Buchholz bei Maritimer Konferenz: Wir müssen mehr junge Menschen für maritime Berufe begeistern

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat heute bei der 11. Nationalen Maritimen Konferenz In Friedrichshafen am Bodensee die versammelten rund 800 Politiker, Unternehmens- und Verbandsrepräsentanten, Gewerkschafter, Marinevertreter und Experten aufgerufen, den Kampf gegen den Klimawandel weiter zu unterstützen. Um den CO2-Ausstoß im Seeverkehr zu senken, müssten Kraftstoffe auf der Basis erneuerbarer Technologien und alternative Antriebe – darunter die Brennstoffzelle – entwickelt werden.

Merkel betonte die herausragende Bedeutung der maritimen Wirtschaft für ganz Deutschland. Sie erwirtschafte jährliche Umsätze von mehr als 50 Milliarden Euro und beschäftige alles in allem beinahe eine halbe Million Menschen. Zudem habe Deutschland eine der größten Handelsflotten der Welt. Merkel machte auch deutlich, dass die Branche sich massiv gegen den Fachkräftemangel rüsten müsse, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Vor diesem Hintergrund führte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) am Rande der Konferenz mit dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) das folgende Interview (Donnerstagausgabe)

Kanzlerin Merkel hat zur Eröffnung der Nationalen Maritimen Konferenz den steigenden Fachkräftebedarf in der Maritimen Branche thematisiert. Wie ist Schleswig-Holstein da aufgestellt?

Buchholz: Nicht schlecht, aber auch mit Luft nach oben. Denn auch mit Blick auf Schleswig-Holsteins maritimen Nachwuchs hat die Kanzlerin Recht, wenn Sie sagt: Wir müssen wieder mehr junge Leute für maritime Berufe begeistern, damit die Branche nicht an Schlagkraft verliert. Allein unsere großen sechs Werften im Land beschäftigten aktuell direkt rund 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter  – rechnet man den hohen Anteil von Zulieferbetrieben dazu, kommen wir auf 20.000 Beschäftigte. Wir haben also viel zu verlieren, wenn wir uns nicht um den Nachwuchs kümmern.

Wir alle erinnern uns noch an die Kahlschläge bei Reedereien und Werften infolge der Finanzkrise vor nicht einmal 20 Jahren – Sie raten jungen Menschen also trotzdem dazu, in dieses Geschäft einzusteigen?

Buchholz: Unbedingt! Keine Branche ist vor Krisen gefeit. Aber in Zeiten zunehmender Digitalisierung und Automatisierung wird doch die ohnehin schon breite Palette an maritimen Berufen immer bunter und anspruchsvoller. Wer sich heute für eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker entscheidet, hat exzellente Berufsaussichten. Und mit unserer Seemannsschule auf dem Priwall, der FH für Seefahrt in Flensburg und den Hochschulen in Flensburg und Kiel stellen wir jungen Menschen enorme Ausbildungsmöglichkeiten  im Bereich Nautik als auch bei Schiffsbetriebstechnik oder Schiffbau bereit. Und die Schiffsmechaniker-Ausbildung bietet gerade durch die Kombination von nautischer und technischer Ausbildung variable Möglichkeiten für einen Berufseinstieg, nicht nur im seemännischen Bereich.

Und wo sehen Sie die Luft nach oben?

Um das Berufsbild noch attraktiver zu machen, müssen Bund, Reeder,  Gewerkschaften und die norddeutschen Länder ihre Kräfte für ein koordiniertes Marketing noch besser bündeln. Das werde ich hier in Friesdrichshafen mit meinen Kollegen besprechen. Gerade im Bereich der Schiffbauingenieure ist die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt extrem hoch – und die maritimen Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern ziehen viele Fachkräfte an, teilweise auch aus Schleswig-Holstein.
Die Industrie muss sich dabei aber auch an die eigene Nase fassen. Die Ausbildungsquote der Werften – auch wenn sie im Vergleich zu anderen Branchen immer noch gut ist – ist letztes Jahr auf 6,2 Prozent und damit auf den tiefsten Wert seit 2007 gesunken. So gewinnt man den Kampf um Fachkräfte nicht.

Buchholz mit Konferenz-Gastgeber Norbert Brackmann, Maritimer Koordinator der Bundesregierung

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