelte nicht nur für die Seeschifffahrt, sondern auch für die Binnenschiffe, die nach Verbandsangaben ebenfalls in 15 Jahren ohne Kapitän auskommen wollen. Dem Maritimen Cluster Norddeutschland gehören rund 350 Unternehmen und Institutionen in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Bremen an.

Um nicht hinter Norwegen zurückfallen, muss nach Ansicht von Buchholz in Deutschland das gemeinsame Maritime Netzwerk in diesem Bereich rasant ausgebaut und vor allem von bürokratischen Fesseln gelöst werden. Er erinnerte auch daran, dass von der Kieler Universität derzeit ein digitales Testfeld für die Kieler Förde vorbereitet werde.

«Aber um das Projekt wirklich mit dem nötigen Dampf voranzutreiben, sind noch viele Hürden zu nehmen – vor allem der schnelle Ausbau eines 5G-Mobilfunknetzes», so der Minister. Hier seien vor allem der Bund und die Netzbetreiber gefordert, Bremsklötze zu lösen. Auch der dafür nötige Ausbau des Glasfaser-Netzes hinke in den meisten Ländern noch zu weit hinterher. In Schleswig-Holstein liege die Verfügbarkeitsquote für Glasfeser aktuell bei 35 Prozent – im Bundesvergleich mit Abstand der Spitzenwert.

Mit seiner Mahnung spielt Buchholz unter anderem auf das im Frühjahr von zwei norwegischen Konzernen gegründete Gemeinschaftsunternehmen Massterly an. Das Start-Up  ist das erste Unternehmen weltweit, dass sich auf die Entwicklung der notwendigen Infrastruktur und die Bedienung autonomer Schiffe spezialisiert hat.

„In unseren Ländern gibt es viele Zulieferbetriebe für die Schifffahrt, die von derartigen Entwicklungen enorm profitieren können,“ sagt Buchholz.  Auch angesichts des absehbaren Fachkräftemangels und zum Teil wenig attraktiver Arbeitsbedingungen an Bord könnte die autonome Schifffahrt zum Erhalt des Wirtschaftsstandortes beitragen.

Gerade im Nord- und Ostseeraum entstünden derzeit vielfältige Initiativen, die auch erhebliche Chancen für Forschungseinrichtungen der norddeutschen Länder schaffen. Buchholz: „Und diese Chancen wollen und müssen wir Küstenländer beispielsweise über die Schaffung maßgeschneiderter maritimer Testumgebungen oder durch Projektförderungen vorantreiben. Gleichzeitig erwachsen daraus sicherheitstechnische wie regulatorische Herausforderungen, die wir gemeinsam stemmen müssen – wie etwa die flächendeckende Verfügbarkeit zuverlässiger Mobilfunksysteme.“

Die Nord-Länder wollen laut Buchholz dazu ihren Beitrag leisten, seien aber auch auf das Engagement des Bundes in der internationalen Gemeinschaft angewiesen.

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