Tagesreisende fliegen auf den echten Norden – und sorgen für Milliarden-Umsatz

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Touristen-Magnet Rapsblüte: Ein Anziehungspunkt nicht nur für Radfahrer

Tagesreisende steuern in Schleswig-Holstein mehr als zwei Drittel zum touristischen Gesamtumsatz bei. Im vergangenen Jahr bewirkten 130,4 Millionen Tagesreisen einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro, wie aus dem heute vorgestellten Tourismusbarometer 2019 hervorgeht. Die Summe entspreche 36 Prozent des touristischen Gesamtumsatzes im Land. Nach Angaben des Fremdenverkehrsinstituts dwif sind in der genannten Zahl der Tagesreisen auch Geschäftsreisen, Verwandtenbesuche oder Fahrten zu Sportveranstaltungen enthalten. Zwei Drittel der Tagesreisenden kommen aus Schleswig-Holstein. Jeder von ihnen gibt am Tag im Durchschnitt 26,60 Euro aus. «Der Tagestourismus ist ein unterschätzter Riese», sagte dwif-Experte Markus Seibold.

Unterdessen zeigt die Erfolgskurve des Schleswig-Holstein-Tourismus zeigt weiter nach oben. Die rund 4.000 gewerblichen Beherbergungsbetriebe verzeichneten 2018 8,6 Millionen Ankünfte und 34,5 Millionen Übernachtungen.  „Der Tourismus in Schleswig-Holstein umfasst weit mehr als die Übernachtung ab 10 Schlafgelegenheiten, die in der amtlichen Tourismusstatistik erfasst werden. Neben den Übernachtungsgästen sind die Tagesgäste ein entscheidender Markt für den Tourismus in Schleswig-Holstein“, sagte Reinhard Boll, Präsident des Sparkassen- und Giroverbands für Schleswig-Holstein. Das geht aus einer exklusiven Sonderauswertung des dwif-Tagesreisemonitors vor, aus der die aktuellen Zahlen stammen. Boll weiter: „Die Top-Aktivitäten des Tagesreisenden waren Shopping, der Besuch von Freizeiteinrichtungen sowie der Besuch von Restaurants und Cafés“.

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dwif-Experte Kartsen Heinsohn erläutert die Tourismus-Zahlen und -trends

Mit einem Plus von 15,3 Prozent  bei den Übernachtungen lag das nördlichste Bundesland nach Angaben der Statistischen Ämter auf Platz 1 im Dynamikranking aller 16 Bundesländer. Das hohe Wachstum in Schleswig-Holstein 2018 ist jedoch zum Teil auf die Berichtskreisprüfung des Statistikamtes Nord zurückzuführen, so dass die Daten nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar sind. Das Sparkassen-Tourismusbarometer belegt mit einer Modellrechnung: Selbst unter Berücksichtigung dieser Statistikeffekte lag Schleswig-Holstein am Jahresende bei einem Über-nachtungszuwachs von 3,5 Prozent und damit zum sechsten Mal in Folge bei der Nachfragedynamik vor seinen beiden benachbarten Küstenbundesländern.

Ein Modellprojekt des Sparkassen-Tourismusbarometers Schleswig-Holstein soll künftig mehr Transparenz in die touristische Zahlenwelt bringen. Zusammen mit 11 Modellkommunen, die für rund 40 Prozent  der Gesamtnachfrage stehen, werden ab sofort monatlich die Daten aus der Meldescheinstatistik ausgewertet. „Dies soll den touristischen Akteuren zusätzliche Chancen bieten, kurzfristig auf Marktentwicklungen reagieren zu können und eine belastbare Grundlage für die Einschätzung der eige-nen Situation im Wettbewerbsvergleich zu bekommen“, sagte Stephanie Ladwig, Vorsitzende des TVSH.

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Branchentreffen: Die Gäste des heutigen Sparkassen-Tourismusbarometer bei der heutigen Veranstaltung in der Sparkassen-Akademie in Kiel

Johannes Hartwig, Tourismus-Abteilungsleiter aus dem Wirtschaftsministerium,  zog ebenfalls eine positive Bilanz: „2018 war wieder ein Rekordjahr für den Tourismus in Schleswig-Holstein. Wir schwimmen nicht nur bei Ankünften und Übernachtungszahlen auf der Erfolgswelle, sondern konnten uns auch beim wichtigen Kriterium der Gästezufriedenheit verbessern: Die Gästezufrie-denheit in Schleswig-Holstein ist weiter gestiegen und liegt laut TrustYou bei erfreulichen 85,4 von 100 möglichen Indexpunkten. Wir verteidigen somit den zweiten Rang, nur Bayern liegt noch vor uns.“

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Auch die Meinung des Fachpublikums war beim diesjährigen Tourismusbarometer gefragt

Der TrustScore fasst Bewertungen von über 30 Onlineplattformen für Hotels und Ferienwohnungen zu einem Gesamtwert der Gästezufriedenheit zusammen. Der Durchschnittswert für Deutschland liegt bei 83,5 Punkten. Die Steigerung der Zu-friedenheit zog sich durch alle Regionen in Schleswig-Holstein. In wichtigen Teilbe-reichen der Gästezufriedenheit wie Service, Hotel oder Zimmer erhielten die Gast-geber in Schleswig-Holstein bessere Noten als im Deutschlanddurchschnitt. „Diese Ergebnisse sind Ansporn für uns, weiter am Ball zu bleiben – die Verbesserung der Qualität ist schließlich eine Daueraufgabe. Da dürfen wir nicht nachlassen“, resü-mierte Hartwig.

Auch im Bereich Mobilität bestehen Optimierungspotenziale. Stephanie Ladwig vom TVSH dazu: „Mobilität ist ein Schlüsselfaktor für das Reisen und gleichzeitig sind Verkehrsprobleme die am häufigsten genannten negativen Begleiterscheinungen im Tourismus. Verkehr und Mobilität müssen aktiv gemanagt werden, von der Anreise bis zur Vor-Ort-Mobilität. Wenn es um Kooperationen geht, dann müssen Verkehrs-unternehmen, Touristiker, Nachhaltigkeitsexperten, Politik und Verwaltung mit an den Tisch.“ Ein weiteres wichtiges Handlungsfeld sei die Besucher- und Ver-kehrslenkung im stark PKW-dominierten Schleswig-Holstein-Tourismus: „Hinzu kommt die Schaffung von erlebnisorientierten Mobilitätsangeboten in den Destinati-onen, Mobilität mit eigenem Erlebnischarakter. Und schließlich gilt es, das Thema Finanzierung weiter anzupacken.“

Auf Basis dieser Erkenntnisse hat das Sparkassen-Tourismusbarometer zwei zent-rale Thesen in Richtung Branche und der Politik formuliert: 1. Mobilität ist ein Grundbedürfnis für alle und eine der zentralen Herausforderungen im Tourismus. Tourismus und Standortentwicklung fließen hier zusammen. Touristiker, Kommunen und Verkehrsdienstleister in Schleswig-Holstein denken jedoch noch zu häufig zu eng, denn Mobilität muss von vielen Akteuren gemeinsam gestaltet werden. 2. Ta-gesreisen sind ein Milliardengeschäft mit Begleiterscheinungen, z.B. die Verkehrs-thematik. Das Segment spricht insbesondere die Binnennachfrage in SH an – zwei Drittel der Tagesgäste kommen aus SH -, also auch die Einheimischen. Die strate-gischen Grundlagen der Touristiker ranken sich jedoch meist um die Übernachtungsgäste aus dem In- und Ausland. Hier braucht es ein Umdenken.

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